Lehman, der nächste bitte!

Die Immobilien-und Kreditkrise in einer Stärke von Kategorie 4 steuert sein nächstes Ziel an. Diesmal trifft es die viertgrößte US-Investmentbank Lehman Brothers. Am Dienstag zerlegte es die Lehman-Aktie um knapp -45%. Fast 40 Mrd. Dollar an Börsenwert wurden in den letzten 12 Monaten vom Winde verweht.

Jetzt wird bei Lehman anscheinend das Geld knapp. Nach -2,77 Mrd. Dollar Verlust im 2. Quartal 2008, -5,14 Dollar je Aktie, droht auch das 3. Quartal zu einem Desaster zu mutieren. Guy Moskowski Analyst von Merill Lynch rechnet mit einem Verlust von -6,50 Dollar je Aktie. 4 Milliarden Dollar an weiteren Abschreibungen drohen. Auch aus Südkorea kommen keine guten Nachrichten der Deal mit der öffentlich-rechtlichen Korea Development Bank kommt nicht zu Stande, von dem sich Lehman dringend frisches Kapital versprochen hatte.

Das Eigenkapital sank zum Ende des zweiten Quartals auf 26,3 Mrd. Dollar, die Liquiditätsreserven sanken auf nur noch 6,5 Mrd. Dollar. Hiermit gilt es u.a. die Verluste aus einem 60,7 Mrd. Hypothekenportfolios von Lehman zu schultern. Die Investmentbank hält aber auch große Positionen an illiquiden Vermögenswerten! Allein 41,34 Mrd. Dollar sind in der Bilanz als Level 3 Assets verbucht. Dies sind Vermögenswerte für die kein Preis abgerufen werden kann und die nicht handelbar sind. Die Marktpreise für diese Assets werden geschätzt bzw. modelliert (hingebogen).


 

248,7 Mrd. Dollar an Assets (Vermögenswerte) sind in der Bilanz von Lehman zum Fair Value bewertet. Darunter auch 161,8,8 Mrd. nach Level 2 .

Die Total Assets (Summe der Vermögenswerte) bei Lehman betragen 639,43 Mrd. Dollar. Das Leverage Ratio, Verhältnis von Eigenkapital zu den gesamten Vermögenswerten, beträgt das 24,34 –fache. Obwohl das Leverage schon abgebaut wurde vom 31,7-fachen im 1. Quartal, ist es immer noch unhaltbar und dies nicht nur in einer Phase der Kreditkrise! Ein viel zu hohes Leverage hat Lehman allerdings mit einer Menge anderer Banken gemein.

Einen wichtigen Bereich für die Investmentbanken, hat es richtig getroffen, die Verbriefung von Krediten. Nicht nur das Lehman Kreditrisiken nicht mehr weiter reichen kann, es fehlen auch die daraus generierten Gebühren und Provisionen.

Das Volumen der Securitization, (Kreditverbriefung) der Investmentbank ist in Q2 um- 81% auf 8,1 Mrd. Dollar eingebrochen, nach 43,675 Mrd. im Vorjahresquartal.

 

 

Das Volumen der Securitization, (Kreditverbriefung) ist in Q2 um -81% auf 8,1 Mrd. Dollar eingebrochen, nach 43,675 Mrd. im Vorjahresquartal.  

Auch im ausstehenden Derivatevolumen Lehmans dürfte so einiges an “Potential” liegen!

 

729,34 Mrd. Dollar beträgt das Wettvolumen.

Auch wenn Lehmann in der Bilanz betont, dass das eigentliche Risiko, der Wiederbeschaffungswert der Derivate nur 37,4 Mrd. Dollar beträgt, so blendet diese Sichtweise jedoch das Kontrahentenrisiko aus, während Lehman gerade selber eines darstellt! Im Vergleich zu Bear Stearns mit einem damaligen Derivate-Volumen von 13,4 Billionen Dollar sieht es bei Lehman, aber noch überschaubar aus und es dürfte nicht gleich das Finanzsystem auf dem Spiel stehen!

Sehr wahrscheinlich, dass die Verluste der Investmentbank aus dem spekulativen Casino so groß geworden sind, das auch Lehman ausgespielt hat! Die Frage bleibt noch, ob das “relativ überschaubare” Lehmann-Problem nach Modell Bear Stearns gelöst wird? Verluste per Hilfe der FED zu sozialisieren ist ja schon ein ausgefeiltes Tagesgeschäft der Wall Street. Auf Dauer aber keine Lösung, denn die Schuldenübernahmen durch den Staat sind letztlich ungedeckte Schecks und die Korrekturen jahrelanger Kreditexzesse lassen sich damit nicht aufhalten!

Nachtrag vom 10.09.:

Lehman hat seine Quartalszahlen vorgezogen und in einem kurzen Statement am Mittwoch veröffentlicht. Der Verlust im 3. Quartal beträgt -3,9 Mrd. Dollar bzw. -5,92 Dollar je Aktie. Die Abschreibungen betragen gewaltige -5,6 Mrd. Dollar darunter -4,9 Mrd. aus dem Hypothekenportfolio. Wenn man bei diesem Desaster noch etwas positives sehen möchte, die Risikopositionen wurden abgebaut, das Leverage Ratio beträgt nur noch das 21,1-fache nach dem 24,3-fachen im 2. Quartal und gar dem 31,7-fachen im 1. Quartal 2008. Die Frage bleibt – womit will Lehman in Zukunft Geld verdienen?

Und wie schon bei Bear Stearns (Reloaded: Emergency Action für Bear Stearns verlieren auch die Mitarbeiter. 10 Mrd. Dollar haben die 24000 Mitarbeiter durch den Absturz von Lehman verloren. Die Vergütung, wie auch Teile der Altersversorgung basierten auf Mitarbeiteraktienprogrammen, staatlich geförderten 401K Pensionspläne die in Teilen in die Aktie des eigenen Unternehmens flossen. 25% der Anteile Lehman Brothers sind im Besitz der Mitarbeiter. Quelle: Ftd.de

Quellen: PDF Lehman Q3, Quarterly Earnings, PDF SEC Filing 10-Q 2.Quartal

PS: Am 15.09.2008, sechs Tage nach diesem Artikel bei Querschuesse beantragte Lehman Brother die Insovenz!

Kontakt: info@querschuesse.de