Schuldentragfähigkeitsanalyse der Troika

von am 22. Oktober 2011 in Allgemein

Die Troika (IWF,EU und EZB) dokumentiert in einer “Schuldentragfähigkeitsanalyse” Griechenlands ihr komplettes Versagen in Punkto der bisherigen Strategie! In der Schuldentragfähigkeitsanalyse wird bereits eingangs festgestellt, dass bei der vierte Überprüfung der Situation in Griechenland durch die Troika, das Ergebnis, eine Wende zum Schlechteren genommen hat und die Wirtschaft zunehmend in die Rezession gerät und den staatlichen Behörden ein kräftiger Gegenwind bei der Erfüllung ihrer politischen Verpflichtungen entgegenweht. Für die Zwecke der Nachhaltigkeitsbewertung der Schulden Griechenlands wurde eine überarbeitete Baseline festgelegt unter Berücksichtigung der verschlechterten Wachstumsaussichten.

Nach dem neuen Baseline-Szenario ohne Schuldenschnitt, unter Berücksichtigung der schlechteren Wachstumsaussichten, beträgt der benötigte Finanzierungsbedarf für Griechenland nun 252 Mrd. Euro bis 2020. Bereits 2013 soll der Bruttostaatsschuldenstand 186% des nominalen BIPs erzielen und über das Jahr 2020 mit 152% langsam auf 130% im Jahr 2030 sinken.

Die Entwicklung des Bruttoschuldenstandes des Staates in Prozent des nominalen BIP, gemäß dem Baseline-Szenario der Troika.

Selbst dieses Szenario hat noch eine optimistische Grundlage, einen realen BIP-Einbruch für 2011 von -5,5% zum Vorjahr, es könnte jedoch noch schlimmer kommen, für 2012 ein Einbruch von noch -2,9% und für 2013 bereits ein Wachstum von +0,5%. Ab 2014 dann sogar jeweils ein Wachstum von über +2% bis ins Jahr 2020. Immer noch wenig Realismus enthält auch die “Korrektur” der avisierten Privatisierungserlöse im Baseline-Szenario auf noch 46 Mrd. Euro bis 2020.

Das neue Baseline-Szenario (rot) ist bereits trotz immer noch enhaltenen optimistischen Annahmen eine deutliche Verschlechterung zum vorherigen Fahrplan der Troika. Im vorherigen Baseline-Szenario vor 3 Monaten, war man von einem BIP-Einbruch in 2011 von nur -2,8% (jetzt -5,5%) ausgegangen und bereits von +0,7% Wachstum für 2012 (jetzt -2,9%). “Leicht” daneben lag die Troika mit ihren Annahmen und wurde wohl selbst von den negativen Auswirkungen der Austeritätsmaßnahmen überrascht?

Den Hammer stellt das aktuelle Negativszenario dar, es offenbart einen unglaublichen Finanzierungsbedarf des Staates von 444,1 Mrd. Euro bis 2020, während das zweite Rettungspaket für Griechenland einen Finanzierungsbedarf von 109 Mrd. Euro bis 2014 beinhaltete. Ab 2015 sollte man sich, nach dieser ursprünglichen Planung aus der zweiten Griechenlandhilfe, wieder über die Kapitalmärkte refinanzieren. Dies ist mittlerweile völlig unrealistisch und im neuen Baseline-Szanario hängt Griechenland bis 2020 am Tropf von IWF und EU und im Negativszenario sogar bis 2030!

Der Finanzierungsbedarf des griechischen Staates, gemäß dem zweiten Rettungspaket mit 109 Mrd. Euro, dem neuen Baseline-Szenario mit 252,3 Mrd. Euro, dem Negativszenario mit 444,1 Mrd. Euro und den beiden positiveren Szenarien mit Schuldencuts, bei 50% Cut mit 113,5 Mrd. Euro und bei einem 60% Cut mit 109,3 Mrd. Euro.

Noch schlimmer sieht es im Scenario with no policy change mit dem Anstieg der Staatsverschuldung zum BIP aus:

Die Entwicklung des Bruttoschuldenstand des Staates in Prozent zum nominalen BIP im Scenario with no policy change. Dafür das es “besser” aussehen wird, sorgt ja die Troika mit ihrer “ausgefeilten” Austeritätsstrategie. Dieses Szenario-no policy change ist natürlich Unsinn, weil die Kapitalmärkte bei der Finanzierung der griechischen Staatsverschuldung schon lange den Stöpsel gezogen haben und so ein Verhältnis zum BIP nie entstanden wäre. Aber im Vergleich dazu sieht das Baseline-Szenario der Troika nach einer “vollbrachten Leistung” aus.

Die Annahmen aus der Entwicklung des Bruttoschuldenstandes des Staates in Prozent zum nominalen BIP beim Baseline-Szenario, nach einem 50% Schuldenschnitt und nach einem 60% Schuldenschnitt. Selbst nach einem Schuldenschnitt von 60% braucht es noch fast 20 Jahre bis die Schulden in der Relation zum BIP auf ein halbwegs erträgliches Niveau von knapp unter 90% fallen!

Festzuhalten bleibt, die Lage ist mittlerweile so aussichtslos, dass selbst nach einem 60% Schuldencut, Austerität, unrealistischen 46 Mrd. Euro Privatisierungserlösen und einem ambitionierten angenommenen BIP-Wachstum von +0,5% für 2013 und von über 2% von 2014 bis 2020, kein substanzieller Beitrag zur Lösung der griechischen Staatsschuldenkrise erzielt wird, sondern erst 2023 unter diesen Maßgaben der Bruttoschuldenstand zum nominalen BIP erstmals unter 100% fällt und 2030 unter 90%. Ganz zu schweigen von den Auswirkungen eines potentiellen 60% Schuldenschnitts für die Banken in Europa. Ein Desaster pur!

Quelle Daten: PDF, Greece Debt Sustainability Analysis 21. October 2011, bei Zerohedge.com

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de

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