Heute wählt Frankreich Macron zum Präsidenten – oder etwa nicht!?

von am 7. Mai 2017 in Allgemein

Heute wird in Frankreich der neue Präsident respektive die neue Präsidentin gewählt. Und wirklich alles, die Umfragen, die breite Unterstützung seitens der anderen großen Parteien des Landes sowie natürlich der Sieg in der ersten Wahlrunde Ende April deuten darauf hin, wer diese Wahl für sich entscheiden wird. Es ist der unabhängige oder präziser gesagt der parteilose Kandidat Emmanuel Macron, einstiger Investmentbanker und ehemaliger sozialistischer Wirtschaftsminister unter Noch-Präsident Hollande.

Ein sympathischer Mann, keine Frage, auch wenn sein Programm nicht allzu klar ist und es viele Franzosen auch nicht überzeugt. Kein Vergleich mit seiner Kontrahentin Marine Le Pen, Chefin des rechtsextremen Front National, der keine Umfrage den Sieg in der zweiten Runde der Präsidentschaftswahl zutraut. Demnach wird Herr Macron mit deutlichem Abstand gewinnen, das heißt mit 20 Prozentpunkten oder mehr.

Vorsicht! Die Wahl in Frankreich weist viele Parallelen zu der in den USA auf

Das TV-Duell zwischen Frau Le Pen und Herrn Macron am letzten Donnerstag war ein knallharter Schlagabtausch, persönliche Attacken inklusive. Keine Frage, zumindest in Ansätzen erinnerte der Stil der Attacken der Spitzenkandidatin des Front National an den von Donald Trump, auch was den Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen anbelangt. Und die Umfragen erklärten Macron zum Sieger. (1) (2) (3)

Spätestens seit gestern, einen Tag vor der entscheidenden Wahl, lässt sich nun nicht mehr bestreiten, dass die Präsidentschaftswahl erschreckend viele Ähnlichkeiten zu der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten aufweist. Denn gestern wurde berichtet, dass es eine großangelegte Hackerattacke auf den Präsidentschaftskandidaten Macron gegeben hat und wieder einmal wurde – wenn auch zweifellos sehr vage – Russland damit in Verbindung gebracht. Postwendend kündigte Noch-Präsident Hollande Konsequenzen an (4) – so wie es zuvor auch US-Präsident Obama tat, nachdem es im US-Wahlkampf Hackerattacken auf die Demokraten gegeben hatte, für die Russland verantwortlich gemacht wurde. Angeblich, weil Moskau damit Hillary Clinton schaden wollte respektive Trump als künftigen US-Präsidenten vorzog.

Nur zur Erinnerung: Monatelang hatten alle Umfragen Hillary Clinton einen überaus klaren Wahlsieg prophezeit – bis zum Schluss! Natürlich hat sie gemäß Umfragen auch alle TV-Duelle mit Trump gewonnen. Wenn also wirklich Russland hinter der Hackerattacke auf die Demokraten stand, dann war diese Aktion mit Blick auf die Beeinflussung der US-Wähler für Russland offensichtlich ein kompletter Fehlschlag – jedenfalls wenn man die Umfragen der US-Meinungsforscher zur Grundlage nimmt.

Und es gibt noch eine Parallele, die, was den Ausgang der heutigen Wahl in Frankreich anbelangt, gesehen werden sollte: Marine Le Pen ist genauso wie Donald Trump über den gesamten Wahlkampf hinweg von den Medien und den etablierten Parteipolitikern derart zu einer „Persona non grata“ gemacht worden, dass es viele Wähler im Falle einer Befragung von Nachbarn, Kollegen oder eben Meinungsforschungsinstituten vorziehen dürften, lieber nicht zu erkennen zu geben, wenn sie Marine Le Pen zu wählen gedenken.

Inzwischen hat sich im Übrigen herauskristallisiert, dass Emmanuel Macron de facto viel stärker dem politischen und wirtschaftlichen Establishment zuzurechnen ist und damit umgekehrt wohl eher nicht für einen politischen Neuanfang in Frankreich steht. Das gilt umso mehr weil unklar ist, ob und inwieweit er für seine Pläne – wie immer sie letztlich konkret aussehen werden – in der Mitte Juni neu wählenden Nationalversammlung (also dem französischen Parlament) Unterstützung findet. Und werden es nicht wieder dieselben alteingesessenen Politiker und Parteien sein, die die Nationalversammlung dominieren?

Marine Le Pen gewinnt, selbst wenn sie die Wahl verliert

Frankreich vor der entscheidenden Wahlrunde hat auf beinahe gruselige Weise alles, was es eingedenk der politischen Ereignisse in den USA im letzten Jahr für ein Déjà-vu braucht. Darüber liest und hört man in Presse und Medien praktisch so gut wie nichts, leider.

Marine Le Pen mag die Wahl am Ende tatsächlich verlieren oder besser gesagt nicht gewinnen. Zumindest ist das recht wahrscheinlich. Aber es könnte durchaus viel knapper ausgehen als das politische Establishment und die Medien glauben machen wollen. Sollte es so kommen, dann bedeutet es, dass Frankreich und die Finanzmärkte nur haarscharf an einer Wende vorbeigeschrammt sind, die heftige Turbulenzen verursacht hätte.

Es heißt vor allem, dass der Front National in Frankreich sehr stark und in Lauerstellung verbleiben wird. Sollte Emmanuel Macron Präsident werden, aber sich abzeichnen, dass er die Probleme Frankreichs genauso wenig in den Griff bekommt wie sein gescheiterter Vorgänger Hollande, dann geht Marine Le Pens´ Aufstieg unaufhaltsam weiter.

Auch wenn Macron die Wahl gewinnt ist eine Vertiefung der EU-Krise bereits vorprogrammiert

Es hieße des Weiteren, dass die Europäische Union immer noch kein Rezept für die Überwindung ihrer fundamentalen Krise hat und nicht in der Lage ist, aktiv eine weitere Verschärfung derselben zu verhindern.

Eins ist klar: Müde Appelle an die Wähler, keine europafeindlichen Schmuddelparteien zu wählen, reichen gewiss nicht aus, um den Zulauf, den solche Parteien gerade in den großen EU-Mitgliedstaaten verzeichnen (Ukip in Großbritannien bis zum Brexit-Votum, Front National in Frankreich, Fünf-Sterne-Bewegung in Italien, erst recht nachdem sich Matteo Renzis PD selbst zerlegt hat (5) (6)), zu stoppen oder gar umzukehren. Die Europagegner um Nigel Farage (Ukip) beispielsweise verlieren jetzt viele Wähler an die konservativen Tories, weil Premierministerin May für einen harten Brexit kämpft.

Für die EU und speziell für die Eurozone ist es deswegen der sichere Weg in ein europäisches Chaos, von dem am Ende niemand profitieren kann, wenn man einzig auf solche Appelle setzt.

Ein Blick nach Großbritannien reicht völlig aus, um das zu erkennen. Premierministerin Theresa May wiederholt immer wieder ihr realitätsfernes Versprechen, den Brexit für Großbritannien zum „Erfolg“ machen zu wollen. Wie das funktionieren soll, weiß wahrscheinlich nur sie selbst. Erklärt hat sie es in jedem Fall noch nicht. Inzwischen aber vertritt sie derart abgedrehte Vorstellungen von „ihrem“ Brexit-Deal mit der EU, dass jetzt selbst die britischen Medien der Einschätzung von Jean-Claude Juncker, Mrs. May lebe offenbar in einer anderen Galaxie (7), recht geben und mancher Kommentator dort gar konstatiert, Theresa Mays´ „Brexit-Britannien“ könne nicht länger als seriöser Staat angesehen werden (8).

Nein, das hier Angesprochene ist keine aus einer Glaskugel abgeleitete Untergangsprophetie und es ist – in der Zusammenschau der Aspekte – definitiv kein Scherz. Es gibt keinen Plan, keinen Steuermann. Was passiert, das passiert halt und ob es sich auf Fakten oder „alternative Fakten“ stützt, ist unerheblich. Frankreich hat, das ist seit Beginn der Eurokrise in Griechenland im Prinzip klar, für die EU die größte Sprengkraft. Die Probleme sind dort angekommen und sie finden ihren Ausdruck nicht nur in den Fakten, sondern auch an der Wahlurne. Jetzt wird es wirklich ernst für die Europäische Union – Macron hin, Macron her.

Doch vielleicht kommen wir alle noch einmal mit einem blauen Auge davon und die Umfragen bewahrheiten sich (anders als in den USA) heute in Frankreich. Dann hätten die EU-Entscheider wieder ein wenig Zeit gewonnen – bis zur nächsten Wahl in Frankreich oder Italien oder wo auch immer. Mehr aber auch nicht.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: info.sle@web.de

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18 KommentareKommentieren

  • Olaf23 - 7. Mai 2017

    Ich stimme der Analyse zu, dass es eigentlich belanglos ist, ob dort jetzt Macron oder Le Pen das Rennen macht. Wenn die EU sich nicht auf einen neuen Kurs begibt, der die Menschen und natürlich auch deren Mitbestimmung an den politischen Prozessen in den Fokus rückt, dann wird das Projekt scheitern. Die Frage ist halt, ob so eine Veränderung überhaupt möglich ist? Einerseits scheint die Politik und Wirtschaft ohne jeglichen Zweifel ob des eingeschlagenen wirtschaftlichen Weges zu sein und andererseits scheinen die politischen Institutionen und die sie umgebenden beeinflussenden Kreise so verfestigt zu sein, dass es zumindest mir fast unmöglich erscheint.

  • Holly01 - 7. Mai 2017

    Hallo Hr. Eichner,
    danke für den sehr guten Text.
    Würden Sie bestätigen, dass Frankreich für noch etwas steht?
    Steht Frankreich für die Einhaltung aller Absprachen, von Inflationskorridor bis Lohnsteigerungen, die innert der Euro-Zone abgesprochen wurden?
    Steht Frankreich auch für die herrausragende Umsetzung der Nachkriegsordnung, von dem Abrücken vom Kolonialismus bis zur Französisch-deutschen Freundschaft auf vielen Ebenenß
    Steht Frankreich dann heute da, als land das alles Absprache erfüllt hat und trotzdem der Austerität ins kalte Auge schaut?
    Oder wäre Ihnen diese Betrachtung zu meinungslastig und einseitig?
    lg Holly

    • Olaf23 - 7. Mai 2017

      Frankreichs Politik in Afrika verstehe ich nicht so ganz als Abrücken vom Kolonialismus. Das Land hat durchaus verstanden auch nach der Entlassung der Kolonien in die “Freiheit” seine geopolitischen Interessen mit Nachdruck zu verfolgen.

      • Kairo - 8. Mai 2017

        @Olaf23 + @Holly:
        SIe sprechen ein Thema an, auf das ich vor Jahren gestoßen bin (dieser Link gibt Einblick http://www.siliconafrica.com/france-colonial-tax/ ), das m.E. eine Tragweite hat, die gar nicht zu überschätzen ist. Nach der einseitigen Unabhängigkeitserklärung von Guinea 1958 statuierten die Franzosen ein Exempel, das an Grausamkeit schwer zu überbieten ist.

        Seither sind die 14 ehemaligen Kolonien wirtschaftlich in einem Masse abhängig von Frankreich, die jegliche Entwikcklung im Land praktisch verunmöglicht.

        Seit über 60 Jahren zahlen die Länder “Pachten” für von den Franzosen zurückgelassener INfrastruktur, farnzösiche Firmen haben einen vorrangien Zugriff auf neu entdeckte Resourcen, die Währungsreserven der Länder liegen bei der Banque de France, über einen gewissen Prozentsatz hinaus, darf nur (eigenes) Geld gegen Zins entnommen werden, usw. usf.
        Chirac hat 2008 in einem Interview in erstaunlicher Offenheit sinngemäß gesagt: “Ohne Afrika würde Frankreich zu einem Drittweltland werden.”

        Bei den Verhandlungen über die Ausgestaltung des € stolperten die anderen Europäer natürlich auch über das Thema CFA, das gewissermassen eine Art Währungskolonialregime darstellt, man ging aber offensichtlich am Ende schweigend darüber hinweg.

    • SLE - 7. Mai 2017

      Hallo Holly01,

      ich denke, Olaf23 spricht in diesem Zusammenhang einen wirklich wichtigen Punkt an: Frankreich hat sich unterschwellig – allen Problemen der letzten Jahre und dem damit verbundenen Abstieg sowie seiner EU-Mitgliedschaft zum Trotz – aus historischen Gründen genauso wie Großbritannien stets als “Weltmacht” verstanden. “Grande Nation” – das ist nicht nur eine Redensart. Frankreich will dies sein und bei militärischen Entscheidungen und Aktionen, beispielsweise in Libyen und Syrien kommt das auch zum Ausdruck.

      Meines Erachtens war dies im Übrigen in den zurückliegenden Jahren nie klarer zu erkennen als unter Präsident Nicolas Sarkozy. Nachdem Donald Trump begonnen hat, seine “America first”-Politik zu betreiben, Großbritannien aus der EU ausscheidet und es überall starke nationalistische Tendenzen gibt, die den Druck auf die alten Volksparteien erhöht haben, hat sich der politische Trend zur Rückbesinnung auf nationale Stärke verstärkt.

      Bedenken Sie bitte, dass sich Emmanuel Macron im Wahlkampf als ein neuer De Gaulle geriert hat! Warum wohl hätte er das tun sollen? Oder glauben Sie, dass das nur so dahergesagt war?

      Viele Grüße
      SLE

      • Olaf23 - 7. Mai 2017

        Also ganz konkret kann man das recht gut am Franc CFA sehen. Damit hält Frankreich seine ehemaligen Kolonien sehr gut unter Kontrolle. Mit wirklicher Unabhängigkeit hat teilweise nicht viel zu tun.

        Hier lohnt es sich mal eine halbe Stunde Wikipedia zu geben:

        https://de.wikipedia.org/wiki/CFA-Franc-Zone

        Der Punkt “Militärinterventionen seit 1960” macht recht deutlich klar wie der Hase läuft:

        “Seit der Unabhängigkeit der afrikanischen Kolonien (1960) hat Frankreich eine Vielzahl von Militärinterventionen in Afrika, vor allem der CFA-Zone, durchgeführt. Seit 1976 werden diese Militärinterventionen als OPEX (opérations exceptionnelles) bezeichnet.[48] OPEX gelten als zwingende Notwendigkeit zur Sicherstellung der Nationalen Sicherheit Frankreichs.”

      • Holly01 - 7. Mai 2017

        Hallo Oleaf23, hallo SLE,
        danke für die Antworten.
        Darf ich aus diesem rauhen Wind schliessen, dass dieser Beitrag allgemein frei gegeben ist?
        lg Holly

  • Fekub - 7. Mai 2017

    >Ein Blick nach Großbritannien reicht völlig aus
    >Mrs. May lebe offenbar in einer anderen Galaxie
    >„Brexit-Britannien“ könne nicht länger als seriöser Staat angesehen werden
    = veröffentlichte Meinung

    Großbritannien ist Atommacht und für die BRD wichtiger Exportabnehmer. Kennzeichen von Souveränität ist, für richtig gehaltene Politik durch setzen zu können, dass ist britische Historie und kein dummer Alleingang. Das Empire des Commonwealth hat weder Griechenland, noch Brüssel nötig – umgekehrt verlor die EU das BIP seiner 20 kleinsten Mitglieder.

    Nachdem die EU den Handelspartner Russland zum eigenen Schaden sanktioniert, wird man die Dummheit steigern und Großbritannien in die Knie zwingen? Bombardiert Berlin demnächst wieder?

    Dem Größenwahn muss ein Ende gesetzt werden, egal wie.

    Schade für die europäische Idee, wenn Nationalisten letzte Chance sind, den Zerstörungswillen der Internationalsozialisten zu stoppen.

    • DE-EXIT welcome - 7. Mai 2017

      Falsch!
      Wer spricht hier immer von Nationalismus?
      Das sind doch lediglich, die, die von einer EUdSSR über alle Maßen profitieren würden!
      Wer hat was von einem €, der sich am Schwächsten orientiert, dessen Wirtschaft eben anders konstruiert ist, als auf Exportboombummbumm a la DE?
      Und wer hat in DE was von einem € der im Außenwert nix taugt, man deshalb aber trotzdem imer mehr arbeiten soll, muß?
      Niemand!

      Was ist gegen ein gesundes Maß Patriotismus einzuwenden?
      Nur dass er angeblich nicht zu einer EudSSR paßt?
      Nun, dann sollte Brüssel mal daran arbeiten.

      Und Patriotismus ist nicht gleich Nationalismus, im Gegenteil.
      Was gerade abgeht in der deutschen Wirtschaft ist nationalistisch, weil Exportbummbummohne Rücksicht auf die eigene Bevölkerung, ohne Rücksicht auf die Mitgliedsländer, ohne Rücksicht auf deren Befindlichkeiten, werden die Länder und MEnschen der EU wirtschaftlich niedergerungen.

      Der Nationalismus ist ein Geist, den Wirtschaft und Politik aus der Flasche ließen um sich an ihrer Größe zu laben.

      Das hat mit dem Patriotismus, der Liebe zum Vaterland, der Liebe zur Heimat, des kleinen Mannes, wohl kaum etwas zu tun.

      Der Nationalismus ist eine zwingende Begleiterscheinung des Kapitalismus um sich gegen dessen Untergang zu wehren, er ist die hässliche Fratze desselben, s. America first, und er hat mit Patriotismus eben deshalb NIX zu tun.

      Damit sollte alles klar sein.

      • Fekub - 7. Mai 2017

        Die EU war immer Projekt der Eliten, egal ob unter Napoleon, Hitler oder Schulz. Britische Skepsis hatte m.E.n mit der “Balance of power” aus Egoismus zu tun.

        Das Maß von gesundem Patriotismus, Nationalismus, Sozialismus oder Internationalismus bestimmt nicht der Wähler sondern seine Eliten wie Schulz, Macron oder Merkel.

        GB erlaubt seinen Bürgern ein dem Egoismus entsprechendes Maß an EU Ablehnung, egal ob man das nationalistisch oder patriotistisch nennt.

        Dem Deutschen ist momentan nur Zustimmung erlaubt, deshalb enden alle Versuche sich zu wehren im Schicksal von Guido Reil:

        Die EU scheitert am Pfusch der Eliten, nicht an Kleinbürgern in Polen/Ungarn oder der Normandie. Nach zwei von Kleinbürgern unverschuldeten Weltkriegen beginnt das 21. Jahrhundert mit einer Pleite.

      • Holly01 - 7. Mai 2017

        Hallo DE-Exit,
        gegen einen gesunden Patriotismus spricht der ungesunde Umgang der meisten Menschen.
        Sie haben den entscheidenen Punkt ausgelassen (denke ich).
        Patrioten haben nichts gegen andere Patrioten und grenzen niemanden aus.
        Patriotismus ist introvertiert.
        Nationalisten stellen die eigene Nation über andere oder auch alle anderen.
        Nationalismus ist extrovertiert und sucht den Vergleich.
        Nationalismus grenzt auch alle anderen aus.
        Das größte Problem ist aber der fliessende Übergang.
        Selbstbewusstsein wäre eine Vokabel bei der ich “ok” denken würde.
        Aber Partiotismus und Nationalismus wurden so oft von “xxx-isten” missbraucht, das die einen faden Beigeschmack haben.
        Nation war einfach viel zu oft die Steigerung von Gesellschaft, mit dem Ziel der Gewalt.
        Ich liebe mein Land. Aber ich braucht dafür von niemandem die Bestätigung und ich setze von jedem Menschen voraus, das er (mehr oder weniger) sein Land liebt.
        Das ist etwas so wie Liebe zwischen Menschen. Ich liebe meine Frau, ich habe auch gar kein Problem damit wenn ich andere Paare sehe die sich lieben.
        Abgrenzungen und Ausschlüsse können das Leben extrem erschweren.
        Ich vermute darin den Grund warum so viele zusammen zucken, wenn sie Patriotismus hören. Die Amis halten sich für Patrioten. Ich halte das nicht für Patriotismus, ich denke das ist Nationalismus.
        Wie auch immer, der Begriff ist verbrannt in Deutschland. Die Nazis haben den Begriff inhaltlich zerstört, mit dem was die alles getan haben und unterlassen haben.
        Vielleicht sollte man einen anderen Begriff suchen…..
        lg Holly

  • Kelim Backtasch - 7. Mai 2017

    es ist egal, wer gewinnt in F.

    Le Pen wurde schon mal verladen, 2014 bei den Kommunalwahlen, als die Ober-Sozen und -Konserven ihrem Stimmvieh erzählten, sie mögen sich bitte auf den von ihnen ach so plötzlich gemeinsamen Kandidaten, entscheiden.

    Der Front National wird diese Demütigung nicht noch einmal ertragen müssen, denn egal, wer diesmal noch die Wahl gewinnt, de nächsten Wahlen wird der Front National abräumen.

    F ist nicht GR und die Franzosen werden sich dem deutschen Austertätsdikat nicht unterwerfen.

    Brüssels EUdSSR nach Merkels Gnaden hat fertig, maximal noch eine gewisse Zeit des Siechtums vor sich, aber deren Tod ist Programm.

    Der Tod des € ist das Ende der Knechtschaft und meine Freunde in Frankreich halten schon die gewetzten Messer in Händen um ihm und der EudSSR den Todesstoß zu versetzen.

    Vive la France.

  • JL - 7. Mai 2017

    Ob nun Macron oder Marine Le Pen gewinnt ist für Europa letztlich gleich schlecht.

    Macron steht für ein weiter so in Frankreich, will aber Risiken, Verpflichtungen und Schulden „sozialisieren“- also in gewohnter Rothschildmanier breit streuen- um Frankreich finanziell auf Kosten anderer zu entlasten oder zu sanieren. Dies betrifft gleichwohl Investitionen, Bankenunion (Risikohaftung), EU-Arbeitslosenversicherung und so weiter. Damit ist klar, daß unter Macron an den inneren Strukturen in Frankreich nicht gerüttelt wird, sondern ein weiter so auf Kosten anderer angedacht ist. Somit werden die französischen Probleme mal wieder verschoben aber eben nicht behoben. Und klar ist auch das es zukünftig zusätzliche Spannungen innerhalb der EU geben wird- wer will sich schon freiwillig in Zeiten roter Zahlen und klammer Kassen zusätzlich ausnehmen lassen.

    Gewinnt Le Pen sieht die europäische Welt auch nicht besser aus. Der von ihr immer wieder verkündete Frexit würde dann wohl Realität werden. Zusätzlich zum Brexit würde man wohl auch den France wiedereinführen, was den Euro deutlich erschüttern dürfte- und für der einst angedachten alternativen Weltleitwährung das Aus bedeuten würde. Gleichzeitig würden sich die Stimmrechtsanteile innerhalb der EU zu Ungunsten Deutschlands verschieben, was die Politik der EU sicher erschweren wird. Zudem würde der europäische Laden zunehmend erpreßbar, was die zwischenstaatlichen Interessenskonflikte zusätzlich vertiefen sollte- aus Brüsseler Sicht ein zunehmend unregierbarer Haufen Egoisten also. Und- das sollte man auch nicht vergessen- Frankreich und England könnte politisch gemeinsam gegen die EU intrigieren um weitere Austritte zu provozieren, im Versuch die Wirtschaftskraft und Einflußnahme Deutschlands zu schwächen.

    Wie dem auch sei, die EU hangelt sich von einer nationalen Wahl zur nächsten, immer in der Hoffnung das alles so bleibt wie es ist- ein stabiler wirtschaftspolitischer Währungsraum sieht allerdings anders aus.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

    • SLE - 7. Mai 2017

      Hallo JL,

      ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass die historischen Feinde Frankreich und England paktieren würden. Ich spreche selbst kein Französisch, habe mir aber immer wieder sagen lassen, dass man dort ganz anders behandelt wird, wenn man es tut. Englisch kommt dort gar nicht gut an.

      Was m.E. sehr viel darüber sagt, was für ein Kandidat Macron ist und wofür er steht, hat die Reaktion an den Börsen am Tag nach der ersten Wahlrunde gezeigt: Die Börsen und insbesondere Bank-aktien haussierten.

      http://www.faz.net/aktuell/finanzen/aktien/wahl-in-frankreich-boerse-feiert-sieg-von-emmanuel-macron-14985273.html

      Ich nehme an, viele Franzosen haben dies ebenfalls zur Kenntnis genommen.

      Viele Grüße
      SLE

      • JL - 7. Mai 2017

        Hallo SLE

        Geschichtlich gesehen haben Sie Recht. Die Politik an sich orientiert sich aber nicht an Geschichte, sondern an Interessen.
        Franzosen wie Britten sind in der Union letztlich als Verlierer aufgetreten. Die Realwirtschaften stagnieren und können der deutschen Exportwut nichts entgegensetzen. Damit schwindet auch die politische Einflußnahme auf die Europäische Union, die zunehmend Sichtbar von deutschen Interessen geprägt wird. Sagt Merkel nein geht nichts innerhalb der EU.

        Und es stimmt natürlich das sich die Franzosen wie Britten immer noch als „Supermacht“ verstehen und dies ihre alltägliche Politik bestimmt. Ergo kann der einstmals geschlagene Feind Deutschland nicht als „Oberlehrer“ für diese Länder anerkannt werden.

        Und genau hier greift wieder der geschichtliche Rückblick, unter dessen Betrachtung es unmöglich ist eine Union unter Gleichen zu formen- schlicht da es im Denken und Handeln unterschiedliche Normen und Vorstellungen gibt. Von außen betrachtet hat Deutschland Europa erneut „erobert“ und die Wirtschaften anderer Staaten ruiniert. Hier treffen also Realitäten zum Beispiel auf die gedanklichen Ideale einer Grande Nation oder eines Empires, die man im Korsett der EU nunmal nicht umsetzen kann. Im übertriebenen Sinne lautet deren Motto Einfalt statt Vielfalt, Regeln statt Freiheit und Normen statt regionale Besonderheiten. Frei nach dem Motto: Der Käse muß überall gleich gut oder schlecht schmecken und alle haben sich irgendeiner „Leitkultur“ anzupassen.

        Der europäische Bürokratismus ist nicht nur Teuer, sondern beraubt Europa seiner Vielfallt. Der Euro selbst ist eine technokratische Erfindung die auf Dauer nicht funktionieren kann. Jeder Staat der sich seiner eigenen Geldhoheit entledigt hat ist ein Vasall der EZB und die wiederum kann es unmöglich allen gleichzeitig recht tun, es wird also ständig irgendwelche Verlierer geben. Selbst der scheinbare Gewinner Deutschland hat letztlich nur auf Sand gebaut, Siehe Target 2- Forderungen.

        Dieses technokratische Konstrukt in seiner bisherigen Form wird mit Sicherheit scheitern und damit leider auch der gemeinsame europäische Gedanke von Einheit in Vielfallt- wenn nicht heute dann eben in 5 Jahren.

        Mit freundlichen Grüßen

        JL

  • Jeha - 7. Mai 2017

    Guter Artikel.

    Wenn die Demokratie einem nur die Wahl lässt zwischen einer Kriegstreiberin oder einem egomainschen Rassisten oder jetzt einer Rechtsradikalen und einem Investmentbanker, muss irgendwie was fürchterlich schief gelaufen sein.

    Gruß Jens

  • Bubblegum - 7. Mai 2017

    @Alle,

    eins steht jedenfalls fest.
    Macronleaks ist eine Beleidigung für die Intelligenz der Wähler und das demokratische System insgesamt. Das dümmlich widerwärtige Russlandbashing tut ein übriges.
    Mit dem letzten Fernsehduell war die Wahl de Facto gelaufen.
    Denn in den Überseegebieten Frankreichs wurde bereits wegen der Zeitverschiebungen am Samstag gewählt.
    Folglich dürfen die Kandidaten ab Samstag 0 Uhr praktisch keinen Wahlkampf mehr machen.
    Heise berichtet, dass der Ursprung der Meldung in den USA zu suchen sei.
    Viele Grüsse Bubblegum

    • Holly01 - 8. Mai 2017

      Hat Macron den Ausnahmezustand schon aufgehoben?
      Ich schätze das wird er auch nicht ….
      Das hilft doch so schick jeden basisdemokratischen Protest zu unterdrücken.
      Er ist halt doch aus dem elitären Club und wird inhaltlich garnichts ändern, alles nur Rhetorik.
      lg Holly