Portugal folgt Griechenland

von am 21. Oktober 2011 in Allgemein

Griechenlands desaströse wirtschaftliche Entwicklung ist kein isolierter Weg, sondern Folge des Korsetts des Euro und schlussendlich der Rettungsversuche per Austeritätsmaßnahmen zum Erhalt des Euro und damit der Eurozone. Es ist kaum zu fassen, dass dieselben untauglichen Rezepte, die bereits Griechenlands endgültigen Abstieg besiegelten, in Portugal fast 1:1 vollzogen werden und zum wirtschaftlichen Kollaps auch in Portugal führen werden. Die portugiesische Regierung korrigierte gerade ihre Wachstumsprognose für das Jahr 2012 auf eine Schrumpfung von -2,8%, nach vorherigen -1,8%. Die Bruttoanlageinvestitionen sollen 2012 um -9,2% schrumpfen, der private Konsum um -4,8% und die Konsumausgaben des Staates um -6,2%. Selbst dieses Szenario könnte noch positivistisch getüncht sein!

Portugal muss im Gegenzug für die erhaltenen 78 Milliarden Euro aus dem ESM-Rettungsfond Sparziele einhalten. Das Staatshaushaltsdefizit von 9,8% im Jahr 2010 soll auf 5,4% in 2011 sinken und dieses Ziel wird wohl wie in Griechenland verfehlt. Für 2012 ist das Ziel noch ambitionierter das Defizit soll auf nur 4,5% sinken. Für dieses Ziel 2012 plant Portugal eine Radikalkur, Feiertage, Weihnachts- und Urlaubsgelder sollen gestrichen werden, die Mehrwertsteuer auf 23% angehoben und zusätzlich sollen die Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich verlängert werden. Diese Maßnahmen treffen wie in Griechenland auf eine bereits geschwächte wirtschaftliche Aktivität und vor allem auf eine bereits sehr schwache Binnennachfrage. Zuletzt in Q2 2011 schrumpften die privaten Konsumausgaben um -3,4% zum Vorjahresquartal:

Die Entwicklung der realen privaten Konsumausgaben aus der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung in Prozent zum Vorjahresquartal seit Q1 1996 im Chart. In Q2 2011 sanken die realen privaten Konsumausgaben um -3,4% und damit um die höchste Rate des verfügbaren Datensatzes.

In Portugal gibt es einen monatlichen Private Consumption Coincident Indicator, der sehr breit gefasst den privaten Konsum misst, so die realen Einzelhandelsumsätze, die PKW-Verkäufe, den Umsatz bei Dienstleistungen, die Tourismus Übernachtungen von Inländern und den Umsatz von industriellen Konsumgütern. Aber auch die Einkommens- und Vermögensentwicklung als wichtige Einflüsse des privaten Konsums und das Verbrauchervertrauen fließen in den Private Consumption Coincident mit ein. Ein Blick auf die Daten dieses Indicators für September 2011 verheißt bereits nichts Gutes:

Die Entwicklung des Private Consumption Coincident Indicators seit Januar 1978 bis September 2011 im Chart. Im September 2011 ging es auf -4,1 Indexpunkten abwärts, auf den tiefsten Stand seit Beginn der Datenreihe seit Januar 1978.

Ausdruck der bevorstehenden Depression ist der rapide Absturz des portugiesischen Verbrauchervertrauens:

Die Entwicklung des portugiesischen Verbrauchervertrauens seit Juli 1986 im Chart. Im September 2011 sank das Verbrauchervertrauen auf -59 Indexpunkte und damit ebenfalls auf den tiefsten Stand seit Beginn der Datenreihe im Juli 1986!

Auch die Neuzulassungen bei PKWs in Portugal sprechen Bände:

Die Entwicklung der PKW-Neuzulassungen von Januar 1990 bis September 2011. Im September 2011 sanken die zugelassenen neuen PKWs um satte -33,75% zum Vorjahresmonat auf 9’220 Fahrzeuge und auf die drittschwächsten Neuzulassungszahlen seit Januar 1990. Nur der Vormonat, August 2011 und der Januar 2009 waren noch etwas schlechter.

An diesen Daten lässt sich bereits erkennen, das Portugal dem verhängnisvollen Weg Griechenlands folgt, zumal wie in den anderen Südperipherieländern der private Konsum die wichtigste Stütze des BIPs darstellt und dessen Schrumpfung nichts an den strukturellen Hauptproblemen, wie der nicht leistungsfähigen Industrie ändert, sondern deren Niedergang auf Grund der sinkenden Nachfrage beschleunigt. Der größte Irrweg der Eurozone und ihrer handelnden Akteure besteht darin zu glauben, die Fehlentwicklungen vieler Jahre in der Südperipherie, ob die Kreditexzesse und damit die hohe Verschuldung, den niedrigen Wertschöpfungsgrad der Industrie und generell die nicht vorhandene Leistungsfähigkeit der Wirtschaften mit Sparen per Gießkanne zu lösen. Das Gegenteil ist der Fall, die Bruttoschulden des Staates wachsen in der Relation zur Wirtschaftskraft munter weiter und den geschwächten Realwirtschaften wird der Garaus gemacht:

Die Entwicklung des Bruttoschuldenstandes des portugiesischen Staates in Prozent des nominalen BIPs seit Q1 2000 bis Q2 2011 im Chart. In Q2 2011 beschleunigt der Bruttoschuldenstand des Staates auf 106,6% des nominalen BIP, nach 94,4% im Vorquartal und nach 87,5% im Vorjahresquartal.

Quelle Daten: Bportugal.pt/Datenbank

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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