Ist die deutsche Automobilindustrie der Keim für die nächste globale Krise?

von am 22. Juli 2017 in Allgemein

Seit Monaten schon beherrscht der Diesel-Abgasskandal die Schlagzeilen mit immer neuen, skandalösen Enthüllungen. Obwohl deutsche Auto-Konzerne und allen voran Volkswagen in deren Zentrum stehen, ist von politischer Seite in Deutschland offensichtlich nach dem Prinzip „Jetzt aber mal langsam“ verfahren worden.

Die USA schlagen zu, die Europäer reden, aber sie liefern nicht

Ganz im Gegensatz dazu scheinen auf der anderen Seite des Atlantiks nahezu im Tagesrhythmus Klagen erhoben, Urteile gegen Verantwortliche und Konzerne erhoben und Geldstrafen verhängt zu werden, die längst alleine für VW im zweistelligen Milliardenbereich liegen.

Auch werden in den USA per Gerichtsurteil oder Vergleich die Geschädigten, also die Autokäufer, fleißig entschädigt. Und in der Europäischen Union: Fehlanzeige. Hier gibt es das nicht.

Fazit: Die Bundesregierung hält trotz allem wirksam schützend ihre Hand über Deutschlands Vorzeigeindustrie – so, wie sie es auf europäischer Ebene schon seit vielen Jahren gemacht hat, zum Beispiel bei den CO2-Vorgaben. Nicht zuletzt deswegen erhielt Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder von den Medien den Titel „Genosse der Bosse“. Damit kein Irrtum aufkommt: Dies ist eine sehr treffende Bezeichnung dafür, wie „klassische Industriepolitik“ funktioniert, die sich nämlich im Kern an den Interessen der Konzerne ausrichtet. Wir brauchen uns deswegen nicht wundern, warum es so viele Lobbyisten in Berlin und Brüssel gibt und warum ihr Einfluss auf die Politik so ungeheuer groß ist. Nur: Deutschland ist in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Alle Regierungen der Industrieländer machen es seit den 80er Jahren so.

Gerade erst ist der EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska ob der anhaltenden Bremsmanöver der betroffenen Regierungen beim Thema Abgas-Manipulation der Kragen geplatzt. In einem Schreiben an die Verkehrsminister der Mitgliedstaaten soll sie jetzt gefordert haben, manipulierte Dieselfahrzeuge radikal aus dem Verkehr zu ziehen. (1) Nun muss man fairer Weise hinzufügen, dass die Europäische Kommission die Erfinderin der oben pointiert skizzierten klassischen Industriepolitik gewesen ist. Frau Bienkowskas Zorn und ihre Versuche etwas zu ändern sind ehrenhaft, aber vor dem dargelegten Hintergrund aussichtslos. Sie ist ein einsamer Rufer in der Wüste.

Sie sind auch deswegen aussichtslos, weil in diesen Fragen (siehe auch bei der Festlegung der CO2-Vorgaben für die Autoindustrie, Abgastests) der Ministerrat und Europäische Rat letztlich alles ausbremsen können, was den nationalen industriepolitischen Interessen zuwider laufen würde. Das gilt natürlich auch für andere wichtige Bereiche auf europäischer Ebene. Erinnern sie sich bitte an die viele Streitereien um die Rettung von Griechenland oder die Bewältigung der Flüchtlingskrise. Immer waren für die Unfähigkeit zur Einigung nationale Interessen der Grund und niemals war es die Europäische Kommission mit ihrem alleinigen Initiativrecht auf europäischer Ebene, die beim Entwurf von Lösungen federführend war.

Die Vernachlässigung einer zentralen Frage verstellt den Blick auf die eigentliche Problematik

Gleichwohl ist das Maß durch die frisch vom Magazin „Der SPIEGEL“ aufgebrachten Kartellvorwürfe gegen die deutsche Autoindustrie, die sich bereits seit den 90er Jahren in allen wichtigen Fragen fleißig abgestimmt zu haben scheinen (2), nun doch irgendwie voll. Es bietet sich deswegen an, einmal ein paar einfache Fragen zu stellen und das gilt in erster Linie für unsere Politiker.

Die wichtigste Frage lautet: Was ist eigentlich (fairer) Wettbewerb?

Wettbewerb bedeutet nach herrschender ökonomischer Auffassung vereinfacht gesagt einen fortlaufenden Prozess, bei dem innovativ vorstoßende Unternehmen auf Märkten die Führung übernehmen und zwar so lange, bis die übrigen Konkurrenten ihre Angebote auf innovative Weise auf das gleiche (Imitation) oder ein höheres Niveau gebracht haben. Wenn letzteres einem Unternehmer gelingt, ist er wiederum selbst zum vorstoßenden Wettbewerber geworden.

Das bedeutet, der Wettbewerbsprozess wird von Innovationen angetrieben und trägt auf diese Weise zu gesamtwirtschaftlichem Wachstum bei.

Es gibt folglich in der Marktwirtschaft einen engen Zusammenhang zwischen Innovationen, Wettbewerb, Wirtschaftswachstum und (darüber) Beschäftigung. Implizit, und das ist wichtig, wird dabei von Ökonomen allgemein vorausgesetzt, dass es sich beim Wettbewerb immer zugleich auch um fairen Wettbewerb handelt. Anders ausgedrückt: Entweder herrscht auf einem Markt (fairer) Wettbewerb oder er herrscht nicht bzw. entweder ein Markt ist wettbewerblich oder er ist es nicht.

Dabei wird als wichtigster Indikator betrachtet, ob auf einem Markt effektiver Preiswettbewerb gegeben ist. Das heißt, ist der Preis ein Resultat des freien Spiels der Marktkräfte bzw. können Wettbewerber mit ihren Leistungen den Marktpreis verändern.

Alle reden von Wettbewerb, keiner hat ihn verstanden

So betrachtet müsste man angesichts der Rabattschlachten auf dem Automobilmarkt eigentlich davon ausgehen können, dass Wettbewerb herrscht. Die Autohersteller werden das immer bejahen. Tatsächlich aber suggerieren der Abgasskandal und die Kartellvorwürfe, dass es dort weder fairen Wettbewerb noch effektiven Preiswettbewerb gibt.

Die nicht abbrechende Kette von Rückrufaktionen bzw. Qualitätsmängeln gerade bei den größten Autokonzernen sowie die seit vielen Jahren anhaltende Politik der Kostenreduktion – in der Produktion sowie im Bereich Personal – lässt zumindest die These glaubwürdig erscheinen, dass bei Innovationen dort in der Summe nicht die Verbesserung des Produkts im Fokus steht, sondern die Verbesserung der Marge durch Kostensenkung, Einsparungen. Die Plattform-Strategie der Auto-Konzerne und die hohen Marktanteile weniger, aber eben sehr großer Autozulieferer wiederum erklären ein Stück weit, dass es bei den angebotenen Modellen immer weniger bauliche Unterschiede gibt. Zudem fällt auf, dass sich vergleichbare Modelle der verschiedenen Anbieter über die Jahre im Design immer ähnlicher geworden sind.

Spricht das – allen Rabattschlachten zum Trotz – für Wettbewerb auf dem oligopolisierten, von nur wenigen großen Herstellern dominierten Automobilmarkt?

Mehr noch ist die Politik, die all dies seit vielen Jahren gefördert und unterstützt hat sowie Vorgaben und gesetzliche Regelungen so abfasste, dass all dies erst möglich geworden ist, eine Industriepolitik, die Innovation, Wettbewerb, Wirtschaftswachstum und Beschäftigung in den Mittelpunkt stellt?

Wenn man nach den jüngsten Kartellvorwürfen gegen die deutschen Autoriesen irgendetwas konstatieren kann, dann ist es das Folgende: Diese Form der Industriepolitik hat weder Innovation noch den Wettbewerb in den Mittelpunkt gestellt noch das gesamtwirtschaftliche Wachstum und die Beschäftigung gefördert. Sie hat das Gegenteil getan und sie hält zudem allen Gegenanzeigen zum Trotz weiter an dieser Politik fest.

Mehr noch hat sie, wie die zweistelligen Milliardenkosten von VW infolge der Abgasmanipulationen anzeigen, zugunsten der Konzerne – eine riesige Hypothek aufgenommen – wieder einmal, nämlich so wie im Falle des Bankensektors. Werden also wieder die Käufer der Produkte und möglicherweise einmal mehr auch der Steuerzahler für die verursachten Kosten und Folgekosten aufkommen müssen. Zumindest in Deutschland und Europa sieht es bisher danach aus. Und am Ende ändert sich genau genommen möglicherweise so gut wie nichts.

Ist das noch Wettbewerb?

Nein, definitiv nicht und der Fall zeigt darüber hinaus auf, dass etwas mit dem Prüfmaßstab für Wettbewerb der Ökonomen ganz und gar nicht stimmt!

Der Automobilsektor ist keine Ausnahme – ebenso wenig wie der Bankensektor

Es ist deswegen auch nicht nachvollziehbar, warum weiterhin Megafusionen und ‑übernahmen im Prinzip oft einfach durchgewunken werden. Denn damit werden ständig immer größere Hypotheken ausgestellt, für die Arbeitnehmer, Rentner, Kleinunternehmen und Steuerzahler gerade stehen müssen, sobald etwas schief geht.

Und es wird immer öfter „etwas schief gehen“, weil die Politiker an ihrer klassischen Industriepolitik festhalten. Die Probleme sind im Wesentlichen, dass dadurch de facto immer größere „Too-big-to-fail“-Riesen entstehen, die auf immer engeren, gesättigten Weltmärkten immer öfter zu Tricks, Manipulation und Betrug greifen müssen, dabei zugleich auf jegliche Unterstützung der Politik angewiesen sind, um die Illusion wachsender Märkte mit steigenden Umsatz- und Gewinnperspektiven aufrecht erhalten zu können. Das ist eine Aussage, die sich im Übrigen auch die Börsianer hinter die Ohren schreiben können.

Doch irgendwann funktioniert das nicht mehr.

Das war bei den Großbanken der Fall (2008) und es wird auch bei anderen, von wenigen Großkonzernen beherrschten Märkten der Fall sein, bei denen die Schraube überdreht wurde, etwa auf dem Automobilmarkt. Doch all das, auf welchem Markt auch immer es zu beobachten ist, hat rein gar nichts mehr mit wachstumsfördernder Innovation, mit Wettbewerb zu tun. In erster Linie erhöhen sich dadurch die Crashrisiken immer weiter.

Wer aber hat das wirklich auf seinem Radar? Fed-Chefin Janet Yellen etwa?

Gibt es auf eher kurze Sicht eine Crash-Wahrscheinlichkeit?

Sie sagte kürzlich in einer Frage-und-Antwort-Runde in London: (3)

“Would I say there will never, ever be another financial crisis?”

“You know probably that would be going too far but I do think we’re much safer and I hope that it will not be in our lifetimes and I don’t believe it will be.”

Ihr Kollege, Mark Carney, Chef der Bank of England und des Financial Stability Boards (FSB) scheint ähnlich zu denken. Er sagte jüngst auf einer Pressekonferenz in London: (4)

“We have fixed the issues that caused the last crisis. They were fundamental and deep-seated, which is why it was such a major job.”

Nur zu Erinnerung: 1. Die größten und für das globale Finanzsystem gefährlichsten Großbanken wurden ganz einfach für “Too-big-to-fail” erklärt. 2. Die Notenbanker wurden von der Finanzkrise auch und gerade aufgrund fundamentaler Schwächen der ihrer Arbeit zugrundeliegenden ökonomischen Theorien überrascht.

Einige 2008 aufgetauchte, schwerwiegende Probleme sind nach wie vor ungelöst

Und: Beide Probleme wurden nie behoben, nicht das „Too-big-to-fail“-Problem noch die Schwächen der ökonomischen Theorien, ganz zu Schweigen die jener, die hierbei (bei der Finanzkrise) gar keine Rolle spielten, nämlich die der Schwächen der Wirtschafts- und Wettbewerbstheorien.

Die Folge: Als ohnehin immer mehr für überflüssig gehaltene Orientierungspunkte der Notenbanker wie der Wirtschaftspolitiker dienen Theorien, die gravierende Schwächen aufweisen und die nicht zuletzt der Grund für die prekäre Situation sind, in der sich Welt- und Finanzmärkte heute befinden. Ein „pragmatisches“ Vorgehen, Studien und Daten können in einer Welt, die wirtschaftlich aus den Fugen gerät oder zu geraten droht keine geeigneten Orientierungen mehr geben. Denn das Kennzeichen sich anbahnender oder bereits eingetretener Turbulenzen auf Märkten ist es, dass sie Vergangenheitsdaten und in der Vergangenheit gesammelte Erfahrungen ganz oder teilweise entwerten, unbrauchbar werden lassen.

Vertrauen Sie also Janet Yellen, wenn sie uns in Sicherheit wiegt oder Mark Carney?

Prinzipiell sich selbst überlassene Märkte entwickeln sich immer in dieselbe Richtung – und das bedeutet Probleme

Märkte entwickeln sich naturgemäß und ohne Zutun der Politik immer in dieselbe Richtung, nämlich jene der Ausreifung, Sättigung, Oligopolisierung und Dominanz des reinen, wachstumslosen Kostenwettbewerbs. Freilich kann die Politik diesen Prozess beeinflussen. Sie kann ihn beschleunigen – was sie seit vielen Jahren tut –, abbremsen oder auch Voraussetzungen schaffen für innovativ bedingte Richtungswechsel in der Entwicklung, die neue, starke Impulse für die jeweiligen Märkte geben können. Freilich geht letzteres gewiss nicht im Handumdrehen oder dadurch, dass eine Regierung „Das Zeitalter der Digitalisierung“ ausruft. Was Erfolg haben wird, kristallisiert sich letztlich immer erst auf den Märkten heraus und das braucht seine Zeit. Die Wirtschaft, zumal die globale Wirtschaft, ist wie ein Supertanker. Umsteuern erfordert einen langen Atem.

Doch die oben exemplarisch anhand des Automobil- und Bankensektors thematisierten Kennzeichen und Probleme dieser Märkte deuten darauf hin, dass vor etlichen Jahren bereits ein politisches Umsteuern hätte beginnen müssen. Bis heute wurde das von den Regierungen der führenden Industrieländer allerdings noch nicht erkannt. Auch von Janet Yellen und Mark Carney nicht, trotz all dem, was die Finanzmarktkrise an die Oberfläche gespült hat. Und wer sagt, dass eine neue globale Krise beim nächsten Mal wieder vom Finanzsektor ausgeht und nicht von einem realwirtschaftlichen Sektor wie der Automobilindustrie?

Im Klartext gesprochen zeigen die Beispiele Automobil- und Bankensektor, dass längst von klassischer Industriepolitik auf industriepolitisch motivierte „Erhaltungspolitik“ umgeschaltet wurde und sich alles darauf richtet, ein größeres Stück des globalen Kuchens zu sichern, der allerdings nicht mehr wächst.

Der um sich greifende Protektionismus, den Donald Trump lediglich nachdrücklicher und unverhohlener ankündigt, während andere Regierungen längst vorsichtig und teils verdeckt damit begonnen haben, spricht für diese Einschätzung. Und das alles kann angesichts des Entwicklungsstands der globalen Wirtschaft nur bedeuten, dass es immer teurer für uns werden wird, wenn diese Politik fortgesetzt wird. Protektionismus ist ohnehin lediglich das nicht gerne vorgezeigte Schmuddelkind der klassischen Industriepolitik.

Was also kann die Politik tun?

Auf eine kurze Formel gebracht lautet die Antwort wie folgt:

Sie muss akzeptieren, dass die Volkswirtschaften und insgesamt die globale Wirtschaft gegenwärtig und auf absehbare Zeit zum überwiegenden Teil von den Konzernen getragen und gestützt werden. Ein abruptes Umsteuern ist deswegen ohne größeren Schaden oder einen Crash zu riskieren nicht mehr möglich. Die einzige Möglichkeit besteht in einer sukzessiven Neuausrichtung, wobei die Unterstützung für die Konzerne langsam zurückgefahren wird, die Maßnahmen für den klein- und mittelständischen Sektor ausgeweitet werden.

In diesem Zusammenhang ist evident, dass die bisherige, auf Lobbyisten gestützte Politik in dieser Form nicht mehr längerfristig fortgesetzt werden kann. Sie muss sich immer stärker auf andere Orientierungsmöglichkeiten stützen, was die Aufwertung der eigenen wirtschaftlichen Kompetenz einschließt.

Begründung:

Die Politik der führenden Industriestaaten hat in den letzten 40 Jahren im Zuge einer immer stärker gleichgeschalteten Wirtschafts- und Industriepolitik eine Situation geschaffen, in der die (Welt-)Wirtschaft zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft verkommen ist. Sie hat systematisch die Entstehung von Großunternehmen und deren (internes und zuletzt vor allem externes) Wachstum gefördert und damit den Sektor der kleinen und mittelgroßen Unternehmen systematisch vernachlässigt.

Die globale Wirtschaft sieht damit metaphorisch gesprochen wie ein Riese aus, der auf einem langen, starken, aber für Brüche anfällig gewordenem Bein und auf einem kürzeren, schwächeren Bein ruht. Wir können es nicht sehen und viele wollen es nicht wahrhaben, aber die Weltwirtschaft ist ein schief stehender Riese auf sehr wackeligen Beinen.

Damit kann das „Too-big-to-fail“-Problem gar nicht überbewertet werden. Wir haben keine andere Wahl als darauf hinzuarbeiten, dass das schwache Bein (Sektor der klein- und mittelgroßen Unternehmen) stärker und das starke, aber inzwischen anfällig gewordene, entsprechend der effektiven Wachstumschancen zurechtgestutzt wird.

Nebenbei bemerkt: Es ist in diesem Zusammenhang kein Argument darauf zu verweisen, dass solche Probleme nur koordiniert auf internationaler Ebene gelöst werden können. Denn diese Probleme betreffen im Grundsatz jeden einzelnen sogenannten Industriestaat und jedes Industrieland muss sich fragen wie es die große Abhängigkeit von Konzernen und die damit verbundenen gesamtwirtschaftlichen Risiken reduzieren, die tickende Bombe entschärfen kann.

Weiterführende Posts:

In der Wachstumsfalle (Teil 1): Wachstum und Entwicklung

In der Wachstumsfalle (Teil 2): Das Wachstumsmodell und die Krise

In der Wachstumsfalle (Teil 3): Lösungsperspektiven jenseits der Wachstumslogik

von Stefan L. Eichner
Kontakt: info.sle@web.de

Print article

72 KommentareKommentieren

  • Holly01 - 23. Juli 2017

    Hallo und Danke für den Beitrag,
    alles was Sie schreiben kann man so sehen und ich würde mich der Sicht anschliessen.
    Nur die storyline stinkt.
    Die Staatsanwalten sollen emails aus dem 1990ern gesichert haben.
    In den 1990ern gab es Teletext uä, emails kamen erst viel später.
    Selbst wenn man da vereinfacht hat, stinkt die storyline.
    Die deutschen Autobauer haben sich nicht anders verhalten, als international alle Konkurrenten.
    Die Vorgaben sind schliesslich alle aus der Politik.
    An diesen Tischen mögen ja Vertreter der Autobauer gesessen haben, aber das waren ja Koordinationsgremien, die politisch initiiert und und unterhalten wurden.
    Das man die Zulieferer mit der Auslastung “aufgeteilt” hat, ist ebenfalls ein alter Hut.
    Ich sehe eher einen Versuch der USA die Überproduktion zu bereinigen.
    Auf die USA weisst auch die völlig einseitige Bereicherung hin, die nennen das Justiz, ich nenne das Diebstahl.
    Das hat ja auch Tradition und Vorgeschichten, wie zB die komplette Zerschlagung der Stahlindustrie, wo Thyssen/Krupp gerade als letzter Vertreter von Rang abgewickelt wird.
    Das hat auch in der Mikroelektronik so stattgefunden. Siemens durfte ja nicht einmal mehr Handys bauen und hat nach und nach alles ausgegliedert. Die Fragmente sind heute alle abgewickelt oder in ausländischer Hand.
    Diese Zwangsbeteiligungen von Mercedes …… jetzt zuletzt Opel sprechen ebenfalls für die Abwicklung der deutschen Exportüberschüsse via Zerschlagung der Hauptexporteure.
    Ich würde mit einer Zerschlagung von VW rechnen, wobei Seat und Skoda unter neuen Besitzern wieder eigene Wege gehen.
    Ansich ist das sogar logisch. Der Automarkt steht sowieso kurz vor dem Kollaps. Es gibt ja keine private Nachfrage mehr. Der institutionelle Markt wird sich aber innerhalb weniger Jahre radikal verändern.
    Mit der Industrie 4.0 wird die Massenmobilität Geschichte sein. Der Individualverkehr wird ein absolutes Auslaufmodell darstellen.
    Diese Nachrichten von 600.000 Arbeitslosen durch die Entwicklung sidn eher niedrig gegriffen und diese Arbeitsplätze werden sowieso zerstört.
    Die Amis erkaufen ihren Autobauern nur Zeit und kochen bei den Deutschen das gesamte Kapital ab.
    Die Amis werden alle global player aus Deutschland aussaugen.
    Die Deutsche bank kommt schon seit Jahren nicht aus dieser Nummer raus.
    Die Autobauer gehen in die gleiche Schiene.
    Die chemische Industrie (Stichwort Monsanto) geht auch diesen Weg.

    Make America great again …… stiehl was Du kannst und gib nichts wieder …..
    So schaut das für mich aus.
    lg Holly

    • SLE - 23. Juli 2017

      Hallo Holly01,

      Sie erinnern sich vielleicht, dass VW – genauer gesagt der Chefeinkäufer José Ignazio López – Anfang der 90er Jahre von heute auf morgen von allen Zulieferern einen Preisnachlass von 30% gefordert hatte. Folge: Es wurden jede Menge Teile verbaut, die genau genommen Schrott waren. Allerdings geschah das keineswegs nur bei Volkswagen, sondern beispielsweise auch bei Daimler. Die Konzerne haben dann versucht, die Folgekosten soweit wie möglich auf ihre Händler und Kunden abzuwälzen.

      Es gibt keine Belege dafür, aber das roch m.E. schon sehr nach Absprachen unter den deutschen Autoherstellern. Der jetzt erhobene Vorwurf, die deutschen Autobauer hätten seit den 90er Jahren ein Kartell betrieben, mag in der Darstellung in den Medien einige Unstimmigkeiten haben. Wenn ich mich nicht irre, kommen die Informationen zum Kartell jedoch von VW selbst. Wir werden also vieles noch nicht wissen und müssen abwarten, was kommt.

      Allerdings habe ich den Kartellvorwurf auch eher als zweiten Aufhänger neben dem Abgasskandal verwendet und gleich zu Beginn des Posts hervorgehoben, dass die deutschen Autobauer im Mittelpunkt des letztgenannten Skandals stehen. Implizit habe ich damit für den gesamten Aufsatz die gesamte Automobilindustrie, nicht nur die deutsche, zum Thema gemacht. In der Überschrift wird die deutsche Automobilindustrie deswegen auch lediglich als mögliche “Keimzelle” für eine globale Krise bezeichnet. Bei der Finanzmarktkrise waren die US-Großbanken die Keimzelle.

      Die USA torpedieren ausländische Unternehmen und Banken in den USA schon seit längerer Zeit, eigentlich seit dem Abklingen der Finanzmarktkrise, mit Klagen, Strafen, harten Auflagen u.a. Das ist absolut nichts Neues. Dass die deutsche Autoindustrie nun auch noch dem Vorwurf der Bildung eines Kartells seit den 90er Jahren ausgesetzt ist (nicht seitens der USA!), ist natürlich Wasser auf die protektionistischen Mühlen der USA und vor allem Trumps. Ich persönlich halte es deswegen jedoch weder für sinnvoll noch für erforderlich, mehr dahinter suchen zu wollen, vor allem weil es kaum belegbar ist und das Resultat kein anderes als das seit Beginn des Abgasskandals in den USA wäre.

      Ein Wort noch zu Siemens und den Handys, weil ich hier über einige zusätzliche Informationen verfüge. Siemens hat in seiner damaligen Handysparte Kostensenkung a la McKinsey betrieben – mit denselben Folgen. Die Sparte kriselte anhaltend. Die Angelegenheit köchelte eine Weile vor sich hin, weil an der Unternehmensspitze der Wechsel von Pierer auf Kleinfeld bevorstand. Josef Kaeser, der aktuelle Siemens-Chef, stand Kleinfeld schon damals sehr nahe. Beide waren überzeugte Kostensenker. Nach dem Führungswechsel hat Kleinfeld in der Handysparte “Hubschrauber” gespielt. Er wollte das Problem schnell vom Tisch haben. Der Versuch, die Handysparte über möglichst niedrige Kosten und Preise im Wettbewerb erfolgreich zu machen, scheiterte. Er ruinierte das Qualitätsimage von Siemens für Handys. Dann kam der Führungswechsel. Doch der Versuch, wettbewerbsstrategisch auf ein Image innovativer, qualitativ hochwertiger Handys umzuschalten, misslang – jedenfalls war er innerhalb der 3-4 Monate, die Kleinfeld dafür gab, nicht erfolgreich. Kleinfeld verlor die Geduld und “verkaufte” die ganze Handysparte kurzfristig – genauer gesagt legte er noch 300 Mio. Euro oben drauf, damit die taiwanesische BenQ sie übernahm. Ein Jahr später ging BenQ pleite (siehe dazu URL: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,550623,00.html).

      Das alles hatte rein gar nichts damit zu tun, dass Siemens keine Handys mehr bauen durfte. Vor allem waren Kleinfeld und Kaeser damals schon in den USA ausgezeichnet verdrahtet. Nach seinem Quasi-Scheitern bei Siemens schaffte Kleinfeld es denn auch, Chef vom amerikanischen Aluminium-Konzern Alcoa zu werden. Erst vor wenigen Wochen hat man sich dort – möglicherweise im Zuge der neuen “America first”-Strategie – seiner entledigt.

      Viele Grüße
      SLE

      • Holly01 - 23. Juli 2017

        Hallo SLE,
        MCKinsey hat also beraten? Der in die USA vernetzte Vorstand hat also völlig unsinnige Vorgaben gemacht?
        Thyssen hat 2 Stahlwerke gebaut die die USA brauchen. Das hat dann alles nicht so geklappt.
        nach dem die produktionsreif waren also ALLE Erstellungskosten getätigt waren wurdne die quasi verschenkt.
        Was ist mit den deutschen Werften? das waren auch so “unternehmerische” Entscheidungen, oft durch “Beraterfirmen”.
        Was ist mit Hoesch gewesen. Die hatten als zweites Standbein eine Entwicklungsumgebung unter Fortran entwickelt. Weltweit beachtet und gelobt. Tja, die kamen politisch duch den in die USA vernetzten EX BuPrä Rau unter die Räder……
        Doch ich denke ich erkenne ein Muster …… und die deutsche Autoindustrie wird systematisch zur Ader gelassen. Rein zufällig immer zu gunsten der US Mobilhersteller.
        Kann Zufall sein.
        Ist auch nicht das zentrale Thema.
        Ich denke aber es ist das entscheidende Thema.
        Der Rest ist vorgeschoben.
        Nur zum Abschluss? Wer hat Hyundai technisch aufgebaut? Eben ….. das know how ist transferiert, der Dienter kann nun abtreten ….
        lg Holly

        • Holly01 - 23. Juli 2017

          Im Übrigen kann ich mich täuschen, aber stand Merzedes nicht bis vor kurzem unter US Aufsicht und hatte der Aufseher nicht seinen eigenen Stab und vollständigen Zugriff auf den Konzern?
          Da muss VW eine Selbstanzeige machen?
          Die VWler die nicht mal dazu in der Lage sind intern auch nur ansatzweise Verantwortung zu adressieren gehen zum Staatsanwalt?
          Der VW Vorstand der die Politik einsetzt, um sichj jeglicher Verantwortung und jeglichen Regress zu entziehen stellt sich der Verantwortung für einen Existenz gefährdenden Vorgang indem die Freiwillig zum Staatsanwalt laufen?
          Zufällig nachdeem ein oder zwei Manger in den USA einsitzen und singen wie die Kanarienvögel?
          Zufall .. alles Zufall ….
          Die USA knacken den ganzen Industriezweig jetzt weg.
          lg Holly

          • Ert - 23. Juli 2017

            Ja, Holly – nach der Story die VW bisher im Abgasskandal hingelegt hatte… die “volle Transparenz” und “Mitarbeit zur Aufklärung” etc. pp. im Bezug auf die Zusammenarbeit mit den Behörden – da macht diese Aktion in der VW nach Angaben von Spiegel & Co. die “Petze” gespielt haben soll – nicht so recht Sinn.

            Nach HB & Co. soll dann ja auch das ganze Kartell- und Harnstofftankdings auf “Vorstandsebene” durchgewunken wurden sein. Wenn dem so ist – dann haben sich doch gerade mal die Vorstände von 4 Konzernen im Diesel-‘Skandal’ selber komplett ans Messer geliefert. Das wäre – denn dem allem so ist – der geplante und vorsätzliche Betrug und Beschiss. Dann ist selbst das “Märchen” der bösen Ingenieure die als “Einzeltäter” ohne Wissen der Führungsebene Agiert haben nicht mehr haltbar.

            Ich bin gespannt auf die nächsten Tage…. großes Kino…. und weiß nicht ob das Thema zumindest in DE und Europa sich noch einmal unter den Teppich kehren lässt….

        • SLE - 23. Juli 2017

          Nein, Holly01, ich habe nicht geschrieben, dass McKinsey beraten hat und das war auch nicht der Fall. Siemens hat eine eigene Unternehmensberatung, die sowohl Kleinfeld als auch Joe Kaeser von Innen kennen und die nach dem McKinsey-Konzept arbeitet.

          Grüße
          SLE

          • Holly01 - 23. Juli 2017

            Halle SLE,
            ja Entschuldigung, ich habe ” a la McKinsey betrieben” unzulässig verkürzt.
            lg Holly

    • Gundermann - 24. Juli 2017

      “In den 1990ern gab es Teletext uä, emails kamen erst viel später.”

      Falsch. E-Mails gab es schon in den 80er Jahren. Meine erste Mail habe ich während eines Praktikums 1985 geschrieben, meine erste private Mailadresse hatte ich 1993!

  • Ert - 23. Juli 2017

    @Holly

    Gute Überlegungen insb. der Hinweis auf die schon passierten Zerschlagungen. Angesichts der Herausforderungen welche der ganzen Automobilindustrie bevorstehen wäre eine Zerschlagung von VW & Co. eher in vorziehen (der natürlichen Prozesse) und würde anderen Spielern ein bisschen mehr Luft geben.

    Ich sehe auch das mit Industrie 4.0 & mehr Verarmung zwei Komponenten für den klassischen Pkw-Markt wegfallen: Menschen die einen Pkw brauchen und Menschen die sich einen leisten können. Die E-Mobilitätsdiskussion lenkt auch nur ab…. wenn es da um Umwelt gehen würde hätten wir schon längst Tempolimit und Förderung des Radverkehrs.

    Da jedoch die Ressourcen + energetischen Investitionen bei der E-Mobilität wären der Produktion anfallen müssen diese Fahrzeuge viele Kilometer Schruppen um am Ende einen positiven Beitrag zu leisten und auch “Geld” gespart zu haben. E-Mobilität funktioniert primär für Nutzfahrzeuge im lokalen Aktionsbereich (E-Streetscooter der Post & Co.), Taxis, Busse und Shared “Pkws”.

    Wenn die neuen Mobilitätskonzepte erst einmal ins Rollen kommen – es reichen die Großstädte, “Verarmung”, Energie- und Ressourcenstressoren, Imagewandel, Zulassungsbeschränkungen, Parkplatzkosten/not, Generations- und Werte(prioritäts)wechsel und dann der (klassische) Absatz wirklich einbricht – dann sind alle bisherigen Geschäftsmodelle Toast.

    Mit 3D-Druck und E-Motor fällt auch viel der Fertigungskomplexität, Technologieführerschaft & Co. der etablierten weg. Auch der ‘klassische’ Maschinenbau bekommt dann Stress. Die klassischen Pkw-Produzenten sind aufgrund ihrer eingefahrenen Organisation (für mich) gar nicht Transformationsfähig. Ein Großteil des existierenden Know-Hows und der Produktionsmittel wird zukünftig in kurzer Zeit komplett entwertet sein – und damit auch Ihre Bewertung. Das ist genauso wie bei dem Umstieg von Dampf- auf eine E-Lockomotive. Da streiten sich noch die alten Abteilungsleiter um irgendwelche Budgetsachen – und nebenbei entsteht eine neue Industrie welche den ganzen Bereich in den sich die beiden Leiter streiten gar nicht mehr benötigt. Am besten noch ein paar Ausgründungen mit der alten Kohle und auf das beste hoffen….

    Mal schauen.. die nächsten Wochen und Monate werden es zeigen… schon Wahnsinn… ich dachte irgendwann es wäre zu Ende.. jedoch kommt ca. alle 3 Monate der nächste Hammer in der Diesel- & Co. Story. Das jetzige Ei aber… das kann auch die Bundes- und EU-Regierung nicht mehr ignorieren – und dabei ist ja die Diesel- und NOx-Thematik nicht mal gelöst…. da wurde nur ‘Schummel’-Algorithmus A gegen B ausgetauscht…. gab dazu letzten eine schöne ZDF-Zoom-Dokumentation (https://www.youtube.com/watch?v=W8mJUjB72pA) über neue geleakte Dokumente von VW, KBA und Wirtschaftsministerium.

    Und es wird auch ehemalige treffen: Ich sehe schon lange die Pensionen der VW-Rentner in Gefahr…. die VW AG steht in Ihrer Bilanz für über 25 Milliarden Deckungslücke in der Betriebs-Pensionskasse gerade. Das wird bald Geschichte sein – wie auch schon bei GM.

    Was da alles am Automobilbau in DE dran hängt.. in 2ter, 3ter und 4ter Kette… das ist vielen gar nicht bewusst. Insofern halte ich sogar die Überschrift von SLE’s Post für gerechtfertigt. Wenn es nun wirklich DE’s Pkw-Industrie an den Kragen geht – durch Strafzahlungen & Co., Image- und Absatzverlust, etc. pp. – dann was das. Die tolle Nachricht: Wohneigentum dürfte teilweise sehr, sehr günstig zu bekommen sein – speziell in Niedersachsens Niemansland um Wolfsburg & Co. – wo es außer Automobil & Co. nicht viel gibt.

  • Jeha - 23. Juli 2017

    Danke für den Artikel.

    Das Thema Innovation ist eigentlich das wichtigste und, dass am wenigsten berücksichtigte in der Politik und öffentlichen Diskussion. Ich sehe, dass wie SLE, dass die Politik durch die Förderung der Konzerne die Innovation behindert. Die Crash Gefahr sehe ich darin, dass am beharren des Alten, das Neue verschlafen wird.

    Sollte die Elektromobilität sich durchsetzen, dürfte die deutsche Autoindustrie gehörig ins Wanken geraten. Sowohl die Japaner als auch die Amerikaner sind da weiter. Der Diesel ist entweder mit korrekter Abgastechnik zu teuer oder ohne zu dreckig.

    Bei der Energietechnik, verpennt Deutschland auch so einiges, da es die Dreckschleudern Nummer 1, die Braunkohlekraftwerke weiter künstlich beatmet.

    Ein wesentiches Problem hat der Artikel nicht angesprochen. Durch die moderne Fertigungstechnik, die günstigen Transportkosten und die welteite Vernetzung der Kommunikation, also der Globalisierung bilden sich scheinbar weltweite Monopole in wesentlich kürzerer Zeit heraus. Siehe Handys und die ganzen Handelsplattformen z.B. Amazon oder Soziale Medien wie Facebook. In sehr kurzer Zeit sind die Überall und fast überall Marktführer.

    Einzige Ausnahme ist China. Aber hier herrscht eben kein fairer Wettbewerb. Google und Facebook werden hier entweder in Teilen verboten (z.B. Youtube) oder kriegen jede Menge Bremsanker verordnet. Überhaupt ist der Aufstieg diverser chinesischer Konzerne nur durch Marktabschottung zu erklären, z.B. Huawei und AliBaba

    Zeigt das Beispiel China, dass wir vielleicht mehr unfairen Wettbewerb mit der Bevorzugung lokaler Player benötigen um globale Player, die to big to fail werden können zu verhindern?

    Letzteres is ein Frage und kein Statement von mir. Welche Möglichkeiten gibt es noch, um zu Verhindern das globale Player so schnell Monopolstrukturen schaffen?

    • SLE - 23. Juli 2017

      Hallo Jeha,

      Sie haben recht mit Ihrer Interpretation, denke ich – aber die herrschenden Ökonomen eben nicht. Das ist auch ein nicht zu unterschätzendes Problem. Denn wenn die Entwicklung von Märkten und im Zuge dessen die völlige Veränderung des Wettbewerbs (Stichworte: Blockade von signifikanten Innovationen und damit Fortschritt, Rauptierkapitalismus) von einer ganzen Wissenschaftsdiziplin (WiWi) ignoriert und für Unsinn erkärt wird, dann ist das ein wichtiger Grund für die Verhinderung echter Lösungen.

      Es ist m.E. auch richtig, dass vom Beharren, Festhalten des Althergebrachten und dem verschlafen des Neuen ein große Crashgefahr ausgeht. Denn die Strategie der Konzerne – nicht nur in der Autobranche – besteht im Wesentlichen darauf, die eigene oligopolistische Marktposition und Marktmacht zu bewahren und zu verteidigen. Innovationen mit weitreichenden ökonomischen Folgen würde zu Turbulenzen auf dem Markt führen, bei denen die Konzerne, angesichts der Verteidigungsstrategie, recht plötzlich sehr viel verlieren könnten.

      Das ganze unternehmerische Treiben der Konzerne, einschließlich Betrügereien, beruht doch letztlich auf ihrer festen Überzeugung, damit durchzukommen, weil sie die Politik in der Hand haben und ihre Märkte immerfort wirksam kontrollieren können. In dem Moment, in dem dies nicht mehr gelingt, beginnt etwas sehr großes zusammenzubrechen. Denn einen Plan B haben die Konzerne entweder nicht oder sie verlieren infolge der eigenen Talfahrt rasch die Möglichkeiten, diesen erfolgreich umzusetzen. Dabei spiel auch das verlorene Vertrauen der Nachfrager eine große Rolle.

      Zu ihrer im vorletzten Absatz gestellten Frage: China hat riesige Staatskonzerne, die weltweit auf Einkaufstour sind und außerdem noch von der Regierung in großem Stil verschmolzen werden. Die Einkaufstour hat jedoch ein riesiges Problem für China geschaffen, weil das alles überwiegend schuldenfinanziert wurde. Der chinesische Investor HNA beispielsweise, der kürzlich bei der Deutschen Bank eingestiegen ist, soll allein bei den chinesischen Staatsbanken einen Schuldenberg von 90 Milliarden Dollar angehäuft haben. Peking hat wegen dieser Einkaufstour der Staatskonzerne vor allem deswegen jetzt Angst bekommen, weil es gar keine Ahnung hat, wie hoch sie sich dabei verschuldet haben. Die nächste große Finanzkrise winkt also längst auch schon in China und auch dort hat dies viel mit den Großkonzernen zu tun.

      Ihre letzte Frage ist knifflig. Einmal deswegen, weil man durchaus den Standpunkt vertreten kann, dass die Politik ihnen dabei geholfen hat, entscheidend geholfen hat. Die Renaissance der sogenannten National Champions erklärt sich ja erst aus dem Rückfall in eine merkantilistische Politik (oder eben “klassische Industriepolitik”), zu deren Maßnahmenspektrum eben auch der Protektionismus gehört. Mir fällt in diesem Zusammenhang zur alternativen Kennzeichnung der Begriff “staatsmonopolistischer Kapitalismus” (Stamokap), der eng mit dem Buch von Rudolf Hilferding “Das Finanzkapital” von 1910 verbunden ist. Konzerne und Politik ziehen demnach an einem Strang und den Staat bezeichnete er als Reparaturbetrieb des Kapitalismus. Hilferding beschreibt darin eine ökonomisch und politische Situation, die überraschend stark der heutigen gleicht (siehe dazu: https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Finanzkapital).

      Das Kernporblem ist weniger die Entstehung monopolistischer oder monopolähnlicher Marktstrukturen, sondern die Tatsache, dass es diese Riesen-Konzerne in nahezu allen globalen Märkten längst gibt und es ihnen erlaubt wird, durch Fusionen und Übernahmen noch größer zu werden. Das zweite wesentliche Problem ist die Existenz umfangreicher finanzieller und personeller Verflechtungen zwischen eben diesen Konzernen und zwar – das ist wichtig – branchenübergreifend!

      Aus meiner Sicht kann man, wie im Aufsatz dargelegt, in dieses Konzerngeflecht politisch nicht einfach wei ein Blitz einschlagen und alles umbauen. Das wäre der Overkill schlechthin für die Weltwirtschaft. Ein möglicher Ansatzpunkt besteht darin, dass die Weltwirtschaft tendenziell nur noch stagniert und viele Konzerne in etlichen Branchen dies durch allerlei Bilanztricks, aber eben auch (bisher im Verborgenen) durch Manipulation und Betrügereien kompensiert haben. Tatsächlich stehen sie sehr wahrscheinlich viel schlechter da als es den Anschein hat. Das ist vielleicht auch der Grund, warum gerade jetzt beispielsweise in der Autoindustrie, diese ganzen Schweinerein an die Oberfläche gespült werden. Die Nerven liegen blank, es gibt nichts mehr zu verlieren und jetzt wird nach Wegen gesucht, den Schaden noch irgendwie zu begrenzen. Dabei wird dann auch zu Maßnahmen gegriffen, die bisher tabu waren.

      Wenn also die Automobilkonzerne künftig aufgebläht wurden und dies auf illegalem Wege geschah, gibt es eine gute Begründung, sie im Zuge der Aufarbeitung der Skandale auf ihr Normalmaß zurechtzustutzen. Aber das kann man nur auf nationaler Ebene tun. Das andere Länder so weitermachen, kann man kaum verhindern. Wie wollen Sie beispielsweise Trump davon überzeugen, der sogar noch verstärkt in diese Richtung marschiert?

      Die m.E. einzig logische Begründung, es dennoch zu tun, ist es, die hohe Abhängigkeit der eigenen Volkswirtschaft von diesen tickenden Zeitbomben in dem Wissen zu reduzieren, dass das Modell der von solchen Riesenkonzernen geprägten Weltwirtschaft längst seine Grenzen ausgereizt hat und sich seit der Finanzmarktkrise “im roten Bereich” befindet.. Wenn man sich nicht freiwillig auf nationaler Ebene von diesem Modell zu verabschieden beginnt, wird man einen viel größeren Schaden davontragen, wenn es im Zuge eines Crashs kollabiert. Ich persönlich glaube nicht, dass Notenbanken und Politik das Kunststück, die Kuh vom Eis zuolen, so wie 2008, beim nächsten großen Crash noch einmal gelingen kann.

      Viele Grüße
      SLE

      • Ert - 23. Juli 2017

        Wenn also die Automobilkonzerne künftig aufgebläht wurden und dies auf illegalem Wege geschah, gibt es eine gute Begründung, sie im Zuge der Aufarbeitung der Skandale auf ihr Normalmaß zurechtzustutzen.

        Für die DE-Konzerne kommt das jedoch alles zur Unzeit. Da werden dann/aktuell massiv Kapazitäten (und Geld) für die “Aufarbeitung” gebunden, durch Angst gelähmt, etc. pp. – so das gerade für (jetzt notwendigen) den Umbauprozess (zu) wenig Energie bereitzustehen scheint.

        Natürlich kann man das auch anders sehen. Wäre bei VW die Ära Winterkorn so weiter gegangen, dann gäbe es dort keinen Jungwirth, keine neue Strategie in Hinblick auf neue Mobilitätsformen (TRANSFOR; 2025+ -> https://www.volkswagenag.com/presence/investorrelation/publications/presentations/2016/11-november/1118_Transform2025_PK_DE_10_mit%20Seitenzahlen.pdf) – und es würden sicher weiter Spaltmaß & Co. regieren.

        Ist bzw. war solch ein Aufrütteln wirklich notwendig?

        • SLE - 23. Juli 2017

          Hallo Ert,

          Volkswagen steckt in ernsten Schwierigkeiten. Bereits jetzt, wie oben geschrieben, belaufen sich die Strafen und Entschädigungskosten bei VW auf mehr als 20 Mrd. Euro. Das ist nicht das Ende der Fahnenstange, zumal immer wieder neue Dinge aufgedeckt werden, die den Konzern weiter unter Druck setzen. Des Weiteren war es laut SPIEGEL Volkswagen, die bei den Kartellwächtern das Kartell verpfiffen haben, um von der Kronzeugenregelung zu profitieren, d.h. keine Strafe zu zahlen. Ob das klappt, steht auf einem anderen Blatt. In jedem Fall muss es dabei offensichtlich ebenfalls um beträchtliche Strafen gehen.

          Wie also will der VW-Konzern das alles bezahlen, bei gleichzeitigen Absatzrückgang aufgrund des weiter um sich greifenden Vertrauensverlustes bei Anlegern und Kunden? Um Kosteneinsparungen kommen sie dort schlicht überhaupt nicht mehr herum und sie haben sie ja auch längst angekündigt. Doch nur wie weitgehend sie letztlich sein werden und wie viele Mitarbeiter entlassen werden und ob das nicht auch bedeutet, dass Volkswagen einige Marken abstoßen, sprich verkaufen muss, das steht noch lange nicht fest. Ich vermute, es wird in dieser Frage noch einige negative Überraschungen geben. Ohne Not lässt Volkswagen jedenfalls nicht auf einmal ein Kartell auffliegen, das solange so gut funktionierte.

          Die großartig angekündigte Umstellung der Strategie auf Elektromobilität kauf ich persönlich dem VW-Management nicht ab. Sie kam viel zu schnell und wirkte deswegen eher wie ein Ablenkungsmanöver vom Abgasskandal. Im Übrigen glaubt doch kein Mensch Volkswagen, dass der Konzern nun alles auf Elektromobilität umstellt, wo er seit vielen Jahren alles getan hat, um genau das auf dem Automarkt zu verhindern. Es liegt m.E. z.B. nicht an den Käufern, dass die Elektroauto-Kaufprämie bisher vollkommen gefloppt ist. Reden sie mal mit Leuten die sich ernsthaft darum bemüht haben, ein Elektroauto zu erwerben. Man wirftt ihnen bei allen Anbietern lauter Knüppel zwischen die Beine.

          BMW ist vielleicht der einzige deutsche Autokonzern dem man abkauft, dass er die Elektromobilität voranbringen will. Aber BMW operiert im Premium-Segment und nicht im Massenmarkt wie VW.

          Grüße
          SLE

          • Ert - 24. Juli 2017

            Hallo SLE,

            treffende Worte… einen Punkt möchte ich jedoch herausgreifen:

            Die großartig angekündigte Umstellung der Strategie auf Elektromobilität kauf ich persönlich dem VW-Management nicht ab. Sie kam viel zu schnell und wirkte deswegen eher wie ein Ablenkungsmanöver vom Abgasskandal.

            Drei Sachen meinerseits hierzu:
            1. Ja, solch eine Umstellung kann auch nicht so schnell klappen. Schau mal Folie 16 & 19 der verlinkten PPT an.. die E-Plattform (MEB) ist doch noch gar nicht da…
            2. PR-Maßnahme… logo… Standardgeschäft einer jeden Kommunikationsstrategie in dieser Lage…
            3. Ich selber sehe bei/in der E-Mobilität für das PKW-Segment komplett keinen Sinn – also Kontext der aktuellen und anstehenden Batterietechnik – sowie im aktuellem Konsum- und Nutzungsmodell. Siehe auch: http://www.peak-oil.com/2017/07/e-pkw-mobilitaet-die-fehlentwicklung-und-politische-doppelzuengigkeit/

            Wer will denn ->Privat<- so ein E-Mobil das weniger kann und mehr kostet wirklich haben? Zu viel Geld? Umwelt noch nicht dreckig genug?

            Gruß
            Ert

            • Holly01 - 24. Juli 2017

              Hallo Ert,
              nach meiner Erinnerung hat Mercedes in den 1990ern mal experimentiert. Die Grundlagen haben ergeben, dass man mit Wasserstoff die inhaltlich beste Ablösetechnik für den Benziner/Diesel hatte.
              Die Batterien sind da ganz hinten gelandet, das was damals aber auch alles so Blei/Schwefel Müll.
              Kurz und gut, Wasserstoff war technisch und kostenmässig überhaupt nicht machbar.
              Selbst der Transfer zu Großtechniken wie LKW und Schiffen hat gar keinen Sinn gemacht.
              Seit dem war das Motto in Schland: entweder Kohlenstoffverbrennung oder nix.
              Selbst die LPG Technik die ja in weiten Europas Standard Charakter hat, ist in Schland eine Nische.

              Fakt ist das nicht die Welt ein Problem hat. Deutschland hat ein Problem und zwar ein heftiges.
              Deutschland hat sich dieses Klumpenrisiko ja nicht nur im eigenen Land zusammen gebastelt.
              Wir betreiben ja die Produktion in fast ganz Europa und der halben Restwelt.
              Zudem besteht ja seit Kohl die Verschränkung zwischen Daimer – Mercedes – Deutschland AG.
              Da sind ja bei Daimler diverse deutsche Großkonzerne in Abwicklung unter Kohl´scher Ägide gesammelt worden.
              Die Autohersteller sind ja nicht nur das, also Autohersteller.
              Die Welt wird erleichtert aufatmen. Ein fetter Brocken ist aus dem Markt raus.
              Für Deutschland wird alleine die Abwicklung der Banken und Leasingtöchter eine extrem spannende Geschichte.
              Da ist noch gar kein Wort zu den sozialen Folgen gesagt, wenn so ein Audi Mitarbeiter mit 100k €/a nach 12 Monaten plötzlich auf H4 sitzt und das Amt dem vorrechnet wie alt er seine Wartefrist auf H4 ist, weil er ja Gratifikationen aus Jahren angerechnet bekommt oder die gesamte Immobilienbewertung in Ballungsräumen wie Stuttgart.

              Deutschland geht es gut und das ist ein Grund zur Freude……..

              Die sind in Berlin doch so dämlich das die beim Laufen quitschen …..
              lg Holly

              • Ert - 24. Juli 2017

                @Holly

                Zu Wasserstoff: Das Problem ist doch: Woher kommt der? Aktuell wird der über Erdgas erzeugt. Wind/Solar ist keine Lösung: Dazu scheint die Sonne/bläst der Wind zu wenig.. Kapazitätsfaktor der Anlagen wäre sehr gering… macht energetisch gar keinen Sinn. Zudem Speicherproblematik von Wasserstoff etc. pp.

                Wenn Wasserstoff – dann Methanisierung – kompatibel zum aktuellen Gas-Pipline-Netz und LPG-Autos – und natürlich aus der Abwärme von LFTR-Hochtemperatur-Reaktoren. Dann ist das eine Sache auch auch energetisch Sinn macht.

                Ja: Soziale Folgen wären brutalst. Betriebs-Pension für aktuelle Rentner weg/reduziert (Deckungslücken).. alle Betongold-Bauer in den Regionen am Popo… Immo-Preise in S, IN, WOB sind ja alle durch die Decke weil das Autogeld floss…. wenn da Ernüchterung einsetzt… aua….. in WOB sind Sie durch die Dieselkrise noch nicht gesunken.. da besteht bis jetzt (anscheinend) unerschütterliches Vertrauen in Weiter-So seitens der Arbeitnehmerschaft. Ich denke jedoch das viele die Lage gar nicht so tief analysieren/deuten (können/wollen) wie die Abonnenten hier bei den QS das machen….

            • SLE - 24. Juli 2017

              Hallo Ert,

              zum Ihrem letzten Punkt: Wenn die Kartellgeschichte stimmt und es auf dem Atomobilmarkt keinen echten Wettbewerb mehr gibt, heißt das dann nicht auch, dass die Konzerne – ohnehin schon mächtige Oligopolisten – machen können was sie wollen? Und wenn sie das Elektroautos gar nicht wirklich wollen, wäre es dann nicht im Bereich des Möglichen, dass sie diese zwar anbieten, aber eben zu Mondpreisen, damit sie nicht gekauft werden?

              Die Massenhersteller haben vor Jahren auch schon mla besonders spritsparende, umweltfreundliche Modelle angeboten. Allerdings ebenfalls zu sehr hohen Preisen.

              Über den Preis können die Nachfrager von Konzernen sehr einfach gesteuert werden, so lange es keine Konkurrenz gibt, die zeigt, dass es auch anders und preiswerter geht. Da es die nicht gibt, die Teilnehmerliste für die Initiative für Elektromobilität liest sich ja auch wie das Who is who der Konzernwelt, ist es auch leicht einfach zu behaupten, dass es eben nicht anders, nicht billiger geht.

              Tesla ist ein Beispiel, bei dem es anders lief. Damals, als die ersten Teslas makrtreif waren, haben alle großen Konzerne Elon Musk ausgelacht, weil sie die bestehenden Batterieproblem bis dahin für unlösbar gehalten hatte. Musk hat einfach 9000 Handy-Akkus zusammengeschaltet und seine Autos liefen. Da haben die Manager der Autokonzerne dann nicht mehr gelacht, sondern versucht, sich bei Tesla einzukaufen. Daimler beispielsweise hat es getan.

              Viele Grüße
              SLE

              • Ert - 24. Juli 2017

                Hallo SLE,

                Zu den Kosten: Tesla hats richtig gemacht – die sind im Luxus-Segment eingestiegen, wo der Preis eine untergeordnete Rolle spielt. Sowas hätte z.B. Porsche & Audi auch machen können/sollen. Einfach um die Technologie in kleinen Serienstückzahlen serienreif zu bekommen.

                Für die Kunden von Tesla ist es ja egal wenn der Akku mal nicht reicht – dann wird eben der andere PKW oder SUV genommen, der noch in der Garage steht. Aber auch Teslas Absatzmodell bekommt langsam Probleme – insb. wenn die Förderungen ausbleiben. Die Kunden sind ja auch nicht blöde…. und die Batterie-Garantien hat Tesla auch schon krass aufgeweicht…. Tesla ist ja auch nicht blöde 😉

                Für das Brot- & Butter/Margarine-Segment (Golf/Polo-Klasse) und wo die Menschen auf ‘Ihren’ einzigen Pkw angewiesen sind, der einfach rollen muss, auch mit Zuladung, mit Family, für Job & Co. – und die Knete auch etwas mau ist – ist E-Mobilität nach allen meinen Daten, Lesen, Diskussionen, etc. pp. (noch) nicht darstellbar. Ggf. nie…. die Physik lässt sich nicht einfach umdrehen… an der Speicher/Batterieproblematik leiden ja noch ganz andere Bereich (EE & Co.).

                Das E-Mobilität auch nix für die Umwelt tut – außer den Dreck aus den Städten zu exportieren – darauf geht ja der verlinkte Artikel bei Peak-oil.com ein.

                Und ja: Die Automobilproduzenten haben nix von E- & Co. Der Markt ist begrenzt. E-Pkw neben zwei/drei Sorten von Verbrennern bedeutet noch mehr Varianten und Entwicklungsabteilungen – letztendlich jedoch nicht mehr Umsatz bei weiterhin starkem Preisdruck. Fazit: weniger Gewinn.

                Und wenn dann die Anschaffungskosten für einen Verbrenner deutlich günstiger sind, dann ist der E-* ein Ladenhüter – drückt nicht die Politik krasse Quoten durch wie in China. Und auch da werden die Hersteller die Mehrkosten umlegen – eben auf die Verbrenner, die Sie ja nicht mehr produzieren dürfen wenn Sie nicht auf 8% E-Kfz produzieren (unabhängig von irgend einer Nachfrage!).

                Das ganze Spiel um E-Mobilität, ‘Erneuerbare’ Energien, CO2-Limits, etc. pp. ist dreckig… jedoch sagt auch keiner in der Politik die Wahrheit… und kaum einer den ich kenne will das hören oder diskutieren… egal… Hauptsache günstig und weiter so wie gestern wenn es um das eigene Verhalten und den Geldbeutel geht. Schuld sind immer die anderen 😉

                • Georg Trappe - 24. Juli 2017

                  Hallo Ert,

                  Geht nicht gibt es nicht! “Only the Paranoid Survive” (by Andy Grove, lesenswert). Und wenn einem klar ist, was fuer Deutschland am Automobilbau haengt, dann waere meiner Meinung durchaus etwas mehr Paranoia und deutlich weniger Kostensenkungswettlauf angebracht.
                  Die angefuehrten Argumente moegen alle richtig sein und grosse Probleme darstellen, aber keins ist unloesbar.
                  Anfang der 70er ging es um die Einfuehrung von bleifreiem Sprit. Ich hatte gerade mein erstes Auto, einen 9 Jahre alten VW 1500, gekauft. Da kreierten die hiesigen Automobilkonzerne ein Schreckensszenario nach dem anderen, obwohl in Kalifornien schon Katalysatoren und damit bleifrei erfolgreich eingefuehrt waren / wurden. Man behauptete, dass alte Fahrzeuge , wie mein alter VW 1500, reihenweise die Raender der Autobahnen schmuecken wuerden, wenn man diese bleifrei betanken wuerde. Man verbreitete lauthals auf allen Kanaelen wie unertraeglich die Kosten fuer die Industrie und die Kunden sein wuerden, wenn man Abgasreinigung und bleifreien Sprit einfuehren wuerde.
                  Und was ist geschehen? Mein VW lief und lief und lief! Auch mit bleifreiem Sprit bei leicht Richtung OT verstelltem Zuendzeitpunkt ohne Klopfen und Motorschaden!

                  Ob man sich hierzulande ein Verschlafen leisten kann und will, wie man es sich bei der Elektronik und Halbleiterei erlaubt hat, sollte man sich angesichts der Bedeutung der Branche fuer das Land ganz genau ueberlegen. Auf jeden Fall waeren die Strafmilliarden in Forschungs- und Entwicklungsprojekten zu Antriebsalternativen viel besser angelegt. Und wuerde man die Gewinne, anstatt sie auszuschuetten um sie dann an der Wall Street oder in der CoL zu verzocken, auch noch in diese Richtung lenken, dann brauchte man sich deutlich weniger Sorgen machen.

                  Viele Gruesse

                  Georg Trappe

                  • Ert - 24. Juli 2017

                    Hallo Georg,

                    gehen tut E-Mobilität schon – schaue in den Peak-oil.com Beitrag den ich verlinkt hatte. Alles was in und im Nahbereich von Metropolen läuft, gut ausgelastete ist, an planbaren Orten abgestellt wird bzw. planbare Fahr-& Nutzzyklen hat – da ist für E-Mobilität ganz viel Raum! Und 50% der Menschen leben in solchen Gebieten.

                    Insofern hat die DE-Automobilwirtschaft sehr, sehr viel verschlafen – so das die Post dann ihren E-Streetscooter selber bauen musste. Tja, passte wohl nicht in den Modulbaukasten….

                    Wenn ich “Pkw” schreibe – dann meine ich damit, das das “Pkw”-Nutzungs-Modell wie es bisher existiert: Fast jeder hat eines (oder mehr), nutzt das Teil ggf. 30min/Tag und es soll billig sein und auch noch nach 15 Jahren irgendwie laufen, damit es sich ein Student & Co. leisten kann – das sehe ich mit E-Mobilität absehbar nicht! Und die Zukunft? Automatisierung, Fettaugensyndrom, weitere Krisen, etc. pp. – da wird sich die immer teurer werdende individuelle Mobilität ein immer kleinerer Kreis an Menschen leisten können & wollen… zumindest meine Sicht.

                    Wenn E-Mobilität so viel besser und günstiger wäre – dann würde es sich von selber durchsetzten. Die Blei-Thematik ist da etwas anders gelagert. Da wurden Menschen (vorsätzlich) vergiftet um billigere Motoren bauen zu können. Der Vergleich liegt nahe – die E-Maschine selber ist günstiger, einfacher, besser, etc. pp! – jedoch gibts diesen dummen Pferdefuß in Bezug auf den Energiespeicher. Die Blei-Thematik ist für mich eher mit der Diesel-NOx Thematik vergleichbar – also der ganze Beschiss mit den Abgaswerten und der Harnstoffspaarerei.

                    Beim letzten Absatz stimme ich voll zu. In Bezug auf unsere energetische Zukunft sehe ich jedoch ganz andere Probleme. Und da schläft DE & die EU komplett…. anderes Thema….

                    Beste Grüße,
                    Ert

                • Markus - 24. Juli 2017

                  “Das E-Mobilität auch nix für die Umwelt tut – außer den Dreck aus den Städten zu exportieren – darauf geht ja der verlinkte Artikel bei Peak-oil.com ein. ”

                  So sehe ich das auch – mehr oder weniger. Wenn jetzt noch e-Mobilität massiv gefördert wird (Zuschüsse, Steuernachlässe etc.), dann sieht das für mich schon nach Moral Harzard aus. Der Strom wird anderswo produziert (primär vermutlich durch Ausstoss von C02 und anderem Beiwerk, Kernkraftwerke), und die gehobene Mittelschicht und Oberschicht düst Abgasfrei durch ihre eigenen Wohngebiete (und fühlt sich dabei noch Mega-Grün…)

                  • Georg Trappe - 25. Juli 2017

                    Hallo Ert, Hallo Markus,

                    ich bin ja hier als kaputte Schallplatte, die immer wieder die gleiche Spur durchnudel, bekannt.
                    Trotzdem lege ich zur allgemeinen Erheiterung nochmal was auf, was mir vor sieben Jahren zum Thema auf- und einfiel:

                    http://georgtsapereaude.blogspot.de/2010/09/die-innovationskraft-deutscher.html

                    Siehe auch unten meine Antwort an SLE. Da gibt es auch noch ein paar Gedanken zur Strategie wie man soetwas anfasst, wenn man wirklich will.

                    Viele Gruesse

                    Georg Trappe

  • JL - 23. Juli 2017

    Die Realitäten zeigen ja nun leider auf das immer größere Giganten im Wirtschafts- oder Finanzwesen geschaffen werden. Übernahmen im Bereich Chemie, Automobile, oder bei Banken zum Beispiel schaffen angeblich Synergien und Spareffekte und lassen selbst marode Geldhäuser über Nacht angeblich gesunden.

    Dies alles hat man auch nach der Finanzkrise 2007 zugelassen, trotz den damals erkennbaren Systemrisiken die in übergroßen Unternehmensstrukturen stecken. Damals (wie heute auch) wurden Geldhäuser gerettet oder Abwrackprämien eingeführt. Und gerettet wird auch heute noch, Siehe EEG- Gesetzgebung.

    Das Problem der Politik ist dabei schlicht und einfach das man Teil des Ganzen ist. Dabei geht es nicht nur um Parteispenden seitens der Wirtschaft.
    Beispiel: Kann sich jemand vorstellen, daß irgendein Ministerpräsident von Niedersachsen VW die Flügel stutzt…
    …na also, schließlich hat man ja auch erfolgreich die Übernahme von VW durch Porsche (mittels Sperrklausel) ausgebremst.

    Die Zerschlagung von Monopolisten ist durchaus möglich, die Zerschlagung von „Standard Oil Trust“ 1911 ist da ein erfolgreiches Beispiel, setzt allerdings eine unabhängige Politik und Justiz voraus- und genau dies ist nunmal das eigentliche Problem.

    Diesen Trend zu mehr und größer kann man auch in China beobachten. Dort braucht man eben auch marktführende Unternehmen um die eigene Innen- und Außenpolitik dursetzen zu können, der Bäcker um die Ecke kann das nunmal nicht.

    Einen entscheidenden Unterschied zwischen hier und dort gibt es allerdings schon, den Machtschwerpunkt.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • Ert - 23. Juli 2017

    Interessante Ergänzung zum “Kartel”: https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/guido-reinking-autonom/ein-geheimes-autokartell-mit-website-und-steuernummer/

    Ich denke wir werden abwarten müssen was nun wirklich geschah… und passiert ist.

  • Marja - 23. Juli 2017

    Moin Moin,

    Jede progressive Idee wird zunächst unterdrückt, dann setzt sie sich letztlich durch, bis sie selbst etabliert ist. Dann wird sie reaktionär. So ist es auch mit Technologien. Der Verbrennungsmotor hat seinen Zenith überschritten, da er in den vielen Städten mit zig Millionen Einwohnern nicht mehr betrieben werden kann, wenn dort auch Menschen leben wollen.

    Das Problem der deutschen Automobilindustrie ist es, dass man die Batterieherstellung und -entwicklung mit Varta aufgegeben hat. Ein Elektroantrieb ist im Vergleich mit einem Verbrennungsmotor reichlich primitiv, wenn man die Batterietechnik beherrscht. Das kann aber derzeit kein Hersteller, auch Tesla nicht.

    Ein Buch, das mein Denken in den letzten 35 Jahren immer begleitet hat, ist übrigens:
    Traditionelle und kritische Theorie: fünf Aufsätze, von Max Horkheimer. Oder https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=horkheimer%20traditionelle%20und%20kritische%20theorie&source=web&cd=1&ved=0ahUKEwjDjuznjaDVAhVGbhQKHZLjARcQFgggMAA&url=http%3A%2F%2Flesekreis.blogsport.de%2Fimages%2FMaxHorkheimerTraditionelleundkritischeTheorie.pdf&usg=AFQjCNHLmhFYcuefvNAhAuwT-qWFfVS3yA.

    Die Technologien, die sich überlegt haben, machen noch einigen Zuckungen und dann letztlich den neuen Technologien Platz. Man soll nur an die Katastrophenphantasien denken, als die ersten Entschwefelungsanlagen eingeführt wurden, oder an die Einführung der dezentralen Energieversorgung, an neuen Organisationsformen in der Produktion. Die Liste ist lang ohne Ende.

    Da Schland in vielen Bereichen eine leistungsfähige Industrie hat (sieht man an der Leistungsbilanz), gibt es hier natürlich ein deutlich reaktionäres Beharren auf den bisherigen Errungenschaften und somit eine Innovationsfeindlichkeit. Da die Innovationen ausgeglichen sind, hat man es erst mit Lohndumping oder Kostendrücken versucht, bis man merkt, dass diese Billigprodukte keiner haben will.

    Einen freien Wettbewerb hat es noch nie gegeben. Der freie Wettbewerb ist solange frei solange er der Macht dient. Die Macht entwickelt sich immer von der hellen Seite zur dunklen, um von einer anderen helleren abgelöst zu werden,…. oder die Kultur geht unter.

    So ist es gut, dass sich die klassische Automobilindustrie überlebt hat, oder ihre technischen Grenzen erreicht hat. In den USA kann man das gerade bei Intel sehen.

    Grüße Marja

    • Marja - 23. Juli 2017

      Nicht ausgeglichen, sondern ausgeblieben

    • Georg Trappe - 24. Juli 2017

      Hallo Marja,

      vielen Dank fuer den Hinweis auf und die Erinnerung an den Horkheimer Text. Weniger als Beitrag zum Artikel als vielmehr weiterer Mosaikstein fuer den einen oder anderen Interessierten, moechte ich in diesem Zusammenhang an einen Vortrag/Aufsatz von Hans Albert erinnern:
      http://www.gleichsatz.de/b-u-t/can/101/halbert_modell.html

      Viele Gruesse

      Georg Trappe

  • Karl-Walter Müller - 23. Juli 2017

    Was kann/sollte die Politik tun?

    Der Vorschlag in Ehren ist absurd.
    Es gibt weder in den angelsächsischen Ländern keine KMUs. In UK gibt es außer den ganz Großen und der Londoner City, NIX.

    Und in den USA sieht es nicht viel besser aus.

    Was oder wer sollte diese Macht aufhalten? Diese Unternehmen sind nicht nur too big to fail, ihre Entwicklung hat ihnen auch die Möglichkeit geschaffen to late too change zu sein.

    Einzig der Weg, die Konzerne zu zerschlagen oder zur Auflösung zu zwingen würde o. g. Dogmen überwinden, doch dies würde kein politisches System überleben.

    Es bleibt beim WEITER SO, wir sind Ursache und Wirkung zugleich und niemand steigt vorzeitig freiwillig während der Fahrt aus.

    Gruß
    K.-W. Müller

    • Georg Trappe - 24. Juli 2017

      Der Hinweis auf die Unterschiede bei der Bedeutung von KMUs hierzulande und im UK bzw. in den USA ist durchaus berechtigt und benennt aus meiner Sicht einen wesentlichen Grund fuer die realtiv starke Position Deutschlands. Ohne in ein anderes Thema umlenken zu wollen, moechte ich darauf hinweisen, dass das “zentrale” Fuehrungs- und Lenkungsinstrument Geld in Deutschland ebenfalls durch deutlich dezentralere Strukturen (Sparkassen, Volksbanken) bereit gestellt wurde als das im UK bzw. in den USA jemals der Fall war. Ohne diese dadurch relativ dezentrale Finanzierung in der Flaeche waere die Entwicklung und die Bedeutung der KMUs so nicht moeglich gewesen. Leider schlaegt auch in diesem Bereich das Fettaugensyndrom gnadenlos zu. Unnoetig angeheizt durch eine blinde Politik, Grossbanken und EZB. Und das aus Mangel an einem wirtschaftstheoretischen Unterbau, der die Vor- und Nachteile hoch konzentrierter, ausschliesslich auf Effizienz getrimmter Strukturen mit den Vor- und Nachteilen redundanter, dezentraler Strukturen vergleicht. Auf Deutschland bezogen heisst das, man war erfolgreich und weiss tatsaechlich nicht mehr warum.
      In einem Wahn der nicht nur offensichtliches ignoriert sondern sich auch noch Wissenschaft nennt, ist das Erfolgsrezept verloren gegangen.
      Das sich da diejenigen, die in KMUs den Erfolg erarbeitet haben und immer noch tragen, mehr und mehr veralbert vorkommen und angesichts der masslosen Ignoranz immer oefter mal den Finger strecken, darf da nicht verwundern.

      • SLE - 24. Juli 2017

        Hallo Herr Trappe,

        nur so zum Spaß möchte ich Ihren Ausführungen, denen ich mich anschließe, einmal exemplarisch einen Realitätscheck auf der politischen Seite der Medaille gegenüberstellen, nämlich den jüngst vom SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz vorgestellten “Zukunftsplan” für Deutschland (vom 16. Juli 2017, also vor dem Kartellskandal):

        https://www.welt.de/politik/deutschland/article166701371/Befreiungsschlag-gegen-Merkels-Dominanz-Wohl-kaum.html

        Wirklich Neues bietet er m.E. nicht, um es vorwegzunehmen. Ein echtes Konzept kann ich darin auch nicht erblicken. Das fängt schon damit an, dass die wirtschaftliche Basis einerseits offensichtlich wieder einmal der Keynesianismus ist. Auch will er “Innovationsallianzen” von Politik, Gewerkschaften und Industrie schaffen (was auch nichts nNues ist und unter die Rubrik “klassische Industriepolitik” fällt). Amüsant ist hingegen das exemplarisch von ihm genannte Ziel solcher Allianzen. Weil es so gut zum Thema des Aufsatzes passt und zugleich zeigt, wie weit sich die Politiker von der Realität entfernt haben, möchte ich hier gerne die entsprechendePassage des Artikels wiedergeben:

        Innerhalb von 50 Tagen werde eine Regierung Schulz eine „Innovationsallianz“ von Politik, Gewerkschaften und Industrie schaffen. Ein neues Etikett für eine alte Idee, die mal „konzertierte Aktion“, mal „Bündnis für Arbeit“ hieß. Hauptaufgabe soll die „Rettung der Autoindustrie“ sein, etwa durch die Förderung der Batterietechnik.

        Keine weiteren Fragen, oder!?

        Grüße
        SLE

        • Georg Trappe - 25. Juli 2017

          Hallo Herr Dr. Eichner,

          nein keine weitere Fragen. Es ist zum Haare ausraufen.

          Ich erinnere mich an einen Austausch mit Ihnen, der nun fast sieben Jahre zurueck liegt.
          Daraus ist damals ein Blogeintrag entstanden:

          http://georgtsapereaude.blogspot.de/2010/09/die-innovationskraft-deutscher.html

          Und folgendes E-Mail an Sie:

          “Sehr geehrter Herr Dr. Eichner,

          der Begriff Elektroauto ist schon der Denkfehler schlechthin. Wenn ein
          KMU sich auf die Fahnen schreibt ein E-Auto zu entwickeln, dann ist der
          Misserfolg schon vorprogrammiert, da ein Auto und alles was zu seiner
          Serienfertigung gehoert, sehr viele schwer zu ueberwindende
          Market Entry Barriers hat.

          Es gibt aber zwei drei strategische Punkte, wo die Staerke der Grossen
          zur Schwaeche wird und auf die muss man sich konzentrieren und dort
          das kurze Ende der Brechstange ansetzen und nicht versuchen mit den
          begrenzten Kraeften auf dem gesamten Spektrum an Technologien, die zum
          Bau eines Autos notwendig sind, mit den Grossen gleich zu ziehen. Das
          ist aussichtslos.

          Beispiel Energiespeicher Batterie.

          Bewiesenermassen keine Core Kompetenz der Grossen und damit ein
          typische Angriffspunkt.Wer auf diesem Gebiet die Nase nach vorne bringt,
          der hat schon fast gewonnen. Und mit einem solchen Ansatz verlagert sich
          auch das “Feindbild”. Die Gegner sind dann nichtmehr die etablierten
          Autohersteller sondern die Oelmultis mit ihren Tankstellennetzen.

          Und dann wird auch sichtbar, wie fragwuerdig der Beitrag eines E-Autos
          ist, wenn nicht gleichzeitig die Erzeugung des Stroms aus fossilen
          Brennstoffen auf Solartechnologien umgestellt wird. Die Chinesen
          haben das begriffen und sichern sich nicht nur den Zugriff auf seltene Erden,
          die man zum Batteriebau benoetigt, sondern haben den Solarpanel
          Herstellern weltweit schon den Rang abgelaufen.

          Meine Prognose fuer dieses Affentheater. Es wird ausgehen wie bei der
          Halbleiterindustrie, wo man auch sehr spaet erkannt hat, das man
          hinterher laeuft und dann Siemens, der damals groessten Bank Deutschlands
          Foerdermillionen in den Rachen geschuettet hat, anstatt den KMUs,
          die die strategischen Fertigungstechnologien entwickelten direkt zu foerden.
          (Wacker Chemie Siliziumwafer, Eisenmann Reinraumtechnik etc.).
          Die Folge: Sowohl bei der Halbleiterfertigung als auch bei den
          zugrundeliegenden Fertigungsanlagen haben Andere die Fuehrung
          uebernommen.

          Wer sich also nicht die Muehe Macht Supply und Infrastrukturkette einer
          neu entstehenden Technologie zu studieren, um dann strategische Punkte zu
          identifizieren an denen mit den zur verfuegungstehenden Mitteln einzigartige
          Beitraege moeglich sind, der darf sich nicht wundern, wenn der Versuch
          das Meer mit Chili zu wuerzen scheitert.

          Herzliche Gruesse

          Georg Trappe”

          Ich habe dem auch sieben Jahre spaeter nicht viel hinzuzufuegen.

          Viele Gruesse und herzlichen Dank fuer den Artikel.

          • SLE - 25. Juli 2017

            Hallo Herr Trappe,

            wir haben damals viel Text hin- und hergeschickt. An den konnte ich mich schon gar nicht mehr erinnern. Aber er passt haargenau auf die Gegenwart. Da wird immer wieder derselbe, grundlegende Fehler gemacht – seitens der Politiker. Aber für die gibt es ja auch leider gar keinen Sanktionsmechanismus und leider auch keinerlei fachlichen Anforderungen, um ein politisches Amt zu übernehmen. Es ist deswegen auch kein Wunder, dass von ihnen einfach mehr Geld vom Steuerzahler abgezwackt wird, um eigene Misserfolge und den Mangel an Kompetenz nicht eingestehen zu müssen.

            Unsere Konzerne hingegen sacken die Milliarden der Politik gern ein und es ist ja auch so einfach – sie müssen nur mit Arbeitsplatzverlusten winken. So lassen sie sich von uns recht erfolgreich ihre unternehmerischen Risiken absichern und bezahlen, wenn es mal wieder schief geht.

            Deswegen ist es alles in allem einfach sehr erschreckend, dass sich daran, wie Sie am Schluss Ihres Kommentars schreiben, auch nach sieben Jahren nichts geändert hat. Ich will jetzt nicht allein die SPD an den Pranger stellen, aber das “Zunkunftskonzept” von martin Schulz belegt eher, dass die auf Wirtschaft und Märkte gerichtete Politik noch konfuser, noch orientierungs- und noch substanzloser geworden ist. Es ist nicht so, dass dies niemand bemerkt. Aber dass es soweit kommen konnte, dass es aus der Bevölkerung nicht einmal mehr den geringsten Widerspruch für inzwischen offensichtlich vollkommen unschlüssige, sinnentleerte politische “Schönwetter-“Programme gibt, sondern man sich lieber über Flüchtlinge, die Homo-Ehe, ob Frauen Kopftücher tragen dürfen etc. echauffiert, das muss einen dann doch nachdenklich stimmen. Du meine Güte, wir sind auf eine gut funktionierende Wirtschaft angewiesen, das ist unsere Existenzgrundlage! Und wenn man auf das schaut, was unsere Politiker in dieser Hinsicht alles herunterwirtschaften, dann kann sie uns innerhalb kürzester Zeit verloren gehen. Die Konzerne kennen beim Personalabbau jedenfalls keine Gnade. Bei den KMU ist das ein bisschen anders.

            Viele Grüße
            SLE

            Nachtrag 25.07. 18:15 Uhr: Übrigens haben die US-Demokraten auch gerade ein neues politisches Konzept vorgestellt. Das sieht allerdings interessant aus und da Elizabeth Warren die Finger im Spiel hatte, wirkt es auch glaubwürdig.

            Siehe: https://www.reuters.com/article/us-usa-politics-democrats-idUSKBN1A913M?il=0

          • Ert - 25. Juli 2017

            Meine Prognose fuer dieses Affentheater. Es wird ausgehen wie bei der Halbleiterindustrie, wo man auch sehr spaet erkannt hat, das man hinterher laeuft und dann Siemens, der damals groessten Bank Deutschlands Foerdermillionen in den Rachen geschuettet hat, anstatt den KMUs,
            die die strategischen Fertigungstechnologien entwickelten direkt zu foerden.

            Sehr geehrter Herr Trappe,

            ja, mit dieser Vorhersage werden Sie wohl recht behalten – leider. To-Big-To-Fail-Denken nennt man das wohl…

            Spannend ist die Sache jedoch gerade angesichts der recht übersichtlichen Eignerstruktur bei VW. Jede monetäre/wirtschaftspolitische Intervention würde indirekt einem Emirat und zwei Großfamilien zu gute kommen. Das Land Niedersachsen zähle ich mal nicht mit – das ist linke-Tasche-rechte-Tasche.

            • Georg Trappe - 25. Juli 2017

              Honda Mopeds mit Verbrennungsmotor sind in weiten Teilen Sued Ost Asiens nach wie vor ein weit verbreitetes und beliebtes Fortbewegungsmittel. Aber auch da arbeitet sich eine chinesische Konkurrenz Schritt fuer Schritt in einer Art und Weise voran, die man ernst nehmen muss.

              https://izhongchou.taobao.com/dreamdetail.htm?id=20064406#

              Der Nabenmotor kommt uebrigens (noch) von Bosch. Allerdings einem Boschwerk in China.

              http://www.bosch.com.cn/en/cn/startpage_4/country-landingpage.php

              http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/starter-und-generatoren-bosch-bestaetigt-spartenverkauf-nach-china/19740954.html

              • SLE - 25. Juli 2017

                Hallo Herr Trappe,

                in China geschieht im Hinblick auf E-Mobilität auf dem Niveau von Mopeds (einbisschen größer schon) etwas ganz Erstaunliches.

                http://www.faz.net/aktuell/technik-motor/auto-verkehr/miniautos-mit-batteriebetrieb-chinas-elektrische-knutschkugeln-14781888.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

                Dieser Bericht darüber ist absolut lesenswert, vor allem weil er ohne es zu beabsichtigen an die Voraussetzungen für das Entstehen bahnbrechender Innovationen und ihren Markterfolg erinnert! Das ist es, was die Politiker in den Industriestaaten und ganz besonders Deutschland lange vergessen haben.

                Viele Grüße
                SLE

                • Ert - 25. Juli 2017

                  “Ganz im Gegensatz zu Ländern wie Amerika oder Deutschland, wo Versuche, die Leichtmobile zum Verkaufserfolg zu machen, stets an den Behörden gescheitert sind.”

                  Hier ist das ganze über immer mehr “Red-Tape” schön unterbunden. Gerade auf neue kleine Unternehmen kommt so viel Regulierungs-Scheiss zu, das es faktisch unmöglich ist im Bereich der Mobilität noch etwas neues zu etablieren ohne nicht im Jungle der Standards, Normen und Vorschriften unter zu gehen.

                  Woher soll da Innovation kommen? Alleine und/oder mit wenig Kohle ist der ganze Krams doch gar nicht mehr bewältigbar. In anderen Bereichen sieht es ja auch nicht besser aus.

                  Und in DE wurde nichts vergessen… die Geschäftsmodelle der großen werden geschützt. Ist bei Schlachtereien, etc. pp. nicht anders gelaufen. Die “Mindeststandards” werden (oft) so gesetzt, das Sie durch Klein- und Familienbetriebe (<10 Mann) nicht mehr erfüllbar sein.

                  Ich bin da desillusioniert.

                  Gerade leichte und kompakte e-Mobile…. wo kommen wir denn da hin wenn soetwas ein Pkw ersetzt… dann sinkt ja das BSP… weil die Teile für 1/10 Kohle vom PKW fast das gleiche Mobilitätsbedürfnis abdecken. Deswegen sind ja auch (bisher) Pedelecs so gut: die verdreifachen den Preis des Rades und machen einen vorher autonomen Kunden zu einem serviceabhängigen Deppen. Und die dinger gibts zusätzlich – und nicht anstatt eines Pkw.

                • Georg Trappe - 26. Juli 2017

                  Hallo Herr Dr. Eichner,

                  vielen Dank fuer den Hinweis auf den FAZ Artikel. Ert hat ja schon einen wichtigen Aspekt aufgegriffen. Generell kann man wohl sagen, dass in einer Volkswirtschaft, die nachholende Entwicklung betreibt aufgrund der fehlenden Verstrickungen mit einer Vergangenheit Dinge moeglich sind, die in einer Volkswirtschaft wo die Dinge ausgereift sind, nicht mehr so einfach moeglich sind.

                  Obwohl:

                  http://www.avionics.bike/

                  Waehrend also unseren 1% nostalgisch schwelgend die Preise fuer Oldtimer (mit Verbrennungsmotor) in astronomische Hoehen treiben,

                  http://www.pebblebeachconcours.net/
                  http://www.classic-gala.de/
                  http://www.schlossbensberg-classics.de/
                  https://www.ameliaconcours.org/
                  http://concoursusa.org/event/concours-delegance-america/

                  versuchen junge Leute die Faszination, die von den alten Ideen/Designs immer noch ausgeht, fuer ihre Ideen und Vorstellungen von einer modernen Mobilitaet zu nutzen.

                  Viele Gruesse

                  Georg Trappe

                • Georg Trappe - 26. Juli 2017

                  Aircraft Electronics Company Avionics unveils its V1 Electric Bike with powering the V1 is a 5,000-watt brushless electric engine that propels that sleek ride to top speeds of 36 mph and a range of around 75 miles on a full charge thanks to its lithium-ion battery. Additionally, a chrome-plated headlight and bright LED taillight keep you visible come nightfall while 203 mm disc brakes, a steel frame, and 26-inch handsome spoked wheels adorn the ride with class. And speaking of class, a Jatoba wooden saddle and handgrips – along with a wooden headlight bucket, brake levers, fork covers, and motor case all add a touch of classic appeal to the V1.

      • Georg Trappe - 31. Juli 2017

        Hier noch ein aktuelles Beispiel fuer den fatalen Trend zur zentralen Planwirtschaft:

        http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/ezb-direktorin-lautenschlaeger-wir-haben-zu-viele-banken/20125618.html

        Wir haben nicht zu viele Banken! Wir haben zuviele “TBTF” Banken!
        Aber soetwas geht in die Koepfe der “Experten” nicht rein.

  • Holly01 - 24. Juli 2017

    Ich unterstelle einmal völlig beleglos und damit unqualifiziert, das VW (mit dem Rücken an der Wand und in Existenznot) eine neue Front für den US-Wirtschaftskrieg gegen die EU im allgemeinen und Deutschland im besonderen ermöglicht hat.
    Das ist das Umfeld:
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/energiepolitik/us-sanktions-gesetz-verunsichert-deutsche-unternehmen-15114318.html

    Die Basis dafür ist das die Totalüberwachung dem Hegemon eben ALLE Türen öffnet und JEDEN angreifbar macht. Wo das dann einmal nicht klappt, ja dann wird halt gelogen das sich die Balken biegen.

    Wir sind mitten in einem Wirtschaftskrieg mit den USA und das schreibe ich schon seit Jahren.
    Das ist kein schwarzer Schwan für die Weltwirtschaft, das ist ein Nahtod-Erlebnis für Deutschland.
    lg Holly

    • Holly01 - 24. Juli 2017

      Wie viele Jahre steht hier auf Querschuesse schon, wie dumm dieser Merkantilismus ist?
      Wir angreifbar Deutschland durch diesen Unsinn ist?
      Ich wollte das aber nur als Warnung. Das uns das nun vorgeführt wird, ist eher unnötig schmerzhaft.

    • Ert - 24. Juli 2017

      Danke für den Link – und absolute Zustimmung. So werden eben die Gewinne der Unternehmen anderer Länder abgeschöpft. Machen ‘eigene’ (also primär US-Basierte) Unternehmen den gleichen ‘scheiß’ – kommen die meist günstiger davon.

      Es geht ja auch anders rum: Die längeren Leser hier mögen sich noch an die 2008 & Co. erinnern – wo ABS & Co.-Papiere/Risiken schön nach EU, DE & in die Welt exportiert wurden.

      Da gibts noch so viele Details, auch um die Auflösung der Deutschland-AG, Geldabflüssen, involvierten Personen, deren Hintergründe – darf mich da gar nicht rein steigern… macht mir zumindest nur schlechte Laune.

  • Gerhard Friedrich Doklet - 24. Juli 2017

    aus Archive.org

    “Russland und China scheinen gerade erfolgreich dabei zu sein, gemeinsam die Luft -und Seeüberlegenheit des US-Imperiums im Nahen, Mittleren und Fernen Osten zu brechen und somit die angloamerikanischen Kolonialisten endgültig aus ganz Asien zu verdrängen. Dass dieser Verdrängungsakt letztlich nicht vor Mittel -und Westeuropa Halt machen wird, ist evident. Das wissen auch die US-Imperialisten, deren Statthalter immer stärker unter den Druck ihrer Völker geraten. Also muss das Imperium auch innerhalb der EU und der mit ihnen assoziierten Staaten, in denen sie nicht zur offenen Besetzung durch ihre dort stationierten Truppen übergehen können, zur asymmetrischen Kriegsführung übergehen. Dazu passt eine konzertierte Masseneinwanderung vom gegenwärtigen Ausmaß in die EU und besonders nach Deutschland natürlich kongenial. Somit überrascht es auch nicht, dass sich die Hinweise häufen, dass die sogenannten NGOs des Soros-Netzwerks hierbei ihre Hände im Spiel haben

    Dazu passen auch folgende Tatsachen:
    Der Boykott von Northstream 2 durch den willigen US-Vasallen Polen
    Das Zerschlagen der wichtigsten Industrie Kontinentaleuropas, der Autoindustrie (natürlich müssen die Amis so tun, als wären sie die Beschissenen und die bösen Täter müssen büßen)

    Wer ein klein wenig nachdenkt, dem fallen bestimmt noch mehr Schandtaten des transatlantischen Verbrecherstaates ein.

    Gruß

  • hunsrueckbauer - 24. Juli 2017

    Nestbeschmutzer

    Es wird überall nur mit Wasser gekocht und die Amis kochen auch noch schlecht mit noch schlechterem Wasser, aber auch sie kochen mit Wasser.

    Die Amis schützen ihren Markt schon lange durch protektionistische Gängeleien, wie UL, ANSI, OSHA, etc. und wehe diese Anforderungen werden nicht eingehalten von ausländischen Exporteuren.

    Andererseits produzieren die Amis im Land so gut wie nix Brauchbares mehr, so dass bis hin zu Klopapier und Klebeetiketten alles importiert werden muß, was der gemeine Ami so gerne hätte.

    Es gibt Firmen, die exportieren für ein paar 1000 € Waren in die USA ohne sich im Klaren darüber zu sein, dass sie selbst bei einem unberechtigten Anspruch eines US-Anwalts in die Pleite getrieben werden. US-Recht wird in DE bedingungslos vollstreckt (DE ist Vasall).

    Dass der Ami es auf die europäische, insbesondere die deutsche KFZ-Industrie als größte und wichtigste Konkurrenz zum eigenen Schrotterzeuger GM, abgesehen hat, ist doch klar. Dass hier Einige aber auch noch ins gleiche Horn stoßen grenzt an Dummheit. Ca. 800.000 Arbeitsplätze hängen direkt an der Automobilindustrie, allein in DE, weitere ca. 10-15 Mio. indirekt, wer also meint er müßte jetzt mit den Amis im Kollektiv sabbern, sollte sich nicht wundern, wenn er hinterher auf der Strasse steht, ohne gut bezahlten Job.

    Doch es paßt, es ist Wirtschaftskrieg.

    Und da der Ami, entgegen seinen üblichen Gepflogenheiten gegenüber sog. Terrorstaaten, sich gegenüber seinen sog. Verbündeten, eher Vasallen, nicht ganz so grob zeigen mag, und seine Besatzungstruppen dann doch, zwar vor Ort (Ramstein) aber unter Verschluss hält, ringt er sie andereweitig nieder.

    Seine NGOs sind weltweit aktiv und unter Federführung von Sorros wird Europa gerade mit Invasoren geflutet, denen die Erfüllungsgehilfen in Brüssel und Berlin auch noch Tür und Tor öffnen.

    Sein bündnistreuester Vasall im Nordosten sorgt sogar mit Hilfe der europäisch/deutschen US-subversiven Subjekte dafür, dass Europa demnächst statt billigem Russengas, teures US-Gas verbrennen muß.

    Die skrupellose Berliner Demokratur läßt dank der US-Sanktionen den deutschen Mittelstand kaputt gehen. im Gegenteil, die Parteiendiktatur beklatscht auch noch die Deals, die AMI-Firmen jetzt machen mit RUS.

    Und der deutsche Michel schläft mal wieder seinen Schlaf und bekommt von alle dem nix mit, soviel Dummheit und Unbedarftehit auf einem 80 Mio.-Haufen ist kaum darstellbar.

    Gruß
    von meinem ganz persönlichen Misthaufen

  • hunsrueckbauer - 24. Juli 2017

    Nachtrag:

    Natürlich machen sich die Moneymaker in London und der wallstreet auch mit von der US-Regierung ruinierten Wirtschaftsunternehmen die Säckel voll.

    Wer also als Deutscher auch noch an der Zerschlagung der deutschen Wirtschaft partizipieren möchte, sollte Volle Kanne short ist angesagt bei VW mit ko bei 147 €, gehen.

    Andere machen es auch.

  • Gundermann - 24. Juli 2017

    Bei Privatpersonen steigt der Steuersatz mit dem Einkommen. Wäre es ein Ansatz, die Steuer für Firmen ebenfalls progressiv zu gestalten, anstatt sie gegenüber kleineren Personengesellschaften auch noch zu bevorzugen? Also für eine Großkonzern mit mehreren Milliarden € Gewinn ein Grenzsteuersatz von 90%? Das könnte mittelfristig die Konzentration verringern.

    • Georg Trappe - 25. Juli 2017

      *****

    • Holly01 - 25. Juli 2017

      Hallo Hr.Grundmann,
      es gibt ja nicht einmal den Konsens über Steuern für Unternehmen. Die Politik ist sich nicht einmal einig, Steuern überhaupt einzutreiben.
      Da ist der Weg zu einem Konzept noch ein extrem langer ……
      Selbst die Klein- und Mittelständischen Unternehmen zahlen heute keine Steuern mehr. Die führen nur die Steuern der abhängig Beschäftigten ab.
      Steuern zahlt man auf Gewinne.
      In Deutschland weisst niemand mehr Gewinne aus, es sei denn man kann die direkt wieder verrechnen.
      Unternehmenssteuern … ein Lacher.
      Konzernsteuern … Fantasy.
      lg Holly

  • Holly01 - 25. Juli 2017

    Ein link zu DWN, grob eine Situationsbeschreibung USA-EU-Welt:

    https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2017/07/24/us-sanktionen-wir-befinden-uns-mitten-einem-wirtschaftskrieg/

    Abgesehen vom Hinweis das die USA Hände ringend nach einem richtig großen Krieg suchen, den sie führen können, ist eigentlich grob alles drin und es gehört auch zu diesem threat.
    Die Automobielkrise ist eben eingebettet in eine hegemoniale Krise, Partnerschaftskrise, globale Machtverschiebung.
    lg Holly

  • Ert - 25. Juli 2017

    Nun stehen erste Zahlen im Raum: http://orf.at/stories/2400583/ – bis zu 55 Milliarden Strafe für die Autobauer in der EU möglich. Die USA kommt ja noch dazu….

    Tja, die Industrie in DE wird systematisch zerstört und das Geld geplündert…. liefert sich freiwillig ans Messer und schafft durch idiotisches Vorgehen solche Angriffsflächen bzw. Kompromat.

    Mal schauen wie das ganze ausgeht. Andere stehen bereit um die Filestücke auszuschlachten und die dann entstandenen Lücken zu bedienen. Die Jobs kommen nie wieder zurück.. was weg ist ist weg.

  • Holly01 - 26. Juli 2017

    Das ist auch so eine offene Front, bei diesem Handelskrieg:

    http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/59647

    Wobei da Spezielfinanzierer wie die banken der Automobielhersteller nicht einmal angerissen sind. Schliesslich ist das ja der Interessenskonflikt ansich, seiner eigenen Konzernmutter die Kunden schön zu rechnen, damit es zu Abschlüssen kommt.

    Die Summe ist immer Null …. aber einige haben das Pendel schon extrem ausgelenkt.
    Die Amis wollen sich nicht weiter verschulden und sie wollen die aufgelaufenen Schulden nicht begleichen und sie wollen nicht weiter so viel Geld von der Welt, nein, sie wollen noch mehr Geld.
    Darum marodieren die auf der Welt herum und darum schwimmt da eine Kathastrophe nach der anderen über den Teich. Das Einzige was die Amis anbieten können ist Krieg. Krieg im Auftrag oder als Drohung ist da schon egal.
    lg Holly

    • Holly01 - 27. Juli 2017

      Noch etwas Bandbreite zu den Entwicklungen dessen, was jetzt auch in den MM “Wirtschaftskrieg” genannt wird:

      http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/59648

      Nicht umfassend, nicht abschliessend, aber es reisst unter anderem auch ein Feld an, das nie vorkommt, nämlich die Informationshoheit, die Deutschland genau so wenig hat, wie die Datenhoheit.
      Die MM leben (im Wortsinn) von den Informationen, die sie von anglikanischen Agenturen bekommen.
      Da ist jede einzelne Information direkt Propaganda.
      lg Holly

  • Lukanier - 26. Juli 2017

    So sehr der Autor die Symptome auch richtig beschreibt, so sehr verheddert er sich letztlich doch in seinem “sozial-marktwirtschaftlichen” Glaubenbekenntnis, was aber letztlich nur eins bedeutet: Kapitalismus und gesamtgesellschaftliche Unterwerfung unter den Fetisch von Ware, Geld und (Finanz-) Kapital.

    Die “Kartellabsprachen” lassen sich relativ simpel erklären: Die hergestellten Güter und Waren (sprich: Kfz) sind buchstäblich nichts mehr wert. weil kaum noch menschliche Arbeitskraft in ihnen verdinglicht ist. Dass der tatsächliche Wert einer Ware über die in ihr verdinglichte Arbeitskraft definiert werden kann, lehrt schon die “klassische VWL” über die dreo Produktivitätsfakoren Arbeit, Boden, Kapital.

    Auf einem Stück Inddustriefläche (Boden) mit einer Produktionshalle und den neuesten Fertigungsanlagen (Kapital) wird solange nichts produziert, bis der Mensch seine “abstrakte Arbeitskraft” in den Produktionsprozess hineinsteckt. Merke: der einzige MEHRWERT schaffende Produktionsfaktor ist und bleibt der Mensch.

    Entscheidend ist also zum einen, wieviel menschliche Arbeitskraft (oder Arbeitszeit) in der Herstellung einer Ware (z.B. eines PKW) vernutzt wurde. Ein weiteres Kriterium ist das gesamtgesellschaftliche Produktivitätsniveau, auf dem die Warenherstellung stattfindet. Diese “Normarbeitszeit” (man kann es auch als “globaler Produktivitätsstandard”) gitb also den Takt für die Produktion vor und somit den repräsentierten Wert je hergestelltem Stück. Bleiben wir beim Beispiel Kfz:

    Wenn BMW in einer Arbeitsstunde 10 Kfz fertigen könnte, Audi hingegen nur 7 Kfz pro Stunde und BMW international als “best in class” definiert werden kann, so müssen sich alle Autobauer an dem fortschrittlichsten Produktivitätsstandard von BMW messen lassen. Da BMW ein besseres Output/Input-Verhältnis hat (also eine höhere Produktivität aufweist), kann BMW diese Kostenvorteile an den Markt bzw. Kunden weitergeben. Der marktvermittelte Konkurrenzdruck zwingt nun die anderen Autobauer dazu, in der Produktion gleichzuziehen oder BMW in der Produktivität zu überholen.

    Die Ironie: mit jedem Produktivtätssprung werden die Waren immer mehr verbilligt, eben weil sie immer weniger Wert im Sinne abstrakter menschlicher Arbeitszeit verinnerlicht haben. Das heißt, dass zwar der relative Mehrwert (das Verhältnis von produzierten Waren zu dafür eingesetzter Arbeitszeit), also die Mitarbeiterproduktvitität, stets steigt. Andererseits sinkt aber der Wert jeder einzelnen hergestellten Ware um eben diese Produktivitätssteigerung. Schafft man es mit einem Mitarbeiter nun 20 Kfz statt 10 pro Arbeitsstunde herzustellen, so fällt der Wert je hergestellten Kfz um 50%, was wiederum als Preisnachlass an den Kunden weitergegeben werden kann.

    Das Problem hierbei ist jedoch, dass somit tendenziell die Profite ebenfalls fallen (Marx bezeichnet das ganze Spiel als “Gesetz über den tendenziellen Fall der Profitrate” und er hat ganz offensichtlich damit recht). Das tun die Preise nun auch branchenübergreifend seit den 80ern Jahren. Die einzige Möglichkeit, um diese abschmelzende Wertmasse, also den Profitrückgang, abzukoppeln sind entweder gigantische neue Verwertungsfelder, in denen wieder unglaubliche Massen an menschlciher Arbeitszeit vernutzt werden können (was global auf dem aktuellen Produkitivtätsniveau nicht mehr möglich ist) oder ein exponentiell steigender Output an Waren, was sich letztlich im Raubbau an unserer Umwelt und am Menschen selbst ebenfalls ganz offensichtlich und evident realisiert (Laut Living Planet Repot vom WWF (2016) verbrauchen “wir” (d.h. die Industrienationen) aktuell und v.a. nicht-nachhaltig die Rohstoffe und Ressourcen von 1,6 Planeten, verkonsumieren also 60% mehr als wir überhaupt dürften).

    Der Konsum wird seit Einführung des Neoliberalismus nur noch qua Verschuldung und Kreditwirtschaft realisiert. Das bedeutet, dass HEUTE Waren produziert werden, deren Wert sich erst noch in Zukunft realisieren muss. Die Amortisationszeiten liegen in der Realwirtschaft also in einem Zukunftshorizont, der nie und nimmer seine Versprechungen einhalten wird. Über die Verschuldung simuliert man also so etwas wie ein Wirtschaftswachsum, aber eben auf Pump. Nur wird sich früher oder später die Erkenntnis an den Märkten breit machen, dass die Rückzahlungen NIEMALS stattfinden werden. Da müssten die BIG5 der deutschen Automobilhersteller schon Milliarden von Kfz verkaufen, um die Schulden überhaupt ansatzweise tilgen zu können. Andererseits werden immer mehr Menschen aufgrund der steigenden Produktivität aus den Verwertungsprozess gedrängt und die, die noch das “Glück” haben, im Hamsterrad mitlaufen zu dürfen, müssen sich im Prinzip totschuften. Trotz steigender Produktivität sind wir sogar gezwungen MEHR zu arbeiten, eben weil jede hergestellte Ware von Produktivitätssprung zu Produktivitätssprung immer mehr an Wert verliert, in ihr immer weniger menschliche Arbeitszeit verdinglicht ist.

    Marx bezeichnet diesen Vorgang als “Prozessierenden Widerspruch” und beschreibt ihn in den Grundrissen der Kritik der politischen Ökonomie

    „Das Kapital ist selbst der prozessierende Widerspruch [dadurch], daß es die Arbeitszeit auf ein Minimum zu reduzieren sucht, während es andrerseits die Arbeitszeit als einziges Maß und Quelle des Reichtums setzt.“ (Marx 1974: 593)

    Insofern ist auch nur nachvollziehbar, dass es bei den BIG5 der deut. Automobilindustrie bereits in dern 90ern zu einer Kartellbildung kam: Die Kfz sind einfach viel weniger wert, als man uns glauben machen will. Ein weiteres Beispiel sind die Produkte von Apple: Kein Apple-Produkt ist wirklich seinen jeweils genannten Preis wert, Preis und Wert sind zwei paar Schuhe (das müssten die Ökonomen nur auch mal begreifen). Die aus den Kartellabsprachen resultierenden Konsequenzen könnten für das kap. Weltsystem frappierend sein: Sollte feststehen, dass die Kfz wirklich viel weniger wert sind als gedacht, brächen somit auch die Gewinne der Hersteller ein (ganz zu schweigen von den Schadensersatz-Klagen) was insgesamt die Weltwirtschaft gefährden würde. Der vermeintliche Wert der Kfz würde der Realität angepasst, also entwertet werden. Mit der Immobilien-Blase in Chine verhält es sich ja genauso.

    Da jetzt der Leitzins bei Null ist und mittlerweile die Staatsbanken offensiv in die Schuldendynamik eingestiegen sind, haben wir im System “Kapitalismus” wahrscheinlich den letzten Bühnenakt begonnen: Sobald die große Liquiditäts-Blase platzt (man vergleiche ja nur mal die Umfänge der Staatsanleihen, Konsumentenkredite, Wertpapiere und Derivate (“fiktives Kapital” mit dem BIP auf globaler Ebene – die Verschuldung übersteigt das BIP in einem nicht mehr verhältnismäßigen Ausmaß), sobald also auch die ach so “freien Wettbewerbsmärkte” feststellen, dass die erhofften Gewinne niemals eintreten, die vergebenen Kredite und Schulden niemals beglichen werden können, spätestens dann wird es zu einer endgültigen Entwertung des globalen Kapitals kommen und das Geld wird sich als Träger von Wert überlebt haben. Der Kapitalismus gehört auf den Müllhaufen der Geschichte, gelangen wir als Menschen nicht zu diesem Punkt, befördert uns der Kapitalismus auf eben diesen historischen Müllhaufen und die Menschheit hat ihre Chance auf ein Weiterleben schlichtweg verspielt.

    Game Over und Transformation – das sind die beiden endgültigen Alternativen.

    • SLE - 26. Juli 2017

      Lieber Lukanier,

      Sie brauchen uns hier nicht die VWL erklären , zumal Sie ja selbst wissen, dass es konkutrierende Wirtschafts- und vor allem auch Markt- sowie Wettbewerbstheorien gibt. Jedes der genannten Theoriefelder bezieht sich auf etwas anderes; die beiden letzteren sind Ausschnitt der ersteren.

      Da alle ökonomischen Theorien irgendwelche Fehler haben, können auch Sie nicht für sich beanspruchen, mit Marx die Wahrheit gepachtet zu haben. Im Übrigen möchten ich Sie einmal auf etwas hinweisen, weil Sie “Kapitalismus” und “markt” in einen Topf schmeißen. Es ist, darauf möchte ich hier ganz explizit hinweisen nicht dasselbe. Im Gegenteil wird das “Gesicht” des Kapitalismus (z. B. Raubtierkapitalismus) von den Abläufen auf den Märkten geprägt und die sind empirisch belegbar im historischen Rückblick niemals dieselben gewesen. Es gibt allenfalls Charakteristika, die sich wiederholen. Das ist ja auch das Problem für die Ökonomen, die an eine evolutorischen Wirtschaftstheorie arbeiten und zugleich der Grund dafür, warum die Neoklassik und der Neoliberalismus immer noch herrschende Theorie sind.

      Das große Problem ist, dass das Marktverständis bzw. die Markttheorie von klassischer (Smith) und neoklassischer Theorie sich im Kern nicht prinzipiell unterscheidet. Und vor allem auch, dass selbst Keynes “General Theory”, der diese als Gegenentwurf zur damals herrschenden wirtschaftsliberalen Lehre verstand, kein eigenständiges, alternatives Marktverständis entwarf, sondern seine Theorie implizit auf dem der liberalen Lehre aufesetzte.

      Ich habe, so wage ich zu behaupten, mich in meinem Leben mehr und intensiver mit Markt und Wettbewerb auseinander gesetzt als Sie. Immerhin werfe ich Markt und Kapitalismus nicht in einen Topf. Wenn Sie auf Marx schwören und den Kapitalismus abschaffen möchten, ist das eben Ihre Sicht der Dinge. Gleichwohl ist damit nicht die Frage beantwortet, wei man aus dem ganzen Schlamassel auf den Welt- und nationalen Märkten herauskommt. Im Gegeteil ist die Abschaffung des Kapitalismus keine praktikable Lösung. Es wäre eine Crash-Garantie. Schauen Sie doch bloß einmal nach Venezuela. Nein, es hat den Anschein als bliebe uns vorerst nichts anderes über als systematisch die wichtigsten Fehler im bestehenden marktwirtschaftlich System zu beheben. Wennn Sie es anders sehen, akzeptiere ich das aber gerne.

      Viele Grüße
      SLE

      • Lukanier - 28. Juli 2017

        Lieber SLE,

        vielen Dank für das schnelle Feedback und die wohlmeinende Kritik. An dieser Stelle möchte ich mich auch ganz offiziell für Ihre Arbeit, die Sie hier leisten, bedanken! Tatsächlich konnte ich im Studium (Wirt.-Ing.) basierend auf Ihren Charts die ein oder andere gute Note in den makroökonomischen Modulen abgreifen. Ironischerweise habe ich die bereitgestellten Daten immer als empirischen Beweise im Kontext der Kritik an der politischen Ökonomie benutzt… Worauf ich hinaus will:

        Sicherlich habe ich nicht die Wissensbasis und Erfahrung im ökonomischen Bereich wie Sie – es wäre anmaßend, dass zu behaupten. Dennoch verhält es sich mit dem Studium unterschiedlichster volkswirtschaftlicher Theorien ein wenig wie mit dem Studium unterschiedlicher Religionen: es ist zwar interessant, aber man muss schon an die erlernten Inhalte „glauben“, dass sie wahr sind bzw. damit sie wahr werden. Und wie sagte Buddha so schön: „Wir sollten wissen, dass wir glauben statt glauben, dass wir wissen.“

        Die Annahme, „freier Markt“ und Raubtierkapitalismus könnten in unsrem Wirtschaftssystem irgendwie getrennt werden, ist schlichtweg utopisch. Der „freie Markt“ bietet nur die ideologische Grundlage für ökonomische Theoretiker von Smith über Ricardo bis hin zu Keynes und Friedman. Mit den beiden letzteren habe ich mich Studium näher auseinandergesetzt. Dass jemand wie Friedman einen Nobelpreis bekommen hat, lacht der Opfer kapitalistischer Wirtschaftsweise einfach nur Hohn. Und dass jemand wie Keynes tatsächlich der Meinung ist, es wäre besser „Löcher zu graben und danach wieder zuzuschaufeln“, als (Massen-) Arbeitslosigkeit hinzunehmen, spricht ebenfalls Bände…

        An dieser Stelle spiegelt sich auch die Wahrheit des von Marx erkannten „Prozessierenden Widerspruchs“ und von mir eingangs erwähnten Standpunkts wider: Einzig die Arbeit kann Mehrwert schaffen. Wird diese aus dem Produktionsprozess gedrängt, verliert das „fungierende Kapital“ seine Aussicht auf Profite – es sei denn, „kapitalträchtige“ Verwertungsfelder ermöglichen die Vernutzung einer großen Menge menschlicher Arbeitskraft bzw. Arbeitszeit auf einem relativ niedrigen gesamtgesellschaftlichen Produktivitätsniveau (wie es in der 50er Jahren durch die „große Automobilmachung“ der Fall war und warum diese Dekade nostalgisch als „goldenes Jahrzehnt“ hochstilisiert wird). Diese massenhafte Vernutzung ist aber schlichtweg nicht mehr möglich. Es gibt keine derartigen Verwertungsfelder mehr, nicht auf dem aktuellen (und exponentiell immer schneller anwachsenden und insgesamt Branchen-unabhängigen) Produktivitätsniveau mehr.

        Ökonomen unserer Tage haben dieses Faktum erkannt, verstehen es aber oftmals nicht wirklich (so scheint es jedenfalls); berühmtes Beispiel ist die „Null-Grenzkosten-Theorie“ von J. Rifkin. Letztendlich geht es ja, um mal im VWL-Sprech zu bleiben, um nichts Anderes als um einen immer stärkeren Preisverfall (sprich: Abnahme der Wertmasse) aufgrund einer anhaltenden Fix- bzw. Stückkostendegression. Sicherlich ist die Anschub-Investition in Technische Anlange und Maschinen erstmal kostenintensiv (wobei auch diese, trotz steigender Komplexität der Anlagen, aufgrund der Produkitvitätssprünge immer „billiger“ wird), dafür ist ab Erreichen des Break-Even-Points nur noch mit „Gewinnen“ zu rechnen. Der Kostentreiber „Mensch“ wird aufgrund betriebswirtschaftlicher Ratio zusehends aus dem Herstellungsprozess verdrängt. Maschinen schaffen nun mal keinen „Mehrwert“, sie geben lediglich ihre „Standkosten“ an den Kunden weiter. Wenn man quasi auf Knopfdruck Waren aller Art und Komplexität produzieren kann, der „teuerste“ Kostentreiber (also die menschliche Arbeitskraft), aus diesem Prozess gleichzeitig verdrängt wird UND sich dieser Produktionsstandard auf gesamtgesellschaftlichen Niveau etabliert hat, so kosten die Waren im Prinzip nichts mehr bzw. nicht mehr als den Aufwand für Material, Energie und Anlageninstandhaltung.

        Wie will das kapitalistische System diesen frappierenden Widerspruch auflösen? Einerseits haben wir es mit einer anhaltenden Deflation zu tun. Da die Stückpreise immer mehr fallen, müssen auch immer mehr Waren ausgestoßen und für den Verwertungsprozess geopfert werden. Bleiben wir beim Beispiel Automobil:

        Die Produktion eines T-Models der Marke Ford (sagen wir in den 1930er Jahren) „verschlang“ einen Arbeitszeitaufwand von ca. 800 h/Stk. Die Produktion eines VW Golf auf heutigem Produktivitätsniveau dauert ca. 15 h/Stk. Man müsste also ca. 54 VW Golf verproduzieren, um die gleiche Wertmasse (und analog die gleiche Beschäftigung) wie in der 30ern Jahren zu erreichen. Das Bild setzt sich global betrachtet in der Automobilwirtschaft fort: Zwischen 1980 und 2007 hat sich die Beschäftigtenanzahl in der Automobilindustrie global von 9,5 Mio. auf 8,5 Mio. verringert, während die Stückzahlen von 39,4 Mio. auf 70,5 Mio. angewachsen sind. Im Jahr 2016 waren es bereits ca. 95 Mio. Stück (http://www.oica.net/category/production-statistics/, 21.07.2017) Dies entspricht (beginnend im Jahr 1980) einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von rund 2,47 % – und das, obwohl die Kraftfahrzeuge technisch immer komplexer werden und somit aufwendiger zu fertigen sind. Würden alle wirtschaftlichen Parameter und Rahmenbedingungen beibehalten, würden wir im Jahr 2030 einen Output von 133 Mio. Stück und im Jahr 2050 sagenhafte 218 Mio. Kraftfahrzeuge pro Jahr „realisieren“ können. Dass die Mitarbeiterzahlen – trotz massiver Absatzsteigerungen – weiter stagnieren und eher rückläufig sind, ist Ergebnis dieses nicht enden wollenden Produktivitätswettlaufs. Und eben weil die Produkte – hier: Kfz – immer weniger wert sind, ist es nur logisch, dass sich die deutschen Big5 zu einem Kartell zusammenschließen, somit den ach so „freien Markt“ umgehen und letztlich künstlich die Preise nach oben korrigieren. Eine andere Möglichkeit bleibt ihnen schlichtweg nicht mehr. Würden sie den tatsächlichen Preis (also was das Kfz wirklich „wert“ ist), an den Kunden weitergeben, wäre ihr Geschäftsmodell schon längst obsolet: so viele Autos könnte man zu diesen Preisen gar nicht verkaufen. Das gäbe wieder unsere Umwelt noch die Nachfrage bzw. der Markt her. Da können sie noch so „innovativ“ sein: Letztendlich sägen sie den Ast, auf dem sie sitzen, mit jeder Rationalisierungsmaßnahme immer mehr durch, bis er irgendwann bricht. Was wird wohl passieren, wenn die Autos wirklich autonom fahren?

        Schlägt man jetzt parallel hierzu Seite 20 des aktuellen Living Planet Report (WWF, Kurzfassung, 2016: http://www.wwf.de/living-planet-report/) auf, so wird klar, dass dieses „Mehr“ an Waren nur auf Kosten der Umwelt realisierbar ist. Fazit: Wir sind gezwungen IMMER MEHR zu produzieren, weil die hergestellten Waren (pro Stück) IMMER WENIGER wert sind. Überhaupt: Wann ist der Kapitalismus eigentlich mal „ausgewachsen“? Wieviel Kapital im Sinne von Waren und Geld muss er denn eigentlich „produziert“ haben, um „satt“ zu sein? Ist bei einer Trillion € Schluss? Oder bei zwei? Bei zehn vielleicht? Ein auf unendlichem Wachstum basierendes Wirtschaftssystem ist in einer endlichen Welt schlichtweg nicht realisierbar. Das hat der „Club of Rome“ schon erkannt, aber dieses himmelschreiende Paradox wird geflissentlich durch unsere „Sternendeuter“ aus der VWL ignoriert. Sehr rational, dieser Kapitalismus.

        Die Tatsache, dass seit 1980 die globale Verschuldung (staatlich wie öffentlich) immer stärker anwächst, ist nur logisch: Seit der Einführung des Neoliberalismus ist der Kapitalismus einfach zu produktiv für sich selbst geworden. Diese Hyperproduktivtät führt, andererseits, natürlich zum Verdrängen der menschlichen Arbeitskraft aus den Herstellungsprozessen. Karten auf den Tisch: Im Prinzip gibt es nur noch zwei Industrienationen auf der Welt, die die Welt nicht nur adäquat mit Waren versorgt, sondern sie regelrecht mit Waren überschwemmt: Die BRD und China. Rechnet man alle Beschäftigen im Industriesektor auf, so liegen wir bei ca. 300 Mio Menschen, deren Arbeitskraft notwendig ist, um mehr als genug Waren für die Welt zu produzieren. Nur: wenn immer weniger Menschen Lohn erhalten um sich selbst zu „reproduzieren“ – wer soll dann noch all die Waren, gerade in dieser Masse, kaufen? Um dieses Problem „zu lösen“ wird sich eben verschuldet. Seit den 80er Jahren. Das Ausmaß des hierfür notwendigen „fiktiven Kapitals“ (seien es nun Staatsanleihen, Konsumentenkredite oder Derivate) wächst entgegengesetzt proportional zur Entwertung der Waren. („Entwertung“ deshalb, weil mit jedem Produktivitätsschub die Waren, wie bereits erwähnt, immer weniger Wert werden, eben weil der einzige mehrwertschaffende Faktor, die menschliche Arbeitskraft, aus diesem Prozess verdrängt wird). So wie die Waren also immer weniger Wert verkörpern muss im gleichen Maße die Verschuldung anwachsen, um diesen Widerspruch zu kaschieren und noch so etwas wie Wirtschaftswachstum zu simulieren.

        Der Kapitalismus funktioniert also nicht mehr wie in der „guten, alten Zeit“: smarte Geschäftsidee – Geld investieren – Waren produzieren – Waren mit Gewinn verkaufen (Marx: G-W-G‘). Der Spätkapitalismus hat den Spieß herumgedreht und funktioniert nun „invers“: Die vergebenen Kredite und die damit HEUTE hergestellten Waren und Dienstleistungen (wobei eigentlich nur erstere von Bedeutung sind), müssen ihren Wert erst noch in der ZUKUNFT realisieren, also sie müssen in Zukunft gewinnbringend verkauft werden, da ansonsten die Kredittilgung nicht mehr möglich ist. Man vergibt nur dann einen Kredit, wenn man glaubt, dass er auch in Zukunft mit Zins zurückgezahlt werden kann. Sobald sich jedoch diese „Hoffnung auf zukünftige Profite“ als Phantasma erweist, kommt es zur Ent-Wertung der Waren und somit zur Entwertung des Kredits, was man ja gemeinhin als „Platzen der Blase“ bezeichnet. Aktuelles Beispiel: der durch staatliche Verschuldung induzierte Immobilien-Boom in China, wobei mittlerweile mehrere Millionen Wohnungen, ja ganze Städte artifiziell hochgezogen wurden, aber leer stehen. Es werden sich NIEMALS die notwendigen Mieter für all diese Wohnungen finden lassen, ganz einfach, weil immer mehr Menschen aus dem Produktionsprozess (global) gedrängt werden und die Löhne fallen. Die Löhne können auch gar nicht mehr steigen, gesamtgesellschaftlich MÜSSEN sie aufgrund des marktvermittelten Kosten- und Konkurrenzdrucks fallen. Früher oder später wird also auch die chinesische Staatsschulden-Blase platzen.

        Fazit: Der Kapitalismus funktioniert NUR noch auf Pump, wobei wir uns mittlerweile in der bereits erwähnten Schlussphase („Dritter Akt“) befinden: Ohne realwirtschaftliche Hoffnungsträger ist keine Kreditvergabe möglich, schließlich wollen die Anleger noch zu Lebzeiten ihr investiertes Geld inkl. Zins wiedersehen. So viele Waren und Häuser und was weiß ich können wir aber gar nicht produzieren, damit sich der geplante bzw. getätigte Invest noch in einer „betriebswirtschaftlich akzeptablen“ Zeit aromatisiert! Unser Planet Erde ist buchstäblich am Ende (wie verbrauche 60% mehr an Ressourcen, als uns zustehen), da wird auch kein noch so smarter Markt etwas ändern können. Wenn wir so weitermachen, besteht gute Aussicht, dass die Menschheit das 22. Jhdt. Nicht mehr erreicht – das ist Fakt. Früher oder später wird den Märkten und Investoren klarwerden, dass sich niemals die erhofften Gewinne einstellen werden. Der „dritte Akt“ äußert sich nun darin, dass die Produktion „fiktiven Kapitals“ durch die Staaten und Nationalbanken übernommen wurde. Insofern wird jetzt nicht mehr die Einzelkapitalie (Unternehmer, AG usw.) beim wirtschaftlichen Scheitern in die Pflicht genommen – jetzt garantiert der Staat für Rückzahlungen, die niemals eintreten werden. Ergo: Es haftet der Steuerzahler in Zukunft noch mehr für die sich immer mehr verschärfenden Wirtschaftskrisen und kollabierenden Blasen. Trump, Orban, Front National, AfD, Flüchtlingskrise etc.: all das sind nur Symptome dieses krisenhaften Prozesses. Wer glaubt, dass es wieder besser wird, der irrt. Dieser global-politische Zersetzungsprozess wird sich im Zuge der wirtschaftlichen Krisen natürlich noch verschärfen, v.a. weil die Akteure die Zusammenhänge nicht begreifen.

        Und irgendwann wird endgültig klarwerden, dass auch kein Staat mehr seine Schulden wird bedienen können, dass es aus Sicht des Kapitals einfach keine rentablen realwirtschaftlichen Anlagemöglichkeiten mehr gibt (jeder Kredit, jedes Derivat etc. hängt in letzter Konsequenz an der warenproduzierenden Realwirtschaft). Das ist dann der Moment der „großen Entwertung“, des Platzens der gigantischen Liquiditätsblase. Geld und Ware haben dann ihr Funktion als Träger von Wert verloren. Die „Große Depression“ wird uns dagegen wahrscheinlich wie eine milde Erkältung vorkommen. Diese letzte Krise könnte dann auch global eskalieren, die Wahrscheinlichkeit hierfür steigt mit der Unkenntnis der Protagonisten hinsichtlich des systemischen Zusammenhangs (s. „Prozessierender Widerspruch“).

        Abschließend noch ein paar Worte zur Ideologie des „freien Marktes“: Die Behauptung, dass die Märkte „frei“ sind und immer nur das Beste für den Marktteilnehmer hervorbringen, scheitert ganz offensichtlich an der wirtschaftlichen Realität. Diese „Feststellung“ ist in etwas genauso axiomatisch wie die Behauptung, dass wir nach dem Tod in die Hölle (bei schlechter Führung) oder in den Himmel (bei guter Führung) kommen. Man muss schon daran GLAUBEN, denn mit WISSEN und Fakten hat das ganze Geschehen wenig zu tun (genauso wie die borniert-zynische Vorstellung, der Mensch sei aufgrund seines „egoistischen Gens“ zum Wettbewerb geboren; auch hier gibt es genügend Studien der Sozialwissenschaften, die das genaue Gegenteil belegen: ein evolutionärer Vorteil ergibt sich v.a. aus altruistischem Verhalten heraus. Ganz i.S.v. „Karma“ – so wie ich mich meiner Umwelt ggü. verhalte, so verhält sich diese mir ggü.). Spätestens an diesem Punkt, an dem Empirie und rationales Denken durch Glaubensbekenntnisse ersetzt werden, hört wissenschaftliches Arbeiten auf und es beginnt die Welt der Esoterik und der Religion. Und das ist der Kapitalismus nun mal: eine Glaubensrichtung – nicht mehr. Das darauf aber ein globales Gesellschaftssystem beruht, ist nicht nur beängstigend, sondern geradehin autodestruktiv – was sich an genügend ökologischen wie ökonomischen Fakten nachweisen lässt.

        Der „freie Markt“ hätte nur dann eine Chance, wenn er nicht in einem auf Profit und permanenten Wachstum ausgerichteten System realisiert werden würde. Wir benötigen ein Gesellschaftssystem, in dem der „Profit“ in tatsächlichen Nutzen für Mensch und Natur gemessen wird. Die benötigten Waren und Dienste müssten in einem basisdemokratischen Prozess eruiert werden, wobei hier die Ideale des „freien Marktes“ durchaus zur Geltung kommen könnten: Welcher Anbieter kann die „besten“ Waren produzieren, um die meisten Menschen glücklich zu machen, ohne dabei die Natur nachhaltig zu zerstören? In einem profitorientierten System hingegen wird dieses Denken IMMER unter dem Hemmnis der Kapitalakkumulation realisiert: Der Anbieter will seine Waren möglichst profitträchtig verkaufen (worunter dann auch mal schnell die Qualität leidet, unsere mit Antibiotika und Steroiden hochgezüchteten Lebensmittel sprechen dafür ja Bände…), andererseits will der Nachfrager so billig wie möglich einkaufen, um seine Bedürfnisbefriedigung zu realisieren. Die Verständigung der Marktteilnehmer findet also IMMER unter der Bedingung des Waren-, Geld- und Kapitalfetischs statt: Am Markt geht es nun mal nur „um’s liebe Geld“ und nicht, wie es uns die VWL weiß machen will, um Bedürfnisbefriedigung. Diese ist nur Mittel zum Zweck (s. G-W-G‘), was sich letztlich zu Lasten der Menschen und der Umwelt äußert.

        Das musste mal raus 😉

        LG

        Lukanier

        • SLE - 28. Juli 2017

          Hallo Lukanier,

          Danke für Ihre Stellungnahme und Sicht der Dinge. Sie schreiben u.a.:

          Der „freie Markt“ hätte nur dann eine Chance, wenn er nicht in einem auf Profit und permanenten Wachstum ausgerichteten System realisiert werden würde.

          Ich weiß nicht genau, ob Sie es wissen, aber der “freie Markt” bezeichnet in den Wirtschaftswissenschaften einen Markt auf dem “Wettbewerbsfreiheit” besteht, was wiederum bedeutet (und unterstellt) das der Markt sich über den Wettbewerb prinzipiell selbst reuliert. Das ist also ein begriff aus der klassischen Theorie (Smith). Die neoklassik spricht hingegen von einem mechanismus der im Idealfall einen Automatismus darstellt. So oder so wird er Wettbewerb und damit der markt als sich selbststeuerend/selbstreguliernd definiert. Doch dass es so ist, ist nie bewiesen worden und die historische wie empirische Betrachtung sprechen sogar dagegen. Demnach macht es sehr vile mehr Sinn Wettbewerb und Markt nicht als selbstregulierend anzusehen, sondern als sich entwickelnd, wandelnd. Dann sieht aber die Geschichte gleich vollkommen anders aus. Versuchen Se einmal, es vo dieser Warte aus zu sehen.

          PS: Ich bin weder Anhänger der Neoklassisik noch des Neoliberalismus. Da brauchen Sie mich nicht zu bekehren.

          Grüße
          SLE

          • Lukanier - 30. Juli 2017

            Hallo SLE,

            mir ist schon bewusst, was gemeinhin in den WiWi unter dem “Freien Markt” verstanden wird. Sie sagen ja selbst, dass das auf den vermeintlich sinnvollen Wettbewerb beruhende, autoregulative Moment dieser Marktform noch nie nachgewiesen werden konnte, eben weil es kein naturalistisches Verhalten ist. Die VWL unterstellt den “Märkten” eine Art immanentes Naturgesetz (analog zu den Gesetzen bzw. Axiomen der Physik wie der Erdanziehungskraft oder den Hauptsätzen der Thermodynamik), was aber ganz offensichtlich nicht evident, also schlichtweg eine Falschbehauptung, ist.

            Sie schreiben:

            “Demnach macht es sehr vile mehr Sinn Wettbewerb und Markt nicht als selbstregulierend anzusehen, sondern als sich entwickelnd, wandelnd. Dann sieht aber die Geschichte gleich vollkommen anders aus.”

            Der “Markt” und der “Wettbewerb” werden sich in einem profit- und wachstumsorientierten, rein der Kapitalakkumulation ausgerichteten System NIEMALS positiv, also im Sinne der Nützlichkeit für Mensch und Umwelt, entwickeln können. JEDE Ware wird erst dann produziert (oder, und das ist der viel interessantere Gedanke, NICHT produziert – man stelle sich vor, welche Produkte es gäbe (und auch nicht gäbe), wenn wir wirklich nachhaltig und bedürfnisorientiert produzieren würden), wenn sie sich durch das Nadelöhr der Verwertung fädeln lässt. Lässt sich kein Geld damit verdienen, dann wird sie auch nicht hergestellt. Lässt sie sich nicht verkaufen, wird sie als “(Nicht-)Träger abstrakten Reichtums” entwertet – da kann sie noch so nützlich sein. Nochmal: Jede ökonomische wie ökologische Kennzahl BEWEIST, dass das kapitalistischen Akkumulationsregime eine Ressourcenverschwendung und Wertvernichtung darstellt, wie es noch nie in der Menschheitsgeschichte in Erscheinung getreten ist. Wenn wir es nicht schaffen, mit diesem Wahnsinn aufzuhören, stehen die Chancen außerordentlich gut, dass wir das 22. Jhdt nicht erreichen. Wer dieses Faktum ausblendet, muss mit den damit einhergehenden Konsequenzen “leben”.

            Das “volkswirtschaftliche Axiom des Wettbewerbs” führt darüber hinaus zu einer biologistischen und (ebenfalls ganz offensichtlichen) Enthumanisierung und Reduktion des menschlichen Subjekts auf seine “Wettbewerbsfähigkeit” und “Innovationskraft”. Der Mensch wird nur noch über seine Wettbewerbsfähigkeit definiert, also wie gut er seine Ware (abstrakte) Arbeitskraft am Markt veräußern kann; schließlich unterliegen wir alle dem “Sachzwang” und “Geldfetisch”. Das Ganze wird dann durch asoziale Theorien des Sozialdarwinismus “scheinbar” bewiesen. Diese Ideologie wurde schon von den NAZI’s aufgegriffen und wurde Neuerdings (und ausgerechnet) durch ein SPD-Mitglied namens Sarazin wieder salonfähig gemacht. Es herrscht also im Zuge des fortschreitenden Krisenprozesses die “Totale Konkurrenz”. So wird auch mal ganz schnell aus dem “Lohnabhängigen” der “Solo-Selbstständige”, der sein eigenes Leben komplett unter die Regiede der betriebswirtschaftlichen Ratio stellen und sein Leben wie ein “Unternehmen managen” muss. Wo bleibt da Muße und Lebensqualität, wenn sich dieses pervertierte Denken in wirklich jeden Lebensbereich hineinfrisst wie ein Krebsgeschwür?

            Sie sagen, dass Sie weder Anhänger der Neoklassik noch des Neoliberalismus sind. Das lässt den Schluss zu, dass Sie wohl eher dem Neo-Keynesianimus zugeneigt sind, was leider auch nicht hilfreicher ist. Weder das neoliberal-austeritäre Spardiktat noch ein vermeintlich sozial-liberales “deficit spending” (Stichwort: Pyramidenbau – Hauptsache “Arbeit”) können ein Lösungsweg sein, auch wenn eine keynsianische Verschuldungspolitik der “humanere Tod” wäre bzw. ist. An dieser Stelle möchte ich wieder auf mein Gleichnis mit der Religion verweisen:

            Es ist egal, ob man nun Katholik, Lutheraner, griechisch-orthodox oder Mormone sind: Es sind nur unterschiedliche Variationen einer vertrackten und verquasten Glaubensideologie, die sich alle über ganz basale Charakteristika (Gott, Himmel, Hölle, Erlöser usw.) definieren. Erst wenn man diese als das entlarvt, was sie sind, nämlich Glaubensbekenntnisse und eben keine (empirischen) Wissenserkenntnisse, erst dann wird man sich der Wahrheit annähern und erst dann wird man die Freiheit besitzen, neue und bessere Gesellschaftssysteme zu entwickeln. Für den Kapitalismus verhält es sich analog. Das System ist einfach am Ende und wird nur artifiziell am Leben gehalten. Mittlerweile haben ja schon erste Zentralbanken (SNB) ganz offiziell den Negativ-Zins eingeführt.

            Was will man bei der nächsten Krise machen (die schon überfällig ist)? Helicopter-Money als endgültiges Eingeständnis der eigenen Hilflosigkeit? Ich hoffe für uns alle, dass das System Kapitalismus eher kollabiert als das System “Planet Erde”. Ersteres können wir ersetzen, die Erde nicht. Harald Lesch hat das neulich schön zusammenfasst, als er (sinngemäß) meinte, dass der Mensch für die Erde eine ähnliche Konfrontation darstellt, wie eine Grippe für den Menschen: Ein paar Tage Husten, Kopfschmerzen, Fieber und Durchfall – und dann ist der ganze “Dreck” raus und das System erholt sich wieder. Wenn wir glauben, dass wir “Gaia” überlegen sind, dann werden wir früher oder später an unserer eigenen Hybris zu Grunde gehen.

            vg

            Lukanier

            Literatur:
            – “Die große Entwertung” (Trenkle/Lohof)
            – “Schwarzbuch Kapitalismus” (Kurz)

            • SLE - 30. Juli 2017

              Hallo Lukanier,

              Sie schreiben:

              Der “Markt” und der “Wettbewerb” werden sich in einem profit- und wachstumsorientierten, rein der Kapitalakkumulation ausgerichteten System NIEMALS positiv, also im Sinne der Nützlichkeit für Mensch und Umwelt, entwickeln können.

              Entschuldigen Sie bitte die Frage, aber was lesen Sie denn? Sie argumentieren auch in diesem Kommentar wieder implizit im Rahmen der wirtschaftsliberal-neoklassischen Denkschemata – vielleicht ohne dass es Ihnen bewusst ist? Helmut Arndt hat Wettbewerb als erster (Anfang der 50er Jahre schon) als vor- und nachstoßenden Prozess und als sozialen Prozess definiert und zwar in bewusst klarer Abgrenzung zum wirtschaftsliberal-neoklassischen Mainstream! Er hätte das – um jedem Einwand ihrerseits zuvor zu kommen – nicht getan, wenn er dazu keine passende Theorie entwickelt hätte, die den Menschen und seine unterschiedlichen Verhaltensweisen berücksichtigt und ebenso die Angebots- und die Nachfrageseite.

              Des Weiteren schreiben Sie:

              Der Mensch wird nur noch über seine Wettbewerbsfähigkeit definiert, also wie gut er seine Ware (abstrakte) Arbeitskraft am Markt veräußern kann; schließlich unterliegen wir alle dem “Sachzwang” und “Geldfetisch”.

              Kurze Frage: Wie definieren Sie denn “Wettbewerbsfähigkeit”? Als Kostenwettbewerbsfähigkeit etwa? Dazu kann ich Ihnen nur sagen, dass man den Begriff auch anders definieren kann, so dass er beispielsweise qualitative und funktionale Aspekte mit berücksichtigt. Das ist dann – vereinfacht ausgedrückt – so wie in der Managementlehre (Porter), der zwei Wettbewerbsstrategien unterscheidet: Kostenführerschaft und Differenzierung.

              Nehmen Sie es nicht persönlich, aber Sie sind mir in Ihren Aussagen zu apodiktisch und zu wenig offen für andere Sichtweisen und Erklärungsanstätze, die es ja reichlich gibt. Und wenn die Politik sich aus welchen Gründen auch immer am wirtschaftsliberal-neoklassischen Erklärungsansatz orientiert, dann heißt das nicht, dass damit a) die wirtschaftliche Realität richtig adressiert wird, denn warum sonst läuft so viel schief und dass es b) aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht nicht anders ginge.

              Viele Grüße
              SLE

              • Lukanier - 30. Juli 2017

                Hallo SLE,

                wie immer vielen Dank für die Antwort – die Kritik, dass meine Aussage apodiktisch sei, nehme ich als konstruktiv und wohlwollend zur Kenntnis. Derlei zwingt mich (und soll es ja sein) auch immer zu ein kritischen Selbstreflexion.

                An der Stelle muss ich natürlich auch kontern: Gerade in meinem, von neoliberaler Ideologie triefenden, Studiengang spricht es doch wohl eher für als gegen meine geistige Einstellung, nämlich dass ich mich mit grundsätzlich “alternativen” Theorien, wie z.B. die auf Marx aufbauende Wertkritik, befasst habe und befasse. Ich bin kritisch, aber immer und jederzeit offen für Neues. Wie sonst kann man als Mensch geistig “wachsen”?

                Die Porter’sche Managementlehre (“stuck in the middle”…) haben wir im Studium ebenfalls rauf und runtergebetet, es ist mir durchaus bekannt. Ein Herr Arndt hat aufgrund der damals vorherrschende globalen Phase des Kapitalismus natürlich alle Gründe, mit einem “sozialen Prozess” zu argumentieren – schließlich herrschte damals ein noch niedrigeres gesamtgesellschaftliches Produktivitätsniveau. Klar kann man sich bei einer Phase des vermeintlich “ewig prosperierenden Schön-Wetter-Kapitalismus” in die Fata Morgana einer “Sozialen Marktwirtschaft” stürzen.

                Solange seine Theorien jedoch von der Ideologie Profit und Wachstum ausgehen, taugen sie – mit Verlaub – nichts. Da kann man noch so sehr den Stempel “SOZIAL” draufdrücken. (Dem gleichen Schicksal erliegt ja auch die SPD.) Die Sozialstandards MÜSSEN von Produktivitätsschub zu Produktivitätsschub immer weiter abschmelzen, eben um WETTBEWERBSFÄHIG zu bleiben. Weil es nur um Kapitalakkumulation (und zwar um jeden Preis geht). Als ob aus “Menschlichkeit” heraus z.B. jemals die BRD auf ihre Exporte verzichten würde… Die BRD exportiert Armut, Pauperismus und Umweltzerstörung in die Importstaaten, da diese keine andere Reaktionsmöglichkeit haben.

                Sie schreiben: “Kurze Frage: Wie definieren Sie denn “Wettbewerbsfähigkeit”?”

                “Wettbewerbsfähigkeit” bedeutet in einem auf Profit ausgerichtete System, IRGENDWIE profitabler zu sein als die Konkurrenz. Innovation und Kreativität sind dabei nur zwei Faktoren, mit denen ein Wettbewerbsvorteil erlangt werden kann. Andere heißen: Kartellabsprache, “moderne” Lohnsklaverei (Agenda2010…), Umweltzerstörung, Mord (organisierte Wirtschaftskriminalität) und natürlich auch Krieg. Wie sich der “Wettbewerb” auch auf die Gesellschaft im Allgemeinen und den Menschen im Speziellen auswirkt, habe ich versucht in meinem letzten Post anzudeuten.

                Um ehrlich zu sein sind Sie derjenige, der meinen Argumenten permanent ausweicht! Ich formuliere meine Grundthesen jetzt abschließend noch einmal als Fragen, die schlicht mit Ja oder Nein beantwortet werden können:

                (1) Die Innere Schranke:

                Der einzige mehrwertschaffende Faktor in der kapitalistischen Produktionsweise ist der Mensch. Nur aufgrund der Vernutzung (abstrakter) menschlicher Arbeitskraft ist es dem Unternehmer ÜBERHAUPT möglich, Mehrwert (also im weiteren Sinne: Profit) zu realisieren. Gleichzeitig versucht er aber aufgrund der marktvermittelten Konkurrenz und des Wettbewerbsdrucks, diesen Produktionsfaktor “Arbeit” weitestgehend zu rationalisieren und aus der eigenen Produktion zu verdrängen. Aus Sicht der einzelne Kapitalie wäre es also ideal, wenn eine menschenleere Fabrik für ihn “produzieren” würde. In dem Moment, in dem er der erste am Markt mit einer solchen Produktionstechnologie ist (Stichwort: Innovation), kann er die eingesparten Kosten an den Kunden weitergeben, Extraprofite einfahren und somit Marktanteile gewinnen. Sobald sich dieser Produktivitätsstandard gesamtgesellschaftlich durchgesetzt hat, produzieren wir damit irrigerweise ein Heer von Arbeitslosen (welches nochmals um ein vielfaches Größer wäre, würde sich die private und öffentliche Hand nicht permanent “mit billigem” Geld verschulden, um Beschäftigung zu “simulieren” – Neo-Keynsianismus eben), welche aus Sicht des Verwertungssystem “nichts wert” sind, eben weil sie ihre Ware Arbeitskraft nicht mehr verkaufen können. Ohne Geld “darf” man aber nicht leben (“Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen” August Bebel), nur wie soll man Geld verdienen, wenn man zur Warenproduktion schlichtweg nicht mehr benötigt wird?! Wir ersticken regelrecht in unserer eigenen Produktivität.

                Frage: Kann ein System, welches auf einem derartig eklatanten Widerspruch beruht, ewig weiterprozessieren? j/n?

                (2) Die Äußere Schranke

                Diese ist die augenscheinlichere, weil sie auch in unser tägliches Bewusstsein tritt und von Jahr zu Jahr immer krassere Konsequenzen mit sich bringt (s. WWF Living Planet Report 2016)

                Frage: Kann ein System, welches auf ein unendliches Profit- und Wirtschaftswachstum ausgelegt ist, ewig in einer Welt mit endlichen und begrenzten Rohstoffen weiterprozessieren? j/n?

                Die Fragen sind wohl eher rhetorisch, dennoch denke ich, dass sie das ganze Dilemma nochmals verdeutlichen. Sollten wir es nicht hinbekommen, den Kapitalismus abzuschaffen, schafft der Kapitalismus uns ab. That’s it.

                DASS in einem freien, egalitären und basisdemokratischen Gesellschaftssystem ein wie auch immer gearteter “freier Markt und Wettbewerb”, der ausschließlich der Bedürfnisbefriedigung und ökologischen Nachhaltigkeit dient, durchaus Sinn machen könnte, bestreite ich ja gar nicht. Diese Qualitäten wird ein solcher Markt aber niemals in einem System realisieren können, in dem es nur darum geht, aus Geld via Warenproduktion noch mehr Geld zu machen. Erst wenn es unsere Gesellschaft schafft, sich aus dem Fetisch von Geld, Ware und Kapital zu befreien, erst wenn wir nicht mehr auf Profite und Wachstum hinarbeiten, erst dann kann man über eine sinnvolle Form des “Wettbewerbs” reden.

                Beste Grüße

                • SLE - 30. Juli 2017

                  Hallo Lukanier,

                  nur noch so viel, sonst drehen wir uns im Kreis: Porter habe ich nur genannt als Beispiel dafür, dass man auf unterschiedliche Weise wettbewerbsfäig sein kann. In der heutigen Realität setzten die die Märkte dominierenden Konzern ebenso wie die von ihnen abhängigen Zulieferer auf “Kostensenkung”. Das ist einfach nur ein klares Zeichen gesättigter, innovativ erstarrter und wachstumsschwacher Märkte. Die realität hat sich aber keineswegs immer so dargestellt.

                  Helmut Arndt hat Wettbewerb als sozialen Prozess erklärt und dafür seinen Erklärungsansatz immer weiter entwickelt. Das fing Anfang der 50er Jahre an und setzte sich fort bis Ende der 90er, soweit ich weiß. Sie scheinen nie etwas von ihm gelesen zu haben. Das geht aus ihren Aussagen hervor.

                  Grüße
                  SLE

  • JL - 27. Juli 2017

    Wirtschaftstheorien, wie nachvollziehbar sie auch beschrieben werden, werden nie funktionieren.

    Erster Grund ist, daß die Wirtschaftstheorie(n) (jeweils) eine theoretische Abhandlung über die Wirtschaft aufbaut und nicht politische Belange der Regierungen abbilden kann- das ist für sich schon unmöglich. Die immer noch aktuelle Theorie von Keynes unterstellt, daß der Staat möglichst dessen Grundgedanken folgen muß um nachhaltig erfolgreich bleiben zu können. Die Theorien von Marx sind gescheitert, die von Keynes werden scheitern, schlicht da der Staat ein Interessensgebilde ist.

    Zweiter Grund ist die selbstständige Geldpolitik der Zentralbanken, welche künstliche Wachstumszyklen in Wirtschaftsbereichen hervorrufen oder auch wieder abwürgen können (Realwirtschaft/ Finanzwirtschaft versus Zinspolitik/ QE- Programme). Keine Wirtschaftstheorie dieser Welt kann voraussagen was Zentralbanken in einem Jahr tuen werden- vermutlich wissen das die Zentralbanker noch nicht mal selbst. Noch schlimmer sind die Verwerfungen der aktuellen „Vergewaltigungen“ ganzer Wirtschaftsräume daraus, die man beim besten Willen mit den aktuellen Theorien nicht beheben kann.

    Dritter Grund ist die wirtschaftliche Schwerpunktbildung- also direkte Einflußnahme- seitens der Politik gegenüber der Wirtschaft. Wenn der Schwerpunkt zum Beispiel auf die Rüstungsindustrie- wie in der vergangenen Sowjetunion- gelegt wurde, muß innerhalb eines begrenzten Finanzrahmens die Wirtschaft auf Dauer schief laufen. Hat man diesen begrenzten Finanzrahmen durch Schuldenaufnahme nicht- wie in den USA- bildet sich auf Dauer der begrenzte Finanzrahmen zwangsweise durch erzwungene Schuldenbegrenzung von selbst. Diese politisch gewollte Verlagerung von staatlichen Ausgaben zur Erhaltung politischer Interessen kann man zeitlich wie theoretisch nicht in Wirtschaftsthesen fassen, da das politische Interesse über wirtschaftliche Logik steht.

    Jede Theorie ist erst dann erfolgreich, wenn sie auch Ergebnisse zeitigt, die tatsächlich unter belastbaren Faktoren theoretisch Eintreffen müssen und realistisch auch zutreffend sind. Kann eine Theorie dies nicht, ist sie nicht wahr und bleibt Theorie. Eine sinnvolle Wirtschaftstheorie aber könnte schon funktionieren wenn es die wechselseitigen Abhängigkeiten zwischen Politik, Geldwesen und Realwirtschaft nicht geben würde. Diese gibt es aber nicht- und damit immer wechselnde Interessensschwerpunkte mit zunehmenden Markteingriffen in irgendeine Richtung zugunsten immer weniger.

    Wirtschaftstheorien bilden also nur einen Teil der Interessen wieder und sollten durch eine Art „Gesellschaftstheorie“ ersetzt werden. Ob China diese „Gesellschaftstheorie“ bereits betreibt ist sicher diskussionswürdig.

    Vor diesem Hintergrund kann man den sich übrigens anbahnenden Wirtschaftskrieg der verschiedenen Wirtschaftsblöcke untereinander auch erklären. Der Kuchen (Markt) ist längst aufgeteilt, der Hunger (Schulden) aber wird immer größer. Der Verdrängungswettbewerb, staatlich befeuert, ist die logische Konsequenz daraus und schafft bewußt neue Krisenherde, nur um selbst zu überleben.

    Das ist halt so wenn Theorie eben Theorie bleibt.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

    • SLE - 28. Juli 2017

      Hallo JL,

      und wie sind die USA dann zum Mond gekommen oder wir zur Elektrizität und warum umkreisen Satelliten die Erde?

      Selbstverständlcih funktionieren Theorien, sofern es ihnen – egal auf welchem Fachgebiet – gelingt zu Erkenntnissen über Wirkungszusammenhänge zu kommen.

      Es ist doch nicht so, dass wir alles über die reale Welt, die Natur, Gesellschaften etc. wüssten! Wir glauben es oft einfach nur – bis z.B. in der Physik die Quantentheorie uns eines besseren belehrt.

      Und ist es mit der Wirtschaftspolitik nicht dasselbe oder genauer gesagt ist unser Wissens- und Erkenntnisstand hier nicht noch viel schlechter als in andere Disziplinen?

      Die Wirtschaftspolitik kann nur so gut sein wie der Erkenntnisstand. Letzterer kann durch die empirische Forschung verbessert werden oder auch durch die theoretische. Die empirische Forschung arbeitet mit Vergangenheitsdaten. die Theorie nicht. Deswegen ist der Erkenntnisstand letztgenannter in wirtschaftlich turbulenten Zeiten prinzipiell nicht nur dem empirischen überlegen, sondern für die Wirtschaftspolitik sogar unverzichtbar.

      Viele Grüße
      SLE

      • Marja - 29. Juli 2017

        Moin Moin,

        da sollte man sich dann doch Gedanken über das Wesen der Theorie machen😉 Es gibt halt Prozesse, die sich mit einer gewissen Streuung (!) berechnen lassen, und andere Prozesse, deren Streuung so hoch ist, dass sie sich (deshalb) nicht berechnen lassen und wir sie deshalb als chaotisch erleben.

        Leider lernen wir in unserer Ausbildung i. d. R. keine gute Differenzierung zwischen Theorien und Realitäten. Meistens wird eine Theorie wie z. B. die Gravitationskonstante als Realität verkauft, wobei die Wirklichkeit selbst bei der Erdanziehung und der Satellitenkreisbahn tatsächlich doch etwas komplexer sein soll.

        Wie JL schon schreibt: wenn die Störfaktoren größer und vielfältiger sind, als die zugrundeliegenden “Kräfte”, lassen sich Prozesse nicht vorhersagen. Man kann dann nur die Richtung im Groben festlegen: Wasser fließt bergab, aber dennoch weiß man nicht immer, wie und wohin genau.

        Grüße Marja

        • SLE - 29. Juli 2017

          Hallo Marja,

          o.k., damit wären wir dann wohl wieder bei der Chaostheorie. 😉

          Grüße
          SLE

        • Georg Trappe - 29. Juli 2017

          Hallo Marja,

          ich bin ja auch mal aus dieser naiven Ecke gekommen, mit der Vermutung, die sog. Wirtschaftswissenschaften haetten da vielleicht was nicht mitbekommen (Stand der Dinge bei der Erforschung komplexer Systeme) . Dem ist aber definitiv nicht so.
          Beispiel: http://research.stlouisfed.org/wp/1991/91-002.pdf
          Vielmehr deuten die Dinge darauf hin, dass die sog.”Wirtschaftswissenschaft” mit aller Macht ein Theoriegebaeude aufgebaut hat und verteidigt, das im Interesse von einigen wenigen hoeflich ausgedrueckt unangenehme Wahrheiten verschleiert, ignoriert, negiert.
          Der ganze absurde Theoriekonstrukt um Banken, die angeblich die Ersparnisse von Sparern an Kreditnehmer weitereichen, ist da nur ein herausragendes Beispiel:
          http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1057521915001477
          Und Gleichgewichtstheorien angesichts von rechtsschiefen Verteilungen (auf allen Ebenen, wohin man schaut und seit Pareto bekannt), die auch noch die offensichtliche Tendenz haben ueber Zeit immer rechtsschiefer zu werden, sind der Gipfel der Absurditaet.
          Sog. DSGE Modelle, die von allen Chefoekonomen bei Zentralbanken / Wirtschaftsinstituten als das Nonplusultra gehandelt werden, wenn es um die Vorhersage von Auswirkungen bei Policy Entscheidungen geht, bauen aber auf Gleichgewichtstheorie und Ausgleichsvorgaenge (die es offensichtlich so nicht gibt) auf.

          Und das ist in diesem Ausmass nicht mit Dummheit oder Nichtwissen zu erklaeren. Das ist bewusste Verdrehung der Tatsachen, um den massiven Betrug durch ein perfides Ausbeutungssystem zu decken.

          Gruesse

          Georg Trappe

          • Georg Trappe - 29. Juli 2017

            Um es noch markanter auf den Punkt zu bringen. Wer nach zwei Semestern Grundlagenvorlesungen ein Studium der sog. Wirtschaftswissenschaften nicht laut protestierend abbricht, der ist nicht an Wissenschaft interessiert. der will einen gut bezahlten Job bei einer Bank, einer Versicherung oder in einem dieser unsaeglichen Wirtschaftsinstitute.

  • JL - 29. Juli 2017

    Hallo SLE, Hallo Marja

    Der Vergleich zur Physik ist durchaus gerechtfertigt. In dieser wissenschaftlichen Sparte gibt es anerkannte, unbestrittene Gesetzmäßigkeiten die beim Fall X das Ergebnis Y zur Folge haben müssen. Das ist bei einem einfachen Hebelgesetz (Archimedes) genauso der Fall wie die Lichtkrümmung durch Gravitationswellen (Einstein). Ja, die Formeln unterscheiden sich, aber es bleiben eben Formeln.

    Im Gegensatz dazu sind zum Beispiel Klimamodelle, auf physikalischen Annahmen beruhend, Theorien. Erst wenn eines der Klimamodelle tatsächlich zutreffend ist, ist es WAHR, ansonsten bleibt es eine Theorie, da die zugrundeliegenden Formeln sich nicht bestätigen lassen.

    In den Wirtschaftswissenschaften gibt es diese eine Formel allerdings nicht, hier gibt es nur „Mitspieler“, oder anders gesagt, Interessen.

    Gibt es einen Gleichlauf von Interessen und Wirtschaftstheorie ist das System stabil, gibt es dies nicht, oder nicht mehr, muß es ergo instabil werden.

    Was zum Beispiel ist, wenn man die hehren Wirtschaftstheorien in Talkshows oder Wahlkampfzeiten anpreist und genau das Gegenteil von dem was man sagt durchsetzt? Ist es Dummheit oder werden hier Interessen fernab jeder wirtschaftlichen Logik gepflegt um der Logik anderer zu folgen? Warum will man der EU eine eigenständige Energieversorgung verbieten, Zufall oder Wirtschaftskrieg? Und dann muß man schlußendlich noch die Frage in den Raum werfen, warum eine Staatspleite (Argentinien) unproblematischer ist als eine mögliche Bankenpleite der Bank Monte dei Paschi di Siena in Italien zum Beispiel.

    Alles Fragen, die Wirtschaftstheoretisch bisher leider nicht beantwortet werden konnten da (gegensätzliche) Interessen bisher ausgeblendet wurden. Damit will ich nicht sagen, daß man auf diesem Gebiet in irgendeiner Form Ahnungslos wäre. Die zentrale Frage bleibt allerdings, die Durchsetzbarkeit von Wirtschaftstheorien entgegen anderslautenden Interessen nachhaltig zu gewährleisten- auch dies ist diskussionswürdig…

    …mit oder ohne Chaostheorie.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • Marja - 29. Juli 2017

    Hallo Georg,

    das ist leider in vielen sozialen Wissenschaften nicht anders. Wissenschaftliche Erkenntnisse müssen halt den “Entscheidern” gefallen, dann werden sie auch anerkannt. Und in den Mint-Fächern ist es leider auch oft so. Ein Beispiel ist der Wikipedia Artikel über den Lithium Akku. Das fand man bei Varta nicht so gut. Nun hat jemand anderes die Technologie und Varta gibt es nicht mehr. Womit sich der Kreis zur Autoindustrie schließt. Letztlich hat sich ein krimineller Personalvorstand eines Automobilindustrie entschieden, Wettbewerbsfähigkeit durch Sozialabbau anstatt durch Innovation zu erreichen, und ein vermutlich ebenfalls krimineller Entwicklungsleiter entschieden, Vorsprung durch Betrug anstatt durch Technik zu erreichen. Damit hat man ein paar Jahre gut verdient, bis andere meinten, den Vorsprung durch Betrug verbieten zu wollen. Im gleichen Zeitraum hat man die Technologieführerschaft an Toyota und vielleicht auch an Tesla abgegeben.
    Mit einer Firma wie Varta verschwindet halt nicht nur eine Marke sondern auch das Know-How und die Fertigungstiefe. Panasonic hat da 20 Jahre Vorsprung und kooperiert übrigens mit Tesla und wahrscheinlich auch mit Toyota. Panasonic hatte übrigens schon die besten Akkus, als es Varta noch gab.
    Da hat man in Schland halt auf das falsche Pferd gesetzt, nämlich auf Kostenreduktion durch Sozialabbau und auf Kostenreduktion durch Investitionsschwäche.
    Viele Grüße Marja

    • Marja - 30. Juli 2017

      Wer hat sinngemäß gesagt, die Wirtschaftswissenschaften seien eine Vereinigung gegenseitiger Bewunderung (Mutual admiration)?

      • Georg Trappe - 30. Juli 2017

        Ich weiss es nicht. Aber bei der schnellen Suche nach einer Antwort habe ich dies hier gefunden:

        “”This article proposes a theory of group formation based on the motive to seek informed opinion. Because an individual evaluates whether others are informed or not using his own priors, he identifies people with similar beliefs to be more informed than those with different beliefs. The result is an equilibrium in which like-minded individuals self-select into distinct groups, with members of each group believing that their own group is superior.” (“JEL” D71, D81, D83, D85) Copyright (c) 2009 Western Economic Association International.”

        https://ideas.repec.org/a/bla/ecinqu/v48y2010i1p123-132.html

        Ich wuensche einen schoenen Sonntag

        By the way, die Varta Geschichte ist wirklich spannend. Auch die Rolle einiger meiner Lieblings 1%er
        (Quandt) in dieser Geschichte.

        https://de.wikipedia.org/wiki/Flocken_Elektrowagen

    • SLE - 30. Juli 2017

      Hallo Marja,

      immerhin erfreulich zu sehen, dass so etwas hier in Deutschland trotz Dominanz der Autokonzerne möglich ist:

      http://www.rp-online.de/leben/auto/news/ego-life-aus-aachen-nach-streetscooter-kommt-elektrisches-stadtauto-aid-1.6844224
      http://orange.handelsblatt.com/artikel/30982

      Es versteht sich von selbst, das über so etwas (und schon gar nicht so ausführlich) in den großen überregionalen Zeitungen berichtet wird.

      Grüße
      SLE

  • Georg Trappe - 2. August 2017

    Und noch ein Lichtblick:
    http://www.meijsmotorman.com/

    Und noch eine Abschiedsfeier der nostalgischen Art:

1 Trackback