“Leistung aus Leidenschaft”?

von am 26. Oktober 2011 in Allgemein

Gestern berichtete die Deutsche Bank ihre Geschäftszahlen für das 3. Quartal 2011. Der Vorsteuergewinn schrumpfte auf 942 Millionen Euro, dies war ein Rückgang von -28% zum Vorquartal. Nach Steuern waren es noch 777 Millionen Euro Gewinn. Wesentlich spannender als das pure Geschäftsergebnis, welches auch dem allgemeinen schwächeren wirtschaftlichen Umfeld geschuldet ist und vor allem dem Einbruch beim Investmentbanking (nur noch 70 Millionen Gewinn), stellt sich die Bilanz der Deutschen Bank dar. Zum 30.09.2011 weitete sich die Bilanzsumme kräftig aus. Die Summe der Aktiva (Forderungen) stieg um +377 Mrd. Euro, im Vergleich zu Ende 2010 an, auf 2,282479 Billionen Euro!

Die Total Assets von 2,282479 Billionen Euro zum 30.09.2011 in der Tabelle aus dem Geschäftsbericht. Ein Anstieg von +20% zum 30.12.2010. Der Anstieg war vor allem auf den Anstieg der Marktwerte aus derivativen Finanzinstrumenten um +236,186 Mrd. Euro auf 893,966 Mrd. Euro zurückzuführen.

Unter den Total Assets befinden sich auch knapp 338 Mrd. Euro Risikoaktiva, die mit haftenden Eigenkapital zu hinterlegen sind.

Die risikogewichteten Aktiva der Deutschen Bank in der Tabelle. Nur aus den risikogewichteten Aktiva in Höhe von 337,618 Mrd. Euro und dem Kernkapital der Deutschen Bank von 34,090 Mrd. Euro ergibt sich die Kernkapitalquote von 10,1%. Günstiger Weise stellt die Masse der Derivateposition der Deutschen Bank keine Risikoaktiva dar, denn nur die Nettingposition muss mit Kernkapital unterlegt werden.

Zum 30.09.2011 war ein Volumen von 11,350 Mrd. Euro als Problemkredite eingestuft worden, welche notleidend waren, mehr als 90 Tage im Zahlungsausfall bzw. sich in Restrukturierung befanden.

 Festhaltenswert erscheint ebenfalls das Firmenkreditengagement der Deutschen Bank:

Die Unternehmenskredite inkl. deren derivativen “Absicherungen” in Höhe von 496,235 Mrd. Euro, davon 24,245 Mrd. Euro mit einem Rating von CCC und schlechter und von 236,564 Mrd. Euro mit einem Rating von BBB bis B!

Auch das gesamte Bruttokreditrisikoengagement gegenüber den PIIGS kann sich immer noch sehen lassen:

Die Bruttoposition von 94,313 Mrd. Euro reflektiert das Nettoengagement zuzüglich der gekauften Besicherung über Kreditderivate, Sicherheiten und der Risikovorsorge im Kreditgeschäft, gegenüber den PIIGS-Staaten (4,792 Mrd. Euro), den PIIGS-Banken (17,021 Mrd. Euro), den Unternehmen (30,163 Mrd. Euro) und den Privaten (33,5 Mrd. Euro) und den Sonstigen (8,836 Mrd. Euro).

Was für eine Anhäufung von Kreditschrott sich in der Bilanz der Deutschen Bank befindet, dafür liefert das Handelsbuch, mit den zum Fair Value bewerteten finanziellen Vermögenswerten einen deutlichen Beleg:

Die Summe der nach FairValue bewerteten Vermögenswerte zum 30.09.2011 betrug 1,351876 Billionen Euro. Festhaltenswert die Level3 Assets wuchsen um +2,877 Mrd. Euro auf 49,533 Mrd. Euro, noch gravierender die Level2 Assets stiegen um +242,263 Mrd. Euro auf 1,22395 Billionen Euro an! Über die Qualität dieser Assets sagen die verwendeten Bewertungsmethoden viel aus, denn Level 3 Assets sind Vermögenswerte, die nicht handelbar sind und für die es keine verfügbaren Marktpreise gibt, de facto werden diese illiquiden Vermögenswerte mit Fantasiebewertung nach “Mark to Model” bewertet. Selbst bei Level2 Assets besteht noch großer Bewertungsspielraum, denn hier werden bei nicht direkt vorhandenen Marktwert oder nicht ausreichend liquiden Märkten einfach vergleichbaren alternativen Marktpreisen zur Bewertung herangezogen.

Diese hier weitgehend aufgeführten enormen Risiken, gilt es mit einem lächerlichen Eigenkapital laut IFRS, aus Kernkapital, Ergänzungskapital und Drittrangmittel (Tier1, -2 und -3) von insgesamt 53,108 Mrd. Euro zu deckeln! Die Kernkapitalquote jedoch für die sich die Deutsche Bank selber lobt, betrug schlappe 10,1%. Angesichts der enormen Risiken in der Bilanz ein Witz und angesichts der Tatsache, dass die Kernkapitalquote der belgischen französischen Dexia mit 12,1% unmittelbar vor ihrem Kollaps höher lag!

Die Deutsche Bank ist hochgehebelt, wie eine Investmentbank oder ein Hedgefond. Das Leverage Ratio (Verhältnis Aktiva zu Eigenkapital) nach IFRS stieg zum 30.092011 auf satte 43, nach 38 Ende 2010! Dies bedeutet die Aktiva (Vermögenswerte) der Deutschen Bank sind bei einem Einsatz von 1 Euro Eigenkapital mit 43 Euro Fremdkapital gehebelt.

Das Leverage Ratio in der Tabelle aus dem Geschäftsbericht. Nur wenn man die Bilanz nicht nach IFRS (Rechnungslegungsstandard in Europa) ausweist, also mit dem Marktwert (oder auch Wiederbeschaffungswert) der eingegangenen Derivate-Wetten, sondern wie nach US-GAAP (Rechnungslegungsstandard in den USA), nur mit dem Netting, dem gegenseitigen Verrechnen der Derivate Positionen, schrumpft die Bilanzsumme von 2,282 Billionen Euro auf 1,296 Billionen Euro und damit auch das Leverage Ratio von 43 auf 22!

Die extrem spekulative Ausrichtung der Deutschen Bank wird klar, wenn man den Marktwert oder auch Wiederbeschaffungswert der Derivate nach IFRS von gewaltigen 986 Mrd. Euro betrachtet. Unglaubliche 43,21% der Bilanzsumme bestehen laut IFRS Rechnungslegungsstandard aus dem Marktwert der eingegangenen Derivate-Wetten! Und eine immense Höhe dieser Derivate-Marktwerte wird nach Level2, unter kreativen Bewertungsspielraum bewertet.

Noch ein Blick auf das nominale Derivatevolumen der Deutschen Bank, zuletzt für Ende 2010 veröffentlicht: 

Das gesamte nominale Wettvolumen am OTC-Markt der Deutschen Bank betrug Ende 2010 54,101 Billionen Euro. Darunter befanden sich 3,392 Billionen Euro an nominalen Kreditderivatevolumen. Insgesamt, inklusive den börsengehandelten Derivaten, betrug das nominale Volumen der Finanzwetten 55,991 Billionen Euro. Quelle Tabelle: Deutsche-bank.de/Geschäftsbericht 2010

Bei Szenarien eines europäischen Bankenkollapses, wenn auch temporär wegen dem 1 Billion Euro schweren ESFS abgewendet, sind die vermeintlichen derivativen  Absicherungen nicht das Papier wert, auf dem sie im OTC-Handel abgeschlossen wurden und dürften zu einem Zusammenbruchbeschleuniger mutieren. Selbst nach Anwendung des Nettings, dem gegenseitigen Verrechnen der Derivatepostionen, für deren Stichhaltigkeit funktionierende Märkte und Kontrahenten von Nöten sind, beträgt die Nettingposition der Derivate noch 85 Mrd. Euro:

Die Total Assets der Deutschen Bank nach dem Netting der Derivate zum 30.09.2011. Quelle: Deutsche-bank.de/PDF Präsentation zu Q3 2011

Statt Leistung aus Leidenschaft dokumentiert der Geschäftsbericht der Deutschen Bank, eine Bilanz mit hohem Leverage Effekt und damit einhergehende spekulative Exzesse über den OTC-Derivatemarkt und dies impliziert die dringende Notwendigkeit die spekulativen Aktivitäten einzudämmen und die Banken an die Kandare zu nehmen.

Quelle Daten und Tabellen: Deutsche-bank.de/Geschäftsbericht Q3 2011

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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