„Die Euro-Krise ist beendet!“

von am 2. Januar 2014 in Allgemein

Die Euro-Krise hat ihren Schrecken verloren. Zumindest sind die Zeiten alarmierend hoher und dennoch weiter steigender Zinsen und Risikoprämien auf Staatsanleihen von europäischen Krisenstaaten vorbei – vorerst jedenfalls. Der Alarmismus der Presse und der Medien ist verschwunden, über Massenproteste wird praktisch nicht mehr berichtet, was nicht heißt, dass es keine mehr gibt. Und vielleicht ist überhaupt nur genau dies der Grund dafür, dass die Krise von vielen als abgehakt oder doch zumindest als nicht mehr gefährlich wahrgenommen wird – gerade in Deutschland.

Die Staatsschuldenprobleme in Europa sind trotz mehrerer Runden austeritätspolitischer Maßnahmen in den Krisenstaaten nicht wirklich gelöst, auch wenn die Regierungen der betreffenden Länder sowie die Vertreter der Euro-Gruppe gerne den Eindruck vermitteln, man sei auf einem guten Weg und auch mit der europäischen Wirtschaft gehe es langsam wieder bergauf. Nur am Rande: Herr Shinzo Abe sagt in Japan ja genau dasselbe. Die Austeritätspolitik hat die europäischen Volkswirtschaften, in denen sie angewendet wird, in die Knie gezwungen. Die Arbeitslosigkeit ist dort überall extrem angestiegen, sehr viele kleine und mittelgroße Firmen sind aufgrund der eingebrochenen Nachfrage pleitegegangen. Das trifft selbstverständlich auch die Exporteure aus Deutschland und anderen Mitgliedstaaten.

Für die betroffenen Menschen in diesen europäischen Staaten jedenfalls hat die Krise ihren Schrecken nicht verloren. So viel steht fest.

Außerdem schwebt Europa natürlich nicht im luftleeren Raum. Die wirtschaftliche Entwicklung sowie mögliche neue Krisensituationen in anderen Weltregionen, zum Beispiel Japan mit den riskanten „Abenomics“ und China mit seiner Immobilienblase, dem Berg fauler Kredite, den massiven Umweltproblemen, insbesondere in den Großstädten (Smog) und dem sich sukzessive abkühlenden Wachstum, beeinflussen oder limitieren die weitere wirtschaftliche Entwicklung Europas. Ein Schweizer Banker sagte kürzlich in einer Gesprächsrunde der Neuen Zürcher Zeitung, die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands sei ein Derivat der Nachfrage Chinas. (1) Das mag etwas überspitzt ausgedrückt sein, weist aber sehr zutreffend auf die hohen Abhängigkeiten großer deutscher Exporteure, etwa der Autohersteller, und damit des deutschen Exportmodells von der Entwicklung in China hin. Insofern ist es auch eine gelungene Metapher, denn die deutsche Wirtschaft „wettet“ auf China.

Nur weil die Informationen zur wirtschaftlichen, finanziellen und – nicht zu vergessen – der politischen Entwicklungen in Japan und vor allem China in der deutschen Presse und in den Medien nur sehr spärlich fließen, heißt das selbstverständlich nicht, dass sie nicht wichtig für uns und die wirtschaftliche Entwicklung in Europa und hierzulande sind. Und hohe Unternehmenskonzentration und starke Vernetzung auf den globalen Märkten sowie hohe wirtschaftliche und finanzielle Abhängigkeiten sind heute eine Garantie für Krisen, wie wir sie infolge der Lehman-Pleite 2008 erlebten. Was der Auslöser ist und wo, geographisch gesehen, sie ausgelöst werden, ist egal.

Regierungspolitiker in Bund und Ländern haben die Deutschen zum Jahreswechsel, ja, vielleicht muss man sagen „angemahnt, optimistischer in die Zukunft zu blicken. Es sei nicht alles so schlecht, wie es die Deutschen gerne redeten. Schließlich liege etwa die Beschäftigung in Deutschland auf Rekordniveau. Die Ökonomen von diversen Instituten haben mit günstigen Wirtschaftsprognosen für 2014 bereits zuvor ihren Teil zur Verbesserung der Stimmung beigesteuert.

Und ja, seien wir ehrlich, sind wir es nicht auch leid, das fortlaufende Krisengetöse, die immer neuen Warnungen vor dem bevorstehenden „Untergang“, die Diskussionen über die Ursachen und was man unbedingt anders machen müsste?

In der Tat scheint die Sache ausdiskutiert zu sein. Alle Warnungen wurden scheinbar ausgesprochen, alle Aspekte der Krise, alle Fakten und Argumente für und wider die Krisenpolitik, die in Europa verfolgt wird, wurden wieder und wieder genannt und durchgekaut. Doch die Schuldenstaaten sind nicht pleitegegangen, die Währungsunion ist nicht auseinandergebrochen, der nächste Crash ist ausgeblieben und das bereits so lange schon, dass auch die Warnungen der hartnäckigsten Rufer inzwischen entweder verstummt sind oder ungehört im Nichts verhallen.

Anders ausgedrückt: Wir sind wieder bereit, die Dinge optimistisch zu sehen, weil wir sie nicht mehr länger pessimistisch sehen wollen. Oder: Wir sind wieder an jenem Punkt angelangt, an dem uns eine „plötzlich“ eintretende Krise „überraschen“ kann.

Das hat unbestreitbar Vorteile für die Euro-Retter und Krisenbekämpfer. Sie können uns wieder erzählen, die Krise habe niemand vorhersehen können und dass es eine neue, andere Krise sei, weil man die alte ja erfolgreich in den Griff bekommen hatte. Sie könnten es, weil wir erst das Interesse an der Krise und der Krisenpolitik und dann den Überblick verloren haben.

Wozu also all das Krisengerede? Fügen wir uns in das Unvermeidliche. Lassen sie uns die Euro- und Schulden-Krise für beendet erklären, so wie Ronald Pofalla die NSA-Affäre für beendet erklärt hat. Lassen Sie uns Urlaub von der Krise machen. Wir können uns dann ja wieder mit neuer Energie darüber aufregen, wenn´s erneut losgehen sollte und brauchen uns die Zeit bis dahin nicht mit dem mühseligen Verfolgen und Diskutieren der Fakten und der weiteren wirtschaftlichen, finanziellen und politischen Entwicklungen in Europa, den USA, China und anderswo abquälen.

Wir hätten wieder viel mehr Zeit für schönere Dinge, könnten uns vom Krisenstress erholen. Das wäre doch was oder nicht!?

Überraschung und Ratlosigkeit von Fachleuten und Politikern wirken auf uns zudem viel überzeugender, wenn wir nicht informiert sind. Haben Sie den Mut zur Informationslücke! Denken Sie nicht immer nur an sich, sondern bitte auch mal an all die Verantwortlichen, die Sie gewählt oder auch nicht gewählt haben, die sich wegen der Euro-Krise ständig „für uns“ den Kopf zerbrechen müssen.

Es wäre eine echte „Win-win“-Situation. Die Verantwortlichen wollen es, wir wollen es.

Aber wir sind nun einmal Deutsche und brauchen es deswegen schon amtlich. Lassen Sie uns also darauf hoffen, dass vielleicht Frau Merkel oder ein Mitglied der neuen Bundesregierung sich einen Ruck gibt und uns erlöst und die Krise offiziell für beendet erklärt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein frohes und gutes Neues Jahr. Lassen Sie sich überraschen.

von Stefan L. Eichner
Konatkt: info.sle@web.de

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29 KommentareKommentieren

  • Roland - 2. Januar 2014

    Was soll dieses seichte Feuilleton-blabla ?

  • Andres Müller - 2. Januar 2014

    Die Aktienkurse steigen seit einem Jahr, dadurch können die Medien den Schein erwecken dass die Krise vorbei wäre und EZB und FED Erfolg gehabt hätte. In Tat und Wahrheit ist überhaupt nichts normal, nicht einmal die Stimmung an den Börsen. Viele Millionen sind ohne Arbeit, oder müssen mit wenig Lohn auskommen, wenig attraktiven Teilzeitstellen und vermehrter sozialer Unsicherheit. Die gute Stimmung geht vor allem von gut genährten Bäuchen aus, die sich bereits in der jüngeren Vergangenheit nicht zu beklagen brauchten. Sie verkaufen das Ende der Krise als Erfolg internationaler Zusammenarbeit, die Katastrophen -Propheten hätten sich geirrt. Im Schweizer Tages Anzeiger fordert ein Politiker mit dem Nahmen Ulrich Strahm gar eine Entschuldigung von Ökonomen die vor hoher Inflation gewarnt hatten “Die Besserwisser sollten sich entschuldigen”. Doch haben die sich wirklich geirrt? Zweifelslos zeitigte die Aktivität der Notenbanken und die Rettungspakete Wirkung – aber dieser Erfolg könnte durchaus von begrenzter Zeit sein, denn die Grundprobleme wurden fast nirgends gelöst -im Gegenteil. Wenn Obama mit den Republikanern eine Abmachung treffen konnte deren Inhalt das Ausblenden der Staatsschuldenkrise ist, dann bedeutet das nicht das plötzlich mehr Geld vorhanden ist. Wenn man den Kopf in den Sand steckt, dann hört man nichts mehr, dann ist alles in Ordnung, aber was wenn man ihn dann aus dem Verdrängen rausziehen muss um Luft zu holen?

    • Eurelios - 2. Januar 2014

      Zweifelslos zeitigte die Aktivität der Notenbanken und die Rettungspakete Wirkung – aber dieser Erfolg könnte durchaus von begrenzter Zeit sein, denn die Grundprobleme wurden fast nirgends gelöst -im Gegenteil.

      Genau so ist es

      Was aber die Notenbanken bisher wirklich erreichen, ist eine Entwicklung für einen neuen Crash an den Finanzmärkten in ähnlich gigantischem Umfang wie der letzte. Anleger weichen
      wegen der künstlich abgesenkten Zinsen aus klassischen Schuldpapieren immer
      mehr auf deren riskante Formen und auf Aktien aus. Vieles davon wird mit den von den Zentralbanken stark verbilligten Krediten finanziert. An der New Yorker Börse ist die so genannte “margin debt”, ein Indikator für den Wertpapierkauf auf Kredit, allein in 2013
      um 13 % gestiegen, um die Hälfte höher als noch 2012 und übertraf damit schon den Höchstpunkt vor dem letzten Crash.

      Schön nachzulesen bei diesem Link der auch aufzeigt wie negativ diese Geldpolitik
      für die Massen der Menschen ist :

      http://www.jjahnke.net/wb/wb194-020114-1987.pdf

  • Bill - 2. Januar 2014

    die Aktienkurse steigen, weil diejenigen die durch die Bankenrettungen ihr Geld nicht nur behalten, sondern kräftig vermehrt haben kaum noch wissen wohin damit. Staatspapiere sind durch die Zinssenkungen der Staatsbanken entweder ertragsschwach oder so riskant, dass niemand sich die Finger daran verbrennen will solange die steuerzahlenden Bürger noch in Erinnerung haben, dass sie dafür geradestehen durften.
    Also kauft man Aktien, ganz ungerührt von realen Gewinnen (s.a.: http://tinyurl.com/ou66wek). Wenn man nur rechtzeitig aussteigt kann man viel Geld machen. Und da das Alle machen steigen die Kurse….

    • Eurelios - 2. Januar 2014

      Und da das Alle machen steigen die Kurse…

      Alle????????

      Ich denke da anders es sind die ca 5% der Bevölkerung die durch das melken
      der Gesamtbevölkerung und dadurch gescheffelter “Golddukaten“ in die Aktien
      gehen. Beim dem ´´Normalo“ sieht das so aus:

      Wer genug Geld hatte oder sich solches zu niedrigstem Zins leihen konnte, um beispielsweise anfangs letzten Jahres eine Million Euro in einem Indexpapier auf
      den Dax anzulegen, hatte am Ende des vergangenen Jahres, also nach nur
      einem Jahr, Dank Draghi und Co. von der EZB und deren den Aktienboom stützenden Niedrigstzinspolitik 260.000 Euro mehr. Wer dagegen sein mühsam erspartes Kapital
      von 10.000 Euro auf dem Sparkonto einer Sparkasse hielt, hatte nach Abzug der
      Inflationsrate real am Jahresende 115 Euro weniger.

      Quelle:

      http://www.jjahnke.net/rundbr103.html#3038

      • Frank Bell - 2. Januar 2014

        Ja, UND???

        Die restlichen 95 % der Bevölkerung finden das VÖLLIG in Ordnung!!!

        Oder warum wurde Merkel so fulminant bestätigt? Warum werden Banker in der Öffentlichkeit nicht stärker angegriffen? Warum echauffiert sich die Mittelschicht über Hartz IV-Empfänger, während ihr von der Oberschicht immer mehr genommen wird?

  • Martin - 2. Januar 2014

    Keine Sorge, Rom ist auch nicht an einem Tag untergegangen. Und nur die Historiker konnten im Nachgang diesen Untergang bewerten, nicht die Zeitgenossen.

  • Freiberufler - 2. Januar 2014

    Die Staatsschuldenkrise IST vorbei. “Whatever it takes” beinhaltet Nullzinsen und monetäre Staatsfinanzierung. Wahrscheinlich auch monetäre Bankenfinanzierung, sollte sie notwendig werden. Staatspleiten in Euroland ausgeschlossen.

    Nicht gelöst und mit den vorgenannten Instrumenten auch nicht zu lösen ist die wirtschaftliche Depression. Aber die ist so weit weg wie Brüssel vom Bürger.

    • Dieter Schmitz - 2. Januar 2014

      Genau!

      Glaubt hier wirklich noch jemand an einen Aktiencrash? Seit 5 Jahren hören wir das. Inzwischen notieren Aktien HÖHER als zu dotcom-Zeiten. Es sind halt die Schafe, die ihr Geld auf dem Sparbuch lassen.

      Ebenso ist die Arbeitslosigkeit niedriger als vor 5 Jahren. Und es gibt keinen Grund, warum sie 2014 ansteigen sollte, denn die Firmen machen dicke Gewinne. Die Wirtschaft brummt.

  • JL - 2. Januar 2014

    Die Schuldenkrise- die offiziell ja nie eine solche war- ist wohl aus den Augen und aus dem Sinn.

    Dieses Thema wird medial letztlich genauso behandelt wie eine Springflut an der Nordsee oder ein Oderhochwasser im Frühjahr. Da wird zwei Wochen lang jeder „Experte“ vorgeführt, der alles schon immer so vorausgesagt hat und Politiker bemüht, die ab jetzt wirklich etwas „anschieben“ und ändern wollen. Sind diese zwei Wochen vergangen ist das Thema erledigt, ob da noch Wasser- oder auch die ein oder andere Finanzlleiche- im Keller ist, spielt keine Rolle mehr.

    Natürlich ist der provisorische amerikanische Staatshaushalt gegenwärtig kein Thema. Dieser endet zwar am 15.01.2014 mit einer angepeilten Haushaltsdeckung bis 07.02.2014, aber erst wenn Demokraten und Republikaner sich mal wieder den Schädel einhauen wird man erneut und moderat darüber berichten. Bis dorthin hat man erneut etwa eine Billionen US$ zusätzlich verbrannt.

    Und natürlich ist es offiziell ein Erfolg wenn Irland und demnächst Spanien sich auf den internationalen Finanzmärkten weiter überschulden können und keine weiteren Rettungskredite der EU beanspruchen brauchen- bis sie wieder notwendig sind.

    Klar auch, daß in Hollandes Frankreich alles bestens ist, genauso wie in Holland selbst auch. Man braucht nur nicht über diese peinlich hohen Arbeitslosenquoten oder sinkenden Häuserpreise berichten, schon gibt es keine Krise.

    Selbst in Griechenland ist mittels Lug und Trug ein Primärüberschuß erzielt worden und alle bewerten dies als „Schritt in die richtige Richtung“- tolle Botschaft.

    Man hat mit genügend geliehenem Geld Zeit gekauft, die Leute teilweise auch enteignet (Zypern) sowie per ultimo die Krise für beendet erklärt (Schäuble) um die Schuldberge seit 2008 weiter erhöhen zu können- das war alles.
    Die Versprechungen in Heiligendamm 2009 zum Finanzmarktgebaren passen da genauso zur Geschichte wie die Kanzlerkandidatur von Steinbrück. Da zieht man in den Wahlkampf um nicht Kanzler werden zu wollen- und die Parteibasis findet das alles auch noch Super.

    Überraschungen bieten Politiker aber immer wieder. Da sprach doch mal einer von spätrömischer Dekadenz- vermutlich nach einem Auslandsbesuch in Delphi und nachfolgendem Anfall von Realitätsnähe.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • RedMoe - 2. Januar 2014

    Zumindest kann man zum gegenwärtigen Zeitpunkt davon ausgehen, dass der Euro mit allen seinen jetzigen Mitgliedern bestehen bleibt. Selbst in den am schlimmsten getroffenen Krisenländern klammert sich ja die breite Mehrheit der Bevölkerung an dieses Misskonstrukt. Allenfalls Frankreich könnte noch ein Stolperstein werden, sollte dort tatsächlich Le Pen die nächste Präsidentschaftswahl gewinnen, was ich nicht gänzlich ausschießen würde.

    Ansonsten wird man es machen wie bei der 1:1-Währungsumstellung bei der Wiedervereinigung und den Wahnsinn einfach durchziehen. Und in 20 Jahren wird dann jeder Kritiker als längst widerlegter Nörgler und Dauerquerulant und Feind der (europäischen) Einheit in die Spinnerecke gestellt, der ja eh nur dagegen ist und Dr. Kohl nicht seinen großen Erfolg gönnen will.

    • Dieter Schmitz - 2. Januar 2014

      Sie haben natürlich recht! Letztlich hat Kohl recht behalten mit der Währungsumstellung. Auch ein Schmidt musste das vor einigen Jahren zugeben.

      Und die AfD demontiert sich selbst, denn es ist klar, dass die AfD nichts anderes als die INSM v2.0 ist. Ein wahrliches Kuckucksei!

  • Petra Kim - 2. Januar 2014

    Was lernen wir daraus?

    Alle, die Aktien verteufelt haben, sind jetzt die Dummen. Sie waren es auch schon in der Vergangenheit. Warum sollte es unter den jetzigen Bedingungen noch zu einem Crash kommen?

  • Basisdemokrat - 3. Januar 2014

    Nur keine Panik, das wird schon…”

    “Einer der wichtigsten Indikatoren für den Zusammenbruch der kapitalistischen Weltwirtschaft ist die wachsende Divergenz zwischen der Anhäufung von Profiten und den Investitionen, der zentralen treibenden Kraft für die Expansion der Realwirtschaft.
    Schätzungen zufolge sitzen die internationalen Konzerne auf Geldreserven in Höhe von insgesamt vier Billionen Dollar- die Hälfte davon in den USA – weil es so wenig gewinnbringende Möglichkeiten für neue Investitionen gibt. Anstatt die Gewinne für die Expansion der Produktion zu verwenden, benutzen die Unternehmen ihre Geldreserven zunehmend, um Aktienrückkäufe zu finanzieren und so den Wert ihres Kapitals zu erhöhen und den Hedgefonds, Banken und Investmentunternehmen, die die Aktienmehrheit der großen Konzerne besitzen, höhere Profite einzubringen. Dies geht einher mit großen “Umstrukturierungen” wie in der internationalen Autoindustrie, in deren Rahmen Fabriken und andere Anlagen geschlossen werden, die teilweise seit den frühen 1950ern in Betrieb sind.
    Die Auswirkungen der “Umstrukturierung” auf die Gesellschaft zeigen sich am deutlichsten in der Eurozone, wo die Investitionen um bis zu 30 Prozent niedriger liegen als vor 2008. Zusammen mit den Auswirkungen der Sparprogramme, die von allen Regierungen gemäß den Diktaten der Banken durchgesetzt werden, führen die Umstrukturierungen zu sozialen Katastrophen.”
    http://www.wsws.org/de/articles/2013/12/31/pers-d31.html

  • Heiner Hannappel - 3. Januar 2014

    Ja, Sie habe recht Herr Eichner.

    Wir haben eine echte „Win-win“Situation. Die Verantwortlichen wollen es, wir wollen es, dass das leidige Rumgeplärre ewiger Miesmacher über diese Euro/Banken / Staatenkrise endlich aufhört.
    Wenn da nur nicht die ungelösten Fakten wären , welche permanent vernebelt werden.
    Schon bei der Regierungserklärung der Kanzlerin:
    Kein Wort über die noch in den Bankenkellern liegenden Kreditleichen von ca. 1 Billion Euro.
    Kein Wort über die 4,5 Billionen Euro, welche die Bankenrettungen die europäischen Bürger bisher gekostet haben.
    Kein Wort darüber, dass man die Investmentbanken von dem normalen Geschäftsbanken abkoppeln, will, um diese elende Zockerei mit unseren Spargeldern zu beenden und den Banken wieder ihr eigentliches Geschäftsfeld zuzuweisen, der Wirtschaft zu dienen!
    Kein Wort darüber,dass der undemokratisch zustande gekommene ESM,als Rettungsinstrument für Staaten gedacht, nun auch für Bankenstützungen missbraucht werden soll.
    Kein Wort darüber, dass der Steuerzahler, schon über die Rettungsschirme reichlich mit Bürgschaften belastet nun auch noch als Sparer zum Gläubiger geadelt für seine zockende Bank und Banken anderer Länder geradestehen soll.
    So dienen der schuldensüchtige Staat und damit die Bürger immer mehr den Bankeninteressen und werden zu Zinsdienstsklaven der anscheinend immer Oberwasser habenden Bankenwelt.
    Kein Wort darüber, dass die Niedrigzinsen die Altersvorsorge ruinieren und der Sparer bald auch noch Negativzinsen bezahlen soll um im Ergebnis die Schuldenlast der Staaten zu minimieren.
    Kein Wort zum Beispiel über die steigenden Strompreise aufgrund dieser undurchdachten Energiewende.
    Solange Frau Merkel die No Bail Out Klausel weiter missachtet, den Banken ihre Grundlagen für weiteres unmoralisches Zocken lässt, wird ihre neue Kanzlerschaft zu einem Minenfeld, dessen Räumungskosten in der Zukunft liegen, nämlich bei unseren Kindern.
    Auch in der Neujahrsansprache 2014 unserer Kanzlerin wurde als Leitmotiv wieder einmal der Zusammenhalt der Deutschen gelobt und beschworen und auch in dieser Rede war der Märchenerzählerton, zwar abgemildert, aber immer wieder zu hören. Auch in dieser Rede an uns wurden die Risiken, welche in Europa auf uns warten verschwiegen und ausgeblendet. Der honigsüße Lobgesang auf unsere hohe Beschäftigungsrate, welche allerdings mit niedrigen Löhnen erkauft wurde, unsere Werte in Notzeiten, wie bei dem Hochwasser, der Flutkatastrophe im letzten Jahr und die warmherzigen Anmerkungen, dass es nicht allen so gut geht, wie sie es sich wünschten, können nicht verdecken, dass man uns, dem deutschen Volk über die ihrer Politik innewohnenden Risiken weiterhin im Unklaren lassen will. So wurden wir Deutsche ob unserer Leistungen und Opfer gelobt und uns ein trügerisches Wohlgefühl implantiert, um nur ja unkritisch zu bleiben, wie in den letzten Jahren ihrer Zeit als Regierungschefin.
    Doch können im europäischen Gemeinschaftshaus in unserer deutschen “Eigentumswohnung”(?) Herr Gabriel die Wände noch so schön übertünschen oder tapezieren und Frau Merkel noch so schnell die Böden verlegen, die Holzwürmer in diesem maroden Europahaus werden für ein nur kurzfristiges sündhaft teures auf Pump bezahltes Wohlgefühl in unserer deutschen Eigentumswohnung sorgen.

    Heiner Hannappel
    Raiffeisenstrasse 63
    56072 Koblenz
    E-mail: heiner.hannappel@gmx.de

  • Petra Kim - 3. Januar 2014

    “Indikatoren für den Zusammenbruch der kapitalistischen Weltwirtschaft ist die wachsende Divergenz zwischen der Anhäufung von Profiten und den Investitionen, der zentralen treibenden Kraft für die Expansion der Realwirtschaft”

    Führt das wirklich zum Zusammenbruch?

    Feudale Herrschaftssysteme haben Jahrhunderte überstanden!

    Es reicht völlig aus, wenn die Reichen der “Polizei” genug Geld geben, damit diese den Rest der Bevölkerung unterdrückt. Der Umsturz in der DDR 1989 hat letztlich NUR funktioniert, weil Gorbatschow eine Zerschlagung der Unruhen wie in Ungarn oder der Tschechoslowakei UNTERSAGT hat.

  • Katja - 3. Januar 2014

    Lieber Herr Eichner,

    ich lese aus Ihren Worten die Resignation heraus – die Müdigkeit, die einen ereilt, wenn man über Jahre immer wieder das Gleiche sagt und sich kaum jemand daran schert. Dennoch bitte ich Sie weiter zu machen! Es tut gut, in all dem Geschreibsel in den MSM, auch wenigsten ein paar intelligente, differenzierte Gedanken zu finden!
    Vielen Dank an Sie dafür!

    KB

    • SLE - 3. Januar 2014

      Hallo Katja,

      vielen Dank und keine Sorge, ich bin absolut nicht resigniert und werde natürlich weiterhin schreiben. Ich hatte im Dezember allerdings kaum Zeit zum Schreiben. Auch das kommt immer wieder mal vor. Weil ich zudem hier im Blog eher grunsätzliche Fragen abzudecken versuche – Steffen hat ja die Fakten im Blick -, ergeben sich nicht immer und nicht so oft Ansatzpunkte für Aufsätze. Manchmal ist die Vorbereitung auch recht zeitintensiv, z.B. bin ich nun schon – tja, es ist wirklich so – ein paar Wochen dabei, eine neue Aufsatzreihe zur Vermögenskonzentration vorzubereiten. U.a. ging viel Zeit dafür drauf, aussagekräftige und optisch gut zu erfassende Charts zu erstellen. Doch die Charts stehen jetzt und die Aufsätze befinden sich kurz vor dem Abschluss. Der erste Aufsatz wird hier in den nächsten Tagen von mir gepostet.

      Viele Grüße
      SLE

  • thewisemansfear - 3. Januar 2014

    Psychologen kennen das Phänomen bestimmt. Ich weiß nicht, ob es eine Art Selbstschutz ist, dass Menschen sehr gut darin sind, negative Dinge (erst recht wenn sie länger andauern) versuchen auszublenden.
    Wie das aber mit ungelösten Problemen so ist, bisher sind noch alle wieder von der Realität eingeholt und auf den Boden der Tatsachen zurückgekommen.

    Selbst Chinas Botschafter spricht mittlerweile offen davon, dass ein “weiter so” nicht funktionieren wird:
    “Unsere Ressourcen sind begrenzt. Wir müssen über 50 Prozent des Erdöls und Erdgases importieren. Unser jetziges Wirtschaftsmodell ist auf Dauer nicht zu halten. Um etwas herzustellen, brauchen wir vier Mal so viel Energie wie in Europa und sieben Mal so viel wie in Japan. Die Umwelt in China wird schwer belastet.”
    zitiert aus http://www.tagesspiegel.de/politik/der-chinesische-botschafter-im-interview-wir-hoeren-merkels-handy-nicht-ab/9265544.html

    Auch wenn er hier nur die Ressourcen Chinas meint, gilt das selbstverständlich für die gesamte Welt. Nachhaltig ist das ausbuddeln und verbrennen von fossilen Energieträgern irgendwie nicht, aber hey, es hat die letzten 200 Jahre funktioniert, warum nicht auch noch länger?! 😉

    • Frank Bell - 3. Januar 2014

      Es gibt die sogenannte “learned helplessness” = “Erlernte Hilflosigkeit”.

      “Erlernt” heisst in dem Zusammenhang, dass man aufgrund immer wieder erfolgender Misserfolge man jegliche Bemühung einstellt.

      Und nein, man ist kein Doofi oder Schlappi, sondern Opfer. Man erleidet einen Kontrollverlust, den man nicht mehr (zumindest nicht selbst) abstellen kann.

  • Eurelios - 3. Januar 2014

    aber hey, es hat die letzten 200 Jahre funktioniert, warum nicht auch noch länger?! 😉

    Wird nicht funktionieren weil wir Menschen uns auch auf der Exponentialfunktionschiene
    gesetzt haben. So viel fossile Energieträger können wir Menschen, trotz Technik, gar
    nicht ausbuddeln um alle zu versorgen.

    Insgesamt gesehen ist die Menscheit auf dieser Weltkugel eine wachsende Blase
    die in nicht mal mehr langer Zeit platzen wird.

    • Frank Bell - 3. Januar 2014

      @ Eurelios

      Na ja, über die Prognosen des Club of Rome lacht man heute, 40 Jahre später. Das Wachstum ist jedenfalls kein bisschen am Ende, der Motor stottert (nur?).

      (Diesem Club ging es eher um die Konditionierung der Menschheit, um noch mehr Steuern abzwacken zu können. Aber das ist eine andere Geschichte… Man weiss inzwischen ja, für wen die Steuer abgezwackt werden.)

      Jedenfalls werden die nächsten Jahre interessant. DAX bei 50000 oder (Welt)Wirtschaftskrise? Ich weiss es nicht.

      • thewisemansfear - 3. Januar 2014

        Es wird ja nicht einmal mehr gescheit differenziert, WAS überhaupt wächst. Im BIP werden Wirtschaftsaktivitäten einfach stupide aufaddiert. Nehmen wir an eine Firma generiert 4 Mio., verseucht dabei aber die Umwelt, was 2 Mio. zur Schadensbehebung kostet.
        Ökonomen und Politiker freuen sich über 6 Mio. Beitrag zum BIP. Diese Größe ist an und für sich als Gradmesser völlig untauglich, sinnvoll wirtschaftliche Dinge zu steuern.

        Zur Zeit wächst noch recht viel, nur die Zufriedenheit der Menschen schon länger nicht mehr.

    • thewisemansfear - 3. Januar 2014

      Ja, der Mensch ist gut darin, solche Sachverhalte zu ignorieren. Wir schaffen mit der Zeit ein immer komplexer werdendes System, was schon allein für sich genommen immer mehr Energie allein für den Erhalt verschlingt. Der Zahn der Zeit nagt überall.

      Das Geldsystem fördert das Denken in exponentiellen (Wachstums-)Größen ja noch. Zinsen? Alles kein Problem, solange es weiter (exponentiell) wächst… Dumm nur, dass die Realwirtschaft da irgendwann nicht mehr mitkommt und sich alles Richtung virtueller Asset-Inflationsblasen verschiebt. Hier wäre dringend eine Diskussion über Alternativen notwendig, und allein das zu schaffen, ist Herausforderung genug.

  • Peel - 5. Januar 2014

    @Dieter Schmitz
    Tragen Sie Ihr Geld ruhig an die Börse im Vertrauen darauf, dass die Aktienkurse immer weiter nach oben gehen und niemals crashen können. So transferieren Sie ihr mühsam erarbeitetes Geld – vielleicht zocken SIe aber auch nur – an die 1% der Superreichen; und die sagen nicht einmal DANKE sondern klatschen sich auf die Schenkel vor Lachen über soviel Dummheit.

  • Peel - 5. Januar 2014

    @Frank Bell
    Über die Prognosen des Club of Rome lachen höchstens noch einfältige Ökonomen.
    Die Grenzen des Wachstums sind hier – seit 2008 gibt es kein Wachstum mehr, und es ist zu fürchten, dass es auch keines mehr geben wird. Versprechen, die nicht einzuhalten sind – hohe Aktienkurse setzen zukünftige Gewinne der Unternehmen voraus – werden nicht eingehalten.
    Rentenzusagen gehören auch dazu.
    Sie haben den Knall noch nicht gehört Herr Bell.und wer auf Ihren falschen Prämissen Anlageentscheidungen trifft, der wird viel verlieren.

    • Rupert Rauch - 6. Januar 2014

      Och, das denke ich nicht. Der Planet ist nicht so am Ende, dass er nicht noch 50 Jahre Wachstum ertragen würde. Die Frage ist eher ob wir das ertragen oder lieber beizeiten eine Alternative entwickeln, die die Wirtschaft auch ohne Wachstum stabil hält (mein Tip: weitgehende Dauerfinanzierung immer größerer Wirtschaftsbereiche per Geldpresse) oder das Wachstum wenigstens so erträglich und nachhaltig wie möglich gestalten.

      Dass zZ nichts mehr wächst liegt aber m.E. keinesfalls an fehlenden Ressourcen, sondern nur am fehlenden Geld, genaugenommen fehlendem Geld in der Realwirtschaft, bei den Banken und Konzernen häuft es sich ja.

  • Aaron T. Schwarz - 5. Januar 2014

    Zum Thema “Euro-Krise” habe ich passend zum Jahresbeginn ein paar Szenarien entwickelt: http://www.atschwarz.com/prognosen_eurokrise_2014/