Irland: NIIP Q4 2016

von am 17. März 2017 in Allgemein

IrlandDas irische Central Statistics Office (CSO) berichtete gestern das irische NIIP (Net International Investment Position), den Nettoauslandsvermögensstatus aller Sektoren der Volkswirtschaft Irlands für das 4. Quartal 2016. Diese Daten passen überhaupt nicht zu dem sonstigen Bild, einer Volkswirtschaft, die gut aus der Krise gekommen sein soll, ein Bild was primär aus statistischen Verzerrungen besteht, die Nettoauslandsschulden mit -491,676 Mrd. Euro, aberwitzigen -185,0% des nominalen BIPs, offenbaren einfach die andere Seite der Medaille.

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s1969Die Entwicklung der Nettoauslandsverschuldung (Net International Investment Position / NIIP) in Mrd. Euro seit 1998 bis 2003 auf Jahresbasis und seit Q1 2004 bis Q4 2016 auf Quartalsbasis im Chart.
In Q4 2016 betrug die Nettoauslandsverschuldung aller Bereiche der Volkswirtschaft -491,676 Mrd. Euro und damit voluminöse -185,0% des nominalen BIPs.

Das NIIP setzt sich zusammen aus dem Vermögensstatus aller Sektoren der Volkswirtschaft, so der öffentlichen Haushalte, von Privaten Haushalten und nichtfinanziellen Unternehmen, den Monetary Financial Institutions (MFIs – Bankensystem) und der irischen Zentralbank. Das NIIP reflektiert den Saldo der Auslandsforderungen und Auslandsverbindlichkeiten und damit die Vermögenssituation aller Sektoren einer Volkswirtschaft eines Landes und weist ein Nettoauslandsvermögen oder eben auch Nettoauslandsschulden aus. Die Veränderungen des Saldo resultieren aus der Leistungsbilanz, respektive der Kapitalbilanz als bestimmende Stromgröße, aber auch aus der Entwicklung der finanziellen Vermögenswerte und der finanziellen Verbindlichkeiten (Bestandsgröße).

Im Jahr 2015 stieg das nominale BIP um +32,4% zum Vorjahr, dies war nur möglich Dank der neuen Methodik nach ESVG 2010, wo die massiven Verschiebungen auf dem Papier, von Lizenzen und Patenten internationaler Konzerne hin zu Tochterfirmen nach Irland (Steuervermeidung) und massive Leasingnummern, nun als Investitionen gerechnet wurden und das BIP explodieren ließen. So verlagerte z.B. die Flugzeugleasingfirma AerCap Anfang 2015 ihren Sitz nach Dublin, womit riesige Flugzeugflotten, obwohl sie von Fluggesellschaften in anderen Ländern gemanagt werden, in den irischen Büchern als Investitionen landeten und dort neben dem BIP auch den Kapitalstock anpeitschten. Alleine AerCap erhöhte den irischen Kapitalstock um fast 40 Mrd. Euro!

Die Unternehmensgewinne, auch Folge von Steuervermeidungsstrategien der internationalen Konzerne, peitschen ebenso das irische BIP an und erklären die große Diskrepanz zwischen dem nominalen Bruttoinlandsprodukt und dem nominalen Bruttonationaleinkommen in Höhe von 47,464 Mrd. Euro, also dem Net factor income from the rest of the world, die Gewinne ausländischer Unternehmen in Irland.

Irland ist sicher ein Extrembeispiel, als Dumping-Steuerparadies, aber Irland zeigt wie die offiziellen BIP-Daten ins Unerkenntliche verzerrt werden können. Die andere Seite der Medaille offenbart das NIIP, denn auf der anderen Seite werden die Tochterfirmen (manche als Mutterfirma umdeklariert), der internationalen Konzerne mit Schulden überhäuft, Schulden die sie bei ihren Konzernen im Ausland oder ausländischen Banken halten. In diesem Zuge knallten die Nettoauslandsschulden aller Sektoren der Volkswirtschaft nach oben. Von den -491,676 Mrd. Euro an irischen Nettoauslandsschulden gehen aktuell -454,456 Mrd. Euro auf das Konto von nichtfinanziellen Unternehmen. Von Q4 2014 auf Q1 2015 explodierten die Nettoauslandsschulden der Unternehmen von -312,430 Mrd. Euro auf -542,173 Mrd. Euro!

s1970Das NIIP nach den Sektoren der Volkswirtschaft, Stand Q4 2016 in der Tabelle.

Irland als Extremfall lässt einen Blick auf die heutigen Berechnungsmethoden des BIPs zu, welche mit der wirklichen Leistungskraft der Volkswirtschaft und deren Entwicklung wenig zu tun haben. Dies macht es schwer, überhaupt wirtschaftliche Entwicklungen seriös einzuschätzen, zugleich macht der Fall Irland extrem deutlich, die EU, die Eurozone und ihr Protagonist Irland, sind nicht für die Menschen in der EU da, sondern primär eine Kreatur, ganz im Interesse der internationalen Konzerne.

Quelle Daten: Cso.ie/Quarterly International Investment Position and External Debt Q4 2016

Kontakt: info@querschuesse.de

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5 KommentareKommentieren

  • Olaf23 - 17. März 2017

    Wahnsinn!

  • M.E. - 17. März 2017

    Diese massive Unehrlichkeit bei der Erstellung der Statistiken der Volkswirtschaften (dort etwas mehr, da etwas weniger) dient einfach dem Zweck, zu verheimlichen, wie marode die Situation vieler OECD-Staaten ist.
    Und gerade am BIP als Bemessungsgrundlage hängen ja etliche andere Parameter, die in Relation zum BIP bewertet werden.
    So halte ich es beispielsweise für wahrscheinlich, dass die US-Staatsverschuldung bei 140…150% des US-BIP liegt, wenn man die statistischen Mätzchen bei der BIP-Berechnung eliminiert.
    Nur beseitigt ja eine zurechtgebogene Statistik nicht die Ungleichgewichte und bedrohlichen Entwicklungen. Im Falle einer Krise werden die wahren Gegebenheiten dann etwas mehr offensichtlich. Die Realität ist letztliche die entscheidende Größe, und nicht das, was irgendwelche Statistikämter als vermeintliche Realität veröffentlichen.
    Fehlende Ehrlichkeit verhindert, dass Maßnahmen gegen gefährliche Entwicklungen ergriffen werden können. Wer Lüge säht, wird Krise ernten. Und zwar das nächste Mal eine von der besonders starken Sorte.

  • Marja - 17. März 2017

    Importiert man mit diesen ausländischen Nettoschulden eigentlich auch Risiken? Sind das Schulden bei den irischen Banken? Ein wenig erinnert das an Island.

    • Querschuesse - 18. März 2017

      mit den intangible Assets, wie Lizenzen, Patente und Leasingverträgen, sind auch die Schulden (Verbindlichkeiten) mit übertragen worden, diese bestehen gegenüber dem Ausland, sind Nettoauslandsschulden, man könnte sich damit trösten, das dies Auslandschulden ausländischer Tochterfirmen oder von ausländischen Firmensitzen in Irland sind.

      Gruß Steffen

      • Holly01 - 18. März 2017

        Nur zur Unterstützung etwas anders formuliert:
        Die Schulden liegen nicht bei der Gesellschaft, sondern bei den Wirtschaftsteilnehmern, sidn also grundsätzlich ein privates Problem. was auch immer das am Ende bedeuten mag.
        lg Holly