Frankreich: sattes Handelsbilanzdefizit im Januar

von am 13. März 2012 in Allgemein

Bereits am letzten Donnerstag berichtete die französische Zollbehörde (Direction générale des douanes et droits indirects) die Daten zum Außenhandel bei Waren und Gütern Frankreichs. Die dort in der Pressemitteilung präsentierten Daten sind saisonbereinigt und inklusive den Rüstungsgütern. Saisonbereinigt stiegen Export- und Importvolumen leicht an und das Handelsbilanzdefizit erreichte saisonbereinigte -5,234 Mrd. Euro im Januar. Hier werden nun wegen der besseren Vergleichbarkeit die unbereinigten Außenhandelsdaten bei Waren und Gütern inklusive den Rüstungsgütern präsentiert. Das unbereinigte Exportvolumen sank im Januar 2012 marginal auf 35,527 Mrd. Euro, nach 35,582 im Vormonat und stieg um +9,53% zum Vorjahresmonat mit 32,435 Mrd. Euro.

Die Entwicklung der unbereinigten Originaldaten beim Export von Waren und Gütern in Mrd. Euro seit Januar 2000 bis Januar 2012 im Chart. Im Januar 2012 sank das Exportvolumen leicht auf 35,527 Mrd. Euro.

Die Entwicklung des unbereinigten Exportvolumens bei Waren und Güter (rot) und des unbereinigten Importvolumens (blau) in Mrd. Euro seit Januar 2000 bis Januar 2012 im Chart.

Während das Exportvolumen ganz leicht zum Vormonat zurückging, weitete sich das Importvolumen aus, auf 41,978 Mrd. Euro, nach 39,829 Mrd. Euro im Vormonat und nach 39,830 Mrd. Euro im Vorjahresmonat (+5,39%). Das Handelsbilanzdefizit schwoll bei den Originaldaten auf -6,451 Mrd. Euro an. Dieses Handelsbilanzdefizit Frankreichs steht für ein starkes Ungleichgewicht im Handel mit der Welt und für eine unterentwickelte industrielle Wertschöpfung, wie die Daten zum Output der Industrieproduktion im vorangegangenen Querschuss anschaulich zeigten. Im abgelaufenen Jahr 2011 generierte Frankreich im Handel mit Waren und Gütern ein Rekorddefizit von -70,014 Mrd. Euro, nach -51,839 im Jahr 2010 und nach -45,061 im Jahr 2009. Noch 1997 wurde ein kräftiger Handelsbilanzüberschuss von +23,121 Mrd. Euro erzielt.

 Die Entwicklung des Exportvolumens (blau), des Importvolumens (rot) und der Handelsbilanz (als Balkenchart) seit 1971 auf Jahresbasis im Chart der französischen Zollbehörde. Diese Langfristdatenreihe offenbart auch, dass Frankreichs Handelsbilanzdefizit sich erst unter dem Korsett des Euro stetig ausgebaut hat.

Die Entwicklung der monatlichen unbereinigten Handelsbilanz seit Januar 2000 bis Januar 2012 im Chart. Im Januar 2012 betrug das Handelsbilanzdefizit -6,451 Mrd. Euro.

Das französische Statistikamt INSEE veröffentlicht auch noch eine unbereinigte Datenreihe des Handels von Waren und Gütern ohne Rüstungsgüter, interessant daran, ohne Rüstungsgüter ist das unbereinigte Handelsbilanzdefizit noch mal deutlich höher und lag im Januar 2012 bei -7,526 Mrd. Euro. Während zuletzt im Gesamtjahr 2011 das Handelsbilanzdefizit mit Rüstungsgütern bei -70,104 Mrd. Euro lag, waren es ohne Rüstungsgüter sogar -86,113 Mrd. Euro!

Die französische Zentralbank berichte heute die Daten zur französischen Leistungsbilanz, im Jahr 2011 betrug das Defizit -44,6 Mrd. Euro. Im Januar 2012 schwoll das Leistungsbilanzdefizit auf -4,2 Mrd. Euro, nach -2,8 Mrd. Euro im Vormonat. Die Leistungsbilanz kann man im weitesten Sinne auch als Ausweis der Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft betrachten, sie reflektiert die Handelsbilanz, die Dienstleistungsbilanz und die Teilbilanzen aus Erwerbs- und Vermögenseinkommen sowie aus den laufenden Übertragungen.

Das Rekord-Handelsbilanzdefizit 2011 und die Januar-Daten für 2012 zeigen klar die weiter nachlassende Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs und die Daten sind auch Dokument ungeheurer Ungleichgewichte innerhalb der Eurozone. Frankreich muss trotz seinem Zwillingsdefizit aus Leistungsbilanz und Staatshaushalt unbedingt private Kapitalzuflüsse zur Finanzierung sichern, ein schwieriges Unterfangen! Sollte Frankreich dies misslingen droht die totale Überforderung der Eurozone.

Quelle Daten: Lekiosque.finances.gouv.fr/Portal Zoll- und Verbrauchssteuerbehörde, Lekiosque.finances.gouv.fr/PDF: Historique de la balance commerciale de la France, Insee.fr/Datenbank Statistikamt INSEE

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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12 KommentareKommentieren

  • M.E. - 13. März 2012

    Die Krise der Wettbewerbsunfähigkeit ist in Kern-Europa längst angekommen.
    Das sind heftige Zahlen. Die Schwergewichte Europas – Frankreich, Italien, Spanien und das nicht-Euro-Land Großbritannien – alle in oder am Rande der Rezession, alle hoch verschuldet bis überschuldet, alle mit stark defizitärem Außenhandel ohne Aussicht auf Besserung.

    So gehen Epochen zu Ende.

  • tarzun - 14. März 2012

    @all

    usa, china, Frankreich, PIGS,…. alle mit rekord defizit.

    Wer ist den da die Gegenpartei? Doch nicht Deutschland alleine????

    Mit der Bitte um Aufklärung!

    • Weltenbrand - 14. März 2012

      @ tarzun

      Die “Gegenparteien” sind nur noch die konzertiert agierenden Notenbanken weltweit. “Reichtum” aus dem Nichts.

      • Hardy - 14. März 2012

        Im Artikel ist ausdrücklich von Waren und Gütern die Rede; diese kann man aber bis dato nicht aus dem nichts erschaffen. Bei Warenströmen stehen einem Defizit immer Überschüsse in gleicher Höhe woanders entgegen.

        • Weltenbrand - 15. März 2012

          @Hardy

          “Im Artikel ist ausdrücklich von Waren und Gütern die Rede; diese kann man aber bis dato nicht aus dem nichts erschaffen.” – Deren Equivalent in der Geldform aber schon (und dem Wesen nach sind diese ach so “konkreten” “Waren” auch schon längst vollkommen irreal), denn schleißlich müssen diese “Waren” (“Güter” sind es in der kapitalistischen Produktionsweise nun mal garantiert nicht) ja auch “bezahlt” werden. Dumm nur, wenn der Einkäufer über keine demensprechenden Equivalente verfügt, sprich: nicht genügend “Geld” “besitzt”.Dann muss halt der gute alte “Kredit” ran. Und da mittlerweile die globale Bankenclique mit ihrer “Geldschöpfungspotenz aus dem Nichts” am Ende ist, müssen global die vermeintlichen “lenders of last resort” alias die “angeblichen Nationalbanken” (Marx) in die Bresche springen und noch einige weitere Tausende von Jahren im Hier und Jetzt kapitalisieren – um somit “Zahlungsfähigkeit” zu simulieren.

          http://www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=autoren&index=21&posnr=83&backtext1=text1.php

          http://www.math.uni-hamburg.de/home/ortlieb/WiderspruchStoffFormPreprint.pdf

    • Benedikt - 14. März 2012

      Die Ölstaaten dürften bei den hohen Ölspreisen große Handelsüberschüsse anhäufen, die wiederum in den Defizitländer angelegt werden.

    • r2d2 - 12. April 2012

      Wozu Gegenpartei?

  • Michael S. - 14. März 2012

    @tarzun
    Zu deiner Frage. Zurzeit dürften vorallem die Ölländer ihre Überschüsse ausbauen.

    Gruß Michael S.

  • Bernd Klehn - 14. März 2012

    L.ieber Steffen,

    ist -113,666Mrd. die neue Zahl des Target2-Saldos Frankreichs für Ende Januar? Also ein Anstieg von 34,037Mrd. gegenüber Dezember?

    http://www.banque-france.fr/fileadmin/statistiques/base/en/csv/mi.m.fr.n.n.l20.a.1.u5.0000.z01.m.e.b.x.csv

    Gruß

    Bernd

    • Querschuss - 14. März 2012

      Hallo Bernd,
      Danke für den Hinweis, hatte ich bereits gesehen, nur keine Zeit und Möglichkeit gehabt die Daten in einem kurzen Artikel darzustellen, ist jetzt aber geschehen.

      Gruß Steffen

  • Martin - 14. März 2012

    Ich vemute mal, dass die EU insgesamt ein sattes Außenhandelsdefizit hat. Falls das so ist, müssten doch eigentlich europäische Stimuli in Form von Steuersenkungen etc. in erster Linie China und Korea nützen. Es mag sein, dass Deutschland davon auch noch profitieren kann, aber in erster Linie müsste das für die Asiaten von Vorteil sein.

    Mich würde wirklich interessieren, ob es auf Dauer funktionieren kann, wenn in einem deutschen Warenhaus wie Karstadt rund 80 % des Angebots aus dem asiatischen Raum kommt. Ich kann mich wirklich nicht mehr daran erinnern, wann ich zum letzten Mal ein Hightec-Produkt aus dem Consumer-Bereich in Händen gehalten hätte, das aus Europa stammt.

    Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass man auf Dauer einen Wissensvorsprung haben kann, wenn man nicht einen Teil der Fabriken vor der eigenen Haustür stehen hat. Das ist in Europa in vielen Bereichen schon fast egal, aber US-Konzerne wie Apple, die in den USA hauptsächlich forschen, müssten eigentich über kurz oder lang ein Debakel erleiden, einfach, weil sie ständig ihr Wissen nach Korea, Taiwan und China an ihre Auftragsproduzenten transferieren.

    Dort ist man jetzt schon viel besser in der Lage, die Produktion zu organisieren als im Westen und in der Forschung ist es nur noch eine Frage von wenigen Jahren, bis man gleichgezogen hat. Dann liegen Produktion und Forschung in den Händen der Asiaten. Dann dürfte der Zeitpunkt nicht mehr fern sein, wo die dortige Maschinenbauindustrie von diesen heimischen Industrien profitiert und den deutschen Vorsprung im Maschinenbau egalisiert. Dann kann D seine Importe nicht mehr so einfach durch Exporte von Autos und Maschinen finanzieren. Von den PIGS ganz zu schweigen, die schon jetzt abgesichert durch Rettungsschirme aus dem Norden ihren Konsum finanzieren.

    Der sogenannte Westen wird sich spätestens dann überlegen müssen, was er exportieren kann, um die vielen kleinen Spielzeuge kaufen zu können, die man dort herstellt.