Deutschland: Reallohnindex Q4 2016

von am 22. März 2017 in Allgemein

DeutschlandDas Statistische Bundesamt (Destatis) berichtete heute für das 4. Quartal 2016 von einem Anstieg der durchschnittlichen Reallöhne in Deutschland, in Höhe von nur noch +1,1% zum Vorjahresquartal. Nominal stiegen die Löhne um +2,3% zum Vorjahresquartal. Damit schwächt sich die Steigerung der Reallöhne bereits ab, in Q1 2017 dürften die Reallöhne nur noch knapp über die Nulllinie “ziehen” und auch grundsätzlich bieten die Reallöhne wenig Grund zum Jubel, denn sie liegen auch Ende 2016 nur leicht über dem Niveau wie Anfang der 90er Jahre, etwas was gerne verschwiegen wird!

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Der Reallohnindex basiert auf der vierteljährlichen Verdiensterhebung und reflektiert die Bruttomonatsverdienste einschließlich der Sonderzahlungen der vollzeit-, teilzeit- und geringfügig beschäftigten Arbeitnehmer, nach Abzug des Anstiegs beim Verbraucherpreisindex (VPI).

s1992Die Entwicklung des Reallohnindex von Q1 1992 bis Q4 2016 im Vergleich zum Vorjahresquartal im Chart. In Q4 2016 stieg der Reallohnindex um +1,1% zum Vorjahresquartal.

Im Jahr 2016 stieg der Reallohnindex um +1,8% zum Vorjahr, nominal um +2,3%.

s1993Die Entwicklung der durchschnittlichen Reallöhne als Index (Nominallöhne/VPI 2015=100) von Q1 1991 bis Q4 2016 laut der Datenreihe von Destatis im Chart. In Q4 2016 stieg der Reallohnindex um +1,1% zum Vorjahresquartal, auf 109,5 Indexpunkte, nach 108,3 Indexpunkten im Vorjahresquartal. Dadurch das die Ausschläge kleiner werden, also der Einfluss von Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld sinkt, macht es optisch fast den Eindruck als wenn es immer noch keine neuen Hochs gibt.

Nimmt man aber den 4 Quartale gleitenden Durchschnitt, dann gibt es neue “Höhen”. Im 4. Quartal 2016 lag der gleitende Durchschnitt um schwache +3,7% über dem Bestwert der 90er aus Q2 1993:

s1994Die Entwicklung der Reallöhne als 4 Quartale gleitender Durchschnitt seit Q1 1992 bis Q4 2016 im Chart. Am äußeren Rand liegt man doch tatsächlich mit 101,85 Indexpunkten um +3,7% über dem Niveau aus Q2 1993 (98,26 Indexpunkte).

Plus 3,7% bei den durchschnittlichen Reallöhnen in 23 Jahren, bei der Leistungskraft der deutschen Volkswirtschaft ist das GAR NICHTS!


s1995Die Entwicklung des Reallohnindex (blau) und der Arbeitsproduktivität je Stunde (rot) von Q1 1992 bis Q4 2016 im Chart, als Index 1992=100. Während die Produktivität je geleisteter Arbeitsstunde von 1992 bis Q4 2016 um +39,0% zulegte, stieg der Reallohnindex (über vier Quartale gleitend) seit 1992 um +6,2%.

Der durchschnittliche Arbeitnehmer partizipiert in Deutschland im Trend fast gar nicht an den Produktivitätsfortschritten, dem BIP-Wachstum und den massiven Exporterfolgen, darüber können auch die +1,8% beim Reallohn im Jahr 2016 nicht hinwegtäuschen!

Quelle: Destatis.de/Pressemitteilung Nr. 103 vom 22.03.2017: Reallöhne im Jahr 2016 um 1,8 % gestiegen

Kontakt: info@querschuesse.de

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17 KommentareKommentieren

  • Marja - 23. März 2017

    “Der durchschnittliche Arbeitnehmer partizipiert in Deutschland im Trend fast gar nicht an den Produktivitätsfortschritten, dem BIP-Wachstum und den massiven Exporterfolgen, darüber können auch die +1,8% beim Reallohn im Jahr 2016 nicht hinwegtäuschen!”

    Was für den “durchschnittlichen” Arbeitnehmer gilt, gilt aber nicht unbedingt für den medianen Arbeitnehmer, denn die Lohnspreizung hat seit 2000 zugenommen und die Verbrauerpreise sind für Dinge des täglichen Bedarfs eher überdurchschnittlich angestiegen, so dass für die Mehrheit der Arbeitnehmer reale Einkommensverluste bestanden haben dürften (auch wenn der Mindestlohn zu einer gewissen Besserung bei den unteren Einkommen geführt hat).

    In toto: mehr Arbeit, weniger Geld! So was führt dann zu so was: http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/arbeitswelt/miese-motivation-mehr-als-zwei-drittel-machen-dienst-nach-vorschrift-14936871.html

  • Jeha - 23. März 2017

    Ja, zumal das BIP in 2016 mit 1,9% preisbereinigt leicht stärker gewachsen ist als die Löhne.

    Von einer Trendumkehr sind wir meilenweit entfernt.

    Es wird auch unmöglich sein, dies durch zukünftige Lohnsteigerungen auszugleichen. Lohnsteigerungen oberhalb des Produktivitätsfortschrittes führen unweigerlich zu Inflation, die die Lohnsteigerungung sofort wieder aufzehrt. Deshalb ist über Lohnentwicklung die Umverteilung von unten nach oben nicht umzukehren, allenfalls zu stoppen.

    Um das Rückgänging zu machen, bleibt nur die Steuer- und Sozialpolitik, sprich höhere Unternehmenssteuern, höhere Steuern auf Zinsgewinne und hohe Einkommen und Steuerentlastung für die Mittelschicht. Senkung der Mehrwertsteuer wäre auch gerechter sowie die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel.

    Der Mehrwertsteuersatz auf Grundnahrungsmittel ist mittlerweile höher als das was einzelne Unternehmen durch geschickte Ausnutzung des EU-weiten Steuerdschungels als effektiven Steuersatz haben.

    Durch ständige Steuererleichterungen ist der Anteile der Körperschaftssteuer an den gesamten Steuern von 1997 bis 2012 von 4,2 auf 2,8% gefallen.

    Was die deutschen Unternehmen mit ihren Steuern prozentual zum Gemeinwesen ist schlicht lächerlich im internationalen Vergleich.

    http://www.steuermythen.de/wp-content/uploads/Mythos09.pdf (Seite 4)

    Aber Steuererhöhungen werden wohl kaum kommen, dafür wird weiter privatisiert (z.B. Autobahn) auch von der sozialen Arbeiterpartei und ihrem 100% Mann Schulz.

    Wenn die Parteien alle die gleiche neoliberale Sülze ankochen, bauchen die sich nicht wundern, wenn überall extreme Parteien Zuwachs bekommen. Wer neoliberales Gequacksalbere so mit der Demokratie verwebt, dass es de facto Synonym wird, braucht sich nicht wundern, wenn es zuhnehmend mehr Leute gibt die dann lieber gleich beides abschaffen.

    Es ist einfach zum heulen.

    • Holly01 - 24. März 2017

      Hallo Jeha,
      ich bin etwas erstaunt mit welcher Selbstverständlichkeit Sie Inhalte verknüpfen und als gegeben heinstellen.

      – Lohnsteigerung > Produktivitätswachstum = Inflation Warum? Weil die Hersteller sich die Lohnsteigerungen direkt in der zweiten Runde zurück holen?
      Wie wäre denn eine Lohnforderung die so aussähe: “Lohn steigt um die allgemeine Preissteigerung plus 4% aber mindestens um 300€” ? Wie sähe da der Zusammenhang aus? Gibt es einen Konsens, dass nur Löhne die Abnahme der Güter ermöglichen?

      – zu “Um das rückgängig zu machen, bleibt nur die Steuer- und Sozialpolitik, sprich höhere Unternehmenssteuern, höhere Steuern auf Zinsgewinne und hohe Einkommen und Steuerentlastung für die Mittelschicht. Senkung der Mehrwertsteuer wäre auch gerechter sowie die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel.”

      Man kann menschliche Arbeit selbstverständlich fördern. Es fehlt aber die Einsicht, dass es sozial besser ist alle sinnvoll zu beschäftigen und teilhaben zu lassen. Es fehlt auch die Einsicht, dass Menschen kein Produktionsgut sind. Es fehlt schlicht der moraline Druck auf die Eliten und ihre Erfüllungsgehilfen in der Politik, den Medien und der “Wissenschaft” die ja auch immer mehr zur Medienerweiterung verkommt.
      Erst danach kann man die Lohn- und Einkommenssteuer komplett abschaffen und ein Steuersystem einführen, bei dem geringe Einkommen nicht zahlen sondern erhalten.
      Die Besteuerung muss natürlich da erfolgen wo die Geldschöpfung statt findet und begründet ist.
      Wir haben nur keine gesellschaftliche Verankerung in Form von Grundwissen und Vertretung dieser Inhalte.

      – “Wenn die Parteien alle die gleiche neoliberale Sülze ankochen, bauchen die sich nicht wundern, wenn überall extreme Parteien Zuwachs bekommen. Wer neoliberales Gequacksalbere so mit der Demokratie verwebt, dass es de facto Synonym wird, braucht sich nicht wundern, wenn es zuhnehmend mehr Leute gibt die dann lieber gleich beides abschaffen.”
      Der Satz hat mir sehr gefallen, danke dafür.
      lg Holly

  • Marja - 23. März 2017

    @Jeha

    Und was gerne vergessen wird: sozialer Friede ist auch ein wirtschaftlicher Wert. Täter kosten Geld, wenn man sie Jahre wegsperren muss, Opfer kosten Geld, wenn sie nicht mehr arbeiten können, Sicherungsmaßnahmen kosten Geld, Grenzen kosten Geld und am meisten Geld kosten die innere Kündigung und die möglichst frühe Flucht in die sozialen Sicherungssysteme. Man kann natürlich die sozialen Sicherungssysteme weiter demontieren, dann ziehen die Menschen wieder in den Schrebergarten oder man muss sie aus den Innenstädten vertreiben, damit man sich das Elend nicht angucken muss.

    Durch Ungleichgewichte sinkt die Lebensqualität aller.

    Letztlich scheitern wir wirtschaftlich, sozial und politisch. Und am meisten scheitern unsere ethischen Werte, die dieser Ungleichheit willen immer mehr demontiert werden.

    Wer z. B. H4 beschließt – “Fordern und Quälen” -, hat sich von einer ethischen Grundhaltung verabschiedet.

    Die etablierten Parteien haben sich radikalisiert, die Wähler ziehen nur nach.

    • Eurelios - 23. März 2017

      Und am meisten scheitern unsere ethischen Werte, die dieser Ungleichheit willen immer mehr demontiert werden.

      Danke für diese Feststellung. Und je mehr diese Werte abhanden kommen um so größer
      werden die Konflikte die uns in der Zukunft “beschäftigen“ werden.

  • Jeha - 23. März 2017

    Gestern hat Olaf23 den Beitrag von Norbert Häring gepostet, sehr lesenswert.

    Heute hat Makroskop, dass nochmal aufgegriffen.

    https://makroskop.eu/2017/03/die-weisheit-der-mehrheit-der-weisen-ist-offenkundig-dummheit/?success=1

    Der Beitrag ist noch eine kurze Zeit offen für alle, er verschwindet aber irgendwann hinter einer paywall.

    @Marja
    Stimme dir voll zu!

    Das wird auf lange Sicht so wie in den USA und Südafrika. Die Reichen ziehen sich in ihre Resorts zurück, die mit Wachdiensten gesichert sind. In Südafrika sogar mit Mauer und unter Srom gesetzen Stacheldraht. Willkomen in der brave new world.

  • Holly01 - 24. März 2017

    OT:
    http://www.faz.net/aktuell/finanzen/fonds-mehr/danske-invest-inflation-wird-20-jahre-lang-steigen-14934400.html

    Da kann jemand 20Jahre in die Zukunft blicken 😛 …….. das ist alles inzwischen so bekloppt, das man nur noch lachen kann.
    lg Holly

  • uwe - 27. April 2017

    Sinnvoll zur Beurteilung einer angemessenen Partizipation an der Produktivitätssteigerung wäre die Entwicklung des Realstundenlohns im Vergleich zur Produktivitätssteigerung.

    Hier dagegen werden Äpfel und Birnen verglichen.

    Äpfel: Entwicklung der Reallöhne pro Arbeitnehmer OHNE Bezug zur aufgewendeten Zeit
    Birnen: Produktivität PRO aufgewendete Zeit

    • Querschuesse - 27. April 2017

      zugegeben der Vergleich wäre der bessere, scheitert aber daran, das Destatis keine Daten zur Entwicklung des durchschnittlichen Realstundenlohnes veröffentlicht, Zugang zu den Rohdaten, aus denen der Reallohnindex errechnet wird, habe ich leider nicht, ergo kann ich die Realstundenlöhne nicht selbst ausrechnen und darstellen. Unabhängig davon steht außer Frage, das die Partizipation zu schwach ist, wäre sie zu hoch, hätten in den letzten Jahren nicht die Leistungsbilanzüberschüsse weiter zugenommen.

      Die durchschnittlichen Reallöhne selbst liegen nur minimal über dem Level von Anfang der 90er Jahre, womit würdest du diese schwache Entwicklung erklären?

      Um sich dem durchaus komplexen Thema anzunähern ist auch ein Blick hierauf sinnvoll:

      Deutschland: ETR Q4 2016

      Gruß Steffen

  • uwe - 27. April 2017

    Keine Daten? Vielleicht so?
    Um die Einkommensentwicklung pro Arbeitsstunde zu bekommen, verknüpfen wir die Daten des Reallohnindices (Brutto je Person) mit der Entwicklung der Anzahl Erwerbstätige und des jährlichen Arbeitsvolumens. Daten siehe Z.B. hier: http://www.sozialpolitik-aktuell.de/tl_files/sozialpolitik-aktuell/_Politikfelder/Arbeitsmarkt/Datensammlung/PDF-Dateien/abbIV4.pdf

    Macht von 1992 bis 2016 eine Arbeitszeitreduktion von gut 15% pro Person. Mit den oben genannten 6,2% Reallohnanstieg pro Person sind das dann pro Arbeitsstunde 1,062*1,15=1,225 bzw. 22,5%.

    Verglichen mit 40% Produktivitätsanstieg ist das immer noch nicht so richtig viel wenn auch deutlich mehr als die 6,2%.

    Erklärungsansätze?
    Vorsicht, ich bin Naturwissenschaftler, nicht Volkswirt und stelle mir das ganz naiv etwa so vor:

    Kapital und Arbeit konkurrieren. Mehr Kapital wird dann investiert, wenn das Produktivitätswachstum die Zinskosten samt Abschreibung einspielt. Weniger, wenn die Arbeit billiger ist.
    Die Zinskosten werden jeweils zum Investitionszeitpunkt festgelegt und bleiben für die Abschreibungsdauer fix (z.B. 5a, 10a …). Die Arbeitskosten dagegen varieren entsprechend den jeweils aktuellen Zinskosten. Bei sinkendem Zins bekommt man dann zwangsläufig einen höheren Anteil des Kapital(ertrags) an der Produktivitätssteigerung.
    Der Zins sinkt seit den 90ern.
    e voila.

    • Querschuesse - 27. April 2017

      da könnte ich jetzt auch antworten, im gewissen Maße Birne mit Apfel, Reallöhne sind die von Arbeitnehmern, jährliches Arbeitsvolumen in Stunden das von Erwerbstätigen, also inkl. Selbstständiger, aber wie du schreibst, auch bei dieser Betrachtung gibt es ein Gap, eben zwischen den Realstundenlöhnen und der Produktivitätsentwicklung.

      Viel prekäre Jobs, in der Summe kein wachsendes Arbeitsvolumen, bei gleichzeitig wachsender Beschäftigung sind auch eine Form von Nicht-Partizipation am Erfolg der deutschen Wirtschaft.

      Gruß Steffen

  • uwe - 27. April 2017

    Erwerbstätige versus Arbeitnehmer. Stimmt, da habe ich keinen grossen Unterschied erwartet und nach 30 sec Google die Suche eingestellt.
    Nun denn, Daten von Destatis zum Arbeitsvolumen getrennt nach Arbeitnehmern und Erwerbstätigen findest du bei Interesse hier zumindest ab 2000, ältere vermutlich in den älteren Berichten: https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/VolkswirtschaftlicheGesamtrechnungen/Inlandsprodukt/InlandsproduktsberechnungVorlaeufigPDF_2180140.pdf?__blob=publicationFile

    Damit die Äpfel zukünftig unter sich bleiben dürfen. 🙂

    • Querschuesse - 27. April 2017

      zu bedenken gilt auch, die offiziellen Verbraucherpreissteigerungen um die die durchschnittlichen Bruttolöhne beim Reallohnindex preisbereinigt werden, sind unterzeichnet, mittels Veränderungen des Warenkorbes und mittels hedonischen Methoden (Leistungs- und Qualitätsbereinigung).

      Gerade Geringverdiener, die einen großen Teile ihres Lohnes für Wohnen und Essen ausgeben erleiden viel größere Preissteigerungen, als dies offizielle Daten vorgeben.

      Gruß Steffen

      • uwe - 28. April 2017

        falls der Hinweis auf “offizielle” Verbrauchsperissteigerungen Richtung Verschwörungstheorie von der gefakten Inlationsrate gehen soll, dann … bitteschön .. https://saldenmechanik.wordpress.com/2014/05/11/die-inflationszahlen-von-destatis-eine-gegenprufung/

        Ansonsten. Ja, jeder hat seine individuelle Inflationsrate. Und? Was möchtest Du mit dem Hinweis bzgl. Wohnen/Essen sagen?
        Zumindest die Kaltmiete kann es ja wohl kein Problem sein, zumindest nicht im Durchschnitt z.B. hier http://www.misesde.org/wordpress/wp-content/uploads/2013/12/kwp1895.pdf

        • Querschuesse - 28. April 2017

          Die Mietpreise, auch Kaltmieten sind sehr wohl ein Problem, denn für Millionen in den Ballungszentren der Republik ist dieser offizielle Durchschnitt nur ein Traum, auch dass die Kaltmieten nur mit 20,9% im VPI gewichtet ist, denn in der Realität geben viele in München, Berlin, Frankfurt und anderen Ballungszentren deutlich mehr ihres Einkommens für die Kaltmiete aus.

          Selbstverständlich leiden Geringverdiener ganz anders unter Preissteigerungen, gerade weil sie einen Großteil ihres Einkommens für Wohnen und Essen ausgeben, also eine ganz andere Gewichtung in ihren persönlichen Warenkorb vorliegt, als im offiziellen.

          Die Qualitätsbereinigung in der amtlichen Preisstatistik, darunter auch die Hedonik ist keine VT sondern Realität. Sie liefert ein weites Feld an Instrumenten, um den VPI zu trimmen. Das mag im Einzelfall berechtigt klingen, in der Summe hat das aber mit der Realität der Preise im wahren Leben immer weniger zu tun:

          https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesamtwirtschaftUmwelt/Preise/Methoden/Qualitaetsbereinigung.html

          Ohne so ein umfassendes Arsenal an Qualitätsbereinigung würden auch die Reallohnsteigerungen in Deutschland noch dürftiger aussehen. Wenn ich wegen dieser Sicht nun ein VTler bin – gerne 🙂

          Wer die Gewichtung des VPIs bestimmt, die Zusammensetzung eines durchschnittlichen Warenkorbes und die Art und den Einsatz der Qualitätsbereinigung, bestimmt auch ein stückweit das Ergebnis bei der Messung von Preissteigerungen!

  • uwe - 28. April 2017

    Ok, nehmen wir mal an, dass die Inflationsrate von Geringverdienern in München aufgrund ihres speziellen Warenkorbs deutlich von der durchschnittlichen für Deutschland abweicht. Übrigens – falls Du das nicht kennst – stellt Destatis einen Infla-Rechner zur Verfügung für beliebige Warenkörbe allerdings nicht pro Wohnort.

    Ich sehe den Zusammenhang mit der im Beitrag behandelten DURCHSCHNITTLICHEN Reallohnentwicklung nicht. So ziemlich jeder einzelne weicht vom Durchschnitt ab, nicht nur Geringverdiener in München. Das ist normal. Und daraus lässt sich für den Durchschnitt nichts folgern.

    Was die Inflationsrate für alle angeht: “Ohne so ein umfassendes Arsenal an Qualitätsbereinigung würden auch die Reallohnsteigerungen in Deutschland noch dürftiger aussehen.” soll wohl eine niedrig geschönte Preisentwicklung naheliegen. Nun, wie auch immer das Instrument heissen mag, mit dem angeblich geschönt wird, es gilt die Logik in https://saldenmechanik.wordpress.com/2014/05/11/die-inflationszahlen-von-destatis-eine-gegenprufung/.
    Wird also den Kohl nicht fett machen.

    Ich glaube, wir sind durch. Du hattest die fehlenden Daten für den korrekten Vergleich Reallohnentwicklung/Zeit zu Produktivitätsentwicklung übrigens auch schon selbst gefunden, Erwerbstätige und Arbeitsvolumen, siehe Deutschland: ETR Q4 2016, es fehlte wohl nur die Idee und die ist jetzt auch gegeben. Viel Erfolg weiterhin.

    Viele Grüsse

    Uwe

    • Querschuesse - 29. April 2017

      du kannst doch gerne den offiziellen Daten des VPIs folgen, ich denke gute Gründe zu haben dies nur bedingt zu tun, wie ich schon schrieb, wer Methodik, die Gewichtung im VPI, die Zusammensetzung eines durchschnittlichen Warenkorbes und die Art und den Einsatz der Qualitätsbereinigung bestimmt, bestimmt auch ein stückweit das Ergebnis bei der Messung von Preissteigerungen! An dieser Einschätzung gibt es für mich nichts zu ändern. Eine unterzeichnete Preisbereinigung führt zu einem überzeichneten realen BIP und schon 0,5 bis 1,5% pro Jahr, hieße im Trend akkumuliert einiges, so dass von den eh schwachen Steigerungen beim Reallohnindex seit 1991 nichts übrigbleiben würde.

      Gruß Steffen

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