Griechische NZB saugt den Kreditschrott

von am 9. November 2011 in Allgemein

Gestern veröffentlichte die griechische Zentralbank (Bank of Greece) ihre Bilanz für den September 2011. Diese Daten beinhalten ein paar festhaltenswerte und äußerst interessante Aspekte! Zunächst schwillt wie erwartet die Bilanzsumme scheinbar endlos an. Im September 2011 stiegen die Total Assets auf 159,368 Mrd. Euro. Nicht nur der Anstieg ist bemerkenswert, auch die absolute Höhe von nun bereits 73,2% des für 2011 zu erwartenden nominalen BIPs!

Die Entwicklung der Total Assets der griechischen Zentralbank seit Januar 1999 im Chart. Im September 2011 quillt die Aktiva-Seite der Bilanz auf 159,368 Mrd. Euro auf.

Für die Sicherstellung der Liquidität für das de facto bankrotte griechische Bankensystem und dessen Refinanzierungsbedarf über die Aktiva-Seite der Notenbankbilanz avanciert auf der anderen Seite der Bilanz Target2. Der Refinanzierungsbedarf der griechischen Banken wurde fast ausschließlich aus Target2 gesichert.

Die Entwicklung des negativen Target2 Saldos als Passiva (Verbindlichkeit) in der Bilanz der Bank of Greece. Im September 2011 stieg der Target2 Saldo auf -100,754 Mrd. Euro.

Der Target2 Saldo als Verbindlichkeit entsprach bis vor kurzem fast 1:1 der Aktiva-Seite der Bilanz unter Pos. 5, dies ist die Kreditgewährung an die Kreditinstitute über Hauptrefinanzierungsgeschäfte und die längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte:

Die Entwicklung der Kreditgewährung der griechischen NZB an die Kreditinstitute in Mrd. Euro. Diese Daten sind aus zweierlei Sicht interessant, zum einen dokumentieren sie bis Anfang 2008, dass das griechische Bankensystem fast keinen Finanzierungsbedarf über die Notenbank hatte und zum anderen, nach dem explosionsartigen Anstieg auf 103,108 Mrd. Euro eine erstaunliche Divergenz am Ende, zum Pendant dem negativen Target2 Saldo, vor allem bei den aktuellen Daten im September!

Lässt etwa im krisengeschüttelten griechischen Bankensystem der Refinanzierungsbedarf unerwartet nach? …Weit gefehlt, er wurde sogar über andere Kanäle überkompensiert, den die griechische NZB hat faule Wertpapiere (Schulden) der griechischen Banken aufgekauft und bis zur Endfälligkeit in die Bilanz übernommen. Dem negativen Target2 Saldo der griechischen NZB, letztlich eine Forderung der Deutschen Bundesbank, wenn auch formal über die EZB, steht nun nicht mehr ein temporäres Refinanzierungsgeschäft mit griechischen Banken gegenüber, sondern in die Bilanz der griechischen Notenbank übernommene faule Assets. Die sogenannten Remaining Assets der griechischen NZB wuchsen im September 2011 um +20,159 Mrd. Euro.

Die Entwicklung der Remaining Assets seit Januar 1999 in Mrd. Euro im Chart. Im September 2011 stiegen diese Assets auf 41,904 Mrd. Euro. Remaining Assets sind aufgekaufte Wertpapiere die unter Sonstige Finanzanlagen verbucht werden und nun bis zur Endfälligkeit von der NZB gehalten werden.

Diese Aktion der griechischen NZB könnte damit im Zusammenhang stehen, die griechischen Banken für den Schuldenschnitt überlebensfähig zu halten, da nun die Notenbank Teile der betroffenen Assets hält und der Schuldenschnitt bei den Assets der NZBs und den Forderungen der Troika aus den beiden Griechenrettungspaketen nicht angewendet wird. Sollte dies der Fall sein, hat die NZB mehr als die Hälfte der griechischen Staatsanleihen aus dem griechischen Bankensystem aufgesaugt und nur Narren glauben das sie dies zu Marktpreisen getan hat, denn dann wäre dem griechischen Bankensystem nicht geholfen, sondern es wäre sofort pleite. Fest steht das die griechische NZB im massiven Umfang fragwürdige Assets der griechischen Banken aufkauft und im Gegenzug der Refinanzierungsbedarf der Kreditinstitute logischer Weise sinkt.

Noch ein kurzer Blick auf die Einlagen im griechischen Bankensystem. Im September 2011 sanken die Einlagen von privaten Haushalten und Unternehmen um -5,457 Mrd. Euro auf 183,206 Mrd. Euro.

Die Entwicklung der Einlagen bei den griechischen Banken seit Januar 2009 im Chart. Im September 2011 wurde mit -5,457 Mrd. Euro der größte Kapitalabzug aus dem griechischen Bankensystem in einem Monat vollzogen. Seit dem Hoch bei den Einlagen im September 2009 mit 237,824 Mrd. Euro betrug der Kapitalabzug -54,618 Mrd. Euro. Dies entsprach 22,9% aller Einlagen.

Quellen Daten: Bankofgreece.gr/Datenbank monatliche Bilanz der Zentralbank von Griechenland, Bankofgreece.gr/Datenbank Einlagen

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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