Spanien immer deutlicher im Griechenlandstyle

von am 3. November 2011 in Allgemein

Die vermeintlichen Euro-Retter und ihre verantwortlichen Akteure sind alles andere als Strategen, denn ihre Instrumente zur Rettung entspringen leider einer kompletten Versagerstrategie. Die aufgebauten Schuldenpyramiden der Südperipherie lassen sich niemals allein mit Sparen abtragen, sondern wenn überhaupt, nur mit Investitionen in Wertschöpfung und die Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit der betroffenen Volkswirtschaften. Aber dafür bedarf es wesentlich mehr als pure Austerität und deren Überwachung. Grundsätzlich muss auch die Frage beantwortet werden, ob eine Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit der Südperipherie unter dem Korsett des Euro überhaupt möglich ist. Alle bisherigen Maßnahmen waren nur geeignet Zeit zu schinden, zum Preis der weiteren Maximierung der Schäden.

Immer zu Bedenken gilt, es geht bei diese Problematik eben nicht nur um Griechenland, sondern auch um Portugal, Spanien und Italien. Spanien ist bereits im fortgeschrittenen Stadium im Griechenlandstyle verfangen. Die Folgen aus der Wirtschafts- und Finanzkrise und der Immobilienblase sowie der aktuellen Versagerstrategie der ausschließlichen Austeritätsmaßnahmen kumulieren sich in den Auswirkungen zu einem destruktiven Ausmaß.

In Folge der Unsicherheit, der enormen Arbeitslosigkeit und den sinkenden Einkommen, befeuert durch die Sparmaßnahmen, kommt es zu einer deutlichen Schrumpfung der Binnennachfrage, insbesondere der privaten Haushalte. Dies dokumentieren auch die aktuellen Daten zu den PKW-Neuzulassungen und den Einzelhandelsumsätzen und dies lässt erahnen wie stark auch die Steuereinnahmen des Staates, nur alleine aus der Mehrwertsteuer unter Druck stehen.

Die Entwicklung der PKW-Neuzulassungen seit Januar 1990 bis Oktober 2011 im Chart. Mit 57’278 Neuzulassungen im Oktober 2011 wurde der schwächste Oktober seit 1993 bei den spanischen Neuzulassungen generiert. Der Rückgang zum Vorjahresmonat 2010 betrug -6,7%, zum Oktober 2009 waren es -41,8% und zum Rekord-Oktober aus 2007 -55,7%.

Der langfristige Durchschnitt von Januar 1990 bis Dezember 2009 betrug 101’279 neuzugelassene PKWs, aktuell liegt man um -43,45% unter diesem! Zum Allzeithoch im März 2007 mit 173’716 neuzugelassenen PKWs betrug der Einbruch bis Oktober 2011 mit 57’278 PKWs satte -67,03%.

Vor allem die privaten Neuzulassungen brachen ein. Seit 16 Monaten in Folge geht es im Vergleich zum Vorjahresmonat bereits abwärts. Im Oktober wurden nur noch 31’195 private Neuwagen zugelassen, ein Einbruch zum Vorjahresmonat von kräftigen -14,2% (gesamt: privat und gewerblich -6,7%). Von Januar bis Oktober 2011 sanken die Neuzulassungen der Privaten um signifikante -37,3% zum Vorjahreszeitraum, auf 338’856 Einheiten. Die gewerblichen Neuzulassungen stiegen dagegen im breiten Zeitraum Jan.- Okt. 2011 um +7,2% auf 230’177 und nur im Oktober 2011 um +4,5% im Vergleich zum Vorjahresmonat. Diese Daten werfen auch einen gewissen Blick auf die Lastenverteilung der spanischen Sparmaßnahmen zur vermeintlichen Sanierung des Staatshaushaltes.

Bemerkenswert, der spanische Automobilherstellerverband ANFAC weist in seinem Statement zu diesen Daten explizit auf eine Kreditklemme bei Autofinanzierungen hin.

Auch der Einbruch der spanischen Einzelhandelsumsätze setzt sich unvermindert fort. Nach den letzten Daten des spanischen Statistikamtes INE sanken die realen Umsätze um -5,4% zum bereits schwachen Vorjahresmonat:

Die realen Umsätze im spanischen Einzelhandel und seiner Subsektoren im September 2011 im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Die saisonbereinigte Datenreihe der realen Einzelhandelsumsätze in Spanien, laut den aktuellen Daten von Eurostat:

Die Entwicklung der realen und saisonbereinigten Umsätze im spanischen Einzelhandel von Januar 1995 bis September 2011. Im September 2011 sanken die realen und saisonbereinigten Einzelhandelsumsätze um -1,7% zum Vormonat, auf 85,08 Indexpunkte, nach 86,58 Indexpunkten im Vormonat. Die realen Einzelhandelsumsätze notieren im September 2011 auf dem tiefsten Stand seit November 1999. Mehr als ein Jahrzehnt reales Umsatzwachstum beim Einzelhandel wurde seit der Wirtschafts- und Finanzkrise und im Zuge der spanischen Austeritätsmaßnahmen komplett ausgelöscht! Seit dem Hoch im März 2007 mit 106,79 Indexpunkten ging es um reale -20,33% abwärts!

Nur aus diesen dramatische Rückgängen bei den Umsätzen im Einzelhandel und den PKW-Verkäufen, die zusammen ca. 40% der privaten Konsumausgaben reflektieren und auch auf die Rückgänge bei den Einkommen zurückzuführen sind, resultiert in der Sache der Staatsschulden, in Spanien vor allem in der des aktuellen Staatshaushaltsdefizit kein Fortschritt im Gegenteil. Der private Konsum ist das wichtigste Standbein beim BIP und diese Rückgänge koppeln direkt auf die Steuereinahmen, insbesondere der Mehrwertsteuer des Staates negativ zurück. Nicht zu vernachlässigen ist auch, dass gerade die eh unterentwickelte Industrie weiteren Schaden erleidet, denn diese ist wenig Export – aber dafür Binnenmarkt orientiert.

Letztlich erweist sich auch in Spanien die eingeschlagenen Strategie als fatal, statt die strukturellen Probleme anzugehen, industrielle Wertschöpfung, damit Jobs und Einkommen voranzutreiben und über diesen Weg für eine ausgeglichene Handelsbilanz zu sorgen, wofür auch Investitionen integraler Bestandteil sein müssten, führen undifferenzierte Sparmaßnahmen, vor allem zu Lasten der Massenkaufkraft, zur Schrumpfung der Nachfrage, in der Rückkopplung zu sinkenden Investitionen der heimischen Wirtschaft und in der Summe zu einer schrumpfenden Wirtschaftsaktivität, die wiederum die avisierten Sparziele u.a. durch Steuerausfälle konterkarieren. Eine weitgehend selbst bzw. unter Druck von EU-Institutionen organisierte Abwärtsspirale, die bereits im Griechenlandstyle mündet und sich noch beschleunigen könnte. 

Quelle Daten: Anfac.com/Pressemitteilung PKW-Neuzulassungen Oktober 2011, Ine.es/Pressemitteilung Einzelhandelsumsätze September 2011

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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1 KommentarKommentieren

  • Joaquin - 20. November 2011

    Ich finde es aber schon bezeichnend, wie nahezu alle zuvor weg geschaut haben, bzw. die Probleme klein geredet oder gar vollständig negiert haben. Daher sehe ich nicht nur einen oder zwei Schuldige, sondern sehr viel mehr.