Griechenland: Außenhandel und Leistungsbilanz Dezember

von am 19. Februar 2014 in Allgemein

Die griechische Zentralbank (Bank of Greece) berichtete heute die Daten zur Zahlungsbilanz (Balance of Payments) für den Monat Dezember 2013, darunter auch die Daten zum Außenhandel und zur Leistungsbilanz. Das unbereinigte Exportvolumen bei Waren und Gütern sank im Dezember 2013 um -7,3% zum Vorjahresmonat, auf ein schwaches Volumen von 1,8647 Mrd. Euro. Das unbereinigte Importvolumen stieg im Dezember 2013 um +6,4% zum Vorjahresmonat auf 3,1813 Mrd. Euro. Das unbereinigte Handelsbilanzdefizit stieg um +34,6% zum Vorjahresmonat, auf -1,3166 Mrd. Euro.

Die Entwicklung des griechischen unbereinigten nominalen Import- (blau) und Exportvolumens (rot) bei Waren und Gütern seit Januar 1995 bis Dezember 2013 im Chart.

Im Dezember 2013 sank das nominale Exportvolumen um -7,3% zum Vorjahresmonat auf 1,8647 Mrd. Euro, nach 2,0106 Mrd. Euro im Vorjahresmonat. Im Gesamtjahr 2013 stieg das Exportvolumen nur noch um schlappe +2,3% zum Vorjahreszeitraum, auf 22,535 Mrd. Euro. Das ist weiter nichts, gemessen an den Notwendigkeiten. Die Daten der Zentralbank weichen von den Außenhandelsdaten von ELSTAT ab, dort stand beim Export ein Minus von 0,4% zum Vorjahr und das ausgewiesene Volumen ist etwas höher, was der unterschiedlichen Methodik der Daten geschuldet ist. ELSTAT-Daten sind nach dem Versendungslandprinzip erstellt und die Zentralbankdaten nach dem Ursprungslandprinzip. ELSTAT weist wie auch Eurostat somit auch Exporte und Importe aus, wo nicht ganz klar ist, wo die Waren im Ursprung herstammen, sondern nur, von wo aus sie versendet wurden.

Unabhängig von diesen statistischen Diskrepanzen wäre eine Verdoppelung gar Verdreifachung bei der Herstellung handelbarer Waren und Güter wäre nötig, um irgendwelche relevanten Beiträge zur Entlastung der hohen Nettoauslandsschulden, beim Staatshaushalt oder auf dem Arbeitsmarkt zu erzielen. Die Strategie über rabiate Lohnsenkungen (-39,92% bei der Summe aller realen Arbeitnehmerentgelte seit Q3 2009) Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit herzustellen ist gescheitert, denn es sprang nur eine armselige Steigerung der Exporte bei Waren und Gütern dabei heraus. Weder wurden Investitionen angelockt, noch der Output der Produktion gesteigert, noch neue Arbeitsplätze geschaffen.

Die nominalen Importe stiegen im Dezember 2013 unbereinigt um +6,4% zum Vorjahresmonat, auf 3,1813 Mrd. Euro, nach 2,9887 Mrd. Euro im Vorjahresmonat. Im Gesamtjahr 2013 sank das Importvolumen um -4,5% auf 39,764 Mrd. Euro.

Das monatliche nominale Handelsbilanzdefizit stieg im Dezember 2013 um +34,6% zum Vorjahresmonat, auf -1,3166 Mrd. Euro, nach -0,978 Mrd. Euro im Vorjahresmonat.

Die monatliche unbereinigte griechische Handelsbilanz seit Januar 1995 bis Dezember 2013 im Chart.

Im Gesamtjahr 2013 sank das kumulierte Handelsbilanzdefizit um -12,2% zum Vorjahr, auf -17,230 Mrd. Euro, nach -19,619 Mrd. Euro 2012 und nach -27,221 Mrd. Euro 2011.

Die unbereinigte griechische monatliche Leistungsbilanz seit Januar 1997 bis Dezember 2013 im Chart. Im Dezember 2013 wurde ein Leistungsbilanzdefizit von -0,215 Mrd. Euro erzielt. Die Leistungsbilanz steht nun grundsätzlich sehr gut dar, allerdings wie erwartet mit dem abebbenden Tourismus (Dienstleistungsbilanz) gerät auch die Leistungsbilanz wieder leicht ins Negative.

Allerdings im Gesamtjahr 2013 verbleibt immerhin ein Plus von 1,245 Mrd. Euro, nach -4,615 Mrd. Euro 2012, nach -20,634 Mrd. Euro 2011, nach -22,506 Mrd. Euro 2010, nach -25,819 Mrd. Euro 2009 und nach -34,798 Mrd. Euro 2008, dem Rekorddefizit! Isoliert betrachtet ist die Leistungsbilanz ein Erfolg, immerhin das erste Plus überhaupt auf Jahresbasis seit 1948.

Die Entwicklung der unbereinigten griechische Leistungsbilanz seit Q1 1980 bis Q4 2013 auf Quartalsbasis im Chart.

Die Leistungsbilanz bildet sich aus den Teilbilanzen, der Handelsbilanz, der Dienstleistungsbilanz, der Bilanz der Erwerbs- und Vermögenseinkommen, sowie der Bilanz der laufenden Übertragungen.

Während die Handelsbilanz 2013 als Teilbilanz der Leistungsbilanz ein Defizit von -17,2295 Mrd. Euro beisteuerte, erzielte die Dienstleistungsbilanz einen Überschuss von +16,8173 Mrd. Euro, die Bilanz der Erwerbs- und Vermögenseinkommen ein Defizit von -2,8189 Mrd. Euro und die Bilanz der laufenden Übertragungen einen Überschuss von +4,4757 Mrd. Euro. Zusammen ergaben die Teilbilanzen einen Leistungsbilanzüberschuss von +1,2446 Mrd. Euro.

Die Entwicklung der unbereinigten Teilbilanzen der Leistungsbilanz seit Q1 1980 bis Q4 2013 auf Quartalsbasis im Chart.

Vor allem der Überschuss aus der Teilbilanz Dienstleistungen zieht die gesamte Leistungsbilanz ins Plus, von den +16,8173 Mrd. Euro gehen +10,1557 Mrd. Euro auf das Konto des Tourismus.

Im Dezember 2013, außerhalb der Tourismussaison, ließ der gesamte Leistungsbilanzüberschuss nicht nur Federn, sondern es zeigte sich ein Defizit von -0,215 Mrd. Euro. Ursache ist der saisonbedingte Abriss der Einnahmen aus dem Tourismus:

Die Entwicklung des Saldo Tourismus als Unterbilanz der Dienstleistungsbilanz seit Januar 2003 bis Dezember 2013 in Mrd. Euro im Chart. Jetzt folgen noch mindestens 3 bittere Monate, wo der Tourismus keinerlei positiven Beitrag zur Leistungsbilanz leisten kann.

Aber ganz klar, der Tourismus riss 2013 etwas, nur dies hat eben mit wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit nur bedingt etwas zu tun und vor allem beruht dieser Erfolg auch auf den Kollaps des Tourismus in Ägypten, Tunesien und in anderen nordafrikanischen Reisezielen.

Die Entwicklung des Saldo Tourismus als Unterbilanz der Dienstleistungsbilanz über 12 Monate rollend (jeweils die letzten 12 Monate aufaddiert) seit Januar 2004 bis Dezember 2013 in Mrd. Euro im Chart. In den letzten 12 Monaten bis Dezember steuerte der Tourismus per Saldo +10,1557 Mrd. Euro zur Leistungsbilanz bei!

Alles in Allem zeigt die Leistungsbilanz eine klare Verbesserung, nur der erste Chart verdeutlicht primär via Importschrumpfung, eine Leistungsfähigkeit der Industrie, Investitionen, Auftragseingänge, gar neue Jobs und Einkommen stehen leider nicht dahinter. Grundsätzlich profitiert Griechenland enorm vom Tourismus, nur dieser Erfolg ist das Elend anderer Länder und ob sich dieser Erfolg als Reiseziel, so in dieser Dimension fortschreiben lässt, ist nicht gesichert. Nicht vergessen, einen Teil der verbesserten griechischen Leistungsbilanz spiegelt sich in der Unterbilanz der Erwerbs- und Vermögenseinkommen wider, in einem drastisch gesunkenen Defizit, welches vor allem die Senkung, den Verzicht von Zinsen auf griechische Staatsschulden zeigt, die sich in den öffentlichen Händen der Eurozone befinden, beim EFSF/ESM und der EZB. Während 2013 diese Unterbilanz ein Defizit von nur noch -2,819 Mrd. Euro auswies, waren es 2008 noch -10,643 Mrd. Euro. Alleine die Zahlungen der griechischen Volkswirtschaft an Zinsen und Dividenden an das Ausland sanken von 2008 mit 14,434 Mrd. Euro, auf 6,347 Mrd. Euro 2013 und dies obwohl die Nettoauslandsschulden Griechenlands 2013 höher lagen als 2008.

Die Entwicklung der kumulierten Leistunsgbilanz (rot) und der Kapitalbilanz (blau) in Mrd. Euro seit Q1 1980 bis Q4 2013 im Chart. Akkumulierten -276,773 Mrd. Euro an Leistungsbilanzdefiziten steht ein akkumulierter Strom von Nettokapitalimporten von +245,122 Mrd. Euro gegenüber. Aus Sicht der akkumulierten Größen ist das Problem längst nicht gelöst, der griechische Leistungsbilanzüberschuss 2013 wird kaum sichtbar und leistet auch keinen relevanten Abbau zur Nettoauslandsverschuldung aller Sektoren der Volkswirtschaft.

Es ist aus Sicht der akkumulierten Leistungsbilanz nur ein Anfang getan und selbst dieser hatte 28% Arbeitslosenquote als Preis, einen nominalen BIP-Einbruch von -26%, einen Einbruch der Summe aller realen Arbeitnehmerentgelte von -40%, eine beispiellose Kontraktion der Binnennachfrage, eine Kontraktion des Output der Industrie auf ein Niveau wie zuletzt 1978 und brutale soziale und gesellschaftliche Verwerfungen, was für “Erfolge”.

Quelle Daten: Bankofgreece.gr/Portal

Querschuesse: Fakten, Daten und Analysen

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