S&P stuft Spanien herab: Eine redlich verdiente Ohrfeige

von am 11. Oktober 2012 in Allgemein

Es ist geradezu lächerlich, das Bild, das die Europäer bei der Krisenbekämpfung abgeben:

  • Da verkündet der spanische Regierungschef Mariano Rajoy die fünfte Runde von austeritätspolitischen Maßnahmen und begründet diese mit seinem festen Glauben an den Erfolg seiner Politik. Der Präsident der EZB, Mario Draghi, assistiert, er sehe in Spanien bedeutende Fortschritte und lobt die spanische Regierung für ihre Maßnahmen. Auch die Euro-Gruppe feiert sich für ihre Rettungsmaßnahmen respektive für die immer höher aufgetürmten finanziellen Risiken für die Steuerzahler und für den austeritätspolitischen Kurs, auf den sie die Schuldenstaaten schickt und der Europa nach ihrer Überzeugung gesunden wird.
  • Gleichzeitig verschärft sich die Talfahrt der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes in den entsprechenden Krisenstaaten und diese entfernen sich sukzessive weiter von ihren Wachstums- und Defizitzielen – nicht zuletzt zu beobachten in Spanien. Auch die Wirtschaftsprognosen für Deutschland verdüstern sich.
  • Euro-Gruppe und Troika quittieren dies abwechselnd mit der Verstärkung des Drucks auf die Regierungen, ihre Sparziele zu erfüllen sowie weitere Sparanstrengungen zu unternehmen – unter Androhung des Stopps finanzieller Hilfen oder des Rauswurfs aus dem Euro – und Beteuerungen der Solidarität, der Versicherung weiterer Hilfen und des Haltens im Euro um jeden Preis.

Ausgerechnet eine der großen US-Ratingagenturen, die von vielen Politikern in Europa gerne als Brandbeschleuniger der Euro-Krise kritisiert werden, hat heute mit der Herabstufung von Spaniens Kreditwürdigkeit um zwei Stufen auf BBB- den Euro-Rettern den Spiegel vorgehalten und die europäische Krisenpolitik nüchtern und knapp als das entschleiert, was sie nicht sein soll, aber bisher de facto ist: ein großes, teures und ineffektives krisenpolitisches Theater.

Das ist schon beinahe auf tragische Weise komisch. Denn als Gründe für die Herabstufung Spaniens nannte Standard & Poor´s genau das, was Spanien und die Euro-Retter mit ihrer Krisenpolitik zu verhindern glauben: die verschärfte Rezession, die sich wegen der steigenden Arbeitslosigkeit und Ausgabenzwängen voraussichtlich verstärkenden Spannungen zwischen der Zentralregierung und den Regionen, die weiter schwelende spanische Bankenkrise und die fehlende Richtung der Politik in der Euro-Zone. (1) Das ist für die spanische Regierung und für die Euro-Retter peinlich, aber wahr.

Es trifft aber nicht allein für die Europäer zu. Das Bild, das beispielsweise der Internationale Währungsfonds (IWF) abgibt, ist auch nicht besser.

Als Darlehnsgeber und Troika-Mitglied übt der IWF immer wieder massiven Druck auf die Schuldenstaaten aus, ihre Sparauflagen einzuhalten und weitere Sparanstrengungen zu unternehmen. Doch im jüngst vorgestellten Bericht zur Stabilität des globalen Finanzsystems hob der IWF hervor, dass das EZB-Programm zum Ankauf von Staatsanleihen verschuldeter Euro-Mitglieder gerade wegen der von den Krisenstaaten zu erfüllenden Bedingungen bedeutende Risiken berge, weil es die Rückkehr zu einer tragbaren Schuldenlast keineswegs garantiere. Denn die verlangten Sparanstrengungen könnten zur Verlangsamung des Wachstums und infolgedessen zu sinkenden Staatseinnahmen führen. (2) Man braucht allerdings kein Experte zu sein, um dies zu erkennen. Es ist einfach eine Beschreibung der Realität.

Auch die Direktorin des IWF, Christine Lagarde, äußert sich mithin höchst widersprüchlich.

Es ist noch nicht lange her, das sorgte Christine Lagarde mit der zornigen Forderung nach Erfüllung der Sparauflagen in Griechenland für Empörung, weil sie die Folgen der bereits durchgeführten Maßnahmen für die griechische Bevölkerung im Wege eines Vergleichs mit der Situation in Entwicklungsländern verharmloste (3) – wofür sie sich später entschuldigen musste (4). Noch im Juli, als die neu gewählte Samaras-Regierung einen Aufschub für die Erfüllung der Sparauflagen zu fordern begann, hatte sie unmissverständlich zu verstehen gegeben, sie sehe überhaupt keinen Grund, darüber auch nur zu verhandeln. (5) Jetzt sagte sie, ein Aufschub von zwei Jahren sei für Griechenland notwendig, um das Sanierungsprogramm zu bewältigen. Zitat: „Es ist manchmal besser, etwas mehr Zeit zu haben.“ (6) Mehr noch hob sie hervor, die als Mitglieder der Troika nach Griechenland entsandten IWF-Mitarbeiter versuchten unermüdlich die Differenzen zwischen den internationalen Geldgebern und der Samaras-Regierung aufzulösen. Dabei gehe es um die Verschuldung, den Defizitabbau, Strukturreformen und den Finanzsektor. (7) Das dürfte in den Ohren griechischer Regierungsmitglieder, die mit der Troika verhandeln, wie Hohn klingen. (8)

Richtet man den Blick auf die Krisen- und Schuldenbekämpfung in anderen Ländern, so ist das Bild auch nicht anders als in Europa. Großbritannien befindet sich in der Rezession und die erhofften positiven Wirkungen des drastischen Sparkurses bleiben dort ebenso aus wie in Spanien, Griechenland oder Portugal. Premier David Cameron gerät deswegen auch politisch zunehmend unter Druck und hat jetzt neue Sparmaßnahmen angekündigt, von deren Erfolg er ebenso wie sein Amtskollege Mariano Rajoy, die Euro-Retter, die EZB und der IWF felsenfest überzeugt ist – jedenfalls in jenen Momenten, in denen er oder Vertreter der anderen genannten Akteursgruppen dies wieder einmal öffentlich verkünden.

Die praktische Politik ist keineswegs so geradlinig.

Hinzu kommt, dass wegen des ausbleibenden Erfolgs in vielen Industriestaaten die Politik selbst mehr und mehr in eine die Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit lähmende Krise abrutscht. Das ist beispielsweise in Japan der Fall – dort gibt es deswegen im November wieder einmal Neuwahlen – und ebenso in den USA, wo sehr wahrscheinlich auch nach der Präsidentschaftswahl ein politisches Patt zwischen Demokraten und Republikanern im Kongress vorliegen und einen klaren krisenpolitischen Kurs verhindern dürfte.

Angesichts dessen kann man nur zu dem Schluss gelangen, dass die Tendenz zu widersprüchlichen Äußerungen und Maßnahmen, die in sich verkürzenden zeitlichen Abständen getätigt bzw. ergriffen werden, zwar ein Zeichen der zunehmenden Unsicherheit der Entscheider bezüglich der richtigen Krisenpolitik darstellen. Sie sind aber keineswegs als Anzeichen für eine sich anbahnende Kurskorrektur oder –klärung zu werten, sondern Rhetorik, die jeweils der eigenen politischen Absicherung dient.

Diese Absicherungsnotwendigkeit ergibt sich für führende Politiker und Vertreter von Institutionen nunmehr verstärkt als Folge der wieder stark angestiegenen Krisengefahr und der Verantwortung, die sie für den bisherigen krisenpolitischen Kurs tragen und der in beinahe allen Krisenländern ebenso teuer wie ineffektiv war.

So lange es jedoch nicht zu einem neuerlichen, nicht mehr zu leugnendem Krisenfall kommt, also zu einem Lehman 2+, wird auch keine Kurskorrektur ausgerufen oder gar tatsächlich vollzogen werden. Tritt dieser Fall jedoch ein, werden alle für sich beanspruchen können, gewarnt bzw. ein anderes Vorgehen schon vorher gefordert oder angekündigt zu haben. Das ist der Grund, warum etwa Mario Draghi die Maßnahmen der spanischen Regierung lobt und bedeutende Fortschritte sieht und Angela Merkel nach Griechenland reiste, um der griechischen Regierung zu attestieren, sie mache Fortschritte und befinde sich auf dem richtigen Weg.

Standard & Poor´s hat damit – wie auch die anderen großen Ratingagenturen – nichts am Hut und deswegen wirkt das Downgrade für Spanien dieses Mal nicht falsch, sondern wie eine redlich verdiente Ohrfeige für die spanische Regierung und die Euro-Retter.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

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23 KommentareKommentieren

  • Lesefuchs - 11. Oktober 2012

    Wie sagte Seehofer bei Pelzig: Die was zu sagen haben wurden nicht gewählt und die, die gewählt wurden, haben nichts zu sagen.
    Ich denke das die Politik durchaus weiß was zu tun wäre, aber es schlicht nicht darf und auch gar nicht den Willen dazu hat, da ihre Zukunft davon anhängt.
    Der Status der Verteilung von unten nach oben muss möglichst lange am Leben gehalten werden. Und bevor es Unruhe gibt, muss der Großteil der Bevölkerung so arm sein, dass sie jede Krume akzeptieren.
    Man mag zu Verschwörungstheorien stehen wie man will. Aber was derzeit abläuft, dass man trotz offen sichtbaren Nichtfunktionieren von “Rettungsmaßnahmen”, diese weiter verschärft, hat nichts mehr mit normalem Handeln zu tun! Hier kann für mich nur Absicht hinterstecken! Hätte man vor 5 Jahren geweissagt, dass in ein paar Jahren gewählte Regierungen abgesetzt und durch Banker ersetzt werden, wäre man wohl in einer weißen Jacke abgeführt worden!
    Wo gibt es eigentlich den Paragraphen der es regelt, dass gewählte Regierungen eines souveränen Landes von Aussen abgesetzt werden können – UND VON WEM???
    Für mich steht fest: Wenn die Völker nicht langsam wach werden, sich erheben und einige “Eliten” aus dem Fenster geworfen werden, werden wir in einem neuen Zeitalter enden. Und es wird keines sein, was für das normale Volk gut ist!

    • Mompfred - 12. Oktober 2012

      Ganz Deiner Meinung. In einem Umfeld aus Armut und Hoffnungslosigkeit, macht das Leben den Mächtigen irgendwann einmal auch keine Freude mehr. Und das werden dann Zeiten sein, die sich NIEMAND hier herbeiwünscht.

  • Nepumuk - 11. Oktober 2012

    Hallo Herr Eichner,

    wieder einmal eine vortreffliche Analyse.

    Ist ihnen aufgefallen, das der Aufschrei in der Presse, der sonst reflexartig überall erscheint, völlig ausbleibt ?

    Durch die immer weiteren und schärferen Sparpakete wird der “griechische” Weg in Spanien entgültig zementiert.

    Zerohedge hat schon vor einigen Wochen darauf hingewiesen, das dort bereits die Pensionskassen angezapft werden,

    Spain Promises Much, Does Little And Will Tap Social Security Reserves For Funding

    http://www.zerohedge.com/news/2012-09-27/spain-promises-much-does-little-and-will-tap-social-security-reserves-funding

    und das auch dort bereits ELA genutzt werden.

    For Spain, The Beginning Of The End Arrives As Bank Of Spain Starts Using ELA

    http://www.zerohedge.com/news/spain-beginning-end-arrives-bank-spain-starts-using-ela

    Somit ist die Situation meiner Meinung nach noch weit schlimmer als sie sich aus den schon von ihnen aufgezeigten Fakten ablesen lassen.

    Es ist nicht die Frage ob Spanien zur gänze unter den Schirm muss, sondern wann.

    Impliziert allerdings auch… das durch einen solchen Schritt Spanien beim ESM ausfallen wird. Das sind ca 12 % oder 83 Mrd die fehlen werden.

    Und Spanien ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Italien steht bereits in den Startlöchern… und auch aus Frankreich hören wir erste Signale für Sparpakete.

    Beste Grüße

    Nepumuk

  • hunsrückbauer - 11. Oktober 2012

    hallo Lesefuchs,
    ein Politiker hat mal gesagt: “..in der Politik geschieht nichts zufällig”. Sollte dem so sein, steht hinter allen Taten ein Wille, auch wenn der sich uns “Unbedarften” nicht erschließen mag. Ich bin inzwischen soweit, dass ich grundsätzlich “böse, asoziale, nur dem Selbstzweck dienende Absichten” unterstelle, ich frage garnicht erst “was könnte für eine Absicht dahinter stecken?” Ich werde sie sowieso nie erfahren und wenn ich nach dem Postulat “an ihren Handlungen sollt ihr sie erkennen” erkenne, erkenne ich o. g. Absichten.
    Dass jemand nicht darf, bezweifle ich ebenso, und wenn, dann sollte er sein Amt niederlegen oder besser, gar nicht erst antreten.
    Es könnte allerdinsg sein, dass an Kanzlerakte und Besatzungsstatut bis 2099 (Schäuble: D war nach 1945 nie souverän) tatsächlich was dran ist, aber auch dann wäre es am Amtsinhaber zu entscheiden ob oder ob nicht. Also dürfen oder nicht dürfen scheidet für mich aus. Gute Taten erkenne ich nicht – bleiben nur die schlechten über. Das Problem für uns Bürger, die wir immer noch glauben in einem demokratischen Rechtsstaat zu leben ist, dass diejenigen, die die Gewalt innehaben auch das Recht für sich beanspruchen und genau da hakt´s. Denn wenn das Recht allzu stark gebeugt wird, wird daraus Unrecht und dies gehört wahrhaftig nicht in die Hand derer die die Gewalt innehaben, anders ausgedrückt: Würden sie einem Gewalttäter ein Gewehr in die Hand drücken? Würden sie es für gut heißen, wenn ein Gewalttäter selbt über sein Urteil befinden dürfte? Sehen sie, und genau das ist der kleine casus Knaktus!

  • Roland - 11. Oktober 2012

    Rummmms, der Rückschlag auf D nimmt Fahrt auf:

    Soeben wird gemeldet, dass Bosch-Rexroth in Schweinfurt und Volkach ab 1. November für 850 Beschäftigte Kurzarbeit angemeldet hat. Je nach Abteilung mindestens drei und bis mehr als acht Tage pro Monat.
    Mehr als acht Tage pro Monat bedeutet, dass dort Investitionsgüter annähernd 40% an Produktion herausgenommen wird. Das ist richtig heftig.
    Bosch-Rexroth ist als Zulieferer in praktisch die gesamte Industrie DAS Thermometer, das die enorme Abkühlung der wirtschaftlichen Aktivität, vor der wir stehen, misst.

    Der Winter wird hart.

  • Markt - 11. Oktober 2012

    “Die Märkte” weltweit überschlagen sich vor Freude über das Downgrade Spanien.

    jetzt dürften Sie dem Rettungsschirm nicht mehr entkommen können. Die nächsten Schritte sind vorgezeichnet und lauten: am ausgestreckten Arm verhungern lassen.
    Noch Härtere Reformen dann hilft die EZB das das das Volk ins Elend versetzt und dort auch möglichst lange gehalten werden kann.

    Dann wären wir wieder bei @hunsrückbauer
    “Ich bin inzwischen soweit, dass ich grundsätzlich “böse, asoziale, nur dem Selbstzweck dienende Absichten” unterstelle”

    Kann mann tatsächlich noch zu einem anderen Schluß kommen?

  • Unglaublich - 11. Oktober 2012

    http://pigbonds.info/

    interessiert keine Sau mehr wer wie und warum oder weswegen runtergeratet wird, die Zinsen sind gesunken.
    Liegt natürlich daran, Euro ist unumkehrbar, kein Land darf austreten, wir haben uns alle lieb usw..
    Wirtschaft im gesamten Euroraum geht von Sink – auf Sturzflug, der Aktienmarkt kämpft um einstige Höhen.

    Ein sehr schönes Beispiel dafür wie die Ansprüche gesunken sind.
    Erwartete man vor einigen Jahren für eine Investition in eine Aktie ein tragbares, in sich stimmiges Zukunftskonzept, wird im Prinzip heute die Möglichkeit gefeiert, sich in dem kaputten Umfeld überhaupt noch Fremd/ Eigenfinanzieren zu können.

    Das sagt eigentlich schon alles aus wie es wirklich um die Weltwirtschaft steht.

  • klaus - 12. Oktober 2012

    Achso hier noch mal das Web Of Debt
    http://www.nytimes.com/interactive/2010/05/02/weekinreview/02marsh.html

    Sieht wohl so aus, als ob die Spanier bald OLE sagen und
    den Euro mit ins Grab nehmen.

    Sind nicht die deutschen Pensionskassen dort unten
    am investieren?
    Soll deshalb Rente und Pension zusammengelegt werden?

    Eieieieiei.
    Das ist ja gar nicht gut für die Wahl.

    Bald sind auch noch Pensionskassen und Versicherungen
    mit Zahlungsausfällen bedacht.

    Gut das wir kein Wahlrecht haben.
    Sonst könnte man noch schneller wählen.

    😉

  • Frank Bell - 12. Oktober 2012

    Und die (Aktien-)Märkte sind in Feiertagslaune… Nicht zu fassen!

    — Kopfschüttel —

  • Georg Trappe - 12. Oktober 2012

    Es gibt eine Theorie zur Entstehung von schizophrenen Erkrankungen. Sie nennt sich Doppelbindungstheorie. Sie beschreibt die lähmende, weil doppelte, Bindung von Menschen an paradoxe Botschaften oder Signale und deren Auswirkungen.
    “Der Adressat erlebt eine solche Doppelbindung als unhaltbar, unauflösbar, wenig durchschaubar und existentiell bedrohlich, weil:
    1.) ihm eine Wahl im Sinne der paradoxen Scheinalternativen tatsächlich nicht möglich ist,
    2.) er die der sprachlich korrekten Botschaft innewohnende Paradoxie nicht erkennen kann / darf (z. B. unterstützt durch Verbot einer Metakommunikation),
    3.) er sich aber aufgrund eines Abhängigkeitsverhältnisses gezwungen sieht, der Aufforderung dennoch zu entsprechen und
    4.) er die Situation nicht verlassen kann.
    Der Zwangscharakter und die „Illusion der Alternativen“ in einer Doppelbindung schaffen für ihn eine „Lose/Lose-Situation“”
    http://de.wikipedia.org/wiki/Doppelbindungstheorie

    “Das Recht auf körperliche Unversehrtheit gehört zu den Grundrechten eines Menschen im Geltungsbereich des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland. Es wird zusammen mit dem Recht auf Leben und dem Recht auf Freiheit der Person in Art. 2 Abs. 2 GG garantiert (hervorgehoben):

    Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

    Das Grundrecht schützt sowohl die physische als auch die psychische Gesundheit eines Menschen, nicht jedoch das soziale Wohlbefinden.”
    http://de.wikipedia.org/wiki/Recht_auf_k%C3%B6rperliche_Unversehrtheit

  • Freiberufler - 12. Oktober 2012

    Die Verhaltensmuster der Rettungspolitiker sind keineswegs widersprüchlich, sondern jedem, der sich ein wenig im Wirtschaftsstrafrecht auskennt, nur zu bekannt.

    Die Rettungspolitiker haben die kollektive Insolvenz EUROpas zum Liquiditätsproblem erklärt, ein Sanierungsmärchen erfunden und wollen dabei den Eindruck vermeiden, dass sie die Insolvenzverschleppung mit Zentralbankgeld finanzieren.
    So einfach ist das. Jede Handlung und Äußerung erklärt sich aus der Notwendigkeit, a) das Sanierungsmärchen aufrecht zu erhalten und b) die Insolvenz zu verschleppen.

    Nachdem jeder Geschäfsführer für solche Aktionen in den Knast wandert, darf davon ausgegangen werden, dass auch den Finanzmärkten bekannt ist, dass man Insolvenz nicht mit neuen Schulden beheben kann.
    Aber inzwischen haben sie sich auf das Spiel eingestellt und wetten nicht mehr auf Insolvenz, sondern auf deren Verschleppung.

    • SLE - 12. Oktober 2012

      Ja, Ihre Schlussfolgerung ist richtig und erklärt offensichtlich genau das, was seit Wochen an den Märkten geschieht. Als nächstliegendes Ereignis, von dem die Märkte erwarten, dass es ein Ende oder einen Bruch in der Verschleppungsstrategie einleiten könnte, ist die US-Wahl in Kombination mit dem “fiscal cliff”, das es zu überwinden gilt, wofür aber die Chancen aktuell schlecht eingeschätzt werden. Gerade deswegen dürften sich auch die Befürchtungen verstärkt haben, dass es auf dem Bondmarkt Turbulenzen geben wird, weil die unrealistische Spreizung zwischen der in den USA aufgebauten Schuldenpyramide und den künstlich auf Niedrigstniveau gedrückten Rrenditen für US-Treasuries dann auch an den Märkten für unhaltbar wahrgenommen werden wird. Warten wir es ab.

      Grüße
      SLE

    • Lottchen - 14. Oktober 2012

      Passend dazu hat Schäuble heute einen Staatsbankrott Griechenlands kategorisch ausgeschlossen. Gleichzeitig redet man davon, dass Griechenland nur weitere Hilfen bekommt, wenn der Troika-Bericht positiv ausfällt. Es muss doch selbst den Dümmsten auffallen, dass das vollkommen widersinnig ist! Wie unglaubwürdig kann man sich noch machen, sollen sie doch gleich sagen, was jedem, der das verfolgt, ohnehin klar ist: Dass der Troika-Bericht vollkommen irrelevant ist.

      Ich verstehe nicht, was diese Schau noch soll. Ich verstehe aber auch die Wähler nicht. Politbarometer vom Freitag: Die Mehrheit will, dass Griechenland zwar in der Eurozone bleibt, aber keine weiteren Hilfen mehr kriegt. Es müsste doch jedem, der bis drei zählen kann, klar sein, dass beides zusammen nicht geht!

      Mit Griechenland ist das vielleicht noch zu verkraften. Aber wenn man dieselbe Strategie mit Spanien weiter fährt, dann gute Nacht.

  • Mompfred - 12. Oktober 2012

    Hunsrückbauer

    >>>>Schäuble: D war nach 1945 nie souverän
    kannst du oder jemand anderes das mal weiter ausführen? verlinken??

    Danke

  • zykliker - 12. Oktober 2012

    Ich will nicht bestreiten, dass die Politik i.d.R. von wirtschaftlichen “Groß”-Interessen “ferngesteuert” ist, denke aber, dass das erbärmliche Krisenmanagement derzeit nicht unbedingt solchen Interessen dient, sondern eher ideologischer Blindheit geschuldet ist.

    Die “Groß-Interessen” haben eher ein Interesse an gesunden Strukturen, die sie dominieren und “ausbeuten” können; derzeit läuft aber zuviel auf eine Zerstörung auch gesunder wirtschaftlicher Strukturen hinaus.

    Den ideologisch bedingten Wahn soll folgende Analogie erläutern:

    Selbst im 18.Jahrhundert haben Ärzte noch für die meisten Krankheiten den Aderlass als Allheilmittel verordnet, obwohl bereits 100 Jahre vorher der Blutkreislauf entdeckt worden war. Wurde der Patient trotzdem wieder gesund, galt der Aderlass als Ursache, ist der Patient der Schwächung erlegen, Achselzucken oder die Vermutung, man habe nicht genug Blut entnommen.

    Die Ärzte hatten kein Interesse am Tod ihrer Kunden. Trotzdem dauerte es ca 200 Jahre, bis der Blutkreislauf und bessere Heilmethoden in die verborten Gehirne eindringen konnten.

    Die Austeritätspolitik wirkt auf mich wie die primitive Anweisung eines Arztes der Barockzeit: “Aderlass! Was faseln Sie da von Blutkreislauf? So ein Schwachsinn! Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass …..”

  • JL - 13. Oktober 2012

    Sehr geehrter Stefan L. Eichner

    Sie schrieben unter anderen: „ … zwar ein Zeichen der zunehmenden Unsicherheit der Entscheider bezüglich der richtigen Krisenpolitik darstellen. Sie sind aber keineswegs als Anzeichen für eine sich anbahnende Kurskorrektur oder –klärung zu werten… „

    Den politischen Entscheidern in Europa fehlt es wohl nicht an Ideen, offensichtlich aber zunehmend an Kraft, die verfahrene Situation nun noch einmal- wie 2008- zum „Guten“ wenden zu können. Die EU ist seit der Euroeinführung letztendlich vom wirtschaftspolitischen Akteur zum krisengetriebenen Jagdwild mutiert, dem zunehmend die die Luft ausgeht. Dabei versucht man realen, krisenbedingten „Breitseiten“ aus dem Wirtschafts- und Finanzsektor scheinbar zunehmend mit orientierungslosen Äußerungen zu begegnen.

    Auch der IWF gibt hierzu zuforderst kein besseres Bild ab. Der predigt doch nun auch seit Jahren „Sparen, Sparen, Sparen“ und sagt neuerdings, daß dies eigentlich erst später nötig sei- Sparen währe demnach also momentan nicht „angesagt“ man kann das später auch noch machen, wegen der weltwirtschaftlichen Erholung und so, Sparen in 2014 ist also viel leichter zu stemmen als heute.

    Dieser gemeinsame, neuerdings verkündete „kollektive Irrsinn“ in der politischen Bewertung- einmal Hü, einmal Hott- ist eigentlich abstrakt und erinnert manchen möglicherweise an einen aufgeschreckten, wilden Hühnerhaufen.

    Vermutlich ist dieses Gerede der Politiker aber orwellscher Sprachgebrauch- nur so ergibt sich ein logischer Schluß hierzu.

    Demnach wird also eigentlich ein weltwirtschaftlicher Abschwung erwartet.

    Und tatsächlich hat der IWF Befürchtungen vor deflationären Entwicklungen geäußert http://www.format.at/articles/1241/941/343750/iwf-deflation-europa

    und nach seiner Einschätzung eine Erholung der Autoverkäufe erst für 2018 vorausgesagt.
    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/10/10/ratingagentur-keine-erholung-am-automarkt-vor-2018/

    Gleichzeitig köcheln neue EU- Probleme in Malta an die Oberfläche,
    http://info.kopp-verlag.de/nachrichten/malta-gesundheitssystem-vor-dem-zusammenbruch.html

    aber auch in anderen Nicht- EU- Ländern wiederholt sich mal wieder die „unendliche Geschichte“ von Schuldenblasen.
    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/08/22/schuldenfalle-zwei-millionen-tuerken-muessen-mit-vollstreckung-rechnen/

    Selbst im Reich der Mitte- also China- „sterben“ auf Grund eingetrübter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen die bisher bessergestellten Eliten aus.
    http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/1300582/China_Zahl-der-Milliardaere-bricht-um-ein-Viertel-ein?_vl_backlink=/home/wirtschaft/index.do

    Aber es geht scheinbar trotzdem aufwärts.

    Die EU bekam den Friedensnobelpreis, obwohl Christine Lagarde die Staatsschuldenhöhe der Industriestaaten auf das Niveau von Kriegszeiten einordnete.
    http://diepresse.com/home/wirtschaft/eurokrise/1300779/IWFChefin_Staatschulden-auf-Niveau-von-Kriegszeiten?_vl_backlink=/home/wirtschaft/index.do

    Die nächsten Wochen werden hierzu sicher interessant.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • dank - 13. Oktober 2012

    Zum Thema Ohrfeige und Friede:

    http://www.rhein-zeitung.de/nachrichten/deutschland-und-welt_artikel,-Merkel-wird-in-Stuttgart-minutenlang-ausgebuht-_arid,497325.html

    Ist das im eingebeteten Video die Wahlkampfveranstaltung des Zukunft?

  • klaus - 14. Oktober 2012

    Wollen Merkel und die FDP die gesetzlichen Krankenkassen vernichten?

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/krankenkassen-merkel-erwaegt-abschaffung-der-praxisgebuehr-11923537.html

    Eine Rückerstattung von 50 Euro würde bedeuten,
    das die Krankenkassen 50 x 6.100.000 / Hartz4ler auszahlen
    müssten an Hartz4ler.
    Diese 305.000.000 Mio würden sofort kassiert, Richtung Griechenland/Banken
    gehen und die Krankenkassen ohne Praxisentgelt demoliert hinterlassen.

    Schon jetzt gehen die Schreiben raus.
    60 Euro für die Private Krankenversicherung.

    Man könnte meinen man wolle das Sozialsystem
    gezielt zugrunde richten um die Armut gleichmäßig
    zu verteilen. Und das bis zur Banken-Union 2014.

    Tja, schon wieder ein Grund Merkel und der FDP die Stimme
    zu versagen.

    Und alles nur um die Schuld der Internet-Deppen/Unternehmer
    von 2000 und Ihrer DotCom-Pleite auf den Steuerzahler
    hinunterzuverteilen und Leute, die beispielsweise die KFW um
    1,2 Mio gebracht haben, glänzen zu lassen.
    Dazu die gefallenen Engel aus Film, Fernsehen und Sport,
    die wir wohl noch ein Leben lang grundlos durchfüttern sollen,
    obwohl Sie in Ihren Fernseh-Engagements meist im Ausland
    ihre Mittelmäßigkeit aus steuerlichen Gründen zum Besten geben.

    *kopfschüttel*

  • Frankenfurter - 14. Oktober 2012

    Wieso Friedensnobelpreis? Die EU hat den Wirtschaftsnobelpreis verdient, klarer Fall. 😉

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