Eurozone: Monetary Developments November 2015

von am 30. Dezember 2015 in Allgemein

Die Europäische Zentralbank (EZB) berichtete heute für den Monat November 2015 von einer Jahreswachstumsrate der Geldmenge M3 von +5,1%, nach +5,3% im Vormonat. Damit liegt das Geldmengenwachstum M3 weiter über dem EZB Referenz Zielwert von +4,5%. Die Jahresrate der Kreditvergabe der Banken an den Privatsektor stieg um +1,3% im November, nach +1,0% im Vormonat.

Die Entwicklung der Jahreswachstumsrate der weit gefassten Geldmenge M3 von Januar 1971 im Chart. Im November 2015 stieg M3 mit einer Jahresrate von +5,1%.

Der Dreimonatsdurchschnitt der Wachstumsrate bei M3 betrug +5,1% (Zielwert aufs Jahr bei +4,5%).

Die Entwicklung der saisonbereinigten Geldmenge M3 seit Januar 1970 im Chart. Im November 2015 lag M3 bei 10849,843 Mrd. Euro.

Bei den unbereinigten Daten zur Geldmenge M3 ging es im November 2015 um +6,3% zum Vorjahresmonat aufwärts, nach +6,7 im Oktober!

Die Geldmenge M3 inkludiert M1 und M2 plus Anteile an Geldmarktfonds, Repoverbindlichkeiten, Geldmarktpapieren und Bankschuldverschreibungen mit einer Laufzeit bis zu zwei Jahren.

M2 zeichnet M1 plus Einlagen mit vereinbarter Laufzeit bis zu zwei Jahren und Einlagen mit gesetzlicher Kündigungsfrist bis zu drei Monaten.

M1 umschreibt Sichteinlagen der Nichtbanken sowie den gesamten Bargeldumlauf.

Mo oder auch die Geldbasis zeigt die Banknoten und Münzen, die sich im Umlauf außerhalb des Bankensystems (bei Nicht-Banken) befinden (ohne Kassenbestände der Geschäftsbanken, aber mit Banknotenumlauf im Ausland) plus dem Zentralbankgeldbestand (Einlagen im Eurosystem) der Kreditinstitute. Nur auf M0 hat die Zentralbank Einfluss.

Die Einlagen der Banken beim Eurosystem und der Banknotenumlauf, unter Vernachlässigung der Kassenbestände der Geschäftsbanken bilden M0:

Die Entwicklung der Geldbasis in Mrd. Euro seit Januar 1999 im Monatschart. Im Dezember 2015 liegt die Geldmenge M0 bei 1723,357 Mrd. Euro, ein aberwitziger Anstieg von +44,5% zum Vorjahresmonat.

Die Geldbasis steigt stark an, ohne dass dieses realwirtschaftlich wirksam wird. Die Geldbasis wird durch die Zentralbank geschöpft. Sie zeichnet Bargeld und die Einlagen der Banken bei der Zentralbank. Die Geldbasis wird auch als high-powered money bezeichnet, denn eine Erhöhung der Geldbasis kann theoretisch die gesamte Geldmenge um ein Vielfaches erhöhen (Geldschöpfungsmultiplikator). Die EZB pumpt unverdrossen Zentralbankgeld ins System, trotzdem geht bei der Kreditvergabe der Banken an den Privatsektor nur zaghaft etwas:

Die Entwicklung der Jahresrate der Kreditvergabe der Banken in der Eurozone an den Privatsektor seit Januar 1992 im Chart. Im November 2015 lag die Jahresrate der Kreditvergabe an den Privatsektor bei +1,3%, nach +1,0% im Vormonat.

Der letzte Dreimonatsdurchschnitt der Kreditvergabe an den Privatsektor betrug +1,0%. Von 1992 bis Ende 2007 ging es im Schnitt mit +7,2% aufwärts!

Die EZB bläst zwar wie verrückt Zentralbankgeld ins System, die Geldmenge steigt über die Zielmarke, die Geldbasis explodiert regelrecht und auch die Bilanzsumme des Eurosystems schießt in die Höhe:

Die Entwicklung der Bilanzsumme des Eurosystems seit der KW53 1998 bis KW52 2015 im Chart. In der KW52 2015 stieg die Bilanzsumme um +28,7% zur Vorjahreswoche, auf 2,767815 Mrd. Euro.

Das Banken- und Finanzsystem wird mit Geld geflutet, aber wirkliche realwirtschaftliche Nachfrage und Investitionen werden gemessen am Einsatz wenig erzielt. Kein zu Grunde liegendes Problem in der Eurozone wurde gelöst, primär wurde mittels Geldpolitik nur Zeit geschunden und bestenfalls die Vermögenswerte angepeitscht. Aber trotz immens aggressiver Geldpolitik diverser Zentralbanken in der Welt, ist ein Abrutschen der Weltwirtschaft in rezessives Gefilde ein immer realeres Szenario. Die Wachstumskräfte weltweit erlahmen, was die Beschränktheit und Hilflosigkeit der Geldpolitik gut skizziert.

Quellen: Ecb.europa.eu/PDF: PRESS RELEASE MONETARY DEVELOPMENTS IN THE EURO AREA: November 2015

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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9 KommentareKommentieren

  • JL - 31. Dezember 2015

    Die Luft ist raus.

    Für nächstes Jahr kann man- nicht nur für Europa- zunehmende realwirtschaftliche Probleme unterstellen. Dazu muß man noch nicht mal Hellseher sein. Alle wesentlichen realwirtschaftlichen Daten befinden sich im Keller, die Verschuldung ist bis unters Dach gestiegen und Lösungen hierzu sucht man vermutlich in der Küche von Mutti bei der ultimativen Deutung von Kaffeesatz.

    Man hat sehr viel geschrieben über Politik und Politiker, welche seit Jahren versprechen die Finanzwelt zu reformieren und alle staatstragenden Parteien haben dies natürlich seitdem auch gelobt, nur geschehen ist nichts. Ganz richtig war dies aber auch wieder nicht, schließlich gab es Steßtests für Banken seitens der EZB. Dort wurde dem europäischen Bankensystem weitestgehend Krisenresistenz bescheinigt- vor kurzem sind allerdings vier italienische und eine portugiesische Bank mal wieder Pleite gegangen, dabei hat nicht einer bisher das Wort Krise ausgerufen.

    Das ist schlecht für alle hoffnungsfrohen Vordenker in dieser Sache, da sie nun zunehmend einsehen müssen oder sollten, daß dieses Finanzsystem grundsätzlich nicht reformierbar ist.

    Aber klar, die Hoffnung stirbt als letztes.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • Georg Trappe - 31. Dezember 2015

    The state of banking in Europe:

    http://www.independent.co.uk/news/business/news/five-of-worlds-biggest-investment-banks-pay-no-uk-corporation-tax-a6783716.html

    http://www.theguardian.com/business/2015/nov/24/european-banks-one-trillion-euros-bad-debt

    “European banks are sitting on bad debts of €1tn – the equivalent to the GDP of Spain – which is holding back their profitability and ability to lend to high street customers and businesses.

    According to a detailed analysis of 105 banks across 21 countries in the European Union conducted by the European Banking Authority (EBA), the experience of Europe’s banks to troubled customers is worse than that of their counterparts in the US.”

    Und soetwas geht in Euro Europe garnicht mehr:

    http://www.telegraph.co.uk/finance/economics/11999966/Switzerland-to-vote-on-banning-banks-from-creating-money.html

    Von den MMs hierzulande tot geschwiegen

  • Georg Trappe - 31. Dezember 2015

    Und alles wegen des von den sog. Wirtschaftswissenschaften propagierten Geldschleier und geschuerte Angst vor Hyperinflation:

    http://positivemoney.org/2015/12/hyperinflation-how-the-wrong-lessons-were-learned-from-weimar-and-zimbabwe-a-history-of-pqe-part-2-of-8/

    Was in Europa mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit passieren wird, wenn sich die USA nicht zuvor mit einem Gewaltakt aus dem Eck befreien, in das sie sich und den Rest der Welt gepinselt haben, ist eine Fortsetzung der Deflation mit steigenden Firmenzusammenbruechen, bis Lieferketten so stark geschaedigt sind, das bemerkt wird, dass nicht mehr alles fuer Geld zu haben ist. Und dann geht die Inflationsrakete, die bei den Vermoegenswerten schon wieder erhebliche Hoehen erreicht hat, ab.
    Die Angst vor Verlusten, die durch die Zinswende der Fed unweigerlich (bei Anleihenhaltern zuerst) kommen werden, ist so gross, dass nichts mehr hilft. Die Schlupfloecher sind verstopft. Die Verschuldung von Staaten, von Privaten/Konsumenten und von sog. Emerging Markets bereits soweit ausgereizt, dass die “Magie” der Banken, wie in Japan seit ueber 20 Jahren (unverstanden?), mit der Katastrophe von 2007/08 ihr Ende gefunden hat. Keiner will der naechtse Lehman sein. Denn davon gibt es schon zuviele:

    http://www.n-tv.de/wirtschaft/Bankensterben-haelt-an-article15587101.html

    Das Dumme ist, die Abwicklung einer Bank, loest die bestehenden zuvor kreierten Schuldverhaeltnisse / Kreditvertraege nicht auf. Sie bestehen fort und werden “verwertet”.
    Das eine absehbar erfolg

  • Georg Trappe - 31. Dezember 2015

    Ups da ging was schief=zu frueh raus.

    Das eine absehbar erfolglose “Investition” nicht ohne weiteres rueckabwickbar ist, sollte klar sein. Deutlich wird das am besten bei Konsumentenkrediten, wie Hypotheken fuer Haeuslebauer, deren Arbeitsplatz man gleichzeitig von USA nach China verlegt. Uebrigens auf Betreiben der gleichen Banken in den Bilanzpressekonferenzen der Konzerne, die die Hypotheken vergeben und/bzw. zu Buchstabensuppepapieren verbrieft haben.
    Und ob die Arbeitsplaetze der Haeuslebauer von USA nach China gehen, oder von Spanien nach Deutschland, wegen dortigem Produktivitaetszuwachs bei Reallohnfreeze, spielt in der Wirkung keine Rolle. Hauptsache Haeuser sind eine “Investition”.
    Wird daraus gelernt? Eher nicht:

    http://wallstreetexaminer.com/2015/12/media-housing-price-growth-inflation/

    Nun zieht der Kreator der BRICS Story lieber dort ueberall den Stecker. Glauben Sie nicht?
    Dann schauen Sie sich mal die Wirtschaftsnachrichten der letzten Monate aus
    Brasilien, Russland, Indien, China, Suedafrika und anderen Emerging Markets an.

    http://www.rollingstone.com/politics/news/the-great-american-bubble-machine-20100405

    Dabei steht aus meiner Sicht GS “nur” als Beispiel fuer das, was Banken mit ihrer Kapazitaet zur Geldschoepfung so treiben.

  • Rüdiger Braun - 31. Dezember 2015

    Die Geldmengenaggregate sind durch das QWE der EZB verzerrt und sollten bereinigt werden, um die Entwicklung der “functional liquidity” darzustellen. Erst dann ergibt sich ein stimmigeres Bild von Geldmengenentwicklung und dem Verlauf der realwirtschaftlichen Entwicklung (Auftragseingang, Produktion). An Ihrer Einschätzung der Konjunkturentwicklung für das kommende Jahr ändert sich dadurch nichts, sie wird nur noch glaubwürdiger.

  • Georg Trappe - 1. Januar 2016

    Zur weiteren Untermauerung der obigen These, die Entwicklung bei business loans beim “Zugpferd” USA.
    https://research.stlouisfed.org/fred2/series/DRBLACBS

  • Michael Stöcker - 2. Januar 2016

    M&M’s

    Hier geht es bei der Geldmengen M0 etwas durcheinander. M0 ist nicht in Gänze Bestandteil von M1/M2/M3 sondern lediglich das Bargeld in den Händen der Nichtbanken; also erst dann, wenn das Bargeld den Geldautomaten verlassen hat. Durch eine Barabhebung wird also lediglich eine Sichtforderung/Giralgeld in Zentralbankgeld transformiert. Die Geldmengen M1/M2/M3 verändern sich durch diesen Vorgang aber nicht.

    Es ist die einzige Möglichkeit für den normalen Bürger über das gesetzliche Zahlungsmittel zu verfügen; es sein denn, er ist oder war Mitarbeiter der Bundesbank. Von daher hat der Volksmund mal wieder recht: Nur Bares ist Wahres.

    Wenn es zu auffälligen Veränderungen bei der Geldbasis M0 kommt, dann ist dies ein zentraler Krisenindikator für unser Finanzsystem. Das Vertrauen in die Bonität einzelner Banken ist gestört und somit kommt es zu vermehrten Barauszahlungswünschen der Kunden (Bankrun) oder aber einzelne Banken haben keinen Möglichkeit mehr, sich am Interbankenmarkt zu refinanzieren. Und genau aus diesem Grund gibt es ja Zentralbanken. Die können allerdings nur Liquidität zur Verfügung stellen, niemals aber Bonität und/oder Rentabilität.

    Der Anstieg von M3 ist also keinesfalls durch die Ausweitung der Geldbasis M0 induziert. Und die Geldbasis wird zwar durch die ZB erhöht, aber letztlich nur auf Anforderung durch die Geschäftsbanken. Ausnahmen: Die ZB würde die Mindestreserve erhöhen oder aber Helicopter-Money einführen: https://zinsfehler.wordpress.com/2015/03/23/die-citoyage-keynesianischer-monetarismus-als-ordnungspolitisches-korrektiv/.

    Die Sache mit dem Geldschöpfungsmultiplikator kann theoretisch in der Tat funktionieren, aber niemals praktisch, da diese Story auf einer fehlerhaften monetaristischen Irrlehre aufbaut. Diese Story wurde bis zum Jahre 2007 auch durch die Bundesbank kolportiert: https://zinsfehler.wordpress.com/2015/06/02/zombinomics-oder-die-pfahlung-der-loanable-funds-theorie/.

    Mehr zum ‘Naschen’ gibt es bei Gerald Braunberger: http://blogs.faz.net/fazit/2015/12/22/das-fazit-raetsel-fuer-die-feiertage-lebt-milton-friedman-7052/ und natürlich bei der Bundesbank: https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Dossier/Service/schule_und_bildung_kapitel_3.html?notFirst=true&docId=147672.

    LG Michael Stöcker