Staatsdefizit Griechenlands steigt weiter

von am 13. September 2011 in Allgemein

Wie das griechische Finanzministerium gestern mitteilte, sanken die Steuereinnahmen in den ersten 8 Monaten des Jahres 2011 um -5,3% und die Ausgaben kletterten um +8,1%, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das Staatshaushaltsdefizit kletterte um beachtliche +22,2% in den ersten 8 Monaten auf 18,101 Mrd. Euro, nach 14,813 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum!

Die Tabelle des griechischen Finanzministeriums mit dem Staatshaushalt in den ersten 8 Monaten 2011. Das Staatshaushaltsdefizit weitete sich zum Vergleichszeitraum des Vorjahres um +22,2% aus, auf 18,101 Mrd. Euro. Damit verfehlt man das anvisierte Ziel beim Defizit deutlich.

Die sinkenden Staatseinnahmen sind vor allem auf ein Schrumpfen der Wirtschaftsaktivität zurückzuführen, im Umkehrschluss die gestiegenen Ausgaben ebenfalls. So auf erhöhte Staatszuschüsse für die Sozialversicherungen (1,701 Mrd. Euro) in Folge reduzierter Einnahmen aus den Sozialbeiträgen, auf die erhöhten Zuschüsse an die Arbeitsämter (322 Millionen Euro), auf erhöhte Zuschüsse an Krankenhäuser in Höhe von 649 Millionen Euro und auf erhöhte Zuschüsse an diverse Fonds der sozialen Sicherheit in Höhe von 1,852 Mrd. Euro. Auch die erhöhten Zinszahlungen schlugen zu Buche mit +2,067 Mrd. Euro auf 12,749 Mrd. Euro.

Zieht man noch die geleisteten Verbindlichkeiten für die Anleihen der Sozialversicherungen und die hohen Rückzahlungen für die Verbindlichkeiten der griechischen Krankenhäuser hinzu, wird das Staatsdefizit noch deutlich größer:

Mit den Zahlungen aus den Verbindlichkeiten der Sozialversicherungen und den Krankenhäusern wuchs der gesamte staatliche Kreditbedarf in den ersten 8 Monaten auf 23,077 Mrd. Euro, nach 15,492 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum, ein satter Anstieg von +48,96%. Besonders pikant, für das Gesamtjahr 2011 wurde eine Neuverschuldung von 23,328 Mrd. Euro veranschlagt, dies dürfte bei weitem übertroffen werden, angesichts der Tatsache, dass jetzt bereits 23,077 Mrd. Euro erreicht wurden.

Laut der griechischen Zentralbank betrug im 1. Halbjahr 2011 das Leistungsbilanzdefizit Griechenlands 13,267 Mrd. Euro. Hochgerechnet auf das Jahr 2011, als grobe Schätzung, dürfte das zu finanzierende Zwillingsdefizit aus Staatshaushalt und Leistungsbilanz ca. 60 Mrd. Euro betragen. Bei einem zu erwartenden nominalen BIP Griechenlands 2011 von ca. 218 Mrd. Euro (geschätzt -5,35% zum Vorjahr), sprechen wir hier weiter von einem Finanzierungsbedarf von unglaublichen 27,5% des nominalen BIPs! Wohlbemerkt, das sind nur die neu auflaufenden Defizite aus 2011, die Refinanzierungen der fälligen Staatsschulden, aus dem Berg des Bruttoschuldenstandes des Staates von 353,693 Mrd. Euro, Stand Ende Juni 2011, und der Refinanzierungsbedarf der griechischen Banken kommen noch hinzu. Dies alles gilt es abseits des Kapitalmarktes zu finanzieren, über Rettungspakete, EZB, Target2 und mit Haftung der Steuerzahler der Eurozone. Zusätzlich gilt es noch die Kapitalflucht aus dem griechischen Bankensystem abzufedern, im Juli 2011 sanken die Einlagen bereits den 7. Monat in Folge, seit Januar 2010 sind 20% aller Einlagen aus Griechenlands Banken abgezogen worden. Die Deposits der privaten griechischen Haushalte und der Unternehmen bei den griechischen Banken sanken in diesem Zeitraum von 233 Mrd. Euro auf 187 Mrd. Euro.

Quelle Daten: Minfin.gr/Press release on the State Budget execution January-August 2011

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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