EZB: Bilanzsumme des Eurosystems in der KW13 2017

von am 6. April 2017 in Allgemein

Eurozone EuropaAm Mittwoch berichtete die EZB den Wochenausweis für die Bilanz des Eurosystems zum 31.03.2017. In der Kalenderwoche 13 2017 stieg die Bilanzsumme im Eurosystem um +208,176 Mrd. Euro zur Vorwoche an, auf 4,100730 Billionen Euro und damit auf ein neues Allzeithoch. Der starke Anstieg zur Vorwoche war vor allem einer Targeted Longer-Term Refinancing Operations (TLTRO II) geschuldet, am 29.03.2017 saugten Banken beim Eurosystem 233,474 Mrd. Euro Zentralbankgeld (ZBG), zu einem Zinssatz von 0,0% und einer Laufzeit bis zum 24.03.2021. Erstaunlich, obwohl das Eurosystem die Banken via Aufkauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren liquide in Zentralbankgeld hält, bedurfte es noch diesen weiteren Stimulus? Die Banken in der Eurozone schwimmen regelrecht in ZBG und halten nun 1632,524 Mrd. Euro an Zentralbankgeld auf den Konten der NZBs. Die Ausweitung der Bilanzsumme des Eurosystems ist atemberaubend und sicher in dieser Dimension auch verantwortungslos.

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In der KW13 2017 wurden Staatsanleihen für 13,4 Mrd. Euro aufgekauft, insgesamt nun für 1457,7 Mrd. Euro. Bei Unternehmensanleihen wurde mit +1,9 Mrd. Euro zugelangt, mittlerweile ein Volumen von 75,5 Mrd. Euro.


Die Tabelle der Käufe von Wertpapieren für geldpolitische Zwecke durch das Eurosystem in der Woche zum 31.03.2017. 

Zur Position 7.1, auf der Aktiva-Seite der Bilanz des Eurosystems, den Wertpapieren für geldpolitische Zwecke:

Die Position 7.1 in der Bilanz des Eurosystems, aufgekaufte Wertpapiere, im Rahmen für geldpolitische Zwecke. Die aufgekauften Wertpapiere für geldpolitische Zwecke stiegen in der KW13 2017 um +14,336 Mrd. Euro zur Vorwoche, auf 1887,124 Mrd. Euro. Die Summe aller aus dem Programm 3 der gedeckten Schuldverschreibungen aufgekauften Wertpapiere betrug bisher 214,4 Mrd. Euro, die Summe aller Wertpapiere aus dem Asset-Backed Securities Programm 24,2 Mrd. Euro, die aufgekauften Unternehmensanleihen 75,5 Mrd. Euro und die aufgekauften Staatsanleihen aus dem Pubkic Sector Purchase Programme (PSPP) liegen bei 1457,7 Mrd. Euro. Aus dem alten Securities Markets Programme (SMP) schlummern noch Staatsanleihen in Höhe von 97,8 Mrd. Euro in der Position 7.1..

Ab April 2017 wird die EZB über das Eurosystem (nationale Zentralbanken und EZB) “nur” noch verminderte 60 Mrd. Euro pro Jahr aufkaufen (bisher 80 Mrd. Euro).

Die Banken nutzten scheinbar jetzt noch einmal die Gelegenheit und deckten sich bei der letzten LTRO II Auktion (langfristiges Refinanzierungsgeschäft) richtig ein und nahmen 233,474 Mrd. Euro Zentralbankgeldkredit auf, womit in der Position 5.0 Aktiva im Eurosystem, die Forderungen in Euro aus geldpolitischen Operationen an Kreditinstitute im Euro-Währungsgebiet um +197,408 Mrd. Euro Netto zur Vorwoche anstiegen, auf 784,224 Mrd. Euro:

Die Position 5.0 Aktiva in der Bilanz des Eurosystems, Forderungen in Euro aus geldpolitischen Operationen gegenüber Banken. Die Zentralbankgeldkredite für Banken stiegen in der KW13 2017 um +197,408 Mrd. Euro zur Vorwoche, auf 784,224 Mrd. Euro.

Die Bilanzsumme des Eurosystems explodiert regelrecht:

Die Entwicklung der Total Assets des Eurosystems seit der Kalenderwoche 53 1998 bis zur KW13 2017. In der KW13 2017 stiegen die Total Assets und damit die Bilanzsumme um +208,176 Mrd. Euro zur Vorwoche, auf 4,100733 Billionen Euro. Ein zusätzlicher kleiner Anstieg der Bilanzsumme lag zu Grunde, wegen Anpassungen zum Quartalsende, +15,517 Mrd. Euro. Zum Quartalende werden jeweils einige Vermögenswerte zum Marktpreis bewertet, so wurden z.B. die Gold- und Goldforderungen wegen eines höheren Goldpreises um +22,127 Mrd. Euro höher bewertet, insgesamt sind nun Gold- und Goldforderungen des Eurosystems mit 404,188 Mrd. Euro bewertet.

Eine nahezu unfassbare Bilanzausweitung im Eurosystem von +1,158969 Billionen Euro bzw. von +39,4% zur Vorjahreswoche.

Weiter wird mit maximalen Einsatz Zentralbankgeld ins Bankensystem gepresst, aber gemessen an diesem Einsatz wird realwirtschaftlich wenig wirksam. Aber diese uferlose Liquidität verzerrt Preise, primär bei den Vermögenswerten (Vermögenspreisblasen), führt zu einem massiv unterbewerteten Euro und dies führt zu Preissteigerungen, primär durch importierte Inflation.

Die Realität zeigt auch, eine Zentralbank ist fähig und willens, nahezu unlimitiert Zentralbankgeld aus dem Nichts zu schöpfen, es stellt sich nur die Frage, zu welchen Zwecke diese verwendet wird. Diese Art der Bilanzausweitung ist nicht dem gesamtwirtschaftlichen Wohl untergeordnet, sie entspringt eher einer Casino-Mentalität, ein Exzess, um zu jedem Preis die Eurozone und sein Fehlkonstrukt den Euro zu erhalten, die Strukturen im Banken- und Finanzsystem zu erhalten und überfällige Preis-Korrekturen bei den Vermögenswerten zu verhindern.

Die EZB ertränkt die Banken regelrecht in Liquidität, Limits gibt es scheinbar nicht:

Die Entwicklung der Zentralbankgeldeinlagen der Banken beim Eurosystem von der KW53 1998 bis zur KW13 2017 im Chart. In der KW13 klettern die ZBG-Einlagen um +177,396 Mrd. Euro zur Vorwoche, auf 1632,524 Mrd. Euro.

Eine wirkliche Demokratie braucht auch ein demokratisches Geldwesen, die Akteure der EZB und ihre unverantwortliche Bilanzausweitung und damit ihre Manipulation von Preisen, Signalen und Marktsegmenten konterkarieren dies – mit aller ihr zur Verfügung stehenden Wucht.

Quelle Daten: Ecb.europa.eu/Wochenausweise Eurosystem

Kontakt: info@querschuesse.de

 

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32 KommentareKommentieren

  • Olaf23 - 6. April 2017

    Zum Thema wirkliche Demokratie hat die letzte Sendung der Anstalt eine schöne Interpretation parat. 😀

  • Julia Wagner - 6. April 2017

    Wenn man bedenkt, wie lange dies schon geht, ohne dass es uns schlechter geht und ohne dass es Proteste gibt, dann haben die Akteuere bei der EZB die Sache GUT und fest im Griff.

    So ist die Arbeitslosigkeit viel niedriger als vor einigen Jahren.

    • Eurelios - 6. April 2017

      So ist die Arbeitslosigkeit viel niedriger als vor einigen Jahren.

      Tja und dies kommt dann dabei heraus:

      http://programm.tagesschau24.de/tv/Die-Aufstocker—Trotz-Arbeit-Hartz-IV/2016-11-01/eid_2872118869084347

    • Gundermann - 6. April 2017

      “ohne dass es uns schlechter geht”

      Ja, scheinbar geht es uns ständig besser. Zumindest solange man in Ballungsgebieten keine Wohnung mieten oder kaufen will. Dann erfährt man, dass es abseits der amtlichen Statistik noch eine wirkliche Inflation gibt. Und die bei uns sinkende Arbeitslosigkeit, sind zum guten Teil die Arbeitslosen in den übrigen EU-Ländern. Dem für Deutschland viel zu weichen Euro sei Dank.

      Aber waren wir ab, wie das Euro-.Experiment weiter geht. Und wie lange die EZB alles GUT und fest im Griff hat.

    • Querschuesse - 7. April 2017

      die Liquidität schindet Zeit, löst aber nicht die zu Grunde liegenden Probleme, schaut man auf die Hauptquellen von Verschuldung, Ungleichgewichte im Außenhandel und die ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung, dann mindert die EZB nicht die Problematik, sondern verstärkt sie, über den schwachen Euro, was primär die deutschen Überschüsse treibt und über die Vermögenspreisblasen, was die Asymmetrie bei der Vermögensverteilung maximiert.

      Zum “tollen” Arbeitsmarkt in Deutschland und den Problemen der Südländer der Eurozone findet sich im freien Bereich genug, siehe https://www.querschuesse.de/leseproben/

      Gruß Steffen

  • JL - 6. April 2017

    Diese 4,1 Billionen- aus den Hut gezauberten- Euros sind schon eine Hausnummer für sich. Trotzdem braucht man mal eben in Italien 6,5 Milliarden Euro vom Staat um erneut zwei Banken retten zu dürfen.

    Diese enorme Summe (4,1 Billionen Euro) könnte allerdings auch an anderer Stelle aufstoßen, schließlich hat man nach verschiedenen Meinungen den Euro damit zwischen 8% und 25% zum Dollar billiger gemacht. Das riecht dann wohl nach Währungsmanipulation was im Amerika dieser Tage sicher ganz schlecht ankommt. Schließlich will man dort die Handelsbeziehungen mit seinen Wirtschaftspartnern EU und deren einzelnen Staaten, Japan, China und anderen neuerdings auf Fairness überprüfen. Dabei geht es um unlautere Subventionierungen, Exportquoten über 3% zum BIP und eben Währungsmanipulation(en).

    Sollte das amerikanische Finanzministerium den Daumen über die Geldpolitik der EZB unter Draghi senken wird sicher nicht nur möglich schleunigst die Geldpolitik in Frankfurt geändert, sondern auch die Einfuhrbestimmungen und „Gebühren“ in den USA. Auch Deutschland hat man vorsorglich schon mal Strafmaßnahmen angedroht, solle dessen Exportwut weiterhin anhalten.

    Einen belastbaren Vorgeschmack auf die neu eingeschlagene Wirtschaftspolitik der Amerikaner wird hier sicher das Ergebnis des Treffens Xi Jinping mit D. Trump liefern- mal sehen was da rauskommt.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • Marja - 6. April 2017

    Moin,

    Ich überlege ja immer, welchen Sinn diese Liquidität macht. Die Banken saugen sich voll und müssen für das Geld noch draufzahlen, wenn sie es bei der EZB parken. Beim Kunden kommt nichts an, denn dort dürfte zumindest in den Krisenländern Deleveraging angesagt sein und in den anderen Ländern braucht es keine Investitionen. Schließlich ist der Wirtschaftsboom auch nicht so toll. Mir scheint, das sind vorgeschobene Argumente.

    Die Argumente für diese Liquidität sind m. E.

    – Sicherstellung der Staatsfinanzierung durch
    – Absenkung der Zinsen
    – Abwertung des Euro
    – Verlagerung der Risiken von den Banken zur EZB, falls es noch Mal Dicke kommen sollte.
    – Stützung der Zombiebanken
    – Schutz des Systems, wenn es zum Zusammenbruch einer systemrelevanten Bank oder eines Staates kommen sollte.

    Ich kriege das Gefühl, das ist eine Vorbereitung auf die nächste Krise, die wieder in den USA beginnen wird, – vielleicht bei den Auto- oder Studentenkrediten oder sonstwo.

    Auf jeden Fall ist Trump auf das Motto seiner Vorgänger eingeschwenkt und sucht gerade nach dem nächsten Kriegsgegner. Ablenkung ist alles.

    Grüße

    Marja

    • Querschuesse - 7. April 2017

      Hallo Marja,
      ich denke du kommst dem Sinn ziemlich nahe.

      Gruß Steffen

  • Mikel - 7. April 2017

    Die haben nix mehr im Griff.
    Es herrscht der Wahnsinn.
    Seit 2008 wird jetzt der Euro gerettet mit immer krummeren Aktionen und größeren Fantasiesummen. Portugal, Spanien aktuell und Italien chronisch werden mittels versteckter ZB-Aktionen über Wasser gehalten.
    Das hat die UdSSR im Endstadium auch versucht.
    Mit bekanntem Ende.

    Die Arbeitslosigkeit ist bei uns deshalb noch nicht explodiert, weil wir sie schön nach Süden exportieren.

    • Tut nix zur Sache - 7. April 2017

      Hallo,

      > … größeren Fantasiesummen …

      Deshalb wundern mich die 25 Mio für – Achtung Oxymoron – Fahrrad-Autobahnen und die 180 Mio Strukturhilfen für die alten fünf-neue-Länder.

      180 Mio! Wen will Merkel und Wanka denn damit hinterm Ofen vorlocken? Damit kann man doch höchsten 3600 Ich-AGs aus dem Sumpf holen.

      Gruß

  • Holly01 - 7. April 2017

    Ich gebe einmal einen Gedanken zum besten:
    Der Euro ist zu 80% mit Dollar unterlegt. Schöpft das System 1 Euro müssten nach Adam dem Riesen also 80 Euronencent als Dollaraufkauf statt finden.
    Gleichzeitig müsste der Dollarraum ja mit Euros quasi geflutet werden.

    Der defizitäre Hegemon hat also einen Abnehmer für seine grünen Zettelchen.
    Der defizitäre Hegemon hat einen Wirtschaftsraum, in dem er sich mit Liquidität vollgesogen und mit starkem Dollar und ohne Eigenaufwand (also ohne Sicherheiten investieren zu müssen) Kaufobjekte aussuchen kann.
    Kurzer Blick zur Realität: ne, das kann ja nicht sein. Das wäre ja ein Ausverkauf, ein verschenken.
    Da käme ja nur noch die VT als Top in Frage, die Amis würden Dollars drucken und als Kredite heranziehen, um in Europa reale Werte zu erwerben.
    War ja auch nur so ein Gedanke und Gedanken kommen ja oft spontan und ungebeten …..
    lg Holly

    Wenn hier immer noch jemand denkt es gäbe bei Währungen Fehlkonstruktionen der ist ganz schief gewickelt.
    Das System funktioniert immer EXAKT innerhalb der Erwartungen, Forderungen und Parameter.
    Es sind nur halt nicht unsere (also die 99%) Erwartungen, Forderungen und Parameter.
    Immer schön den Blick offen halten und auch mal die Blickrichtung ändern.
    Ergebniss offen denken …….

    • Holly01 - 7. April 2017

      Die gesamte industrielle “Revolution” ist auf Geldschöpfung aufgebaut. Es ist Vorfinanzierung.
      Die Inhaber der Rechte an dieser Finanzierung sind nicht gewillt, auf diese Vorteile zu verzichten, ja sie sind nicht einmal bereit einen Gedanken an Änderungen zu verschwenden.
      Nun gibt es aber diesen doofen Zinseszins der immer wieder inovative Wellen erzeugt.
      Die Frage ist immer die selbe (sogar die Gleiche):
      Wie transformiert man die absolutistische Vorteile der Geldschöpfung präsentiert durch die Notenbanken und die Armeen dahinter, ohne irgend einen Verlust von 100% Macht.

      Während die europäischen Gesellschaften in Angst blockiert und mit Frust gesättigt werden, um jede Gegenwehr zu verhindern (siehe Prof. Dr. Mausfelder, dass Unglück die einfachste und billigste Blockade einer Gesellschaft ist), kochen die 0,01% ihr ganz heisses Süppchen.

      Läuft alles innerhalb der Parameter …. dafür sorgen eine Menge Menschen dei sehr früh aufstehen und sehr spät zu Bett gehen.
      DAS ist die Wertegemeinschaft, die haben sie und verteilen sie, wir verteidigen sie.
      ;P

      • Holly01 - 7. April 2017

        Industrie 4.0 ……. wir sehen den Schimmer am Horizont, es scheint aber ein “Bluthimmel” zu sein.

        • Holly01 - 7. April 2017

          Der alte linke Traum der einen, grenzenlosen Welt, wird mit den global players, die bar aller rechtlichen Hindernisse die Menschheit versklaven zum Alptraum.
          Die Realität wird zu einem Endzeitszenario, bei dem Menschen vernichtet werden und nur noch als Energiequelle, Nahrungsquelle oder als entrechtete Arbeitsdrohne ohne jede Perspektive dient.
          thats it

          • Holly01 - 7. April 2017

            Aber zieht Euch ruhig alle in eure Wohnungen zurück und schliesst die Haustür ab. Ihr könntet ja denken der Sturm zieht an Euch vorbei.
            rofl

            Am 24.9 habt ihr wieder die Wahl 🙂

            • Holly01 - 7. April 2017

              Wir (die babyboomer) haben vollständig versagt. Wir entlassen unsere Kinder und Enkel in eine Hölle ohne Zukunft ….

              • Holly01 - 7. April 2017

                Ich wünsche allen ein schönes Wochenende :)= und das ist kein Zynismus sondern ehrlich gemeint, macht euch einen Schönen.

            • Eurelios - 7. April 2017

              Am 24.9 habt ihr wieder die Wahl 🙂

              Die Wahl zwischen der Pest oder der Cholera? 🙁 mehr aber auch nicht.

  • Marja - 7. April 2017

    Hallo Holly,

    Industrie 4.0 ist eine Ablenkung. Durch die Digitalisierung der Produktionsprozesse ist kaum noch etwas zu gewinnen. Zumal die Digitalisierung der Produktion schon Jahre lang gelaufen ist. Deutschland hat mit die meisten Roboter. Das ist auch gut so, dass keiner mehr in der Lackiererei und beim Schweißen im Karosseriebau arbeiten muss. Es ist auch gut, dass es in der Industrie kaum noch körperlich schwere Jobs gibt. Industrie 4.0 – dieser Drobs ist schon vor Jahren gelutscht.

    Danach kam in der Industrie die Prozessoptimierung. Denn viel mehr Arbeitszeit könnte man in den Bereichen um die Produktion herum, in der Planung, Entwicklung, in der Logistik und im Bestellenden und im Vertrieb erreichen. Dieser Drobs ist auch gelutscht.

    Produktion und Prozesse sind oft so gut optimiert, dass es in vielen Bereichen nur noch einen Anbieter gibt. Letztens habe ich gelesen, dass die Schweiz die Notreserven fur ein Antibiotikum auf den Markt geschmissen hat, weil die Produktionshalle in China beim letzten Hersteller gebrannt hat. Solche Monopolisten brauchen nicht mehr in die Betriebe zu investieren, weshalb es dort auch Feuer fängt.

    Der nächste Schritt ist die Substitution der Verwaltung. Man muss “substitutionsfähige Arbeitsplätze” bei Google suchen. Nicht die Produktion wird revolutioniert, sondern als nächstes stirbt das Bürowesen. Nicht Industrie 4.0, sondern KI und die automatisierte Verwaltung sind der Renner. Bisher hat dort der Computer die Bürohelfer ersetzt, nun ersetzt der Computer die Entscheider.

    • Marja - 7. April 2017

      Demnächst entscheidet der Computer, welche Medikamente der Patient erhält, denn die ganzen Unterlagen Reaktionen und insbesondere die Preise kann sich der Doktor sowieso nicht merken. Das autonome Autofahren oder Fliegen zeigt ja, wie weit Entscheidungen dem Computer überlassen werden können. Auch für den ALG-Antrag braucht man keinen Mitarbeiter. Der “Kunde” gibt seine Daten selbst in den Computer ein und der Computer greift dann automatisch auf den Computer der GKV (Einzugsstelle) und des Finanzamtes zu. Man muss nur Mal in der Meldeverordnung lesen, welche Daten heute schon ausgetauscht werden..

      • Marja - 7. April 2017

        Und dass die Babyboomer versagt haben, sehe ich auch nicht. Sorgen um die eigenen Kinder brauchen sich auch nur die Hälfte zu machen, die Kinder haben. Die anderen haben alles getan, um das System am Laufen zu halten und haben dafür auf vieles verzichtet. Die haben konsumiert, was sie konsumieren sollten, und dafür gearbeitet, was sie arbeiten sollten, und auf die nächste Generation verzichtet, weil man sich nicht alles zusammen leisten kann. Die Hölle ist, dass jeder, Baujahr 1990, für zwei Leute, Baujahr 1964, arbeiten muss. Ab 2030 hilft nur noch auswandern. Kinder lernt chinesisch oder indisch, damit ihr eine Zukunft habt ( Meine wollten das auch nicht).

        Ich finde, die Babyboomer haben den Eliten im orwellschen Sinne ganz prima gedient.

        Grüße Marja

        • Meinungsmacht - 7. April 2017

          “Die Hölle ist, dass jeder, Baujahr 1990, für zwei Leute, Baujahr 1964, arbeiten muss. Ab 2030 hilft nur noch auswandern.”

          Das müsste so nicht sein, ist aber politisch so gewollt, um den Sozialstaat zu zerstören.
          Der Produktivitätsfortschritt (bei einem niedrig angesetzten Wert von durchschnittlich einem Prozent in den nächsten 50 Jahren, würden im Jahr 2068 in jeder Arbeitsstunde zwei Drittel mehr als heute hergestellt) müsste anteilig auch an die Arbeitenden ausbezahlt werden. Nur so könnte das Geld auch bei den Sozialversicherungen landen. Und das ist der Knackpunkt. Eine Teilnahme der Löhne am Produktivitätsfortschritt wird bewusst nicht mitgedacht.

          Und so ist es kein Wunder, dass mehr Ältere zu Einbußen bei Löhnen und Renten führen. Aber das ist kein naturgegebenes Demografie-Gesetz – sondern eine gewollte Umverteilung zu Gunsten der Unternehmer, die den Gewinn des technischen Fortschritts komplett alleine einheimsen.

          http://www.deutschlandradiokultur.de/produktivitaet-schlaegt-demografie.1005.de.html?dram:article_id=225987

          • Marja - 7. April 2017

            Das ist nicht eine Frage der Politik, sondern eine Frage der Mathematik. Egal, wie sich die Produktivität entwickelt, immer wird ein junger Mensch für zwei alte Menschen arbeiten müssen.

      • Holly01 - 7. April 2017

        Hallo Marja,
        ja das ist so und das könnte man alles noch handhaben.
        Es fressen sich aber 2 Entwicklungen durch die Gesellschaften:
        – Zins verdrängt Lohn
        – Zins verdrängt Eigentum bzw präziser Zins verdrängt das Recht auf autonomes Eigentum

        Die Folgen sind drastisch. Es gibt einen extremen Druck zur Kostenminimierung einerseits und zur Kapitalisierung aller Rechte, Güter und Ansprüche andererseits.
        Ja natürlich werden alle Büros geschlossen.
        Selbstverständlich sitzen prekäre arbeitskräfte im zehntelsekunden Takt überwacht isoliert zu Hause und arbietn für internationale Dienstleister, die weder Gewerkschaften noch nationales Recht kennen oder achten.
        Klar werden alle Produkte noch schlechter, schrottiger, billiger und kurzlebiger.
        Bei (ich mein es war adidas oder Puma) Herstellern lufen Planungen komplett ohne Fabriken herzustellen, da werden Schuhe den Kunden im Laden direkt auf den Fuß gedruckt (3D-Druck).
        Fahrzeuge? Die gehören nicht den Menschen, die gehören den Dienstleistern oder den Leasingunternehmen. Alles andere wird verdrängt oder verboten.
        Die Rechteverwerter (also Großkanzleien) werden die Kunden genauso kriminalisieren, wie wir es aus dem multimedia Bereich kennen.
        Es gibt weder ein recht auf Veröffentlichung oder Nutzung.
        Wenn google entscheidet “x” gibt es nicht mehr, ist das so.
        Wenn MS entscheidet, wir supporten “y” nicht mehr ist das so.
        Wenn Sony entscheidet das “z” ab sofort auf Basis von IOS arbeitet weil man das lieber lizensiert als Android, dann ist das so.
        Geld auf einem Konto? Nein. Geld bei einem Dienstleister. Der holt das beim Arbeitgeber ab, bucht alle Raten ab, bucht die Abzüge und was dann über ist bekommt der Kunde auf sein Handy zugeteilt.
        TINA natürlich. Weil wir das ja so wollen.
        Die Möglichkeiten der Entrechtung sind extrem und das ist nur ein Anriss.
        Menschen? Gibt es nicht.
        Das sind entweder Kreditnehmer oder Konsumenten, die sich vollständig gläsern an Algorithmen entlang bewegen, die eine optimale Verschuldung, bei maximaler ausbeute garantieren.
        Dann ist das egal, ob einer sich für nominjal “reich” oder “arm hält.
        Das System gilt für alle.
        Den Stecker haben aber die multinationalen Dienstleister in der Hand.
        Die kontrollieren von den Rechten für Ressourcen (Wasser über Nahrung, Medikamente bis hin zu Rohstoffen und Patenten) über die gesamte Fertigung, bis zum Endverbraucher alles.
        Und das ist die höllische Zukunft.
        Die teilen ganzen Ländern zu was sie verbrauchen dürfen. Eine Ge- und Verbotswelt gegen die Orwell aussieht wie ein Kindergeburtstag.
        Individualrechte gibt es gar nicht mehr. Die fallen komplett weg.
        Die Algorithmen werden den Ärzten auch abnehmen zu entscheiden, was alles menschlich und moralisch wäre.
        Ob eine Gesellschaft in die Gesundheit eines Menschen investiert ist dann eine ökonomische Frage. Von den Lebensmitteln über die Medizin bis hin zur Vorsorge, alles wird optimiert und abgestimmt auf die Bedienung des Zinseszins.
        Der Zinseszins kennt kein erbarmen und weil die Reichen das genau so wenig kapieren, wie ihre Handlanger, werden wir diese Welt bekommen.
        Und die Medien werden dafür sorgen, das sich die Staaten darum “reißen” als erste dazu zu gehören.
        Ich hoffe nur unsere Kinder wurden von den Schulen bis dahin so weit verblödet, das die nicht kapieren, was mit ihnen kapiert und wer weiss vielleicht sterben wir ja früh und bekommen nicht mehr alles mit …
        lg Holly

        • Marja - 7. April 2017

          Hallo Holly, alles schon wahr, was Du schreibst. Diese Zukunft ist schon da. Was fehlt ist nur, dass Amazon schon mal die Ware liefert, die noch gar nicht bestellt wurde, aber nach Auswertung unserer Clicks unbedingt benötigt wird. Ich krieg demnächst rosa Brillen und ne Kiste Bregen-Dröhnung. LG Marja

  • Bubblegum - 7. April 2017

    @ Maria,
    “Die Hölle ist, dass jeder Baujahr 1990 für 2 Baujahr 1964 arbeiten muss.”
    Aber eben auch nur, weil jeder Ertrag durch den Produktivitätsfortschritt von den Kapitaeignern in die Tasche gesteckt wurde.
    Es liegt also ein Verteilungsproblem vor.
    Dank Steffen ist ja nachgewiesen, dass die Reallohnentwicklung in Deutschland letztendlich seit ca. 22 Jahren stagniert.
    Da die Politiker sich nicht trauen, über die Vermögens- und die Erbschaftssteuern Ausgleich zu schaffen ( die Leistung eines Erben ist der Zufall seiner Zeugung und seiner Geburt, sonst nichts ) wird es zwangsläufig zu gewaltsamen Exzessen kommen, um der Gerechtigkeit Bahn zu brechen.
    Das werde ich nicht mehr erleben müssen. Gott sei Dank.
    Der arabische Frühling wird nur ein laues Lüftchen sein. Ein milder AufGalopp.
    Les Miserables haben nichts zu verlieren.
    Hunger und Elend sind nämlich nichts wofür es sich zu leben lohnt.
    Sie schreiben ja zurecht, dass die Eliten nichts begreifen wollen/können.
    Demokratie ist degenieriert:
    Es handelt sich um die Herrschaft der Mittelmäßigen über die Dummen im Auftrag der wirklich Mächtigen.
    Wie bei den Kommunisten auch: die Partei als Avantgarde der Arbeiterklasse.
    Finanziert von der Wallstreet.
    Jakob Schiff Miteigentümer von Kuhn & Loeb finanzierte 1916 Totzkis russische Revolution mit 20
    Mio US $.
    Das Soros- Prinzip vor 100 Jahren.
    Viele Grüsse Bubblegum

  • Friedensblick - 7. April 2017

    Im bestehenden Geldsystem bleibt der EZB keine andere Alternative. Sonst wären die Staaten mit ihren Schulden aufgrund zu hoher Zinsen pleite, damit die Kreditinstitute und damit: Die Geldanleger.
    Es ist lächerlich, wenn hier gegen die EZB-Politik billigen Geldes gewettert wird, die armen Sparer werden enteignet. Aber die Alternative wäre der Total-Verlust ihrer Einlagen.

    Die US-Zentralbank errechnete 2009 als idealen Kapitalmarktzins -5 %. Das bräuchte jetzt die Wirtschaft.
    http://friedensblick.de/16512/studie-der-us-zentralbank-fed-wirtschaft-braucht-minus-zinsen-von-5-prozent/

    Minuszinsen könnte jedoch die Zentralbank jedoch nicht durchsetzen, weil Minuszinsen die Geschäftsbanken an ihre Geldanleger weitergeben würden. Konsequenz: Die Geldbesitzer würden ihr Bargeld lieber horten.

    Warum thematisiert “Querschüsse” keine Umlaufsicherung von Bargeld?

    • Querschuesse - 7. April 2017

      was ist lächerlich, die 208 Mrd. Euro Bilanzausweitung zur Vorwoche oder die 1,1 Billionen Euro zur Vorjahreswoche (?) 🙂 🙂
      Die Liquiditätsflutung ist brutal, es gibt für soviel Liquidität überhaupt keinen Bedarf, die Masse bleibt im Bankensystem hängen, führt zu Fehlanreizen, Vermögenspreisinflation und drückt den Euro, verstärkt damit also wirtschaftliche Ungleichgewichte, schindet zwar Zeit, löst aber nicht die Probleme, sondern verstärkt in Teilen diese. Liquidität überdeckt die Verwerfungen und kaschiert unhaltbare Strukturen. Zu so einer Geldpolitik soll es keine Alternativen geben, mir kommen gleich die Tränen werter Friedensblick.

      Gruß Steffen

    • Gundermann - 9. April 2017

      “Es ist lächerlich, wenn hier gegen die EZB-Politik billigen Geldes gewettert wird”

      Genau, billiges Geld (= Druckerpresse anwerfen) hat ja bekanntlich schon immer Probleme gelöst. Weshalb Länder mit hoher “Geldproduktion”, wie Venezuela oder Simbabwa zu den problemfreiesten gehören.
      Mein Großvater durfte diese “Problemlösungstratagie” bereits in vollen Zügen genießen. Hat damals prima geholfen – nur leider nicht den Falschen.

      • Holly01 - 10. April 2017

        Hallo Gundermann,
        Geld ist IMMER aus der Druckerpresse, aka Geldschöpfung, aka dicke Berta oder was man da als Ausdruck bevorzugen mag.
        Die Frage ist NIE wieviel sondern immer wofür.
        Vor, während und nach dem DoppelWK, haben die Geldpressen der NB dem Kriegdiktat gehorcht.
        Fragen Sie mal Ihren Großvater ob er auch Goldmark gegen Papier getauscht hat und Krieganleihen gezeichnet hat.
        Nicht die Geldpressen sind das Problem. Das Problem ist das Eigentum, welches da zusammengezogen wird.
        Eigentum ist aber vom Recht (Gesetz) abhängig.
        Da wo das Recht nicht mehr durchgesetzt wird, verliert Geld jeden Wert.
        Jeder Kriegsverlierer verliert die Möglichkeit sein Recht durchzusetzen und damit verliert die jeweilige Währung ihren Wert.
        Das ist mit der EZB Politik überhaupt nicht vergleichbar.
        Auch diese “Problemländer” die jährlich auftauchen und Bankrott machen oder in Hyperinflation abschmieren, kann man alle auf Kontrollverlust herunterbrechen.
        Wer nicht selbst bestimmt und Rechte die die Gesellschaft gewährt auch schützt, der versinkt im Strudel aus (importierter) Inflation, Geld drucken und sinkendem Aussenwert der Währung.
        Ihr Großvater wird Ihnen auch von Seeblockaden erzählen können und von Boykotten.
        Länder die ihre Interessen nach aussen nicht durchsetzen können, gehen den selben Weg, nur eben von aussen in Gang gesetzt.
        Ein ganz klein wenig mehr differenzieren müssen wir dann doch.
        Das Geldsystem ist immer perfekt. Damit kann man alles erreichen und alles heilen. Wenn man die Möglichkeiten dazu hat.
        Und welche Möglichkeiten der Hegemon der EZB zur Zeit und in naher Zukunft einräumt ist kaum abzuschätzen.
        Es wäre aber nach meiner Meinung dumm zu denken es gebe da Streit. das sind alles Kaufleute, die sitzen da ganz locker zusammen, in ihren Zirkeln und kaspern das aus.
        Jeder als Vertreter, seiner Geldelite und mit der macht ausgestattet, die seine Geldelite gerade repräsentiert.
        Heute so, morgen anders und übermorgen? Wer kann das schon wissen.
        Vielleicht machen die Chinesen einen deal mit dem Schmierlappen Trump, teilen mit dem Russland und den Pol auf und frühstücken danach Europa ab …. wer weiss das schon.
        Also das bissel Europa das noch übrig ist, sollte man schon versuchen zusammen zu halten.
        das tut die EZB und vielleicht sogar der ESM.
        In 20 jahren werden wir es erfahren, vorher nur wenn Krieg ist, egal ob heiss, kalt oder Wirtschaftskrieg, denn Währungskrieg haben wir schon seit (mindestens) der 2006, wahrscheinlich schon vor 9/11.
        Die 0,001% verlieren nicht, die verlieren nie, das ist im System nicht vorgesehen 😉 .
        lg Holly

        • Holly01 - 10. April 2017

          So lange die Bürger nicht einmal wissen, WER die deutschen Staatschulden hält oder WER auf den Auktionen bieten darf (wo auch die Zinsen fest gemacht werden), wo die Emissionen stattfinden, so lange würde ich weder von einer (und sei es nur eine mickrige eingeschränkte) Souveränität ausgehen, noch von irgend einer Form der politischen Teilhabe an diesen ganzen essenziellen und elementaren Vorgängen.
          Kann sein das das Parlament einen Haushalt verabschiedet. Ob auch nur ein Cent für diese Wunschliste vorhanden sein wird, entscheiden dann aber schon andere ……
          thats it

  • Marja - 7. April 2017

    Hallo Friedensblick,

    nicht die armen Sparer werden enteignet, sondern die reichen. 67 % der Deutschen haben überhaupt keine Anleihen und 50 % haben kein Nettovermögen. Die zahlen aber alle für die Rettung der Anleihen, wenn sie sich morgens ein Brot kaufen (7 % USt). Dass die Geldanlagen beschützt werden müssen, wenn sich Risiken dieser Geldanlage realisieren, und alle, die keine Geldanlagen haben, dafür bezahlen müssen, ist nicht alternativlos, sondern ungerecht. Wenn jemand fünf Mal seine Fahrkarte nicht bezahlt, bekommt er eine Ersatzfreiheitsstrafe. Der wird nicht gerettet. Das ist tatsächlich alternativlos, auch wenn der Haftplatz pro Tag das Hundertfache kostet.

    Ich gehöre übrigens nicht zu den 67 %, finde das aber trotzdem so!

    Grüße Marja