Inlandsaufträge der griechischen Industrie mit -34,7% zum Vorjahresmonat

von am 20. Januar 2012 in Allgemein

Das griechische Statistikamt ELSTAT berichtete gestern desaströse Daten zum Auftragseingang der Industrie, vor allem für die Inlandsaufträge. Beim gesamten Auftragseingang ging es im November 2011 um -10,5% zum Vorjahresmonat abwärts. Unglaubliches spielt sich weiter bei den Inlandsaufträgen ab, mit einer bisher nie dagewesenen Rekordrate von -34,7% zum Vorjahresmonat schmierten die Aufträge aus dem Inland ab! Nur die Auslandsaufträge konnten dieses Desaster etwas überdecken, mit +7,2% zum Vorjahresmonat.

Im Chart die saisonbereinigten Inlandsaufträge der griechischen Industrie von Januar 2000 bis November 2011. Im November 2011 sanken die saisonbereinigten Inlandsaufträge auf den tiefsten Stand seit Beginn der Datenreihe im Januar 2000. Um satte -41,73% liegt man bei den Inlandsaufträgen unter den durchschnittlichen Niveau des Jahres 2000. Vom Hoch im Juni 2008 mit 119,14 Indexpunkten betrug der Einbruch bis November 2011 unfassbare -55,71%!

Die Daten von den Inlandsaufträgen für die griechische Industrie zeugen von einem beispiellosen Niedergang in Griechenland, in Folge der Austeritätsmaßnahmen, Sparmaßnahmen die bei einer völlig unterentwickelten wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit nahezu zu einem Kollaps auch der Reste der Industrie führen. Weiter bleibt es dabei, unverantwortlich werden mittels Versagerstrategie der Troika (IWF, EU und EZB) die Schäden maximiert und ein griechischer kompletter Zahlungsausfall riskiert.

Niemals kann eine Volkswirtschaft mit unterentwickelter Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit seine Verbindlichkeiten aus noch weniger Wertschöpfung und aus noch weniger Leistungsfähigkeit begleichen. Niemals kann man die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit einer Wirtschaft erhöhen, mit Investitionen die mit zweistelligen Raten sinken:

Die Entwicklung der Bruttoanlageinvestitionen seit Q1 2001 bis Q3 2011. In Q3 2011 sanken die Bruttoanlageinvestitionen um weitere -15,2% zum Vorjahresquartal. Seit nun 16 Quartalen in Folge, im Vergleich zum Vorjahresquartal, sinken die Bruttoanlageinvestitionen in Griechenland! Seit dem Hoch im 2. Quartal 2007 sind die Bruttoanlageinvestitionen um unverantwortliche und beispiellose -50,38% gesunken!

Die Bruttoanlageinvestitionen umfassen den Erwerb von dauerhaften und reproduzierbaren Produktionsmitteln sowie selbst erstellten Anlagen, ebenso von größeren Reparaturen, die zu einer wesentlichen Steigerung des Wertes einer Anlage führen. Die Bruttoanlageinvestitionen untergliedern sich in Ausrüstungen (Produktionsanlagen, Maschinen, Geräte, Fahrzeuge), Bauten (Wohnbauten, Nichtwohnbauten) und sonstige Anlagen (u.a. Nutzvieh und Nutzpflanzungen, Computersoftware).

Diese Daten sind eine Schande und diese absehbare Entwicklung war und ist nicht geeignet einen Beitrag zur Behebung der Schuldenkrise zu leisten, im Gegenteil, sie ist der Garant für den Niedergang und eine Schande für Europa und die verantwortlichen Institutionen die diese wirtschaftspolitische Versagerstrategie tragen.

Quelle Daten:Statistics.gr/Pressemitteilung Auftragseingang der griechischen Industrie November 2011, Eurostat.ec.europa.eu/Datenbank

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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15 KommentareKommentieren

  • SLGramann - 20. Januar 2012

    Hallo Steffen,

    stimme Dir in allem zu.

    Dennoch: Ich würde es gut und fair finden, wenn Du bei Gelegenheit mal einen Blick auf die Entwicklung der griechischen Leistungsbilanz werfen würdest. Vielleicht, wenn die Daten für 2011 komplett vorliegen.

    Ich könnte mir vorstellen, dass sich das Defizit dort deutlich verringert (ich weiß es aber nicht, habe da keine Daten). Das wäre zumindest mal ein Erfolg – auch wenn der Preis der Methode “Totsparen” zu hoch ist und diese Methode auf ein großes Land wie Spanien angewandt, Europa zerreißen würde (denn wer zahlt die Sozialtransfers für all die Arbeitslosen, die dadurch entstehen?).

    Gruß

    • Querschuss - 20. Januar 2012

      Hallo SLGramann,
      der “Erfolg” bei der Leistungsbilanz hält sich in Grenzen, gerade heute hat die Bank of Greece die Daten für November 2011 veröffentlicht. Das Leistungsbilanzdefizit betrug -2,303 Mrd. Euro, kumuliert von Januar bis November 2011 -18,898 Mrd. Euro, im Vergleichszeitraum 2010 waren es -21,157 Mrd. Euro. Damit hat sich im kumulierten Zeitraum das Leistungsbilanzdefizit zwar um 10,7% verbessert, nur gemessen an den Schäden im Rest der Volkswirtschaft stehen 2,2 Mrd. Euro weniger an Defizit in 11 Monaten nicht.

      Wäre das Defizit nahe Null, ok. dann müsste man etwas anders abwägen, so bleiben 2011 voraussichtlich -47 Mrd. Defizit aus Staatshaushalt und Leistungsbilanz, ca. 21,6% des nominalen BIPs, ein Desaster pur, erst recht angesichts der wirtschaftlichen Schäden, den Einkommensverlusten und der Konsumkontraktion. Die Daten sind so desaströs, das „FAIR“ erst mal hinten anstehen darf und knallharte Kritik formuliert werden muss. Schließlich bedroht dieser Niedergang und seine Ansteckungseffekte den Lebensstandard Aller in der Eurozone.

      Gruß Steffen

      • SLGramann - 20. Januar 2012

        Hallo Steffen, das ist einfach nur desaströs und schockierend. Hatte das so nicht erwartet. Ehrlich gesagt ist es mir rätselhaft, wie bei einem so radikalen Absturz eines Landes die Importe nicht deutlicher sinken.

        Es wurde also rein gar nichts erreicht.

        Dass das Leistungsbilanzdefizit so groß bleibt, spricht sehr dafür, dass Griechenland im eigenen Interesse zur Drachme zurückkehren sollte. Die EU sollte das mit konstruktiven, realwirtschaftlichen Hilfsprogrammen flankieren. Aber so etwas interessiert unsere Elite nicht, weder in Berlin, noch in Brüssel und auch nicht in Athen.

        Grüße
        SLG

  • peterb - 20. Januar 2012

    Griechenland, mal wieder.
    Die Entwicklung ist bei der “Behandlung” GRs kein Wunder.
    Ein Mensch wäre bei einer vergleichbaren “medizinischen” Vorgehensweise bereits dem Tode näher als dem Leben.

    A propos Mensch.
    Was lese ich heute zu GR in der Zeitung? “Hedgefonds drohen mit Menschenrechtsklage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, … sollten sie per Gesetz zu einem Schuldenschnitt in GR gezwungen werden … Ausgangspunkt für eine Klage … könnte demnach eine mögliche Verletzung des Eigentumsrechts sein, das in der EU als Menschenrecht gilt. … Hintergrund der Drohung der aggressiv geltenden Investoren ist die Drohung der griechischen Regierung, möglicherweise private Gläubiger gesetzlich zu einem Forderungsverzicht zu zwingen …. Das Engagement der Gläubiger ist ein entscheidender Baustein für das zweite, 130 Milliarden schwere Hilfsprogeramm für GR.”

    Dazu fällt mir nur ein Statement von Noam Chomsky ein. In “War against People schreibt er unter der Überschrift: “Rechte, für wen?”

    “Bekanntlich bestand ein wesentlicher Fortschritt der Menschenrechtserklärung darin, daß die Rechte für alle Personen gelten sollten, das heißt, für Personen aus Fleisch und Blut. Die wirkliche Welt ist ganz anders. In den USA wird der Ausdruck “Person” offiziell so definiert, daß er auch juristische Personen umfaßt – “Einzelpersonen, Geschäftszweige, Handelspartner, Handelsgesellschaften, Gütergemeinschaften, Trusts, Konzerne oder andere Organisationen (seien diese gemäß den Gesetzen eines Staates organisiert oder nicht), sowie sämtliche Regierungskörperschaften”.[Survey of Current Business 76:12 (Washington DC: US Dept. of Commerce. Dez. 1996)] Dieser Begriff von “Person” hätte Denker wie James Madison oder Adam Smith, die ihre geistigen Wurzeln in der Aufklärung und im klassischen Liberalismus besitzen, zutiefst schockiert. Aber er ist der vorherrschende und verleiht der Menschenrechtserklärung eine Form, die ihren ursprünglichen Intentionen ganz sich nicht gerecht wird.”
    (Teil 1)

  • peterb - 20. Januar 2012

    “Eine ausufernde Rechtsprechung hat dahin geführt, daß die Rechte von Personen auch auf “kollektive Rechtssubjekte”, wie manche Rechtshistoriker es nennen, ausgedehnt wurden. Im engeren Sinne werden darunter Leitungsgremien verstanden. Auf diese Weise haben die Gerichte für einen neuen ‘Absolutismus’ gesorgt”.[Morton J. Horwitz, The Transformation of American Law 1870-1960 (Oxford,1992)] Diese neu geschaffenen unsterblichen Personen sind durch die Zuschreibung persönlicher Rechte vor Überwachung geschützt und steuern die einheimischen und internationalen Märkte durch ihre internen Operationen, “strategische Bündnisse” mit angeblichen Konkurrenten und anderen Verkoppelungen. Von den mächtigen Staaten, über die sie, wie JohnDewey einst sagte, den “Schatten” namens “Politik” werfen, fordern und erhalten sie entscheidende Unterstützung und bestätigen damit die Befürchtungen, die James Madison vor zweihundert Jahren hegte, daß private Macht dasWagnis Demokratie zerstören könnte, indem der Privatsektor “zugleich zum Werkzeug und zum Tyrannen” der demokratischen Regierung wird. Das Hauptziel des “Neoliberalismus besteht darin, den öffentlichen Raum für andere einzuschränken und den Staat zugleich zum Werkzeug des wirtschaftlichen Privatinteresses zu machen.

    Die Grundidee wurde klar und deutlich von David Rockefeller formuliert: Es gehe darum, “den Einfluss der Regierung zurückzudrängen”. So etwas “liegt den Geschäftsleuten am Herzen”, bemerkte er, “andererseits jedoch muß irgend jemand die Rolle der Regierung übernehmen, und da scheint mir die Geschäftswelt der logische Nachfolger zu sein. Ich glaube, daß allzu viele Geschäftsleute sich dessen einfach noch nicht bewußt sind oder gesagt haben: ‘Das muß jemand anderer veratworten, nicht ich.'”[“Looking for New Leadership”, Newsweek International, 1.Feb.1999]”

    aus: Chomsky, War against People, Europa Verlag, S. 95-96

  • peterb - 20. Januar 2012

    So treten also internationale Konzern, Hedgefonds etc., ausgestattet mit Menschenrechten auf, um Volker und Staaten für ihre – im Grunde unmenschlichen – Interessen in die Knie zu zwingen und – wo es geht – zu ewigen Sklaven zu machen.

    Übertrieben? Nein, es wird vor unseren Augen völlig “legal” praktiziert.

  • peterb - 20. Januar 2012

    Ach so, hier noch der 3. Teil aus Chomskys obigen Ausführungen – hatte ich fast vergessen

    “Auf keinen Fall aber darf es die Öffentlichkeit verantworten. [Verantwortung für den Staat auszuüben] Der große Fehler einer Regierung besteht darin, daß sie dieser Öffentlichkeit gegenüber in gewissem Maße Rechenschaft ablegen muß und ihr Mitwirkungsmöglichkeiten bietet. Der Fehler wird behoben, wenn die Verantwortlichkeit in die Hände unsterblicher, mit großer Macht ausgestatteter Rechtspersonen gelegt wird, die den Schutz von Persönlichkeitsrechten genießen und ohne störende Einwirkung der Öffentlichkeit planen und entscheiden können.

    Gegenwärtig politische Initiativen wollen die Rechte juristischer Personen gegenüber denen, die Personen aus Fleisch und Blut zustehen, enorm ausweiten. (…) Diese Abkommen garantieren Konzerndiktaturen das Recht auf “nationale Behandlung”, das Personen im herkömmlichen Sinn nicht zusteht.”

    Kommentar überflüssig.

  • der Bauer vom Hunsrück - 20. Januar 2012

    das war Absicht der Troika!
    wie sonst hätt man Hedgefonds so gut bedienen können als mit niedrigen Preisen für faktisch wertlose Anleihen, weil nahezu uneinbringbar? Dafür gibt´s jetzt im Tausch zu einen Haircut von 50% auf NULL, die vergemeinschafteten Eurobonds mit 3,1 – 4,25% Zins. Das hat sich doch gelohnt! Da war nicht mal Risiko dabei, weil Papademos ist ja einer von ihnen. Und es wird dem Pöbel ganz sicher als Erfolg verkauft, immerhin verzichtet das aach so gierige Kapital auf 50% seiner uneinbringbaren Forderungen.

    Das hat mit GR gut funktioniert, mit IRL nicht, es wird mit P funktionieren und es wird mit S funktionieren; bei I bin ich mir nicht sicher und bei F schließe ich es aus, weil meine franz. Freunde dann keine Autobahnen mehr mit Treckern blockieren, keine Apfelernte oder Misthaufen vor dem Elyseepalast abladen, die strürmen dann erneut die Bastille…

  • Tourist - 20. Januar 2012

    Dass die Griechen im internationalen Wettbewerb schlichtweg durch mangelnde Produktivität nicht mehr mithhalten können und deswegen keine “Leistungs-undWettbewerbsfähigkeit” vorliegt ist nicht Ergebnis einer poltischen Absicht, sondern das Ergebnis von weltmarktlichen Konkurrenzbeziehungen!

    Dass die Leute im nachinein jetzt noch das beste aus der Misere jeder für sich rausziehen will…ja ist doch klar! Dieser Zustand ist aber die Folge vom benannten Problem!

    Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass selbst wenn die Staatskonsumqote ihr Geld in die Realwirtschaft pumpt, ich bezweifeln würde, das es dadurch zu ausreichenden produktivitätstssteigernden Ersatzinvestitionen kommen würde, die wieder “weltmarktfit” wären!

  • Querschuss - 20. Januar 2012

    Hallo Tourist,
    erhöht sich die Wettbewerbsfähigkeit durch Investitionen, wenn sie zweistellig sinken, sicher nicht, auch nicht durch extreme Konsumkontraktion, die ja auch die binnenorientierte Industrie schädigt, welche nicht notwendigerweise auf Weltmarktniveau sein muss. Ganz zu schweigen von ca. 70000 pleitegegangenen Einzelhändlern und anderen Selbständigen. Wenn alle weniger ausgeben, u.a. weil ihnen die Einkommen weggestrichen werden fällt jede Wirtschaft in die Depression. Dieses Modell 1:1 auf Spanien oder Italien übertragen, wird die Eurozone zerstören.

    “…ist nicht Ergebnis einer poltischen Absicht” …Selbstverständlich sind die Austeritätsmaßnahmen politische Absicht, der Versuch per Abwertung nach innen die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen. Nur es funktioniert so nicht. In Q3 2011 sind die realen Arbeitnehmerentgelte zum Hoch in Q3 2009 um -22,9% gesunken und dies alleine erhöht zunächst nicht zwangsläufig die Wettbewerbsfähigkeit, sondern nur in Kombination mit Investitionen in neue hochproduktive Anlagen und Industrien. Nur die Investitionen sind ebenfalls sogar um -50,38% zum Hoch gesunken. So erntet man aber keine Wettbewerbsfähigkeit, sondern nur die negativen Auswirkungen von einer -22,9% Absenkung der Arbeitnehmerentgelte auf die Binnennachfrage.

    @SLGramann,
    die Importe bei Waren und Güter sind schon zurückgegangen, jeweils in Mrd. Euro und von Jan. bis Nov.:
    2008: 58,509
    2009: 45,599
    2010: 44,071
    2011: 39,223

    Die Exporte bei Waren und Güter sind sogar gestiegen, auch wenn sie aktuell wieder wegknicken, nur die Teilbilanz aus Dienstleistungen bringt weniger Überschuss und die Teilbilanzen aus Erwerbs- und Vermögenseinkommen sowie der Bilanz aus den laufenden Übertragungen haben ein erhöhtes Defizit, deshalb sinkt das Leistungsbilanzdefizit relativ gering.

    Export und Importdaten von Waren und Güter:
    http://www.statistics.gr/portal/page/portal/ESYE/PAGE-themes?p_param=A0902
    Leistungsbilanz Datenreihe:
    http://www.bankofgreece.gr/BogDocumentEn/Balance_of_Payments-Data.xls

    Gruß Steffen

    • Tourist - 20. Januar 2012

      Hi Steffen,

      zum ersten Absatz: Hast recht! OHne Investitionen und Konsum geht nix! So istes mit der Marktwirtschaft!

      Zum zweiten Absatz: Du hast da missverstanden worauf ich mich bezog! TRoika und Co. haben sich ja nicht gedacht VOR der Krise: “Komm wir machen Griechenland mal unproduktiv!”: Die Messlatte, was produktiv ist und was nicht gibt die interantionale Konkurrenz VOR!

      Die Lösung des Problems, dass offensichtlich durch NIchtinvestition, Unproduktivität und mangelnden Konsum eintritt ist nicht sein Gegenteil!

      Deswegen schrieb ich:
      “Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass selbst wenn die Staatskonsumqote ihr Geld in die Realwirtschaft pumpt, ich bezweifeln würde, das es dadurch zu ausreichenden produktivitätstssteigernden Ersatzinvestitionen kommen würde, die wieder “weltmarktfit” wären!”

      Selbst wenn Troika und Co. sagt: “Leute, pumpt den Konsumenten ordentlich Geld zu, damit die shoppen, die Nachfrage steigt usw… ist auf diesem Wege nicht automatisch gewährleistet das Griechenlands Produktion weltmarktfit umstrukturiert wird!
      Da setzt ich mal ganz große Zweifel dran!

      • derdestiller - 23. Januar 2012

        Ich denke Griechenlands Situation lässt sich derzeit am besten vergleichen mit der in der ehemaligen DDR. (zu starke Währung im Vergleich zur Wirtschaftskraft, mangelnde internationale Wettbewerbsfähigkeit, Übergang der Wirtschaft von einer staatlich-oligarchischen in eine Marktwirtschaft).
        Man kann sicherlich heute wie damals die Frage stellen, ob es eine Alternative zur Zerschlagung kompletter industrieller Wertschöpfungsketten gibt. Anhand der geleisteten Solidarbeiträge, und der selbst heutzutage immer noch nicht mit dem Westen vergleichbar wettbewerbsfähigen Wirtschaft, kann man jedoch in groben Masse die Herausforderungen abschätzen, die auf Griechenland als Teil der Euro-Zone zukommen werden. Eine ausgeklügelte Förderpolitik ist dabei sicherlich das A und O, und es darf nur gehofft werden, dass man jetzt nicht wieder versucht, mit der Giesskanne das Problem zu lösen.

  • SLGramann - 21. Januar 2012

    Hallo Steffen, der Rückgang der Güterimporte um 20 Mrd. Euro ist natürlich schon ein Teilerfolg. Auch wenn ich Dir zustimme, dass die derzeitige Austeritätspolitik alles in allem ein Desaster ist, ist es doch auch richtig, dass verschiedene Länder innerhalb der Eurozone deutlich über ihrem Produktionsniveau konsumiert haben und das ist kein vernünftiger und kein nachhaltiger Zustand. Die Senkung des Konsumniveaus der Problemstaaten muss ein Teil jedes sinnvollen Lösungskonzepts sein. Tragisch ist halt, dass über andere Teile der Lösung (u.a. Stärkung der Realwirtschaft im Süden, Beendigung des deutschen Exportkrieges) nicht wirklich nachgedacht wird. Ist eben immer am einfachsten, die kleinen Leute zu quälen.

    Gruß
    SLG

  • Tourist - 21. Januar 2012

    “Die Investitionen in die unproduktiven Strukturen sollten sogar sinken, und jene, die auf dem Weltmarkt Chancen haben, sollten steigen”

    Klingt sinnvoll. Vorläufig. Nenn mal eine Branche? Wäre die dann in der Lage genug Marktanteile abzugrabschen, um allen Griechen Arbeit zu geben?”

    Und da fällt mir ein. Da ist ja noch das Problem der Entwertung der Arbeit und der Automatisierung, dass ständig zu sinkenden Zeitaufwand pro Ware führt….. diese Dynamik nimmt unaufhörlich ihren Lauf!
    Die Konsequenzen aus dieser Entwicklung scheien nebensächlich, was ich für fatal halte.

    George hatte ma was dazu geschrieben.

  • Vivlos - 21. Januar 2012

    “Der Leiter des Wirtschaftsstabs der Regierung Papadimos Herr Chardouvelis gestand freimütig ein, dass die Bevölkerung in Griechenland exemplarisch abgestraft werden soll.
    Troika treibt Griechen aus Erziehungsgründen in Verelendung.“ Tageszeitung Vradyni

    D. h., viele Griechen sehen schon eine politische Absicht hinter diesen ganzen Massnahmen.
    Dort kann man auch lesen, dass es damit vor allem Deutschland ermöglicht werden soll, billig an gr. Firmen zu kommen.

    Die EU hatte doch meiner Meinung gar kein Wahl etwas anderes zu machen innerhalb der Verträge.: Rausschmissverbot
    Insofern schon eine politische Entscheidung mit der Frage, ob sich diese “Entscheider” die jetzigen Konsequenzen vorstellen konnten.
    Ich fürchte ja.

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