Europäische Schuldenkrise: Die Stunde der „Technokraten“

von am 10. November 2011 in Allgemein

Seit heute ist es klar. Der ehemalige Vize-Präsident der Europäischen Zentralbank und Ökonom Lucas Papademos (64), der in den USA studierte, promovierte und lehrte (1) (2), wird neuer griechischer Ministerpräsident in der Übergangsregierung. Aktuell verdichten sich darüber hinaus offenbar die Informationen, dass auch in Italien ein bewährter und unabhängiger Wirtschaftsfachmann Berlusconi im Amt des italienischen Ministerpräsidenten beerben könnte: Mario Monti (68), der Wirtschaftswissenschaften in Mailand und Yale studierte und lehrte und Rektor der Bocconi-Universität in Mailand war, bevor er zur Europäischen Kommission wechselte, wo er zunächst Binnenmarkt- und anschließend Wettbewerbskommissar war. (3)

Es ist ebenso überraschend wie interessant, dass sich nun in den am schlimmsten in der Krise steckenden Mitgliedstaaten der Euro-Zone die Erkenntnis ihren Weg zu bahnen scheint, lieber Fachleute ans Ruder zu lassen, die von ihrer Ausbildung und Praxis her nicht nur als erfolgreich und europaerfahren gelten, sondern darüber hinaus im Ruf stehen, sich nicht von Interessen vereinnahmen zu lassen. Sie als Technokraten zu bezeichnen, ist irreführend, weil der Begriff eher negativ besetzt ist. Man kann den Begriff auch positiv auffassen: Kompetenz, Erfahrung, Unabhängigkeit ist das, was einen „guten Technokraten“ auszeichnet. So verstanden waren auch die Wirtschaftsprofessoren und Politiker Ludwig Erhard und Karl Schiller Technokraten. Sie haben in der Krise Lösungen gefunden, die „im Sinne der Sache“ waren.

Kompetenz, Erfahrung und Unabhängigkeit sind unabdingbare Voraussetzungen, um im Sinne der Sache die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Dabei geht es nicht nur um ökonomische oder mechanistische Ratio, sondern ebenso um Verantwortung für die Menschen, die in und von einer Volkswirtschaft leben müssen.

Die Gründerväter der Europäischen Gemeinschaften hatten genau dies im Sinn, als sie im Vertrag über die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl 1951 die „Hohe Behörde“ (heute „Europäische Kommission“) als Exekutivorgan verankerten und mit dem alleinigen Initiativrecht ausstatteten. So sollte und soll noch immer sichergestellt werden, dass nur von nationalen Interessen unabhängige Vorschläge in den Entscheidungsprozess kamen bzw. kommen.

Wenn heute die Experten der Europäischen Kommission als „Technokraten“ bezeichnet werden, ist es meist nicht als Ausdruck der Wertschätzung gemeint. Allerdings hat die Kommission im Zuge der Jahre auch viel von ihrer Unabhängigkeit eingebüßt – der ausufernde Lobbyismus in Brüssel ist bedenklich, denn er schlägt sich systematisch in den Vorschlägen der Kommission nieder.

Zudem haben ihre Initiativen bzw. Vorschläge zur Krisenbewältigung bisher insgesamt nicht überzeugen können – stattdessen gab es viel alten Wein in neuen Schläuchen und manches Mal – etwa in der Hochphase der Finanzmarktkrise – Funkstille. Es kann deswegen nicht oft genug daran erinnert werden, dass es in erster Linie die Aufgabe der Europäischen Kommission ist, Vorschläge zu erarbeiten wie Europa aus der Krise kommen kann und wohin es sich entwickeln sollte. Das schließt die Euro-Schuldenstaaten selbstverständlich mit ein. Die rutschen indes seit Monaten immer tiefer in die Krise hinein.

Ökonomische Kompetenz und Unabhängigkeit sucht man heute bei vielen Politikern vergeblich. Mehr noch wurde viele Jahre lang und wird immer noch eine Politik für spezifische Interessen gemacht, Klientelpolitik betrieben. Das Heer von Lobbyisten in den Hauptstädten der Industriestaaten ist der beste Beleg dafür. Immer mehr Bürger sind jedoch nicht mehr länger bereit, das, was dabei herauskommt, zu akzeptieren. Sie wenden sich bei Wahlen von den etablierten Parteien ab oder – wie in den Krisenstaaten – protestieren offen gegen die Regierungspolitiker. Es ist keineswegs nur ein italienisches oder griechisches Problem.

Leider hat die Finanzkrise gezeigt, dass Ökonomieprofessor zu sein nicht automatisch zur Lösung von Wirtschafts-, Finanzmarkt- oder Schuldenkrisen qualifiziert. Im Gegenteil ist festzustellen, dass die gesamte Zunft selbst in die Krise geraten ist, weil ihre Theorien, Modelle und Lehren an der Wirklichkeit gescheitert sind. Das macht es schwer, geeignete Fachleute zu finden. Insofern muss man auch ein wenig skeptisch bleiben, was Lucas Papademos und gegebenenfalls auch Mario Monti für ihr jeweiliges Land bewirken können – auch deswegen, weil Lobbyismus und Korruption eine schwere Hürde darstellen, die es zu nehmen gilt. In jedem Fall aber darf es als gutes Zeichen gewertet werden, dass sie als „Pragmatiker“ gelten. Denn das bedeutet, sie geben im Zweifel nicht so viel auf die herrschenden Theorien und Lehren.

Vielleicht hat in Griechenland und Italien die Stunde der „guten Technokraten“ – im besten Sinne des Wortes – geschlagen. Das wird man an den Ergebnissen sehen. Es wäre wünschenswert, nach den vielen Monaten des desaströsen Krisenmanagements der Schuldenkrise diesseits und jenseits des Atlantiks, wenn es so wäre und die beiden Beispiele Schule machten. Vielleicht – das werden wohl vor allem auch die Griechen und Italiener denken.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

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37 KommentareKommentieren

  • georg - 10. November 2011

    gute technokraten , das kann man auch total anders sehen
    http://economicedge.blogspot.com/2011/11/morning-update-market-thread-118_10.html
    gruss georg

    • SLE - 10. November 2011

      Ja, natürlich kann man das anders sehen. Aber die Möglichkeit, dass es auch kompetente Leute darunter gibt, kann man ja nicht ausschließen. Dass Papademos Zentralbanker war und als Zentralbanker gewirkt hat, sagt zunächst mal noch nichts darüber aus, wie er sein explizites und implizites Wissen und seine skills als Ministerpräsident einsetzt.

      Gruß
      SLE

  • snozin - 10. November 2011

    Mit Verlaub, jeder Verweis auf die Zeit von Leuten wie Erhard und Schiller scheint mir wie der Vergleich eines Grashalms mit einer abgebrannten Steppenlandschaft.

    Vor sechs Jahrzehnten, beginnend mit einer neuen Währung, galt als Investition die Beschaffung von Lötzinn, mit dem man verbeulte Kochtöpfe wieder dicht machte. Diese Währung ist inzwischen in einem Stadium angelangt, wo als Investition gilt, wenn man mehrstellige Milliardenbeträge in derivativen Wetten “anlegt”, man kann aber auch sagen, unterbringen muss.

    • SLE - 10. November 2011

      Ich wollte auch nicht die Situation vergleichen, sondern den Politikertypus. Und so gesehen ist Papademos und wäre Monti ein echter Schritt nach vorne. Was sie daraus machen, muss man natürlich abwarten.

      Gruß SLE

  • M.E. - 10. November 2011

    Keine Frage! Monti ist besser als Berlusconi. Als Fachmann und als Mensch. Und für Papademos kann man das zumindest als Fachmann auch im Vergleich zu seinen Vorgängern sagen, und ebenfalls besser hinsichtlich der geringeren Verfilzung im oligolopitischen Systems Griechenlands.
    Also schon mal ein personeller Schritt in die richtige Richtung.
    Nun müssen diese beiden Technokraten (TechnoLOGEN wären mir lieber – Logos = Sinn, Vernunft vs. Kratia = Herrschaft) nur noch beweisen, dass sie sich mit der Quadratur des Kreises auskennen. Oder um mit unserer Bundesphysiskeren zu sprechen: mit der Kugelmachung des Würfels.

    Die Worte Logos und Kratia kommen aus… na woher schon? Aus dem alten Griechenland.

    • soki3456 - 11. November 2011

      fein – es gibt noch Menschen, die griechische Wörter kennen. 🙂

  • Martin - 10. November 2011

    Beide sog. Technokraten waren wesentlich am Enstehen des Euros und an dessen Pflege beteiligt. Wie sollen sie diese Fehlgeburt kurieren ? Sie wurden gewählt, um den unrettbaren Euro retten zu helfen, welch ein groteskes Schauspiel.

    • Systemfrager - 11. November 2011

      Hast du auch ein Gefühl, dass SLE zumindest gern ein bisschen daran glauben möchte?

  • kranich05 - 10. November 2011

    Es würde mich sehr überraschen, wenn die Herren Technokraten eine andere Politik als die des “Sparens um jeden Preis” anzubieten haben.
    Vielleicht darf man etwas mehr einer Art Effizienz bei der Verwaltung des jeweiligen nationalen Elends erwarten (weil sie vielleicht nicht bis zum Hals im Sumpf/Filz stecken).
    Sie sind dazu da, den Europa-Zirkus weitere paar Wochen am Laufen zu halten. Das kann gelingen. Ich würde nicht ausschließen, daß es europäische Hoffnungen gibt, diese Wochen könnten reichen, damit sich der Krisenfokus von Europa weg bewegt.
    Es bleibt nicht aus, daß die Krise sich auch als Personalkrise darstellt. Die Herren Technokraten erscheinen mir mehr als Teil dieses Problems.

  • Holly01 - 11. November 2011

    Ich würde davon ausgehen, dass wir nur einen riesen Sturm im Wasserglas erleben. Wenn ich mir die ganze Aussenwelt der EU ansehe, ja sogar die EU-Länder ohne Euro betrachte, dann riecht das alles nach Braten im eigenen Saft.
    Das Geld bewegt sich Innereuropäisch, bzw InnerEURaumtechnisch hin und her. Ein Nullsummenspiel wenn man es aus größerer Entfernung betrachtet.
    Alles wird so angelegt, um jede Aussenwirkung (CDS, schnelle Geldflüsse, Kreditklemmen) zu vermeiden.
    Die Aussenverträge und Verpflichtungen werden auch alle aufrecht erhalten und sauber bedient.
    Selbst in Griechenland geht das Licht nur aus, wenn die Gewerkschaften das veranlassen.
    .
    Es sieht für mich eher nach dem großen Bluff aus. Man will die Masse der Leute drücken, damit der EU keiner mehr billig kommen kann.
    Rentenansprüche kappen, Staatsapperate abbauen, kleine Einkommen drücken, massive Zeitarbeit einführen, Besitzstand jedweder Art abschaffen.
    Dafür kommen nun die richtigen Leute an das Ruder, die Erfüllungsgehilfen werden in Stellung gebracht.
    .
    Ich bin sehr zuversichtlich, dass das Vertrauen der Märkte nach Abschluss der grossen Rasur wieder zurückkehrt.

  • mutzel6 - 11. November 2011

    Die Hoffnung auf eine Trendwende in Ehren … nach meiner Auffassung ist es zu spät hierfür.

    Selbst wenn seitens der Politik plötzlich der Haase bzw. Wirtschaftsaufschwung aus dem Hut gezaubert würde, wird dies zur Rettung nicht mehr ausreichen. Zu hoch sind die aufgetürmten Schulden, zu schwach die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit.

    Um vom aktuellen Zustand aus einen sichtbaren Aufschwung einzuleiten, vergehen selbst bei sofortigem und durchschlagenden Erfolg der Maßnahmen zumindest etliche Monate (nicht nur 4 oder 5). Aber bei der Dynamik, mit der weltweit Staaten und Banken in finanzielle Not geraten, werden uns, fürchte ich, sooo sehr viele Monate nicht mehr bleiben bis zum Zusammenbruch des Finanzsystems.

  • Johannes - 11. November 2011

    Werden die Technokraten auch die Herzen die Menschen in ihren jeweiligen Ländern erreichen? Denn das ist die unabdingbare Voraussetzungen, dass die drakonischen Sparmaßnahmen auch Wirkung zeigen können; denn diese müssen von den Menschen umgesetzt und gelebt werden.

    Und diese Menschen zeigen bis heute wenig bis gar keine Neigung, diese Sparmaßnahmen auch mitzutragen. Das ist für mich in gewisser Weise verständlich, denn die damit verbunden Einschränkungen schmälern die bislang erreichte Lebensqualität (auf Pump natürlich) erheblich.

    Es ist eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt worden, die nach meiner Einschätzung nur durch einen umfassenden Reset unterbrochen werden kann. Was dass bedeutet ist den Lesern in diesem Blog klar. Davor scheuen die Politiker und sicher auch die Technokraten zurück, denn nichts fürchten sie mehr, als den Zorn der Menschen, die sie dafür verantwortlich machen werden.

    • ö.ä. - 11. November 2011

      Stellen Sie sich mal vor, von 800 €/ Monat leben zu müssen bei 3mal höheren Lebensmittelpreisen im Vergleich zu Deutschland. Vor diesem Hintergrund, davon zu sprechen, die Leute seien nicht geneigt Sparmaßnahmen mit zu tragen, empfinde ich als zynisch.

  • HeinerT - 11. November 2011

    Hallo,

    m.E. ist es völlig gleichgültig wer (jetzt) am Ruder sitzt.

    Die Zeit ist abgelaufen! Vielleicht kommen jetzt diese “technokraten” ans Ruder, da die Politiker sich der Lage bewusst sind und nicht hängen wollen.
    Da kommt es doch gerade recht, wenn zukünftig politisch nicht so erfahrene “Fachidioten” in vorderster Front stehen…

  • micdinger - 11. November 2011

    Hallo SLE,

    Ich verstehe schon die Intention deines Beitrags. Allerdings dürfte die technische Beherrschung der aktuellen Schulden- bzw. Guthabenproblematik höchstens zu einem herausschieben des Schwurs von einigen Jahren führen. Papademos und Draghi erhöhen lediglich die Wahrscheinlichkeit, dass es zur Einführung eines FED-Systems in Europa, welches aber politisch noch schwer durchsetzbar ist, kommt.

    http://www.ftd.de/politik/europa/:kolumne-lucas-zeise-keine-angst-vor-der-notenpresse/60126347.html

    http://blog.markusgaertner.com/2011/11/11/reingetrickst-und-abgewickelt-die-europaische-machtergreifung-der-geldmafia/

    Immerhin, vieleicht doch noch einige Jahre “Wachstum”.

  • Christian Wagner - 11. November 2011

    Zwischen 1933 und 1945 gab es im Bürokratieapperat auch jede Menge Technokraten, die jede Menge Unheil angerichtet haben. Auch in der UdSSR, Argentinien, etc….Technokraten sind willfähige Karrieristen, denen in erster Linie um eines geht: Um sich selbst!
    Von dem her erwartet nicht zu viel.

  • Sitting-Bull - 11. November 2011

    Papademos ist Mitglied der Trilateralen Commission, eine Rockefeller-Einrichtung mit dem Ziel der Zerstörung nationaler Souveränität, wie auch David Rockefeller in seinen 2006’er Memoiren zugab. Bei n-tv wurde vor 4 Tagen ein Bild vom ihm gezeigt, wie er in seiner Funktion als EZB Macker vor einer Schautafel mit CDS posierte. Von so jemanden ist keine Rettung zu erwarten, der glaubt bestimmt immer noch, dass man mit Credit Default Swaps Sicherheit kaufen kann. Diese arme Irren…

  • SLE - 11. November 2011

    @ alle

    Die Skepsis, dass sich an der bisherigen Krisenpolitik etwas ändern könnte oder überhaupt ändern lassen könnte, ist berechtigt. Mit Blick auf Italien und Griechenland muss man vielleicht aber doch sehen, wie sehr das Vertrauen in die Politik und die führenden Parteien dort erschüttert ist. Ich habe auf die Schnelle nur ein schönes Beispiel parat, an dem man das sehen kann:

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,776433,00.html

    Die Verschuldungsproblematik, die vor sich hin dümpelnde Wirtschaft , die traurige Lage am Arbeitsmarkt, das drohende Finanzmarktdesaster und über allem die miserable Performance der Politik sind für sich jeweils riesige Baustellen. Teils gäbe es einfache Lösungen, aber sie sind schwer durchzusetzen, teils brauchen Lösungen viel Zeit und teils zeichnen sich noch nicht einmal überzeugende Ansätze für Lösungen ab.

    Ein zentrales Problem scheint aber zu sein, dass immer nur für sehr viel Geld Zeit gekauft wird, ohne dass diese Zeit adäquat für die Entwicklung und Umsetzung von geeigneten Konzepten und Maßnahmen genutzt würde – bisher jedenfalls nicht. So gesehen sind vielleicht gerade unsere Politiker ein Engpaßfaktor – in Griechenland und Italien konnte man das unfassbare, plan- und orientierungslose sowie teils egoistische Gezerre in den Paralamenten sehr gut mitverfolgen. Das war für die gesamte politische Klasse entlarvend. Und was den Schuldenstaaten von EU, EZB und IWF als “Sanierungskurs” verordnet wurde, ist gemessen an den Wirkungen ebenfalls ein Offenbarungseid.

    Irgendwo wird man mit dem Aufräumen beginnen müssen. In der Politik damit anzufangen, ist gewiss nicht verkehrt und in jedem Fall geeignet, das Vertrauen der Bürger zurückzugewinnen. Ob das gelingt, mit Papademos und Monti, weiß ich nicht. Beide unterscheiden sich erheblich von der politischen “Elite” ihrer jeweiligen Länder und gehören ihr auch nicht an. So viel ist sicher. Den Rest muss man abwarten.

    Grüße
    SLE

  • M.M. - 11. November 2011

    Wer am besten in der Lage ist, die Schulden in undurchschaubaren Finanzkonstruktionen in der EU unterzubringen, ist die Beste Wahl.
    Die Frage bleibt, ob ohne Schulden alleine wieder Wachstum kommt, auf das ja alle hoffen, da müssen schon ein paar Schulden her. Enweder im Brasilien oder Uganda. das Rad dreht sich ja noch, Der Euo ist nicht in Gefahr.

  • kranich05 - 11. November 2011

    Italy 6 -6.2% 6.61 -5.3% 6.65 -3.5%

    Monti ist noch gar nicht im Amt, da sacken Italiens zehnjährige schon auf 6,65%.
    Es ist vollbracht! Die Wende ist da!

    Ironie aus.

  • OmO - 11. November 2011

    Einstein sagte ja bekanntermaßen einmal, Probleme könne man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind .

    Herr Papademos ist aus dieser Sicht heraus sicher nicht der richtige “Problemlöser”. Die wohlfeile Hoffnung auf eine wohlmeinende Diktatur, die endlich den demokratisch festgefahrenen Karren aus den Sumpf zieht, halte ich in diesem Zusammenhang für ziemlich gefährlich. Man wird sehen, inwieweit dazu die demokratischen Strukturen in Griechenland noch ausgehebelt werden und welche weiteren politischen und sozialen Folgen das dann nach sich ziehen wird.

    Der Zerfall der demokratischen Kultur in sehr vielen Ländern ist und war doch eine Folge des Erfolgs der neoliberalen Ideologie, zu deren Kerngeschäft die Schwächung staatlicher Strukturen und damit auch der Demokratie gehört. Von daher sollte man schon ein wenig mehr zurückblicken, wenn man die aktuellen wirtschaftspolitischen Zustände in einigen Ländern kritisch kommentiert. Auch das ehemalige Nachrichtenmagazin aus Hamburg bildet da in seinen oberflächlichen politischen Analysen leider keine Ausnahme.

    Die (erzwungene) Einsetzung einer Technokratenjunta in den Krisenländen ist hier in meinen Augen nur ein “Finanzmarktputsch” und nur der nächste evolutionäre Schritt der neoliberalen Ideologie beim Kampf um mehr Herrschaft! – OmO

  • philipp johannes - 11. November 2011

    goldman hat nun endgültig die macht über den euro übernommen.

    lest hier:
    http://blog.markusgaertner.com/2011/11/11/reingetrickst-und-abgewickelt-die-europaische-machtergreifung-der-geldmafia/

    der papa in athen war notenbankchef beim eintritt von griechenland in den euro mit den verfälschten zahlen.

    • SLE - 11. November 2011

      Hallo phillip johannes & kranich05,

      ich lese gaertners blog auch mehr oder weniger oft. Das Bild, dass er in dem Aufsatz zeichnet, ist allerdings sehr düster. Er hat eine Reihe von Belegen zuzsammengetragen. Ich persönlich würde auf dieser Grundlage jedoch nicht deart weitreichende Folgerungen zu ziehen wagen. Also da lobe ich mir Steffen, der sich nichts zusammenzimmern würde, was er nicht wasserfest und vollständig durch Fakten absichern kann. Meines Erachtens trägt Markus Gärtner – bei aller Hochachtung vor seiner journalistischen Leistung – in jüngster Zeit etwas zu dick auf. Natürlich ist auch er, so wie wir alle, skeptisch und Skepsis ist angebracht. Aber eine Glaskugel, die ihm sagt, was die drei (Draghi, Monti, Papademos) tun werden, hat er auch nicht. Monti hat sich beispielsweise als Wettbewerbskommissar mit dem Big Business (z,B. Microsoft) und auch mit Regierungschefs (Gerhard Schröder) erfolgreich angelegt. Draghi ist in der EZB kein Alleinherrscher und Papdemos ist nicht nur Banker, sondern auch Grieche.

      Aber da mag und soll sich jeder selbst ein Urteil bilden.

      Grüße
      SLE

      • langlode44 - 11. November 2011

        Aua, aua, aua, seit wann ist Kapital patriotisch, oder gar national gesinnt?. Das was hier gerade abläuft ist die Übernahme der Macht durch die Bankster und Talibankster der Welt, teils im
        Eigeninteresse, teils im Auftrag, manch einer bleibt lieber im Dunkeln…
        Markus Gärtner trägt nicht zu dick auf, eher zu dünn. Der Kapitalismus ist wieder mal dabei in seine bonapartistische, ein nicht mehr lebender Italiener sprach vom Faschismus, heut nennt man das Demaokratie, Phase ein. Die Kapitalakkumulation kommt zum Erliegen, grob gesagt, es wird keine flächendeckende Elektroautomobilität geben, es geht nicht, die Betriebswirtschaft lässt es nicht zu, ein Gewinn fällt nicht mehr ab, es ist niemand mehr da der diese zukünftigen Schrotthaufen KAUFEN kann, und genau darum geht es.
        Das was da auf uns draufzukommt, die grosse Barbarei, lässt sich nicht mit Mitteln der Betriebs-, sprich Geldwirtschaft lösen. Der Kapitalismus ist zweifelsfrei ein zäher Hund, aber
        jetzt hat er einfach fertig, Flasche leer…wo soll er denn noch hin?, Die kleinen Grünen vom Mars werden keinen Kredit beim Josef kaufen, nicht mal die Russen spielen mit (dabei haben die so viele und tolle Bodenschätze….).

        Du und dein Namensvetter ihr leistet ne tolle Arbeit hier, aber soviel Marx muss sein: “Überwindung der Lohnsklaverei, oder gemeinsamer Untergang.” – es ist soweit, ziehen wir die richtigen Schlüsse, beenden wir den Blödsinn, den mit dem Geld, der Macht, dem Staat, den Parteien, usw. usf…

    • SLE - 11. November 2011

      Noch ein Nachtrag:

      Der Vorschlag zur Leitzinssenkung der EZB kam beispielsweise nicht von Draghi, wie vielfach gemutmaßt wurde, sondern von Jürgen Stark, der nicht im Verdacht stehen dürfte, für Goldman zu arbeiten. Siehe dazu:

      http://www.handelsblatt.com/politik/international/es-drohen-uns-einige-negative-ueberraschungen/5799974.html

    • kranich05 - 11. November 2011

      Entschuldigung, hat sich überschnitten, bitte Doppelung rausnehmen.

  • hunsrückbäuerlein - 11. November 2011

    ich habe von beiden Politikern keine gute meinung, was aber u. u. auf die allgemeine lage zurückzuführen ist. sie sind jedenfalls fachleute, man kann also erwarten, dass sie sich mit geld und allem was da so drumrum hängt, auskennen. ob und inwieweit sie welchen weg einschlagen werden, werden wir sehen, wenn wir abwarten. eines bin ich indess gewiss, drehen sie in GR weiter an der destruktiven sparschraube ohne gleichzeitig dafür zu sorgen, dass die menschen wieder arbeit und eine zukunft haben, wird der eine dort nicht lange überleben und um italien ist mir nicht bange. die azzuris sind hart im nehmen und ignorant gegenüber der obrigkeit, schließlich arrangieren sie sich schon seit 2000 jahren mit der katholischen kirch, seit jahrhunderten mit der mafia und seit 2 jahrzehnten mit bungabunga. wenn´s denen zu bunt wird, machen sie den € zum silvesterknaller, aus, futsch und vorbei.

  • M.E. - 11. November 2011

    Hallo micdinger,
    Dein Link von Rottmeyer ist sehr interessant. Hatte ich gestern schon gelesen, und mir fiel fast die Kinnlade runter, als ich die britische Gesamtverschuldung (Staat, Bürger, Wirtschaft) las: fast 500% des BIP. Genau so wie Japan (da hatte man es ja schon geahnt).
    Die Italiener sind dagegen die reinsten Waisenknaben.

    • SLE - 11. November 2011

      Ja, dem stimme ich uneigeschränkt zu. Der Post bei Rott & Meyer zeigt sehr schön das ganze Ausmaß des Desasters der “Krisenbewältigung”, dass nach wie vor keine Lösungen in Sicht sind und die Lage in den EU-Schuldenstaaten bei weitem nicht so dramatisch ist wie etwa in den USA und Großbritannien.

  • philipp johannes - 11. November 2011

    da die lage in usa und uk dramatischer als in europa ist, wird europa fallen müssen um von den erstgenannten ländern abzulenken.
    motto – grob gesagt: der euroraum ist schuld am desaster.
    das desaster kommt unweigerlich.
    eine these ich weiß.
    bedenken wir wo die systemrelevanten banken ihren sitz haben, klammern wir mal die deutsche bank aus; die ist im vergleich vernachlässigbar.

    skepsis angesichts der goldjungs muß angebracht sein und ist sicherlich statthaft.
    blauäugig kann keiner mehr durch diese zeit gehen.

    danke für den link zu stark.
    hat mich überrascht das der verfechter von stabilität und der feind von inflationären tendenzen eine zinssenkung befürwortete und wohl federführend aktiv war.

  • matt_us - 11. November 2011

    Also, wenn hier jeder der als Berater fuer Goldman Sachs arbeitet, oder gearbeitet hat, kein Amt mehr uebernehmen darf in der EU, dann wird es problematisch. Es sieht mir neamlich so aus, als ob GS automatisch jedem, der ihnen mal in Zukunft nuetzlich sein kann, einen Beratervertrag anbieten.

    Und wenn man Professor irgendwo ist, wieso sollte man das nicht machen?

    Ob hier jetzt irgendwelche grossen Weichen von den neuen Leuten gestellt werden koennen? Das wird man schnell sehen. Beide Laender muessen gegen ihre Verschuldung arbeiten, Griechenland und Italien. Das geht am besten indem man die privaten Vermoegen, die man hat, besteuert, anstatt zu machen, was der IWF vorschlaegt.

    Dann muss die Arbeitslosigkeit bekaempft werden, in beiden Laendern. Durch Wachstumsmassnahmen.

    Daran wird man den Erfolg der neuen Leute messen koennen, an nichts anderem, Arbeitslosigkeit, und Vermoegensteuer.

    Denn Italien braucht keine Austeritaetspolitik, wenn wir nicht in Europa alle mit heruntergerissen werden wollen. Und Griechenland, das weiss man ja schon, das bringt nichts. Beruhigt weder die Maerkte (das Argument fuer eine solche Handlungsweise), noch erhoeht es das Wirtschaftswachstum.

    Das ist aber eine Abkehr von den Regeln des IWF, die hier wohl anscheinend das Sagen haben. Aber es sind VWL Leute, beide, und die wissen, dass das, was der IWF will nichts bringt. Sie werden sich z. T. gegen die IWF Beschluesse stellen muessen, wenn sie ihre LAender aus der Krise fuehren wollen.

    Aber Greichenland wird natuerlich im Euro bleiben, mit dem Papademos als Premier.

    Obwohl, guestiger waere es einfach auszusteigen:

    http://eurogate101.com/2011/11/07/wettervorhersage-von-prof-sinn/

  • alt-shift-x - 11. November 2011

    Ich muss mich der Kritik hier in den Kommentaren ausnahmsweise mal anschliessen, ich finde es mehr als Bedenklich, wenn sich hier eine ganze Riege von ehemaligen Goldman Sachs und EZB Leuten in Regierungspositionen begibt, in die sie nicht hineingewählt worden sind. Technokraten hin oder her. Grundsätzlich bin ich schon der Meinung, dass in solchen Ämtern Leute sitzen sollten ,die auch Ahnung haben von der jeweiligen Materie haben, weniger Juristen mehr Ingenieure (die sind es gewohnt Probleme nachhaltig zu lösen) allerdings darf das auf keinen Fall auf Kosten der Demokratie geschehen und bei der extremen Verfilzung zwischen Politk und Wirtschaft, wie wir sie derzeit sowieso schon haben, halte ich das für um so schlimmer. Da wird ein Draghi (ehemals Goldman), der mit Derivatgetrickse Haushaltslöcher in Italien “weggezaubert” hat plötzlich zum Chef der EZB und wirft gleich mal die Druckerpresse an und ein Lucas Papademos, der keiner Partei angehört und nicht gewählt wurde, wird auf unbestimmte Zeit Ministerpräsident? WTF seriously WTF? Ich kann leider den Optimismus des Artikels nicht teilen, ich glaube nicht, dass dadurch langfristig irgendetwas besser wird. Wenn wir, wie hier, nach dem Motto agieren, “alles was für die Wirtschaft gut ist ist für alle gut”, dann können uns doch auch dann gleich das ganze Gedöns mit den Wahlen usw. schenken und z.B. die Wirtschaftsweisen die Regierungsgeschäfte übernehmen lassen. Auch Monti in Italien ist ehemaliger Goldman Berater, das sind dieselben Leute die Griechenland in die EU getrickst haben und die solllen jetzt Europas Probleme lösen? Das glaube ich nicht. Die werden das Ponzi Scheme schon noch eine Weile am laufen halten und noch alles aus der Bevölkerung rausholen was geht, aber mit Sicherheit werden die nichts lösen, ausser weiteren Austerity Maßnahmen und Buchungstricks zugunsten ihrer Freunde bei Goldman und Konsorten ging aus deren Reihen noch nichts Vernünftiges hervor. SLE hat recht wenn er schreibt “Ein zentrales Problem scheint aber zu sein, dass immer nur für sehr viel Geld Zeit gekauft wird, ohne dass diese Zeit adäquat für die Entwicklung und Umsetzung von geeigneten Konzepten und Maßnahmen genutzt würde” aber man sollte sich Fragen wer immer ien großes Interesse daran hatte noch mehr Zeit zu erkaufen, das war nicht nur die Politik das waren auch und in vielen Fällen v.a. die Wirtschaftseliten. Diese Herrschaften werden alles tun um die Banken zu stabilisieren, der Rest wird vor die Hunde gehen.

  • bauagent - 11. November 2011

    Dabei ist doch im ersten Schritt alles so einfach, wenn da nicht der Mensch wäre, der mit seinen persönlichen Interessen versucht Verläufe zu seinen Gunsten zu beeinflussen.

    Bei einer Bestandsaufnahme des Systems erkennt jeder Idiot, dass die automatisch integrierte Umverteilungsfunktion des Systems von unten nach oben in diese Sackgasse geführt hat.

    Diejenigen zu denen umverteilt wurde wollen nichts mehr hergeben und diejenigen, die abgegeben haben, können nichts mehr hergeben, weil sie nichts mehr haben ( zumindest in GR, P, I, etc. ) . Diejenigen die noch etwas hergeben können, werden gerade leer gemolken, mit den Garantiemaßnahmen der Länder und der folgenden Monetarisierung durch die ECB.

    So gesehen sind die auferlegten Austerizitäsmaßnahmen nur Augenwischerei und dem Versuch derer geschuldet, die einen möglichst glatten Neuanfangstermin sehen wollen und das sind wiederum diejenigen, die nichts hergeben wollen.

    Man muss daher auch gar nicht über eventuelle Kaninchen diskutieren, die man aus dem Hut zaubern könnte, es gibt sie nämlich nicht, wie das Beispiel Griechenland im Sparmodus zeigt.
    Es gibt sie aber auch nicht, hätte Griechenland einen ” Marshall-Plan “. Das Geld muss nämlich auch irgendwo herkommen, die produzierten Güter zulasten eines anderen Landes hergestellt werden.

    Betrachtet man ein einzelnes Land einmal als Mikrokosmos, dann mag im Einzelfall durchaus innerhalb des Systems das Verfalldatum verlängert werden können, in der globalen Betrachtung, also als Makrokosmos, ist das System insgesamt nahe am Verfalldatum.

    Nur darf man sich dieses nicht in Tagen, Monaten oder Jahren vorstellen, wie es die Mathematik beschreiben würde, es ist ein sich selbst säugendes System, dass auf äußere Einflüsse, wie Entscheidungen von Menschen, mit “eingebauten” Gegenmaßnahmen reagiert, die allerdings allesamt früher oder später in den Abgrund führen. Daher ist eine Schätzung für das Datum des Zusammenbruchs und der Verlauf unmöglich, weil zuviele Variablen aufeinander einwirken. Vertrauen kann man mit Mathematik nicht beschreiben, die Exponentialfunktion sehr wohl. Insofern haben wir wohl spätestens 2015 eine ” Situation danach “, welche auch immer.

  • Canpichurri - 11. November 2011

    @ alle

    Hier ein Zwischenbericht von Zerohedge …

    While the market is ripping today on absolutely nothing (earlier we noted the rotation of muppet X with muppet Y – this changes nothing but who cares), BTPs are soaring, and confusion is prevalent, one thing is certain: we now know who is not buying Italian bonds. As IFR reports, “European banks are planning to dump more of the €300bn they own in Italian government debt, as they seek to pre-empt a worsening of the region’s debt crisis and avoid crippling writedowns – a move that could scupper the European Central Bank’s efforts to bring down soaring yields. Still reeling from heavy losses on money they lent to Greece, lenders are keen not to make the same mistake twice.Then, under the pressure of governments and a hope that credit default swaps would protect them against heavy losses, they held on until it was too late to sell.” And for our European readers who may be wondering who the dumb money will be as this tsellnami unleashes, we have one word: you. “With the ECB providing a bid for Italian bonds that might not otherwise exist, board members at some of Europe’s largest bank say now is the time to accelerate disposals. Many are also reversing long-standing policies of buying into new Italian bond issues, denying Rome an important base of support.” And there you have your explanation for today’s action – yet another headfake to get the idiot money foaming at the mouths while the insolvent banks quietly dump everything, sending the EURUSD once again higher as EUR repatriation resumes, this time with feeling.

    As a reminder, Germany has made it an explicit condition of its participation in the now irrelevant EFSF that the SMP program which is the only program currently functioning to provide secondary market support, be unwound shortly. The SMP currently has just under €200 billion in total bond holdings. Does anyone really think Germany will allow the monetization fund to increase by 150% before Merkel says something? We doubt it. But we know one party that would be delighted if the SMP were to monetize everything: PIMCO parent Allianz, which borrowed a line right out of BlackRock and told the market it is effectively an idiot, and does not reflect fundamentals. Via the FT: “Allianz insisted it was unworried by the political and financial turmoil in Italy as the insurer, Europe’s largest by market capitalisation, suffered from the impact of the eurozone crisis on its bond investments and corporate holdings. The German group – which considers Italy a “second home market”, according to Oliver Bäte, chief financial officer – has some of the biggest sovereign exposure to Italy of any non-Italian financial institution, with government bonds worth €25.6bn at the end of the third quarter, equal to more than 6 per cent of the company’s €413bn fixed income portfolio.” Is it clear now why the EFSF as a €1 trillion vacuum cleaner idea came straight out of Allianz? And is it clear now who has the most to lose with the failure of the EFSF as a multifunctional Swiss Army bailout knife?

    Wer kauft also den ganzen Staatsanleihenschrott auf? Wir, die Steuerzahler. Und wer blaibt darauf sitzen? Wir, die morgens zur Arbeit gehen.
    Wenn das nicht tolle Aussichten sind …?

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