Memorandum zur Debatte um den Opel-Standort Bochum und zur Krise des Automobilsektors

von am 14. Dezember 2012 in Allgemein

Seit bekannt ist, dass die Automobilproduktion von Opel am Standort Bochum beendet werden soll, ist die Krise, die Südeuropa schon länger in die Knie zwingt, offenbar endlich auch in Deutschland angekommen. Doch die Debatte, die sich daran entzündet hat, ist eigentlich überflüssig, weil sie nichts Neues enthält – und den Betroffenen nicht hilft.

Denn was nun geschieht, ist nichts anderes als die Quittung dafür, dass Unternehmenslenker wie auch die Politik den tiefen Wirtschaftseinbruch Ende 2008 und 2009 als Folge der Finanzmarktkrise und als „lediglich konjunkturell bedingt“ interpretierten und entsprechend handelten, allen Warnungen zum Trotz. (I)

Deswegen legten die Politiker „Konjunkturprogramme“ auf – in Deutschland bekannt geworden unter der Bezeichnung „Abwrackprämie“ – und die Unternehmenslenker sahen keine Notwendigkeit für eine strategische Kurskorrektur – weswegen wir auch jetzt wieder, wie schon in den Jahren vor der Lehman-Pleite, eine ruinöse Rabattschlacht auf dem Automobilmarkt erleben und Kostensenkung nach wie vor als Allheilmittel betrachtet wird. Mit dem Gedanken, dass sich General Motors mit diesem „Erfolgsrezept“ in die Krise manövrierte und die Finanzkrise nur der Katalysator war, der diese eskalieren und die Firma pleitegehen ließ, hat sich dort wie auch bei der Konkurrenz offensichtlich nie jemand ernsthaft beschäftigt.

Wer sich überrascht gibt, dass die nun infolge der Austeritätspolitik in die europäischen Schuldenstaaten eingebrochene Nachfrage nach Automobilen die Automobilkonzerne erneut ins Schleudern gebracht hat bzw. noch bringen wird, muss sich den Vorwurf mangelnder Selbstreflexion respektive der Scheinheiligkeit gefallen lassen.

Wie ich zu diesem harten Urteil komme? Den folgenden Aufsatz habe ich hier im Blog am 3. September 2009 veröffentlicht. Er ist die Antwort auf die gestellte Frage und all jenen zur Lektüre zu empfehlen, die verstehen wollen, was bei Opel und in der Politik falsch gelaufen ist, was uns noch erwartet und wo eine erfolgversprechende Krisenstrategie ansetzen müsste.

Automobilmarkt und Abwrackprämie – ein Beispiel für eine falsch verstandene Industrie- und Krisenpolitik (vom 3. September 2009) (II)

Seit nicht mehr nur von einer Finanzmarktkrise, sondern auch von einer Weltwirtschafts­krise die Rede ist, vergeht beinahe kein Tag, an dem nicht die konjunkturellen Probleme, die konjunkturellen Aussichten und ganz allgemein die Konjunktur thematisiert wird: von Ökonomen, Experten unterschiedlichster Couleur und natürlich Politikern, in der Presse, in den Medien, in Blogs.

Die Weltwirtschaftskrise, dieser Eindruck wurde damit erweckt und bis in die Gegenwart aufrechterhalten, ist eine Konjunkturkrise. Sie wurde ausgelöst durch das Finanzmarktdesaster – auch dies wird suggeriert. Und insofern ist es nur logisch, dass die Wirtschaftskrise in dieser Sichtweise mit konjunkturpolitischen Maßnahmen sprich insbesondere mit Konjunkturprogrammen behoben werden kann, wie etwa die „Abwrackprämie“, für die allein Deutschland 5 Mrd. Euro ausgegeben hat – so viel, wie bisher kein anderer Staat. (1)

Tatsächlich ist es völlig unzutreffend, die aktuelle Weltwirtschaftskrise als Konjunkturkrise zu bezeichnen. Das lässt sich am besten verdeutlichen, wenn man einmal mit dem beginnt, was die allermeisten, die das Wort „Konjunktur“ so gerne verwenden, unterlassen, nämlich zu erklären, was es eigentlich bedeutet:

Konjunktur“ wird etwa in Gablers Wirtschaftslexikon erklärt als mehr oder weniger regelmäßige Schwankungen aller wichtigen ökonomischen Größen wie etwa Produktion, Beschäftigung, Preise, Zinssatz usw., aus denen sich zyklische Schwankungen der gesamtwirtschaftlichen Aktivität (konjunktureller Aufschwung/Abschwung), gemessen beispielsweise durch den Grad der Kapazitätsauslastung, herleiten lassen.

So weit, so gut.

Konjunkturpolitik im weitesten Sinne“ beschreibt laut Gablers Wirtschaftslexikon all jene Maßnahmen der staatlichen Wirtschaftspolitik, die einen hohen Auslastungsgrad der Produktionskapazitäten sowie ein stabiles Preisniveau und eine ausgeglichene Zahlungsbilanz erreichen sollen. „Konjunkturpolitik im engeren Sinne“ umfasst demnach nur diejenigen Maßnahmen der Wirtschaftspolitik, die konjunkturelle Schwankungen der Nachfrage vermindern sollen. Ziel ist dabei eine möglichst stetige Produktionsentwicklung mit geringen Schwankungen im Auslastungsgrad der Produktionskapazitäten.

Konjunkturpolitik zielt folglich – im Unterschied zur Wachstumspolitik – auf die kurz­fristige Verstetigung des Wirtschaftsablaufs ab.

Das heißt also, die Bundesregierung und alle anderen Regierungen, die zusammenge­nommen Konjunkturprogramme im Volumen von mehreren Billionen Dollar aufgelegt haben, betrachten die seit Monaten quer durch alle Branchen festzustellende Schwäche der Wirtschaft als ein kurzfristiges, ein vorübergehendes, ein konjunkturelles Problem. Dies impliziert die Erwartung, dass die Phase der Wirtschaftsschwäche durch – was für die Konjunkturpolitik typisch ist – kurzfristiges Gegensteuern seitens des Staates überwunden werden kann und es setzt voraus, dass die Wirtschaft im Grunde gesund, solide und voll leistungsfähig ist, es also keine grundlegenden, wirtschaftsstrukturell bedingten Probleme gibt, die einer raschen Erholung im Wege stehen könnten.

Im Falle der Automobilindustrie hat die Bundesregierung insbesondere mit dem Konjunk­turprogramm namens „Abwrackprämie“ gegengesteuert. Damit sollte die kurzfristig – nach Auffassung der Regierung bedingt durch die Finanzmarktkrise – eingebrochene Nachfrage nach Automobilen wieder stabilisiert werden. Es wird also erwartet, dass die Kapazitätsauslastung in der Automobilindustrie wieder auf das „normale“ Niveau ansteigt und die Automobilkonjunktur sich nach dieser einmaligen Intervention des Staates nachhaltig erholt.

Es spricht einiges dagegen, dass dieser Fall eintritt und es wurde bereits von vielen Fachleuten darauf hingewiesen. (2) Die Autoindustrie hat nicht erst seit der Finanzmarktkrise Probleme.

Die Probleme der Automobilindustrie

In den zurückliegenden Jahren wurden vielmehr enorme Überkapazitäten aufgebaut. Die Finanzmärkte unterstützten diese Expansion einerseits durch billiges Geld sprich Kredite und Finanzierungen, andererseits über die Börse, die Expansion, steigende Umsätze und Kostensenkungsmaßnahmen mit Kurssteigerungen honorierte. Die Autohersteller selbst haben einen scharfen Preiswettbewerb angezettelt – allen voran die amerikanischen Hersteller. Das bekamen vor allem auch die Zulieferer zu spüren und zwar erstmals zu Beginn der 90er Jahre. Die Hersteller drückten die Zulieferer-Preise enorm, was leicht möglich war, weil viele Zulieferer in hohem Maße von ihnen abhängig sind: Springt ein Hersteller ab, kann dies existenzbedrohend sein.

Um die produzierten Mengen in den Markt drücken zu können, gewährten die Autohersteller immer größere Rabatte auf ihre Fahrzeuge und boten immer günstigere Finanzierungen an – meist über eigene Autobanken. Der Fokus lag auf Absatz- und Umsatzsteigerungen, was aber, angesichts der zur Erreichung dieses Ziels ergriffenen Mittel, die Margen unter Druck setzte.

Vor diesem Hintergrund erscheint es rückblickend logisch, dass die Hersteller immer neue Kostensenkungsprogramme auflegten – die Politik half dabei, etwa indem sie in Deutschland die Möglichkeiten für die Ausweitung von Zeitarbeit erleichterte (Hartz-Reformen). Das bekamen nicht nur die Arbeitnehmer zu spüren, sondern auch und schon früher die Autokäufer. Denn in der Folge des konsequenten Sparkurses hatten besonders die größten Hersteller immer wieder mit Qualitätsproblemen zu kämpfen – was mit ein Grund dafür war, dass viele Privat-Haushalte auf koreanische und japanische Marken umstiegen, weil diese kaum Qualitätsprobleme hatten und als besonders zuverlässig galten.

Eine Rolle spielte dabei aber auch, dass speziell die deutschen Hersteller immer größere und reichhaltiger ausgestattete Autos anboten – ein Versuch, das Preisniveau in den Produktklassen anzuheben.

Die Nachfrageseite

Auf der anderen Seite war auch die Einkommensentwicklung von großer Bedeutung:

So etwa in Deutschland die Tatsache, dass die Netto-Reallöhne der Arbeitnehmer in den Jahren 2004 bis 2008 gesunken sind, obwohl die Unternehmen Gewinnsteigerungen realisierten. (3) Von 2003 bis 2008 hat das Lohnplus der Arbeitnehmer stets unter der Inflationsrate gelegen. Zugleich stieg ihre Belastung durch Steuern und Abgaben auf über 50 Prozent und trotz Aufschwungs ist der Anteil der Löhne und Gehälter am gesamten Volkseinkommen auf ein historisches Tief von 61 Prozent gesunken. (4) Schon im November 2006 teilte das Statistische Bundesamt mit, dass sich die Verbraucher in Deutschland statistisch gesehen Ende 2006 weniger leisten konnten als 1991, weil die Nettoeinkommen der Haushalte seitdem real um 2 Prozent gesunken seien. (5)

Außerdem ist zu berücksichtigen, dass immer mehr Menschen in Deutschland im Niedriglohnsektor arbeiten. Fast jeder Vierte – 22,2 Prozent oder umgerechnet 6,5 Millionen Menschen – verdiente sein Geld 2006 im Niedriglohnsektor. Im Jahr 1995 waren es dagegen erst 15 Prozent, wie das Institut für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen in einer Studie herausfand. (6) Die Reallöhne sanken in diesem Einkommenssegment ebenfalls – zwischen 1995 und 2006 um fast 14 Prozent. (6)

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, warum es für immer größere Bevölkerungsteile in zunehmendem Maße schwieriger geworden ist, ein neues Auto zu erstehen. Hinzu kommt, dass auch die Unterhaltskosten immer mehr ein echtes Hemmnis darstellen.

Das Institut für Automobilwirtschaft in Geislingen fand für die Sachverständigenorganisation Dekra in Stuttgart heraus, dass die Autokosten im vergangenen Jahrzehnt deutlich stärker gestiegen sind als die allgemeinen Verbraucherpreise. Lagen die Verbraucherpreise im Jahr 2007 um knapp 20 Prozent über dem Niveau des Jahres 1995 (jährlicher Anstieg von 1,5 Prozent), so erhöhte sich im gleichen Zeitraum der sogenannte Kraftfahrerpreis-Index um 34,3 Prozent. Zudem geht die Studie davon aus, dass sich der Anteil der Unterhaltskosten fürs Auto am monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von heute 20,4 Prozent auf 22,8 Prozent im Jahr 2015 und 25,0 Prozent im Jahr 2020 erhöhen könnte. (7) Autofahren würde damit wieder zum Luxus.

Allgemeine Charakterisierung der Marktsituation

Kommen wir noch einmal zurück zur Angebotsseite des Automobilmarktes.

Es ist eine gegenwärtig scheinbar wenig beachtete Tatsache, dass es sich beim Automobilmarkt um einen Markt handelt, der seinen Höhepunkt oder anders ausgedrückt die Reifephase seines Lebenszyklus´ überschritten hat:

So gibt es seit Jahren eindeutig Sättigungsanzeichen, der Markt weist eine sehr hohe Unternehmenskonzentration auf (wenige, sehr große Anbieter), es gibt eine stark ausgeprägte und hoch abhängige Zuliefererindustrie; die Produkte sind ausgereift und dasselbe gilt für die Produktion, die hocheffizient ist, alle Hersteller orientieren sich am Prinzip der „best practise“; es gibt auf dem Markt bei den verwendeten Technologien ein klares, dominantes Design; die Produkte sind sich innerhalb der einzelnen Produktklassen zudem immer ähnlicher, also homogener geworden – technisch, von den Komponenten her, aber auch bezüglich des Fahrzeugdesigns; auch über die Produktklassen und über Hersteller hinweg werden vielfach dieselben Module verbaut; die Markttransparenz ist infolgedessen sehr hoch und der Preis- und Kostenwettbewerb intensiv; es gibt zwar zahlreiche, überwiegend geringfügige Produktverbesserungen, durchgreifende, den Markt umwälzende Innovationen oder gar echte neue Produkte sind dagegen nicht mehr vorgekommen.

Das alles sind Kennzeichen, die für einen Markt typisch sind, der die Reifephase seines Lebenszyklus durchschritten hat und in die Stagnationsphase eingetreten ist. Schrumpft das Marktvolumen auf einem solchen Markt, bedeutet dies zwangsläufig einen erhöhten Kostendruck für die Anbieter, den sie mit weiteren Kostensenkungen, vor allem aber auch mit Beschäftigungsabbau entgegenzuwirken versuchen werden. Zudem gibt es starke Preisauftriebstendenzen und es hängt von der konkreten Wettbewerbssituation ab, inwieweit Preissteigerungen tatsächlich durchgesetzt werden können.

Fazit

Mit anderen Worten ist die Krise des Automobilmarktes alles andere als konjunktureller Art. Es handelt sich um eine gravierende, strukturelle Krise der Branche, die sich mithilfe von Konjunkturprogrammen, wie etwa der Abwrackprämie, nicht beheben lässt. Die Abwrackprämie hat die bestehenden Probleme nur für eine kurze Zeitspanne übertüncht. Einigen Autoherstellern (Kleinwagen) hat sie kurzfristig geholfen, anderen nicht (Premium-Hersteller) und dem Gebrauchtwagenmarkt, den Leasing-Firmen sowie den Werkstätten hat sie geschadet.(8) Auch andere Branchen, etwa der Einzelhandel, sind negativ betroffen, weil durch die Prämie Geld, das für andere Ausgaben in Frage gekommen wäre, in den Automobilsektor gelenkt wurde. Was noch an potenzieller Automobilnachfrage vorhanden war, ist jetzt abgeschöpft worden. Stimmen, die deswegen vor einer drastischen Verschärfung der Automobilmarktkrise warnen, sind sehr ernst zu nehmen.

Jahrelang wurde die Automobilindustrie industriepolitisch gefördert, um international wettbewerbsfähig zu sein. Jahrelang hat die Industriepolitik die Autohersteller in ihren Kostensenkungsbemühungen unterstützt. Jetzt ist der Sektor trotzdem oder besser gesagt gerade auch deswegen zum Problemfall geworden.

Die Abwrackprämie ist Industriepolitik, keine Konjunkturpolitik. Sie ist ein Beispiel dafür, wie Industriepolitik in der Krise besser nicht aussehen sollte, denn sie trägt dazu bei, dass die Marktteilnehmer notwendige Strukturanpassungen und innovativen Wandel unterlassen. Diese Form der Industriepolitik ist im Unterschied zu jener vor der Krise nunmehr allerdings strukturkonservierend und damit als „erhaltungspolitische“ Variante der Wirtschaftsstrukturpolitik zu kennzeichnen.

Besonders bedenklich ist dieser wirtschafts- und industriepolitische Krisenkurs – den keineswegs nur die Bundesregierung fährt -, wenn man bedenkt, dass er gegenwärtig eben nicht nur auf den Automobilmarkt Anwendung findet und die Marktsituation auf einigen anderen wichtigen, von der Krise stark betroffenen Märkten der hier für den Automobilmarkt beschriebenen sehr ähnlich ist: Es ist kein Zufall, dass speziell große Unternehmen von der Krise besonders hart getroffen wurden.(9) Es ist vielmehr ein Zeichen dafür, dass die Weltwirtschaftskrise wirtschaftsstrukturell bedingt ist.

Es dürfte Politikern bald schmerzlich bewusst werden, dass der Automobilmarkt und Märkte mit ähnlichen strukturellen Problemen, das heißt speziell globale Volumenmärkte, nicht nur vorübergehend mit deutlich geringerem Absatz leben, sondern sich dauerhaft darauf einstellen müssen.(10) Sollte sich die Krise nach der vorübergehenden Abschwächung erneut verschärfen, könnte das Absatz- und Umsatzminus, an das es sich anzupassen gilt, beträchtlich sein. Es ist damit zu rechnen, dass dieser Fall eintritt. Staaten, deren Volkwirtschaft in hohem Maße von Sektoren abhängig ist, die die be­schriebenen Kennzeichen aufweisen, wird dies stärker treffen als andere.

 

Dass die Automobilmarktkrise wieder zurückkehren würde, war also – Euro-Krise hin oder her – absehbar. Spannend ist, welche Antworten diesmal darauf gegeben werden. Sind es wieder dieselben? Das wäre fatal. Bleibt zu hoffen, dass sich die Betroffenen nicht alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen lassen.

Wer deswegen noch ein wenig tiefer bohren möchte, der wird vielleicht die folgenden Aufsätze hilfreich finden:

Kapitalismus in der Krise: Abschied von der freien Marktwirtschaft – Abschied vom Wettbewerb?

In der Wachstumsfalle – Griechenland & Co. (Teil 1): Wachstum und Entwicklung

In der Wachstumsfalle – Griechenland & Co. (Teil 2): Das Wachstumsmodell und die Krise

In der Wachstumsfalle – Griechenland & Co. (Teil 3): Lösungsperspektiven jenseits der Wachstumslogik

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

Print article

63 KommentareKommentieren

  • Huthmann - 14. Dezember 2012

    Vielen Dank Herr Eichner für den Artikel und die Hinweise,

    nach Lektüre und Reflexion gibt es sicher wieder einiges zu diskutieren. Eine große Bereicherung in diesem Blog.

    MfG

  • Roland - 14. Dezember 2012

    Wir stehen am Begin einer Zeitenwende:

    Ohne wirtschaftliche Rahmenplanung, die gesellschaftliche Ziele definiert und Produktion, Konsum, Arbeitszeit und Vermögensverteilung im Groben lenkt, geht es eben nicht mehr.

    Es wird allerdings noch dauern, bis sich eine solche Erkenntnis durchsetzen wird.
    Der Leidensdruck ist noch nicht groß genug.

    • Dietmar - 14. Dezember 2012

      Haben wir doch bereits schon verwirklicht und das ist auch das Problem.

  • fidel - 14. Dezember 2012

    Dank der Industrieförderung der Politk profitierten die dt. Premiumhersteller besonders vom Euro.
    Der VW Caddy aus Polen kostet ebensoviel wie der Fiat Doblo aus Italien, der Kunde kauft die vermeintlich dt. Qualität.

    Leider sieht jedes Land in der heimischen Autoindustrie eine “Fabrik von nationaler Bedeutung”. Die hocheffizienten Produktionsverfahren erbrachten keine Preissenkungen für den Endkunden, wie z.B, bei PC oder handy, sondern zu Premiumfabriken mit angeschlossenen Subventionsgewerbeparken (Güterverteilzentren).

    Es wird AUCH für die Premiumhersteller sehr hart, die eigenen Strukturen an die neue Wirklichkeit zu gewöhnen. Die Herren in den Honigburgen ahnen nicht im Traum, was auf sie zukommt.

    1980 genügten 9 Monatseinkommen f. ein Auto, heute sind es 16 Monate. Quelle FAZ:
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/laenger-sparen-fuer-den-wagen-teure-autos-11941626.html

    Wo sollen die “verwöhnten” Autowerker nur arbeiten, wenn diese Blase geplatzt ist?

    • Ert - 14. Dezember 2012

      “Es wird AUCH für die Premiumhersteller sehr hart, die eigenen Strukturen an die neue Wirklichkeit zu gewöhnen. Die Herren in den Honigburgen ahnen nicht im Traum, was auf sie zukommt.”

      Diese Aussage wage ich zu bezweifeln: Winterkorn: „2013 wird auch für Volkswagen hart”, Quelle: http://www.haz.de/Nachrichten/Wirtschaft/Deutschland-Welt/Winterkorn-2013-wird-auch-fuer-Volkswagen-hart

      Solange die Musik spielt läuft das Spiel. Da halbwegs gesteuert umzulenken ist grandios schwierig. Denn was bringen die Produkte die eigentlich sinnvoll und nachhaltiger sind – wenn der Kunde diese aktuell nicht kaufen mag, weil noch alles zu rund läuft?

      • SLE - 14. Dezember 2012

        VW ist ja kein Premium-, sondern (im Wesentlichen) ein Volumenhersteller. Die Premium-Hersteller sind anders als die Volumenhersteller weniger von der schwindenden Kaufkraft der Privaten infolge der Austeritätspolitik betroffen, sondern bedingt dadurch, dass sie in etwa so sehr von Firmenkunden abhängig sind wie das BIP der USA vom Konsum der Amerikaner (60-70 Prozent), von der Wirtschaftslage. Die verdüstert sich jetzt mehr und mehr – weltweit.

        Grüße
        SLE

        • Ert - 14. Dezember 2012

          Hallo SLE,

          ich sehe die Marke Volkswagen als Volumenhersteller im oberen Segment. Die Luxusmarken (Bugatti, Lamborghini und auch Porsche) sind natürlich gegenüber dem Rest vom Umsatz und Volumen her nicht riesig – profitieren aber von der Technologie die im VW Konzern verfügbar ist. Insb. Audi aber trägt als Premiumhersteller/Marke im oberen Segment sicher einiges zum Konzernergebnis bei.

          Wenn es aber dazu kommen sollte, das die Kernmarke Volkswagen Probleme bekommt, dann…. kann man nur hoffen das die internationale Aufstellung das kompensiert – wie es sicher aktuell schon zu teilen der Fall sein wird.

          Sollte es abrupt abwärts gehen, dann sieht es anders aus – aber dagegen ist kein Konzern dieser Größe gewappnet, egal in welcher Branche.

          Spannende Zeiten….

        • JH - 15. Dezember 2012

          Die Unterscheidung “Premiumhersteller” und “Volumenhersteller” ist zu undifferenziert. Der Begriff “Premiumhersteller” wurde von den Marketingstrategen der entsprechenden Finalhersteller ins Leben gerufen bzw. verstärkt, um von vornherein eine Art “Höherwertigkeit des jeweiligen Produktes” zu suggerieren, die natürlich Marketing-Blödsinn ist. Auch wenn hier die volkswirtschaftliche Betrachtung dominiert, ist es im Sinne der Erkenntnis und Lösungsfindung nicht sinnvoll jegliche einzelwirtschaftlichen Zusammenhänge unbeachtet zu lassen.

          • SLE - 16. Dezember 2012

            Das stimmt. Die Unterscheidung ist grob. Ganz falsch ist sie aber nicht und soweit ich es verstanden habe, hat die Begriffspaarung durchaus etwas mit dem Preissegment bzw. der Zielgruppe (und deren Größe) zu tun, indem sich entsprechende Autohersteller bewegen bzw. auf die sie abzielen. Insofern hat die Unterscheidung auch eine Orientierungswert, was nicht ausschließt, dass sie missräuchlich angewendet wird – so wie viele andere, gerade populäre Schlagworte auch.

            Viele Grüße
            SLE

      • fidel - 15. Dezember 2012

        Ert, ich lebe in AUDI-Stadt. In den Fabriken ist ALLES “Premium”, bis zu Unterseite der Abflußdeckel. Ich schätze die Gewinnspanne >50%.
        Da verlernt jeder harte Kalkulation IM eigenen Betrieb.
        Kein heute aktiver Automanager hat eine brutale Rezession erlebt, mit Untergangsgefahr. Woher sollen die ihre Weisheit nehmen?

        Das BBM-Modell, siehe unten, bedeutet noch mehr Staat, Etatismus und Staatswirtschaft. Wer sich vor dem Charakter der Menschen fürchtet, darf nicht noch mehr Macht in die Hand weniger Menschen geben….

  • Bubblegum - 14. Dezember 2012

    @SLE

    “Die Abwrackprämie ist Industriepolitik, keine Konjunkturpolitik. Sie ist ein Beispiel dafür, wie Industriepolitik in der Krise besser nicht aussehen sollte, denn sie trägt dazu bei, dass die Marktteilnehmer notwendige Strukturanpassungen und innovativen Wandel unterlassen. Diese Form der Industriepolitik ist im Unterschied zu jener vor der Krise nunmehr allerdings strukturkonservierend und damit als „erhaltungspolitische“ Variante der Wirtschaftsstrukturpolitik zu kennzeichnen.”

    Normalweiser stimme ich Ihren Argumenten zu! Diesmal jedoch regt sich erheblicher Widerspruch. Aus den fogenden Gründen:

    1. Wie sich nachträglich gezeigt hat, betrug der Wert der wegen der Abgasprämie gekauften
    Neuwagen im Durchschnitt mehr als 10.000 €. Das heißt bei jedem Verkauf erzielte der Staat
    mehr als 1596 €! Umsatzsteuereinnahmen d.h. mehr als 60% der Abwrackprämie war durch
    diese Mehreinnahmen finanziert!
    Von den Multiplikatoreffekten, sowie den vermiedenen Einnahmeausfällen für die SV und die
    nicht notwendig gewordenen Belastungen für die ALV, die Kommunen im Ruhrgebiet etc.
    rede ich erst gar nicht. In meinen Augen war die Abwrackprämie eine der wenigen guten
    Entscheidungen von Scwarz-Rot

    2. Der zweite Punkt ist der Grundsatz, von dem ich hier schon öfter gesprochen habe:
    Das industrielle Gedächtnis einer Nation muß, wenn nur irgendmöglich erhalten werden
    und im Land verbleiben. Arbeitslose verlieren das, was sie einst an Wissen und Fertigkeiten
    besaßen! Ich halte es für ein absolutes Versagen und einen beispiellosen Skandal der
    aktuellen Regierung, dass beispielsweise die Patentbibliothek von Solon für lächerliche 3
    Mio Euro nach Asien verkauft worden ist.
    GM hat die Ideen Patente für den Insignia und den Ampera abgegriffen und nun kann der
    Laden an die Wand gefahren werden. Der Schönredner und Dissertationsabschreiber Herr
    von und zu Gu… hat das bis zum letzten Tag seiner Amtszeit als Azubi Wirtschaftsminister
    nicht begriffen! Damals bestand die Chance Opel aus den Klauen von GM zu befreien! Er hat
    dabei kläglich versagt Auch der jetzige Wirtschaftsminister, Mediziner seines Zeichens, wird
    es nie begreifen, dass Patente, Wissen und Fertigkeiten der Menschen der entscheidende
    Schatz einer Nation sind. Sie quälen unser Land lieber mit ihrem marktradikalen
    Dummgeschwätz!
    Dabei ist die Geschichte unseres Landes das klassische Beispiel: ” Auferstanden aus
    Ruinen… wir es in dem R.Becher Lied heißt!
    Das war nur möglich, weil das industrielle Gedächtnis unserer Nation intakt war! Selbst die
    SED – Funktionäre und die massiven russischen Demontagen nach dem WK II konnten nicht
    verhindern, dass die DDR zu 10 größten Industrie-Nation aufstieg!

    Und für alle die, die Folgewirkungen solcher Fehlentscheidungen nicht wahr haben wollen:

    Vor noch nicht einmal 6 Jahren wurde Deutschlands letzte Kokerei in Duisburg fein
    säuberlich in Einzelteile zerlegt nach China abtransportiert!
    Nicht einmal 1,5 später quäkten die Bosse der Deutschen Stahindustrie:
    ” Wir können auf dem Weltmarkt nicht genügend qualitativ hochwertigen Koks beschaffen!”

    Dasselbe wird jetzt dann auch passieren, wenn 2018 der Steinkohlebergbau endgültig eingestellt wird und die Schächte mehr oder weniger intensiv absaufen!
    Was geht verloren:
    Berg- einschließlich Sicherheitstechnik, die Möglichkeit z. B. das gesamte Ruhrgebiet mit billig
    förderbarer Erdwärme zu versorgen, hochwertigster Kohlenstoff für die verschiedensten
    chemischen Prozesse und… und ..und.
    Viele Grüße
    Bubblegum

    • SLE - 14. Dezember 2012

      Hallo Bubblegum,

      ich denke nicht, dass die Abwrackprämie die richtige Maßnahme war. Sie hat ja vor allem auch einen sehr starken Lenkungseffekt gehabt – das Geld wurde für Autos ausgegeben, stand dafür aber für andere Anschaffungen nicht mehr zur Verfügung -, es hat dem Bereich der Werkstätten Einbußen beschert und es hat, wie im Text erwähnt, die Automobilhersteller davon abgehalten, notwendige Anpassungen durchzuführen – deswegen stehen sie jetzt wieder vor Schwierigkeiten. Ich wage mal zu prognostizieren, dass wir bald wieder über Rettungsmaßnahmen reden.

      Erhaltungspolitik bezieht sich nicht auf Wissen, Erfahrungen und Fertigkeiten, sondern auf die Bereitschaft der Firmen, dieses zur Weiterentwicklung, Modernisierung und Anpassung einzusetzen. Bedenken Sie bitte nur einmal, welchen strategischen Stellenwert erfahrene und qualifizierte Fachkräfte heute tatsächlich in oligopolistisch strukturierten, ausgereiften Branchen in Deutschland haben! Der Kentnisse und Fähigkeiten werden größtenteils gar nicht ausgeschöpft und auch der Trend, sie zu möglichst geringen Löhnen einzusetzen, zeugt nicht davon, dass deren fachliche und innovative Leistung wirklich etwas zählt. Das Outsourcing und die Verlagerung an Standorte mit niedrigen Lohnkosten auch nicht.

      Daran hat die Abwrackprämie überhaupt nichts geändert, sondern sie hat dieses srukturkonservative Verhalten im Gegenteil gestützt. Es wäre etwas anderes gewesen, wenn speziell innovative Kfz, z.B. mit alternativen, umweltschonenden Antrieben oder neue gefördert worden wären. Es hätten dann vor allem auch neue, innovative kleine Autohersteller gefördert werden können, von denen es ja durchaus einige gibt. Es ging aber und geht immer noch nur um die finanzielle Stützung der Konzerne und um die Sicherung ihrer Marktanteile. Das nenne ich wettbewerbsschädliches Intervenieren.

      Viele Grüße
      SLE

      • Ert - 14. Dezember 2012

        “Es hätten dann vor allem auch neue, innovative kleine Autohersteller gefördert werden können, von denen es ja durchaus einige gibt.”

        Ich denke der Drops ist gelutscht – dafür ist das ganze Autobauen zu Kapitalintensiv – insb. wenn man keine Massenstückzahlen hat.

        Alternative Antriebe hört sich schön an – aber woher sollen die bitte kommen? E-Traktion krankt an der Batterietechnik, die aktuell noch viel zu teuer und unzuverlässig ist (man denke nur an die Pleite von A123 vor kurzem). Weniger Verbrauch? Ja – dann müssen die Fahrzeuge leichter und kleiner, nicht aber unbedingt billiger werden – das will aber der Durchschnittskunde nicht! Der will für alle gewappnet sein, inkl. Familie, IKEA, Großeinkauf und Träumereien…..

  • Andres Müller - 14. Dezember 2012

    Herr Eichner, das ist eine gute Beschreibung der gegenwärtigen Lage. Was sich über die Automobilindustrie sagen lässt, kann man zum grossen Teil auch auf andere Gewerbe übertragen. Ich vermute dass sich die geringeren Möglichkeiten der Haushalte auch anderweitig auf die Innovationsfähigkeit auswirkt. Die gesamte westlichen Industrieproduktion steckt in einer tiefen strukturellen Krise.
    Höchst interessant dabei ist der Umstand, dass die politisch unregulierte Innovation bei Rationalisierung,Automatisierung, Auslagerung – dem Westen schweren Schaden zugefügt hat. Die Politiker haben nicht erkannt, dass der Bevölkerung die Vorteile dieser drei Innovationen zum grossen Teil enzogen wurde. Zwar konnte man eine gewisse Zeit lang durch Billigprodukte aus Asien diesen Nachteil kompensieren, doch damit ist nun Schluss. Im gleichen Ausmass wie etwa in China die Löhne steigen, werden sie nun hier im Westen fallen.

    • SLE - 14. Dezember 2012

      Sie haben Recht. Es gibt eine schöne aktuelle Analyse von Reuters, die darlegt, wie überall im südost-asiatischen Raum – nicht nur in China – die Mindestlöhne angehoben werden. Die Kostenvorteile, derentwegen so viele Konzerne samt Zulieferer dorthin gezogen sind, schwinden aktuell rapide. Das wird ganz besonders auch die Autohersteller zusätzlich unter Druck bringen.

      Hier der Link:

      http://www.reuters.com/article/2012/12/07/us-asia-wages-idUSBRE8B60A920121207

      Die Reallöhne der großen Masse sind im Übrigen in Deutschland wie z.B. auch in den USA in den letzten 20 Jahren nicht gestiegen, sondern stagnierten allenfalls. Mit der epidemischen Ausbreitung der Austeritätspolitik hat sich das Problem ins Negative verkehrt. Schwindende Kaufkraft und Unsicherheit über die wirtschaftliche Zukunft – das ist es, was den Absatz einbrechen lässt.

      Grüße
      SLE

      • Andres Müller - 14. Dezember 2012

        Ihrer Antwort stimme ich zu. Da gibt es seit einigen Jahrzehnten im Westen praktisch nur noch sozialen Abbau in der breiten Bevölkerungsschicht, umgekehrt hat sich eine Art Sozialstaat für Reiche herausgebildet (so genannter Zitronenszialismus). Eine Weile lang konnte der zunehmende Reichtum der oberen Einkommenspyramide den Zerfall des Pyramidenrumpfes egalisieren, bis es auch in der Mittelschicht zu erodieren begann.

        Der Übergang konnte gut festgehalten werden, Boomphase bei Luxusgütern, ebenso wurden Konzerne mit Billigstprodukten wie IKEA reichlich für den Sozialabbau belohnt. Nun geht das aber alles nicht mehr auf, weil die Schulden unten auch Theoretisch nicht mehr abgebaut werden können und nun ist eben auch die Mittelschicht vermehrt betroffen.

        Die Aufgabe wäre es nun die Pyramide wieder zu normalisieren, doch hierzu ist die Politik nicht fähig, weil die allumfassende libertäre Philosophie der letzten Jahrzehnte aufgegeben werden müsste. Der Bevölkerung müsste mitgeteilt werden dass sich die Politik grundsätzlich in eine Sackgasse begeben hat. Dazu ist nicht einmal die SPD mehr fähig, eine Partei die aus meiner Sicht die eigene Wählerschaft an die Spekulation verkauft hat. Neben dem Bankrott der Wirtschaftspolitik scheint auch die Demokratie strukturelle Zerfallserscheinungen zu zeigen.

        • SLE - 14. Dezember 2012

          Ich fürchte, genau so ist es und die für die Bürger besonders sichtbaren Politiker sind heute Karrieristen mit einem ausgeprägten Ego. Politik ist für die keine Berufung mehr, sondern ein Beruf. Und dieser Beruf hat nicht ohne Grund Schauspieler angezogen und besonders erfolgreich gemacht. Die Realität ist eine Bühne, auf der nicht die Ergebnisse zählen, sondern wie man seine Rolle als erfolgreicher Politiker spielt. Der Bezugspunkt und Maßstab sind nicht die Bürger, sondern die Mikrofone und Kameras der Medien. Fehler zuzugeben, steht nicht im Drehbuch.

          Viele Grüße
          SLE

          • Andres Müller - 15. Dezember 2012

            Herr Eicher, somit sind wir uns vermutlich einig -die Politik wird weiter wursteln wie bisher. Daraus wiederum folgere ich die nächste Stufe des leichtsinnigen Umgangs mit Geld. In den USA hat dies der abtretende Finanzminister Geithner bereits angedeutet, es geht um die Versuchung die Höhe von Staatsschulden zu einer irrelevanten Grösse zu erklären. Kongress, Präsident und Senat werden sich dann nicht mehr streiten müssen. daraufhin wird man das gleiche auch in Europa versuchen -und ziemlich plump in die Falle laufen. Die Freigabe von Staatsschulden in beliebige Höhen ist nämlich nur mit Hilfe einer militärischen Supermacht möglich, das wusste bereits Julius Cäsar,.

            Also Frankreichs Legionäre und Englands abgetakelte Falklandinsel -Seemacht wird dazu nicht ausreichen um den Euro zu einer völlig virtuellen Währung zu erklären und glaubhaft zu machen dass Target-2 lediglich eine Buchhaltung sei die man getrost als virtuelle Grösse unter den Teppich kehren könne. Zu einer Verteidigung Europas wird es wohl auch nicht kommen, denn Europa wird unter altbekannter Last zerrissen, der Streit zwischen den Nationen wird zurück kehren. Da wir ja, wie Sie sagen, auch nur noch Schauspieler auf der politischen Bühne haben, wird dies wohl groteske Formen annehmen. Wie es dann weiter geht -keine Ahnung.

  • Bubblegum - 14. Dezember 2012

    @SLE

    “ich denke nicht, dass die Abwrackprämie die richtige Maßnahme war. Sie hat ja vor allem auch einen sehr starken Lenkungseffekt gehabt – das Geld wurde für Autos ausgegeben, stand dafür aber für andere Anschaffungen nicht mehr zur Verfügung -, es hat dem Bereich der Werkstätten Einbußen beschert und es hat, wie im Text erwähnt, die Automobilhersteller davon abgehalten, notwendige Anpassungen durchzuführen”

    Ich vermute mal, das Geld wäre im Rahmen des Angst induzierten Sparens gar nicht ausgege-
    ben und damit nachfragewirksam geworden Wofür hätte es denn auch in einer konsum-übersättigten Nation wie Deutschland ausgegeben werden sollen?
    Von welchen Anpassungsprozessen sprechen wir denn überhaupt. Die Fertigungsprozesse
    in deutschen Werken sind bereits derart optimiert, dass sich kaum noch bedeutende Einsparungseffekte und damit Wettbewerbsvorteile erzielen lassen. In den Topzeiten hatte Opel Bochum 20.000 Mitarbeiter heute sind es knapp 3000! Also weniger als 16% von früher!
    Insofern war die Abwrackprämie in Verbindung mit der Kurzarbeiterregelung und dem Abbau
    der Arbeitszeitkonten als kurzfristige Steuerungsmaßnahme richtig. Diese konnte aber
    nur deswegen erfolgreich wirken, weil den Autobauern letztlich der asiatische Markt allen voran
    China den finanziellen A… gerettet hat. Und die wollen nun mal die Spritfresser mit allerlei
    technischem Schnickschnack aber keine umweltoptimierten Automobile! War heute in HB
    online eine Rangliste über Fahrzeuge mit den geringsten Zulassungszahlen in Deutschland. Darunter auch der legendäre Fox von VW, mit einem angeblichen Verbrauch von 1,0 L/100 km.
    Wir machen jetzt seit Anfang der 70ger in Sachen Umweltschutz herum, aber ein Umdenken der Automobilkunden scheint nicht stattgefunden zu haben.
    Und so lange die Reallohnentwicklung wie von meinen Vorkommentatoren bereits angesprochen so miserabel bleibt, wird sich daran auch nichts ändern, im Gegenteil:
    Wie bereits Spanien zeigt, wo jedes zweite Fahrzeug älter als 10 Jahre ist,
    wird die Entwicklung auch in diese Richtung gehen, dass die Menschen ihre alten Gurken so
    lange fahren, wie es TÜV und Dekra irgendwie zulassen. Es ist ja kein Zufall, dass die EU-
    Kommission für ältere Fahrzeuge eine jährliche HU einführen will!
    Viele Grüße
    Bubblegum

  • Traumschau - 14. Dezember 2012

    Super Kommentar!
    Ich glaube ich habe vor einiger Zeit in einem Ihrer Beiträge gelesen, dass das Grundproblem die Größe der Strukturen ist. Diese sind träge, hoch subventioniert und außerdem noch mächtig genug, um neue und zukunftsfähige Entwicklungen zu verhindern. Im Grunde ist doch der “Markt” außer Kraft gesetzt. Ob es zu große Banken oder zu große Konzerne im Allgemeinen sind ist dabei völlig Wurscht. Hauptsache groß und viele Arbeitsplätze. Schlecker war eben nicht groß genug. Die Steinkohle-Lobby war so groß, dass man diese mit gigantischen Summen über Jahrzente beatmet hat, obwohl diese schon lange nicht mehr wettbewerbsfähig war.
    Viellicht ist es eine Lösung, zu kleineren Strukturen zurückzukehren? Ich denke z.B. an ein Gesetz, dass Betriebe nur eine noch zu bestimmende maximale Größe haben dürfen. Das kann sich am Umsatz oder BIlanzsumme orientieren (Banken) oder an der Anzahl der Arbeitsplätze, etc. Das ist zwar im Grunde eine Form von Planwirtschaft – aber im Ernst: Kann das wirklich schlimmer sein als das was wir jetzt haben? Wie kann man es erreichen, dass der Staat nicht mehr erpressbar ist ( über Spenden an Parteien muss man allerdings auch noch dringend reden)?
    Herzliche Grüße
    Traumschau

    • Ert - 14. Dezember 2012

      ” Ich denke z.B. an ein Gesetz, dass Betriebe nur eine noch zu bestimmende maximale Größe haben dürfen.”

      Sorry, aber so funktioniert das leider nicht. Die Welt ist international – und ohne eine bestimmte Größe gibts keine Skaleneffekte in der Produktion bzw. bei Gleichteilen. Dann können die DE Unternehmen in vielen Bereichen nicht mehr konkurrieren und dann sind die Arbeitsplätze nachhaltig weg.

      Was klappen könnte ist das hier: http://www.bandbreitenmodell.de/

      • Traumschau - 14. Dezember 2012

        Ich halte das Konkurrenzprinzip für ein überholtes Konzept. Ich bin der Meinung, dass nur in einem international kooperativen Wirtschaftssystem die Zukunft liegt. Letztlich kommen wir doch nicht darum herum, die armen Menschen auf der Welt zu ernähren – es sei denn wir möchten, dass die alle zu uns kommen! Warum konkurrieren und dann viel Geld für Entwicklungshilfe ausgeben (nur ein Aspekt)? Das könnten wir doch billiger und einfacher haben. Warum soll es nicht möglich sein, zunächst einmal die Grundbedürfnisse ALLER Menschen zu decken, bevor wir uns das dritte Auto für den Sonntagsausflug in die Garage stellen? Warum den Fortschritt der Pharmazeutik nicht dazu nutzen, die schlimmsten Krankheiten in z.B. Afrika zu heilen und einfach mal die Dividenden der Anteilseigner zu vergessen?
        Wir können das Problem mit Bordmitteln vielleicht national lösen, aber die grössten Probleme sind global. Wir brauchen eine komplett neue Wirtschafts- und FInanzordnung oder die Menschheit wird sich in einem Krieg selbst zerstören. Davon bin ich zutiefst überzeugt – es ist m.E. nur logisch!

      • SLE - 14. Dezember 2012

        Hallo Ert,

        es ist gut möglich, dass diese internationale (Wirtschafts-)Welt, so wie wir sie kennen, gar nicht mehr funktioniert und deswegen das hohe Niveau, an das wir uns gewöhnt haben, in vielerlei Hinsicht nicht mehr zu halten sein wird.

        Viele Grüße
        SLE

        • Ert - 15. Dezember 2012

          Hallo SLE,

          ich gehe auch davon aus, das wird das nicht halten können – dennoch glaube ich auch nicht an eine freiwillige Aufgabe – selbst wenn es jetzt noch einigermaßen möglich wäre das alles einigermaßen kontrolliert zu steuern.

          Solange die Musik spielt wird eben…..

  • JL - 14. Dezember 2012

    Sehr geehrter Stefan L. Eichner

    Die Regierungen in 2008/ 2009 hatten sich eigentlich wie Banken verhalten.

    Während aber Banken den Kunden zu Käufen verleiten um Gewinne zu erwirtschaften (Zinsen), animieren Regierungen den Bürger zu vorgezogenen Anschaffungen um die eigenen Unkosten zu minimieren (Arbeitslosengeld u. s. w.). Der Effekt bleibt aber der gleiche, ob nun Kunde oder Bürger- man verschuldet sich.

    Dies ist natürlich wenig nachhaltig, auch vor dem Hintergrund sinkender Realeinkommen, wie Sie dies zu Recht schon 2009 anführten.

    Was Sie aber 2009 natürlich nicht wissen konnten sind die zwischenzeitlich eingeführten Austeritätsmaßnahmen in den südlichen Ländern Europas. Dort werden wohl „sehr erfolgreich“ gegenwärtig die nationalen Ökonomien geschliffen wie früher mittelalterliche Festungen auch.
    Es war also nur eine Frage der Zeit bis es zu einem erneuten Absturz kommen muß.

    Tatsache ist man schaffte sich Zeit- anstatt mit der Zeit Tatsachen zu schaffen.

    Das gilt aber leider nicht nur für Bochum und die Automobilindustrie.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • Ert - 14. Dezember 2012

    “Wir können das Problem mit Bordmitteln vielleicht national lösen, aber die grössten Probleme sind global.”

    Ich bin pragmatischer Realist und sehe Ich sehe auf globaler Ebene aktuell keinen möglichen Konsens – weil der u.a. bedeutet das sich gerade Europa/USA massivst einschränken müssten.

    Ja selbst innerhalb von Europa ist ja kein Konsens möglich.

    Die einzige Möglichkeit die ich sehe – das es gute nationale Beispiele gibt, die dann international zu einem umdenken und umsteuern führen könnten. Aber selbst wenn es das geben sollte – ich bin mir sicher das nicht darüber berichtet werden würde, oder die Berichterstattung verkehrt werden würde.

    Es ist wie Chomsky sagt: “Die Gefahr des guten Beispiels”.

    • Traumschau - 14. Dezember 2012

      Ich stimme Ihnen im Prinzip zu! Nur, es wird einen Zeitpunkt geben, wo sich jeder entscheiden muss: auf´s Schlachtfeld oder auf´s Feld? Bis dahin wird noch viel Leid geschehen, das ist klar. Es geht aber “irgendwann” nicht mehr nur um “mehr oder weniger Leid” – es geht schlicht um die Existenz der Menschheit. Sie kennen die Propaganda in den Medien, die m.E. nur ein Ziel hat, nämlich eine Eskalation voran zu treiben, Beispiel Naher Osten, Bombenanschlag in Bonn (natürlich von islamischen Fundamentalisten – was sonst?), etc.
      Ich bin sehr gespannt wie das ausgeht. Nur werde ich das wohl kaum vor dem Fernseher anschauen können, wenn ich mit einem Sturmgewehr in der Hand für das Recht auf Leben für mein Kind kämpfen muss. Wir alle müssen uns entscheiden – und das bald!
      Seit dem Ausbruch der Finanzkrise – die gemacht ist – dreht sich eine Spirale abwärts, und zwar immer schneller. Die Medien behaupten etwas anderes, aber wir kennen die Fakten.
      Wir müssen lernen größer zu denken, in größeren Zusammenhängen!

      • Ert - 14. Dezember 2012

        “Wir müssen lernen größer zu denken, in größeren Zusammenhängen!”

        Das ist leider für mich immer schwieriger – ich sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.

        Unwissenheit oder Absicht? Und wenn Absicht mit welcher? Und wen welche – dann stellt sich die Frage wer steckt dahinter? Und wenn der dahinter steckt – dann die Frage wie viele einzelne Partikular- oder Gruppeninteressen gibt es überhaupt?

        • SLE - 16. Dezember 2012

          Sie haben Recht, die Situation ist erheblich unübersichtlicher geworden.

          Das liegt vor allem auch daran, dass die Entwicklung seiten Monaten sehr viel stärker von politischen Aspekten geprägt ist, als von ökonomischen. Ökonomisch-rational betrachtet könnten einige Dinge eigentlich gar nicht mehr länger funktionieren. Dass sie es doch immer noch tun, jedenfalls scheinbar, sorgt zunehmend für Irritation.

          Denkt man jedoch beispielsweise an die Finanzmarktakteure, so ist es nicht relevant, ob es Zombie-Banken oder -Volkswirtschaften sind, die da “laufen”, so lange sie laufen. Es ist so, wie hier schon in mehreren Kommentaren angesprochen, dass halt getanzt wird, so lange die Musik spielt, aber niemand weiß, wann und vor allen Dingen warum sie stoppen könnte. Das ist ein Flug in sich verdichtendem Nebel.

          Grüße
          SLE

  • JL - 14. Dezember 2012

    Hallo Ert, Hallo Traumschau,

    Sie können natürlich machen was sie wollen, nur eines bleibt- der Zinseszins.

    Währe die Krise lösbar, währe sie schon gelöst- ist sie aber nicht. Da können Politiker, staatliche statistische Erhebungen, aber auch Wirtschaftsforscher die “Großwetterlage” noch so schön reden und alle begeistern, Mathematik interessiert dies alles nicht.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

    • Traumschau - 14. Dezember 2012

      Hallo Jl,
      genau das habe ich ja geschrieben: Wir brauchen eine neue Wirtschafts- und Finanzordnung!

    • Ert - 14. Dezember 2012

      Es ist nicht der Zinseszins!

      Es ist wie unser Geldsystem überhaupt strukturiert ist – wie Geld über Kredit entsteht und wie dies dann zum Wirtschaften zwingt, etc. pp. Zusammengefasst in einem Wort: Debitismus [1].

      Ich halte es in diesem Fall mit Michael C. Ruppert: “Until you change the way money works, you change nothing.”.

      [1] http://www.dasgelbeforum.net/sammlung/Martin,%20Paul%20C.,%20Der%20Kapitalismus%20-%20Teil%201.pdf

      • Traumschau - 15. Dezember 2012

        Ich bin da anderer Meinung. Der m.E. nach entscheidende Punkt ist, dass die mit der Kreditvergabe verbundenen Zinskosten bei eben dieser Kreditvergabe nicht mit erzeugt werden.
        Sie fehlen schlicht im System. Und nur aus diesem Grund müssen die Verschuldung auf der einen und damit die Guthaben auf der anderen Seite immer zunehmen. Es muss schlicht immer “nachgeschossen” werden. Die enorme Ausweitung der Geldschöpfung durch die PRIVATEN Geschäftsbanken mit dem Anspruch auf Renditen, weit über die reale Wertschöpfung hinaus, ist m.E. der eigentliche Ursprung der Finanzkrise. Wir sehen gerade, wer das zu bezahlen hat!
        Vielleicht kann man das über Umverteilungssysteme kompensieren? Die müssten aber schon sehr kräftig zulangen, oder?
        Nein, das Privileg der Banken aus dem Nichts Geld zu schöpfen, muss diesen entzogen werden. Im Grunde wäre es sinnvoller, wenn die Geldschöpfung in öffentlicher, staatlicher Hand läge und somit die ZInserträge wieder an den Staat zurückflössen – irgendwie …
        Ich bin da auch noch nicht sicher, was die beste Lösung ist. Das Vollgeld wäre schon mal ein guter Ansatz …

  • JL - 14. Dezember 2012

    Hallo Traumschau,

    welche?

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • Freiberufler - 15. Dezember 2012

    Marktsättigung und Überkapazitäten sind für die Autoindustrie alte Bekannte. In den 80ern versuchte man deshalb zu diversifizieren – Daimler wollte sich als Technologiekonzern aufstellen, BMW stieg ins Geschäft mit Flugzeugtriebwerken ein.

    Hat nicht wirklich funktioniert.

    In den 90ern bracht dann die Fusionitis aus. Experten zogen sich Sklaleneffekt rein wie Kokain. Über BMW sah man die Geier kreisen und DaimlerChrysler stand kurz vor der automobilen Weltherrschaft.

    Hat auch nicht funktioniert.

    Dann die Krise 2009. “Zu breit, zu schwarz, zu stark, zu teuer” lautete das einhellige Urteil über die deutschen Auto-Dinoausaurier. Am Markt vorbei produziert. “Die Franzosen und Japaner machen’s vor!”

    3 Jahre später wird Peugeot mit 9 Milliarden Euro gerettet und die “Dinosaurier” melden Rekordgewinne.

    Wenn die deutsche Autoindustrie ihre Hausaufgaben macht, wird sie auch auf gesättigten Weltmärkten überleben. Der Opel-Standort Bochum ist dafür allerdings eher irrelevant.

  • Huthmann - 15. Dezember 2012

    Letzten Endes kommt die Beschreibung von Schumpeter mit seinem agens Unternehmer der Voraussetzung für Wachstum und Entwicklung phenomenologisch ziemlich nahe. Deswegen wird er heute ja auch noch zitiert.

    Allerdings bedarf es Rahmenbedingungen, damit dieser Unternehmer entstehen und tätig werden kann. Am Plakativisten wird es vielleicht in dem Slogan “vom Tellerwäscher zum Millionär” und nicht ohne Grund war die USA das Land, das einem Jedem eine Chance auf eine solche Entwicklung geben wollte.

    Die meisten Menschen allerdings wollen eine solche Gesellschaft nicht. Sie wollen ein sicheres und ruhiges Leben führen und sind Wettbewerb und Dynamik sehr negativ gegenüber eingestellt. Das ist wahrscheinlich die Ursache des Problems.

    MfG

    • SLE - 15. Dezember 2012

      Hallo Herr Huthmann,

      Sie haben m.E. in allen angesprochen Punkten Recht. Der letzte Punkt erscheint mir besonders wichtig. Ich glaube zwar, mich davon ausnehmen zu können, aber es ist eben schlicht wahr, dass wir, die Gesellschaft, im Grunde Veränderungen gegenüber avers ist.

      Viele Grüße
      SLE

    • Andres Müller - 15. Dezember 2012

      Vermutlich sind die Menschen Änderungen abgeneigt deren Sinn sie nicht verstehen, und vertrauen lieber auf Vertrautes. Falls das Bewährte sich allerdings über längere Zeit nicht mehr bewährt, so kann der Mensch dann eben doch innert kürzester Zeit umschwenken. Leider kommt es im Fall der Notwendigkeit zur Umorientierung vorerst meist zu einem Umschwung der ziemlich Kultur spezifisch abläuft, also nicht unbedingt Objektiv. Der Bezug zur eigenen Kultur ist das was zuletzt aufgegeben wird. (gut zu beobachten derzeit im nahen Osten).

      Ich bin kein Finanzexperte, das interessiert mich eigentlich nur deshalb, weil als Soziologe und ausgebildeter Systemanalytiker die Ökonomie nun mal eine wesentliche Rolle spielt in der Analyse zur Entwicklungsgeschichte der Menschheit. In einer Krisensituation finden dann aber vor allem organisatorische Umorientierungen statt, es kommt auch oft zur Abkehr von den Väteren -hin zum Grossvater oder Urgrossvater. Zwei Sprünge Rückwärts würde in Europa aber heissen, die Hinwendung zur Aristokratie, alternativ und wahrscheinlicher aber der Rücksprung zur Aufklärung -mit deren Werteverteilungs -Idealen. Vielleicht macht das ja auch Sinn, aber im Wesentlichen ist der Ansatz aus der Geschichte bekannt. Glück haben wir vielleicht, weil die Erinnerung an WKI und WKII den Rücksprung in das 20. Jahrhundert eher verhindert (anders aber in Polen,Ungarn, Tschechien, Slovakei, Serbien, Estland, Russland).

      Auf jeden Fall aber wird der gegenwärtige organisatorische Zustand Europas bei längerem Fortbestehen der Krise aufgegeben -weil eben Sicherheit und Ruhe nicht mehr gesichert erscheint.

      • Basisdemokrat - 16. Dezember 2012

        Stalins schärfster Gegner:
        „Ich sterbe als proletarischer Revolutionär, als Marxist, als dialektischer Materialist und – folglich – als unversöhnlicher Atheist. Mein Glaube an die kommunistische Zukunft der Menschheit hat an Glut nichts eingebüßt.
        Dieser Glaube an den Menschen und seine Zukunft gibt mir auch jetzt eine Widerstandskraft, wie sie keine Religion jemals geben könnte.
        Ich sehe den breiten Streifen Grün unter der Mauer, den klaren, blauen Himmel darüber und das Sonnenlicht überall. Das Leben ist schön. Mögen es die kommenden Generationen von allem Übel, aller Unterdrückung, aller Gewalt befreien und es in vollem Maße genießen.”
        Das “Ende der Geschichte” ist halt doch noch nicht erreicht.

      • SLE - 16. Dezember 2012

        Das ist eine sehr spannende Frage. Wenn ich mich jedoch umschaue und zum Beispiel den Führungswechsel in China und die heutige Parlamentswahl in Japan betrachte oder auch die überall in Europa im Aufwind befindlichen Rechtsextremismus, dann lässt sich vielleicht schon eher eine verstärkte Rückkehr zu einem konservativ geprägten Nationalismus konstatieren.

        Was bewegt Sie zur Annahme, dass ein Rücksprung zur Aufklärung, was ja an sich zu begrüßen wäre (im Sinne von “Sapere aude!”), wahrscheinlicher ist?

        Grüße
        SLE

        • Andres Müller - 17. Dezember 2012

          @SLE, eine Wette würde ich nicht abschliessen über den weiteren Fortgang der Geschichte. Sie haben Recht, der Nationalismus ist auf dem Vormarsch -allerdings bereits seit einigen Jahren. Aufklärung muss aber nicht unbedingt heissen, dass diese dann von Links kommt, die Liberalen müssten nur zu ihren Wurzeln zurückkehren. Die Annäherung der grossen politischen Parteien lähmt inzwischen die Möglichkeiten zu einer dynamischen Demokratie, wir haben nun einen Zustand wo es kaum eine Rolle spielt ob Steinbrück oder Merkel regiert. Neue Energie sind Nationalisten nicht, sie sind genauso abgetakelt wie der Kommunsimus. Ich glaube nicht dass sich eine Mehrheit in Europa findet welche diesen doch stark missglückten Strömungen zuwendet. Warum die Aufklärung? Weil Sie als Einzige Kraft nicht im Kern gescheitert ist, sie löste sich nur im Bürgertum auf und wurde verwässert. Aber ihre innere potentielle Kraft hat die Aufklärung nie ganz verloren.

  • Georg Trappe - 16. Dezember 2012

    Vielen Dank fuer den ausgezeichneten Artikel, der am Beispiel Automobilindustrie sehr schoen aufzeigt, wo der Hund begraben liegt. Ich denke die ganze anschliessende Diskussion hier zeigt sehr deutlich, dass der Groschen sich in die richtige Richtung bewegt. Es sind die stetig voranschreitende Konzentrationsprozesse, die das beharrende Moment zunehmend verstaerken und dingend notwendige Anpassungen unmoeglich werden/erscheinen lassen. Ohne die Gelddiskussion hier wieder aufnehmen zu wollen, rotzdem hier der Hinweis: Es fehlt nicht an den Zinsen im Geldsystem. Diese Sichtweise ist definitiv falsch. Allerdings beguenstigen Zins und Zinseszins die Konzentrationsprozesse bei Geldvermoegen. Wie sich das auswirkt habe ich nochmals versucht hier deutlich zu machen:
    http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/12/monopoly.html

    • Traumschau - 16. Dezember 2012

      Hallo,
      ich wollte hier auch keine Gelddiskussion führen. Ich sehe das so:
      Sie haben m.E. Recht, weil den Zinsschulden eben auch Zinsguthaben gegenüber stehen, wie überhaupt die Gesamtverschuldung der Welt ein Spiegelbild der Gesamtvermögen ist. Ich meinte eigentlich, dass das Wirtschaftswachstum nicht ausreicht, um diese Zinsen dauerhaft zu erwirtschaften. Dieser Prozess verstärkt sich zunehmend durch die ausufernde Geldschöpfung mit den damit verbundenen Zinsansprüchen gerade der Privatbanken. Das führt, wie Sie geschrieben haben, zu einer immer schneller voran schreitenden Konzentration bei Geldvermögen, während die breite Masse schleichend enteignet wird.
      Würden Sie dieser Analyse zustimmen, oder schreibe ich Unsinn?

      • Huthmann - 16. Dezember 2012

        Was Sie da schreiben, ist völlig richtig. Die Zinsen für die Vermögen lassen sich nicht mehr aus dem BIP erwirtschaften. Daher werden logischerweise die Finanzvermögen wertmäßig abnehmen müssen bis die Relation Zins Vermögen wieder im Lot ist. Wenn die Wirtschaft noch richtig funktionieren würde (Preise als “Gleichgewicht” von Angebot und Nachfrage), wäre ein Verfall der Asset-Preise und eine Reduzierung der Bilanzsumme der Banken um mindestens 30-50 % zu erwarten. Das scheint den vereinten Notenbanken und nicht nur ihnen aber zu gefährlich zu sein (Deflation).

        Mir scheint, daß seit Keynes die Weltwirtschaft zunehmend aus dem Ruder gelaufen ist. Warum? Der Gedanke, durch Nettokreditwachstum Wirtschaftswachstum erzeugen zu wollen (bei Keynes über Defizit Spending des Staates) ist für mich eine unrealistische intellektuelle Milchmädchenrechnung, da Demokratien keine bereinigende Rezessionen mehr glauben ertragen zu können. D.h. es muß wie bei einem Drogensüchtigen die Dosis (Nettokreditwachstumbeschleunigung) immer weiter erhöht werden. Am Anfang eines Verschuldungszyklus geht das noch als Ausnahme. Nur haben wir daraus eine Regel gemacht.

        Auch heute wird eine notwendige Korrektur kaum ausgehalten. Man spricht dann von Kreditkontraktion und sieht nicht, daß die Alternative nur die Übertragung der Verluste auf die breite Bevölkerung über finanzielle Repression ist.

        MfG

        • Andres Müller - 17. Dezember 2012

          “Mir scheint, daß seit Keynes die Weltwirtschaft zunehmend aus dem Ruder gelaufen ist.”

          Einwand, ich möchte zur Erinnerung rufen dass damals in BrettonWoods nicht Keynes die Oberhand gewann, das globale Geldsystem nahm eine völlig andere Wendung als dieser Ökonom es mit seinem Bankor angestrebt hatte. Und dann mit der Ablösungserklärung von Nixon, also den US$ von Gold (per Vertragsbruch) durchzubrettern -danach kann man einfach nicht mehr kommen mit Keynes. Keynes wollte nicht mit gezinkten Karten spielen und Keynes hat niemals eine Ökonomie innerhalb eines Schneeballsystems angestrebt oder seine Ökonomie darin für Wirksam erklärt..

          • Huthmann - 17. Dezember 2012

            Sehr geehrter Herr Müller,

            Keynes hat das Deficit Spending als Werkzeug zur Stimulierung der Nachfrage eingeführt samt dem darauf aufbauenden Multiplikatorwerkzeugkasten (für ein weiteres Erzeugen von Wachstum über die privaten Haushalte). Damit hat er die Verschuldung von staatlicher Seite hoffähig gemacht.

            Er meinte, daß die Staatsdiener durchaus mit Geld umgehen könnten. Dh. heute im Abschwung verschulden und im Aufschwung entschulden. Damit hat er aber diesen und den Politikern Eigenschaften zugeschrieben, die diese auch aufgrund mangelnder praktischer Lebenserfahrung nicht aufweisen können.

            Meiner Ansicht nach hat leider Hayek im Disput mit Keynes damals den Kürzeren gezogen. Die Ideen von Mises und Hayek halte ich für gehaltvoller und nachhaltiger. Müßten aber weiter durchgearbeitet und operationalisiert werden. Diese Durcharbeitung der Ideen ist eher Keynes im 20 zigsten Jahrhundert zugute gekommen.

            Mit dem Wärungssystem von Bretton Woods hat das nichts zutun.

            MfG

      • Georg Trappe - 17. Dezember 2012

        Was Sie schreiben ist kein Unsinn. Es ist bis auf ein paar “Kleinigkeiten” sehr nahe an dem, was als Kern des Problems auf der Geldseite auszumachen ist. Ich versuche mal die “Kleinigkeiten” aus meiner Sicht zu beleuchten.
        Wenn eine Bank einem Schuldner auf einem Schuldkonto eine Belastung von 5.5% der bestehenden Schuld verbucht, schreibt sie den Guthabeninhabern im Gleichenmoment eine Zinsgutschrift von 5% gut. Die Differenz von 0.5% gilt als Gewinn aus Zinsdifferenzgeschaeften und fliesst auf das Gewinnkonto der Bank. Teile davon fliessen als Dividenden den Eigentuemern zu. Der Rest vebleibt und erhoeht so das Eigenkapital der Bank. Dabei sind die von mir gewaehlten Zeahlen sehr nahe an dem, was der Geschaeftsbericht der Deutschen Bank fuer 2007 ausweist. D.h. Die Zinsen fliessen im wesentlichen den Guthabeninhabern zu.
        Und wenn diese Guthaben hoch konzentriert sind, dann fliessen sie daher nur sehr wenigen Personen (juristische oder natuerliche) zu. So verfuegte z.B. die Firma Shell ueber 15 Mrd liquider Mittel auf Konten europaeischer Banken.

        Geldguthaben stellen einen Anspruch auf reale Leistungen dar. Schulden eine Verpflichtung reale Leistungen gegen Geld zu erbringen, mit dem dann die Schulden bezahlt werden koennen. Wenn nun die hoch konzentrierten Geldvermoegen einer breit verteilten Schuldner Population gegenueber steht, dann entsteht folgende Situation. Die Schuldner haben in der Vergangenheit Vertraege abgeschlossen, die einen sehr konkreten Tilgungsplaninkl. Zinszahlungen festschreiben. Die Guthabeninhaber sind aber vollkommen frei, wann und wie sie das Geld wieder fuer reale Leistungen einsetzen. Wenn sie dann noch grosse Arbeitgeber sind, dann koennen sie die Preise fuer die realen Leistungen die die Schuldner zu erbringen haben zunehend diktieren. Siehe auch:
        http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/11/der-haken-der-geschichte.html
        Aus rechtlicher Sicht kann man also nicht von Enteignung sprechen, auch wenn es faktisch darauf hinaus laeuft.
        Viele Gruesse
        Georg Trappe

        • Traumschau - 17. Dezember 2012

          Hallo, vielen Dank für das Feedback!!
          Sind Sie sicher, dass die Banken 5% Zinsen gut schreiben? Ich dachte immer, mit 2-3% wäre man schon gut bedient.
          Können Sie mir erklären, warum den privaten Banken das Privileg der Geldschöpfung eingeräumt wurde? Ich meine verstanden zu haben, dass das zum größten Teil aus dem Nichts erzeugte Buchgeld, Giralgeld, dass ja im Kreditfall als Guthaben – gegen Verzinsung – auf ein Konto gut geschrieben wird, wiederum als Einlage definiert wird. Und die Einlagen können entsprechend gehebelt wieder als Kredit ausgegeben werden. Für diese Kredite kassiert die Bank Zinsen und fordert Sicherheiten. Man kann jetzt sagen, dass der Wert des Geldes ja erst dadurch entsteht, weil dann ein realer Gegenwert als Sicherheit vorhanden ist. Wenn aber jetzt ein Schuldner pleite geht und die Bank dann z.B. ein Haus zwangsversteigert – dann kann man doch sagen, dass die Bank für (fast) aus dem Nichts geschaffenes Geld einen realen Gegenwert erhalten hat.
          Vielleicht mache ich einen Denkfehler, aber wenn nicht, halte ich das für einen RIESEN-Skandal.
          Können Sie oder jemand anderes mir da mal auf die Sprünge helfen?

          • zykliker - 17. Dezember 2012

            Dieser Geldschöpfungs- und -Vernichtungsprozess gibt leider doch zu sehr vielen Missverständnissen Anlass:

            Ja, Geld entsteht durch Kreditgewährung, aber weder die Bank noch der Kreditnehmer werden dadurch reicher:

            Die Bank verlängert ihre Bilanz, sie hat gleichzeitig eine Forderung aus dem Kredit und eine Verbindlichkeit, weil der Gegenwert des Kredits auf dem Girokonto des Kreditnehmers gutgeschrieben wird; der Kreditnehmer wird natürlich auch nicht reicher, weil er gleichzeitig eine Kreditschuld und das Guthaben auf dem Girokonto hat.

            Das Problem des Kreditnehmers besteht jetzt darin, dass er irgendwie seinen Zinsaufwand erwirtschaften muss. Ist er Unternehmer, dann war der Kredit ohnehin nur sinnvoll, wenn sein Unternehmensertrag mindestens die Zinsen erwirtschaftet; ist er Konsument, dann muss er Zinsen dafür bezahlen, weil er jetzt konsumiert und den Kredit erst aus späterem Einkommen tilgen kann; der Hausbauer ist im Grunde auch Konsument, aber er erwartet, dass sein Zinsaufwand wenigstens teilweise durch den ersparten Mietaufwand kompensiert wird.

            Wird der Kredit planmässig getilgt, dann findet in Höhe der Tilgungen eine Geldvernichtung statt analog zur Kreditschöpfung. Fällt der Schuldner aus, erleidet die Bank zunächst einen Verlust in Höhe der Restschuld, kann aber meist die Kreditsicherheit bis zur Höhe der Restschuld verwerten, z.B. durch die Zwangsversteigerung.

            Die Bank verdient zunächst nur an der Zinsspanne zwischen Soll- und Habenzinsen (die genannten Zinssätze waren sicher nur beispielhafte “Hausnummern”), eine zusätzliche Bereicherung findet allenfalls durch semikriminelle Manöver statt, indem z.B. ein Unternehmen in die Pleite getrieben wird – z.B.durch willkürliche Kreditkündigung -, während die Bank am Wertzuwachs des Konkurrenten durch entsprechende Beteiligung verdient. Dt.Bank vs. Kirch ist auch ein Fall für diese Brille.

            Selbstverständlich gibt es jede Menge Kritikpunkte am jetzigen Finanzsystem:

            Viel zu stark aufgebläht (Ursache: das viele Geld findet in der Realwirtschaft keine sinnvolle Beschäftigung)
            Keine Trennbanken, sondern Universalbanken
            Hemmungslose Spekulation incl moral hazard (wenns gut geht gewinnt die Bank, wenn schlecht, zahlt der Steuerzahler)
            In einer reifen = dekadenten Gesellschaft wie derzeit werden die Grenzen zwischen Wirtschaft und Organisierter Kriminalität fliessend.

          • Georg Trappe - 18. Dezember 2012

            @Traumschau
            Hier finden Sie eine Reihe von Artikeln, die Ihnen weiter helfen kann. Bitte beachten Sie da auch die Kommentare. Das ist ein Dialog mit Dr. Rene Menendez, einer Koryphae , wenn es um Geldtheorie geht. http://georgtsapereaude.blogspot.com/search/label/Geldtheorie

            Viele Gruesse
            GT

    • SLE - 16. Dezember 2012

      “Allerdings beguenstigen Zins und Zinseszins die Konzentrationsprozesse bei Geldvermoegen.”

      So sehe ich das auch. Das als Schreckgespenst an die Wand gemalte, aber im strengen Sinne des Wortes eigentlich nicht vorhandene “fiscal cliff”, ist nicht das, was uns Sorge bereiten muss. Was uns wirklich Sorge bereiten muss, ist das “cliff”, auf das die Oligopolisten – staatlich hoch-subventioniert (Banken, Autohersteller, Energiekonzerne (Energiewende!) usw.) – auf den vielen hoch konzentrierten globalen Märkten zusteuern. Darüber wird aber nicht einmal geredet.

      M.E. ist das die Klippe, die man in dem ganzen Nebel, der gegenwärtig produziert wird, nicht aus den Augen verlieren darf.

      Viele Grüße
      SLE

      • Georg Trappe - 17. Dezember 2012

        So sehe ich das auch. Es wimmelt nur so von falschen Etiketten, die den Blick auf die Wurzeln der Probleme verstellen. Es macht wenig Sinn darueber zu streiten, ob die Ursachen in der Finanzsphaere zu suchen sind oder eher in der Realwirtschaft., denn beide sind gleichermassen betroffen. Geld ist kein Schleier. Das Geld- und Bankwesen ist Bestandteil der Wirtschaft und es dient ihr u.a. zur Kommunikation von Potentialen (Bestaenden) und Fluessen (Transaktionen). Ausgeloest wurde die Lawine durch eine Verknappung des Kommunikationsmittels, da ist es natuerlich, dass man ersteinmal diese Verkanppung wieder aufhebt. Aber der Lawinenabgang hat vielmehr offengelegt als die Tatsache, dass bei einer Verknappung des Kommunikationsmittels der Zusammenbruch droht. Und das ist gut so!
        Leider wird, wie Sie richtig anmerken, darueber was da offengelegt wurde nicht mal geredet, sondern die Diskussion auf Nebenkriegsschauplaetze und in Blinddaerme gelenkt.
        Warum? Weil es peinlich ist, wenn die bittere Wahrheit ans Licht kommt? Weil es offenlegt, dass jeder Fortschritt der die Konzentrationsprozesse befoerdert ein Rueckschritt in Feudalverhaeltnisse bedeutet?
        Aufklaerung ist wirklich der Schluessel, wenn man nicht hinter das, was man als Moderne bezeichnet, zurueck fallen will. Und wenn man das begreift, dann wird einem auch klar, warum die hochkonzentrierten und investierten Interessen genau das Gegenteil, naemlich Gegenaufklaerung, betreiben. Es ist das alte Spiel, wie wir es aus dem Vorspann zu den Ereignissen von 1789 kennen. Nur wurde ein diskredierter Klerus inzwischen durch sog. “Wirtschaftswissenschaftler” neoklassischer Glaubensrichtung ersetzt.

        Sapere Aude!

        Georg Trappe

        • Andres Müller - 17. Dezember 2012

          “Nur wurde ein diskredierter Klerus inzwischen durch sog. “Wirtschaftswissenschaftler” neoklassischer Glaubensrichtung ersetzt.”

          und durch wen wurde diese “Ersetzung” veranlasst?

          ich gehe mit Ihnen über die verursachten Sackgassen in der Ökonomie Einig, aber der Adelsverein “Nobel” mit ihrem Wirtschaftsnobelpreis sowie Banken und Politik die hohen Einfluss auf die Benennung führender Ökonomen und deren Herkunft haben, ist auch so eine Art diskreter Klerus.

          • Andres Müller - 17. Dezember 2012

            Aber Herr Trappe, Ihre Schlussfolgerungen sind in der Zusammenfassung vermutlich genau das, worauf man sich irgendwann in absehbarer Zukunft einigen könnte -es wurde irgendwo und irgendwann damals der Anschluss bei der Aufklärung verpasst, sie in die Ökonomie zu übertragen. Ich kann Ihnen auch sagen warum das geschah aber das wollen (noch) viele nicht hören. Die Gegenaufklärung in der Ökonomie wurde meiner Ansicht nach damals vor allem durch die britischen Banken betrieben, einige auch in Mitteleuropa und den USA -und zwar mittem in den Wissenschaftszentralne des Westens. Es gab damals in gewisser Weise einen Konsens unter den (vielfach jüdischen) Bankenbesitzern, dass das freie Kapital der Schlüssel nach Jerusalem ist und der Garant für die Freiheit der Welt. Daraus sprach die mehr als 1000 Jahre lange Erfahrung als verfolgte Minderheit. Ich bin diesen Leuten nicht böse für diese Überlegungen, aber aus der Sicht von Heute wurde nur der Teufel durch den Belzebub ersetzt.

          • Georg Trappe - 18. Dezember 2012

            Sehr geehrter Herr Mueller,
            das mit dem Wirtschaftsnobelpreis ist auch so eine interessante Geschichte, denn der wurde garnicht von Nobel ausgeschrieben, sondern von der schwedischen Reichsbank in einer Art und Weise, die sogar den Widerstand der Nobel Nachfahren auf den Plan gerufen hat.
            http://de.wikipedia.org/wiki/Von_der_schwedischen_Reichsbank_in_Erinnerung_an_Alfred_Nobel_gestifteter_Preis_f%C3%BCr_Wirtschaftswissenschaften

            Zur Entstehung der sog. Wirtschaftswissenschaften kann ich mich nicht wirklich fundiert aeussern. Aber ein Leon Walrass, der als Begruender der Gleichgewichtstheorien gilt, hat weder etwas von den Natur- u. Ingenieurwissenschaften, die er ein paar Semester studiert hat, verstanden, noch von dem worauf er seine Missverstaendnisse dann angewendet hat.

            Zur engen Verbindung des Judentums mit dem Geld- und Bankenwesen weiss ich nur soviel, dass Juden in Europa lange Zeit etlichen Berufsverboten unterlagen. Gleichzeitig hatten die Kirchen ein Zinsverbot verhaengt. Das hat wohl dazu gefuehrt, dass Juden die Geldgeschaefte ueberlassen wurden. Die doppelte Buchfuehrung, die Erhebung von Zinsen etc., also die nach wie vor gueltigen Grundlagen des Geld- und Bankgeschaefts haben aber mit Sicherheit Wurzeln, die viel weiter zurueck reichen. Das Buch “Eigentum, Zins und Geld” von Gunnar Heinsohn u. Otto Steiger liefert da eine akribisch aufbereitete Darstellung.

            Die Aufklaerer haben den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf das Staatswesen gelegt und dabei, wie Sie richtig schreiben, verpasst, dass Gewaltenteilung auch in der Wirtschaft von noeten ist, wenn man nicht Restauration auf diesem Umweg riskieren will. Wie weit diese aber inzwischen schon fortgeschritten ist, belegt meiner Meinung nach dieser Artikel eines prominenten Bankers aus dem Jahr 2000 sehr schoen:
            http://www.zeit.de/2000/18/200018.5._gewalt_.xml

          • Andres Müller - 18. Dezember 2012

            Herr Trappe, Sie haben sicher gut beobachtet, die Juden wählten ihre Berufe oft nicht aus freien Stücken. Aber sie hatten dann festgestellt dass der professionelle Umgang mit Geld ihrer Minderheit die Möglichkeit gibt grossen politischen Einfluss innerhalb jener Staaten zu erreichen die das freie Unternehmertum (die erwähnte fünte Macht) fundametal berücksichtigen. Es ist daher auch kein Zufall dass die wichtigsten Ökonomen des Westens dieser Minderheit angehören -bis Heute. Der “freie Markt” als Synonym für Freiheit setzte sich nach dem zweiten Weltkrieg in ganzen Westen durch und der Marktliberalismus wurde denn auch wie eine Freiheitsflagge im kalten Krieg hochgehalten. Damals erforderte die Konkurenz mit der UDSSR allerings auch noch ein Stück weit soziale Grechtigkeit, denn man wollte dass sich die Bürger mit Herzblut für den Westen einsetzen. Doch heute, nach dem Zusammenbruch des Kommunismus und der Umgestaltung Chinas zu einer marktwirtschaftlichen Diktatur ist das alles nicht mehr nötig. Das ist es was seit diesem Artikel in der Zeit im Jahr 2000 geschehen ist und warum heute die fünfte Gewalt zur ersten führenden und alles beherrschenden Macht geworden ist. Selbst die Demokratie wird heute Schritt für Schritt den Märkten geopfert.

  • Frankenfurter - 17. Dezember 2012

    Folgt auf “Peak Oil” nun “Peak Car”? Der Zusammenhang sticht ins Auge, auch wenn bereits bei der Alternative Elektromobilität – so wie sie heute praktiziert wird – mit dem “Peak Lithium” (1) bereits das nächste Kliff für die Autobranche in Sicht ist.

    Ich habe nicht den Eindruck, dass die Politik hierzulande den Konzentrationsprozess im Automobilsektor aufhalten will. Zur Besorgnis besteht auch kein besonderer Anlass, solange mit BMW, Audi, Porsche und allen voran VW beliebte deutsche “Dinosaurier” im globalen Autopark vertreten oder wie es so schön heißt “gut aufgestellt” sind. Außer der Partei Die Linke will keine Fraktion im Bundestag Opel in Bochum oder anderswo über Wasser halten. “Wir können nicht alles konservieren; das ist keine Frage.” sagte selbst der Sprecher der SPD, Hubertus Heil, vor ein paar Tagen im Bundestag zu Opel-Bochum . Bündnis 90/ Die Grünen sehen das ähnlich und fordern von der dt. Autoindustrie eine Art Öko-Technologieführerschaft. Automobiles Wachstum ja, aber “Grün” soll es sein.

    Würde es der Partei ernst damit sein, müßte sie, wie in früheren Zeiten eine Erhöhung der Spritpreise vorantreiben, sowie die steuerliche Bevorteilung von PKW-Pendlern und des Güterverkehrs auf der Straße abschaffen, dito des Flugverkehrs und natürlich die erlaubten Emissionen für Ottomotoren drastisch absenken. All das wird auf absehbare Zeit nicht geschehen, denn in den Augen der 42 Millionen PKW-Fahrer und der Industrie käme dieses Vorgehen der Schlachtung der heiligen Kuh unserer Volkswirtschaft gleich.

    Besonders erschreckend finde ich, dass als strukturelles Hindernis für die Branche die Langlebigkeit des Produktes Auto angesehen wird. Also wäre das Einwegefahrzeug analog zum Wegwerffeuerzeug ein idealer Umsatz- und Jobmotor, der unsere Beschäftigungs- und Wachstumsprobleme lösen hilft?

    Offenbar sieht die Jugend im Auto nicht mehr das wichtigste Statussymbol und den Inbegriff von Freiheit an, wie noch vorangegange Generationen. Kostenbewußtsein, nicht nur ökologisches, und eine mehr rationale Einstellung zum Automobil scheint auch angebracht. Für ein Gut, das man durchschnittlich nur eine Stunde am Tag benötigt (2) ist das eigene Auto einfach im Unterhalt zu teuer(3). Nicht nur im Verhältnis zum erstaunlich niedrigen Median-Einkommen in Deutschland(4) sondern auch im Vergleich zum Streckenpreis der öffentlichen Verkehrsmittel(5).

    Man stelle sich eine Zukunft vor, in der man gar kein eigenes Fahrzeug mehr benötigt und trotzdem jederzeit und an jedem Ort auf einen eigenen fahrbaren Untersatz zugreifen kann. Egal ob Fahrrad (6) oder Porsche, wenns denn unbedingt sein muss. Dazu bräuchte es aber schon ein paar mehr als 5.600 Fahrzeuge, die bei Carsharingringen bereits auf Abruf zur Verfügung stehen.(7)

    (1) http://ivda.de/ivda3/detail.php?was=quelle&detail_id=989
    (2)http://www.eds-destatis.de/de/downloads/sif/sf_07_087.pdf (3)http://www.adac.de/_mmm/pdf/autokostenuebersicht_a-d_47086.pdf
    (4)http://appsso.eurostat.ec.europa.eu/nui/show.do?dataset=ilc_di08&lang=de
    (5)http://www.pro-bahn.de/fakten/fahrpreise.htm
    (6)http://www.adac.de/infotestrat/tests/urlaub-reise/city-bikes/default.aspx?tabid=tab1
    (7)http://www.carsharing.de/index.php?option=com_content&task=view&id=28&Itemid=54

  • klaus - 17. Dezember 2012

    Hallo, erstmal Danke für die fundierten
    Artikel auf dem Blog.

    Ja, es schaut aus, als ob es nix mehr
    abzuschöpfen gibt.

    Oder doch?
    http://www.focus.de/finanzen/news/arbeitsmarkt/eingliederungshilfen-werden-nicht-abgerufen-2-2-milliarden-euro-fuer-langzeitarbeitslose-ungenutzt_aid_882602.html

    Und die kann man jetzt als Zuschuß für Haus-Eigentümer
    oder die es werden wollen bis zu 5000 Euro als
    Sanierungs-Zuschuß von Mutti abrufen, weil die Länder
    dagegen waren. Ein Zeichen über den Zustand des Häusermarktes.
    Die Banken sitzen auf den leeren Immos und die sind bald nix mehr wert.

    Doch noch gerade einen zum Schröpfen gefunden. Puuhhh.
    Wertvolle Wahlstimmen gesichert und geliefert.

    Es gehen die Schröpfmöglichkeiten zurück und
    was nun. Dank Fiskalpakt und Bankenunion wird
    sich bald das Zentrum Europas verlagern.
    Dann setzt aus Deutschland die Flucht in die
    Mindestlohnländer ein.

    Dank Hartz4 hatten ja die Versicherungen Überschüsse
    durch gekündigte LV-Verträge. Jetzt ist nix mehr.
    Wer im unteren Lohnsegment oder nicht gerade
    im Export-Sektor arbeitet, beäugt seine
    Riesterrente,Rüruprente und die Lebensversicherung
    kritisch, legt sie still, läßt sie auszahlen oder
    schließt nicht ab.
    Denn falls staatliche Zuschüsse ausbleiben, werden
    Riester und Rürup pfändbar.
    Refinanzierung die ausbleibt, weil 10 Mio. Arbeitslose
    und prekär Beschäftige nicht vorsorgen können.
    Tja, der Hartz4-Brunnen ist wohl trocken gelaufen.

    Gut das noch der Euro bei 1.316 stabil ist.
    Das lässt die Aufträge ebenso schwinden.

    Wird die Pflegeindustrie jetzt die einzige Industrie,
    wo man das erarbeitete Geld der Rentner noch
    kurz vor Tod abgreifen kann?

    Ja, es sieht so aus, als ob das System vor dem
    Kollaps steht und nur noch knallharte Maßnahmen
    gegen die Masse, incl. totaler Überwachung, den
    Erhalt sicherstellen können.

    Aber wie gesagt, ein Schwert lässt sich nicht
    ewig scharf halten.
    Und gewählt wird auch noch.
    Das hier bewußt unliebsame Themen in den
    Medien keinen Platz finden oder hinter
    23 Uhr gesendet werden, ist kein Wunder.
    Auch nicht die vielen Umfragen und Studien.

    Die Zahlen stimmen nicht. Das ist alles.
    Da hilft auch die beste Studie und Umfrage nicht.

    Mal sehen, wie man nach dem 20. Januar in
    der Fastnacht den Willen des Wählers mit
    einer Großen/Grün-Schwarzen Koalition umgehen kann.
    Alles reine Sach-Entscheidung.Nicht an Wahl-Aussagen
    ausgerichtet. Alles zum Wohle.

    Tja, ohne Konsum keine Besserung.
    Aber Spardiktat(ohne Mindestlohn) und Konsum
    sind umgekehrt proportinal.
    Die Austerität wird zu einem Hautpilz,
    der nach und nach Europa bedeckt.
    Existenzangst hält das Geld zurück.
    Der Double-Dip steht auf der Tür und
    die Einzelhändler hoffen auf eine heilende
    4te Woche vor Weihnachten, dann auf einen
    heilenden Schlußverkauf im Januar und
    nach dem Februar stellt man fest, das man Grenzbetrieb
    ist und besser in der Insolvenz aufgehoben ist.

    Tja, das wird eine Schwierige Bundestagswahl.
    Der Wechsel steht auf der Tür.
    Schwarz/Gelb hat Vertrauen verspielt.
    Immer trösten lassen sich die Leute nicht.

    Und noch 10 Jahre in der Art geht nicht.
    Das ist gut so.

    Gruß klaus

    BTW: Frohe Weihnachten an Alle. Und bleibt gesund.

  • Traumschau - 17. Dezember 2012

    @zykliker
    Vielen Dank für die Rückmeldung!! Ich hoffe, dass ich Sie richtig verstanden habe – wenn nicht, bitte melden 🙂
    Ich bin mir eigentlich sicher, dass die Sichtguthaben einer Bank als Einlagen gelten. Die Kredite die eine Bank vergibt, müssen seit dem 18.2.2012 bei der Zentralbank nur zu 1% abgesichert sein.
    Das heißt doch aber nichts anderes, als dass die Bank mit einem Hebel von 100:1 Kredite vergeben kann und damit Geld schöpft und für dieses Geld Zinsen kassiert – für Geld, dass sie nie besaß noch jemals besitzen wird (obwohl wir uns ja alle “Mühe geben” diese Ansprüche zu erfüllen, durch Bankenrettungen). Ich meine, jedes auf der Guthabenseite der Bank gebuchte Giralgeld, sei es als tatsächliche Einlage oder als Kredit (s. 1%-Regel) kann für weitere Geldschöpfungsprozesse verwendet werden. Ich denke dass es ja dadurch erst möglich wurde, diese enorme Ausweitung der Geldschöpfung zu betreiben und diese gigantische Blase aufzubauen. Bilanztechnisch ist zwar alles in Ordnung – nur leider fehlen die realen Gegenwerte – wer die Schulden auf der einen Seite und die Gewinne auf der anderen Seite hat, wissen wir!
    Jetzt sitzt z.B. Griechenland in der Schuldenfalle und wird sprichwörtlich verhökert:
    http://www.kontext-tv.de/node/265
    Das hängt doch alles zusammen. Oder glauben Sie an Zufälle?
    Das hat System und ist m.E. gar keine ökonomische Frage! Das ist die “Hohe Politik”, die die Vision einer neuen Ordnung im Namen einer Finanz- und Wirtschaftsoligarchie umsetzt.
    Das ist im Grunde dieselbe Politik wie man sie in Lateinamerika und Afrika betrieben hat.
    Diese Leute wissen genau was sie tun. Der Link ist ein Interview mit:
    Marica Frangakis, Vorstandsmitglied des Nicos Poulantzas Instituts, Athen, und Mitglied der EuroMemorandum-Gruppe
    Was meinen Sie?
    LG Traumschau

    • zykliker - 17. Dezember 2012

      Im Prinzip Zustimmung; ein Hebel von 100 ist allerdings im Kreditgeschäft doch nicht ganz möglich, weil alle Kredite nach Basel 1/2/3 mit Eigenkapital teilweise hinterlegt sein müssen. alle Kredite? nein: Staatsanleihen nicht, ha, ha.
      Richtig ist aber, dass die Finanzindustrie ein viel zu grosses Rad gedreht hat ( Ackermann wollte 25 % Eigenkapitalrendite), und dabei viel zu große Risiken eingegangen ist – weniger im Kredigeschäft, vor allem aber bei gehebelten Investitionen in Kreditverbriefungen (subprime-Giftmüll), Kreditderivate (also hochspekulative Wetten) und in nicht unterlegungspflichtigen, aber höchst unsoliden Anleihen von Pleite-Staaten.
      Das Problem mit den Banken ist jetzt gar nicht so sehr, dass sie sich noch hemmungslos bereichern (man sehe nur die Entwicklung ihrer Aktienkurse seit 2007), sondern, dass sie nach Buchhaltungsstandards, die bis 2007 gültig waren, bankrott wären, und deshalb von der Allgemeinheit gerettet werden (um ihre Verluste in Billionenhöhe im Verlauf der nächsten Jahrzehnte abtragen zu können, dürfen sie jetzt riskolose Zinsgewinne mit 1% Zentralbankgeld gegen 5% Staatsanleihen einfahren)
      Lustig an der Retterei war halt, dass die Staaten durch die Bankenretterei selbst rettungsbedürftig geworden sind (wie ein Ertrinkender, der in seiner Panik den Retter mit in den Strudel runterzieht) oder noch werden (incl.Deutschland).
      Zur Austeritätspolitik, die man Griechenland und andern Pleitestaaten aufzwingt, wurde hier im Blog schon alles gesagt. Brüning reloaded. Oder als Beispiel aus der Medizin: Wieder und wieder der gleiche den Patienten nur immer weiter schwächende Aderlass von vor 300 Jahren wider besseres mögliches Wissen. Dass davon auch einige korrupte amigos profitieren, beeindruckt mich weniger als die religiöse Inbrunst, mit der diese Ideologie gewaltsam durchgesetzt wird.
      (vgl. Georg Trappe weiter oben)

  • Traumschau - 18. Dezember 2012

    @ Georg Trappe

    Danke für den Link. Ich habe ihre Diskussion mit Herrn Menendez gelesen. Mhh, was nun?
    Herr M. hält alle, die ein Problem im Zinssystem sehen, für “Hobbyökonomen”. Es wurden viele Baustellen aufgemacht, aber keine wirkliche befriedigenden Antworten gegeben.
    Es ist z.B. überhaupt nicht im Ansatz klar geworden, WIEVIEL an Geldschöpfung eine Geschäftsbank denn nun im Verhältnis zu dem ihr zur Verfügung stehenden Zentralbankgeld schöpft oder schöpfen darf!!
    Ich bin der Meinung, dieses hängt von den tatsächlichen Einlagen der Bank ab. Die Bank muss außerdem 1% der vergebenen Kreditsumme als Sicherheit bei der ZB hinterlegen. Ich glaube, das war Konsens, oder?
    Was aber zählt denn nun zu den Einlagen der Bank, die maßgeblich für das zu vergebende Kreditvolumen sind?
    Sie schreiben in Ihrem Beispiel, dass die Bank auf der Passivseite dem Kreditnehmer einen Betrag gut schreibt, und entsprechend auf der Aktivseite eine entsprechend hohe Forderung gegen den Kreditnehmer einträgt. So, jetzt kommen wir zum Kern:
    1. Die Forderung gegen den Kreditnehmer ist mit Sicherheiten unterlegt, die u.U. geltend gemacht werden können, z.B. ein Haus.
    2. Für MICH folgt aus Punkt 1 – zwingend logisch – dass der Betrag, der dem Kreditnehmer gut geschrieben wurde, dadurch zur Einlage wird (mit den Konsequenzen für die weitere Geldschöpfung aus der Kreditvergabe).
    3. Die sich aus meiner Sicht daraus ergebenden Implikationen bezüglich der Zinsen, etc. habe ich dargestellt.
    Josef Ackermann hat es in seinen wissenschaftlichen Arbeiten selbst geschrieben: Die Banken wollen so viele Kredite wie möglich vergeben, um möglichst hohe Zinsgewinne zu realisieren.
    Die entscheidende Frage ist doch: WIEVIEL Kredit darf eine Bank vergeben? Daran hängt doch alles, oder? Wieso wird das nicht klipp und klar thematisiert.
    UND – ich bin ein “Hobbyökonom” und ich bin nach wie vor der Meinung: Herr Menendez irrt!
    Gut möglich, dass ich es (noch) nicht verstanden habe, aber bis jetzt: “Sorry, I´m not convinced”.
    Einer der “Hobbyökonomen”, die da ein Problem sehen, ist u.a Bernd Senf. Seine Darstellung hat mich mehr überzeugt – bisher jedenfalls. Ich bleibe aber dran und versuche kritisch zu bleiben und auch diese Ansicht zu hinterfragen. Ich hoffe irgendwann macht es wirklich “klick” und mir fällt es wie Schuppen aus den Haaren … (“Bernd Senf” bei YT – sehenswert für jeden Hobbyökonomen 🙂
    LG Traumschau

  • Georg Trappe - 19. Dezember 2012

    @ Traumschau
    Zur Klarstellung.
    1.) Wenn Sie meine Diskussion mit Herrn Menendez noch einmal Revue passieren lassen, dann werden Sie feststellen, das Herr Menendez zunaechst auf einem ziemlich hohen Pferd daher geritten kam (Stichwort Hobbyoeknomen). Dass hat sich aber im Verlauf der Diskussion gegeben und es wurde zu einem Dialog auf Augenhoehe. So habe ich das zumindest empfunden.
    2.) Den Grund dafuer sehe ich darin, dass es uns gelungen ist, ersteinmal ein paar Definitionen zu treffen und diese als gemeinsame Grundlage fuer das weitere Gespraech zu etablieren. Also immer erst das heraus schaelen was Konsens ist und erst dann auf die strittigen/ fraglichen Dinge losgehen. Das macht es leichter.
    3.) Wenn ich Herrn Menendez als Koryphae bezeichnet habe, heisst das nicht ,dass ich mit ihm in allen Punkten einig bin. Aber ich respektiere ihn. Und er respektiert mich. Das ist eine weitere Grundvoraussetzung wenn man ueberhaupt eine fruchtbare Diskussion fuehren will.
    4.) Es war nicht das Ziel der Diskussion alle strittigen Punkte endgueltig auszuraeumen. Vielmehr war es mein Ziel ersteinmal die Sachverhalte zu klaeren, und das ist ein stueckweit gelungen.
    5.) Herr Senf hat meiner Meinung nach in vielen Punkten recht. Es gelingt ihm aber nur bei sehr aufgeschlossenen Menschen seine Sichtweise soweit einzubringen, dass sie auch wirklich ernsthaft in Betracht gezogen wird. Dass liegt zum Teil daran, dass er die weniger offenen Menschen nicht dort abholt wo sie sind. Er skandalisiert den Status Quo in einer Art und Weise, dass es sofort Abwehr Reaktionen hervor ruft, die auf “Das kann nicht wahr sein!” hinaus laufen. Das dient den etablierten Interessen letztendlich mehr als das es weiterhilft.
    Prof. Senfs Kommunikationsstrategie ist eine Katastrophe. Seine Inhalte sind vom Feinsten.

    Viele Gruesse
    Georg Trappe

    • Traumschau - 19. Dezember 2012

      Hallo Herr Trappe,
      vielen Dank für die Rückmeldung!
      Die Punkte 1-4 kann ich nachvollziehen – das haben Sie wohl recht.
      Aber zur Kommunikationsstrategie von Herrn Senf habe ich eine andere Meinung. Ich finde nämlich, dass er in Anbetracht der von ihm dargestellten Inhalte bzw. seiner Schlussfolgerungen noch äußerst moderat auftritt. Aber auch das empfindet wohl jeder anders …
      Vielen Dank für den netten Austausch. Bis dahin erst mal … Die Recherche geht weiter … 🙂
      Liebe Grüße
      Traumschau