Griechenlands Regierung unter Druck: Premier Samaras stellt die Vertrauensfrage

von am 2. Oktober 2014 in Allgemein

Der konservative Premier Antonis Samaras will sich am kommenden Montag, dem ersten Tag nach der Sommerpause, im griechischen Parlament einem Vertrauensvotum stellen. (1)
Nach den Europa- und Kommunalwahlen, bei denen Samaras Partei Nea Dimokratia schwere Verluste hinnehmen musste, hatte die oppositionelle Linkspartei SYRIZA von Alexis Tsipras den Druck auf die Regierungskoalition verstärkt und Neuwahlen gefordert.

Folge der Sanierungspolitik: Armutsproblem in Griechenland explodiert

Erst am letzten Wochenende waren die Ergebnisse einer neuen Studie des „State Budget Office“ des griechischen Parlaments zur Einkommens- und Armutssituation in Griechenland publik geworden. Demnach lebten 2013 insgesamt 2,5 Millionen Griechen unterhalb der offiziellen Armutsgrenze, weitere 3,8 Millionen galten als von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht. Das sind insgesamt 6,3 Millionen Menschen beziehungsweise knapp 60 Prozent der Bevölkerung Griechenlands. (2)

Laut Eurostat hatte die Zahl der von Armut und sozialer Ausgrenzung bedrohten Menschen in Griechenland im Jahr 2012 noch bei rund 3,8 Millionen gelegen (3,4 Mio. in 2011, 3 Mio. in 2010), was einem Anteil von 34,6 Prozent entsprach. (3) Offensichtlich hat sich also die Armutslage in Griechenland nochmals dramatisch verschlechtert. Eine detaillierte Analyse der Entwicklung von Armut und sozialer Ausgrenzung in der Europäischen Union findet sich hier (4).

SLE_A1_Zahl von Armut & soz Ausgrenzung Bedrohter EU28_2009-2012Abbildung 1: Zahl der von Armut und sozialer Ausgrenzung bedrohten Menschen in der EU

SLE_A2_Anteil von Armut & soz Ausgrenzung Bedrohter EU28_2009-2012Abbildung 2: Anteil der von Armut und sozialer Ausgrenzung bedrohten Menschen in der EU

Insofern ist es keine Überraschung, dass der Druck auf die Regierungskoalition, die den von der Troika vorgegebenen austeritätspolitischen Kurs verfolgt und befürwortet, weiter gestiegen ist.

Laut der griechischen Zeitung Ekathimerini will die Regierung mit der Vertrauensabstimmung nicht nur Spekulationen über Neuwahlen die Basis entziehen. Vielmehr will Samaras angesichts der anstehenden fünften Überprüfung durch die Troika auch die eigenen Abgeordneten auf Linie bringen. Denn viele in den eigenen Reihen hatten zuletzt geäußert, vorgezogene Neuwahlen könnten unausweichlich werden. (5)

Vertrauensvotum: Eine sichere Sache für Samaras?

Mit 154 der insgesamt 300 Sitze im Parlament haben Nea Dimokratia und PASOK eine knappe Mehrheit. Insofern sollte die Vertrauensabstimmung eigentlich eine sichere Sache sein.

Allerdings hat es seit den letzten Wahlen im Juni 2012 gerade wegen der Abstimmung über neue, von der Troika geforderte Maßnahmen zur Sanierung der Staatsfinanzen wiederholt Abweichler in den eigenen Reihen gegeben, die dann aus der Nea Dimokratia bzw. der PASOK ausgeschlossen worden waren. Insgesamt sind den beiden Parteien von den ursprünglich 162 Sitzen, acht verlorengegangen. Zudem ist auch die Demokratische Linke (Dimar), mit 17 Sitzen, aus der ursprünglich aus drei Parteien bestehenden Regierungskoalition ausgestiegen – wegen des Sparkurses.

Ganz so sicher ist die Sache mit dem Vertrauensvotum also nicht.

Sollten sich aus dem Troika-Bericht neue, für die Abgeordneten und noch mehr für die Bevölkerung hart zu verdauende Forderungen nach Einschnitten ergeben, dann könnte das endgültig zum Scheitern der Regierung Samaras führen.
Die Troika ist für die griechische Regierung ein Damoklesschwert. Samaras weiß das. Gerade deswegen hat er bei seinem jüngsten Besuch der Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin auch gesagt, Griechenland wolle künftig ohne Finanzhilfen auskommen. Ob das realistisch ist, ist aber fraglich. Samaras steht in Griechenland das Wasser bis zum Hals. Die Frage ist, ob ihm die Euro-Gruppe oder die EZB einen Rettungsring zuwerfen und wenn ja, ob der nicht zu spät kommt.

Nein, die Euro-Krise scheint wirklich noch längst nicht vorbei zu sein.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: info.sle@web.de

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17 KommentareKommentieren

  • Delta120 - 2. Oktober 2014

    Die Eurokrise ist noch nicht vorbei. Da aber die EU-Wahlen gezeigt haben, dass das Volk politisch völlig gespalten ist (die beiden Größten Parteien SYRIZA 26,6%, Neo Demokratia 22,7% http://www.ergebnisse-wahlen2014.eu/de/country-results-el-2014.html ) sind keine politischen Erdbeben zu erwarten. Selbst bei einer Neuwahl würde ggf. eine Linke Regierung an die Macht gelangen aber ein Austritt aus der Eurozone mit Erklärung des Staatsbankrott ist nicht zu erwarten.

  • Jonn - 2. Oktober 2014

    Hallo Stefan,

    du schreibst, dass die Vertrauensabstimmung mit einer Mehrheit von 154 Stimmen normalerweise eine sichere Angelegenheit wäre, wenn die Koalition nicht so instabil wäre. Auf Zeit Online habe ich gerade folgendes gelesen:

    “Die Präsidentschaftswahl ist für die Regierung Samaras eine weitere Zerreißprobe. Laut griechischer Verfassung muss das Parlament aufgelöst werden, wenn im dritten Wahlgang nicht mindestens 180 von 300 Abgeordneten für einen Kandidaten stimmen. ”
    ~ http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-10/griechenland-samaras-vertrauensfrage-neuwahlen

    Ich kenne mich jetzt mit der griechischen Verfassung nicht besonders gut aus. Wenn ich das aber richtig verstehe, wird das mit der nötigen Mehrheit schon allein deswegen schwierig weil 180 statt bloß 150 Stimmen benötigt werden.

    • SLE - 2. Oktober 2014

      Hallo Jonn,

      Sie reden von der Präsidentschaftswahl, im Aufsatz ist von der Regierung und Premier Samaras die Rede.

      Für die Regierung reicht bei dem Vertrauensvotum die Mehrheit. Bei der Präsidentschaftswahl ist es anders. Die Amtszeit von Staatspräsident Karolos Papoulias endet im März 2015. Im Februar soll planmäßig mit dem Prozedere der Bestimmung eines Nachfolgers begonnen werden. Was Sie ansprechen, mit der Stimmenmehrheit von 180 zu 300 und den drei Wahlgängen, ist wohl der Weg, auf dem Alexis Tsipras Neuwahlen erzwingen will.

      Tsipras versucht schon seit der Europawahl, einen Neuwahlen zu erzwingen. Wenn der Regierung bei dem Vertrauensvotum doch die Mehrheit fehlen sollte, könnte es soweit sein. Sehr wahrscheinlich ist das nicht, aber möglich wäre es schon.

      Ansonsten steht der nächste Test an, wenn die Troika von der Regierung neue Einschnitte verlangt und darüber im Parlament abgestimmt werden muss. Ich denke, dann gibt es eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Regierung das nicht mehr übersteht.

      Viele Grüße
      SLE

      • Eurelios - 2. Oktober 2014

        Ich denke, dann gibt es eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Regierung das nicht mehr übersteht.

        Tja und dann?

        Die EZB wirds schon richten. Die kauft dann Staatsanleihen von Griechenland zu einem
        negativen Zinssatz. Die zahlen dann ihre Schulden problemlos zurück. Sparen ist
        dann auch nicht mehr notwendig. Was ja für die andern Südstaaten samt Frankreich
        Normalität ist gilt ja ja dann wohl auch für die Griechis. Gleiches Recht für alle.

        Es wird dann Alles wieder gut. 🙂

        Ironie aus

        • SLE - 2. Oktober 2014

          Hallo Eurelios,

          wenn inzwischen fast 60 Prozent der griechischen Bevölkerung in Armut leben oder von Armut bedroht sind, dann kann die EZB daran auch nichts ändern, egal wie viele Anleihen sie aufkauft. Gut wird dann so schnell gar nichts mehr. Denn solche Verhältnisse sprechen dafür, dass in der griechischen Wirtschaft sehr vieles nicht mehr stimmt.

          Grüße
          SLE

          • Holly01 - 3. Oktober 2014

            Nur als ergänzender Hint:

            Ein Land in dem 60% der bevölkerung am Konsum praktisch nicht mehr teil nehmen, hat auch überhaupt kein Potential für einen Aufschwung.
            Die Rekapitalisierung der Gesamtgesellschaft dauert Jahrzehnte und setzt einen Geldfluss in die breite Masse voraus.
            In Anbetracht des Währungskriegs € vs $ und der realenen Wirtschaftlichen und NIIP Verhälnisse hätte man Griechenland auch abfackeln können.
            Das wäre der gleiche Effekt.

            Verschärfend kommt hinzu, daß Griechenland nicht nur Besitz verloren hat, sondern auch jede Menge Eigentum und Souverenität abgeben musste.
            Das holen die in 100 Jahren nicht mehr auf.
            Verbrannte Erde ….

            • SLE - 3. Oktober 2014

              Hallo Holly01,

              ich weiß nicht, ob es 100 Jahre dauert. Aber ansonsten haben Sie m.E. vollkommen recht. Man kann es nicht deutlich genug sagen (ich habe es hier im Blog im Übrigen auch getan):

              Griechenland ist bedingt durch die europäische Krisenpolitik wirtschaftlich gesehen verbrannte Erde!

              Es ist in diesem Zusammenhang geradezu grotesk, dass die EZB eine konsequentere Umsetzung der geforderten “Reformen” verlangt und glaubt, wenn es nun Milliarden an ABS-Papieren aufkauft, dann würde die Wirtschaft in den südeuropäischen Krisenstaaten wieder in Schwung kommen. Das ist genauso aussichtslos, wie verbrannte Erde zu gießen, damit die Pflanzen und der Rasen, die dort mal waren, wieder besser wachsen.

              Und nur der Vollständigkeit halber: Konjunkurprogramme hätten denselben Effekt, denn sie ändern nichts an den grundlegenden Problemen, die zudem keinesfalls nur in Griechenland, Portugal oder Spanien zu suchen sind.

              Was Griechenland anbelangt, so wird man die Wirtschaft nur von unten heraus, das heißt im Wege des Aufbaus und der Förderung eines dynamischen Mittelstands wiederaufbauen können. M.E. wird das angesichts des von Konzernen dominierten globalen Wettbewerbs auch nur dann gelingen können, wenn man partiell (temporäre) Schutzzölle in Griechenland einführt und auch Kapitalverkehrskontrollen.

              Für liberale Mainstream-Ökonomen und -Politiker ist das freilich ein Unding. Aber mal ehrlich: Was verstehen die wirklich von der Wirtschaft, wenn man sich nur einmal anschaut, wie erfolgreich die Politiker und die Notenbanker in Europa mit der Krisenbewältigung waren. Finanzkrise vorerst entschärft, den “Rest” vor die Wand gefahren – eine tolle Bilanz.

              Viele Grüße
              SLE

              • Frank Bell - 4. Oktober 2014

                @ SLE, @ Holly01

                Ich sage es ja nicht gerne:

                Aber wenn die 100 Jahre brauchen, bis es besser wird, dann hat die EU schlimmer gewütet als Hitler…

                • Basisdemokrat - 4. Oktober 2014

                  Kaspar Hauser
                  Die Weltbühne, 15.09.1931, Nr. 37, S. 393.
                  Kurzer Abriß der Nationalökonomie

                  Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben. Das hat mehrere Gründe, die feinsten sind die wissenschaftlichen Gründe, doch können solche durch eine Notverordnung aufgehoben werden.
                  Über die ältere Nationalökonomie kann man ja nur lachen und dürfen wir selbe daher mit Stillschweigen übergehn. Sie regierte von 715 vor Christo bis zum Jahre nach Marx. Seitdem ist die Frage völlig gelöst: die Leute haben zwar immer noch kein Geld, wissen aber wenigstens, warum.
                  Die Grundlage aller Nationalökonomie ist das sog. ›Geld‹.
                  Geld ist weder ein Zahlungsmittel noch ein Tauschmittel, auch ist es keine Fiktion, vor allem aber ist es kein Geld. Für Geld kann man Waren kaufen, weil es Geld ist, und es ist Geld, weil man dafür Waren kaufen kann. Doch ist diese Theorie inzwischen fallen gelassen worden. Woher das Geld kommt, ist unbekannt. Es ist eben da bzw. nicht da – meist nicht da. Das im Umlauf befindliche Papiergeld ist durch den Staat garantiert; dieses vollzieht sich derart, dass jeder Papiergeldbesitzer zur Reichsbank gehn und dort für sein Papier Gold einfordern kann. Das kann er. Die obern Staatsbankbeamten sind gesetzlich verpflichtet, Goldplomben zu tragen, die für das Papiergeld haften. Dieses nennt man Golddeckung.
                  Der Wohlstand eines Landes beruht auf seiner aktiven und passiven Handelsbilanz, auf seinen innern und äußern Anleihen sowie auf dem Unterschied zwischen dem Giro des Wechselagios und dem Zinsfuß der Lombardkredite; bei Regenwetter ist das umgekehrt. Jeden Morgen wird in den Staatsbanken der sog. ›Diskont‹ ausgewürfelt; es ist den Deutschen neulich gelungen, mit drei Würfeln 20 zu trudeln.
                  Was die Weltwirtschaft angeht, so ist sie verflochten.
                  Wenn die Ware den Unternehmer durch Verkauf verlassen hat, so ist sie nichts mehr wert, sondern ein Pofel, dafür hat aber der Unternehmer das Geld, welches Mehrwert genannt wird, obgleich es immer weniger wert ist. Wenn ein Unternehmer sich langweilt, dann ruft er die andern und dann bilden sie einen Trust, das heißt, sie verpflichten sich, keinesfalls mehr zu produzieren, als sie produzieren können sowie ihre Waren nicht unter Selbstkostenverdienst abzugeben. Daß der Arbeiter für seine Arbeit auch einen Lohn haben muß, ist eine Theorie, die heute allgemein fallen gelassen worden ist.
                  Eine wichtige Rolle im Handel spielt der Export, Export ist, wenn die andern kaufen sollen, was wir nicht kaufen können; auch ist es unpatriotisch, fremde Waren zu kaufen, daher muß das Ausland einheimische, also deutsche Waren konsumieren, weil wir sonst nicht konkurrenzfähig sind. Wenn der Export andersrum geht, heißt er Import, welches im Plural eine Zigarre ist. Weil billiger Weizen ungesund und lange nicht so bekömmlich ist wie teurer Roggen, haben wir den Schutzzoll, der den Zoll schützt sowie auch die deutsche Landwirtschaft. Die deutsche Landwirtschaft wohnt seit fünfundzwanzig Jahren am Rande des Abgrunds und fühlt sich dort ziemlich wohl. Sie ist verschuldet, weil die Schwerindustrie ihr nichts übrig läßt, und die Schwerindustrie ist nicht auf der Höhe, weil die Landwirtschaft ihr zu viel fortnimmt. Dieses nennt man den Ausgleich der Interessen. Von beiden Institutionen werden hohe Steuern gefordert, und muß der Konsument sie auch bezahlen.
                  Jede Wirtschaft beruht auf dem Kreditsystem, das heißt auf der irrtümlichen Annahme, der andre werde gepumptes Geld zurückzahlen. Tut er das nicht, so erfolgt eine sog. ›Stützungsaktion‹, bei der alle, bis auf den Staat, gut verdienen. Solche Pleite erkennt man daran, dass die Bevölkerung aufgefordert wird, Vertrauen zu haben. Weiter hat sie ja dann auch meist nichts mehr.
                  Wenn die Unternehmer alles Geld im Ausland untergebracht haben, nennt man dieses den Ernst der Lage. Geordnete Staatswesen werden mit einer solchen Lage leicht fertig; das ist bei ihnen nicht so wie in den kleinen Raubstaaten, wo Scharen von Briganten die notleidende Bevölkerung aussaugen. Auch die Aktiengesellschaften sind ein wichtiger Bestandteil der Nationalökonomie. Der Aktionär hat zweierlei wichtige Rechte: er ist der, wo das Geld gibt, und er darf bei der Generalversammlung in die Opposition gehn und etwas zu Protokoll geben, woraus sich der Vorstand einen sog. Sonnabend macht. Die Aktiengesellschaften sind für das Wirtschaftsleben unerläßlich: stellen sie doch die Vorzugsaktien und die Aufsichtsratsstellen her. Denn jede Aktiengesellschaft hat einen Aufsichtsrat, der rät, was er eigentlich beaufsichtigen soll. Die Aktiengesellschaft haftet dem Aufsichtsrat für pünktliche Zahlung der Tantiemen. Diejenigen Ausreden, in denen gesagt ist, warum die A.-G. keine Steuern bezahlen kann, werden in einer sogenannten ›Bilanz‹ zusammengestellt.
                  Die Wirtschaft wäre keine Wirtschaft, wenn wir die Börse nicht hätten. Die Börse dient dazu, einer Reihe aufgeregter Herren den Spielklub und das Restaurant zu ersetzen; die frommem gehn außerdem noch in die Synagoge. Die Börse sieht jeden Mittag die Weltlage an: dies richtet sich nach dem Weitblick der Bankdirektoren, welche jedoch meist nur bis zu ihrer Nasenspitze sehn, was allerdings mitunter ein weiter Weg ist. Schreien die Leute auf der Börse außergewöhnlich viel, so nennt man das: die Börse ist fest. In diesem Fall kommt – am nächsten Tage – das Publikum gelaufen und engagiert sich, nachdem bereits das Beste wegverdient ist. Ist die Börse schwach, so ist das Publikum allemal dabei. Dieses nennt man Dienst am Kunden. Die Börse erfüllt eine wirtschaftliche Funktion: ohne sie verbreiteten sich neue Witze wesentlich langsamer.
                  In der Wirtschaft gibt es auch noch kleinere Angestellte und Arbeiter, doch sind solche von der neuen Theorie längst fallen gelassen worden.
                  Zusammenfassend kann gesagt werden: die Nationalökonomie ist die Metaphysik des Pokerspielers.
                  Ich hoffe, Ihnen mit diesen Angaben gedient zu haben, und füge noch hinzu, dass sie so gegeben sind wie alle Waren, Verträge, Zahlungen, Wechselunterschriften und sämtliche andern Handelsverpflichtungen –: also ohne jedes Obligo.
                  http://www.textlog.de/tucholsky-nationaloekonomie.html

  • JL - 2. Oktober 2014

    In Griechenland werden die dort vorhandenen politischen Strukturen vermutlich für ein Kopf an Kopf- Rennen sorgen. Wer dort zukünftig das Sagen hat, wer weis.
    http://www.heise.de/tp/news/Griechenland-Schuften-fuer-zwei-Euro-pro-Stunde-2405624.html

    Erkennbar ist aber der Trend. Die bisherigen bürgerlich, sozial oder liberal aufgestellten Parteienlandschaften sind dabei ihr gewachsenes Parteienmonopol zu verlieren, nicht nur in Griechenland.

    Politische Neuaufstellungen gibt es nicht nur dort, sondern auch zunehmend in Italien, Frankreich aber auch Deutschland. Selbst die Unabhängigkeitsbestrebungen verschiedener Regionen in Europa ist letztlich Teil dessen.

    Offensichtlich erkennt man zunehmend, daß Regierungen oder regierende Parteien unfähig sind eine Antwort auf die drängendste Frage an sich zu finden.

    Und die lautet ganz banal: Wo ist unsere Zukunft?

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

    • SLE - 3. Oktober 2014

      Hallo JL,

      Sie haben es kurz und knapp auf den Punkt gebracht. Ich habe dafür einen ganzen Aufsatz benötigt (“Wachstumsschub oder Weltwirtschaftskrise: Schließt sich das Zeitfenster für die Politik?) 😉

      Viele Grüße
      SLE

      • JL - 3. Oktober 2014

        Hallo SLE

        Aufsätze sind in der Art, den Leser etwas nachvollziehbar vermitteln zu wollen und dies auch zu können.

        Kommentare können dies sicher nicht mit dieser Tiefgründigkeit.

        Mit freundlichen Grüßen

        JL

  • Freiberufler - 3. Oktober 2014

    Bei aller Kritik sollte man nicht übersehen, dass Samaras und seine Partei für exakt diese Troika-Politik gewählt wurden, und zwar für 4 Jahre. Es gibt also an für sich keinen Grund, ihm das Vertrauen zu entziehen.

    • SLGramann - 3. Oktober 2014

      @Freiberufler, im Grunde haben Sie recht. Zumal auch Syriza absolut keine Alternative darstellt. Auch Syriza will den Euro, sie wollen nur den Sozialhilfesatz nach oben gesetzt wissen, den Griechenland aus Brüssel-Berlin erhält.
      Was Tsipras nicht sagt – aber natürlich genau weiß – ist, dass der, der das Geld gibt, die Regeln macht. Auch Syriza hätte sich daher weitgehend bedingungslos den Befehlen der “Troika” zu fügen.
      Für das griechische Volk gibt es keine Hoffnung, solange es nicht sein Schicksal wieder selbst in die Hand nimmt. Die Griechen haben ihre Seele, ihre Ehre und ihre Zukunft verkauft. Aber sie bekommen ihre Sozialhilfe in harter Devise gezahlt. Der ganz überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung gilt das offenkundig als gutes Geschäft.

      • SLE - 3. Oktober 2014

        Ich bin mir nicht sicher, ob die Griechen/die Parlamentarier keinen Grund haben, Samaras das vertrauen zu entziehen.

        Man darf nicht vergessen, unter welchem massiven europaweiten und massivem medialen Druck die Wahlen Mitte Juni 2012 stattgefunden haben. Ganz Europa hat den Griechen tagtäglich suggeriert, das Ende des Euros für Griechenland, die Staatspleite und die Zerstörung der wirtschaftlichen Zukunft Griechenlands stünde auf dem Spiel, sollten sie ihr Kreuz am Wahltag bei Syriza und nicht bei der Nea Dimokratia machen.

        Angesichts der tatsächlichen Entwicklung, die inzwischen für 60 Prozent der Bevölkerung Armut oder Armutsbedrohung bedeutet, dürften sich sehr viele von Samaras betrogen fühlen.

        Ich würde, was Ihre Überlegung anbelangt, SLGramann, Tsipras nicht unterschätzen wollen. Ich erinnere dabei an die Wahl von September 1930 in Deutschland, bei der sich Hitlers NSDAP von zuvor 2,6 Prozent der Stimmen auf 18,3 Prozent verbessert hatte. Die Frankfurter Zeitung (die heutige FAZ) schrieb damals in einem Leitartikel auf der ersten Seite folgenden Satz:

        ” … Hitler verspricht ja Macht, Glanz und Wohlstand. Also! Wie wäre es, wenn Hitler jetzt wirklich die Möglichkeit erhielte, die Macht zu ergreifen? Er stünde nackt und bloß und wüßte in Wirklichkeit nichts, gar nichts, um seine Versprechungen zu erfüllen und Deutschland aus der Not herauszuführen. … „

        Sie und ich und alle anderen wissen, dass die Wirtschaft nach dem Machtwechsel einen enormen Aufschwung erlebte, gerade auch weil Hitler sich an Keynes orientierte und natürlich weil er einen Krieg vorbereitete.

        Tsipras ist m.E. in keiner Weise mit Hitler zu vergleichen. Andererseits haben wir auch nicht nur in Griechenland eine solche Situation, sondern – was beängstigend ist – in vielen Industriestaaten. Und was das Finanzierungsproblem anbelangt, so könnte es Tsipras Ungarns Staatschef Orban nachtun und sich stärker nach Russland und China orientieren. Gerade in China gibt es jede Menge Geld.

        Ich möchte in diesem Zusammenhang auch daran erinnern, dass Xi Jinping auf seiner Reise zum BRICS-Gipfel in Brasilien einen Zwischstopp auf Rhodos einlegte, um dort mit Samaras zu sprechen. Die Idee, dass China mit Finanzhilfen Griechenland zur Seite springt, ist also nicht gar so weit hergeholt. Vielleicht fällt es einer Linkspartei sogar noch leichter, solche Hilfen von China (und Russland) zu erhalten. Und Putin würde vielleicht nur zu gerne die Gelegenheit ergreifen, den Europäern für ihre Sanktionspolitik eine Retourkutsche zu geben.

        Viele Grüße
        SLE

  • Frank Bell - 4. Oktober 2014

    Kann mir bitte jemand erklären, warum die Menschen dort unten (“knapp 60 Prozent der Bevölkerung Griechenlands”) so friedlich auf die eigene Verelendung warten???

    ….

    • Harald E - 6. Oktober 2014

      Hallo Frank,

      ein Versuch.
      Ich war vor 26 Jahren mit dem Bike in Griechenland. Zu dieser Zeit gab es Luxussteuer auf Kfz, TV, etc. Ein kleiner Fiesta 40 PS ohne Radio kostete seinerzeit 35000 DM, ein Videorekorder 3500,-DM

      Da konnte man dann Autos sehen, die waren hinten Kadett, vorne Polo…irgendwie zusammengebrutschelt und am Laufen gehalten. D.h. die Leute wussten sich auf kargem Niveau zu helfen…..und sie haben es bis heute wohl auch nicht verlernt.

      Gestern hab ich zudem mit dem alten Besitzer eines griechischen Restaurants gesprochen. Er hatte in D vor 5 Jahren zugemacht um in Griechenland die Rente zu verleben. Sein Sohn und die Schwiegertochter hatten in GR studiert und bis vor einem Jahr gut bezahlte Jobs in Athen.
      Dann wurden deren Gehälter um 70% gekürzt und reichten nichtmal mehr für die Miete.

      Nun sind sie alle wieder hier und sein Sohn hat neulich das Restaurant wieder eröffnet.

      Deren Fazit:
      Die Bevölkerung hat sich in ihr Schicksal ergeben. Wer was kann und die Möglichkeit hat, verläßt das Land. Der Rest versucht am Leben zu bleiben.
      Schicksalsergeben…denn sie wissen, das von der Regierung (egal welcher) nichts zu erwarten ist. Schon gar keine Hilfe. Also warum Energie verbraten ?!

      Interessant war auch die Bemerkung, dass derzeit etliche griech. Inseln an reiche Russen verkauft werden. Sogar eine Onassis-Insel ist nun in russischer Hand

      Wie gesagt….nur ein Erklärungsversuch

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