Futter für die Märkte: Aussicht auf QE3 und ESM-Aufstockung treibt die Kurse – aber wohin?

von am 27. März 2012 in Allgemein

Gestern haben vor allem die Äußerungen von Ben Bernanke und Angela Merkel die Aktienmärkte rund um den Globus beflügelt. Der Fed-Chef hält die Situation am US-Arbeitsmarkt trotz der zu konstatierenden leichten Verbesserung weiterhin für fragil und deswegen eine weiterhin lockere Geldpolitik zwecks Stimulierung des Wirtschaftswachstums für erforderlich. (1) Viele interpretierten Bernankes Aussagen dahingehend, dass eine neue Runde der quantitativen Lockerung (QE3) nun wohl doch kommen bzw. die Fed die Geldschleusen noch weiter öffnen könnte. Angela Merkel signalisierte hingegen erstmals ihre Bereitschaft, den Euro-Rettungsschirm weiter aufzuspannen sprich die verfügbaren Mittel – wenigstens temporär – aufzustocken, nachdem sie dies bisher stets kategorisch abgelehnt hatte. (2)

Sollte beides geschehen, QE3 und Aufstockung des Rettungsfonds, bedeutete dies für die Finanzmärkte de facto eine weitere Verlagerung von Finanzmarktrisiken auf Notenbanken und Staaten – bei gleichzeitig weiterhin kaum effektiver Einschränkung der Möglichkeiten für die Entstehung von großen Finanzmarktrisiken. Das ist es im Prinzip, was seit der Lehman-Pleite stattfindet und es ist hervorzuheben, dass es nach wie vor überhaupt keine gesicherten Erkenntnisse darüber gibt, ob die Rechnung, auf diese Weise aus den Problemen herauszukommen, auch aufgeht.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, wie kontrovers Notenbanker die Entwicklung zum gegenwärtigen Stand bewerten.

Der Ex-Chefvolkswird Jürgen Stark hält den expansiven geldpolitischen Kurs der EZB für sehr riskant, weil die – vor allem über die beiden Drei-Jahres-Tender (über eine Billion Euro) – in die Märkte gespülte Liquidität im Ernstfall nicht aus dem Markt abgezogen werden kann. Er scheut sich zwar, im Zusammenhang mit dem enormen Wachstum der Bilanz der EZB (aktuell über drei Billionen Euro) explizit von einem Beherrschbarkeitsproblem zu sprechen. Andererseits konstatiert er, die EZB befinde sich hier in einem Teufelskreis, womit klar sein dürfte, dass es ein Beherrschbarkeitsproblem gibt. Er sieht deswegen auf mittlere Sicht Inflationsrisiken und vor allem auch Hinweise auf spekulationsgetriebene Preise oder mit anderen Worten, die Liquiditätsflut stimuliert keineswegs nur die Realwirtschaft. (3)

Lorenzo Bini-Smaghi, ebenfalls ehemaliges Mitglied des EZB-Rates, hält es dagegen für möglich, die Bilanzrisiken der EZB durch diverse Maßnahmen unter Kontrolle zu halten. In einem Gastbeitrag im Handelsblatt stellt er fest, das größte Risiko gehe dabei von den europäischen Banken aus. Das Misstrauen der Banken untereinander habe den Euro-Geldmarkt austrocknen lassen, so dass die EZB mit ihrem langfristigen Refinanzierungsangebot eingreifen und das Finanzsystem vor dem Zusammenbruch bewahren musste. Den Geldmarkt wiederzubeleben hält er deswegen für den besten Weg, die Bilanzrisiken der EZB abzubauen. (4) Allerdings plagt die Europäer dieses Problem seit der Lehman-Pleite immer wieder. Eine wirklich effektive Lösung wurde folglich bisher nicht gefunden.

Der Präsident der EZB, Mario Draghi, sieht im Gegensatz zu Stark mittelfristig kein Inflationsrisiko und die expansive Geldpolitik insofern auch nicht kritisch. Er beobachte Stabilisierungstendenzen – auf niedrigem Niveau, also noch nicht ganz die von Bini-Smaghi geforderte Wiederbelebung – sowohl bei der Kreditvergabe als auch beim Wachstum und diese seien kein Zeichen zunehmenden Inflationsdrucks. Die niedrigen Inflationserwartungen auf lange Sicht seien zudem der Beweis, dass die EZB hier glaubwürdig agiere, sagte er jüngst in Berlin, womit er implizit zugleich die Frage der Beherrschbarkeit der Bilanzrisiken der EZB beantwortete. (5)

In den USA ist das Bild dasselbe. Auch dort sind sich Notenbanker in der Bewertung des expansiven geldpolitischen Kurses uneins. So erklärte beispielsweise jüngst der als „Falke“ bekannte Präsident der Fed von Philadelphia, Charles Plosser, die Fed habe sich mit ihrer expansiven Geldpolitik auf einen gefährlichen Weg begeben. Früher habe die Fed fast ausschließlich kurz laufende US-Staatsanleihen gehalten, während die Bilanz heute hauptsächlich lang laufende Staatsanleihen ausweise und zu einem bedeutenden Anteil auch Hypothekenpapiere. Regierungen drängten heute die Notenbanken zu expansiver Geldpolitik. Damit kämen diese jedoch auf ein Terrain, auf dem die Trennung zwischen Geld- und Fiskalpolitik verloren gehe. Plosser steht der expansiven Geldpolitik Bernankes aber auch deswegen kritisch gegenüber, weil er Inflation für die falsche Antwort auf die aktuelle Lage der US-Wirtschaft hält. (6)

Ähnlich kritisch äußert sich auch der als gemäßigt geltende Präsident der Fed von St. Louis, James Bullard zur expansiven Geldpolitik. Während Bernanke mit seinem Standpunkt, die Geldpolitik weiter gelockert zu halten, auf die Erfahrungen der großen Depression in den 30er Jahren rekurriert, verweist Bullard auf die Erfahrungen aus den 1970er Jahren. So wie heute sei auch damals argumentiert worden, die Wirtschaft operiere weit unter ihrem Potenzial und müsse deswegen mit einer aggressiven Geldpolitik unterstützt werden. Das Resultat sei aber ein Debakel gewesen, denn es habe mehrere Jahrzehnte gedauert, die Inflation wieder vollständig unter Kontrolle zu bekommen. Die Lehre aus den 70er Jahren sei deswegen, dass es extrem schwierig sei, den Geist der Inflation wieder in die Flasche zurückzubringen, wenn er erst einmal entwichen sei. (7)

Was ist also in der gegenwärtigen Lage der richtige geldpolitische Kurs – vor allem, wenn man bedenkt, dass die Finanzmarktkrise in einem Regime der lockeren Geldpolitik entstanden ist, bis heute geldpolitisch in derselben Weise bekämpft wird und in dieser Phase nicht nur die Immobilienblase entstand und platzte, sondern auch die Ölpreisblase 2008? Ist noch mehr billiges Geld – von Notenbanken und Regierungen – die Lösung oder das Problem? Geht die Rechnung auf?

Noch einmal: Diese Fragen sind nach wie vor nicht zuverlässig zu beantworten – nicht zuletzt aufgrund der mit der Finanzmarktkrise aus den Fugen geratenen theoretischen Fundamente der Geldpolitik. Gleichwohl werden Fakten geschaffen. Die Politik ist die Getriebene der Märkte und die Notenbanken sind die Getriebenen von beiden, von Politik und Märkten. So stellt sich die Situation dar. Mit konsistenter, überzeugender Argumentation hat der Kurs nichts zu tun. Entsprechend riskant ist er.

Ich will hier keine Antwort auf die Frage versuchen, wohin das viele Geld wirklich fließt, weil das kaum zweifelsfrei zu belegen sein dürfte. Wie immer man die Sache jedoch auch angeht, die Reaktion der Märkte in dieser Phase der lockeren Geldpolitik und massiver staatlicher Geldspritzen sollte man dabei und bei Aussagen wie etwa der von Mario Draghi, es gebe jetzt mehr Ruhe auf dem Finanzmarkt, immer vor Augen haben. In diesem Sinne kann es nicht schaden, einmal einen Blick zum Beispiel auf die Entwicklung des S&P 500 oder des Ölpreises zu werfen. Ich finde, das rückt dann doch recht plastisch so manche Aussage aus berufenem Munde und so manche angekündigte Maßnahme ins rechte Licht.

 

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

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70 KommentareKommentieren

  • Bernd Rickert - 27. März 2012

    Steigende Aktienkurse sind keine Substanz, sondern nur Volumen.

    Man versucht ein ums andere Mal eine geplatzte Blase, sei es nun die Immobilienblase oder die Schuldenblase, in grosser Höhe wieder aufzupusten ohne die substanziellen Verluste zu berücksichtigen. Mit heisser Luft kann man zwar Geld verdienen, von heisser Luft kann jedoch niemand auch nur eine Rechnung bezahlen.
    Bestenfalls wird eine gleichwertige Blase erzeugt, die der Gleichwertigkeit wegen sofort wieder platzt.

    Es wäre gescheiter mit Flugzeugen Geld über dicht besiedelten Gebieten abzuwerfen und das ist jetzt keineswegs satirisch gemeint.

  • M.E. - 27. März 2012

    Das süße Gift der Liquiditätsausweitung zur weiteren Ermöglichung des süßen Giftes der immer weiteren Aufschuldung wird irgendwann seine Süße verlieren.
    Die Notenbanken kommen aus ihren QE-Dilemma nicht mehr raus. Hieß es 2009/2010 noch, man würde eine baldige Exitstrategie verfolgen und die Liquidität wieder einsammeln sowie die Zinsen auf Normalniveau anheben, ist von irgendeinem Ausstiegsszenario längst nicht mehr die Rede.
    Im Gegenteil: man muss ständig agressiver vorgehen, um noch Wirkung zu erzielen. Und dabei werden einige Assetklassen (man beachte mittlerweile auch die Börsenkurse) immer mehr aufgeblasen. Die Assets, die man eigentlich aufblasen möchte (zuallererst die Häuserpreise) zeigen sich hingegen aufblasresistent.
    Um einen Einbruch zu verhindern, muss man ständig mehr blasen.
    Das alles führt nur dazu, dass sich die schwächelnde wertschaffende Realwirtschaft und die scheinwertschaffende Finanzwirtschaft immer mehr voneinander entfernen.

    Wie soll das anders enden, als in einem gewaltigen, strukturzerstörenden Crash?
    Über den Zeitpunkt darf gestritten werden. Um das prinzipielle Eintreffen nicht ernsthaft.

    • Matthias Hoffmann - 1. April 2012

      Die Finanzöffentlichkeit scheint mir darauf fixiert zu sein, aus Bernanke’s Äusserungen Ankündigungen für neue QE’s herauszulesen.

      Wenn ich mir Bernanke’s Vortrag genau durchlese, komme ich zu einem ganz anderen Schluss:

      Darin betont Bernanke die in der amerikanischen Öffentlickeit wenig präsente Tatsache, dass Geldpolitik nur gegen zyklische Arbeitslosigkeit wirken kann, nicht jedoch gegen strukturelle Arbeitslosigkeit durch Unter- und Fehlqualifizierung der Arbeitslosen.

      Und gerade diese strukturelle “Sockelarbeitslosigkeit” hat in den USA erst mit der jüngsten Rezession wirklich signifikante Ausmasse erreicht, und damit später als bei uns, die wir diesen Begriff schon lange verwenden.

      Das ist viel eher dafür geeignet, die Öffentlichkeit darauf vorzubereiten, dass Zinsschritte nach oben bereits bei höheren Arbeitlosenquoten, als es Öffentlichkeit und Politik “wahrhaben wollen” angezeigt sein können, wenn sich die Kerninflation über die nun auch von der FED gesetzten Marke von 2 % herausbewegen sollte.

      Zudem habe ich den Eindruck, dass praktisch niemand wahrgenommen hat, dass es bereits in der März-Sitzung des Offenmarkt-Ausschusses Gegenstimmen gegen die Beibehaltung des ggw. Niedrigst-Zins-Niveaus gab.

  • micdinger - 27. März 2012

    Hab schon vor Monaten hier geschrieben. Der DAX muss erst noch 8200 und der DOW 14000 erreichen, bevor die große Sause abwärts einsetzt.

    • Argonaut - 27. März 2012

      Glaube ich auch, ganz nach dem Motto:
      “Erstens kommt alles anders und zweitens als man denkt”
      – trifft auf die Börse sehr häufig zu 😉

  • Prof. Dr. Ergo Sum - 27. März 2012

    @ Stefan:

    Zweifellos hat Draghi recht, dass Gelddrucken allein nicht notwendigerweise zu Inflation führt. Die USA sind ja das beste Beispiel. Aber es ist sicher gefährlich, die europäische Situation immer wieder mit den USA zu vergleichen, wo doch die Problematik ganz anders geartet ist. Quod licet Iovi, not licet bovi.

    Gruß, Ergo

    • SLE - 27. März 2012

      @ Prof. Dr. Ergo Sum

      sicher, die wirtschaftliche Situation ist nicht identisch und wenn zwei dasselbe tun, dann ist es noch lange nicht dasselbe – jedenfalls wenn man in diesem Fall alle Aspekte berücksichtigt. Aber ich habe eigentlich nur akzentuiert das Verhältnis Notenbanken und Finanzmärkte betrachtet, weil die Geldpolitik die Realwirtschaft zu adressieren vorgibt, aber nicht wirklich erreicht. Letzteres sollte allenfalls gemäß der Theorien und Modelle, die verwendet werden gelingen. Aber die haben sich in der Finanzkrise als reichlich untauglich erwiesen und dieses Problem wurde bisher leider auch noch nicht behoben. Von einer geldpolitischen “Beherrschbarkeit” der vorliegenden Probleme kann also genau genommen keine Rede sein und ich halte es für heikel, wenn die Notenbanker zwecks Beruhigung der Märkte oder was auch immer diesen Eindruck erwecken.

      Grüße
      SLE

      • Ergo Sum - 1. April 2012

        Vielen Dank , Stefan.
        Man zitiere mich nicht, aber ich habe den Eindruck, dass Bernanke vorsichtiger ist mit dem Gelddrucken als Draghi. Auf den US-Börsen ist wohl nur der Wunsch der Vater des Gedankens mit QE3. Falls er es überhaupt täte, müsste die Lage erst noch ärger kommen als momentan. Aber er sichert sich ab, denn es ist ein Wahljahr, und Obama kann sich in den nächsten 6 Monaten keinen Absturz der Wirtschaft leisten.
        Gruß, Ergo

  • Harald E - 27. März 2012

    Die -vom Hosenanzug angekündigte- marktkonforme Demokratie wird kommen.

    Die Märkte kontrollieren Regierungen, Militärs, Medien und Humankapital.

    Lebensstil, Erziehung, Bildung, Perspektiven sowie Demokratieauslegung werden immer prägnanter von “den Märkten” bestimmt/gelenkt.

    Ob 8200(DAX) oder 14000(Dow) irgendwelche Sausen beenden…oder nicht -sind eh nur Zahlen-, werden uns “die Märkte” dann schon wissen lassen.

    Es ist wie immer. Es gehören 2 dazu.
    Einer der es macht und einer der es mit sich machen läßt.

    Und …ehrlich gesagt
    Wir werden es mit uns machen lassen. Ob wir wollen “Boah…uns geht’s gut”
    oder nicht
    “Listen son,
    said the man with the gun” (von Pink Floyd)

    Wir werden’s mit uns machen lassen.

    Oder nicht !?
    (Das Ausrufezeichen ist mehr romantische Hoffnung als begründeter Verdacht)

  • Traumschau - 27. März 2012

    Hallo,
    ich habe gleich zwei Verständnisfragen:
    1. Ich bin immer davon ausgegangen, dass nur dann eine Inflation droht, wenn das viele Geld auch in die Taschen der Bürger fließt. Das ist doch aber nicht so?
    2. Gehe ich richtig in der Annahme, dass eine strenge Regulierung der Finanzmärkte nach der Lehman-Pleite, z.B. u.a. durch einen neuen Glass-Steagal-Act, uns nicht in diese Situation gebracht hätte? Ich meine, dass das Casino schnellstens geschlossen werden muss, weil diese Luftnummern ja für irgendwen Renditen abwerfen, die jemand bezahlen muss. Ich habe den Eindruck, dass wir das gerade mit Sparpaketen tun – s. Bankenrettungen.
    Oder irre ich da?
    3. Wie kann man aus diesem Teufelskreis herauskommen?

    • SLE - 27. März 2012

      Hallo Traumschau,

      Gründe für Inflation gibt es viele (siehe z.B. hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Inflation#Ursachen.2FGr.C3.BCnde) und für die Messung der Inflation ist letztlich die Zusammensetzungen des Warenkorbs ausschlaggebend, wie der mittlerweile verstorbene Prof. Brachinger aufzeigte (siehe unter dem Stichwort “gefühlte Inflation”). Sobald Preise von Rohstoffen spekulationsgetrieben sind, was immer wieder in die Diskussion eingebracht wird und wofür es ja auch Hinweise gibt, kann Inflation sehr wohl auch dann eintreten, wenn das Geld nicht in unseren taschen ankommt. Das Problem dabei ist, den Spekulationsanteil genau zu bestimmen. Die St. Louis Fed hat das jüngst einmal beim Ölpreis untersucht und kommt hier auf keinen so großen Einfluss (siehe dazu: http://research.stlouisfed.org/publications/es/12/ES_2012-03-12.pdf) Die Auffassungen gehen hier aber auseinander. Es also die Frage inwieweit dies nicht durch die Politik des billigen Geldes forciert wird.

      Es spielt sicher eine entscheidende Rolle, wie die Finanzmärkte reguliert und – meines Erachtens auch sehr wichtig – strukturiert sind. Nicht zuletzt aus der Realwirtschaft, die unter den hohen Rohstoff- und Energiepreisen leidet, gibt es deswegen immer wieder entsprechende Vorwürfe und Forderungen. Das Trennbankensystem entschärft vor allem das “Too big to fail”-Problem, weil im Zewifelsfalle nur für die Geldversorgung der Wirtschaft wichtige Geschäftsbanken gerettet werden müssten, nicht aber Investmentbanken. Das Problem spekulationsgetriebener Preise und riskanter Produkte löst es aber nicht.

      Wie man aus dem Teufelskreis herauskommen kann, ist eine gute, aber, sofern man jedwede massiven negativen Konsequenzen vermeiden will, eine nach meiner Einschätzung unlösbare Frage. In dem Moment, in dem man das “Casino” schließt, wird das erhebliche Verwerfungen zur Folge haben. Schließt man es nicht, kommt es – wiederum nach meiner Einschätzung – früher oder später zu einem sehr heftigen Crash, ähnlich wie 1929. Die Frage ist also allenfalls, wie man die Fallhöhe reduzieren und den Schaden begrenzen kann. Ohne Schaden kommen wir da nicht heraus und genau genommen haben wir ihn ja schon, nämlich die destruktive wirtschaftliche Talfahrt Schuldenstaaten.

      Grüße
      SLE

      • Bernd Rickert - 28. März 2012

        1998 hatte ich eine Vorlesung des deutschen Luft-und Raumfahrtsinstituts besucht, wo abgesehen von den kleineren Spitzen und dem Einbruch 2009 ganz exakt die Kurve wie in dem angegebenen link beschrieben wurde. Ich bin überrascht von der Übereinstimmung trotz der erst später aufkommenden und zum Zeitpunkt der Vorlesung noch unbekannten Diskussion um neue Resourcen.

        Gruss

    • NavigatorC - 27. März 2012

      1 Nein. Das “Geld in die Taschen der Bürger” fließt ist nicht geplant und findet/fand auch nicht statt.

      2.Nein. “Gehe ich richtig in der Annahme, das..” Da Schulden=Geld, hätte dies nichts genutzt.
      Es müssen in immer kürzeren Zeitabständen immer größere Summen in das Casino gepumpt werden. Dies geschieht, wie Du richtig vermutest, mit Sparpaketen, Q3, Bankenrettungen, etc. Diese Bezeichnungen sind lediglich rethorische Konstruktionen die ander Sachverhalte sugerieren sollen. Dies ist den Wortdesignern dieser Konstruktionen bekannt. Alte Lügen mit neuen Worten 🙂

      3. Das ist kein Teufelskreis, sondern eine Vorgabe durch das Zins- Finanzsystem.
      Die zwanghafte Zunahme der Gesamtverschuldung ist/wird durch eine Expentialfunktion
      beschrieben und nicht durch eine Kreisfunktion.
      http://de.wikipedia.org/wiki/Exponentialfunktion
      http://de.wikipedia.org/wiki/Trigonometrische_Funktionen

      Ein Herauskommen ist nur durch einen nachhaltigen Kollaps des Gesamtsystems möglich. Dieser wird auch erfolgen, was für mich kein Problem ist.

      NavigatorC

    • Ergo Sum - 1. April 2012

      Hallo Traumschau,
      Der neue Glass-Steagall-Act wurde bereits von Obama unterzeichnet, er heißt Dodd-Frank-Act, aber er lässt den Banken mehrere Jahre Zeit, um ihn einzuführen.
      Gruß, Ergo

  • Traumschau - 27. März 2012

    Sorry, das waren drei Fragen …

  • wolfgang - 27. März 2012

    Aus dem Teufelskreis kommen wir leicht raus. Wir müssen einfach zulassen, dass Banken – egal wie groß – bei hohen Verlusten Konkurs machen. Wir sollten die Mittel der Bankenrettung ausschließlich für die Einlagensicherung nutzen.

    Große Institute sollten nach dem Konkurs abgewickelt werden.

  • wolfgang - 27. März 2012

    Darüber hinaus wäre es sinnvoll, die Banken- und Versicherungsaufsicht in Form einer Versicherung zu organisieren und die Beiträge nach dem Risiko zu erheben. Dadurch könnten diese Institutionen künftig ihre eigene Rettung bezahlen bzw. die vergangenen Rettung nachfinanzieren.

  • wolfgang - 27. März 2012

    Schließlich sollten Firmen in Zukunft die Ausbildung der Bürger bezahlen, indem sie ordentlich Steuern zahlen.

  • wolfgang - 27. März 2012

    Internationale Konzerne sollten Eintrittsgelder dafür zahlen, dass sie in Europa überhaupt Geschäfte machen dürfen. Zudem sollten sie, wenn sie auch nur eine Firma in Deutschland unterhalten weltweit dem deutschen Mitbestimmungsrecht unterliegen.

  • die Simpsons - 27. März 2012

    Die Selbstmordrate steigt in den Krisenländern und Griechenland wird gerade geplündert. In Portugal stehen Kassenautomaten in den Krankenhäusern und an den Tafeln kann man die Preise sehen. Die Leute verarmen und sterben in den PIIGS und demnächst auch bei uns.
    Und was wird hier diskutiert Futter für die Märkte. ich will euch mal was sagen, ich lese hier kein Mitgefühl für die Menschen die in den Krisenländern aufgrund der Marktteilnehmer und ihrer Aktionen sterben. Und wir reden hier nicht über Afrika und dem Nahen Osten, wir reden von unseren Nachbarn. Man diskutiert die Maßnahmen der Märtke. Und den Marktakteuren ist ein Menschenleben egal. Und jeder der in diesem System verankert ist, da kann ich mich auch nicht ausnehmen, hat Blut an seinen Händen. Und da sollte man mehr über diesen täglichen Wahnsinn nachdenken als permanent Systemanalysen zu betreiben. Mit wertlosem Fiat-Geld wird Griechenland geplündert und da soll ich Ökonomen und sogenannte Wirtschaftswissenschaftler noch ernst nehmen.
    Gehts noch und hinterfragt euren Menschenverstand, falls der nicht schon auf Diät oder Magersucht ist.

    • Querschuss - 27. März 2012

      Hallo die Simpsons,
      ich finde deine Kritik unangemessen, denn nirgenwo im deutschen Web wurde der Niedergang Griechenlands so detailliert dokumentiert und dabei die falsche Strategie der Toika kritisiert, mit vielen Details zu dem was die Sparmaßnahmen konkret bedeuten.

      Alles hier nachlesbar: https://www.querschuesse.de/griechenland/

      besonders deutlich hier:

      Schande pur!

      Zeugnis der Depression

      Griechenland in der finalen Phase

      Unfassbare Desaster-Zone und Dokument des Versagens


      https://www.querschuesse.de/griechenland-depression-pur-beim-konsum/

      Griechenland: realwirtschaftliches Armageddon

      Für diese Daten und Fakten, welche die Realität widerspiegeln bin ich übrigens von anderen Kommentaoren auch kritisiert worden, angesichts des Niveaus einiger der Kommentare, habe ich bei einigen der letzten Griechenlandartikel den Kommentarbereich gesperrt, gerade wegen der Brisanz der Lage für die Betroffenen, finde ich dümmliche Kommentare unangebracht. Das Problem eines Blogs ist, egal wie man schreibt, was man schreibt und wie eindeutig die Daten aussehen, es gibt genug Leser die immer was zu meckern haben, wie gerade du jetzt oder stringend alle Fakten ignorieren und ihre vorgefertigten Meinungen bar jeder Realität pflegen. Eigentlich Grund genug den Kommentarbereich ganz zu schließen, denn der ist per Saldo ein echter Motivationskiller und ohne Motivation ist so ein Blog mit der vielen Arbeit und Zeit die in ihm steckt nicht zu wuppen.

      Gruß Steffen

      • 2_Tone - 28. März 2012

        Bitte mach weiter mit deiner Arbeit, ich weiß sie echt zu schätzen. Ich kann mich noch an die Phase erinnern, weiß jetzt nicht mehr genau wann das war (ca. 1 1/2 Jahre oder so), wo es ein paar Monate keinen neuen Blogeintrag gab, beziehungsweise die Kommentarfunktion gesperrt war. Damals hast du gesagt, dass dir die Zeit dafür fehlt und du auch nicht das erreicht hast (mit dem Blog) was du wolltest. Kann das verstehen wenn es dir so ergeht. Du darfst nie vergessen, dass es immer wieder Leute gibt, die Mist reden. Versuch es nicht ernst zu nehmen, denn es schmälert das Niveau deiner Artikel nicht und ein Großteil schätzt sie.. Ein Problem das es gibt ist, dass wir alle hier ein sehr stark abweichendes Wissen über Volkwirtschaft, Politik, Finanzen etc. haben. Eine Diskussion auf hohem Niveau ist wünschenswert, aber aufgrund der stiefmütterlichen Behandlung in der Schule, haben viele erst seit der Krise angefangen sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Ich kann nur sagen, mach weiter so und Danke für deine Arbeit!!

    • ö.ä. - 27. März 2012

      Also ehrlich gesagt klingt Ihr Kommentar sehr scheinheilig:

      “ich will euch mal was sagen, ich lese hier kein Mitgefühl für die Menschen die in den Krisenländern aufgrund der Marktteilnehmer und ihrer Aktionen sterben. Und wir reden hier nicht über Afrika und dem Nahen Osten, wir reden von unseren Nachbarn”

      Ach und das sind keine Menschen denen es schlecht geht? Achso sind ja nicht unsere Nachbarn, ja dann.

    • SLE - 27. März 2012

      @ die Simpsons

      “Futter für die Märkte” – das ist nun wirklich ein erkennbar sehr ironischer und kritischer Titel. Genau wie Steffen (Querschuss) habe ich hier auch immer wieder genau das hervorgehoben, was falsch läuft, warum und wohin das führt. In diesem Aufsatz geht es um dasselbe. Die Geldpolitik gibt vor, etwas für die Gesamtwirtschaft und die Preisstabilität zu tun, aber das stimmt nur nur noch sehr bedingt. Dass sie die Märkte füttern, kommt der Realität mittlerwerweile viel näher. Für ein tieferes Verständnis des Probelmzusammenhangs kann ich Beiträge von Prof. Steve Keen empfehlen:

      http://www.paecon.net/PAEReview/issue57/Keen57.pdf
      sowie

      Grüße
      SLE

    • aquadraht - 27. März 2012

      Also das ist nun peinlichste Moralgrütze. Nirgends wird so klar wie in diesem Blog, vor allem von Steffen, die Katastrophe dargestellt, die das Regime der Troika, die die Politik der EU für Griechenland bedeutet.

      Wenn das in Zahlen und Graphen geschieht und nicht in pathetischen Appellen, ist es um so weniger als “Gutmenschentum” abtubar von denen, die gern jede Kritik an der herrschenden Unordnung lächerlich machen.

      Insofern ist Deine Kritik einfach daneben. Such Dir andere, passendere Ziele dafür.

      Ok, nicht alle Kommentare mögen Dir gefallen. Das ist aber so in einer offenen Debatte. Ich bin sehr froh, dass hier nicht Verhältnisse herrschen wie im Kommentarbereich von jjajhnke.net – wenn Steffen mal sperrt oder löscht, hat das Gründe.

      a^2

  • Bernd Rickert - 27. März 2012

    Ich sehe da nur das vor 1995 von Seiten der Politk etwas gegen steigende Ölpreise unternommen wurde, während danach das Volk aufgerufen wurde in Aktien und Rohstoffe zu investieren. Die Kampagne habe ich noch gut in Erinnerung.
    Dann stechen die Heissluftblasen Internet und Immobilien hervor. Der Ölpreis war mit dem phantasielosen Platzen der Internetblase noch nicht berührt.
    Möglicherweise haben Investoren nach Platzen der Internetblase mit dem Faktor Phantasie auf soliderem Böden weiter experimentiert. Heissluftblasen und nichts anderes sind auf wohlige Statements basierte Prophezeihungen haben jedoch nicht die Eigenschaft am Boden zu kleben, was auch keinen Profit brächte.

    Am Ölpreis sieht man beispielsweise sehr schön einen heftigen phantasierten Ausschlag, ausgelöst durch den Hurrican Catherina in den USA, der für den Ölproduktion eigentlich unbedeutend gewesen ist. Ausserdem sieht man, dass sich das Buchgeld Börsenkurs seit 1995 inflationär entwickelt.
    Dieses Geld ist real nicht existent, genauso wenig wie es das Geld der Internetblase oder der Immobilienblase existierte oder in der aktuellen Finanzblase existiert.
    Hätten diese Buchgewinne nicht den Anspruch 1:1 mit realem Geld verrechnet zu werden, gäbe es diese Problematik nicht. Solange die Buchgewinne in ihrer eigenen phantasierten Welt bleiben sind sie für die Realwirtschaft irrelevant. Der Kontakt führt jedoch zu folgendem Problem:

    Der Wert eines aufgeblasenen Luftballon ist nach phantasierter Entwicklung in 10000m Höhe mit genauso viel Luft gefüllt wie ein Gefäss auf dem Boden der Tatsachen. Der Ballon in der Höhe besitzt jedoch mit ein Vielfaches an Volumen. Nun wird der Wert nicht korrekt nach Luftmasse berechnet sondern fälschlicherweise nach Luftvolumen.
    Gewinnmitnahmen sind bei phantasierten Kursgewinnen viel gefährlicher als bei realwirtschaftlich begründeten, da das ganze Phantasiegebäude nicht auf realwirtschaftliche Fakten sondern auf Vertrauen beruht. Schon eine einzige Gewnnmitnahme kann ein Phantasiegebäude zusammenkrachen lassen. Wegen des sich daraus ergebenden Kommunikationsproblems der Händler untereinander, haben sich als Leithammel sogenannte Börsengurus etabliert. Der Wettbewerb dieser Börsengurus untereinander besteht nicht in grundsätzlich verschiedenen Auffassungen, sondern in der Bewerbung eines Marktes in ihrem Interesse und in der exakten Definition des bestmöglichen Zeitpunkt eines Ein- bzw. Austritts um dann einem anderen phantasierten Markt wieder einzusteigen.
    Theoretisch wäre so ein gefässloses phantasiertes Volumenwachstum in unbegrenzter Geschwindigkeit und Ausdehnung im Vakuum möglich, wäre nicht die 1:1 Bindung an die Realwirtschaft, die dem Volumenwachstum eine Grenze setzt. Tatsächlich sind begrenzte Gefässe notwendig um das Volumen eingrenzen und Gewinne abschöpfen zu können, was eine unendliches Volumenwachstum verunmöglicht. Daher mein Beispiel mit dem aus Habgier geplatzten Balloon.
    Die aktuellen Krisen sind meiner Meinung nach hervorgerufen durch den buchhalterischen Fehler den Volumenwert und nicht den Massewert der Finanzblase zu berechnen.

  • dank - 27. März 2012

    Mittlerweile scheint es in Mode zu kommen – nur schnell zwischen Seiten/Blogs zu zappen und dann ohne großes Reflektieren oder Beschäftigen mit dem Content schnell einen voreiligen Kommentar vorzunehmen. So manchem würde ein Benutzen der Seitensuche auch gut tun – Fragen nach bestimmten Sachverhalten ist ja das eine, aber bereits 100fach Beschriebenes als nicht vorhanden anzuprangern das andere.
    Finde es ebenso vollkommen korrekt, wenn gesperrt und gelöscht wird, noch dazu bei solch niederträchtigen und bescheuert unterirdischen Kommentaren wie heute Vormittag/Nachmittag. Und dazu haben verwirrte Meinungen einiger nicht das Recht in der Art falsche Tatsachen vorzuspielen und auf den Blog zu projizieren.
    Steffen, es ist Dein Blog – aber eine Komplettsperrung der Kommentarfunktion wäre schade, da der Großteil der Kommentatoren den Rahmen wahren, ja auch bereichern und informieren (wollen) oder Hintergrundwissen weitergeben.
    Wer weiß, vielleicht wollen (oder sollen) die DoppelplusVollhonks auch einfach eine Vollsperrung erreichen oder Steffens Motivation kaputt machen?! Was manche nicht verstehen, müssen sie entweder sabotieren, zerstören oder schlecht machen… Manchmal auch auf Geheiß.
    Vielleicht sollten diese Spezialisten einfach mal nachdenken, was es ihnen gibt, dass sie so vorgehen und nicht lieber froh sind, nicht nur auf die Mainstreams angewiesen zu sein, da ja früher oder später jeder freie Blog mit Kommentarfunktion so unmöglich wird. Ähnlich wie es den freien Gästebüchern ohne Authentifizierung in den 90ern und 00ern erging…
    Miteinander hat schon immer besser geklappt.

    • dank - 27. März 2012

      Sorry, vor lauter Emotion hab ich den zweiten Teil meines Kommentars versehentlich gelöscht, daher die Kurzform:
      SLE, danke für die Zusammenfassung der Meinungen der fünf Herren oben.

      Bei Grafik eins würde ich ein Schulter-Kopf-Schulter-Syndrom am Patienten S&P 500 vermuten, was der Money Junkies sicher die nächsten (sechs?) Monate noch gefällt…
      Reine Amateuranalyse.

  • aquadraht - 28. März 2012

    Der “Systemstart” in den 30ern hat rund 120 Millionen Menschen das Leben gekostet, im Weltkrieg, den Völkermorden der Deutschen und Japaner und den nachfolgenden Kolonialmassakern. Das bei 2,4 Milliarden Weltbevölkerung. Wieviele hundert Millionen Menschenleben soll der nächste “Systemstart” denn kosten?

    a^2

  • dank - 28. März 2012

    Da möchte ich nicht mal widersprechen – aber bei dem Vergleich drängt sich mir die Frage auf: War da nicht noch irgendwas zwischen dem Systemstart in den 30ern und den 50ern, was diesen Start erst richtig ermöglichte und auch in der Frage der Nachfrage befeuert hat? Das dazwischen hätt ich aber dann aber auch als Optimist nicht so gerne…
    Historische Parallelen zu ziehen finde ich gerade aufs Ganze bezogen sehr schwer und mittlerweile ist dank Verwebung und Vernetzung ja fast eine omnipräsente Abhängigkeit aller Einzelprobleme vorhanden.

    Der Pessimist lächelt wenn er richtig liegt innerlich und ist gefasst – wenn er falsch liegt, lacht er laut und ist innerlich enttäuscht, kann der Situation aber Gutes abgewinnen.

  • NavigatorC - 28. März 2012

    “Bald gibt es wieder ein Systemstart wie in den 30ern”

    Der Systemstart wie in den 30ern endete 1945
    mit
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kriegstote_des_Zweiten_Weltkrieges
    und hinterlies nicht viel mehr als eine Trümmerhaufen.

    “man schaue sich nur die wirtschaftliche Entwicklung nach den 50ern an.”
    Eine Wiederholung, sozusagen als sich immer wieder wiederholende Endloschleife ? Nette Theorie. Schon mal an den Preis der schwedischen Akademie für Wirtschaftswissenschaften gedacht ? Würde ganz gut zu dem sonstigen Nonsenspreisträgern passen.

    Einfach viel zu wenig bekloppte hier, die konfuse Meinungsbeiträge nicht ernst nehmen: 🙂

    NavigatorC

  • Georg Trappe: - 28. März 2012

    Und so sieht u.a. ein weiteres Ergebnis der “Fuetterung der Maerkte” aus:

    http://rwer.wordpress.com/2012/03/27/top-01-top-1-bottom-99/

    Wer glaubt man koenne die Hoheit zur Geldschoepfung privaten Geschaeftsbanken und einer “unabhaengigen” Zentralbank ueberlassen, der wird, wie im obigen Artikel und dort in Grafik 1 und 2, eines besseren belehrt. Meine These ist grob vereinfacht und in Kurzform. Seit mehreren Jahrzehnten ist das sog. Wachstum der US Wirtschaft im wesentlichen einer massiven Kreditexpansion in allen Bereichen der Wirtschaft und in Weltleitwaehrung! zu verdanken.
    Financial Engineering sei Dank.
    Das US Bankensystem hat die Geldmenge wie irre ausgeweitet. Damit wurde in grossem Umfang Konsum per Import finanziert. Die Lieferanten haben die Weltleitwaehrung akzeptiert und wieder in den USA angelegt. Das hat die Preise fuer sog. US Assets inflationiert (siehe z.B. KGVs von US Aktien vs. Non US Aktien). Gleichzeitig wurde Corporate America substanziell massiv ausgehoehlt. Sei es durch Aktivierung stiller Reserven, z.B. Immobilien verkaufen und zurueck mieten, Leveraged Buy Outs, M&As usw. usf. Diese so inflationierten und “aufpolierten” Assets wiederum dienten dem US Bankensystem als “Sicherheiten”. Das Perpetuum Mobile war erfunden! Eine positive Mitkopplung aller erster Guete. Die Dotcom Blase hat ein erstesmal offengelegt, dass es kein Perpetuum Mobile gibt. Auch nicht in den USA! Die Reaktion darauf in den USA war, Jetzt erst recht! Zinsen runter und den Kreditturbo einschalten. Das hat funktioniert. Die Asset Preise wurden reinflationiert und weil das so gut funktionierte wurde gleich der gesamte Bestand! an US Immobilien plus einer erheblichen Zahl an neuen Immobilien mit inflationiert. Auf Anweisung des damaligen Praesidenten und unter taetiger Mithilfe halbstaatlicher Fannies und Freddies und natuerlich den per irrer Boni profitierenden Alchemisten der Wall Street.

    http://articles.cnn.com/2002-06-17/politics/bush.minority.homes_1_home-ownership-home-buyers-american-dream-down-payment-fund?_s=PM:ALLPOLITICS
    (diese Artikel, aus 2002 die dies belegen verschwinden zunehmend aus dem Netz)

    Dummerweise gibt es immer noch kein Perpetuum Mobile. Es gilt immer noch, von Nichts kommt Nichts. Aber in einem Land und in einer Welt in der die Finanzoligarchie das Ruder in die Hand genommen hat, ist diese schlichte Tatsache Ketzerei. Zumal es eine sog. Wissenschaft gibt, die in ihrem Mainstream die Entstehung von unendlichem Wachstum sogar ganz ohne Finanzsektor wunderbar erklaert. Man muss nur Ersparnisse und Gewinne kontinuierlich reinvestieren, und das geht in der VGR sogar automatisch, selbst dann wenn man alles importiert und mit Weltleitwaehrung bezahlt, und schon zieht sich Muenchhausen am eigenen Schopf aus dem Sumpf. Alles kein Problem. Und wenn es dann doch mal ein Problem gibt, dann ist das ein externer Schock, der nach gaengiger Lehrmeinung in seiner Wirkung durch sog. DSGE Modelle vorhergesagt werden kann. Um seine evtl. negativen Wirkungen zu ueberwinden, muss man was tun? Genau!
    Zinsen runter und Kreditturbo einschalten. So einfach ist die Welt, wenn sie von Finanzoligarchen aka Masters of the Universe gelenkt wird. Dafuer gibt es Boni ohne Ende, und die staatliche Garantie, dass egal was passiert, man immer wieder das gleiche Spiel spielen kann. Souveraen zurueck lehnen koennen sich dabei ca. 1%. Mit dem “Rest” wird Schlitten gefahren.

    Man kann Deutschland / Europa nicht mit den USA vergleichen. Das ist richtig. Man kann aber am Beispiel USA den Mechanismus erklaeren, der die Welt an den Abgrund gebracht hat. Die USA spielen fuer die Exportweltmeister China / Japan und 86 weitere Staaten den Kunden, der Dank des Privilegs US$=Weltleitwaehrung nahezu unbegrenztes Vertrauen in Bezug auf seine Kreditwuerdigkeit geniesst. Dank FED koennen die USA nie zahlungsunfaehig werden. Das ist ein grosser und wichtiger Unterschied im Vergleich zu den Kunden Griechenland, Portugal, Spanien, Italien usw. usf..Das “einzige” was passieren kann ist eine massive Abwertung des Dollars. Die will aber keiner. Weder die USA, da dann Importe teuer wuerden, noch die Lieferanten, die schon auf enormen Bergen von US$ nominierten Anlagen sitzen, da diese dann an Wert verlieren wuerden. Die einzige Gefahr, die diesem Geschaeftsmodell droht, ist die Entstehung einer Alternative zum US$ als Leitwaehrung. Dank gezielt in Europa abgeladenem Hypotheken Schrott und einer praezisen und lange andauerenden Bombardierung der Schwachstelle des europaeischen Systems (selbstverstaerkende Rueckkopplung ueber schwache Staaten ohne Waehrungshoheit auf Banken und Bankensystem dank “risikoloser” Staatsanleihen) durch US Ratingagenturen, als auch einer aeusserst kooperativen Politik des Zoegerns, insbesondere von deutscher Seite, wurde diese Gefahr gebannt. Der Euro wird wohl nie wieder als Alternative in Betracht gezogen werden, nachdem klar ist, wie kaltschnaeuzig die europaeischen 1% ihre Staaten Pleite gehen lassen. Der lachende Dritte, aus dessen Perspektive der Westen an seiner Dekadenz zugrunde geht, ist China. Die Chinesen bauen seit Jahren mit ihren nicht US Handelspartnern Zug um Zug ganz konsequent in kleinen aber gezielten Schritten an Wegen, um den US$ als Waehrung zu umgehen. Ob das, was dabei entsteht die fundamentalen Fehler des etablierten Systems vermeidet, bezweifel ich. Denn die Troika der neoliberalen Denkfehler ist zu einer weltweiten Pest geworden. Ich sage das, weil ich nicht sehen kann, das irgendwo nur annaehernd begriffen wurde, welche heimtueckische Wirkung dieses sich gegenseitig katalytisch verstaerkende Buendel von Ursachen entfaltet.
    1. Massive und stetig fortschreitende Konzentrationsprozesse, die letztendlich die Mittel von Motivation und Kompetenz zur Problemloesung radikal abtrennen.
    2. Massive und stetig fortschreitende Produktivitatetserhoehungen, die gut bezahlte Arbeit und damit Teilhabe am Fortschritt verdraengen und so massiven deflationaeren Druck aufbauen.
    3. Uebertuenchung der Folgen durch massive Kreditexpansion bis weit ueber den Punkt hinaus, an dem das System kippt, so dass nur noch sehr einsichtige und verantwortungsvolle Eliten oder aber eine Revolution den Knoten loesen koennen.

    Nun ist die Kurzform doch etwas laenger aber ich hoffe nicht langweilig geworden.

    Viele Gruesse
    Georg Trappe

    • SLE - 28. März 2012

      Hallo Herr Trappe,

      nein, nein, langweilig ist das keineswegs. Danke für Ihre Einschätzung. Sie dürfte zum Nachdenken anregen und so soll es ja auch sein.

      Grüße
      SLE

      @ Dank
      Mit Blick auf Ihren obigen Kommentar betreffend die Kommentare hier im Blog im allgemeinen, möchte ich sagen, dass mir persönlich kritische Kommentare immer willkommen sind. Denn nur so gibt es eine Diskussion, von der letztlich jeder profitiert – die “Streitenden” ebenso wie die interessierten Leser – nur höflich sollte es bitte zugehen.

      Grüße
      SLE

    • Wolfgang R - 28. März 2012

      Hallo Herr Trappe,

      eine exzellente Analyse und Zusammenfassung, wie ich finde.
      Ich teile Ihre Auffassung und mir stellt sich die Frage, wie man dazu beitragen könnte, dass es eben nicht in der Revolution endet?

      • Georg Trappe: - 29. März 2012

        Ich fuer meinen Teil habe mich dazu entschieden, “Oeffentlickeitsarbeit” zu leisten, in der Hoffnung damit zum Vor- und Nachdenken und dann hoffentlich auch zum wohl ueberlegten Handeln anzuregen. Ich weiss nicht, wen und wieviele ich mit meiner Ketzerei erreiche. Aber wenn Artikel wie das “Fettaugensyndrom” innerhalb kurzer Zeit 1000 mal aufgerufen werden und zwar nicht durch referer spam sondern aktiv interessiert und dieser Artikel dann noch dadurch “geadelt” wird, dass die ZEIT wegen meiner Hinweise darauf mein Profil Bei ZEITOnline sperrt, dann fuehle ich mich dabei auf dem richtigen Weg. Denn das erarbeiten von Wissen und kritischem Bewusstsein ist ein prinzipielles gegen den Strom schwimmen. Und das macht Spass. Der “Achse des Guten” war lange genug die nur schwach bestrittene Deutungshoheit ueberlassen. Sie hat es vergeigt. Und zwar gruendlich. Ich schiebe mir also seit einigen Jahren in guter alter Hyde Park Tradition in der speakers corner eine soapbox in Form eines Blog / Blogkommentarbereich unter die Fuesse und stelle so meine Gedanken, Erfahrungen, Perspektiven zur Diskussion. Das foerdert hoffentlich Motivation und Kompetenz der 99% sowie Einsicht und Verantwortungsbewusstsein bei den 1%.

        Viele Gruesse
        Georg Trappe

  • Steve P. - 28. März 2012

    Hier etwas Futter für euch: http://www.voxeu.org/index.php?q=node/7789

    Die ECB hat schon jetzt kaum noch Möglichkeiten auf Inflation zu reagieren…

    • ö.ä. - 28. März 2012

      Und passend dazu:
      “Nach Ansicht von Daniel Stelter, Berater der Boston Consulting Group, befinden wir uns “auf dem Weg in die Pleite”. Insbesondere die Eurozone befinde sich in einem Teufelskreis: “Die hohen Schulden drücken das Wachstum, bei stagnierender oder sogar schrumpfender Wirtschaftsleistung ist es unmöglich, die Schulden abzubauen. Die Probleme werden immer größer statt kleiner”, sagte er im Interview mit dem “manager magazin”.
      vor 18 Min (13:06) – Echtzeitnachricht”

      http://www.boerse-go.de/jandaya/#!Ticker/Feed/?Ungefiltert
      sowie
      “Wachstum der Geldmenge im Euroraum zieht überraschend an”

      http://www.boerse-go.de/nachricht/Wachstum-der-Geldmenge-im-Euroraum-zieht-ueberraschend-an,a2792424.html

    • SLE - 28. März 2012

      Hallo Steve P.,

      vielen Dank für den Hinweis. Tornell und Westermann haben m.E. sehr schön dargelegt, was für die EZB mit Blick auf die Möglichkeiten der Inflationsbekämpfung das Problem ist. Ich vermute, dass ist es auch, was Jürgen Stark in dem oben unter Ziffer 3 verlinkten HB-Interview anspricht – allerdings nicht so direkt.

      Grüße
      SLE

  • schnauzevoll - 28. März 2012

    Seid nicht so streng mit den Simpsons! Es ist für viele eine schwere Zeit und die Emotionen sind menschlich. Man weiß nie, inwiefern jemand vielleicht direkt betroffen ist. Das knallharten Analysen da wenig Trost spenden, ist klar. 😉 Ich kann das durchaus nachvollziehen und ich denke auch nicht, dass er, wie manche Schnellschießer hier annehmen, Menschenleben zwischen nah und fern gegeneinander ausspielen wollte, sondern vielmehr darauf aufmerksam machen wollte, dass das Problem verflixt nah ist, vor der eigenen Haustüre sozusagen! Für mich spricht Angst aus dem Kommentar. Und das sollte man hin und wieder auch bedenken, bevor man jemanden in schon peinlicher selbstgefällig “abkanzelt”.

    Das sollte auch keine Motivation killen, sondern einen Ansporn darstellen, wenn man zur Selbstkritik fähig ist, was ich voraussetze. Ich finde den Blog hier sehr gut. Er zeigt im Prinzip anhand von Analysen sehr detailiert auf, was in den Medien verschwiegen oder vertuscht wird. Es wäre bedauerlich und befremdlich, wenn man diesen aufgrund unbedachter und emotional begründeter Kommentare nicht weiterführen wollte oder wird. Also, weiter so!

    • dank - 28. März 2012

      Soll(te) auch kein Bashing werden, nur gabs die letzten paar Wochen vermehrt, zwar wegen anderer Themen immer wieder Ärger und hartnäckige Gemeinheiten, die ganz sicher weder der Blog, noch Steffen verdient haben. Leider ists auch so, dass manchmal klare Worte benötigt werden – Wattebauschwerfen ist zwar momentan zeitgemäß, aber damit wird nie was besser…
      Finde auch gut, dass sich gleich einige melden und die Kommentare nicht so stehen lassen – wenn man so will, ist das auch eine Brandmauer, die dann um den Blog gezogen wird, sonst müsste jeder Kommentar administriert werden und das heißt
      a) nicht unerheblich Zeitaufwand
      b) Zeitverzögerung\Leiden der Aktualität
      c) daraus resultierend Zeitmangel für Artikel, den Sinn eines Blogs
      Im Web alles schlecht.
      Da hat Schwarmreaktion richtig Sinn.
      Mir gehts doch ebenso, dass mir manchmal die Emotionen (auch hier) hochkommen – aber mir würde nicht einfallen diese gegen den Blog; den Inhalt (und damit Steffen) zu richten. Lieber gegen die Missstände die aufgezeigt werden.
      Und ja, es ist “vor der Haustüre” – und wir können in Zeitlupe zusehen, wie das immer weiter vordringt. Nicht schön. Beunruhigend. Und insgesamt traurig, dass es zugelassen wird oder gewollt ist. Überreißen können wir es momentan noch nicht, was es wirklich heißt. Die bereits gefilterten Bilder und Berichte, die uns von den Brandherden erreichen, sind schlimm und waren nicht vorstellbar. Und die meisten die sich mit dem Thema befassen werden fassungslos mitfühlen, mit Wut – da bin ich mir sicher. Aber der Blog ist die falsche Adresse um diese Wut abzubauen. Dann lieber die Straße, Brandbriefe und Druck auf die Politiker oder auf alle die glauben, dass es TINA ist…

    • ö.ä. - 28. März 2012

      “Seid nicht so streng mit den Simpsons! Es ist für viele eine schwere Zeit und die Emotionen sind menschlich. Man weiß nie, inwiefern jemand vielleicht direkt betroffen ist. Das knallharten Analysen da wenig Trost spenden, ist klar. 😉 Ich kann das durchaus nachvollziehen und ich denke auch nicht, dass er, wie manche Schnellschießer hier annehmen, Menschenleben zwischen nah und fern gegeneinander ausspielen wollte, sondern vielmehr darauf aufmerksam machen wollte, dass das Problem verflixt nah ist, vor der eigenen Haustüre sozusagen! Für mich spricht Angst aus dem Kommentar. Und das sollte man hin und wieder auch bedenken, bevor man jemanden in schon peinlicher selbstgefällig “abkanzelt””

      Ja Emotionen sind menschlich, und wenn “Die Simpsons” Angst hat, sollte man das durchaus ernstnehmen. Und ja man weiß auch nicht, inwiefern jemand vielleicht direkt betroffen ist. Als Studentin bekomme ich weniger als Hartz IV und hab bestimmt auch schon so manche schlaflose Nacht hinter mir, in der ich mir Sorgen gemacht habe, wie ich die nächste Rechnung bezahlen soll. Aber greife ich deswegen jemanden hier an, weil er zu wenig Feingefühl zeigt (Was m.E. NICHT der Fall ist)? Wenn sich “die Simpsons” z.B. mal die Artikel über die Jugendarbeitslosigkeit in den krisengeschüttelten Staaten durchgelesen hätte, wäre ihm oder ihr wohl aufgefallen, das dem Ersteller das Schicksal der Menschen nicht kalt lässt, wenn er eine immens hohe Jugendarbeitslosigkeit als “Schande” bezeichnet. Vor diesem Hintergrund wage ich zu behaupten, dass nicht ich der “Schnellschießer” war. Und finde einfach den Vorwurf ungerecht. Bitte erklären Sie mir, womit ich “die Simpsons” “in schon peinlicher [Weise vermute ich mal] selbstgefällig abgekanzelt habe”.
      Sie fordern mehr Kritikfähigkeit. Dann verstehe ich das Problem nicht, wenn ich kritisiere, dass es keinen Unterschied macht, wo Leute auf der Welt nach der gleichen Logik wie ein altes Kaugummi ausgespuckt werden und leiden. Denn Mensch ist Mensch egal wo. Und auch Angst als Motiv für den Kommentar, – ist menschlich verständlich – negiert doch aber die Aussage, die Ersteller der Artikel würden die mikroökonomischen Folgen ignorieren. Denn da geht es dem Kommentator doch auch “nur” um die Beschwichtigung der eigenen Angst und nicht um die Menschen selbst.

      Ich finde Querschüsse ist einer der wenigen Blogs, wo gerade auch die menschliche Perspektive immer wieder aufgenommen wird, wenn auch nicht immer direkt in den Artikeln, so aber in den Kommentaren. Und es wäre überaus schade, wenn hier kein Raum mehr für Diskussionen wäre.

      • ö.ä. - 28. März 2012

        Edith zum besseren Verständnis: Mit “Und finde einfach den Vorwurf ungerecht” meine ich den Vorwurf von “Die Simpsons” an SLE.

  • M.E. - 28. März 2012

    Hallo NavigatorC,
    nein, es wird keine Endlosschleife geben. Folglich auch keinen Systemneustart im herkömmlichen Sinne nach einem Kollaps mit nachfolgender jahrzehntelandger Wachstumsphase.
    Denn:
    es gibt heute über 7 Milliarden und bald über 9 Milliarden Menschen, und nicht 2,5 bis 3 Milliarden wie damals,
    die natürlichen Ressourcen befinden sich in größeren Teilen der Welt im Erosionszustand,
    die nicht recyclebaren Energierohstoffe streben ihrem Verfügungsmaximum zu,
    die Dominanz des Westens ist nahezu beendet oder wird zumindest in absehbarer Zeit Geschichte sein,
    die Komplexität des Gesamtsystems der Weltgesellschaft ist noch deutlich höher und die Globalisierung intensiver, was das potenzielle Strukturzerstörungspotenzials eines umfassenden Finanzmarktkollapses deutlich erhöht,
    der Bewaffnungsgrad der Staaten, Milizen und und unzähliger Privatpersonen ist erheblich höher und potenziell zerstörerischer.

    Aus der Geschichte lernen heißt also in dieser speziellen Hinsicht irren lernen.
    Ansonsten ist es natürlich immer hilfreich, geschichtliche Lehren zu befolgen.

  • schnauzevoll - 28. März 2012

    @ö.ä.
    Na, man sollte sich selbst weniger wichtig nehmen, den ich habe keinen direkt angesprochen. 😉 Ausserdem kann ich von ö.ä. nur einen Zweizeiler entdecken, der schon per Definition gemeint sein kann. Nicht jeder Kommentar war verhältnismäßig, Punkt. (Basta!) 😀 Aber natürlich habe ich auch dafür Verständnis und ich finde es gut, dass der Blog entsprechend gestützt wird! Mir ging es nur darum festzuhalten, dass nicht jeder eine starke Persönlichkeit ist und mit allem so gut fertig wird. Ich kenne aus meinem entfernten Bekanntenkreis einige, die mittlerweile beim Psychologen darüber sprechen, warum sie Angst vor der Zukunft haben und sich dem harten gesellschaftlichen Leistungsdenken nicht mehr gewachsen fühlen. Machen wir es hier nicht genauso, wie die Sozialdarwinisten da draußen und nehemn wir die Schwachen an die Hand und führen sie (Sozialkompetenz)! Das war gemeint und sonst nichts. Und keiner geht hin und studiert jahrelang einen Blog, bevor er sich zu einem Thema – wie auch immer – zu äußern gedenkt. Das macht niemand. Und das meine ich u.a. mit Selbstreflexion. Es ist nicht unüblich in Deutschland, bei anderen den Moralapostel zu geben und Zuhause seine Frau zu schlagen. 😉 Aber das ist ein anderes Thema.

    Das Steffen hier eine hervorragende Leistung abspult, braucht man nicht erwähnen, das weiß jeder, der hier regelmäßig liest. Und nicht umsonst wird der Querschuss auch auf den Nachdenkseiten regelmäßig verlinkt. Von daher werde auch ich mich im Rahmen meiner Möglichkeiten bemühen, dass der BLOG erhalten bleibt.

    Und nun konzentriert Euch wieder auf den Feind, TINA und neoliberales Gedankengut allgemein. 🙂

  • frank_meck - 28. März 2012

    @simpsons hat ein wichtiges Thema angesprochen
    “Die Selbstmordrate steigt in den Krisenländern und Griechenland wird gerade geplündert. In Portugal stehen Kassenautomaten in den Krankenhäusern und an den Tafeln kann man die Preise sehen. Die Leute verarmen und sterben in den PIIGS und demnächst auch bei uns.”

    Das wäre ein interessantes neues Kapitel im Schwarzbuch des Kapitalismus insbesondere für Statistiker. Wie war die Selbstmordrate in den 70-iger Jahren und heute und wieviele Menschen sind dadurch in Westeuropa statistisch gesehen umgekommen ? Auch ist die Lebenserwartung z.B. in Russland deutlich niedriger als in der Sowjetunion. Auf den Friedhöfen Massen von Gräbern von Leuten unter 60. Das Besondere daran – die erscheinen in keiner Statistik, die die Auswirkungen des Kapitalismus beschreibt.

  • M.E. - 28. März 2012

    Im Schwarzbuch des Kapitalismus wären zum Beispiel auch die 15000 Kinder aufgeführt, die TÄGLICH an Unterernährung sterben.
    Nicht, weil ungenügend Nahrungsmittel hergestellt würden, sondern weil sie ungerecht verteilt werden, vernichtet werden und unsachgemäß verwendet werden.

    Und im umfassenden Schwarzbuch des Kapitalismus würden wir alle, die wir hier durchaus zurecht den Kapitalismus kritisieren, global gesehen auf der Täterseite erscheinen im Personenanhang.
    Natürlich mit dem Hinweis, dass es noch deutlich üblere Täter gibt.

    Ich bitte bei der nun einsetzenden Steinigung die kleineren Kieselsteine zu benutzen.

    • Aber - 28. März 2012

      Die Schuldfrage ist eine sehr schwere. Den Wahnsinn richtig zu verorten ist noch viel schwerer.
      Sind nur die Weißen Schuld? Oder die Zivilisation oder eine bestimmte Art von Zivilisation?
      Warum haben nur bestimmte Zivilisationen derart aggressives und zerstörerisches Potential entwickelt? Warum wird unsere Kultur als die Beste angesehen, obwohl sie die zerstörerischste und lebensverachtendste ist? Ist Kultur gleichbedeutend mit Naturzerstörung und Entfremdung?
      Was für ein Drang steht hinter Kapitalismus/Sozialismus, Warenproduktion, Produktion zum Selbstzweck, Arbeit (zum Selbstzweck)?
      Was für Gemeinsamkeiten gibt es über die Jahrtausende in der Sklavenhalter- und Ausbeuterkultur (meine Ansicht über unser System)? Wie äußern sich diese Gemeinsamkeiten z.B. in der Architektur, der Mode, der Lebensweise, den Ansichten, Der Sprache, den Floskeln, der SIchtweise uaf die Natur und das Leben?
      Wer setzt die Vorstellungen um, die wir um uns herum sehen? Welche Vorstellungen sind die vorherrschenden auf der Welt? Welche Ideen werden umgesetzt und wer hat diese Ideen in die Welt gesetzt? Welche Welt versuchen wir über die natürliche Welt zu stülpen. Wer bestimmt die menschliche Matrix, die über die “göttliche” Matrix gelegt wird?
      Wer ist wirklich Schuld und wer läuft nur mit? Wer merkt überhaupt noch in was für einer Welt wir leben?
      Bei Interesse, aber erschütternd:
      Kirkpatrick Sale, Das verlorene Paradies, Christoph Kolumbus und die Folgen (hervorragend)
      Eduardo Galeano, Die Füße nach oben, Zustand und Zukunft einer verkehrten Welt
      Derrick Jensen, Culture of Make Believe
      Zygmunt Baumann, Dialektik der Moderne, Die Moderne und der Holocaust
      Raul Hilberg, Die Vernichtung der europäischen Juden
      S.E. Anderson, Black Holocaust for Beginners

      Erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, aber meiner Meinung nach zeigen diese Bücher bestimmte Parallelen und Gemeinsamkeiten, die es wert sind erörtert und analysiert zu werden.

  • Bernd Rickert - 28. März 2012

    “Und im umfassenden Schwarzbuch des Kapitalismus würden wir alle, die wir hier durchaus zurecht den Kapitalismus kritisieren, global gesehen auf der Täterseite erscheinen im Personenanhang.”

    Mir persönlich fällt es immer sehr schwer über andere zu urteilen.

  • M.E. - 28. März 2012

    Hallo Bernd Rickert,
    sehr ehrenwert, die Zurückhaltung bei der Beurteilung Anderer.
    Aber: jeder, der einen Lebensstil ab dem Level eines Normal-Mitteleuropäers pflegt, befindet sich automatisch auf der Täterseite. Denn dieser Lebensstil ist multipliziert mit 7 Milliarden schlicht nicht annähernd realisierbar. Und ist nur deshalb aufrecht zu erhalten, indem wir Milliarden andere Menschen zuverlässig von einem auch nur annähernd gleichen Lebensstil ausschließen.

    Für alle Einsiedler und Asketen, die hier mitdiskutieren, gilt das von mir Geschriebene natürlich nicht.

    • Georg Trappe: - 29. März 2012

      Das ist so. Und keiner konnte sich aussuchen wo, wann und in welche Verhaeltnisse er hinein geboren wurde. Die Kinder von Bill Gates nicht und die 7 Mrd. andern auch nicht. Mit zunehmender Lebenserfahrung sollte sich der Horizont aber erweitern. Insbesondere dann wenn man z..B. als Kosmopolit ueber Globalisierung spricht auch durchaus ueber den eigenen Freundes- und Kulturkreis hinaus. Und dann nimmt man das, was Sie sagen wahr. Und dann stellt sich die Frage, wie gehe ich damit um? Und die Antwort laeuft auf eine der fuenf prinzipiellen Optionen, die Robert K. Merton in seiner Anomie Theorie in einem ganz anderen Zusammenhang sehr schoen heraus gearbeitet hat hinaus.
      http://de.wikipedia.org/wiki/Anomie
      1. Konformitaet
      2. Innovation (in einem durchaus weit gefassten Sinn;-)
      3. Ritual
      4. Rueckzug
      5. Rebellion
      Und da darf sich zu naechst mal jeder selber moeglichst ehrlich einsortieren.
      Aber dann sollte keiner vergessen, dass es vier weitere Optionen gibt, die er als freier Mensch fuer sich und vollverantwortlich fuer alle Konsequenzen die daraus entstehen, abgelehnt hat. Und das ist das was die liberalen “Freiheitskaempfer” mit TINA untergraben. Das Bewusstsein ueber die immer bestehenden Optionen und Alternativen sowie die Verantwortung eines jeden einzelnen fuer die Konsequenzen seiner Wahl.
      Waeren das Bewusstsein ueber die Optionen und das Verantwortungsgefuehl geschaerft anstatt durch mediales Trommelfeuer sediert, dann waere in meiner Vorstellung schon viel erreicht, denn dann wuerden etliche halb lang machen und die zurueck pfeifen, denen die Welt offenbar nicht schnell genug den Bach runter geht. Dieses deaktivierende in die Opferrolle draengen und auch das sich draengen lassen ist uebel. Denn selbst wenn die Huette brennt und die Eliten ganz offensichtlich mit Benzin loeschen, moechte man lieber nicht mit einem der zwei Eimern Wasser in der Hand auffallen.

      • ö.ä. - 29. März 2012

        Guten Morgen Herr Trappe,

        “Und da darf sich zu naechst mal jeder selber moeglichst ehrlich einsortieren.”

        Nicht unbedingt denn die 5 Optionen sind ja eher Reaktionsmuster der unteren Schichten einer Gesellschaft, denen die Mittel fehlen bzw. einen erschwerten Zugang zu Mitteln haben, um die von der Gesellschaft angestrebten Ziele zu erreichen.

        Gruß

      • ö.ä. - 29. März 2012

        Wenn Sie sich mit Divianztheorien beschäftigen, kennen Sie sicherlich auch den Labeling Approach – Ansatz, dieser geht ja bisher nur von Individuen aus, aber vielleicht ließe sich dieser auch auf die soziologische Makroebene übertragen. Unter diesem Gesichtspunkt die Position der Krisenstaaten als “Defizitsünder” zu betrachten, wäre doch mal interessant.

        • Georg Trappe: - 30. März 2012

          Mir ging es weniger um Devianz. Ich bin bei meinem Interesse fuer Fruehkapitalismus ueber Durkheim und den Begriff Anomie gestolpert. Und habe das dann bei Merton wieder gefunden.
          Ich finde es in der laufenden Diskussion passend, weil es die Handlungsoptionen strukturiert aufzeigt, die durch die radikale Abtrennung der Mittel von Mehrheiten und dadurch von Motivation und Kompetenz verdeutlicht. Wer ungehemmte und stetig fortschreitende wirtschaftliche Konzentrationsprozesse ungehemmt zulaesst oder gar befeuert, muss sich im klaren sein welche Handlungsoptionen die davon betroffenen haben. Die Betroffenen selber sollten sich auch darueber im klaren sein und sich nicht in eine der Optionen mit dem Argument Alternativlosigkeit draengen lassen.
          Wir sind freie Menschen, die verantwortlich ihren Beitrag / ihre Rolle im zentralen Lebensbereich Wirtschaft gestalten. Wir koennen uns nicht auf Befehl und Gehorsam oder propagierte Alternativlosigkeit heraus reden. Es gibt diese fuenf prinzipiellen Optionen.

          • ö.ä. - 30. März 2012

            Da stimme ich Ihnen zum großen Teil zu, aber bedenken Sie was nach dieser Theorie die Ziele sind. Wenn ich Sie richtig verstehe, müssten diese sich auch verändern, um eine in Ihrem Sinne erstrebenswerte Entwicklung einzuschlagen.

  • M.E. - 29. März 2012

    Stimme ich zu, Georg Trappe.
    Übrigens: für mindestens 2 Milliarden Menschen gehören WIR auch zur Elite. Die Definition, wer Elite ist, wird immer vom eigenen Nullpunkt im Koordinatensystem bestimmt. Für das ärmste Drittel der Menschen bildet mindestens das bessergestellte Drittel der Weltbevölkerung die “Elite”.
    Und für den, der 100000 Euro im Jahr verdient, sind halt die Einkommensbezieher über 300000 Euro die Elite. Man muss ja immer etwas Sicherheitsabstand lassen, um nicht selbst aus Versehen in diese verachtenswerte Gruppe von Menschen reinzurutschen.

    • Georg Trappe: - 30. März 2012

      Die Falle der selbstzentrischen Sicht besteht, da stimme ich Ihnen zu. Aber wenn man sich klar macht, das Wirtschaft ein Mannschaftssport ist, indem jeder von uns gleichzeitig Spieler, Schiedsrichter und Zuschauer ist, dann sollte man sich schon ueberlegen, was man tut bzw. tun will, wenn man sich vor dem Anpfiff ein sechstelliges Gehalt verhandelt. Denn das liegt um ein Vielfaches ueber dem Durchschnitt hiesiger Mitspieler und um ein zigfaches ueber dem was der Durchschnitt des globalen Teams beansprucht.

      Und wenn derart “Verhandlungsgeschickte” dadurch reihenweise auffallen, dass sie als Spieler nicht wissen, wo das Tor steht, als Schiedsrichter die Regeln nicht kennen und als Zuschauer vorwiegend in der VIP Lounge ihr tolles Gehalt versaufen, dann ist etwas mehr als ein Ordnungsruf meiner Meinung nach durchaus angebracht.

      Hinzu kommt, das selbst Clinton eingesehen hat, das es mehr als unklug ist etwas zu tun oder ein Potential auszuschoepfen, nur weil es moeglich ist. Leider war die “Unschuld” da schon befleckt.

      Viele Gruesse
      Georg Trappe

  • Georg Trappe: - 30. März 2012

    @oe.ae. (Entschuldigung,habe leider keine Umlaute auf meiner Tastatur)
    Eine Diskussion ueber die Ziele findet doch garnicht mehr statt. Wird sogar durch behauptete Alternativlosigkeit unterbunden. Oder habe ich was verpasst?
    Und Ziele, wie Wohlstand fuer alle, sind verschwunden.
    Es gab auch mal magische Drei- oder Vierecke, durch die das Bewusstsein fuer Konflikte zwischen den Zielen eines Zielbuendels gewahrt wurde.
    Wachstum, Vollbeschaeftigung, Preisstabilitaet und ausgeglichene Aussenbilanz.
    Habe ich noch im Fach Wirtschafts- und Sozialkunde 10. Klasse gelernt.
    Faellt Ihne was auf?
    Es gab Zeiten, da war man sogar schon soweit unter Wachstum, qualitatives Wachstum, soetwas wie Entwicklung zum Besseren, was nicht unbedingt immer mehr bedeuten muss, in dieses Zielbuendel aufzunehem.
    Alles verschwunden. Warum? Wohin? Dank welchen demokratisch herbei gefuehrten Konsenses? Unter wessen Partizipation?
    Da wurden Kanzler mit Visionen zum Arzt geschickt. Da wurde geistig moralisch gewendet. Sogar schon vor Kohl.

    • ö.ä. - 30. März 2012

      Es geht aber in dieser Theorie um die Ziele der Bevölkerung, nicht um die Ziele, die von der Politik vorgegeben werden. Das Ziel der Mehrheit der Bevölkerung ist doch immer noch Wohlstand zu erreichen, oder weshalb sonst ist es noch immer in breiten Teilen dieser verpönt, den Kapitalismus infrage zu stellen? Viele Menschen denken doch, dass dieser darauf ausgerichtet ist, ihnen Wohlstand zu verschaffen. Erschwerend kommt m. E. hinzu, dass breite Schichten die politischen Maßnahmen nicht richtig einordnen und denken diese seien ihren Zielen zuträglich. Von einem nicht vorhandenen Bewusstsein/ Verdrängung der Folgen für die Ärmsten der Armen, oder deren Position in diesem Gesamtgefüge ganz zu schweigen.

      Kurz gesagt: Ich glaube das größte Problem in diesem Zusammenhang ist, dass die Menschen, die in der Zukunft am meisten von den derzeitigen Entwicklungen gebeutelt werden, (noch) nicht erkennen, wo die Probleme liegen und dass die Ziele eventuell überdacht werden sollten.

      • Georg Trappe: - 31. März 2012

        “Kurz gesagt: Ich glaube das größte Problem in diesem Zusammenhang ist, dass die Menschen, die in der Zukunft am meisten von den derzeitigen Entwicklungen gebeutelt werden, (noch) nicht erkennen, wo die Probleme liegen und dass die Ziele eventuell überdacht werden sollten.”


        Ich stimme mit Ihnen ueberein. Nur wuerde ich sagen die Ziele muessen! diskutiert und ueberdacht werden. Und man muss sich fragen, woran liegt es denn, dass die , die betroffenen sein werden, nicht klar erkennen koennen wo die Probleme liegen.?
        Und so ganz dumm sind die Menschen ja nicht. Erinnern wir uns nur einmal, welche Hoffnungen in Obama und sein “Change” gesetzt wurden (Berlin, Sigessaeule). Und daher glaube ich, das ein grosses Potential freigesetzt werden koennte, wenn die politische und wirtschaftliche Vision nicht auf Restauration von Vorkrisenzustaenden abzielen wuerde, sondern die Bewaeltigung ursaechlicher Probleme ins Visier nehmen wuerde. Die Leute riechen den Braten aber sie werden in den Wald geschickt. Die Leute wuerden mit Begeisterung mitmachen, wenn sie einen glaubwuerdigen Weg aufgezeigt bekaemen, der die realen und bedrueckenden Probleme adressiert und nicht nur die Lasten aus “Buchhaltungsfehlern” nach unten verteilt. Auch wenn dieser Weg mit Lasten und Risiken behaftet waere. Die Eliten muessten mit gutem Beispiel voran gehen und die Lasten des Schrottpapierbetrugs und seinen Folgen muessten, wenn schon nicht nach dem Verursacherprinzip dann nach dem Tragfaehigkeitsprinzip geschultert werden.
        Das ist das, was man unter Verantwortung und Sozialpflichtikeit des Eigentums mindestens einfordern koennen muss. Ansonsten ist eine Gesellschaft durch korrumpierte Eliten blockiert und nicht mehr faehig Krisen und ihre ursaechlichen fundamentalen Probleme zu bewaeltigen.
        Dann ist das Fleisch willig aber der Kopf! zu schwach.

        • ö.ä. - 31. März 2012

          “Und daher glaube ich, das ein grosses Potential freigesetzt werden koennte, wenn die politische und wirtschaftliche Vision nicht auf Restauration von Vorkrisenzustaenden abzielen wuerde, sondern die Bewaeltigung ursaechlicher Probleme ins Visier nehmen wuerde.”

          Ich denke auch, dass man viele Menschen begeistern könnte etwas Neues aufzubauen, aber daran scheint niemand in den oberen politischen Reihen interessiert zu sein. Das alte System, dass für diese Leute (und zugegeben für die meisten Menschen in den Industrienationen über eine – gemessen an der Lebensspanne -) lange Zeit gut lief, soll repariert werden. Nur wird ignoriert, dass man das nicht mit der Bekämpfung der Symptome schafft, weil die Fehler in der Funktionsweise des Systems liegen und dass sich die Rahmenbedingungen (schwindende Ressourcen, demographische Entwicklung) geändert haben. Um auf die Herausforderungen zu reagieren, bräuchte man ein neues System (nur meine Meinung), aber das wird immer als Unsinn verunglimpft.
          “Und man muss sich fragen, woran liegt es denn, dass die , die betroffenen sein werden, nicht klar erkennen koennen wo die Probleme liegen.?”
          Ich denke es liegt u.a. daran, dass man, wie oben ausgeführt, eigentlich nichts ändern möchte.
          Und so ganz dumm sind die Menschen ja nicht.”
          Das stimmt. Aber die Menschen bekommen eine kritische Sichtweise auf die Funktionsweise von Politik und System nicht vermittelt. Und sind sie erst im Arbeitsleben, ist es zu mühselig sich Informationen zu beschaffen, diese richtig zu interpretieren und diese so auch kritisch zu beleuchten. Zudem sind die Menschen dann meist auch schon zu verhaftet in den Zwängen, die vom System ausgehen (sie haben vielleicht eine Familie gegründet, die sie ernähren müssen, Kredite für ein Auto oder ein Haus aufgenommen, die abbezahlt müssen), und nehmen es als gegeben hin.

          Zudem fehlt noch die unmittelbare Bedrohung, als Anreiz etwas zu ändern.

          • Georg Trappe: - 1. April 2012

            Das bequeme, beharrende, konservative und konforme Verhalten, steht den dringend notwendigen Aenderungen im Weg. Ich denke da sind wir uns einig. Aber das alte Rezept, das ja durchaus seine Erfolge fuer sich verbuchen konnte, wird zunehmend zur Bedrohung. Was nicht verstanden ist, ist die Bedeutung von Entwicklung. In einer Wiederaufbauphase sind bestimmte Rezepte, Verhaltensweisen erfolgreich. Wenn aber die Wirtschaft in eine Phase der Reife eintritt bedarf es anderer Rezepte und Verhaltensweisen. Wenn diese Faehigkeit zur Erneuerung verloren geht, dann verliert die Gesellschaft die Faehigkeit der Anpassung, erstarrt zunehmend und wird dann irgendwann von den Ereignissen ueberollt. Das kann nicht das Ziel sein.
            Die laehmende Wirkung der stetig voranschreitenden Konzentrationsprozesse auf allen Ebenen ist nicht verstanden. SLE koennte Ihnen da sicher viel mehr sagen als ich.
            Er ist da der Experte.

            Der Mangel an kritischer Diskussion und Aufklaerung ueber Funktionsweise von Politik und System ist wirklich schlimm.
            Was die Medien da anrichten geht auf keine Kuhhaut. Auch das Verhalten des Mainstreams der sog. Wirtschaftswissenschaften ist da massiv zu kritisieren. Denn das ist ja die Stelle, wo eine hochkaraetige, kritische und unabhaengige Auseinandersetzung stattfinden sollte und deren Ergebnisse dann in die Lehre einfliessen sollten. Wenn ich sehe, wie dort mit kritischer, vom etablierten abweichender Arbeit umgegangen wird, dann schuettels mich. Ich kenne das so nicht aus den Naturwissenschaften.

            Die Zwaenge, die sich aus unkritischem, systemkonformen Verhalten ergeben sind mir hinlaenglich bekannt. Ich kann den Einzelnen aber nicht aus seiner Verantwortung fuer seine Lebensgestaltung entlassen. Was man machen kann ist dafuer zu werben, das mehr fuer Bildung (in einem weiten Sinn) als fuer Marketing (=Antibildung) ausgegeben wird. Man kann dafuer werben das Bildung mehr als Ausbildung zur Kritikfaehigkeit verstanden wird und nicht nur zum Auswendiglernen von systemkonformem Wissen verkommt. Wenn eine Gesellschaft wandlungsfaehig und entwicklungsfaehig bleiben will, dann ist Lern- und Kritikfaehigkeit auf allen Ebenen gefordert. Und mit Lernfaehigkeit meine ich nicht die Faehigkeit Gedichte oder historische Daten auswendig lernen zu koennen, sondern die Faehigkeit aus Beobachtungen zutreffende Schluesse ziehen zu koennen.

            Bedrohung als Anreiz sehe ich kritisch mindestens genau so kritisch wie Stimulierung von Gier als Anreiz, da werden Menschen moeglicherweise durch Angst bzw. Gier zu etwas getrieben, was sie nicht wollen. Wachruetteln und zum selbststaendigen Denken und zum wohl ueberlegten, verantwortungsvollen Handeln anzuregen erscheint mir da doch die bessere Wahl.

          • ö.ä. - 1. April 2012

            Hallo Herr Trappe,

            da stimme ich Ihnen zu.

            “Bedrohung als Anreiz sehe ich kritisch mindestens genau so kritisch wie Stimulierung von Gier als Anreiz, da werden Menschen moeglicherweise durch Angst bzw. Gier zu etwas getrieben, was sie nicht wollen.”

            Vielleicht haben Sie mich da falsch verstanden. Ich meinte nicht, dass Angst geschührt werden soll, sondern dass die Menschen ein besseres Gespür für Bedrohungen haben sollten, die aus dem Festhalten am Status quo resultieren.

  • Ergo Sum - 31. März 2012

    @ Georg Trappe:
    Stimme mit Ihnen überein, dass der Euro seit dem Schuldenschnitt nicht mehr als alternative Leitwährung in Betracht gezogen werden kann.

    Hinsichtlich der Ex- und Importstatistiken einzelner Nationen sollte man wohl die globalisierte Industrie bedenken, die diese Statistiken ihres Aussagewerts beraubt hat. Wenn eine US-Siemensfabrik nach Mexiko liefert, zählt dies als US-Export. Wenn GM aus China nach Indonesien liefert, gilt dies als chinesischer Export. Unter den 50 weltgrößten Firmen befindet sich keine deutsche, unter den 100 weltgrößten nur 2 deutsche Firmen. Die 100 weltgrößten Firmen aber sind es, die völlig globalisiert sind. Viele operieren in mehr als 100 Ländern, die ganz großen sogar in bis zu 200 Ländern.

    Was da so heute weltweit hin- und her exportiert wird, lässt sich schwerlich einem spezifischen Staat zuschreiben. Aber es erscheint immer in den Bilanzen AM FIRMENSITZ. Viele globalisierte US-Großfirmen haben aber heute ihren Sitz im Ausland, z.B. in der Schweiz, einige weltweite US-Großfirmen haben gar keine Operationen mehr in USA. Wie soll man all dies in den Exportstatistiken erfassen? Die uns von den jeweiligen Regierungen gelieferten Daten ergeben mithin ein Bild, das der Realität einfach nicht mehr entspricht.

    Gruß, Ergo.

  • Georg Trappe: - 31. März 2012

    Ich habe auch meine Probleme mit der einen oder anderen Zahlensau die mit zwei Stellen hinter dem Komma durch das Dorf getrieben wird, angesichts der Genauigkeit der Mess- / Erhebungsmethoden. Der Beitrag, den Querschuesse / Steffen hier leistet, liegt aber darin, diese zum Teil sicherlich mit Fehlern behafteten Einzeldaten/ Zeitreihen zu visualisieren, um so Trends und Zusammenhaenge sichtbar zu machen. Und er weisst ja auch oft genug darauf hin, dass es an einigen Stellen nicht zusammen passt. Das grosse Bild, was dabei entsteht, wenn man sich damit intensiver beschaeftigt, halte ich fuer viel realistischer als vieles andere und es steht im krassen Widerspruch zu dem Bild, was entstehen muss, wenn man nur die, mit viel Blabla verzierten, Fragmente der Mainstreammedien Revue passieren laesst.
    Ich denke ein gewisses Misstrauen ist durchaus angebracht. Und daher sind auch Plausibilitaetspruefungen notwendig und die ueblichen “Feinheiten”, wie Aenderungen der Erhebungsmethode, das von mir so geliebte “gegeneinander Aufrechnen”, unterdrueckte Nullpunkte in der Darstellung, Relativierung/ Skalierung mit wackligen Bezugsgroessen etc. zu beachten. Aber das Ganze pauschal in Frage zu stellen, halte ich fuer in etwa so hilfreich, wie die Behauptung die Mondlandung haette in einem geheimen Hollywoodstudio statt gefunden.

  • Ergo Sum - 1. April 2012

    Stimme Ihnen bei — aber die große Linie bleibt dennoch deutlich erkennbar. Der Schwerpunkt des Welthandels hat sich unzweifelhaft vom Atlantik zum Pazifik verlagert, an dessen Rand vier Fünftel der Menschheit leben. Das lässt sich nun mal nicht weg argumentieren oder pauschal in Frage stellen.

    In diesem Zusammenhang sind auch die Pressemeldungen zur BRICS-Konferenz in New Delhi (und die panischen Leserkommentare dazu) recht aufschlussreich. BRICS bedeutet noch lange nicht gleich den Untergang des Abendlandes. Es handelt sich um 5 Entwicklungsländer, denen es heute teilweise besser geht, aber sie heben die Welt nicht aus den Angeln, nur weil sie eine Interessengemeinschaft gründen. Zudem sind ihre Interessen sehr unterschiedlich.
    Gruß, Ergo

    • Georg Trappe: - 1. April 2012

      Die stark zunehmende Bedeutung des pazifischen Raums ist unbestritten.
      Wenn der Schwerpunkt hier auf Querschuesse auf Fakten und Daten aus Europa und USA liegt, dann heisst das sicherlich nicht, dass es den pazifischen Raum nicht gibt. Ich denke es ist Ausdruck einer massiv unterschiedlichen Zugaenglichkeit. Wenn man bedenkt, was eine Einzelperson hier ans Tageslicht zerrt und was sie leisten muesste, wenn sie das auch noch fuer den pazifischen Raum machen wollte, dann muss ich sagen, das kann man nicht im Ernst erwarten. Erwarten wuerde ich es von gut bezahlten und mit reichlich Personal ausgestatten Redaktionen. Die sind aber zu faul und anstatt Recherche zu betreiben, schreiben sie vom Ticker ab. Die bekommen noch nicht einmal das hin fuer Europa und USA, was Querschuesse hier hin bekommt. Die machen lieber in Spanien und Griechenland Urlaub anstatt mal einen Bericht griechischer oder spanischer Notenbanken zu lesen und fuer das deutsche Publikum aufzubereiten. Also wenn Sie jemandem Feuer machen wollen, dann doch denen, die den A…. nicht hoch kriegen.

      Der Begriff und das Konzept BRICs ist eine Kreation von Goldman Sachs. Wenn Sie sich mit den Umtrieben dieser Firma/Bank beschaeftigen, werden Sie das eine oder andere was da ueber “Die BRICs” durchs Dorf gejagt wird besser einordnen koennen. Meiner Meinung nach
      wird da der naechste Akt der Tragoedie vorbereitet. Wenn die “Abrissbirne” in Europa ganze Arbeit geleistet hat, wird sie sich ein neues Ziel suchen und da wird das Konzept BRICs seit einiger Zeit gut vorbereitet. Und damit das Trauerspiel kein schnelles Ende findet wird schonmal N-11 nach geschoben.
      http://www.faz.net/aktuell/finanzen/fonds-mehr/fonds-bric-fonds-riskant-und-hochrentabel-1332060.html

      Viele Gruesse
      Georg Trappe

  • Ergo Sum - 2. April 2012

    Der Gipfel der 5 Präsidenten Russlands, Chinas, Brasiliens und Südafrika mit Indien in New Delhi zur Gründung einer gemeinsamen Weltbank hat enorme Konsequenzen und hat mit Goldman nichts zu tun. Das große S in BRICS steht vielmehr für Südafrika.

  • Georg Trappe: - 2. April 2012

    Na dann ist ja alles in bester Ordnung;-).

  • dank - 3. April 2012

    Wer hats erfunden?
    “Goldman” scheint ein Unwort des Jahrhunderts (or more) zu werden…

    “Die Abkürzung BRIC wurde von Jim O’Neill, Chefvolkswirt der Großbank Goldman Sachs, geprägt, welcher sie in einer Reihe von Veröffentlichungen verwendete, zuerst Ende 2001.”

    http://de.wikipedia.org/wiki/BRICS-Staaten

  • Ergo Sum - 3. April 2012

    Hallo Stefan,
    Genau wie ich Ihnen oben am 1.April schon voraussagte, hat die Fed sich heute tatsächlich gegen QE3 entschieden und den Börsenmärkten damit ihre falsche Hoffnung genommen. Um zu wiederholen: Bernanke ist wesentlich vorsichtiger mit dem Gelddrucken als Draghi. Statt dessen erfand er im Herbst seine “Operation Twist”, womit er langfristige Anleihen aufkauft und durch kurzfristige ersetzt, um die Märkte zu beruhigen. Offensichtlich war dies erfolgreich.
    Gruß, Ergo