Showdown bei der Parlamentswahl am Sonntag in Spanien

von am 14. Dezember 2015 in Allgemein

Die Regionalwahlen in Frankreich sind vorbei. Der Front National konnte in keiner Region gewinnen, hat aber ein historisch gutes Ergebnis erzielt. Es ist damit zu rechnen, dass er bis zur Präsidentschaftswahl in 2017 noch mehr Rückhalt bei den Wählern findet, weil es den Sozialisten nicht zu gelingen scheint, Frankreich aus dem schwierigen Fahrwasser zu steuern und die Konservativen von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy zu zerstritten und skandalgeschüttelt sind, um die Wähler überzeugen zu können. Die Franzosen haben die Nase voll von den etablierten Parteien. Doch das politische Erdbeben wurde in Frankreich vorerst noch abgewendet.

Parlamentswahlen werden die politische Landschaft Spaniens stark verändern

Am kommenden Sonntag nun wählen die Spanier ein neues Parlament. Auch bei den Spaniern sind die beiden etablierten Parteien in Ungnade gefallen. Sie werden die Wahlen nicht mehr wie bisher unter sich ausmachen können. Denn sie haben starke Konkurrenz von gleich zwei Parteien bekommen. Damit ist ein politisches Beben in Spanien vorprogrammiert. Und noch etwas scheint schon jetzt klar zu sein: Der konservative Ministerpräsident Spaniens, Mariano Rajoy, wird nach den Parlamentswahlen in Spanien am 20. Dezember kein Ministerpräsident mehr sein.

Seine Partei, die Partido Popular (PP), ist gemäß aller Umfragen gegenüber ihrem Wahlergebnis von 2011 abgestürzt. Im Schnitt der Umfragen im Monat Dezember liegt sie bei nur noch 26,5 Prozent der Stimmen (siehe Tabelle). Das sind gut 18 Prozentpunkte weniger als bei den letzten Parlamentswahlen, bei denen die PP noch 44,63 Prozent der Stimmen auf sich vereinen konnte. Damit bekommt die Partei die Quittung für ihren austeritätspolitischen Kurs und für ihre vielen Skandale.

Es ist allerdings nicht ausgeschlossen, dass die PP weiter in der Regierungsverantwortung bleibt – aber eben ohne Mariano Rajoy und mit einem Partner, der ähnlich viel Gewicht im Parlament haben wird. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die PP tatsächlich auch einen Koalitionspartner findet. Das dürfte schwer werden. Denn Sozialisten und Podemos („Wir können“) (1) wollen keine Austeritätspolitik und die Ciudadanos („Partei der Bürger“) (2) können sich lediglich dann vorstellen, die PP zu unterstützen, wenn Mariano Rajoy auf sein Amt verzichtet. (3)

Was sagen nun die Wahlumfragen?

In der Tabelle sind jeweils die niedrigsten und höchsten Zustimmungswerte für die Parteien angegeben sowie die Durchschnittswerte für die Parteien aus allen Umfragen.

SLE_Umfragewerte Parteien Spanien vor Parlamentswahl Dez 2015

Umfragen-Gewinner und -Verlierer

Beim Blick auf die Tabelle wird klar, dass die Zustimmungswerte für die beiden etablierten Parteien – die konservative Regierungspartei PP und die Sozialisten (PSOE) – in den letzten drei Monaten gefallen sind. Die beiden neuen starken Parteien, Podemos und Ciudadanos (C´s), haben hingegen ihre Umfragewerte im gleichen Zeitraum verbessern können. Die Ciudadanos bzw. „Bürger“ konnten sich sogar kontinuierlich verbessern. Allerdings ist der Anstieg im Dezember etwas abgebremst worden. Die Linkspartei Podemos hingegen fiel in den Umfragen im November gegenüber dem Vormonat etwas zurück, holte dafür aber im Dezember wieder stark auf.

Große Unsicherheit bei den Wahlprognosen für die neuen großen Parteien

Was bei den Umfragen zu Podemos und den Ciudadanos auffällt, ist, dass ihre Umfragewerte besonders stark schwanken. Bei Podemos ergeben sich Abweichungen von bis zu 10 Prozentpunkten. Im Oktober waren die Abweichungen auch bei den Ciudadanos noch groß (knapp 11 Prozentpunkte), wurden aber mit jedem Monat kleiner. Im Dezember betragen die Abweichungen nur noch maximal rund 5 Prozentpunkte. Sie sind damit niedriger als bei den beiden etablierten Parteien PP (6 Prozentpunkte) und POSE 6,9 Prozentpunkte).

Keine Partei wird alleine regieren können

Bei diesem Stand der Umfragen wird keine der vier Parteien alleine regieren können. Sofern die Ciudadanos die PP tatsächlich unterstützen – entweder in einer Koalition oder Duldung einer PP-Minderheitsregierung –, könnten beide Parteien gemäß ihrer Umfragedurchschnittswerte im Dezember zusammen auf rund 46 Prozent der Stimmen kommen. Die PP würde damit 100-120 Sitze erringen können, Ciudadanos 60-80 der insgesamt 350 Sitze im Parlament. Zusammen wären das 160-200 Sitze. Es könnte also für eine Mehrheit im Parlament reichen.

Ohne PP-Beteiligung ergibt sich gemäß Umfragen sehr wahrscheinlich für keine andere Zweier-Koalition eine Mehrheit im Parlament. Theoretisch möglich, aber aufgrund ideologischer Unterschiede sehr schwierig, wäre eine Koalitionsregierung aus POSE, Podemos und Ciudadanos. Ob die Ciudadanos auch eine Minderheitsregierung aus POSE und Ciudadanos unterstützen würden, ist fraglich.

Schneiden alle vier Parteien etwa gleichstark ab?

Wie die Parlamentswahlen ausgehen und wer künftig Spanien regiert, das ist bei der aktuellen Umfragenlage höchst ungewiss. Bei den Umfragewerten gibt es bei allen vier großen Parteien nach wie vor viel Bewegung. Allerdings scheint die Zustimmung für die beiden etablierten Parteien PP und POSE tendenziell immer noch langsam weiter zu schwinden, während sich die Umfragewerte für die Ciudadanos eher stabilisieren und Podemos zuletzt nochmals stark zulegen konnte.

Es ist folglich nicht ausgeschlossen, dass selbst die PP mit einem Koalitionspartner allein keine Mehrheit erlangen kann. Mehr noch wäre es – vor dem Hintergrund der großen Spanne zwischen den besten und schlechtesten Umfragewerten der vier Parteien im Dezember (siehe Tabelle) – sogar möglich, dass alle vier Parteien bei der Wahl in etwa gleich viele Stimmen erringen könnten.

Fazit aus der Analyse der Wahlumfragen:

  • Vier Parteien werden sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern
  • Alles deutet deswegen auf eine schwierige Regierungsbildung in Spanien hin
  • Mariano Rajoy wird nicht mehr Ministerpräsident sein
  • Die Fortsetzung der Austeritätspolitik in der bisherigen strengen Form ist unwahrscheinlich geworden

von Stefan L. Eichner
Kontakt: info.sle@web.de

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34 KommentareKommentieren

  • Peel - 14. Dezember 2015

    Die “demokratischen” Systeme in Europa sind schon sehr resilient gegenüber Änderungen. So erhält auch bein den Regionalwahlen der Gewinner einen Bonus von 25% der Sitze, die restlichen 75% werden dann gemäß dem prozentualen Ergebnis verteilt. In Griechenland ist es bei der Parlamentswahl ja ähnlich. Und in UK werden wird auch ein erheblicher Wähleranteil nicht im Parlament repräsentiert.
    Wenn dann noch die Konkurrenz der Parteien aufhoben wird – wie in Frankreich in einigen Regionen, in denen die Sozialisten auf eine Kandidatur verzichtet haben – oder wie in Deutschland, wo einige in der SPD bei Mutti Murksel bleiben wollen – dann wird die Demokratie wirklich ad absurdum geführt.

    • Eurelios - 14. Dezember 2015

      dann wird die Demokratie wirklich ad absurdum geführt.

      Die Demokratie gibt es schon lange nicht mehr. Diese wurde durch unser derzeitiges
      Geldsystem in die Mülltonne gekippt. Die Politiker der letzten 20 Jahre wurden
      alle gekauft,Geburtstagsfest im Kanzleramt von Herrn Ackermann, lässt da grüßen.
      Deswegen auch der hohe %-Anteil von Nichtwählern die aus lauter Frust nicht mehr
      wählen gehen. Auch sind von den Altparteien hohe Hürden für neue politische
      Bewegungen in Wahlordnungen angelegt worden.

      Geld ist das goldene Kalb. Der Mensch ist zum Sklaven geworden und ganz Wenige
      dadurch zum Sklavenhalter.

  • JL - 14. Dezember 2015

    Bei den Kommunalwahlen im Mai dieses Jahres (24.05.2015) mußten die Konservativen und die Sozialisten schon eine deutliche Wahlschlappe verdauen (bis -10%), obwohl die Protestparteien nicht in allen Regionen antraten und zum Teil noch im Aufbau waren (Podemos, Ciudadanos). Damals galten diese Kommunalwahlen als wichtiger Test für die nun bevorstehenden Parlamentswahlen.

    Aufschlußreich waren aber auch die Wahlen in Katalonien (28.09.2015), als so eine Art Trendmesser der dortigen politischen Entwicklungen trotz oder eben wegen des Versagens der aktuellen griechischen Regierung, welches durchaus indirekt auf das Wahlgeschehen einwirkte.

    Die katalanische Regierung hatte die vorgezogene Regionalwahl auch zu einem Referendum über eine Abspaltung von Spanien genutzt und die dortigen abtrünnigen Regionalparteien knapp 48% der Stimmen erhalten, die aufmüpfige Allianz Junts pel Sí (Gemeinsam fürs Ja) von Mas gewann 62 der insgesamt 135 Sitze. Die ebenfalls Madrid- kritische Linkspartei CUP kam auf 10 Mandate.

    Die Parlamentswahl könnte also in einem Wahlprotest münden der einerseits die bisherige Austeritätspolitik und EU- Ergebenheit von Mariano Rajoy abstraft und andererseits mehr regionale Freiheiten schaffen kann, nicht nur für die Katalanen, sondern zum Beispiel auch für die Basken.

    Man kann nur hoffen, daß die Spanier die Zukunft wählen und die nachfolgende Regierung dies auch umsetzt.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • sadoma - 14. Dezember 2015

    So ist dass in vorrevoulitionären Zeiten alles ist im Fluss 😉

    Auffallend für mich ist das zur Zeit lediglich Eliten-Austausch ansteht ohne dass die neuen Eliten ein brauchbares Programm vorweisen können. Ich befürchte wenn die neuen Eliten in den Startlöchen nicht sehr schnell ein konsistentes umsetzbares Programm vorweisen können werden Sie den Weg von Tsipras beschreiten und am langen Arm verhungern 🙁

    • JL - 15. Dezember 2015

      Hallo sadoma

      Auffallend für mich sind die immer beschworenen Parteiunterschiede, welche in Programmen, Erklärungen oder Wahlkämpfen standhaft dargestellt wurden und ein ums andere Mal noch nicht einmal den Mülleimer Wert waren wohin sie nach irgendeiner Wahl getreten wurden.

      Noch offensichtlicher wie neulich in Frankreich geht es aber wirklich nicht mehr. Da koaliert Hollande, ein angeblicher linker „Gutmensch“ sozusagen mit seinen erbitterten „Erbfeind“ Sarkozy nur um den gemeinsamen politischen Feind Paroli bieten zu können- offensichtlich ging es um das gemeinsame politische Überleben beider Parteien. Im eigentlichen Sinne ist man sich also im Geiste und der Tat einig.

      Die Masse will man nach links oder rechts treiben und gegeneinander ausspielen, nur damit man sich ja nicht auf sich selbst besinnt und das politische Establishment in Erklärungsnot bringen könnte.

      Dasselbe wird man natürlich in Spanien auch versuchen.

      Mit freundlichen Grüßen

      JL

      • SLE - 15. Dezember 2015

        Hallo JL,

        die Anmerkungen zu Frankreich sind vollkommen richtig. Wie tief muss man eigentlich sinken, um seinem Erzfeind das Feld zu überlassen, nur damit eine höchst unliebsame Partei nicht gewinnt?

        Die aktuelle Situation in Frankreich erinnert schon irgendwie an die Endphase der Weimarer Republik.

        Im Grunde ist diese Art von Taktieren bei den Regionalwahlen eine politische Bankrotterklärung beider etablierter Parteien – PS und Republikaner – in Frankreich, nach dem Motto: Liebe Franzosen, wir wissen leider nicht mehr weiter. Es wird damit, wie Sie richtig bemerken, nur versucht, die eigene politische Unfähigkeit zu kaschieren. Und das dürfte inzwischen auch allen in Frankreich aufgegangen sein. Der nachfolgend verlinkte Artikel berichtet genau davon.

        http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/nach-regionalwahlen-frankreich-in-katerstimmung-13965853.html

        Viele Grüße
        SLE

  • Werner - 14. Dezember 2015

    DIe Welt (wir) hat seit 2008 Zeit vertrödelt, versucht alte Strukturen zu betonieren. Es gibt jede Menge Menschen, die am Alten festhalten, die Angst vor Neuem haben, die alt sind und gerne noch ihren Stiefel bis ins Grab pflegen möchten. Und dann gibt´s noch die, die aus reiner Gier am Ausverkauf und Ausschlachten Gefallen finden, aber auch deren Zeit läuft ab. Die sog. demokratischen Parteien links und konservativ konnten dem angeblich nicht demokratischen FN nochmal ein Schnippchen schlagen und sich retten, ob´s das nächste Mal gelingt ist fraglich, aber wieder sind Jahre vertan, wieder schlagen sich alte Seilschaften den Bauch mehr als voll. Nicht die Seilschaften gilt es zu zerschlagen, nur einige führende Köpfe gilt es zu demontieren, als Abschreckungsbeispiele für den Rest. Auch dieser Zeitpunkt wird kommen, unweigerlich.

  • Basisdemokrat - 15. Dezember 2015

    Spannend wird sein, ob sich große Teile der Bevölkerung von Scheuble’s Griechenland Exempel einschüchtern lassen und in Folge davon eher Abstand von Podemos nehmen und unter die Fittiche von C’s flüchten.
    Im WDR kam kürzlich ein interessanter Beitrag über den kulturellen Umbruch in Spanien. Der in seinen Folgen sicher bedeutsamer sein wird als der momentane Wahlausgang.

    http://www.ardmediathek.de/tv/WDR-Weltweit/Spanien-aufgemischt-Podemos-und-die-neu/WDR-Fernsehen/Video?documentId=31919932&bcastId=7989132

    Gruß BD

    • SLE - 15. Dezember 2015

      Hallo Basisdemokrat,

      was ich anhand der inzwischen 28 gesichteten Umfragen für Spanien sagen kann, ist, dass Podemos seit Anfang Dezember erkennbar zugelegt hat. Ciudadanos hingegen scheint in den letzten Tagen sogar wieder leicht zu verlieren.

      Es ist natürlich schwer zu sagen, aber diese Veränderungen könnten vielleicht damit zusammenhängen, dass die Spanier die PP mehrheitlich verhindern wollen, Albert Rivera, der Chef der Ciudadanos, sich aber alle Optionen offen halten will und damit als einziger als Steigbügelhalter für die PP infrage kommt. Auch die Spanier werden anhand der Umfragen sehen, dass die Umfragewerte für die Ciudadanos so gut waren, dass ihr das tatsächlich möglich sein könnte.

      Nicht ausgeschlossen, dass deswegen jetzt, kurz vor den Wahlen, viele in Spanien noch sicherheitshalber auf die linke Seite (POSE oder Podemos) umschwenken.

      Viele Grüße
      SLE

  • sadoma - 15. Dezember 2015

    “Da koaliert Hollande, ein angeblicher linker „Gutmensch“ sozusagen mit seinen erbitterten „Erbfeind“ Sarkozy”

    “Nicht die Seilschaften gilt es zu zerschlagen, nur einige führende Köpfe gilt es zu demontieren, ”

    Zwei Zitate von zwei Beiträgen die erneut belegen dass hier zu sehr der Focus auf Personen/Parteien und zu wenig auf Inhalte gelegt wird. In vorrevolutionären Zeiten ist die oberste Aufgabe aus dem Fluss der Ideen/Frustrationen die neuen Ziele/Ideen zu erarbeiten welche die Massen begeistert. Mit Fingern auf andere zeigen hat noch keine Revoultion gut getan sondern lediglich Energie in Opfern von Menschen verschwendet. Die treibende Kraft der französischen Revolution war die Aufklärung/Bildung. Heute benötigen wir eine neue Aufklärung über die Zusammenhänge von Geld-Formen/Wachstum/Ökologie. Das die Grüne Partei und die Piraten in Deutschland zu dieser Vernetzungen derzeit keine Ideen hervorbringt ist für mich ein historisches Versagen. (Liegt wohl am Beamtenstatus der Mitglieder und scheitern der Piraten durch Hahnenkäpfe).

    Wer sehen Will was möglich ist schaue mal nach England: http://www.neweconomics.org/

    • paernu - 15. Dezember 2015

      “Die treibende Kraft der französischen Revolution war die Aufklärung/Bildung.” ????

      Wo hast Du denn das her? 🙂

      Die treibende Kraft war der Hunger!!!!!!!!!!!

      • Stepe - 15. Dezember 2015

        sehr richtig, ist es immer, tatsächlich oder als Perspektive.

        “Wenn das Volk kein Brot hat, soll es doch Kuchen essen.”

  • roland - 15. Dezember 2015

    Podemos kann man ebenso “vergessen” wie Syriza in Griechenland.
    Ihr Stern sinkt zum Glück schon vor den Wahlen.
    Interessant wird, wie die “Vereinigte LINKE” , die Izquierda Unido (IU) abschneiden wird.
    Umfragen geben ihr bis zu 8 %.

    • SLE - 15. Dezember 2015

      Hallo Roland,

      wo haben Sie das denn her? Ich habe von Anfang Oktober bis jetzt rund 75 Umfragen gesichtet und in keiner einzigen wurde der IU mehr als 6,3 prozent der Stimmen zugetraut. Im gegenteil liegt die inzwischen nur noch bei 3,5-4,5%.

      Viele Grüße
      SLE

  • Stepe - 15. Dezember 2015

    Hallo,
    ich weis nicht wie die Wahl in Spanien ausgehen wird, da bewegt in Europa zuviel als das es nicht von heute auf morgen einen “Rutsch” geben könnte.
    Ich finde die Darstellung von SLE dennoch aufschlussreich. Mich würde allerdings interessieren was “inhaltlich” in Spanien passiert. Die bürgerlichen Zeitungen schreiben ja eher wie toll es jetzt, ökonomisch, mit Spanien vorangeht. Bis zu “Wunder Spanien” versteigern sich manchen. In Querschüsse konnte es auch anders gelesen werden. Das die Podemos ein wenig zur Arroganz geneigt war konnte auch gelesen werden.
    Aber was Passiert in Spanien bei einer 0 Nummer? Was wenn die Rechten und Sozialdemokraten eine Mehrheit haben? Was wenn die anderen? Das was mich am brennendsten Interessiert, was ist mit den verschiedenen Volksgruppen wie Basken und Katalanen?
    Es wäre schon von Interesse wie das Land wieder auf die Füße kommt und nicht nur “gegen Austerität” das scheint mir zuwenig. Falls jemand darüber verläßlich was weis würde ich es schon gerne lesen.

    Gruß Stepe

    • SLE - 15. Dezember 2015

      Hallo Stepe,

      eine Glaskugel hat natürlich niemand. Aber Sie haben recht, die separatistischen Bewegungen spielen durchaus eine wichtige Rolle, nämlich in Form der Frage, ob man für oder gegen den Zusammenhalt ist. Im Falle Kataloniens wird das besonders deutlich. Das war jetzt auch bei den Regionalwahlen in Frankreich von Bedeutung, denn die “Region” Korsika” wurde von der Unabhängigkeitspartei gewonnen.

      Doch zurück nach Spanien. In der Frage der Unabhängigkeit Kataloniens stehen die PP, die POSE und Ciudadanos auf einer Seite. Sie wollen die Einheit Spaniens bewahren. Nur Podemos hat gesagt, dass das die Katalanen selbst entscheiden müssen.

      Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die Ciudadanos bisher bei anderen Wahlen in Spanien immer die jeweils stärkste Partei unterstützt haben. Mal war das die PP, mal die POSE. Deswegen wird nun auch erwartet, dass diese Partei es auch bei der Parlamentswahl so hält. De facto würde das – vor dem Hintergrund der Umfragen – bedeuten, dass die Ciudadanos die PP unterstützen. Allerdings müsste dann Rajoy abtreten, was er aber sicher tun würde.

      Könnte es eine Große Koalition geben? Schwer zu sagen. nach allem, was ich bisher gelesen habe, würde ich die Chancen für eine Große Koalition eher nicht so hoch einschätzen. Aber wirklich beurteilen kann ich es nicht.

      Im Übrigen waren auch die Terroranschläge von Paris ein wichtiges Thema in Spanien und interessanterweise hatten die Ciudadanos gesagt, sie würden einen Einsatz gegen den IS unterstützen, obwohl noch nicht einmal die PP dies erwogen hatte.

      Viele Grüße
      SLE

  • Holly01 - 15. Dezember 2015

    Ich frage mich ja, wie ein politisches System funktionieren kann ohne die ganzen Probleme die bestehen auch erkennbar zu erfassen und zu bearbeiten.
    Der König ist ziemlich spektakulär von der Presse abgesägt.
    Die Jugendarbeitslosigkeit auf Rekordhoch.
    Die Auswanderung auf hohem Niveau.
    Die Regionen (Bundesländer) positionieren sich immer mehr im Konflikt miteinander und mit der Zentralregierung.
    Die Bankenkrise war nie weg, man hat alles zusammengeschlossen was bei drei nicht auf einem sicheren Baum saß und hat nun einen Kessel Buntes, aber keine Lösung.
    Die Abhängigkeit von der Autoindustrie ist ziemlich hoch.
    Die Landwirtschaft läuft durch den Wassermangel nicht rund.
    Der Tourismus hängt im Massenmarkt fest, in dem man kaum Geld verdienen kann.
    Die politische Ebene zerfleischt sich via Presse gegenseitig.
    Die Demokratie? abgeschafft (Versammlungsfreiheit weg, Staatsterror, Redeverbot)

    Spanien ist ein failed state wir man ihn in Europa inzwischen an jeder Ecke findet.
    …. und wir fragen uns hier tatsächlich, ob der Wähler irgend etwas davon mitbekommen hat und ob (oder wie) sich das in Zahlen ausdrücken könnte …

    Wenn ein Land interne Probleme hat ist das normal.
    Wenn mehrere Länder eines Verbundes Probleme haben ist das auffällig.
    Wenn alle Länder in einem Verbund Probleme haben und sich nur Struktur und Intensität unterscheiden, dann nenne ich das eine Krise.

    • Holly01 - 15. Dezember 2015

      Wenn der Staatenbund “EU” in einer Krise ist und die Gliedstaaten diese Krise widerspiegeln, dann muss man Lösungen auf der EU-Ebene herbeiführen.
      Lösungsansätze sehe ich mangels Diskussion und Lokalisierung der Probleme derzeit überhaupt gar keine.
      Es gibt ja nicht einmal Einigkeit über die Frage ob wir eine Strukturkrise haben oder ein zufälliges zusammenkommen von Einzelproblemen.
      Es gibt keine Analyse, die das Hegemoniale Aussensystem mit erfasst.

      … und nach meinem persönlichen Eindruck gibt es bei den Verantwortlichen immer noch eine Totalverweigerung die Probleme überhaupt im Zusammenhang zu betrachten.

      • Holly01 - 15. Dezember 2015

        Stetig werden während der inneren Krise im Randbereich Krisen in Nachbarregionen herbeigeführt.
        Es werden Assoziierungen abgeschlossen.
        Es werden Beitrittsverhandlungen versprochen, abgeändert, priorisiert.
        Es laufen Geheimverhandlungen zu Geheimabkommen, die auch nach Abschluss dem geheimen Vernehmen nach 5 Jahre nicht veröffentlicht werden dürfen. Die Verhandlungen führen für die angeblich demokratischen Staaten, höchst undemokratische Lobby gesteuerte Klientelvertreter aus Politik und Wirtschaft.

        Der Stillstand Innen steht in einem auffälligen Kontrast zur Umtriebigkeit Aussen.
        Als notorischer VT´ler würde ich ja schlussfolgern, die Regierungen blockieren ihre nationalen Kräfte und kochen ein gemeinsames Süppchen, nach einem Rezept, welches den Bürgern ganz sicher nicht schmecken wird.

        • Holly01 - 15. Dezember 2015

          Steigt der Doppeladler wieder aus seine historischen Asche?

          • Holly01 - 15. Dezember 2015

            … oder in Anbetracht der Graphik oben links im Rechts:
            Wo definiert die EU eigentlich noch ihren Geltungs- und Einflussbereich?
            https://de.wikipedia.org/wiki/Kolonialreich
            GB will übrigens nach dem EU Austritt den:
            https://de.wikipedia.org/wiki/Commonwealth_%28Begriffskl%C3%A4rung%29
            reaktivieren.
            Ist das wieder die Gegenposition zu den Kollonialansprüchen der Kontinentaleuropäer?

            Ist die greater community nur die entstaatlichte Version NWO basierend auf “Freihandel” also Handel fern aller Freiheit und damit die kleine Schwester der expansorischen EU?
            Die Nazis nannten das getrennt maschieren, vereint zuschlagen.

            • Holly01 - 15. Dezember 2015

              Als Deutscher:
              ist der deutsche Orden mit dem kausalen Ebenbild der Hanse nun der deutsche Anteil am Handel mit dem Januskopf im westen (Frankreich) und dem Kopf im Osten (Byzanz .. öhm Türkei)?
              Bringen wir Deutschen in das Puzzle den “reussischen Teil” ein, der bis Wladiwostok reicht, dei Türken den östlichen, der bis Pakistan reicht und die “Turk-Völker” umfaßt und Frankreich seine Mittelmeerregion?
              Die Amis als Strippenzieher auf der anderen Seite des Atlantiks kontrollieren alles südlich und östlich des neuen Einlußgebietes und die Quadriga der Macht gefällt den Briten so gar nicht und die hoffen mit Kanada, den Skandinaviern und den Australiern und Neuseeländern noch etwas eigenen Einfluss etablieren zu können neben der Quadriga?

              Fragen, Fragen, Fragen, ich weiss es nicht, ich kann es auch nicht sagen.
              Aber ins Bild passen würde es ….

  • sadoma - 15. Dezember 2015

    Erst aus dem „mehr oder weniger zufälligen Zusammentreffen mehrerer Faktoren […], wie z. B. dem Staatsbankrott und der Adelsrevolte von 1787, einer Teuerungs- und einer Beschäftigungskrise, der Erhöhung der Feudallasten am Ende des Ancien Régime, der Agitation der Parlamente gegen die Krone, der Kleinmütigkeit und Schwäche des Königs, […] einer meteorologischen Krise, die die Hungerwinter von 1787 bis 1789 bewirkt hattte, zusätzlich befeuert durch das Erstarken des Bürgertums, verbunden mit dem veränderten gesellschaftlichen Bewusstsein im Zuge der Aufklärung und dem Entstehen einer kritischen öffentlichen Meinung, wird der Ausbruch der Französischen Revolution erklärbar. *

    und kommt EUCH das bekannt vor? Ich sags ja wir leben in vorrevolutionären Zeiten. Es fehlt uns allerdings noch das veränderte gesellschaftlichen Bewusstsein (zumindest wenn ich manche Kommentare lese).

    * https://freidenker.cc/liberte-egalite-fraternite-die-bedeutendsten-ursachen-fuer-die-franzoesische-revolution/156#_i9

    • Holly01 - 15. Dezember 2015

      Die Frage lautet ja nicht “Volte?” sondern “wer gegen wen und wofür?” …..
      Sich gegen etwas zu vereinen ist simpel, aber was will man als Ziel definieren?

  • sadoma - 15. Dezember 2015

    @Holly01

    jetzt zwingst du mich schon mich selbst zu zitieren s.o. 😉

    “In vorrevolutionären Zeiten ist die oberste Aufgabe aus dem Fluss der Ideen/Frustrationen die neuen Ziele/Ideen zu erarbeiten welche die Massen begeistert.”

    Das wofür ist halt nicht so einfach zu erarbeiten (muss auch noch auf eine DINA 4 Seite passsen), dass gegen wen (dass man sich auch sparen kann) wird ja hier schon ausreichen praktiziert.

    Vor dem Wofür kommt ja auch noch die Frage nach dem Warum (Die in diesem Forum durchaus von vielen schon gut beantwortet wird). Ist wie beim Arzt wir brauchen erst die richtige Diagnose bevor wir mit der Behandlung (kann auch eine schmerzhafte Amputation) beginnen.

    • Eurelios - 15. Dezember 2015

      “In vorrevolutionären Zeiten ist die oberste Aufgabe aus dem Fluss der Ideen/Frustrationen die neuen Ziele/Ideen zu erarbeiten welche die Massen begeistert.”

      Man oh man klingt ja sowas von abgehoben. Sorry, aber ist es nicht so das die Massen
      nicht begeistert einen Umsturz durchführen sondern aus purer Not handeln weil sie
      ihre Zukunft gefährtet sehen?

      Und da haben die Absahner des derzeitigen Systems, im Gegensatz zu früheren Zeiten,
      eine Sicherheit für Ihre Sicherheit eingebaut. Zumindest in den Industriestaaten.
      Der Hunger wurde für die Armen abgeschaft. Den wenn der Mensch nichts mehr
      zu Essen hat dann wird es für die da “Oben“ kritisch und sehr gefährlich.
      In unserem “schönem“ Lande genannt BRD ist Harz 4 für die “Eliten“ für mich
      nur ein eingebauter Sicherheitsriegel für diese damit sie solange wie möglich
      weiter absahnen könne.

  • Gundermann - 15. Dezember 2015

    Die Spannweiten der “Prognosen” (z.B. 9,1-19,1% oder 23,4-33,8%) muten schon ein wenig wie Kaffeesatzleserei an. 😉

    • SLE - 16. Dezember 2015

      @ Gundermann

      In der Tat. Aber das ist bei neuen bzw. erstmals erstarkten Parteien normal. Da Podemos und Ciudadanos bisher praktisch unbeschriebene Blätter und noch nicht im Parlament vertreten sind, ist auch die Unsicherheit größer. Spaniens politisches System steht immerhin auch vor einem radikalen Umbruch (vier statt zwei große Parteien).

      Bei Syriza in Griechenland war das im April/Mai 2012 beispielsweise genau so. Das Bündnis hatte vorher bei 2 Prozent der Stimmen gelegen und kam dann bei den Wahlen im Mai als zweitstärkste kraft auf knapp 17 Prozent der Stimmen. Kein einziges Meinungsforschungsinstitut hatte das kommen sehen.

      In Spanien werden die Meinungsforscher nicht so stark daneben liegen wie damals ihre Kollegen in Griechenland. Die Durchschnittswerte, die ich oben angegeben haben, düften angesichts der recht großen Zahl der Umfragen eine Orientierung geben. Aber es gibt in Spanien natürlich noch immer eine große Zahl Unentschlossener.

      Das TV-Duell zwischen Rajoy (PP) und Sánchez (POSE) ist übrigens in wüste beschimpfungen ausgeartet (es ging um gegenseitige Korruptionsvorwürfen). Das war Wahlkampfhilfe für die – zum TV-Duell nicht eingeladenen – neuen Parteien, Podemos und Ciudadanos, die gegen die Korruption in der Politik zu Felde ziehen.

      Viele Grüße
      SLE

  • Bubblegum - 15. Dezember 2015

    @Sodoma,

    Die Finanzkrise, die letztendlich Auslöser der französischen Revolution war, beruhte nicht nur ganz wesentlich auf den unkontrollierten Ausgaben des französischen Königshofes, sondern auch darauf,
    dass Frankreich den amerikanischen Rebellen unter Washington mehr als 2 Mio Goldfranc verfügbar machte.
    Ohne dieses Geld wären die Vereinigten Terror und Folterstaaten von Nordamerika wohl nie entstanden.
    Kommt einem Alles irgendwie aktuell vor.
    Bubblegum

  • sadoma - 16. Dezember 2015

    Danke für diesen Hinweis,

    “dass Frankreich den amerikanischen Rebellen unter Washington mehr als 2 Mio Goldfranc verfügbar machte. Ohne dieses Geld wären die Vereinigten Terror und Folterstaaten von Nordamerika wohl nie entstanden.”

    Ich wiederhole mich ja nicht umsonst ständig, die Bedeutung von GELD und der GELD-Ordnung kann gar nicht hoch genug geschätzt werden. Wer die GELD-Ordnung kontrolliert kontrolliert die Macht-Ordnung. Zur Zeit sind dies die Geschäftsbanken Amerkikas.

  • Holly01 - 16. Dezember 2015

    OT:
    hat zufällig jemand einen link, wo man das gesamte vid sehen kann?
    https://deutsch.rt.com/inland/36006-claus-klebers-verzweifeltes-videostatement-wie/

  • Holly01 - 17. Dezember 2015

    Wenn ich mir die USA anschau und den nahen und mittleren Osten, danch den Blick über Afrika schweifen lasse und zuletzt den Blick zur Ostgrenze der EU richte, dann wird es nun aber wirklich Zeit, das Elitenprojekt des Großstaates EU durchzuziehen….

    • Holly01 - 17. Dezember 2015

      Die Welt wartet auf den Aufstieg der neuen Weltlei(d)währung den €uro und der Dollar braucht dringend eine monetäre Entlastung, sonst bricht die US-Gesellschaft komplett zusammen.

  • MartinR - 17. Dezember 2015

    Mariano Rajoy hat anscheinend gestern einen abbekommen und das in seinem Galicien.

    https://de.nachrichten.yahoo.com/jugendlicher-schl%C3%A4gt-ministerpr%C3%A4sident-rajoy-ins-gesicht-055533142.html

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