Dimitri Trenin zu den geopolitischen Hintergründen und Folgen des Ukraine-Konflikts – hat er recht?

von am 27. Juli 2014 in Allgemein

In der Diskussion in der Kommentarspalte wurde die Frage der Hintergründe des Ukraine-Konflikts aufgeworfen. In einem Artikel auf German-Foreign-Policy.com vom 25. Juli (1) werden die geopolitischen Hintergründe der Ukraine-Krise aus Sicht des Leiters des Moskauer Carnegie Centers, Dimtri Trenin, dargelegt. Er kommt zu harten Urteilen, obwohl er nicht als west-kritisch gilt.

Dimitri Trenins Analyse der geopolitischen Hintergründe des Ukraine-Konflikts

Aus seiner Sicht hat der Westen nach den Umbrüchen von 1989-1991 Russland stets ausgegrenzt, Vorkehrungen gegen den Wiederaufstieg getroffen und seine Machtsphäre systematisch ausgeweitet. Die EU und die USA, so sein Vorwurf, haben in der Ukraine-Krise diplomatische Schritte Russlands nicht erwidert und dadurch Chancen für eine friedliche Lösung zunichte gemacht.

In Reaktion darauf entstehe nun eine neue Mächtekonkurrenz ähnlich der Mächterivalität des 19. Jahrhunderts, prognostiziert Trenin. Es handle sich allerdings weniger um ein neues „Great Game“, nicht um einen ideologisch begründeten, weltumfassenden Systemkonflikt. Vielmehr entstehe eine traditionelle Mächtekonkurrenz. Diese sei allerdings asymmetrisch und hochgradig ungleich. Deutschland sei bereits zu einer eindeutigen Führungsmacht der Europäischen Union aufgestiegen und entwickle sich zu einer Großmacht in Eurasien. Deutschland trete nun in den Kreis der Großmächte neuen Typs ein. Die Interaktion dieser Mächte mit den USA, die nicht mehr Hegemon sind, aber doch Führungsmacht bleiben, werde die kommende Weltordnung prägen, die eine Weltordnung mit Mächterivalität sein wird, glaubt Trenin. (2)

Wird sich Trenins‘ geopolitische Prognose bewahrheiten?

Deutsche Führungsrolle in der EU: keine sichere Sache mehr

Ganz klar hat, wie Trenin sagt, Kanzlerin Merkel in der EU die Führungsrolle bereits inne. Allerdings wird diese nach der Europawahl wieder herausgefordert und Jean-Claude Juncker ist als neuer Präsident der Europäischen Kommission – anders als alle vier Amtsvorgänger (seit 1995: Jacques Santer, Manuel Marín, Romano Prodi und José Manuel Barroso) eine starke Persönlichkeit. Er wird gewiss nicht alles so machen, wie Angela Merkel und die anderen Regierungen der wirtschaftlich starken EU-Mitgliedstaaten es wollen. Genau das ist wohl auch der zentrale Grund für die Vorbehalte des britischen Premiers Cameron und der Bundeskanzlerin gegen den von ihnen selbst aufgestellten konservativen Spitzenkandidaten für die Europawahl gewesen.

Kanzlerin Merkel kann die Führungsrolle jedoch ohnehin sehr wahrscheinlich nur so lange behaupten, wie allein Deutschlands Wirtschaft innerhalb der EU stark ist sprich nicht (auch) in eine Wirtschaftskrise abrutscht. Letzteres ist allerdings mit Blick auf die ungelösten Probleme in der Europäischen Union gut möglich und durch die US- und die EU-Sanktionen gegen Russland wird es sogar noch wahrscheinlicher.

Hinzu kommt, dass die Stärke der deutschen Wirtschaft inzwischen durchaus empfindlich von den Geschäften in China abhängt. Insofern spielen einige Risikofaktoren eine wesentliche Rolle, nämlich dass

1. sich die chinesische Wirtschaft spürbar abkühlt,

2. ein Platzen der chinesischen Immobilien- und Kreditblase ebenso wenig auszuschließen ist wie das Scheitern des Versuchs einer bruchfreien Umstellung des chinesischen Wachstumsmodells,

3. das chinesische Wachstumsmodell von Wachstum durch Exporte auf Wachstum durch Binnennachfrage umgestellt wird, was die Absatzperspektiven ausländischer Konzerne verschlechtert, weil dieses Modell nur dann wirklich gut funktionieren kann, wenn gerade chinesische Firmen die Nachfrage auf sich ziehen können und die erzielten Gewinne im Land bleiben und dass

4. China wie kein anderes Land an der Erreichung der Ziele der BRICS-Staaten interessiert ist und sich deswegen entscheiden könnte, Russland im über Sanktionen ausgetragenen Ukraine-Konflikt mit dem Westen zu unterstützen.

Kanzlerin Merkel will von USA als Partner auf Augenhöhe akzeptiert werden

Mit Blick auf die USA und Großbritannien strebt Merkel – so wie Trenin im German-Foreign-Policy-Artikel sagt – offensichtlich eine Mitsprache in internationalen Angelegenheiten auf Augenhöhe mit den USA an und nichts anderes.

Das hat bereits ihr Verhalten zu Beginn des NSA-Skandals gezeigt. Sie hat nie wirklich nachdrücklich versucht, Aufklärung zu betreiben. Das zeigt auch die Tatsache, dass sie keinerlei Interesse zeigte, Snowden als Zeugen nach Deutschland zu holen und zu befragen. Stattdessen hat sie in dieser Frage den USA von Beginn an signalisiert – gerade auch durch die Hinzuziehung einer renommierten US-Kanzlei für ein entsprechendes Gutachten zu den möglichen Konsequenzen einer Anhörung Snowdens vor dem NSA-Untersuchungsausschuss in Deutschland –, dass sie die USA nicht bloßzustellen beabsichtigt, sondern von Washington (endlich) als gleichwertiger, vertrauensvoller Partner akzeptiert werden will.

Bei ihrem jüngsten Treffen mit Obama in Washington bezeichnete er sie vor der Presse im Rosengarten des Weißen Hauses als seine beste Freundin. Das war ihr sichtlich unangenehm und auch nicht das, was sie hören wollte. Denn damit erkannte Obama zwar ihre Bündnistreue an, behandelte sie aber wieder nur wie die Vertreterin einer den USA untergeordneten Macht.

Trenin könnte durchaus Recht haben, dass sich im Zuge der oder besser gesagt im Wege des westlich betriebenen Ukraine-Konflikts eine neue Mächteordnung herausbildet, bei der die USA nicht mehr Hegemon, aber trotzdem noch Führungsmacht der Gruppe mächtiger westlicher Staaten bleibt, zu denen Deutschland hinzutritt. (letzter Absatz im German-Foreign-Policy-Artikel (3)).

In diesem Sinne ist es durchaus auch schlüssig, wenn sie Putin fortlaufend in derselben Weise wie die USA öffentlich unter Druck setzt, obwohl sie weiß, dass der Preis, den sie für die Erreichung einer solchen geopolitischen Zielsetzung bezahlen muss, erhebliche negative wirtschaftliche Konsequenzen für Deutschland und die EU sein dürften. War sie wegen der zu erwartenden wirtschaftlichen Nachteile bisher bei der Verhängung von EU-Sanktionen immer noch eher bremsend aufgetreten, so hat sie nach dem Absturz des Fluges MH17 diese Zurückhaltung offensichtlich aufgegeben, weil sich dies angesichts des Verlaufs der medialen Schlammschlacht zwischen den USA und Russland nicht mehr umgehen lässt, ohne Gefahr zu laufen, in eine Oppositionsrolle zur US-Regierung zu geraten.

Die BRICS-Staaten und die Ukraine-Krise

In Trenins’ Sicht der geopolitischen Folgen der Ukraine-Krise im Artikel von German Foreign Policy spielen allerdings die BRICS-Staaten als neuen Machtfaktor und insbesondere auch China offenbar keine Rolle. Sie sind jedoch auch im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise geopolitisch betrachtet ein unzweifelhaft wichtiger Aspekt. Denn einmal ist Russland ein wichtiges Mitglied in der Gruppe dieser Staaten und vor allem auch für China selbst. Zweitens sollen die jüngst gegründete BRICS-Entwicklungsbank sowie der ebenfalls beschlossene eigene Währungsfonds ein Gegengewicht zur von den USA dominierten Institutionen Weltbank und Internationaler Währungsfonds bilden. Alles, was Russland gegenüber dem Westen schwächt, schwächt auch den BRICS-Staatenverbund.

Bisher haben die übrigen BRICS-Staaten Russland im Ukraine-Konflikt nur mäßig offen unterstützt, sondern eher im Hintergrund. Die Art des Vorgehens des Westens im Ukraine-Konflikt fordert aber den Verbund der BRICS-Staaten zunehmend heraus und stellt auch dessen Anspruch in Frage, eine neue politische Kraft auf dem globalen Parkett zu sein und zwar eindeutig nicht nur in internationalen finanziellen Angelegenheiten, wie die Deklaration von Fortaleza, dem Ort des jüngsten BRICS-Gipfels, zeigt (4).

Die besondere, aber zwiespältige Rolle Chinas

China und Russland sind zwar eigentlich Rivalen, aber sie haben auch starke gemeinsame Interessen und sind wirtschaftlich sowie finanziell Kooperationspartner. Präsident Xi Jinping hat anders als seine Vorgänger eine stärkere Kooperation mit den USA versucht, ist damit aber inzwischen innenpolitisch, das heißt innerhalb der Kommunistischen Partei Chinas und vor allem beim Militär, gerade wegen des Verhaltens der USA im Inselstreit mit Japan und in der Ukraine-Krise auf erhebliche Widerstände gestoßen. Was er zunächst erkennbar angestrebt hatte, war eine Weltordnung, in der sich die USA und China stärker kooperieren und sich die Führungsrolle teilen und das heißt insbesondere, dass die USA China die Führungsrolle im asiatisch-pazifischen Raum überlassen.

Davon kann aber keine Rede mehr sein. Genau das bringt China in Bezug auf seine Haltung und Politik im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt in eine schwierige Lage.

Beijing kann nicht mehr ohne Probleme im Hintergrund bleiben und ein gewisses Maß an Neutralität wahren, sollte sich der Konflikt zwischen dem Westen und Russland weiter verschärfen. Gelingt es dem Westen, gegenüber Russland die Oberhand zu gewinnen, dann wird das das Verhältnis zwischen Moskau und Peking sowie auch die BRICS-Gruppe und ihre Vorhaben, an deren Realisierung China mehr als allen anderen liegt, zumindest schwer belasten. Gelingt es indes Russland, im Ukraine-Konflikt die Oberhand über den Westen zu gewinnen, so wie es Russland im G8-Streit um Maßnahmen gegen Syrien wegen des Giftgaseinsatzes gelungen ist, steht China plötzlich einem weltpolitisch viel stärkeren Kooperationspartner innerhalb der BRICS-Gruppe gegenüber.

Freilich will Xi Jinping sich nicht zwischen Russland und den USA entscheiden müssen. Doch außer den angesprochenen Problemen hat er auch mit erheblichen innenpolitischen Problemen zu kämpfen und befindet sich in einem heftigen innerparteilichen Machtkampf, bei dem noch nicht sicher ist, ob er ihn wirklich auch gewinnt. Über dieses Problem habe ich hier im Blog bereits geschrieben. (5)

Neue Mächtekonkurrenz oder neue Blockbildung?

Vor diesem Hintergrund ist Trenins‘ Annahme, es könnte sich eine neue interaktive Kooperation bzw. Konkurrenz westlicher Mächte ergeben, in der die USA ihre Führungsrolle behalten, die des Hegemons aber verlieren, mit einem Fragezeichen zu versehen. Wenn sich die Dinge im Ukraine-Konflikt, im Inselstreit im Ostchinesischen Meer sowie innenpolitisch in China negativ für Xi Jinping, Russland und die BRICS-Staaten entwickeln, dann könnte Trenin mit seiner These Recht haben.

Der Westen und speziell die EU sind jedoch wirtschaftlich und für die Generierung von Wirtschaftswachstum stark auf den chinesischen Markt und die Schwellenländer angewiesen. Im Falle einer für den Westen und Europa sehr ungünstigen Entwicklung der angesprochenen Konflikte, könnte ein wichtiger Teil der westlichen Wachstumsperspektiven jedoch verloren gehen. Deswegen ist es nicht ausgeschlossen, dass sich die Dinge anders entwickeln und sich eine geopolitische Ordnung herausbildet, in der sich ein wirtschaftlich und finanziell angeschlagener westlicher Block, einem politisch vom Westen emanzipierten, stärker werdenden und mit neuen wirtschaftlichen Perspektiven ausgestatteten östlich-lateinamerikanischen Block gegenüber sieht. Die G7 haben bereits klar an Bedeutung verloren. Die neuen BRICS-Institutionen schwächen sie weiter.

In dieser Perspektive, das heißt bei der Herausbildung zweier neuer Machtblöcke und einer Situation, die mit der des Kalten Kriegs nicht mehr zu vergleichen wäre, wird die Machtverteilung sehr stark von der künftigen wirtschaftlichen und finanziellen Stärke abhängen. (6) In dieser Hinsicht befindet sich der Westen allerdings im günstigsten Fall in einer Position der Verteidigung des Status Quo.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: info.sle@web.de

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42 KommentareKommentieren

  • Holly01 - 27. Juli 2014

    Deutschland in Zentraleuropa, China in Zentralasien, Saudi Arabien im Nahen Osten, Venezuela in Südamerika und nicht zuletzt Südarfika sind alle in der gleichen Situation:
    Zu groß für ihre Region, aber zu Klein um Führungsrollen spielen zu können.
    Jeder Einzelne hofft auf und hat Angst vor: den USA.
    Die USA teilen ihre Macht nicht.
    Die USA machen sich nicht (militärisch) abhängig.
    Die USA überwachen jeden und kennen keine Freunde, sie kennen nur Interessen.

    Jede Mittelmacht hat mit amerikanischer Hilfe einerseits (Partnerschaft) und amerikanischem Gegenwind andererseits zu kämpfen.

    In diesem Rahmen ist die Beurteilung von Hr. Trenin ganz sicher auch im original sehr lesenswert.

  • Basisdemokrat - 27. Juli 2014

    Es freut mich, dass meine Links Anstösse zum weiterdenken geben ;-).

    “4. China wie kein anderes Land an der Erreichung der Ziele der BRICS-Staaten interessiert ist und sich deswegen entscheiden könnte, Russland im über Sanktionen ausgetragenen Ukraine-Konflikt mit dem Westen zu unterstützen.”

    Alfredo Jalife-Rahme beschreibt die US Gegenwehr aus seiner Sicht:
    http://www.voltairenet.org/article184861.html

    “Game Of Thrones” in reality.
    Gruß BD

  • samy - 27. Juli 2014

    Damit es Poltikern nicht allzu leicht gelingt Menschen gegeneinander augzuhetzen, bitte ich jeden sich einmal die Video auf diesem Link anzusehen.

    Es geht um das berühmte Stofftierfoto und seine wahren Hintergründe.

    http://augengeradeaus.net/2014/07/infowar-ukraine-der-separatist-das-stofftier-und-der-blinde-fleck/

  • Frankenfurter - 27. Juli 2014

    Zur Erinnerung, warum das ausgehandelte Assoziierungsabkommen der Ukraine mit der EU vom letzten ukrainischen Präsidenten Janukowitsch 2013 nicht unterschrieben wurde. Die EU hatte kurz vor Vertragsunterzeichnung einen größeren ukrainischen Kreditwunsch abgelehnt, während Russland eine Zusage gab. Der Preis dafür war die Beteiligung an der kaspischen Zollunion. Das wollte Brüssel nicht akzeptieren. Ex-Komissionspräsident Baroso sagte klipp und klar: “Ein Land kann nicht zugleich Mitglied einer Zollunion sein und in einer weitreichenden Freihandelszone mit der EU”, sagte Kommissionschef José Manuel Barroso. “Das ist nicht möglich.” (1)

    Warum denn eigentlich nicht, mag man sich fragen? Dazu sollte man wissen, dass in dem Vertragswerk nicht nur Fragen des Handels der Ukraine mit dem europäischen Binnenmarkt geregelt waren, sondern es wurde auch eine schrittweise Zusammenführung einer gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik vereinbart. Politisches Ziel des Abkommens war/ist die Ukraine in die Nato zu integrieren.

    Der ukrainische Autor Viktor Timtschenko meint, dass Putin die Destabilisierung der östlichen Gebiete der Ukraine als Druckmittel benötigt, um westliche Partner samt heutiger ukrainischer Regierung zu den ernsthaften Gesprächen über eine neue Sicherheitskonfiguration in Europa zu zwingen. Ohne „separatistische Bewegung“ würde die Ukraine genau so schnell der NATO beitreten, wie die neue Regierung das EU-Assoziierungsabkommen unterschrieben hat, und zwar, fünf Wochen nach der Machtübernahme. Unruhen in der Ostukraine sind für die russische Regierung eine Notbremse für die Ukraine-NATO-Allianz. (2)

    Und ich frage mich, was sagen unsere friedfertigen deutschen Außenpolitiker zu der russischen Furcht, dass demnächst Raketenstellungen der Nato an der russischen Grenze in der Ukraine stationiert werden? Wie steht es um die Bemühnungen von Steinmeier und Co. den Russen zu beweisen, dass sie deren Sicherheitsinteressen wirklich ernst nehmen? Ich sehe da nichts. Ich habe nachvollziehen können, warum der russische Schwarzmeerzugang auf der Krim, nach dem Maidan-Putsch die [friedliche] Repatrierung der Krim für Russland nötig war. Fest steht: Putin ist nicht so naiv wie ein M. Gorbatschow, der seinerzeit dem Westlichen seine Nichterweitungslügen (Nato) geglaubt hat.

    (1) http://www.derwesten.de/politik/ukraine-will-sich-nicht-auf-eu-festlegen-id7657836.html#plx1909531944
    (2)ttp://www.hintergrund.de/201407233174/politik/welt/qstellvertreterkriegq-in-der-ukraine.html

    • Chotschen - 27. Juli 2014

      Ich verstehe nicht so ganz, warum die Separatisten nötig sind, um einen Eintritt in die Nato zu verhindern. Da man jetzt ja die Schuld der Separatisten direkt auf Russland schiebt, gibt es doch um so mehr Gründe der NATO beizutreten, als wenn Russland sich friedfertig verhalten hätte. Dann hätte man noch das Gefühl gehabt, ein NATO-Beitritt würde provozieren, jetzt wäre er doch um so schneller nötig.

      • dank - 28. Juli 2014

        “Nötig” ja – aber eben nicht mehr “möglich” solange nicht “befriedet” wurde, was jetzt mit der Teilmobilmachung und dem folgenden Massenansturm gen Osten versucht werden wird. Und das mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Die baldige APO “in Kiew” kann das verhindern, dass das so ohne weiteres klappt oder ein Veto Russlands – egal in welcher Form. Und das will der Westen austesten, auch mit dem Risiko danach öffentlich schwächer dazustehen.

      • Fankenfurter - 28. Juli 2014

        Die Nato darf lt. Statuten kein Land aufnehmen, das in einen Bürgerkrieg verstrickt ist. Was die Obama-Administration freilich nicht daran hinderte eine Art “priviligierten Freundschaftspakt” mit dem ukrainischen Schokolanden-König einzugehen. Ähnlich dem, den die USA zu Israel hat.

      • Chotschen - 28. Juli 2014

        Ist der Krieg im der Ostukraine nicht viel zu kurzweilig, um damit einen Einritt in die NATO verhindern zu wollen?

    • Frankenfurter - 28. Juli 2014

      Kurzweilig für Sie vielleicht. Aber ich habe keine Ahnung, was die “Seperatisten” eigentlich wollen. Einen eigenen Staat gründen, der mit Russland assoziert ist, oder nur eine größere Autonomie innerhalb des ukrainischen Staates? Fest steht für mich, Russland will das Gebiet nicht anektieren wie die Krim. Das hat er schon öfter gesagt, ebenso, dass Kiew mit den Leuten in Bonbass-Becken reden sollte, statt auf sie zu schiessen…..

  • frank_meck - 27. Juli 2014

    Hier ein beeindruckendes Video mit Zusammenschnitten aus youtube:

    Dort sieht man gleich am Anfang wie Rekruten mit Militärgewalt “eingezogen” werden.
    Beeindruckend auch das Interview der Soldatenmutter ab 1:17:30 . Sinngemäss sagt sie: Alles begann mit dem Maidan. Man kann die Lügen nicht mehr hören. Sie spricht ukrainisch und spricht sich dagegen aus, dass alle nur noch ukrainisch reden sollen. Das wurde speziell gemacht, um das Volk zu spalten.

  • JL - 27. Juli 2014

    Wladimir Putin hielt am 25.09.2001 im deutschen Bundestag- auf Einladung- eine viel applaudierte Rede. Zur selben Zeit schwärmte man von China als die „Werkbank der Welt“ in den Medien.

    Heute ist Russland das Feindbild Nummer 1 und China ist nicht viel besser.

    Was ist also in der Zwischenzeit geschehen?

    – Man versucht sich wirtschaftlich von den westlichen Märkten abzukoppeln.
    – Es werden eigene Märkte aufgebaut.
    – Der Dollar als Handels- und Weltreservewährung wird zunehmend in Frage gestellt.
    – Die BRIC- Staaten haben zuletzt eine eigene überstaatliche Kreditbank aus der Taufe gehoben.

    Und genau das ist nichts anderes als eine „Kriegserklärung“ gegenüber den Dollar und damit selbstredend gegen die USA. Verlieren die USA diesen „Krieg“ um ihren Dollar ist Amerika nicht zweite Garnitur im Weltgeschehen, sondern pleite.

    Ergo muß die Welt in einen Dollar- und Nichtdollarraum aufgeteilt werden um Amerika zumindest kurzfristig zu „retten“.

    Wirklich Interessant für den Dollar wird es aber erst, wenn werthinterlegtes Geld als Alternative angeboten wird- von wem auch immer.

    Damit erklären sich wohl auch die gegenwärtigen Ereignisse in der Ukraine.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • Frank Bell - 27. Juli 2014

    Hier gibt es zahlreiche Fotos für Hobby-Flugunfallexperten:

    https://www.flickr.com/photos/jeroenakkermans/sets/

  • Freiberufler - 27. Juli 2014

    Trenin dürfte die Kragenweite deutscher Politiker erheblich überschätzen. So wie ein Pudel immer ein Herrchen braucht, sind die deutschen Eliten intellektuell außerstande, gegenüber den USA so etwas wie einen eigenen Willen zu artikulieren. Das ganze Geschwafel unserer amerikanischen Freunde vomn der neuen Rolle Deutschlands in der Welt dürfte vor allem damit zu tun haben, dass Washington einen nützlichen Idioten entdeckt hat. Wenn der Gauckler von Verantwortung schwafelt, wenn sich Uschi zu Kampfdrohnen “bekennt”, dann wissen wir, dass Y-Tours (Y = Fahrzeug mit Bundeswehrzulassung) demnächst einen amerikanischen Reiseführer bekommt.

  • Frank Bell - 27. Juli 2014

    http://www.cbsnews.com/news/malaysia-airlines-flight-17-black-box-findings-consistent-with-blast/

    Unreleased data from a black box retrieved from the wreckage of Malaysia Airlines Flight 17 in Ukraine show findings consistent with the plane’s fuselage being hit multiple times by shrapnel from a missile explosion. (…)

    They are finding more evidence, though, of the sort of blast holes through the plane that an exploding missile might make. The Dutch say their full team will concentrate on this sort of specific find. Covering the vast crash site systematically would be too difficult, and security arrangements are still uncertain. (…)

    As for the rebels who do control the countryside, they haven’t been around the crash site for days.

    Interessant auch das: http://slavyangrad.org/2014/07/25/video-report-deleted-by-bbc/

    Militia Elena: Ukrainian Military Planes Hide Behind Civilian Airliners

    Leider sehe ich auch, dass die Stimmung mehr und mehr zuungunsten Putins und für einen Krieg kippt.

    Totaler Wahnsinn! Warum wollen die Menschen das?

    Übrigens glaube ich nicht (mehr) an eine faire Untersuchung.

  • Alissa - 27. Juli 2014

    MUST SEE!

    “Die Taktik asymmetrischer Kriegsführung der Globalisten könnte einen Nuklearkrieg auslösen”
    Interview mit Dr. Paul Craig Roberts vom 25. Juli 2014 über infowars.com (in Englisch): http://www.youtube.com/watch?v=VjNaBxFN__E#t=711

    Weitere Informationen über http://www.paulcraigroberts.org

  • Werner - 28. Juli 2014

    Die Machteliten der VSA und des sog. Westen werden ihren Status quo mit allen lauteren und unlauteren Mitteln zu verteidigen suchen und wenn sie dabei drauf gehen. Das ist nun mla leider so. Auch diese Individuen hoffen, hoffen darauf, dass sie überleben und an der Macht bleiben. Die Hoffnung stirbt auch bei ihnen zuletzt.

    Machen wir das beste daraus und nutzen das schöne Wetter zum grillen, fressen, saufen, rum…
    es ändert eh nix am eingeschlagenen Weg – oder wer ist bereit sofort in den passiven Widerstand zu gehen und weder zu arbeiten, noch zu konsumieren?

  • SLE - 28. Juli 2014

    Es scheint nun doch so langsam das zu geschehen, was ich im Post bereits angesprochen habe.

    China hat jetzt im Zuge des MH17-Streits offensichtlich seine anfängliche Zurückhaltung und Neutralität im Ukraine-Konflikt des Westens mit Russland aufgegeben – jedenfalls wenn man nach den Berichten in den Staatsmedien urteilt, die aber nun mal das Sprachrohr für den Regierungswillen sind.

    Siehe dazu hier: http://thediplomat.com/2014/07/mh17-china-defends-russia-criticizes-the-west/

    SLE

    • Basisdemokrat - 28. Juli 2014

      Zu Beginn des 20.Jahrhunderts hat Roosevelt den amerikanischen “Isolationismus” (der auf die Nichteinmischung -Monroy Doktrin- fremder gemeint waren natürlich europäischer Mächte ausgerichtet war) durch die Roosevelt-Corollary erweitert und somit den Weg zur Hegemonialmacht vorbereitet. Heute haben die VSA ca 1000 (?) Militärische Stützpunkte über den Globus verteilt. Der Misserfolg Buschs jr. im Irakkrieg hat mit der Übernahme der Macht durch die Obama-Administration in einem Teil der europäisch/deutschen Eliten die Hoffnung genährt verstärkt daran zu partizipiern. Die Frage ist nun, ob die VSA dazu bereit sind, oder ob sie ihre Nicholas J. Spykman – Halford Mackinder – Zbigniew Brzezinski – Henry Kissinger Colin Gray – Spiel weiter betreiben.
      In diesem Zusammenhang gewinnt die Frage Bedeutung, welche Kräfte (B)RIC schwächen.
      Wie leicht Amerika seine ehemaligen Verbündeten fallen lässt und gegeneinander ausspielt ist dürfte den meisten Staaten inzwischen klar sein. Dass die VSA auf ISIS setzen (Inzwischen IS – Islamischer Staat) zur Destabilisierung der russischen Südflanke und zur Aufheizung des Sunnitischen fundamentalistischen Flügels, den sie mit Hussein ja ursprünglich bekämpft haben, birgt eine gewisse Logik.
      So lange die BRICS noch nicht stark genug sind oder besser gesagt, bevor sie stark sind, lassen sich die Weichen noch stellen. Wir leben in einer heißen Phase.
      Gruß BD

      • SLE - 29. Juli 2014

        Hallo Basisdemokrat,

        das kann man so sehen, die angesprochenen Fragen stellen sich in jedem Fall.

        Ich denke auch, dass es in diesem Konflikt zwischen den USA und Russland um viel mehr geht, als nur um die Ukraine sowie die Klärung der Verantwortlichkeit für den Absturz von MH17. Es geht auch nicht um Russland allein, obwohl der Westen die Führung dieses Land verbal und mit seinen Maßnahmen unter Dauerbeschuss genommen hat, sondern – auch nach meiner Einschätzung – um den Verbund der BRICS.

        Wenn man den folgenden Artikel der New York Times zur US-EU-Verständigung auf härtere Sanktionen liest, dann dürfte zumindest auch klar sein, dass die Obama-Administration Europa bei der Sanktionspolitik gegen Russland vor allem deswegen auf US-Linie bringen will, um zu verhindern, dass Putin einen Keil zwischen Europa und die USA treibt.

        Zitat:
        “American officials were heartened by the agreement, saying it would frustrate efforts by President Vladimir V. Putin of Russia to drive a wedge between the United States and its allies.”

        http://www.nytimes.com/2014/07/29/world/europe/us-and-europe-agree-to-escalate-sanctions-on-russia.html?emc=edit_na_20140728&nlid=69028547

        Dafür spricht auch, dass Medwedjew schon vorher gesagt hat, der Ukraine-Konflikt würde nicht dazu führen, dass Russland und Europa sich auseinander dividieren

        http://rt.com/politics/174992-russia-europe-ukraine-crisis/

        und Lawrow bereits vor Beschluss der neuen EU-Sanktionen angekündigt hat, dass Russland darauf nicht mit eigenen Sanktionen reagieren werde. So steht es auch im oben angegebenen NYT-Artikel:

        “In Moscow, Sergey V. Lavrov, the Russian foreign minister, said that while Moscow did not welcome the measures, it had no plans to respond in kind. “We do not want to act tit for tat,” he said, … ”

        Es ist darüber hinaus, ich stimme Ihnen auch darin zu, ein guter Zeitpunkt, um den BRICS-Verbund als neu aufkommendes Gegengewicht zum von den USA geführten Westen empfindlich zu schwächen. Schließlich wurden zwei Tage vor dem Absturz von MH17 in Brasilien die Verträge für die neuen BRICS-Institutionen – als gegengewicht zur Weltbank und zum IWF – unterzeichnet.

        Die westlichen Medien haben nicht viel darüber berichtet, aber Fachleute schätzen diesen Vertragsschluss als historisch bedeutsames Ereignis, weil dies mittel-langfristig nicht nur die Ära des Dollars als Leitwährung beenden dürfte, sondern auch der Ausgangspunkt für eine sich herausbildende neue Weltordnung sein könnte.

        Darauf bezog sich auch die von mir im Post angesprochene Möglichkeit der Herausbildung von zwei neuen Blöcken, nämlich den USA und westlichen Industrienationen auf der einen, Russland, China, Indien und Lateinamerika auf der anderen Seite.

        Es ist keineswegs unwahrscheinlich, dass die USA mit ihrer Ukraine-Politik die BRICS-Initiative im Keim zu ersticken versuchen und dafür das angeschlagene Russland als Angriffspunkt nutzen. Vielleicht müssen sie es sogar gerade jetzt – so wie es ja auch scheint – stark forcieren, weil es ihnen später nicht mehr gelingen kann. In den USA stehen bald Wahlen an und Obama braucht vorzeigbare Erfolge. Zudem ist nicht auszuschließen, dass die Ermittlungen zum Absturz von MH17 etwas zutage fördern, was die Ukraine oder sogar auch die USA scher belasten.

        Sollte das die Rechnung Washingtons sein, dann ist es sehr fraglich, ob sie aufgehen kann, wenn China zu Russland steht. Es ist andererseits auch gut möglich, dass die USA China im Inselstreit zu schwächen versuchen werden.

        Viele Grüße
        SLE

        • Basisdemokrat - 29. Juli 2014

          Der Gedanke, dass die zunehmende Solidarität unter den BRICS -Staaten ein Gegengewicht zur westlichen Hegemonie herausbilden könnte, hat etwas verführerisch Symphatisches an sich. Aus ökonomischer Sicht bewertet Heiner Flassbeck die Fortaleza Erklärung mit folgendem Zitat:
          “Gekreist hat der Berg zwar lange, herausgekommen ist aber leider nur ein Mäuschen.”

          http://www.flassbeck-economics.de/brics-aufbruch-oder-just-another-brick-in-the-wall/

          Normalerweise scheint die Politik den wirtschaftlichen Bedingungen zu folgen. Ich sehe hier aber einen erheblichen Gestaltungsspielraum in einer historisch besonderen Situation. Hier könnte einmal der subjektive Faktor politischer Größen Weichen stellende Bedeutung haben.

          Entscheidenden intellektuellen Einfluss könnte letztendlich eine Initiative gewinnen, die zu einer multipolaren Weltordnung führt, die den einzelnen Polen oder Blöcken genug Gestaltungsspielraum lässt. Letztendlich muss die Einsicht wachsen, nur wenn es meinen “Partnern” gut geht könne wir gemeinsam Erfolg haben. Der Blick nach vorne sollte die unglaublichen Möglichkeiten die dem schöpferischen Geist entspringen zumindest ahnungsweise näher bringen, so dass “Zug nach vorne” entstehen kann. Eine Art politischer Futurismus, welchem auch die “Eliten” etwas abgewinnen können. (Mit irgend einer Süßigkeit sollte man die Psychopathen aus ihrer Ecke locken).
          Zur Erinnerung: Chruschtschow hat in der Kubakrise eingelenkt, der Militärisch-Industrielle -Komplex kann das nicht.
          Gruß BD

    • JL - 28. Juli 2014

      Hallo SLE

      Sie haben vollkommen Recht.

      Die Chinesen sind geradezu gezwungen eine Position zu Gunsten Russlands einzunehmen, dank parallellaufender Destabilisierungsversuche der Amerikaner im asiatischen Raum (Tibet, Inselstreit mit Japan, antichinesische Kampagne in Vietnam) einerseits und andererseits der gemeinsam eingeschlagenen Politik wegen (BRICS), welche nicht mehr rücksetzbar ist. Hier erfolgt- meiner Meinung nach- eine Neupositionierung der Welt, Sanktionen und Handelsbeschränkungen zeigen dabei „nur“ den zukünftigen „Frontverlauf“ im Wirtschafts- und Interessenkrieg auf.

      Mit freundlichen Grüßen

      JL

      • SLE - 29. Juli 2014

        Hallo JL,

        ich sehe das sehr ähnlich, wie Sie aus meiner Antwort auf Basisdemokrat ersehen können. Ich denke nur, dass das im allgemeinen medialen Aufruhr um den Ukraine-Konflikt und die Sanktionen gegen Russland völlig untergeht. Deswegen ist es nur richtig, dass wir das ansprechen.

        Viele Grüße
        SLE

  • Rolmag - 28. Juli 2014

    “Kanzlerin Merkel will von USA als Partner auf Augenhöhe akzeptiert werden”

    Wie naiv kann man sein? Wie mit dem Weltall. Nach 911 und seit die Täter sich zuvor allesamt in Deutschland aufgehalten und vorbereitet haben und unser Obergeheimnisdienst wieder einmal trotz Hinweisen nichts gerafft hat, ist das mit der Augenhöhe auf Jahrzehnte dahin.

    Und wenn ich erst zulasse, dass meine Banken sich mit Immobilienklopapier vollstopfen und dann auch noch zig Milliarden Steuergeld verschwende, um die Banken zu danach retten und damit die ihren Zahlungsverpflichtungen im Ausland nachkommen können, dann wird das niemals etwas mit der Augenhöhe.

    Die Kriecherei von der Amerikanern angesichts des allumfassenden Umfanges an Spionage, wie nach und nach ans Licht kommt, ist in höchstem Maße unwürdig.

    Das ist fast so wie kritische Kommentare zu sperren, obwohl die nicht ansatzweise gegen irgendwelche Richtlinien verstoßen. Wer Kindern den Kopf kleinbindet, tötet sie damit, trotz Kommentarsperre!

    • Rolmag - 28. Juli 2014

      Sorry, bei der letzten Zeile hab ich das Medium vertauscht, war ein eklig schwülheißes Wochenende und das hört nicht auf…

  • Toni - 28. Juli 2014

    OT

    Zum Thema ZDF “Die Anstalt” vom April 2014, die nicht mehr auf der ZDF Seite zu finden ist, hier der Grund:

    ZEIT-Journalisten gehen gerichtlich gegen das ZDF und “Die Anstalt” vor

    Die Journalisten Jochen Bittner und Josef Joffe (ZEIT) haben eine einstweilige Verfügung gegen das ZDF erwirkt, durch die ein Beitrag der Satiresendung “Die Anstalt” untersagt wird, in dem Verbindungen der Journalisten zu transatlantischen Lobbyverbänden dargestellt wurden.

    http://www.internet-law.de/2014/07/zeit-journalisten-gehen-gerichtlich-gegen-das-zdf-und-die-anstalt-vor.html

  • Toni - 28. Juli 2014

    OT

    Das Netzwerk der korrupten deutschen Journalisten – Die Anstalt April 2014

  • Frank Bell - 28. Juli 2014

    Ein interessanter Kommentar von Leon de Winter (NL):

    http://www.welt.de/debatte/kommentare/article130594830/Die-Wut-der-Hollaender-auf-die-primitiven-Rebellen.html

    Wenn man den Anfang übersteht (sehr anstrengend!), dann findet man dies:

    Und sage niemand, wir hätten nicht dazu beigetragen. Wir haben den Sturz eines demokratisch gewählten ukrainischen Präsidenten unterstützt, wir hielten die Europäische Union für unbesiegbar und schoben unsere Grenzen bis an den Rand des russischen Reiches vor. Unsere Politiker hielten aufregende Reden in Kiew und versprachen Wohlstand und Freiheit und jedes erdenkliche Menschenrecht.

    Wir dachten, wir könnten das Machtspiel spielen, ohne den Preis dafür zu zahlen – nein, schlimmer noch: Wir hatten keine Ahnung, dass es ein gewaltsames Spiel war, was unsere europäischen Eliten da aufführten. Unschuldige Menschen auf dem Urlaubstrip ihres Lebens zahlten den Preis für das rücksichtslose Verhalten von Karrierepolitikern, die blind den frustrierten russischen Bären herausforderten. Ein wildes Feuer loderte in der Ukraine, und wir brachten die Streichhölzer nach Kiew.

    Die Leichname unserer Leute lagen tagelang in der ukrainischen Sommerhitze, ungeschützt, ohne dass sich jemand kümmerte. Sie fühlen nichts mehr, sagen jetzt manche – aber wir fühlen alles. Sie brachten uns einst zum Lachen und Weinen, sie erzählten uns fröhliche und verrückte Dinge. Sie hatten Hoffnungen und Erwartungen, sie wollten die Welt verbessern. Wir liebten diese Körper.

    Leider geht es im Rest des Textes zu sehr unter, so dass die Holländer nicht raffen dürften, was oder wen er kritisiert.

  • Erhard - 28. Juli 2014

    Ich möchte noch ein paar Worte sagen zur Rolle Chinas. Zunächst einmal: Welche Rangeleien es in der chinesischen Elite geben mag, sie haben selbst in den turbulentesten Zeiten der Geschichte der VR China nie die Aussenpolitik beherrscht. Die Konflikte zwischen UdSSR und VRC haben gewiss mit Mao Zedong und seinem voluntaristischen Kurs zu tun, aber eben auch mit dem Beherrschungsversuch durch die UdSSR.

    Die illusorische Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik stiess in China auf Widerstand und Kritik, die Betonung des eigenständigen chinesischen Weges dagegen war Konsens. Und es gab in der chinesischen Innenpolitik extreme Diskontinuitäten, aber die Aussenpolitik war sehr konstant. Sie orientierte sich an dem Manifest vom 1. Oktober 1949, das in den Schlusssätzen der Rede Mao Zedongs auf dem Tien An Men Guanchang zum Ausdruck kam: “Dieses Land, dieses Volk wird sich nie wieder beleidigen und unterdrücken lassen. Das chinesische Volk ist aufgestanden!” (Zhongguo Renmin qilai le, eine Anspielung auf den Text der chinesischen Nationalhymne).

    Die Hinwendung zu den USA in der “Pingpong-Diplomatie” folgte einem Schlüsselwerk der chineschen Geschichtsromanliteratur, der Geschichte der Drei Reiche (Shi You Zhi). Es ging darum, als schwächste von drei Mächten zu überleben.

    In den 1980ern entspannte sich das Verhältnis zur UdSSR, was China mehr Spielraum gab. Es gab keine hektischen Wechsel von Allianzen, aber neue Verträge, etwa den, der die chinesisch-russischen Grenzfragen definitiv regelte. Man sollte sich vor Augen halten, dass China dabei die gewaltsame Acquisition von mandschurischem Territorium von fast der Grösse Deutschlands völkerrechtlich festschrieb, die zumindest zum Teil auf ungleiche Verträge zurückzuführen war.

    Insofern sehe ich die Rivalität China-Russland nicht. China hat gewusst und anerkannt, dass Russland von den imperialistischen Mächten im 19./20. Jahrhundert die am wenigsten aggressivste war, und die UdSSR war eine Überlebensbedingung der Revolution von 1911. China war nie eine expanisionistische Macht.

    Aber der Zerfall der Sowjetunion war für China ein Lehrstück. Es wurde demonstriert, dass eine Abwendung von der kommunistischen Ideologie kein Schutz war vor Zerstückelung, Ausplünderung und Verwandlung in einen failed state. Das Schicksal der UdSSR war für China ein Lehrstück. Wenn der Westen die Chance bekäme, würde er Tibet und Xinjiang aus der VR China herausreissen, wenn es ginge auch die innere Mongolei und die “mandschurischen” Nordostprovinzen. Ein so zerstückeltes China wäre keine Gross- oder Weltmacht mehr, die Herrscher über das Tibet-Qinghai-Plateau wären die Herren des chinesischen Wassers.

    China braucht das Bündnis mit Russland. Es weiss, dass es mit dem Westen massenmörderische Todfeinde an der Gurgel hat, gegenüber denen der faschistische Block der 30er Jahre an Aggressivität eher im Schatten steht. Es wird nichts tun, Russland zu schwächen, weil es damit Selbstmord begehen würde.

    Das wissen alle chinesischen Politiker, auch wenn sie sich untereinander nicht grün sind.

    • SLE - 29. Juli 2014

      Hallo Erhard,

      vielen Dank für Ihre wie immer kenntnisreichen Erklärungen zum Thema China. Ich stimme voll und ganz mit Ihnen überein.

      In der Außenpolitik hat es in China immer eine sehr große Einigkeit gegeben – trotz aller internen Machtrangeleien – und daran hat sich bis heute nichts geändert. Allenfalls, so denke ich, gibt es bisweilen Streit darüber, ob der außenpolitische Kurs eher kompromissorientiert oder härter, mit geringerer Bereitschaft zu Kompromissen und Zugeständnissen verfolgt werden sollte.

      Das war – korrigieren Sie mich, wenn ich mich irre – auch schon in Hu Jintangs´ Präsidentschaft ein Streitpunkt – insbesondere mit Blick auf die USA. Hu und Wen Jiabao waren außenpolitisch “nachgiebiger”. Mit der Neubesetzung des Ständigen Ausschusses des Politbüros Ende 2012 haben die konservativen Kräfte, die ähnlich wie die Konservativen (Republikaner) in den USA für eine härtere Außenpolitik stehen, mehr politischen Einfluss erhalten.

      Einen gewissen Niederschlag findet das allerdings auch in der Frage der wirtschaftlichen Öffnung Chinas, weil konservative Kräfte in China darin ein Einfallstor für die USA sehen. Xi Jinping scheint nicht so zu denken.

      Es ist auch richtig, dass es eine echte Rivalität zwischen China und Russland heute nicht mehr gibt. Allerdings hat das auch damit zu tun, dass sich das Käfteverhältnis – abgesehen vom militärischen – nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem wirtschaftlichen Aufstieg Chinas umgekehrt hat.

      China hat im Verbund der BRICS-Staaten eine Führungsrolle, die aus seiner wirtschaftlichen und finanziellen Stärke resultiert. Eine gewisse Rivalität dürfte es in diesem Zusammenhang geben. Chinesen vergessen auch nie irgendetwas, egal wie lange es zurückliegt. Das sieht man auch bei den umstrittenen territorialen Ansprüchen Chinas. Andererseits verstehen sich Putin und Xi Jinping – anders als Putin und Obama – offenbar auch auf persönlicher Ebene ausgezeichnet und der Ukraine-Konflikt dürfte beide Länder noch enger zusammenrücken lassen. Beide sind strategische Denker.

      Deswegen stimme ich mit Ihnen überein, dass die von mir angesprochene Konkurrenz – Rivalität ist wohl ein zu starker Begriff – in der Kooperation beider Regierungen schon interessenbedingt keine Rolle spielen dürfte – jetzt noch weniger als vor dem MH17-Absturz.

      Viele Grüße
      SLE

    • SLE - 29. Juli 2014

      Noch eine kleine Ergänzung am Rande:

      Gerade wird gemeldet, dass in China offizielle Ermittlungen gegen ein ehemaliges Mitglied des Ständigen Ausschusses, Zhou Yongkang, eingeleitet wurden und zwar wegen Korruption.

      siehe dazu: http://www.nytimes.com/2014/07/30/world/asia/china-says-zhou-yongkang-former-security-chief-is-under-investigation.html?emc=edit_na_20140729&nlid=69028547

      Nur für alle anderen Leser: Das ist für China eine Sensation und für Xi Jinping ein Zeichen seiner Stärke.

      Es ist interessant, dass Xi dies gerade jetzt verkündet, da sich die USA und Europa verständigt haben, harte Wirtschaftssanktionen gegen Russland zu verhängen.

      Viele Grüße
      SLE

    • Toni - 29. Juli 2014

      “Findet sich der Hinweis, für mehr Informationen solle man dem US-Botschafter in Kiew, Geoffrey Pyatt, auf Twitter folgen”.

      Ja geht’s noch? Das sind mal stichhaltige Beweise, Twitter, Fratzenbuch und Co.

      Kopfschüttel

      • dank - 29. Juli 2014

        Bin gespannt, wann die Kriegserklärung auf Twitter erfolgt und wann die Freundeslisten geleert werden um das wahre Gesicht in der Bilderhistory zu zeigen – meinem Eindruck nach hat das Ganze überzogene digitale Geeiere zu SocialWahnsinn geführt, wenn selbst solche Dinge “so modern” abgehandelt werden. Ja, die CIA ist eben hipp und will der NSA in nichts nachstehen.
        Wohl denen, die keinen TwitterAccount haben, die dürfen dann nicht mit Krieg spielen…

        Die haben einen Vogel – der ganze bescheuerte Haufen. Sorry, das ärgert mich einfach.

        • Toni - 29. Juli 2014

          Hab Dank, dank,

          dann bin ich mal draußen und weg, denn ich hab weder diesen noch solchen Account.

          Gruß Toni

  • dank - 29. Juli 2014

    Nun wird die Karte “Vertragsbruch” gespielt und mit weinerlicher Stimme gen Osten gezeigt – also natürlich ohne Beweise bzw. ohne konkret sagen zu können, was denn nun der Grund für den Bruch ist, also vielleicht hat ja jemand auf Twitter…

    http://www.n-tv.de/politik/USA-Russland-bricht-Vertrag-article13326296.html

    • frank_meck - 29. Juli 2014

      Der Vertragsbruch soll auf beiden Seiten vorliegen. Nach russischer Auffassung verstossen die USA mit dem Raketenabwehrsystem auch gegen Abrüstungsvereinbarungen. Der Trick besteht nun darin, dass die Medien nur den einen Vertragsbruch auf die erste Seite setzen. Ist doch logisch, dass die Russen bessere Raketen entwickeln, die das Raketenabwehrsystem durchbrechen können. Das stört die Amerikaner, denn sie hatten eigentlich die Russen schon vor zehn Jahren abgeschrieben.

  • dank - 29. Juli 2014

    Eine Beleidigung für jeden Leser:

    “In allen Fällen ist unklar, wer geschossen hat. Ukrainische Regierungstruppen hatten Donezk bisher nicht beschossen.”

    http://www.tagesschau.de/ausland/ukraine-kaempfe-106.html

    ?!?

    Sie wollen ihn, sie werden ihn bekommen.

  • Unglaublich - 29. Juli 2014

    http://www.spiegel.de/spiegel/spiegel-titel-zu-putin-in-eigener-sache-a-983484.html

    “Europa kann die Folgen einschneidender Sanktionen verkraften, Russland kann es nicht. Es ist wirtschaftlich verwundbar, benötigt westliche Investitionen und Technologie, insbesondere für seinen Energiesektor.

    Eine Garantie, dass Sanktionen schnell zum gewünschten Ergebnis führen, gibt es dennoch nicht. In einer ersten Reaktion könnte Putin um sich schlagen, einen überraschenden Gegenzug versuchen – aber die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass er mittelfristig nachgeben müsste. Seine Herrschaft basiert bislang darauf, dass er die Eliten mit gut gehenden Geschäften ruhigstellt. Massivem Druck seitens russischer Unternehmer, Oligarchen und Liberaler könnte er kaum standhalten. Eine weitere Abwertung des Rubels würde auch die breite Bevölkerung treffen, die ihn bisher noch unterstützt.

    Für die Sanktionen wird Europa, werden auch wir Deutschen sicherlich einen Preis zahlen müssen – aber der Preis wäre ungleich höher, wenn der Zyniker Putin seine völkerrechtswidrige Politik ungehindert fortsetzen könnte: Der Frieden und die Sicherheit in Europa wären dann in ernster Gefahr.”

    Geil – ich dachte Zeitreisen gibt es gar nicht – doch jetzt bin ich wieder in den 60ern.. 🙂

    • thewisemansfear - 29. Juli 2014

      Spiegel in eigener Sache zum Aufmacher, die Kritik von außen perlt anscheinend ab, man igelt sich ein in der eigenen ideologischen Blase.
      Kein gutes Zeichen…

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