Vom Problem der Überwindung der Rechts-Links-Logik – Teil 1: Das Dilemma der SPD

von am 25. September 2013 in Allgemein

In der Politik stehen „Links“ und “Rechts“ traditionell für Gegensätzliches, Unvereinbares. Vereinfacht ausgedrückt steht „linke Politik“ für die Aufhebung von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Unterschieden, „rechte Politik“ für die Bewahrung der Unterschiedlichkeit. „Linke Politik“ wird deswegen auch als progressiv, „rechte Politik“ als konservativ begriffen. Und während in der Wirtschaftspolitik letztere von staatlicher Beeinflussung freie Marktwirtschaft will, betont ihr linkes Pendant die Rolle des starken Staates in der Marktwirtschaft und befürwortet staatliches Eingreifen ebenso wie Umverteilungspolitik.

Links und Rechts verschwimmen in der Politik zusehends

Die Unterscheidung von „Links“ und „Rechts“ hat dadurch bedingt viel mit unterschiedlichen Interessen zu tun, wobei auch hier wieder in Gegensätzen gedacht wird. Die Interessen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern sowie die von Arm und Reich sind die wahrscheinlich bekanntesten Beispiele dafür und sie verdeutlichen zugleich, wer die jeweilige Kernwählerschaft linker und rechter Parteien darstellt.

Wir wissen, dass dies für die politischen Parteien in den marktwirtschaftlich geordneten Industriestaaten allerdings schon seit vielen Jahren so genau nicht mehr stimmt und mehr noch auch praktisch nicht mehr aufgeht.

Das hat einmal mit der in zurückliegenden Dekaden stark angewachsenen gesellschaftlichen Mittelschicht zu tun – die allerdings seit einiger Zeit wieder stark erodiert. Rechte Parteien können es sich aber wegen dieser nach wie vor breiten Mittelschicht nicht mehr leisten, „linke“ Interessen gänzlich unberücksichtigt zu lassen. Umgekehrt gilt dasselbe für linke Parteien.

Nur für linke Parteien problematisch: Der Spagat zwischen Links und Rechts

Während es für rechte Parteien jedoch vergleichsweise leicht möglich ist, linke, soziale Bestandteile in ihre Politik einzubauen und abzudecken, stehen linke Parteien, die rechte Interessen adressieren wollen, vor einer immensen Herausforderung.

Damit verständlich wird, wieso das so ist, möchte ich zunächst auf einen konkreten Fall zu sprechen kommen, der das sehr gut verdeutlicht, nämlich die Wirtschafts- und Industriepolitik von Gerhard Schröder (SPD).

Seine Agenda 2010 war klassische Industriepolitik und der Versuch, diesen Spagat zu schaffen, nämlich die SPD als linke Partei zu etablieren, die auch eine für rechte Interessen sprich für die Wirtschaft hoch interessante, unverwechselbare Politik macht.

Das konnte nicht gelingen.

Wir wissen, dass dieser Versuch die SPD nicht nur fast zerrissen hat. Die Gründung der „Wahlalternative für soziale Gerechtigkeit“ (WASG), die später mit der PDS zur Partei „Die Linke“ fusionierte, war die Konsequenz und die SPD verlor an sie viele Mitglieder und Wähler.

Doch warum es nicht gelingen konnte, hat einen anderen, tieferen Grund.

Das Dilemma der SPD

Die klassische Industriepolitik ist zwar im Unterschied zur liberalen Wirtschaftspolitik rechter Parteien interventionistisch, das heißt sie greift in das Marktgeschehen ein und passt somit in die oben skizzierte Logik linker Politik. Sie basiert jedoch auf derselben liberal-neoklassischen Marktlogik, die, was entscheidend ist, die gesamte Logik rechter Politik von je her und zudem auch in einer ganz bestimmten Weise prägt. Denn es ist eine angebotstheoretische Logik. Das heißt, das die Unternehmen in dieser Marktlogik der Dreh- und Angelpunkt der Märkte und der Marktwirtschaft sind oder anders ausgedrückt die Arbeitgeber und nicht die Arbeitnehmer oder (End)Nachfrager, die die linke Politik fokussiert. Die Nachfrageseite spielt in der liberalen Marktlogik praktisch keine Rolle.

Das wäre nur halb so schlimm für linke Parteien wie die SPD, ginge die liberale Marktlogik in der Realität jederzeit auf – so wie bei Ludwig Erhard in der Nachkriegszeit. Denn dann gäbe es zugespitzt formuliert „Wohlstand für alle“ und damit genau das, was gerade linke Politik will. Diese Logik wäre dann tatsächlich ein Garant für erfolgreiche Wirtschafts- und Industriepolitik im Sinne einer prosperierenden Wirtschaft.

Allerdings gäbe es dann auch keinen klar erkennbaren Unterschied mehr zwischen linker und rechter Wirtschaftspolitik und in der Tat wurde ja Gerhard Schröders Agenda- und Wirtschaftspolitik von vielen als „neoliberal“ bezeichnet, obwohl sie das gar nicht war. Gerhard Schröder hat eine interventionistische und keine liberale (auf Interventionen verzichtende) Wirtschaftspolitik gemacht. Sie war lediglich in hohem Maße mit der liberalen Wirtschaftspolitik kompatibel, weil sie auf derselben Marktlogik aufbaute. Deswegen wird sie auch nach wie vor von der Union gelobt, während sie in der SPD höchst umstritten geblieben ist.

Doch wie gesagt, das wäre alles nur halb so schlimm.

Ein sehr großes Problem ergibt sich de facto für linke Parteien indes daraus, dass die liberale Marktlogik eben nicht jederzeit aufgeht, weil sie bzw. die entsprechende Markttheorie gravierende Fehler aufweist.

Für rechte Parteien ist das ein – zumindest über eine längere Zeit hinweg – viel geringeres Problem als für linke Parteien. Erstens werden rechten Parteien traditionell als „Anwalt“ der Wirtschaft mit hoher Wirtschaftskompetenz angesehen. Zweitens adressieren sie jene Klientel, die wirtschaftlich schlechte Zeiten erst viel später zu spüren bekommt als die Stammwählerschaft der linken Parteien.

Wir sehen aktuell ja auch in der Tat, dass in vielen europäischen Krisenstaaten, aber z.B. ebenso im krisengeschüttelten Japan, liberal-konservative Parteien an die Macht gekommen sind und sich dort trotz anhaltender Krise halten können. Die Erklärung dafür ist ebenso einfach wie ernüchternd: Die linken Parteien gelten nicht als Wirtschaftsparteien und vor allem haben sie kein alternatives und fundiertes wirtschaftspolitisches oder krisenpolitisches Konzept, um die Probleme zu beheben und die Wirtschaft aus dem Tal zu führen.

Überwindung der Rechts-Links-Logik: Anforderungen an eine alternative Marktlogik

Eine für rechte Wählergruppen und speziell für die Wirtschaft interessante, unverwechselbare Wirtschaftspolitik zu machen, stellt für linke Parteien, zusammengefasst aus drei Gründen eine immense Herausforderung dar: Sie müssen

  1. eine andere Marklogik finden, um sich deutlich von rechter Politik und rechten Parteien abgrenzen zu können;
  2. eine realitätstauglichere Marktlogik finden, um speziell gerade auch dann erfolgreiche Wirtschaftspolitik machen zu können, wenn die liberale Marktlogik versagt, so wie aktuell und
  3. sie muss zudem geeignet sein, die Wirtschaft und die eigene, linke Wählerschaft oder – pointiert ausgedrückt – Rechts und Links miteinander zu versöhnen.

Das hat bisher in Deutschland keine Partei auf der linken Seite des Spektrums geschafft. Mehr noch haben diese es – mit Ausnahme von Gerhard Schröder – scheinbar auch nie wirklich versucht. Es ist fraglich, ob dieses Problem überhaupt in seiner ganzen Tragweite erkannt worden ist. In jedem Fall aber steht es erkennbar nicht bzw. mit Blick auf die SPD nicht mehr im Fokus. Die linke Opposition im Bundestag tritt praktisch auf der Stelle. Eine echte Herausforderung stellt sie für Angela Merkel und die Union nicht dar, das hat die Wahl gezeigt und auch das Verhalten nach der Wahl. Es ist eine Papiertiger-Opposition. Die Bundeskanzlerin kann deswegen ihre Politik hier und in ganz Europa weiter als alternativlos verkaufen. Daran ändert sich nichts, egal, ob die SPD in eine Große Koalition geht, in der Opposition bleibt oder das rot-rot-grüne Wagnis eingeht. Das Dilemma bleibt bestehen.

Unterschiedliche Erklärungsansätze für prosperierende Märkte

Es ist mit Blick auf die oben genannten drei Anforderungen wenig wahrscheinlich, dass ein rein angebotstheoretischer Erklärungsansatz für die Marktwirtschaft als Basis für die Wirtschafts- und Industriepolitik von linken Parteien infrage kommen könnte. Dann können sie auch gleich bei der liberalen Marktlogik bleiben.

Allerdings gibt es auch ein grundsätzliches Problem. Es gibt gar keinen vollkommenen Erklärungsansatz dafür, wie reale Märkte und Marktwirtschaften funktionieren. Eine perfekte Orientierungsgrundlage für Wirtschaftspolitik gibt es folglich nicht.

Tatsache ist andererseits aber auch, dass es durchaus nicht nur einen, sondern verschiedene Erklärungsansätze dafür gibt, wie Märkte funktionieren und unter welchen Bedingungen die Marktwirtschaft prosperiert. Keiner ist perfekt. Die wenigsten kennen sie oder haben eine Vorstellung davon, was sie wie erklären und inwieweit das letztlich für die praktische Politik hilfreich sein kann.

Es macht deswegen Sinn, diese Erklärungsansätze einmal etwas näher vergleichend zu betrachten und auf leicht verständliche, anschauliche Weise die Unterschiede zu verdeutlichen. Dadurch werden Stärken und Schwächen evident und ebenso, welche Orientierungen sich daraus jeweils für die Wirtschafts- und Industriepolitik ergeben.

Darum wird es in Teil 2 des Aufsatzes gehen.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

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115 KommentareKommentieren

  • Basisdemokrat - 25. September 2013

    “Umverteilung”

    Anfang der 90-er Jahre verbrachte ich einen Taucherurlaub auf den Malediven. Dort wurden mir zum ersten Mal so richtig bewusst in welchen Dimensionen die Meere leer gefischt werden. Ein riesiger Fischtrawler überragte diese Inselwelt hoch wie ein Gebirge, beeindruckender als wenn man zu ersten mal Central Station in NY verlässt und in der Abendsonne in den dunklen Schluchten eine andere Form des “Alpenglühens” erlebt.
    Jedenfalls beginnt die Umverteilung schon dort, – an den Quellen aller Ressourcen. Ein moderner Begriff der Umverteilung muss dies zwingend in sein Verständnis mit aufnehmen. Eine symptomatische Behandlung heilt wie immer nicht, sondern versucht, das System so lange es geht am Leben zu erhalten. In unseren Verteidigungsrichtlinien ist der Auftrag zur Sicherung der Ressourcen (=Krieg) ausdrücklich vorgesehen.
    Ein humanistischer Ansatz müsste als Mindeststandart jedem Menschen auf diesem Planeten ein “Bedingungsloses Grundeinkommen” quasi als Menschenrecht zubilligen. Wenigstens so lange Geld das Medium ist, an den Ressourcen teilzuhaben.
    Der Einstieg in den Niedriglohnsektor, den Schröder schon 2003 auf dem G20 Gipfel für Notwendig erklärt hat sollte Wohlstand für alle bedeuten? Allein mir fehlt der Glaube!
    Eine der großen Lügen ist doch gerade die Verschleierung des Staatsapparates als neutraler Richter des Interessenausgleichs in der Gesellschaft. Ich sehe eher, dass sich die Upperclass auf heftige Klassenkämpfe vorbereitet. Wer sich bewusst darüber ist, mit welcher Ignoranz das Bildungsbürgertum gegenüber den Belangen der Bevölkerungsteile, von denen sie glauben, dass sie sich doch gefälligst mit den Resten, die sie ihnen übrig lassen begnügen sollen, stehen, kann sich eines Würgreflexes kaum erwehren.
    Und diesen Ignoranten – Ausnahmen bestätigen die Regel- soll man nun eine Wirtschaftstheorie vermitteln, die ihre tieferen Ängste, ihren Sozialrassismus überwinden hilft?
    Ich bin gespannt!
    Hat nicht auch der Neoliberalismus oder Konservatismus immer wieder interveniert, und ist so im Ansatz schon an seinen eigenen Ansprüchen gescheitert. Zumindest in Baden-Württemberg hat die Wirtschaft und die Politik den Anspruch erhoben, dass ihr der Statt gehört.
    Gruß BD

    • Systemfrager - 25. September 2013

      >>> Hat nicht auch der Neoliberalismus oder Konservatismus immer wieder interveniert …
      Bin gespannt, was kommt …
      Einen nichtintervenierenden Liberalismus ist nur ein reines Märchen. SLE, so der Eindruck, schreibt über die Realität aber die Realität kennt keine Märchen … Irgendwie seltsam

    • Frankenfurter - 26. September 2013

      SLEs Hypothese, sowohl “rechte” Angebots- wie “linke”, nachfrageorientierte Wirtschaftslogik führen in eine Sackgasse kann er nur zum Teil belegen. Denn eine echte nachfrageorientierte WP oder Volkswirtschaft gibt es gar nicht. Alle Wirtschaftspolitik gründet heute auf einer Angebotslogik. Mehr oder weniger, denn es gibt große Unterschiede. Und diese Unterschiede sind der Beweis dafür, dass eine bessere Wachstums- und Beschäftigungsdynamik zu erreichen ist, auch ohne sog. “Arbeitsmarktreformen” mit einem Niedriglohnsektor, allgemeinen Lohndumping oder der Verweigerung von angemessenen Lohnuntergrenzen.

      Theorie, Wunschdenken? Mitnichten, ein Blick auf die skandinavischen Länder genügt. Oder auf die Schweiz: 15% höherer Reallohn im sehr erfolgreichen Exportland gegenüber Deutschland. Aktuell diskutierter schweizer Mindestlohn: 20 SFR pro Stunde! Eine allgemeine Bürgerversicherung, in der alle Einkommen einzahlen, ist selbstverständlich. Und das alles schafft die Vorraussetzung dafür, dass die Staatsquote, der Schweiz zu den niedrigsten aller Industrienationen gehört!

      Das Beispiel macht mich sehr wütend auf die SPD und die Grünen. Ihnen möchte ich zurufen: Wenn ihr das alles auch wollt, warum stellt ihr dann nicht die Regierung? Das Mandat der Wähler habt ihr dafür. Ihr seid Feiglinge!

      *Eine wirkliche nachfrageorientierte und ökologische Volkswirtschaft kann nur eine weitgehend geplante Wirtschaft sein. Funktionierte diese auch ohne eine Art “Diktatur des Proletariats”? Ich bin überzeugt davon. Ich stelle sie mir sehr demokratisch und mit jeder Menge Freiraum für den einzelnen Bürger und auch für die Unternehmen vor. [Gewisse Konsum- und Produktionssünden freilich, wie wir sie heute selbstverständlich und ohne schlechtes Gewissen begehen, wären dann aber nicht mehr drin.]

      • Basisdemokrat - 27. September 2013

        “Eine wirkliche nachfrageorientierte und ökologische Volkswirtschaft kann nur eine weitgehend geplante Wirtschaft sein. Funktionierte diese auch ohne eine Art “Diktatur des Proletariats”? Ich bin überzeugt davon. Ich stelle sie mir sehr demokratisch und mit jeder Menge Freiraum für den einzelnen Bürger und auch für die Unternehmen vor. [Gewisse Konsum- und Produktionssünden freilich, wie wir sie heute selbstverständlich und ohne schlechtes Gewissen begehen, wären dann aber nicht mehr drin.”

        So ähnlich habe ich bisher auch gesehen. Dann würde sich die Aufgabe der Politik darauf beschränken, dafür zu sorgen, jeweils neu auszutarieren, wo die Leitplanken einzuziehen sind.

        Inzwischen habe ich große Zweifel, ob die Problemstellung nicht viel tiefer gehender und grundsätzlicherer Art ist.
        Versucht man die einzelnen Teilnehmer am gesellschaftlichen Austausch zu isolieren, stellt man fest, das verschiedene Funktionseinheiten Personalunionen unterschiedlicher Art einnehmen (Was vermutlich eng mit der Herausbildung eines Mittelstands zusammenhängt).

        So hat die Frankfurter Schule dem Proletarier abgesprochen Revolutionäres Subjekt zu sein, teils aus Frustration, weil es ihm nicht gelungen ist, den Faschismus zu verhindern und die Macht zu ergreifen, in der Hauptsache aber, weil sich abzeichnete, dass es Teilen der Arbeiterschaft gelang Vermögen zu bilden. Eigenes Haus, Aktienanteile, Kapital LV etc. .

        Auch auf der Ebene der KMU gibt es viele Betriebe, denen es in prosperierenden Zeiten gelang ein recht ordentliches Vermögen anzuhäufen. Völlig anders sieht es aber aus, wenn man die Unternehmenseinheit isoliert betrachtet. So ist sie Teil des Prozesses der “Schöpferischen Zerstörung” wobei das Schöpferische oft sehr destruktive Formen annehmen kann (Untergehende Kulturen differenzieren oder sollte ich sagen diversifizieren sich im Überflüssigen).
        Gunnar Heinsohn, Uni Bremen:
        ” Der optimale Zerstörer wacht morgens mit einer im Traum gefundenen Erfindung auf, die sein eigenes Patent, das ihm als Weltmonopol herrliche Erträge bringt, alt aussehen lässt. Ein Standardunternehmer würde die Innovation für sich behalten und weiter sein bestehendes Patent ausbeuten. Der Zerstörer aber weiß, dass irgendwo auf dem Globus ein anderer denselben Traum haben könnte. Bevor nun dieser sein schönes Patent entwertet, macht er es selbst. Seine Mitarbeiter keuchen unter diesem Tempo. Er aber weiß, dass diese Radikalität seiner Eigentumsverteidigung dient.”

        Bildlich gesprochen wie ein Künstler entscheiden muss, wann sein Gemälde, Kunstwerk etc. “fertig” ist und er es durch weitere Bearbeitung zerstört, könnte eine Gesellschaft Werkzeuge dafür entwickeln die “Schöpferische Zerstörung” in eine konstruktiv-schöpferische Zerstörung zu verwandeln. Wie sehr dieser Innovationsprozess ins Ungleichgewicht gekommen ist zeigt die danieder liegende Investitionsquote. Mann würde jeden “Dreck” produzieren, solange er Gewinn verspricht, – und tut das zum Teil ja auch.
        ” Ob man eine Sache wirklich braucht oder nicht, ist egal, Hauptsache die Menschen glauben, dass sie sie bräuchten” (frei nach Heiner Flassbeck).

        Zuerst steht also tatsächlich die Erfindung neuer Produkte/Angebote, bedingt durch den elementaren Zwang der Eigentumsverteidigung. Wie lange Menschen und Gesellschaften dieser Dynamik sich anpassen können, die gleiche schöpferische Zerstörung findet ja auch in den Köpfen der Werktätigen statt, ohne die Gemeinschaft durch Machtverlust als ganzes zu zerstören, vermag ich nicht zu beurteilen. Dringend geboten wäre aber, diesen Druck zu vermindern.

        Gruß BD

        • SLE - 27. September 2013

          Hallo Basisdemokrat,

          im Wesentlichen stimme ich mit Ihnen bezüglich Ihrer Ausführungen zur “schöpferischen Zerstörung” überein. Mit diesem Problem habe ich mich selbst auch schon recht ausführlich befasst.

          Auch Ihre Folgerung, eine Gesellschaft könnte “Werkzeuge dafür entwickeln die “Schöpferische Zerstörung” in eine konstruktiv-schöpferische Zerstörung zu verwandeln”, halte ich für absolut richtig. Damit formulieren Sie die zentrale Herausforderung, vor der wir – angesichts der Krise – tatsächlich auch stehen. Anders ausgedrückt geht es darum wie wir verhindern können, dass sich die Marktwirtschaft, befeuert von einer – wie in den letzten Jahren – falschen Politik, die die Probleme verschärft, in Richtung verkrusteter Strukturen, Instabilität und Dauerkrise entwickelt.

          Allerdings ist die von Ihnen gewählte Bezeichnung für das, was man erreichen müsste, nämlich eine “konstruktiv-schöpferische Zerstörung”, es m.E. nicht genau, weil sie noch zu nah an der Vorstellung von Joseph Schumpeter liegt, der nur zwischen der “Kreislaufwirtschaft” und dem radikalen, innovativem Umbruch sprich der “technologischen Revolution” unterscheidet. Dazwischen gibt es bei Schumpeter nichts und deswegen spricht er folgerichtig von einem Prozess der “schöpferischen Zerstörung”, der von ihm jedoch absolut als konstruktiv aufgefasst wird.

          Genau genommen gibt es aber nicht nur radikale Innovationen, die ganze Industrien über Nacht obsolet werden lassen bzw. “zerstören”. Innovationen gibt es vielmehr immer, das heißt zu jeder Zeit, so lange irgendeine Form von Wettbewerb besteht. Sie haben nur unterschiedlich starke und weitreichende ökonomische Konsequenzen oder anders ausgedrückt entwerten sie bestehendes Wissen, bestehende Technologien und bestehendes Kapital unterschiedlich weitreichend.

          Das Kernproblem der liberalen klassischen und mehr noch der neoklassischen Wirtschaftstheorie ist, dass sie uns darüber absolut nichts sagen, weil sie die Entwicklung von Märkten bzw. der Marktwirtschaft ausblenden. Zwar ist diese Entwicklung im Kern ein historischer und streng genommen nicht vorhersehbarer, das heißt evolutorischer Prozess – allerdings nicht aus Sicht der herrschenden neoklassischen Lehre – und eine geschlossene evolutorische Wirtschaftstheorie, die uns diesen Prozesse und seine Bestimmungsfaktoren erklären könnte, gibt es nicht. Gleichwohl gibt aber die dynamische Markttheorie, das heißt das Marktphasen- oder Lebenszykluskonzept durchaus sehr viele Hinweise darauf, wie dieser Prozess abläuft und was die Bestimmungsfaktoren sind.

          Genau deswegen habe ich mir seinerzeit diesen Erklärungsansatz vorgenommen und ihn weiterentwickelt. Die in Bezug auf Innovationen und ihre entwertende bis schöpferisch-zerstörerische Wirkung wesentliche Folgerung daraus ist, dass die entwertende Wirkung von Innovationen – ich spreche i.d.Z. von der “ökonomischen Signifikanz” von Innovationen – im Zuge der Reifung von Märkten tendenziell immer geringer wird, was vor allem mit der ansteigenden Unternehmenskonzentration (Oligopolisierung) zu tun hat. Wenn die Politik das unternehmerische “Establishment” bzw. die größer werdenden Oligopolisten dabei unterstützt, sich in dem sich in dieser Art herausbildenden wirtschaftlichen Umfeld zu behaupten, dann tut sie nichts anderes als die Verkrustung der Märkte und der Wirtschaft zu beschleunigen und quasi zu “zementieren”.

          Dann stellen sich all die Probleme ein, die wir heute haben, von den massiven Ungleichgewichten über die geringe Innovationsdynamik, die danieder liegende Investitionsquote, die Wachstumsschwäche, die Arbeitsmarktprobleme, die sich öffnende Einkommens- und Vermögensschere, die schwache Nachfrage bis hin zur Instabilität und permanenten Krisenanfälligkeit des Wirtschafts- und Finanzsystems.

          Was wir also präziser formuliert finden müssen, sind Indikatoren und Kriterien, die uns anzeigen, wann der Entwicklungsprozess auf Märkten und in der gesamten Marktwirtschaft zu kippen beginnt, das heißt, ab wann wir welche Werkzeuge einzusetzen beginnen müssen, um es nicht so weit kommen zu lassen, dass die Verkrustungen sich derart verfestigen, dass nur noch radikale Innovationen oder Ereignisse (Crashs, Kriege, Katastrophen) diese auflösen bzw. im wahrsten schumpeter´schen Sinne des Wortes “zerstören” können.

          Aus meiner Sicht gibt es zwar definitiv keine exakte Steuerungsmöglichkeit, aber durchaus die Möglichkeit dem frühzeitig durch eine entsprechende Politik entgegen zu wirken – womit wir wieder bei der Frage der dafür geeigneten “Marktlogik” wären.

          Jetzt habe ich natürlich schon meinen Ausführungen in Teil 2 des Aufsatzes vorgegriffen. Nehme Sie es bitte als Einleitung oder Hintergrund und ich denke darüber nach, ob ich diese Erklärungen nicht auch in Teil 2 einbringe.

          Viele Grüße
          SLE

      • Basisdemokrat - 27. September 2013

        “Funktionierte diese auch ohne eine Art “Diktatur des Proletariats”?”

        “Es ist nicht neu, dass bürgerliche Ideologen die stalinistische Diktatur in der Sowjetunion und ihre Satellitenregimes in Osteuropa und der DDR als Diktatur des Proletariats bezeichnen und Karl Marx und Friedrich Engels für die stalinistische Unterdrückung verantwortlich machen. Dass Petra Pau diese große Lüge des 20. Jahrhunderts wiederholt, sagt viel über den rechten bürgerlichen Charakter der Linkspartei. Pau spricht sich damit ausdrücklich gegen eine Arbeiterregierung aus, die die Interessen der arbeitenden Bevölkerung höher stellt als die Profitinteressen der Wirtschaft.
        Beginnen wir mit den Fakten. In der Erarbeitung einer wissenschaftlichen Gesellschaftstheorie haben Marx und Engels nachgewiesen, dass die Geschichte der Menschheit eine Geschichte von Klassenkämpfen ist. Im Anschluss an die frühe Gentilgesellschaft, deren Gleichheit auf allgemeinem Mangel basierte, entwickelte sich mit dem Anwachsen der menschlichen Gemeinschaft eine Klassendifferenzierung.
        Die Entwicklung und Veränderung der Klassengesellschaft wurde durch den Stand, bzw. die Entwicklung der Produktionsmethoden bestimmt. An bestimmten Entwicklungspunkten geriet die Produktionsweise in Konflikt mit den alten gesellschaftlichen Verhältnissen. Dann trat eine Periode gesellschaftlicher Umwälzungen (Revolution) ein. In der Französischen Revolution vor gut zweihundert Jahren – und noch deutlicher in der Revolution von 1848 – wurde erstmals das moderne Industrieproletariat sichtbar, und aus dieser Zeit stammt der Begriff „Diktatur des Proletariats“.
        „Diktatur“ heißt hier nicht mehr als „Klassenherrschaft“. Weil aber in der Vergangenheit und Gegenwart privilegierte Gesellschaftsklassen immer eine Minderheit darstellten, war deren Herrschaft immer mit Unterdrückungsmaßnahmen gegenüber der Mehrheit der Gesellschaft verbunden. Anders beim Proletariat. Entstanden mit der Industrialisierung repräsentiert es ein qualitativ neues Stadium der gesellschaftlichen Entwicklung. War die Klassenherrschaft der Vergangenheit ein Ergebnis der Unfähigkeit, genügend für alle Menschen zu produzieren, so überwand die moderne Industrie diese Begrenzung.
        Das Proletariat vertritt nicht mehr die Interessen einer privilegierten Klasse, sondern verkörperte die große Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung. Seine Klassenherrschaft basiert nicht auf Unterdrückung der Mehrheit durch eine privilegierte Minderheit, sondern umgekehrt: Mit der Herrschaft des Proletariats beginnt die Diktatur der Mehrheit über die Minderheit, d.h. wirkliche Demokratie…..”

        http://www.wsws.org/de/articles/2013/09/27/ppau-s27.html

        • Querschuss - 27. September 2013

          Hallo Basisdemokrat,
          “Das Proletariat vertritt nicht mehr die Interessen einer privilegierten Klasse, sondern verkörperte die große Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung. Seine Klassenherrschaft basiert nicht auf Unterdrückung der Mehrheit durch eine privilegierte Minderheit, sondern umgekehrt.” ….Das ist kein Selbstläufer, sondern wie bereits im realexistierenden Soziallismus vorgelebt, kann das “Proletariat” auch vor allem die Interessen seines Apparates vertreten und nicht die der Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung. Ich sehe keinen Automatismus der so eine Fehlentwicklung verhindert und der von dir kopierte Text liefert keine Hinweise wie Fehlentwicklungen, vor denen auch das “Proletariat” in seinem Handeln nicht gefeit ist, verhindert werden könnten.

          Der Verweis auf die Mehrheit alleine, ist kein Garant dafür, dass diese das Richtige im Sinne der Volkswirtschaft, noch im Sinne der Menschen tut.

          Gruß Steffen

          • Basisdemokrat - 27. September 2013

            “Das ist kein Selbstläufer, sondern wie bereits im realexistierenden Soziallismus vorgelebt, kann das “Proletariat” auch vor allem die Interessen seines Apparates vertreten und nicht die der Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung”
            Der Westen wurde von Hitler befreit (-wenn auch nur rudimentär entnazifiziert), Stalin hat eine ganze Generation von zum großen Teil aus dem 1.WK heimgekehrten Revolutionären und Intellektuellen ausgerottet. Er war der ideale Repräsentant des Apparats, der sich notgedrungen alter Machtstrukturen bedienen musste, die sehr schnell an Boden gewannen. Das Proletariat hatte kaum eine Chance zur Diktatur/Demokratie der Mehrheit. Wie schnell eine neue Elite herangezüchtet wurde lässt sich wunderbar in
            Die Revolution entläßt ihre Kinder 1981, ISBN: 3462014633 von Wolfgang Leonhard nachlesen.
            Aber nicht desto trotz stimme ich ihnen zu.
            Neben dem Unbehagen an der Kultur bleibt auch ein Unbehagen an der Delegation von Macht.
            Und nichts desto weniger gehe ich davon aus, das auf einer möglichst breiten demokratischen Basis entstehendes Wissen langfristig jeder einseitigen Elite Herausbildung überlegen ist.

            Gruß BD

            p.s. realexistierender Soziallismus ist für mich Herrschaftssprache und ideologischer Kampfbegriff

  • Basisdemokrat - 25. September 2013

    Vielleicht gibt es ja auch eine Mindmap zur Genealogie der WiWi!

    http://www.mindmeister.com/de/35349483/mindmap-der-deutschsprachigen-wirtschaftsblogs-by-http-www-blicklog-com

  • Frieda - 25. September 2013

    Wenn linke und rechte Politik einander ähnlicher werden, so spricht das m.E. für die Verhältnisse in unserem Land.

    “Warum sollte ich mich selbstständig machen ?”

    Eine glaubwürdige Antwort unter Beachtung der wirklichen Verhältnisse könnte die Basis für ein zeitgemäßes Profil linker Politik sein.

    Warum sollte ich mich selbstständig machen und ….
    o hohe Risiken eingehen (Krankheit, Konjunktur, Wettbewerb, unternehmerische Fehler – vielleicht gibt es ja noch weitere)
    o nicht nur länger und mehr arbeiten (zumindest sehe ich das bei jedem Selbstständigen)
    o viel Ärger, der auch mit nach Hause genommen wird
    o bin ich erfolgreich, dann wird mir dies eher nicht gegönnt (vermutlich würde ich zunächst einmal selbst mehr behalten wollen und würde damit den rechts / links Konflikt aushalten müssen)
    o Ärger mit dem Finanzamt
    o geringe gesellschaftliche Anerkennung

    Andererseits wissen wir: Wir können nicht alle Arbeiter und Angestellte werden. Oder sollten wir alle vom Staat angestellt werden ?

    Bedenklich ist, dass junge Menschen zunehmend weniger an eine berufliche Selbständigkeit anstreben. Warum ?

    • BigRed - 25. September 2013

      Warum können wir denn NICHT alle Angestellte werden?

      Warum kann der Staat denn NICHT deutlich mehr Leute beschäftigen, als er es aktuell tut?

      Was genau ist denn bedenklich daran, dass “junge Menschen zunehmend weniger an eine berufliche Selbständigkeit anstreben”?

      Ein Argument wär schön.

      • Paernu - 25. September 2013

        Argumente für mehr Selbstständigkeit??!? Argumente gegen Beschäftigtung beim Staat?!?!??

        Bitte schön, da kann ich garnich aufhören:

        1.) Weil ohne Risikobereitschaft sich nichts Neues entwickelt.
        2.) Weil man beim Staat nicht entlassen wird, wenn man faulenzt!
        3.) Weil es Spass macht, Dinge zu entwickeln, auszuprobieren und zu vermarkten!
        4.) Weil Selbstständige weniger auf Ihren Chef hören müssen!
        5.) Weil Selbstständige mehr auf Kunden/Markt hören müssen, weil der ihre Leistung bewertet!
        6.) Weil Selbsständige jeden Tag ein Urteil über Ihre Leistung bekommen!
        7.) Weil Selbstständige jeden Tag Verantwortung für Ihre Entscheidungen übernehmen müssen und sich nicht hinter dem Unternehmen oder dem Chef bzw. Kollegen verstecken können.
        8.) Weil man als Selbstständiger auch mal frei machen kann, wenn andere das nciht können!
        9.) Weil man als Selbstständiger auch dann arbeiten muss und auf Spass verzichten muss, wenn andere frei haben!
        10.) Weil man als Selbsständiger die Disziplin haben muss, seine Lustbedürfnisse dem eigen höheren Ziel unterzuordnen!
        11.) Weil man als Selbstständiger lernt dass man als sein eigener Chef auch mal ungerecht zu sich selbst ist!
        12.) Weil man als Angestellter (Staat oder Bank oder etc.) die meiste Zeit in sinnentleerten Meetings rumhängt!
        13.) Weil man als Angestellter merkt, dass eine Ursache für den “Scheissjob” vielleicht, die mangelnde Lern- und Risikobereitschaft in der Jugend oder Ausbildungszeit war!
        14.) Weil man als Selbstständiger lernt das man auch die Fehler aus 13.) jederzeit beheben kann.
        15.) Weil man als Selbstständiger merkt das es immer einen Weg und neue Chancen gibt!
        16.) Weil es geil ist eine Supergeschäft zu machen und danach den Gewinn einzustreichen.
        17.) Weil es als Selbstständiger Spass macht sich darüber zu ärgern wie andere einem den Gewinn wegnehmen wollen (Staat, Wettbewerb etc) und darüber nachzudenken wie man es verhindern kann.
        18.) Weil das Leben einfach viel zu kurz ist um es in einem Behördenbau zu verbringen, wo jeder darüber nachdenkt, wann endlich Mittagspause und Feierabend ist.
        19.) Weil es als Selbstständiger schön ist die Erfahrung von Beruf und Berufung zu machen.
        20.) Weil bei Behörden Leute den Ton angeben die das richtige Parteibuch haben und Pfründen verteilen statt etwas zu leisten.

        …… etc. habe leider keine Zeit jetzt nohc mehr aufzuschreiben. Aber ich denke ich kann mir ein Urtteil erlauben, habe sowohl beim Staat, Bank, Unternehmen gearbeitet. Seid vielen Jahren selbstständig mit allen Vor-/Nachteilen und Höhen und Tiefen.

        Selbstständigkeit ist nicht nur Unternehmertum, sondern jede Tätigkeit die das Leben in die eigene Hand nimmt und sich einer Aufgabe mit Leidenschaft widmen. Das tun was einem wirklich Freude bereit. Dafür die Verantwortung selbst für alle Konsequenzen die das bedeutet zu übernehmen. Es ist das krasse Gegenteil von : “Hallo, komme mal bitte einer und kümmmer sich um meine Versorgung, dafür tue ich dann was Du von mir willst”.

        In diesem Sinne schönen Tag.
        Paernu

        • Querschuss - 25. September 2013

          Hallo Paernu,
          alles gut und schön, aber in der aktuellen Ausprägung unseres Wirtschafts- und Finanzsystems, Oligopole, Monopole, große marktdominierende internationale Konzerne, einem schwachen Binnenmarkt in Deutschland, stetigem Null-Wachstum bei den Reallöhnen ist kein Platz für erfolgreiche Millionen Selbständige, die von ihren Ideen und ihrer Hände Arbeit leben können. Ich denke, ich habe eine ungefähre Vorstellung davon, wie es mir ergehen würde, als ausschließlich Selbstständiger mit Querschuesse. Zahlende Leser sind rarer gesät, als die Geiz ist Geil-Mentalität und die ausgeprägte Gratiskultur.

          Gruß Steffen

          • fidel - 25. September 2013

            …ganz richtig, es ist extrem hart selbstständig zu sein. Wer als Selbstständiger “echten” Gewinn machen und nicht gehebelt “nur bilanziellen” Gewinn generieren will, hat in der BRD keine Chance mehr.

            Die Innovationskraft der Staatsbürokratie erzwingt zudem einen Wasserkopf, auch wenn es nur eine 400 € Putzfrau ist.

            Ich bin überzeugt, dass das dicke Ende der Krise mit ihren Auswirkungen auf die dt. Unternehmen erst bevor steht. Dann zeigt sich wie schlecht die Politik der letzten Jahrzehnte wirklich war…

            Gruß fidel

          • paernu - 27. September 2013

            Hallo Steffen
            Keine Frage ist das im jetztigen Umfeld schwierig, wenn auch man es schaffen kann.
            Die Geiz-ist Geil Mentalität kommt aber acuh daher, dass den Leuten immer weniger von dem Geld bleibt, was sie verdienen. Die Krake Staat nimmt immer mehr. Ob das für Banken, andere Staaten oder die eigene Bürokratie genommen wird ist egal.

            Es ging mir auch nicht um die derzeitige Zustandsbeschreibung, sondern war eher eine philosophische Antwort auf die Frage von BigREd, warum nicht weniger Selbstständigkeit.

        • Basisdemokrat - 25. September 2013

          “Selbstständigkeit ist nicht nur Unternehmertum, sondern jede Tätigkeit die das Leben in die eigene Hand nimmt und sich einer Aufgabe mit Leidenschaft widmen. Das tun was einem wirklich Freude bereit.

          Dafür die Verantwortung selbst für alle Konsequenzen die das bedeutet zu übernehmen.”

          Im ersten Abschnitt spürt man den Atem der Freiheit, das zweite ist schlechterdings unmöglich.
          Dazu müsste man Hellsichtig sein. Über eine verbale Bekundung und etl. die Haftung mit seinem Vermögen geht das wohl kaum hinaus. Oder um es mit Goethe zu sagen:
          Im ersten bist Du frei – im zweiten bist Du Knecht.

          Und da der Mensch ein soziales Wesen ist, sind wir verpflichtet unsere Hilfe anzubieten.
          (Es gibt allerdings keine Verpflichtung diese auch anzunehmen.)

          Aber das ist Kommunismus Pur!
          http://de.wikipedia.org/wiki/Assoziation_(Marxismus)

          Und bitte, jetzt keine Belehrungen über das Stalinistische Unrechtsregime, welches während der großen “Säuberungen” bis zum Zusammenbruch tausende von Revolutionären ermordet hat!

          Gruß BD

      • Holly01 - 25. September 2013

        Hallo BigRed,
        ein Argument? Ich werde es versuchen :

        Der Staat ist ja die Gesamtheit. Die Verwaltung, das Beamtentum, die Politik, die Staatsgewalt ist ja eine Deligierung, also eine Abtretung von Rechten und Pflichten, der Allgemeinheit (wir alle) an einige wenige.
        Die Legislative/Exekutive/Judikative sind aber in ihrer Gesamtheit wirtschaftlich passiv. Egal was man dort tut, man macht es mit anderer Leute Mitteln/Gelder.
        Es gibt natürlich Auflagen und die werden geprüft und dafür nimmt der Staat auch Gebühren, aber das ist alles nur Mittel zum Gemeinwohl, also Mittel zum Zweck.
        Der Staatsapperat ist wirthschaftlich passiv und lebt vom Rest. Der Apperat ist weder inovativ, noch produktiv.
        Der Staatsanteil ist also nichts anderes, als das was sich die Gesellschaft “leistet”, um das Gemeinwohl zu regeln. Das kann tatsächlich sehr varieren.
        Der Staat kann die Energieversorgung komplett übernehmen. Er verdient damit Geld. Aber es bleibt dabei, der Staat verdient dort Geld zu Lasten der Gemeinschaft aller Bürger. Er erzeugt keine Waren und keine Güter, es sei denn es wird deligiert und die Gemeinschaft aller Bürger verzichtet auf diesem Weg auf die privatwirtschaftlichen Gewinne/Einnahmen und setzt auf der Gegenseite natürlich voraus, dass staatliche Aufgaben, die Geld einbringen, Steuern und Abgaben zumindest senken.

        Man kann den Anteil des Staates (also des Staatsapperates) natürlich ausdehnen. Aber dann sinkt natürlich auch die Zahl derer die man mit den Abgaben belastet.
        Ein Beamter ist durch System und Gesetz, nicht dazu in der Lage seine Versorgung selbst zu gewährleisten, der Staat übernimmt das.
        Ein Politiker (und das ist ein absoluter Sonderfall) ist sogar dazu in der Lage aus jedem seiner Ämter jeweils eine Altersversorgung abzuleiten.
        Politiker erwerben Rechte, die zumeist nicht mit dem Amtsabtritt enden, sondern unbegrenzt sind.
        Die Bundespräsidenten waren da ein Beispiel, der Ehrensold gilt lebenslang.
        Der NRW Ministerpräsident erhielt seine Rechte bis rot-grün lebenslang (ich wüsste nur nicht, daß rot-grün es geändert hätten, aber die hatten das vor …).
        Überspitzt könnte man auch sagen :
        die Inovation der Privatwirtschaft besteht darin, daß es verschiedene Firmen gibt. Wären alle staatlich wäre jede Inovation frei verfügbar und damit sinnfrei (zumindest was die Gewinnseite/Marktposition angeht). Also warum sollte jemand noch in Fortschritt und Inovation investieren?

        Näher betrachtet ist das auch unser Geldsystem Problem. Da die Banken das Geldmonopol haben, wirken sie wie eine verstaatlichte Gesellschaft.
        Die Banken sind Arbeitgeber, Forscher, Kreditgeber, Zwischenhändler und Rechtinhaber in einem.
        Inovation und Produktivität werden da zu Nebensächlichkeiten.
        Die Folgen von zu viel Staat kann man daher sehr schön an “zu viel Bank” ablesen. Ein System, welches als Selbstläufer arbeitet und vor allem anderen sich selbst dient.
        Wirtschaft ist damit unmöglich …..
        Darum ist mehr Staat immer weniger Wirtschaft, darum ist ein Ausgleich immer wichtig.

        • Holly01 - 25. September 2013

          Oder handfester bei Pernu,
          auch dem kann man sicher zustimmen.

  • Roland - 25. September 2013

    SLE ist offensichtlich in die Esotherik abgeglitten.

    “Versöhnung von rechts und links” , dem Ying und Yang. Der Wolf und das Schaf friedlich zusammen auf der Weide – was soll der Blödsinn ?

    • Frieda - 25. September 2013

      @Roland
      SLE ist nicht, wie Sie meinen, in die Esotherik abgeglitten.
      “Ist egal was ich wähle” – haben Sie das noch nie gehört ? Bitte jetzt keine Überheblichkeit !

      In einer Gesellschaft, in der abhängig Beschäftigte und Selbstständig ihre Abhängigkeiten akzeptieren und ausgleichend damit umgehen, taugt das Aufrechterhalten von Feindbildern kaum mehr als Basis für Parteipolitik.

      • Roland - 25. September 2013

        Nichts gegen die kleinen hart kämpfenden Selbständigen.

        Aber: Dass diese kein Klassenbewußtsein haben und schwer eines entwickeln können, das wissen wir jetzt doch schon seit mehr als 100 Jahren.
        Sie sind und bleiben leichtgewichtige Blätter im politischen Wind.

        • Frieda - 25. September 2013

          @Roland
          Klassenbewusstsein – das war gestern.

          Um politisch zu denken braucht es genauso wenig ein Klassenbewusstsein, wie es für Religion eine Kirche braucht.

          Die einfachen Weltbilder taugen nicht mehr, d.h. mit Formulierungen wie “die da oben und die da unten” kann man gerade noch Klassenkampf veranstalten, mehr aber auch nicht.

          • dank - 25. September 2013

            Dankeschön!
            Das sind die Gedanken, die es lohnt weiter zu denken.

            Klassenbewusstsein war gestern und ist weder zeitgemäß noch den Entwicklungen der letzten beiden Jahrzehnt gerecht. Relikte aus einem anderen Jahrhundert, nicht mehr.
            Die Parteien MÜSSEN sich neu erfinden. Sind geht es mit dem Einheitsbrei weiter bis zum Einparteien-System und das ohne großen Zwang. Schwarz hat das kapiert und verhält sich mittlerweile so; frisst sich quer durch die Parteienlandschaft – da eine Abgrenzung der Gegenseite nicht mehr nur in diesem Schemadenken funktioniert… Und bald kann das “nur” aus diesem Satz gestrichen werden.

          • weise aus dem morgenland - 26. September 2013

            “Um politisch zu denken braucht es genauso wenig ein Klassenbewusstsein”

            Wie kommen Sie zu dieser Aussage? Sind Sie der Meinung, daß es keine Klassen gibt oder daß darin keine Problematik liegt?
            Bitte erläutern Sie etwas näher. Danke !

        • Frieda - 25. September 2013

          @Roland
          Übrigens: Ist Ihnen bewusst, dass das Gros der deutschen Wirtschaft genau die kleinen Gewerbetreibenden sind ? Das sind ca. 2,5 Mio. Betriebe.

          • Roland - 25. September 2013

            Das ist eine Selbsverständlichkeit.

            Die Klein-Selbständigen sind in der Regel “arme Schweine” und an der Grenze zum Prekariat. Sie wollen es sich aber meistens nicht eingestehen und träumen vom “Großen Projekt” oder “Durchbruch” oder wenigstens von einer auskömmlichen Nische.

            Und der etwas größere Mittelstand steht unter enormen Druck der Großkonzerne, die ihn gnadenlos bekämpfen.
            Na dann versöhnt Euch mal schön, Ihr Illusionisten.

  • sadoma - 25. September 2013

    Danke SLE,

    eine der besten Analysen der intellektuellen Herausforderung vor der alle politisch denkenden Menschen die sich nicht dem traditionellen “der Markt wirds schon richten Lager” zugehörig stehen.
    Ohne das abarbeiten an den drei Herausforderungen wird keine “geistige Wende” und somit auch kein Machtwechsel möglich sein. Sollten wir an dieser Aufgabe scheitern sehen wir uns in zwanzig Jahren in der Anarchie wieder 🙁

    Ich freue mich auf den zweiten Teil und hoffe dass auch die Denkschule um Steven Keen genannt wird 😉

    • Frieda - 25. September 2013

      Ich kann mich Ihrem Kommentar nur anschließen.

    • dank - 25. September 2013

      Doppelplusgut

    • Holly01 - 25. September 2013

      /sign

    • weise aus dem morgenland - 26. September 2013

      Meine Meinung dazu (etwas pessimistisch, aber ich lasse mich gerne belehren):
      Es ist ein unlösbares Problem vor dem wir stehen.
      Wir müssen einerseits ein anderes “System” finden, da das System in dem wir jetzt leben völlig verrückt ist, ungerecht, zerstörerisch, entfremdend, unmenschlich, kalt, ritualisiert, automatisiert und inkompatibel mit den natürlichen Abläufen, Leben, Körper und Psyche ist.

      Und wir müssen uns selbst komplett ändern, da wir durch eben dieses System mit all seinen Auswüchsen und Einrichtungen, also das komplette Leben hindurch, zu einem verrückten, ungerechten, entfremdeten usw. Menschen erzogen werden, der nicht mehr weiß wer oder was er ist, woher seine Gefühle und seine Einstellungen kommen, völlig verwirrt und robotergleich in den Untergang rennt und sich einbildet, daß das alles vielleicht doch einen SInn macht und vielleicht doch “Natur” ist.

      Also einmal sich selbst ändern und dann noch die Gesellschaft und ihre Organisation und die verrückten Ideen ausmerzen, die in jedem stecken und an die er glaubt und und dann noch gleichzeitig doch im System bestehen wollen und wenn nicht wollen dann eben müssen und und gleichzeitig an sich selbst arbeiten, in sein ungeschminktes Gesicht sehen, Empathie empfinden zur Umwelt und Anderen, seine eigenen wahren Gefühle entdecken und sein wahres Ich und gleichzeitig noch im System leben und gleichzeitig noch das System ändern, das keinerlei Drang dazuhat sich selbst zu ändern und sich selbst bewußt zu werden, so wie die Einzelteile keine Lust haben die Wirklichkeit wahrzunehmen, alle in einem Wahn, gefangen in Ideen einer Scheinwelt aus der sie nie entrinnen können, weil sie nicht wissen, daß sie in einer Scheinwelt leben usw. usw. usw.

      Unlösbar meiner Meinung nach, leider.

      • weise aus dem morgenland - 26. September 2013

        Beispiel: Wieviele Menschen unserer Sozialisation würden eine Stubenfliege erschlagen, ohne daran zu denken, daß es sich dabei um ein Lebewesen wie man selbst handelt, das neben uns existiert und nicht erschlagen werden muß, da sie keine Gefahr darstellt.

        So und jetzt steigt der ganze Müll empor, der uns erzählt worden ist, eingebläut durch tausende Wiederholungen in Funk und Fernsehen, zuhause, in der Schule usw. raus: ABER die haben doch soviel Keime! Pfui Bä, eklig usw. (andere Rechtfertigung nach Laune einfügen).
        Also feste druff und danach noch schnell das Fenster mit Glasreiniger saubermachen.

        Auch solche scheinbaren Kleinigkeiten und Selbstverständlichkeiten sind Ideologie, sind Wahnsinn, sind politisch (religiös) und auch wirtschaftlich motiviert bar jeglicher wirklicher Logik oder korrekter Realitätsdeutung.

  • dank - 25. September 2013

    Entweder die linken Parteien findet einen Weg, es den rechten gleich zu tun und entwickeln ein neues Modell, dass auch wirtschaftlich tauglich ist – oder sie ist in diesem Sinn in 2-3 Wahlen nicht mehr relevant, wenn es um Wahlen und Regierungsbildungen geht. Alternativ treffen sich die Linke und die Rechte in einigen Jahren an den Barrikaden…

    Mag sich nach schwarz-weiß-Denken anhören, doch bitte was ist von Parteien zu halten, die es nicht schaffen, obwohl (vermeintlich) im gleichen Spektrum angesiedelt, zusammenzuarbeiten und das – noch schlimmer – im Vorhinein ausschließen?! Lächerlich… Vielleicht spielen die angeblichen Schwestern und Brüder aber schon länger in unterschiedlichen Teams – sprich, der SPD steht eine weitere parteiliche Aufspaltung bevor? Wenn rot wie schwarz aussieht und sich auch so gibt – warum sollte es noch rot genannt werden? Grün zerlegt sich auch ohne eine Koalition mit der CDU/CSU selbst. Ja, wann hat grün vergessen, warum sie grün genannt wird?

    Gesamt ist zu vermelden, dass die Parteien des Bundestages, die seitdem in Regierungsverantwortung standen, zur Jahrtausendwende
    a) sehr einheitlich wurden (besonders in den großen Fragen) und
    b) vergessen haben die Bürger – und damit den Souverän und auch Staat mitzunehmen
    c) oder sich wenigstens noch an den eigenen Werte messen zu lassen.

    Der Clou zu diesen Wahlen wäre (gewesen) – 2 Tage vor Ablauf der Verhandlungsfristen zur Regierungsbildung Mutti vom heiligen Stuhl nach Hause zu schicken und sich als stärkste Kraft im Staatstheater zu präsentieren. Aber Unfähigkeit der Linken sich mit ihresgleichen zusammenzuraufen ist
    a) eine Schande
    b) schade und zeugt von Kleingeistigkeit
    c) deren trauriger Untergang (hierdurch wird die Sinnfrage für Demokratie auch gleich mit gestellt)
    Ungenützte Gelegenheiten werden nun einmal in der Geschichte ohne Revision abgestraft…

    Alternativ wäre wenigstens der eine kleine Nenner sinnvoll, sich jetzt nicht auf fruchtbare Verhandlungen mit der CDU/CSU einzulassen und das Zünglein an der Waage nicht herauszurücken und Neuwahlen zu provozieren. Das hierbei nichts besser werden muss – ist klar. Ein Einknicken mit Koalitionsbildung, egal welcher Couleur stellt nur ein Verschieben dieser Entscheidung bis in maximal (!) 4 Jahren dar mit der Hoffnung, dass nur genügend reaktionäre von Aussen es schon richten werden.. .
    Ob noch jemand am Verhandlungstisch sitzen wird, der politisch Pokern kann?

    Grüße&
    dank

  • tugrisu - 25. September 2013

    Sorry, aber es gibt überhaupt keinen “Markt”, wo Marktgesetze dann auch wirken könnten. Es gibt nur ein Monopol, und zwar ein Geldsystemmonopol. Oder kann hier jemand zwischen verschiedenen Geldsystemen auswählen? Nein, es gibt nur das Zins-Schuld-Geldsystem. Der Geldbesitzer ist allen anderen Marktteilnehmern immer im Vorteil. Und die Unternehmen sind auch nicht der Dreh- und Angelpunkt. Denn diese werden ebenso zu gemacht, wenn sie keinen “Gewinn” (Zins) mehr abwerfen, wie vorher Arbeiter entlassen werden. Beide, Rechte und Linke, versuchen nur ein und dasselbe Problem mit verschiedenen Prioritäten zu bekämpfen. Und deshalb ist es auch völlig egal, wie die Regierung aussieht, sie wird in jedem Fall, früher oder später, scheitern. Auch eine AFD kann daran nix ändern.

    • Eurelios - 25. September 2013

      Auch eine AFD kann daran nix ändern.

      Da wäre ich mir nicht so sicher. Ein Versuch wäre es Wert.

      Wir machen auf jeden Fall weiter:

      https://www.alternativefuer.de/ 🙂

      • tugrisu - 25. September 2013

        Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.
        Kannst du mir in einem Satz sagen, was Geld wirklich ist?

        • Freiberufler - 25. September 2013

          Ich bin zwar nicht gefragt, aber:
          Geld ist eine auf eine definierte Verrechnungseinheit lautende Forderung gegen ein Bank.

          • Eurelios - 25. September 2013

            oder einfach nur ein praktikables Tauschmittel.

            Und Wahnsinn ist für mich immer noch an den Euro und an der Mutti sich fest zu halten. 🙂

    • Frieda - 25. September 2013

      @turgrisu
      “Es gibt keinen Markt ….” – dann versuchen Sie doch sich selbst zu einem höheren Preis zu verkaufen, oder machen Sie sich selbstständig. Dann merken Sie ganz deutlich, was Sie unserer Gesellschaft wert sind.

      “Es gibt nur ein Monopol …” – es ist gut so, dass nicht jeder sein eigenes Geld machen kann. Ich hätte keine Lust auf Tauschhandel. Schlecht wäre es, wenn das Geld, das ich für meine Arbeit erhalte, eines Tages nichts mehr wert wäre. Natürlich gibt es noch andere Monopole (z.B. ist nicht jeder berechtigt Gewalt anzuwenden oder Gesetze zu machen). Wie schädlich Monopole im Wirtschaftsleben sind (auch wenn jeder für sich weniger Wettbewerb wünscht) durfte erst jetzt K+S erleben.

      Und das mit dem Zins und den Schulden ist eine einfache Sache: Zins steht für Risiken eingehen. Die Banken würden z.B. derzeit gerne mehr Geld verleihen, scheuen aber auch das Risiko. Andere Frage: Würden Sie einem wenig Vertrauen erweckenden Menschen einfach so mal für 5 Jahre Geld leihen (z.B. einen Monatslohn) ?

      Na ja – eigentlich müßig darüber zu schreiben.

    • Holly01 - 25. September 2013

      Hallo dank, ansich ein guter link. Hr. Hoff hätte sich nur entscheiden sollen:
      entweder alle bestochen, dann ist das Verhalten nur logisch, oder ebend nicht, dann ist die Empörung logisch.
      Aber alle bestochen und empört, naja, Entschudigung aber das klingt für mich recht naiv.

    • Basisdemokrat - 25. September 2013

      • Holly01 - 25. September 2013

        Hallo BD,
        der Verrat war für die SPD folgenlos. Die dürften nicht einmal 2% bekommen nach der Argenda.
        Aber die Leute wählen ja ein lebenlang die gleiche Partei …………
        Die Konditionierung ist klar, das Wahlvolk murrt, aber es bestraft nicht.
        Besser kann man es der Politik nicht beibringen …..

      • Holly01 - 25. September 2013

        Ein Jahr alt ….

        aber er hat es nun einmal “drauf”.

  • Peter - 25. September 2013

    Rechts-Links Logik?
    Im Moment ist es doch so, dass für das Finanzwesen und die oberen 1%, “linke Politik ” gemacht wird. To Big to Fail, Anlagen ohne Risiko usw. Für die unteren 99% der Bevölkerung gilt aber “rechte Politik”. Eigenverantwortung, Hartz IV, usw. Warum merkt das keiner?

  • Holly01 - 25. September 2013

    Gumo,

    ein guter Artikel von Hr. Novak zum rechts-links Diskurs.

    http://www.heise.de/tp/blogs/8/155024

  • Freiberufler - 25. September 2013

    Ob links, ob rechts – im Kern sind sie alle Umverteilungsparteien. Von links nach rechts, von oben nach unten, von unten nach oben, von klein nach groß, vom Staubsauger in die Gießkanne und so weiter.
    Jeder dieser Geldströme wird als “sozial”, “gerecht”, “vernünftig” etc. verkauft. Linke Wirtschaftspolitik heute, das heißt, Systemfehler durch Umverteilung (Mindestlöhne, Reichensteuer etc.) zu “korrigieren.” Mit einem starken Staat nach französischem Vorbild. Gerne auch hoffnungslos bankrott, dafür hat man dann ja eine Zentralbank.

    Die letzte Systemfrage, das war, als Adenauer und Erhardt die Preiskontrollen aufhoben und die Lebensmittelmarken abschafften.
    Analog wäre die heutige Systemfrage, ob man Banken retten muss. Doch diese Frage darf nur von Rechtspopulisten, Rattenfängern und marktradikalen Professoren gestellt werden.

  • Patrick - 25. September 2013

    SLE

    Gefährliche Wünsche hast du da. Die letzten, die versuchten links und rechts zu versöhnen waren die Faschisten aller Art. Und ausnahmslos alle, sind dafür über Leichen gegangen.

    Egal wie altmodisch das jetzt klingt: Solange wir in diesen Klassen-Verhältnissen leben, wird sich das auch in verschiedenen sich antagonistisch zueinander verhaltenden politischen Organisationen widerspiegeln. Dass sich die offiziellen Linken und Rechten Parteien praktisch zur ununterscheidbaren Gleichheit angeglichen haben, hat nichts mit irgendeiner tiefen Veränderung des Kapitalismus zu tun, was die Rede von Klassen heute unnötig machen würde. Es ist doch viel eher ein Krisenphänomen (und der Beginn dieser Krise fing sich schon an Anfang der 70er Jahre abzuzeichnen), in der Art, dass das Kapital als gesamtgesellschaftlichem Verhältnis, es nicht mehr auf die Reihe kriegt, die gesellschaftliche Reproduktion auf eine Weise hinzukriegen, dass alle “am Produktivitätszuwachs” wie es so schön heisst, teilhaben. Der Witz am Kapital ist doch, dass sein Zweck nicht die Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse ist, auch in irgendeiner alternativen Marktlogik nicht, sondern ausschliesslich der bornierte Zweck aus Geld mehr Geld zu machen. Krise ist dann, wenn dieser Prozess ins Stocken gerät und man auf solzialreformerischem Wege für die vielen deklassierten nichts mehr holen kann, weil der Spielraum dazu zu klein geworden ist. Darum rückt die Linke nach rechts. Die Rechte bleibt da, wo sie in diesen Fragen immer war: Auf der Seite der Kapitalisten, wie du ja selbst auch siehst.

    Wie soll eine Versöhnung von links und rechts denn nun aussehen, wenn man die gewalttätigen Formen der Vergangenheit, wie bspw, die Volksgemeinschaft der Nazis oder den Korporatismus der Faschisten nicht wiederholen möchte?

    Grüsse
    Patrick

    • SLE - 25. September 2013

      Hallo Patrick,

      es macht keinen Sinn, das Pferd von hinten aufzuzäumen: Der Faschismus in der späten Weimarer Republik war ein Ergebnis der sich verschlechternden und letztlich katastrophalen wirtschaftlichen Lage UND der Unfähigkeit der im Parlament vertretenen Parteien und Politiker, daran etwas zu ändern. Und genau so verhält es sich doch heute wieder – in Griechenlnad, in Portugal, in Spanien usw.

      Ich habe auch den Eindruck, dass Sie meine Ausführungen missverstehen: Es geht mir nicht darum, rechte oder linke Politiker zu verändern, sondern die Ursache der Unfähigkeit all dieser Politiker herauszustellen, etwas an der sich in Europa weiter verschlechternden Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage und der dadurch bedingten ernsten Konsequenzen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und für den Parlamentarismus (Radikalisierung) zum Positiven zu verändern.

      Es ist auch nicht so, dass ich glaube, irgendeine der von mir noch zu thematisierenden Marktlogiken sei so eine Art Blaupause für die Politik und die Realisierung eines Idealzustandes sei damit möglich. Weit gefehlt. Es geht allein darum, aufzuzeigen, dass funktionierende und prosperierende Märkte unterschiedlich erklärt werden und inwieweit uns diese Erklärungen dabei helfen, besser zu verstehen, was auf den Märkten und in unserer Marktwirtschaft heute geschieht, warum es geschieht und was falsch gemacht bzw. wie geändert werden könnte.

      Sie und viele andere sowie gerade auch Politiker gehen immer so selbstverständlich davon aus, ganz genau zu wissen wie Märkte und die Marktwirtschaft funktionieren. Ich frage mich, woher sie alle diese Gewissheit nehmen. Ich beschäftige mich mit diesem Problemkomplex seit mehr als zwanzig Jahren und bin mir selbst gar nicht so sicher. Was ich weiß, ist, dass es eindeutig Wissens- und Erklärungslücken gibt.

      Zu wissen und beschreiben zu können, wie die Märkte und unsere Marktwirtschaft heute oder vor fünf Jahren in der Realität funktionier(t)en ist jedoch NICHT dasselbe. Denn was wir sehen, ist nur eine Momentaufnahme in einem evolutorischen Prozess, dessen konkreter Verlauf von vielen Faktoren abhängt. Das gibt uns keinen Aufschluss darüber, wie wir dahin gekommen sind und wie es weiter geht und schon gar keine zuverlässige Erklärung, warum.

      Der Einfluss der Faktoren ist nicht immer derselbe und wie sie zusammenwirken bzw. welchen Konsequenzen sich daraus jeweils für Wettbewerb, Märkte und die Marktwirtschaft ergeben, darüber haben die Ökonomen alles andere als eine fundierte, gesicherte Erkenntnis und damit schließe ich mich selbst mit ein. Es gibt unterschiedliche Erklärungen und wir sind dabei auf Hypothesen angewiesen. Etwas anderes haben wir nicht und deswegen kommt es darauf an, das Beste daraus zu machen.

      Nochmals: Die Erklärungsansätze sind nicht als Blaupausen gedacht, sondern als Orientierung, die wir bzw. die Politik bitter nötig hat, weil das Märchen von den sich selbst regulierenden Märkten ausgeträumt sein dürfte. Weil es aber verschiedene, unvollkommene Erklärungsansätze gibt, müssen wir sie zunächst verstehen, um ihre Stärken und Schwächen und den jeweiligen Orientierungswert für die Praxis erkennen zu können!

      Genau darum und um nichts anderes geht es im zweiten Teil des Aufsatzes.

      Viele Grüße
      SLE

      • Freiberufler - 26. September 2013

        Hallo SLE,

        Sie schreiben:

        “Es geht mir nicht darum, rechte oder linke Politiker zu verändern, sondern die Ursache der Unfähigkeit all dieser Politiker herauszustellen, etwas an der sich in Europa weiter verschlechternden Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage und der dadurch bedingten ernsten Konsequenzen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und für den Parlamentarismus (Radikalisierung) zum Positiven zu verändern”

        Meine These: Die Kaste der Politfunktionäre will keine Probleme lösen, sondern den status quo erhalten. Sie ist aus dem selben Grund unfähig, irgendetwas zu ändern, wie es das DDR-Politbüro war. Die DDR-Führung wusste von Anfang an, dass ihre Wirtschaft nicht funktionieren konnte, weil sie falsche Preise festgesetzt hatten. Doch eine Abkehr von dieser Politik hätte das Dogma von der Überlegenheit des Sozialismus in Frage gestellt. Es wurde weiter gewurstelt bis zum bitteren Ende.

        • SLE - 26. September 2013

          Hallo Freiberufler,

          damit sprechen Sie etwas sehr Wahres an.

          Gruß
          SLE

  • JL - 25. September 2013

    Sehr geehrter Stefan L. Eichner

    Das „..Problem der Überwindung der Rechts-Links-Logik…“ ist wohl- zumindest für mich- nicht lösbar.

    Warum?

    Logisch betrachtet haben Parteien keinen Markt geschaffen, sie sind das Ergebnis des Marktes, besser gesagt des Ungleichgewichtes innerhalb dieses Marktes. Parteilich wird man nun mal erst, wenn es eine wesentliche Differenz von Haben (Gewinn) und haben müssen (Lohn) gibt. Diese Differenz (Kapitalkonzentration) versucht man mittels parteilicher Staatspolitik und den dort vorhandenen „Stellschrauben“ (Gesetze)- wie auch immer- zu beeinflussen (Verwalten).

    Würde also ein funktionierendes Marktmodell tatsächlich greifen und diese Differenzen wesentlich abbauen, verlören die Parteien- und damit auch das westliche Staatswesen- die Geschäftsgrundlage.

    Mit freundlichen Grüßen
    JL

    • SLE - 25. September 2013

      Hallo JL,

      natürlich muss es Differenzen geben. Das ist sogar absolut notwendig. Aber es sind Differenzen, die in einem fortlaufenden Prozess anfallen und dies ist der Wettbewerbsprozess. Wer in diesem Prozess wann gewinnt, wissen wir nicht. Wir wissen aber, dass etwas nicht stimmt, wenn es immer dieselben sind und die Differenzen/Konzentration ansteigen. Das gilt im Grundsatz auf Warenmärkten ebenso wie auf dem Arbeitsmarkt oder eben auf dem Finanzmarkt.

      Das heißt also, dass Wettbewerb effektiv arbeitet, wenn es immer wieder zum Auf- und Abbau solcher Differenzen kommt. Im günstigsten Fall ergibt sich phasenweise eine dynamische Balance. Wenn das so ist, dann ist alles o.k.

      Das Problem ist aber, dass Wettbewerb nicht prinzipiell selbstregulierend ist.

      Die Parteien – rechte wie linke – müssen alle ein Interesse an einer gut funktionierenden, prosperierenden Marktwirtschaft haben. Denn nur wenn das gegeben ist, gibt es etwas zu verteilen, worüber sich die jeweilige Klientel auch freut. Andernfalls geht es – wie heute – um die Verteilung von Lasten und Kosten.

      Ob und wie die Parteien verteilen, will ich hier nicht beurteilen und ich will es auch nicht über die Marktlogik beeinflussen. Es geht dabei nur um die Frage, wie wir funktionierende und nach Möglichkeit prosperierende Märkte bzw. eine prosperierende Marktwirtschaft realisieren können. Parteien verlieren dadurch nicht ihre Geschäftsgrundlage, sondern können sie im Gegenteil nur so überhaupt bewahren.

      Viele Grüße
      SLE

      • zykliker - 25. September 2013

        “Die Parteien – rechte wie linke – müssen alle ein Interesse an einer gut funktionierenden, prosperierenden Marktwirtschaft haben.” Schon dieser Satz allein ist – leider – eine Trennlinie zwischen Wissenschaft und Politik, hinter die sich der Wissenschaftler bequem in seinen Elfenbeinturm zurückziehen könnte, wenn die Realität partout nicht modellgerecht funktionieren will.

        Will sagen: Sollte es nicht auch Aufgabe der Wissenschaft sein, moralische Handlungsmotive an der Nahtstelle zwischen Politik & Wirtschaft zu untersuchen (selbstverständlich auf “wissenschaftlichem Niveau”), weil nur unter Einbeziehung wirklich aller menschlichen Motive auch das Funktionieren/Nicht-Funktionieren von Märkten/Wettbewerb einigermassen vollständig untersucht werden kann.

        Und schon sind wir mittendrin: Hat der rechte wie linke Politiker wirklich aufrichtiges Interesse daran, seine Klientel einem wirklich funktionierenden Wettbewerb auszusetzen? Ist es nicht allzu menschlich, über den Mittelständler im eigenen Wahlkreis ein wenig die schützende Hand zu halten? Und wird nicht ein aufrechter Linker sagen: “Moment mal, Wettbewerb am Arbeitsmarkt geht gar nicht, der Schwache muß doch geschützt werden”? Und das alles noch längst ausserhalb aller “pösen Korruption!” Wenn sich der Mittelständler, der Sparkassendirektor und der Bürgermeister am Golfplatz treffen, um über Grundstückspreise zu diskutieren, werden sie dann aufrichtiges Interesse an einem funktionierenden Wettbewerb haben?

        Bevor der Wissenschaftler also versuchen kann, mit alternativen Erklärungsmodellen der Politik zu helfen, bessere Entscheidungen zu treffen für eine prosperierende Wirtschaft, muß er der Allgemeinheit und der Politik klar machen, dass zumindest bisher das “Interesse an einer prosperierenden Marktwirtschaft” keineswegs selbstverständlich ist, und zwar durchaus nicht nur aus Unwissenheit oder einem falsch verstandenen “Gutmenschentum.” Erst wenn diese Basis quasi verpflichtend allgemein akzeptiert ist, ist die Öffentlichkeit überhaupt in der Lage, sich alternative Markt-/Wettbewerbsmodelle anzuhören.

        Die Widerstände bis dahin dürften allerdings nicht gering sein, denn die bisherigen Profiteure des status quo haben kein Interesse an besseren Erkenntnissen. Hier darf durchaus die katholische Variante des Mittelalters als Exempel dienen, gerade auch im Umgang des Managements mit den eigenen Schriftgelehrten.

        • Jan - 25. September 2013

          @Zykliker

          Großen Beifall meinerseits!

          Jan

        • SLE - 25. September 2013

          Hallo zykliker,

          Ihren Satz “Will sagen: Sollte es nicht auch Aufgabe der Wissenschaft sein, moralische Handlungsmotive an der Nahtstelle zwischen Politik & Wirtschaft zu untersuchen (selbstverständlich auf “wissenschaftlichem Niveau”), weil nur unter Einbeziehung wirklich aller menschlichen Motive auch das Funktionieren/Nicht-Funktionieren von Märkten/Wettbewerb einigermassen vollständig untersucht werden kann.” kann ich persönlich nur unterschreiben.

          Was ich zum obigen Thema wissenschaftlich erarbeitet habe, ist bewusst auch an dieser Auffassung von der Aufgabe der Wirtschaftswissenschaften ausgerichtet. In der Tat war sie auch bis etwa 1950 unter Ökonomen verbreitet. So bekannte Ökonomen wie etwa Walter Eucken (30er-späte 40er Jahre), auf den das spätere Konzept der “Sozialen Marktwirtschaft” ja zurückgeht, vertrat diese Auffassung. Danach erst haben sich diejenigen durchgesetzt, die, wie Sie es ausdrücken, eine Trennlinie einziehen und sich somit immer leicht in ihren Elfenbeinturm zurückziehen können. Das hat damit zu tun, dass die zuerst genannten die Wirtschaftswissenschaften nicht als exakte Wissenschaft ansahen und insofern auch sehr viel weniger Vertrauen in formaltheoretische, mathematische Modelle hatten als die heute herrschende (neoklassische) Schule.

          Ob Politiker wirklich ein aufrichtiges Interesse haben, ihre Klientel wirklich funktionierendem Wettbewerb auszusetzen, ist insofern eine realitätsferne Frage, als es den Politikern ja nicht darum geht, die wettbewerbliche Marktwirtschaft abzuschaffen, damit der Mittelständler um die Ecke friedlich Gewinne machen kann. Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) haben in der Masse ja kein homogenes Interesse. Zudem ist der Einfluss von KMU auf das Marktgeschehen generell eher recht gering.

          Um es etwas plakativer zu sagen: In einer klein- und mittelständisch geprägten Volkswirtschaft haben sie kein ausuferndes Lobbyismusproblem und auch keine machtvolle Beeinflussung von Politikern. Das haben sie nur in einer hochkonzentrierten, oligopolisierten Marktwirtschaft, in der die Märkte jeweils nur von ein paar sehr großen Unternehmen dominiert werden. In der von mir entwickelten Marklogik ist das ein Problem, weil danach gar kein wirklich effektiver Wettbewerb mehr herrscht. In der liberalen Marktlogik ist das indes im Prinzip gar kein Problem, solange formal Wettbewerbsfreiheit vorliegt und in der neoklassisch geprägten Marktlogik ist das sogar wünschenswert!

          Jetzt sagen Sie mir mal, welche Schlüsse Sie daraus ziehen.

          So wie ich das sehe, hat das absolut nichts mit der Klientel der unterschiedlichen Parteien zu tun.

          Nahezu alle etablierten Parteien, auch die SPD und auch die FDP, die sich die liberale Marktlogik ja groß auf die Fahnen geschrieben hat, machen Klientelpolitik. Wenn sie es nicht täten, wäre das Problem nicht mehr rund laufender, nicht mehr prosperierender Volkswirtschaften, oligopolisierter, gesättigter Märkte, zunehmender Ungleichgewichte und der weit geöffneten Schere zwischen Arm und Reich immer noch da.

          Es ist schlicht ein anderes, aber eben fundamentales Problem, das darin besteht, wie bestimmte Marktgegebenheiten und Ausprägungen des Wettbewerbs seitens der Parteien und Politiker, die eine darauf gerichtete Politik machen, bewertet werden und bei dem es darum geht, ob die Marktlogik, die sie verinnerlicht haben, die Marktwirtschaft wirklich zu dem macht, was sie sich aus Sicht der Ökonomen, die diese Logik entwickelt haben oder vertreten, eigentlich sein sollte. All die oben exemplarisch angesprochenen Probleme dürfte es demnach eigentlich überhaupt nicht geben.

          Viele Grüße
          SLE

      • JL - 25. September 2013

        Sehr geehrter Stefan L. Eichner

        Ihre Feststellungen sind fast identisch mit meinen Ansichten.

        Wenn Sie schreiben „…dass Wettbewerb nicht prinzipiell selbstregulierend ist.“ haben Sie aus meiner Sicht vollkommen und uneingeschränkt Recht und vollste Zustimmung hierzu.

        Und schon sind wir bei der eigentlichen Kernfrage.

        Wer legt Marktbeschränkungen- warum auch immer- fest und wer hebt Marktbeschränkungen- warum auch immer- wieder auf?
        Beispiel: Keine Risikorücklagen von Banken bei europäischen Staatsanleihen.

        Und wer verändert Märkte?
        Beispiel: Umstellung der Umsatzsteuer in Deutschland von der Brutto- zur Nettoumsatzsteuer ab 1968.

        Es sind bei diesen beiden Beispielen Politiker- wer und wo auch immer.

        Der Glaube, daß politische Entscheidungsträger das wirtschaftlich sinnvollste erschaffen oder nachhaltig bewahren würden, obwohl es natürlich ihre Pflicht wäre, wurde geschichtlich betrachtet noch nicht einmal bewiesen. Deshalb sollten Wirtschaften wirtschaftlichen Betrachtungen und damit ökonomischen Erkenntnissen und Entscheidungen/ Entscheidern UND moralischen Grundwerten unterworfen werden und nicht der politisch parlamentarischen Sichtweise als eierlegende Wollmilchsau.

        Mit freundlichen Grüßen

        JL

        • SLE - 25. September 2013

          Hallo JL,

          Sie haben Recht. Wenn Märkte nicht prinzipiell selbstregulierend sind, muss allerdings irgendjemand etwas tun, damit sie sich nicht zum Raubtierkapitalismus entwickeln oder in Richtung Kollaps rasen. Meines Erachtens wäre es Aufgabe der Ökonomen die Politik dabei objektiv und nüchtern zu beraten. Leider scheint es so zu sein, dass sie mithin keineswegs immer so ganz unabhängig sind und wir wissen seit September 2008, dass sie unabhängig davon versagt haben. Noch im Sommer 2008 haben sie durch die Bank munter optimistische Wirtschaftsprognosen abgegeben, die sie im Herbst und Winter dann im Wochentakt nach unten revidierten. Der damalige DIW-Chef Zimmermann kam Ende 2008 dann auf die grandiose Idee eines Prognose-Moratoriums. Ganz großes Kino.

          Viele Grüße
          SLE

        • JL - 25. September 2013

          Sehr geehrter Stefan L. Eichner

          Aus meiner Sichtweise heraus ist es fast schon zu einfach.

          Wie bekämpfe ich einen Waldbrand? Klar- mit Feuer!
          Wie Bekämpfe ich also Egoismus? Mit Egoismus!

          Da Firmen und Staaten grundsätzlich egoistisch sind und bleiben kann es nur ein Gegengewicht hierzu geben. Den Bürger an sich, nur er ist egoistischer als Staat und Markt, da er nun mal alle Kosten tragen muß- ob nun als Endverbraucher und/ oder Steuerzahler ist dabei egal.

          Und nein, Ökonomen haben nicht zu beraten, sondern zu entscheiden, der Staat an sich muß endlich marktwirtschaftlichen Regeln unterworfen werden. Dieser Wunsch ist gegenwärtig aber eher schlecht umsetzbar, schließlich sorgen Schulden für Wachstum.

          Mit freundlichen Grüßen

          JL

  • Frieda - 25. September 2013

    @SLE
    Ihr Beitrag und viele Leserreaktionen waren lesenswert. Das Problem von Kommentierungen liegt darin, dass jeder sich zu Wort melden darf. Diskutieren Sie doch mal folgenden Vorschlag:

    o grundsätzlich darf jeder kommentieren
    o Beiträge können von anderen als “wertvoll” eingestuft werden.
    o erreicht ein Kommentator im Laufe der Zeit nicht eine definierte Schwelle = “wertvolle Kommentare” / gesendete Kommentare, so werden dessen Beiträge nicht mehr veröffentlicht.

    Die Meinungen anderer Leser können interessant sein. Manchmal ist das Niveau aber so dürftig, dass einem die Lust / Neugier auf mehr abgeht.

    Dazu stehe ich, auch wenn es mich selbst treffen würde.

    • Eurelios - 25. September 2013

      o grundsätzlich darf jeder kommentieren
      o Beiträge können von anderen als “wertvoll” eingestuft werden.
      o erreicht ein Kommentator im Laufe der Zeit nicht eine definierte Schwelle = “wertvolle Kommentare” / gesendete Kommentare, so werden dessen Beiträge nicht mehr veröffentlicht.

      Liebe Frieda,

      das wäre letztendlich eine Reise nach Jerusalem und zum Schluß bleibt nur einer übrig
      der seine Kommentare immer als wertvoll einstuft.

      • Eurelios - 25. September 2013

        Hab noch was vergessen Frieda sei doch so nett und stufe meinen Kommentar endweder als
        wertvoll oder nicht wertvoll ein.

        Danke im voraus.

      • Frieda - 25. September 2013

        Trotzdem: Vielleicht fällt Ihrem Team etwas ein, das jeden Kommentarschreiber ermuntert seinen Beitrag kritisch zu würdigen. Ist er eine Veröffentlichung wirklich wert ?

        Sicher gibt es in Ihrem Team kreative und ehrgeizige Köpfe, die sich gerne so einer Aufgabe stellen würden.

        • Querschuss - 26. September 2013

          Hallo Frieda,
          Team? SLE und Sebastian steuern dankenswerter Weise Beiträge bei, der “Rest” der Arbeit liegt bei mir. Mein Fokus ist nicht die Diskussion, sondern die Darstellung von Fakten und Daten bevorzugter Weise für Leser die meine Arbeit auch unterstützen (Login-Bereich). Eine umfangreiche Dokumentation von Wirtschafts- und Finanzdaten aus allen wichtigen Wirtschafträumen ist eine enorme Arbeit und als Beitrag zur etablierten Gratiskultur nicht dauerhaft leistbar.
          Die Masse an Charts ist wohl so präsentiert und in der Vielfalt nirgends zu sehen. Meine Einschätzungen dazu sind nur Garnitur und private Meinung, primär sollen die Daten sprechen. Eine Moderation, gar implementierte Wertung der Kommentare, gar wenn alle Artikel frei zugänglich wären, ist gar nicht leistbar und wird auch nicht von mir im Alleingang angestrebt. Trotzdem Danke für deine Gedanken.

          Wenn es in solche Richtung gehen sollte muss ich eine kleine Redaktion aufbauen. Dies würde ich gerne tun und die angebotenen Inhalte weiter verbessern und vorantreiben, nur dazu braucht es eine Finanzierungsgrundlage und damit kommt der Ball zu euch Lesern zurück. Denn die Medien sind genau so gut oder eben auch schlecht, wie die Leser es ermöglichen/zulassen.

          Gruß Steffen

      • JL - 25. September 2013

        Hallo Frieda

        Wenn Sie etwas an den Kommentaren zu kritisieren haben, dann sollten Sie es bitteschön schon selbst tun, es sei denn Ihnen fehlt die Argumentationsgrundlage.
        Meinungsfreiheit mittels Klick auf einen Button zu gestatten ist meiner Ansicht nach pervers.

        JL

    • Thorsten Eckau - 25. September 2013

      @Frida:
      Ich halte den Vorschlag für grundfalsch.
      Fällt es Ihnen denn schwer sich die Namen dieser Menschen zu merken und zu überlesen? Es ist ja nicht so, als wenn hier hunderte unterschiedlicher Pseudonyme verwendet würden. Und wenn doch, Steffen kann hier recht gut nachvollziehen, wenn sich einer hier mehrfach versucht “zu melden”. Da gäbe dann auch einen guten Grund zum Einschreiten und es wäre logistisch auch machbar.

      Apropos “Problem”…”das sich jeder zu Wort melden darf”: Sie wählen nicht zufällig grün, oder? Klingt nach Veggie-Posting in meinen Ohren. Irgendwie so überheblich. Lassen Sie doch jedem Spinner seine Meinung und ignorieren sie die, wenn Sie diese für nicht würdig erachten. So einfach kann soziales Verhalten und Freiheit sein, ohne Rufe nach Ordnungsmächten.

    • SLE - 25. September 2013

      Hallo Frieda,

      das ist Steffens Blog. Ich schreibe hier nur immer wieder mal was. An sich halten wir uns hier aber immer so weit wie möglich zurück, was die Kommentatoren und Kommentare anbelangt. Es geht nicht allein um wertvolle Kommentare, auch wenn wir uns natürlich immer darüber freuen, sondern die Möglichkeit zu bieten, sich einzubringen, Stellung zu nehmen und sich auszutauschen.

      Grüße
      SLE

    • Holly01 - 26. September 2013

      Hallo Frieda,

      wir philosophieren.
      Wenn man philosophiert gibt es generell nur ein paar wenige Regeln:
      man teilt eine gemeinsame Moral und Ethik
      man achtet die Meinung der anderen
      man versucht die gespielten Bälle zu nutzen

      Es bewährt sich immer wieder und die Regulierung durch den Blogbetreiber funktioniert umfassend, denn er wird sowohl respektiert, wie geachtet.
      Es ist schlicht nicht nötig ein weiteres System des “Gefallens” zu etablieren. Hier muss keiner gefallen, aber hier ist jeder auf den Inhalt reduziert.
      Es ist egal, wer oder was man draussen ist, man ist hier, was man inhaltlich vertritt.
      Das ist beste community Arbeit.

  • Basisdemokrat - 25. September 2013

    Schäuble OT
    Schäuble plant umfangreiches Sparprogramm

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/schaeuble-plant-umfangreiches-sparprogramm-nach-der-bundestagswahl-a-874178.html

  • fidel - 25. September 2013

    Hallo SLE,

    zur Unmöglichkeit von Wirtschaftspolitik.

    Jede Partei will parteilich sein, demokratische Mehrheiten treffen Entscheidungen zulasten der Minderheit. Brächte die Entscheidung nur Gewinn, träfen die Wirtschaftssubjekte die Wahl allein, ohne Parteien.

    Die übergeordneten wirtschafts-steuernden Werkzeuge der Politik sind:
    – Bildungspolitik = sehr langfristig, ohne Konjunkturgarantie
    – Gesetze die Zwang ausüben Geld auszugeben, welches ohne Gesetz nicht investiert worden wäre
    – Subventionen die Geldausgaben anregen, welches ohne Subvention nicht investiert worden wäre
    – günstige Staatskredite, z.B. KfW, die von Banken und Schuldnern ohne staatliches Angebot nicht angeboten oder genommen worden wären.

    Bis auf die Bildung/Forschung tragen die Konzepte Zwang=Gesetz/Steuer und Belohnung=Subvention den Keim der Fehlinvestition in sich, da die Menschen ohne Zuckerbrot/Peitsche anders entschieden hätten.

    Welche Projekte per Zuckerbrot oder Peitsche gefördert werden, entscheiden parteiliche Parlamente….

    Keines der Konzepte frägt, WARUM die Wirtschaft nicht mehr läuft und was der Staat tun muss, damit die Wirtschaft von selbst wieder anspringt.

    Zur Unmöglichkeit eines selbstragenden Aufschwunges hat Gunnar Heinsohn einen spannenden Artikel verfasst: http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/selbst_tragender_aufschwung_was_ist_das_eigentlich/

    Der Gedankenansatz rechts, links zu vergessen ist absolut super. Wir müssen die Probleme aber ohne Zwang an der Wurzel lösen.

    Viele Grüsse
    fidel

  • Basisdemokrat - 25. September 2013

    Den Zwang zur Eigentumsverteidigung als Triebfeder aller Inovation herauszustellen ein ganz neuer/alter Gedanke. Brillant!
    Gruß BD

  • Uwe - 25. September 2013

    Ich hab die Kommentare nur eben überflogen, um eines zu finden:
    Die Idee des Bernd Lucke, Politik ideologiefrei zu organisieren.
    Wenn ein Ökonom diese angeht, sollte das aufhorchen lassen.
    Offenbar interessiert sich hier noch niemand dafür. Gut möglich, dass er mit diesem Vorhaben in der Alternativen für Deutschland an den “ewig” Konservativen scheitert, dann ist die neue Partei allerdings auch bald von Gestern. Die Geschichte wird zeigen, dass wir neue Wege beschreiten müssen. Oder ein (?)zyklischer Zusammenbruch wird Neue fordern. Wenn dann sowohl neue Politiker, als auch neue Lösungsansätze aufeinandertreffen, schriebe man vielleicht eine Zeit lang mehr über Kondratieff als über Keynes.

    • Frank Bell - 26. September 2013

      @ Uwe

      Bernd Lucke (AfD) hängt der Ideologie des Neo-Liberalismus an.

      Wie will der Politik ideologiefrei organisieren???

      • Uwe - 26. September 2013

        In dem er umgedacht hat? Jung genug ist er dafür. Ich schau ihm auf die Pfoten:
        Was in´s Parteiprogramm kommt zählt. Erzählen kann er viel.

  • Bubblegum - 25. September 2013

    @ SLE

    „… Der Faschismus in der späten Weimarer Republik war ein Ergebnis der sich verschlechternden und letztlich katastrophalen wirtschaftlichen Lage UND der Unfähigkeit der im Parlament vertretenen Parteien und Politiker, daran etwas zu ändern. Und genau so verhält es sich doch heute wieder – in Griechenlnad, in Portugal, in Spanien usw.“

    Mit dieser Aussage verharmlosen Sie die Verhältnisse, und verfälschen letztendlich diese.

    Der Versailler Vertrag legte dem Verlierer Deutschland Reparationsleistungen im damaligen, Gegenwert von sage und schreibe 81.000 Tonnen Gold auf. Die bis zum Jahr 1918 weltweit geförderte Goldmenge betrug 42.000 Tonnen.
    Das Deutsche Volk war zu keinem Zeitpunkt seit 1919 in der Lage, diese Reparations-leistungenzu erbringen. Deswegen der Dawes – Plan 1924, um die aufgelaufenen Zins- und Tilgungszahlungen zu strecken. Offiziell verkauft als Wohltat gegenüber dem Deutschen Volk. Tatsächlich aber diente die vom Wallstreet-Banker Dawes ausgetüftelte Betrugsmasche ausschließlich solchen Banken wie J.Morgan (Hauptkriegsfinanzier der Franzosen), Kuhn & Loeb, etc. Diese hätten ihre Kriegskredite an England und Frankreich auf einen Dollar Erinnerungswert abschreiben müssen, die Folgen für die USA mag sich einjeder selbst ausmalen.
    1930 mußte dann der Young-Plan her, weil den Gläubigern auch nach außen hin wieder der totale Forderungsverlust drohte. Pech nur, dass zu diesem Zeitpunkt auch der letzte Trottel in Deutschland begriffen hatte, was da gespielt wurde. Pech für Deutschland, dass der Instinktpolitiker Hitler die historische Chance begriff. Er machte sich zum Schutzanwalt der Vermögenswerte des Deutschen Volkes. Da von den Parteitaktierern der sog. Weimarer Parteien keiner einen Arsch in der Hose hatte, wie man im Osten unserer Republik sagt, und es ihm gleich tat. Das Ende vom Lied: Die NSDAP kam bei den Wahlen 1930 auf 107 Sitze und war plötzlich eine politische Größe, an der niemand in Berlin mehr vorbeikam!
    Noch 1928 berichtete die politische Polizei in Bayern über die NSDAP:

    Maximal noch 4000 Mitglieder; Partei ist eigentlich konkurs.

    Entscheidend war also die bodenlose Gier der Wallstreet-Banker, nicht die Unfähigkeit deutscher ,Politiker. Denn die hatten gar keinen Handlungsspielraum. Nach dem Versailler Vertrag war Deutschland bilanztechnisch gesehen konkurs. Nur mit diversen Finanztricks wurde die Stunde der Wahrheit bis 1930 hinausgeschoben. Kommt einem irgendwie bekannt vor.
    Viele Grüße Bubblegum

  • Frank Bell - 26. September 2013

    Leider OFF-TOPIC, aber weiss hier jemand, warum der Baltic Dry Index (BDI) wie verrückt steigt?

    Als ob jetzt die ganze Weltwirtschaft angesprungen wäre… Was ich nicht glaube.

    Der Harpex (Container) hat keinen so starken Anstieg hinbekommen.

    • Uwe - 26. September 2013

      Da hatten wir schon mal, als die Erzpreise auch darnieder lagen: Die Chinesen können dank Kommandowirtschaft bevorraten. Sie sind sicher, dass sie es verbrauchen werden und die Finanzierungskosten sind nicht der Rede wert. Es könnte aber auch etwas Ernsteres sein. Die Angst vor einer panikartigen Verknappung führt auch mal zum Kauf einer aktuell günstigen Versicherung.

  • Basisdemokrat - 26. September 2013

    Der Ölpreis der Verbraucher ist in den letzten Tagen um 5 Cent gefallen.

    Im Fall des Ölpreises ergeben sich für die Koeffizientenschätzung keine signifikanten Resultate, die Nähe der Öl­trader zu den aus den Frachtraten abzuleitenden Informationen führt zu unmittelbaren Konsequenzen für Ölaktien, hier gibt es keinen Time Lag.
    Aber das ist nur eine Vermutung!

    Ich habe jedenfalls Öl eingekauft.

  • Frank Bell - 26. September 2013

    Zum Baltic Dry Index:

    Erhöhter Transport ist doch der Früh-Indikator für erhöhte Produktion.

    Der Anstieg der Charterraten bedeutet doch eine weitere positiven Entwicklung der globalen Konjunkturlage und somit der globalen Beschäftigungslage.

    Mit anderen Worten:

    Die Krise ist überstanden, nur die Schwarzmaler harren noch aus! Der DAX zeigt die Erholung schon lange!

    • JL - 26. September 2013

      Hallo Frank Bell

      sicher haben Sie Recht, wenn nicht wird wohl dort möglicherweise gerade der Abverkauf des Dollars gegen Sachwerte dargestellt.

      Mit freundlichen Grüßen

      JL

    • Holly01 - 27. September 2013

      Hallo Bell,

      da wird nun eine Menge von Rohstoffen herumgefahren. Angesichts der globalen Situation, würde ich annehmen, die Amis sind bemüht ihre weltweiten Lager zu leeren und die Materialien nach Hause zu holen.
      Sozusagen die letzte Chance gegen Dollar noch einmal richtig einkaufen zu können. Das möchte man natürlich sichern, was man da per Investmentbanking zusammen gelogen hat.

  • Systemfrager - 27. September 2013

    >>> “Eine wirkliche nachfrageorientierte und ökologische Volkswirtschaft kann nur eine weitgehend geplante Wirtschaft sein.”
    Dieser Satz ist sehr gut, um die üblichen und verbreiteten Differenzen zu klären. Ich fange an, SLE könnte vielleicht in dem zweiten Teil auch das berücksichtigen.

    Die Kybernetik, die Wissenschaft über die Systeme & Lenkungen sagt, es gibt Steuerung und Regelung – tertium non datur! Die Steuerung ist nichts anderes als ein subordinatives-hierarchisches System: sprich eine platonsche-technokratische-meritokratische Ordnung. Das war die Planwirtschaft. Die dort oben wissen wie, die anderen realisieren. Die von unten haben nichts zu sagen. (Wenn unten etwas nicht funktioniert, die oben analysieren, klären und lösen das Problem.)

    Bei der Regelung gibt es eine Rückkoppelung (feed-back). Der Markt bzw. die Konkurrenz ist so sin System. Für das Angebot ist die Rückkopplung die Nachfrage. Die Macht des Angebots ist durch die Macht der Nachfrage automatisch und fortdauernd korrigiert.

    DIE FRAGE: Kann ein System, in dem es nur diese zwei Mächte herrschen stabil funktionieren?
    Nein! Das System bricht periodisch zusammen.

    WARUM?
    Weil ihm die Nachfrage ausgeht. (Die Details nicht jetzt.)

    HABEN WIR EINE PALNWIRTSCHAFT, WENN JEMAND (kann nur Staat sein) DIE FELHELNDE NACHFRAGE HINZUFÜGT?
    Nein! Wir haben immer noch ein geregeltes System, das „manipuliert” wird, damit es stabil funktionieren kann.

  • Systemfrager - 27. September 2013

    Beilage:
    Nun ist nicht nur das Stabilitätsproblem das einzige Problem der Marktwirtschaft. Ein anderes ist, dass die Unternehmer feige und risikoscheue Menschen sind. Netter gesagt, sie sind sehr vorsichtig und zurückhaltend. Deshalb muss der Staat dafür sorgen, dass die umwälzenden Innovationen realisiert werden. Ich bin mir nicht sicher, aber es kann sein dass sich SLE vornehmlich dieser Problematik widmet.

    • fidel - 27. September 2013

      Geschätzter Systemfrager, DU verbringst deine bezahlte Zeit beim Staat?

      Hier ein interessanter Einblick in die Verschuldung von Firmen, Privat und Staaten, aus dem Blog von Marcus Gärtner – wunderschön aufbereitet. Die Notenbanken schließen die Lücken der “ausfallenden” Schuldner und gehen dabei selbst pleite.

      http://blog.markusgaertner.com/2011/10/07/notenbanken-entreisen-der-gelahmten-politik-das-ruder/

      Na ja, Vater Marx hat es ja schon gewusst. Hätte man doch nie sein Geldsystem nach kommunistischem Manifest Punkt 5 eingeführt.

      • Systemfrager - 27. September 2013

        >>> DU verbringst deine bezahlte Zeit beim Staat?
        Aha, wenn ich beim Staat beschäftigt bin, dann braucht man mit mir gar nicht ernst zu nehmen?
        (Damit hast du dich schon sehr kompromitiert.)
        Nein, bin ich nicht.
        Ich weiß aber nicht was du sagen wolltest. Kannst du deine Gedanken auch klar formulieren?
        Hast du Manifest auch gelesen?

  • Systemfrager - 27. September 2013

    @fidel
    also nehmen wir an, du bist fachlich besser als deine Mitstreiter an den FDP-Stammtischen
    FRAGE:
    Warum steigen die Schulden der Unternehmen nach dem (unvermeindbaren periodischen) Zusamemnbruch der “freien” Marktwirtschaft?
    Für den Staat ist es “natürich” sonnenklar. Dort gibt es nur Idioten und Diebe. Aber in der Wirtschaft gibts nur Heiligen und Genies.
    Jetzt kommst du

    • fidel - 27. September 2013

      Einen freien Markt hat es nie gegeben. In Deutschland endete das liberale Zeitalter (1815-1865) spätestens zur Gründung des II Reiches durch Bismarck nach dem 1870/71 Krieg.

      Begründung Zitat (Quelle: http://www.dasgelbeforum.de.org/sammlung/Debitismus-PCM.pdf Seite 22):

      Zunächst perpetuierte der Staat die natürlicherweise immer nur vorübergehenden Monopole
      durch Interventionen aller Art (Patente bis Schutzzölle). Damit war der freie
      Kapitalismus bereits erledigt und als dann noch Staatsnachfrage in großem Stil dazu
      kam (Rüstung!) waren die entsprechenden Unternehmer durch diese
      Marktverwerfungen (kein Privatmann kauft sich ein Schlachtschiff) im Vorteil. So
      wurden z.B. die Krupps zu den reichsten Deutschen, ähnliches gilt für Boden(schatz)-
      Monopole, wie das der oberschlesischen Magnaten oder im Ruhrgebiet. Heute wird
      das per OPEC z.B. gleich sozusagen staatsdirekt erledigt.

      Durch die Staatsverschuldung – inzwischen weltweit bei ca. 25/30 Billionen €
      liegend – wurde eine scheinbar risikolose Art des Kapitaleinsatzes geschaffen. Die
      beiden Korrekturfaktoren des freien Kapitalismus (Risiko des Kapitalverlustes und
      Risiko des Auftauchens neuer Konkurrenten mit entsprechender Gewinnminderung für
      alle am Markt Beteiligten) sind de facto verschwunden.

      Aus dem Kapitalismus ist also längst eine Form der risikolosen Staatswirtschaft
      geworden. Dass die Inhaber der Staatstitel Gläubiger und Schuldner in einer Person
      sind, stört so lange nicht wie der Staat nicht an diese Titel in Form einer Besteuerung
      geht oder sie für wertlos erklärt.

      Das in Staatstiteln “investierte” Kapital steht natürlich dem freien Markt nicht
      mehr zur Verfügung. Daraus resultiert selbstverständlich eine laufend abnehmende
      Tendenz zu Realinvestitionen und damit zur Schaffung von Abeitsplätzen. Die
      Staatsverschuldung ist die Ursache der Dauerarbeitslosigkeit, wie unmittelbar
      einzusehen ist, wenn man den Weg betrachtet, den das Kapital der Bürger nimmt –
      weg von risikoreichen Investitionen hin zur sicheren Bundesschuldenverwaltung.

      Gleichzeitig kommt es zu einer (hier besonders gut und mit Recht anklagend
      diskutierten) immer rascher wachsenden Ungleichheit der Vermögens- und damit
      letztlich der Einkommensverteilung. Das ganze gilt selbstverständlich weltweit und
      intranational ebenso wie national.

      Diese Ungleichheit hat weder mit Kapitalismus noch mit Marktwirtschaft etwas zu
      tun. Sie ist vielmehr die Ausgeburt der längst außer Kontrolle geratenen
      Staatsverschuldung. Dieser Zustand strebt mit mathematischer Präzision seinem
      Ende zu: Dem Aufstand der Armen (= Nicht-Forderungsinhaber) gegen die Reichen
      (=Forderungsinhaber, deren Forderungen letztlich in immer größerem Umfang
      Staatstitel sind)

      …kürzer geht es nicht.

      Noch zu deiner Frage. Die Verschuldung steigt, wenn man nicht genug Profit macht. Total überschuldete Firmen haben grundsätzlich etwas falsch gemacht, oder aufgrund der Gesetzgebung (Bilanz, Afa, Steuerquote) keine andere Chance. Die Steuerquote verteilt nicht nur um, sie verhindert auch gesunde Eigenkapitalbildung – warum auch, wenn es Geld von der EZB für lau gibt…

      Der böse Kapitalismus braucht Krisen zur Bereinigung der schlechten Investitionen. Bereinigung durch Löschung von haftendem Privatvermögen.

  • Systemfrager - 27. September 2013

    @fidel
    >>> Einen freien Markt hat es nie gegeben.
    Nein. Nicht alles, was sich geistig kranke Menschen vorstellen, kann real existieren

    >>> Diese Ungleichheit hat weder mit Kapitalismus noch mit Marktwirtschaft etwas zu
    tun. Sie ist vielmehr die Ausgeburt der längst außer Kontrolle geratenen
    Staatsverschuldung.
    Mehr Zynismus und Verlogenheit geht nicht

    >>> Noch zu deiner Frage. Die Verschuldung steigt, wenn man nicht genug Profit macht. Total überschuldete Firmen haben grundsätzlich etwas falsch gemacht, … Der böse Kapitalismus braucht Krisen zur Bereinigung der schlechten Investitionen.
    Unsinn.

    Erwähnen wir dazu auch noch, dass eine solche Lage beim oberflächlichen Beobachten den Eindruck von erheblichen strukturellen Verwerfungen hervorruft. Solche so genannten Disproportionalitäten sind in einer Wirtschaft immer vorhanden, aber normalerweise kein bedeutender Faktor des eintretenden Ungleichgewichts. Es kann keine Rede davon sein, dass besonders viele Konsumgüter hergestellt worden sind, die einfach niemand haben will. Die sinkende Nachfrage nach Konsumgütern hat so gut wie nichts mit einem Missverhältnis zwischen der Struktur der Konsumproduktion und den Präferenzen der Käufer zu tun. Auch hat keine allgemeine Überkapitalisation stattgefunden, worauf die ganze Schumpetersche Theorie beruht, was auch immer Überkapitalisation bedeuten mag. Die Ursache des Abschwungs ist keine Häufung von falschen Entscheidungen der Wirtschaftsakteure. Natürlich kann niemand punktuelle Disproportionalitäten bestreiten, aber unsere Erklärung des Wirtschaftszyklus würde nicht im Geringsten an Schlüssigkeit einbüßen, wenn es keine einzige Disproportionalität gäbe. Die ökonomischen Zyklen sind schließlich kein menschliches Versagen, sondern ein Versagen des freien Marktes im vollen Sinne des Wortes. Das Schiff genannt Laissez-faire-Wirtschaft zieht Wasser und sinkt wegen seiner Konstruktionsfehler. Der rein menschliche Anteil am Unglück besteht nur in dem, was in Panik geratene Passagiere sich selbst und anderen zusätzlich antun.

    Der Ökonom mit dem Hammer

    • fidel - 27. September 2013

      @ Systemfrager

      Wenn Marx klar sagt, dass die Produktivkräfte einer Gesellschaft letztlich ihre Struktur bestimmen, und wenn andererseits die Produktivkräfte der heutigen kommunistischen Gesellschaft und der heutigen kapitalistischen Gesellschaft offensichtlich die gleichen sind (*), lehrt Marx eigentlich, dass der Unterschied zwischen Kapitalismus und Kommunismus nur im vorübergehenden Unterschied einiger ihrer juristischen Aspekte besteht.
      Kommunistische Industriegesellschaft und kapitalistische Industriegesellschaft erdrücken den Menschen unter der gleichen Last.

      v. Nicolas Gomez Davila

      (* staatliches Geld)

      Ganz wie SLE schreibt, loslösen vom Rechts-Links denken.

      • Basisdemokrat - 27. September 2013

        “Produktivkräfte einer Gesellschaft”

        ” Auf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung geraten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverhältnissen oder, was nur ein juristischer Ausdruck dafür ist, mit den Eigentumsverhältnissen, innerhalb deren sie sich bisher bewegt hatten. Aus Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln derselben um. Es tritt dann eine Epoche sozialer Revolution ein. Mit der Veränderung der ökonomischen Grundlage wälzt sich der ganze ungeheure Überbau langsamer oder rascher um. In der Betrachtung solcher Umwälzungen muß man stets unterscheiden zwischen der materiellen, naturwissenschaftlich treu zu konstatierenden Umwälzung in den ökonomischen Produktionsbedingungen und den juristischen, politischen, religiösen, künstlerischen oder philosophischen, kurz, ideologischen Formen, worin sich die Menschen dieses Konflikts bewußt werden und ihn ausfechten. Sowenig man das, was ein Individuum ist, nach dem beurteilt, was es sich selbst dünkt, ebensowenig kann man eine solche Umwälzungsepoche aus ihrem Bewußtsein beurteilen, sondern muß vielmehr dies Bewußtsein aus den Widersprüchen des materiellen Lebens, aus dem vorhandenen Konflikt zwischen gesellschaftlichen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen erklären.”
        Marx, Zur Kritik der politischen Ökonomie, S. 4ff, in: MEW Bd. 13, S. 8.
        Nach 150 Jahren strahlt dies immer noch eine intellektuelle Kraft aus, nach der man heute oft vergeblich sucht.

        Gruß BD

        • fidel - 27. September 2013

          Soviel Text um Diebstahl und Unterdrückung anders denkender zu rechtfertigen.

          Karl Marx 1857: „ Es ist möglich, dass ich mich blamiere. Indes ist dann immer mit einiger Dialektik zu helfen. Ich habe natürlich meine Aufstellungen so gehalten, dass ich im umgekehrten Fall auch recht habe.”

          Fundstück vom Marx Kenner Konrad Löw…

          • Basisdemokrat - 27. September 2013

            @fidel
            Dass sie in Marx jemanden zu erkennen glauben der Diebstahl und Unterdrückung anders denkender rechtfertigt ist Ihr Problem.
            Ihre Intention Marx als ein intellektuellen Scharlatan hinzustellen ist einer von vielen Versuchen persönlicher Diskreditierung, wo intellektuelle Redlichkeit gefragt wäre. Das von Ihnen angeführte Zitat bezieht sich auf die Methodik der Hegelschen Dialektik und ihre Anwendung. Wer so weit in Geistiges Neuland vordringt wie Marx es tat, wird sich zwangsläufig öfters im Irrgarten der Geistesgeschichte neu orientieren müssen. Sprich, auch wenn ich mich an diesem Punkt verrannt habe (These/Antithese)), hilft mir meine Dialektische Methodik trotzdem zum gleichen Ergebnis zu kommen (Synthese).

            Mit freundlichen Grüßen BD

        • Systemfrager - 28. September 2013

          >>> “Aus Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln derselben um. ” | Marx
          Es geht nicht nur um die intellektuelle Kraft von Marx. Es ist total richtig. Dieser Mensch, trotz siener Fehler, war einer der größten Genies der menschlichen Geschichte
          Er hat den Kapitalismus durchschaut
          Wir habe die Dritte Industrielle Revolution hinter uns, die Kapitalisten und die sich bei ihnen geistig prostituierten Huren (eine haben wir auch unter unseren Kommentatoren) wollen uns überzeugen, dass es “uns” wieder so schlech gehen muss, wie im 19. Jh damit uns irgendwann, würde man die Utopie der absoluten Freihet realisieren, dann kommt Paradies.
          Wir haben da nicht mit Andersdenkenden, oder sich irrenden Menschen zu tun – sondern mit den Teufeln in der menschlichen Gestalt. Die Neoliberalen (Mise, Hayek, …) sind menschliche Bestien.

          „Es ist der falsche Sozialismus, der gescheitert ist, nicht die Verwirklichung des echten Sozialismus. Hingegen ist der Kapitalismus, der gescheitert ist, der echte Kapitalismus, und nicht der falsche Kapitalismus. Der Sozialismus scheiterte, weil er nicht verwirklicht wurde. Der Kapitalismus scheiterte, weil er verwirklicht wurde.
          Im Christentum gab es ebenfalls Perversionen des Evangeliums, die monströser waren als irgendeine Perversion der Lehre von Marx: grausame Verbrechen (Kreuzzüge, Inquisitionen) und skandalösere Sittenverderbnis (die Renaissancepäpste). Und dennoch bleibe ich Christ. Und ebenso bleibe ich Marxist. Ich glaube weiterhin an den Sozialismus.“

          Ernesto Cardenal, Befreiungstheologe und Priester, Poet und Politiker

  • Systemfrager - 27. September 2013

    „Wenn ich den Armen Essen gebe, nennen sie mich einen Heiligen. Wenn ich frage, warum sie arm sind, nennen sie mich einen Kommunisten.“
    Hélder Câmara

    • fidel - 27. September 2013

      Bemerkenswerterweise ist die gebildete Schicht einfältiger als die ungebildete. Die begeistertsten Anhänger des Marxismus, des National-Sozialismus und des Faschismus waren die Intellektuellen, nicht die Grobiane

      v. Ludwig von Mises

      Inhaltlich, geschätzter Systemfrager, bist Du beim missbrauchten Machtmonopol des Staats = die perpetuierten Monopole aller Art – ausgestiegen…

      Vielen Dank für deinen Hinweis auf Hélder Câmara, was ich bei wiki fand, besagt dass der ein Libertärer der ganz alten Schule ist. Es geht natürlich um wirtschaftliche Freiheit, ganz besonders im kolonial benachteiligten Südamerika mit Ausbeutung bis heute…..

      • Basisdemokrat - 27. September 2013

        “Bemerkenswerterweise ist die gebildete Schicht einfältiger als die ungebildete. Die begeistertsten Anhänger des Marxismus, des National-Sozialismus und des Faschismus waren die Intellektuellen, nicht die Grobiane

        v. Ludwig von Mises”

        Das hätte er wohl mal auf sich selbst anwenden sollen!
        Gruß BD

      • Querschuss - 27. September 2013

        Helder Camara = Libertärer, was mancher so alles bei Wikipedia rausliest 🙂

        Abseits von Wiki: Der (Befreiungs)Theologe Bischof Camara setzte sich für eine Landreform, Alphabetisierung, Schulen, Basisgemeinden, sozialen Wandel, gegen Armut und für Menschenrechte ein.

        Dom Helder Camara hatte im Jahre l967 die Lage Brasiliens mit der Zeit vor der Abschaffung der Sklaverei verglichen, die Militärs verstanden dies so, daß die Kirche die passiven Massen zur Revolution mobilisieren wolle. Darüber hinaus führte seine Rede über “Der Sozialismus als politisches Ziel für Brasilien” im Methodistischen Seminar Rudge Ramos bei Sao Paulo am 12.12. 1967 und seine Rede am 27.01.1968 in Carpina über die “Ausbeutung der Landbevölkerung und die Korruption der Vertreter des Gesetzes” zu einer massiven Pressekampagne gegen den Bischof und die brasilianische katholische Kirche. Die Zahl der Verhaftungen von Geistlichen und engagierten Laien erreicht in den Jahren l968/69 dann in Folge Rekordhöhen.

        Aus dem Hirtenbrief des Konzils: “Der Kampf für dringende Reformen ist im Sinne Pauls VI ein Beitrag zum wahren Frieden, der ohne eine gerechte Gesellschaftsordnung nicht erreicht werden kann und nicht etwa Subversion. Die Bischöfe sind gegen subversive Gruppen die eine anarchistische Situation hervorrufen wollen, um ihre Gruppeninteressen durchzusetzen. Aber auch der Mißbrauch wirtschaftlicher oder politischer Macht im eigenen Interesse ist eine Form von Subversion. Die Bischöfe treten für die Überwindung einer individualistischen, auf Gewinn und Lust abzielenden Ethik zugunsten einer kommunitären Ethik ein, die Teilhabe am Gemeinwohl ermöglicht. Wir bedauern die Mittel für eigene Sozialprogramme nicht zu haben, sondern nur an Programmen mitarbeiten zu können und kritisieren die Regierung, dass sie nicht wie einige andere südamerikanische Staaten 25% ihres Budgets für Erziehungsaufgaben bereitstelle.”

        “Wie schwer ist es doch, die Schranken der Hilfsaktionen, der milden Gaben, des kleinlichen Helfens zu überschreiten – und die Gerechtigkeit selbst einzuholen! Die Privilegierten werden gereizt, fühlen sich falsch beurteilt, entdecken Umsturz und Kommunismus.” Dom Helder Camara

        libertären Gruß 🙂

        Steffen

        • fidel - 28. September 2013

          Hallo Steffen,

          ich nehme an, dass auch Du nie ein Buch von Mises, Bastiat, Acton, Toqueville, Thoreau gelesen hast – und zwar aus dem Grund, dass der Ausdruck “Neoliberalismus” offensichtlich abschreckend genug ist.

          Die politische Ökonomie der Aufklärung gegenüber Kirche UND Staat zielt darauf ab, dem Individuum die Chance zu geben, persönliche Freiheit durch wirtschaftlichen Wohlstand zu ermöglichen. Der wichtigste Baustein dafür war das “Selbsteigentum” nach der Unfreiheit der Monarchie.

          Wirtschaftliche Freiheit für ALLE Individuen hebt dabei den Wohlstand der Gesellschaft/Kollektiv.. Der Lösungsansatz geht aber vom Individuum aus, gemäß Humboldts Ideal zur Förderung der selbstständigen Kraft zur Freiheit.

          Gerade weil wir nicht als Individuen überleben können, soll es eine Gemeinschaft von freien Menschen sein, deren Kooperation freiwillig geschieht.

          Das sind alles Themen die Bischof Câmara durch Landreform (Eigentum!), Alphabetisierung, Menschenrechte fordert, weil Südamerika noch unter kolonialen (monarchischen) Strukturen zu leiden hat.

          Die Ausbeutung der Landbevölkerung und Korruption der Vertreter des Gesetzes – beschreibt Bastiat als : “Das Gesetz pervertiert sein Ziel”.

          Habt ihr alle euch nie gefragt, warum ausgerechnet Bismarck gemeinsame Sache mit ANFÜHRERN des Kollektivs wie Ferdinand Lassalle machte. Warum Krupp/Pullmann u.a. Sozialleistungen missbrauchten um Arbeiter abhängig zu machen?

          Das Wirtschaftswunder der BRD brachte Wohlstand für die Gesellschaft, der Sozialstaat der 1970er Jahre öffnete die Schere bis heute, wo junge Menschen (ohne Beziehungen) nur noch als Schuldner ohne Chance auf Eigentum ein unfreies Leben führen dürfen.

          Die Monarchie erlaubte nur Besitz. Fällt hier niemandem auf, dass wir allmählich wieder NUR die Besitzer der Gegenstände unseres Lebens werden (Auto, Haus, Handy….). Mich erinnert das ganz deutlich an die unfreien Landarbeiter Brasiliens.

          Im Übrigen hat Brasilien einen furchtbaren Preis für die kollektiven Versuche der Millitärregierung bezahlt. Das bisschen Wohlstand der 1960/70er wurde zuletzt 1994 mit 2000% Inflation bezahlt.

          Das Kollektiv ist nicht die Lösung von individueller Armut. Das ist alles was Libertäre sagen.

          Wenn staatsabhängige Konzerne von Marktwirtschaft reden ist das eine Perversion, weil sie selbst dem Markt ohne Hilfe nicht standhalten können.

          Wer glaubt als Ameise des Kollektivs ein auskömmliches Leben zu finden, soll bitte ein einziges Beispiel dafür aus der Geschichte nennen.

          freiheitliche Grüsse
          fidel

          • Querschuss - 28. September 2013

            Hallo fidel,
            man kann auch trotz Mises & Co lesen noch klare Bilder sehen (objektiv, differenziert, unideologisch). Du vereinnahmst einen brasilianischen Bischof als Libertären, obwohl vieles was von ihm überliefert ist, nicht in einem libertären Kontext von Mises, Rand, Baader, Rothbard u.a. zu sehen ist. Die brasilianischen Berfreiungstheologen hatten wohl auch Eigentum im Blick aber wohl eher gemeinschaftliches. Ich wollte dies eigentlich auch nicht wirklich bewerten, sondern nur verdeutlichen das Camara = Libertär wohl eine Überzeichnung deinerseits ist.

            “Wirtschaftliche Freiheit für ALLE Individuen hebt dabei den Wohlstand der Gesellschaft/Kollektiv.” Sehe ich genauso 🙂

            Nur den Automatismus, Kapitalismus ist nur ein guter ohne Staat, den sehe ich nicht. Eine Marktwirtschaft ohne Regeln pervertiert und jede Marktwirtschaft neigt dazu, dass sich Monopole bilden und generierte Einkommen und Vermögen in immer weniger Hände fließen.

            Regeln kann nur ein Staat gegenüber den Marktakteuren durchsetzen, niemals ein schwacher Marktakteur von sich allein heraus gegenüber einem Starken. Das der heutige Staat (Demokratie) bei dieser Aufgabe versagt und sich gemein macht mit den Interessen der Finanzindustrie, der Vermögenden, der Monopolisten und in Deutschland mit der Exportwirtschaft gegen Millionen Arbeitnehmer und Selbstständige ist das Problem.

            Gruß Steffen

  • JL - 28. September 2013

    Hallo zusammen..

    Meiner Meinung nach entsteht Licht nicht duch Betrachtung des Schattens.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • fidel - 28. September 2013

    @Steffen

    Familien teilen gemeinschaftliches Eigentum, das funktioniert, muss aber nicht gerecht sein. Der Wunsch vieler Kinder nach Unabhängigkeit und Freiheit, zunächst von den Eltern, zeugt davon.

    Man muss gemeinsame Interessen gemeinschaftlich lösen, die Gefahr von Gemeineigentum liegt in der Größenordnung, ab der Wenige über den Arbeitsertrag Vieler entscheiden, ohne Rechenschaft oder Haftung tragen zu müssen. Die Eurokrise spricht für sich.

    Ich will niemanden für die Freiheit (Libertas) vereinnahmen. Mich wundert, dass Freiheit ein so umstrittenes Ziel sein soll. Ich unterstelle Bischof Câmara aber, dass er die Bevölkerung aus der Unfreiheit befreien wollte – und – dass er später nicht über deren Freiheit nach seinem Gusto zu verfügen beabsichtigte.

    Ausdrücklich zitiere ich niemals “Anarchisten” wie Rothbard (vgl. dein Post), weil schwache Staaten mit “keiner Ordnung” verwechselt werden. Leider bergen starke Staaten die Gefahr in sich, von Interessengruppen ausgenutzt zu werden, alle Kriege sind Zeugnis dafür.

    So wie SLE schreibt, müssen wir rechts-links denken zurück lassen um neue Grundlagen zu finden.

    Für mich ist Eigenverantwortung und Eigentum die natürliche Voraussetzung für funktionierende Gesellschaften. Was geschieht, wenn verantwortungslos mit dem fremdem Besitz umgegangen wird, zeigt wieder die Eurokrise.

    Ich fürchte am Ende der Krise sind wir Schuldsklaven ohne gefragt worden zu sein – der inhaltslose Wahlkampf von 2013 genügt mir vollkommen.

    Grüsse
    Fidel

    • Querschuss - 28. September 2013

      Hallo Fidel,
      ich habe gar nicht für Gemeindeeigentum plädiert und über die Gerechtigkeit oder auch nicht dieser Eigentumsform philosophiert, sondern nur herausgearbeitet das du solche die es taten (Dom Camara) als Libertäre vereinnahmst 🙂

      “Wir” sind keine Schuldsklaven, “wir” sind Exportmeister, “wir” haben enormes Nettoauslandsvermögen (über 1,2 Billionen Euro), “wir” (deutsche private Haushalte) haben 4,5 Billionen Euro Sachvermögen, “wir” haben über 4,9 Billionen Euro privates Geldvermögen, aktuell sparen per Saldo private Haushalte, Staat und auch die Unternehmen verschulden sich nicht (siehe Finanzierungsrechnung der VGR), die Geldersparnis kommt ausschließlich von dem enormen Ausgabenüberschuss der übrigen Welt, die sich per Saldo bei uns verschuldet und unsere Exportüberschüsse absorbiert. “Wir” haben in der Mehrheit der Wähler, zuletzt gefragt am 22. September 2013, den bisherigen Kurs bestätigt mit einer überwältigenden Mehrheit für CDU/CSU und SPD.

      Ein Land was 2012 185 Mrd. Euro Leistungsbilanzüberschuss generierte und kumuliert über 1,6 Billionen Euro ist immer Nettogläubiger und andere Länder sind unsere “Schuldsklaven”.

      Unabhängig dieses Befundes der gesamten deutschen Volkswirtschaft ist unglaubliches Vermögen in den Händen weniger (oberste 10% der deutschen privaten Haushalte), also ein WIR unzulässig, aber ein wir sind Schuldsklaven ist es erst recht. In einer Welt enormer Ungleichgewichte ob beim Handel oder den der Einkommens- und Vermögenseinkommen gibt es kein wir.

      In Bezug auf die angehäuften Geldvermögen ist es ganz einfach, sie sind die Geldverbindlichkeiten (Geldschulden) der Anderen. Ungleichgewichte und damit in Zusammenhang stehende Ungleichheit impliziert immer Reichtum und Armut auch relative.

      Für mich zählen primär Fakten, stellen sich diese objektiv anders dar, schätze ich diese auch anders ein.

      Für dieses aus meiner Sicht zentrales Argument gab es deinerseits keine Entkräftung: “Regeln kann nur ein Staat gegenüber den Marktakteuren durchsetzen, niemals ein schwacher Marktakteur von sich allein heraus gegenüber einem Starken.”

      Wirtschaftssubjekte mit ähnlichen Interessen werden immer versuchen via Lobbygruppen, interne Preisabsprachen, der Installation von Kartellen usw. Vorteile einzustreichen. Niemals kann eine Wirtschaft ohne Staat dies selbst regulieren, der starke Wirtschaftsakteur wird immer ohne durchsetzbare Regeln seine Dominanz ausbauen. Wer wenn nicht der Staat sollte Regeln durchsetzen? Richtig ist, dass heute der Staat bei dieser Aufgabe in weiten Teilen versagt.

      freiheitlichen Gruß
      Steffen

      • fidel - 28. September 2013

        Hallo Querschuss – vielen Dank für deine Aussagen!

        Geld entsteht in unserem Schuldgeldsystem, auf der Ebene der Schuldner, durch Beleihung von Eigentum . Wenn die Zahlen der BIZ f. 2010 richtig sind, haben die Firmen 100% Schulden zum BIP und die Privaten 66%. Das sind ausschließlich deutsche Verbindlichkeiten.

        Ganz egal, bei welchem Reichen sich das Geld am Ende sammelt, muss es reinvestiert werden, genau wie die Versicherungsbeiträge von Riester und Co.

        Es wurde nicht sinnvoll investiert. Die uneinbringlichen Schulden Europas sind bei 5000 Mrd. € angelangt. Wir verlängern das Schuldsklaventum z.B. von Griechenland nur, um unseren schönen Schein vom nominalen Wohlstand aufrecht zu erhalten.

        Es gibt keinen Weg an der Tatsache vorbei, dass die Gesellschaft der BRD große Teile ihres Vermögens verlieren wird – real. Es ist schon weg exportiert.

        Das Politikversagen hat mit der Komplexität der Aufgabe zu tun, alles und jedes für die Menschen zu regeln. Alle Gesetze, Parlamente, Ideologien konnten diese Katastrophe nicht verhindern.

        Man kann auf einen Superstaat hoffen, oder die bewährten Regeln von persönlicher Haftung wieder einführen. Nicht die Gesetze erziehen den Menschen, sondern der Verlust.

        Den Verlust sozialisieren wir gerade, aber nicht weil wir die Spargroschen von Individuen retten wollen, sondern um die Macht zu erhalten.

        Ich verstehe, dass Du dem Markt misstraust, aber dass Du der Politik vertraust, wundert mich sehr. Macht wurde noch nie in der Geschichte zum Wohle der Gemeinschaft eingesetzt.

        Monopole, Lobbygruppen, Preisabsprachen, Kartelle sind heute politische Realität. Sie werden zum Wohle der Allgemeinheit geduldet, finanziert aus der kollektiven Währung, abgesichert über Steuerzahler…

        Wir werden nie herausfinden, ob freie Menschen friedlich kooperieren würden, weil wir immerfort an der Idee des Kollektives scheitern und nicht verstehen warum. Das war in der Monarchie so, während der Republiken, Diktaturen und jetzt in der Parteiendemokratie…. dabei ist die Ausbeutung zutiefst subtil und individuell.

        Grüße von einem (noch) Freien
        fidel

        • Querschuss - 28. September 2013

          Hallo fidel,
          “Es gibt keinen Weg an der Tatsache vorbei, dass die Gesellschaft der BRD große Teile ihres Vermögens verlieren wird – real. Es ist schon weg exportiert.” ..ja, aber dies ist eben eine ganz andere Aussage als deine erste, wir sind alle Schuldsklaven, denn sie beinhaltet eine Ursache, permanente Exportüberschüsse, die zu stetigen (Geld)Forderungen gegenüber dem Ausland führen, gegenüber Schuldnern, die realwirtschaftlich nicht in der Lage sind Gegenleistungen zu erbringen.Im Gegenzug unterbleiben hier im Land dringende Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Sachanlagen.

          ….”dass Du der Politik vertraust, wundert mich sehr.” …das liegt nur an deiner Fehlinterpretation. Ich schrieb, dass heute der Staat bei dieser Aufgabe (Regeln) in weiten Teilen versagt, dass schließt das Parteiensystem mit ein, inklusive die Demokratie und den Wähler, der gerade wieder volkswirtschaftliche Fehlentwicklungen mit seiner Stimme für eine weitere Legislaturperiode legitimiert hat.

          Du bist immer noch der Antwort “schuldig”, wer in einem Markt ohne Staat Regeln gibt und diese auch durchsetzt und wie ein schwächerer Marktteilnehmer sich gegenüber einem stärkeren durchsetzen soll, der sich nicht an Regeln hält, mit anderen Interessierten Preisabsprachen hält, auf Kosten von Sozial- und Umweltstandards sich Vorteile verschafft, Arbeitsrecht und Arbeitsschutz nicht einhält und vieles mehr.

          Deine Vorstellung privat ist immer gut, friedlich, fair und hat das Gemeinwohl im Sinn kommt mir reichlich fragwürdig vor. Ich behaupte nicht, dass das Kollektiv nur gut sein kann, richtige Maßgaben, Rahmen und Regeln setzt, aber nur das Ringen im Kollektiv kann am Ende erreichen, das gesamtvolkswirtschaftliche Ziele realisiert werden und nicht nur einzelwirtschaftliche einiger Weniger.

          Du redest von 7 Mrd. Menschen auf dieser Welt, die alle friedlich ohne Staat kooperieren sollen, völlig illusorisch! “…..dabei ist die Ausbeutung zutiefst subtil und individuell.” …Eben deswegen bleibt auch ohne Staat die Ausbeutung bestehen, nur eben auf anderer Ebene, ausschließlich auf der Privaten.

          Gruß Steffen

          • fidel - 28. September 2013

            Hallo Querschuss – ich will nichts schuldig bleiben

            durch die Haftungsunion werden wir zu Schuldsklaven der letzten Instanz. Haftungsunion zur Sicherung unseres vorfinanzierten Exportes (vergangenem und zukünftigen), der der Erhaltung der dt. Konjunktur dient, ohne die wir unsere eigenen Verbindlichkeiten nicht bedienen könnten.
            (Kaufkraftgewinn durch steigende Löhne wäre illusorisch, weil die Stückzahlen an dt. Autos nicht benötigt werden.)

            Obwohl Du, Steffen, der heutigen Politik weitgehendes Versagen attestierst, erwartest Du vom Staat (wer auch immer das ist) die ordnungspolitische Kraft um dem Marktversagen zu begegnen.
            Wir statten den Staat mit aller notwendigen Macht aus, geschichtlich war das immer falsch.

            Aus diesem geschichtlichen Versagen wünsche ich mir starke, aufgeklärte Bürger mit viel Eigenverantwortung. Für diese Menschen wurden unsere demokratischen Kontrollmechanismen entworfen. Das Politikversagen kommt deshalb aus der Gesellschaft. Die Bequemlichkeit kostet uns den Wohlstand und die Freiheit.

            Es ist bemerkenswert wie sehr sich alle vor dem Kapitalismus fürchten. Dabei war die Marktwirtschaft für den Aufstieg und die Befreiung der Menschen verantwortlich. Die Kaufkraft und Löhne sind seither so schnell und hoch gestiegen wie nie zuvor.

            Der gewonnene Wohlstand und Freiheit sind natürliche Feinde von alten Herrschaftsstrukturen. Das gilt für Deutschland im 19. Jahrhundert genauso wie für das Südamerika der Befreiungstheologen. Bismarck hatte nicht das Wohl der Allgemeinheit im Auge, als er sich die Sozialversicherung unter den Nagel riss.

            Dein Argument von den schwachen Marktteilnehmern wartet nur auf eine anarchistische Aussage. Es geht bei der Freiheit aber nicht um “keine Ordnung”, sondern um Kontrolle der Macht, weil wir dem machthabenden Staat gegenüber alle die Schwächeren sind.

            Aktuell hilft der Staat nur seinen Lobby-Industrien, während sich alle anderen mit verrückt werdenden Märkten herumschlagen und obendrein bis zu 70% ihrer Einnahmen zur Staatsfinanzierung abführen müssen.

            Wohlgemerkt verrückte Märkte sind Ausdruck von staatlichem Geld + staatlichem Zins als wichtigsten Machtinstrumenten. Ich würde nichts sagen, wenn wir uns alle über die EZB refinanzieren könnten – zu 0.5%.

            Steffen fürchtest Du wirklich die 7 Mrd. Menschen, welche zu Frieden unfähig sind – oder nicht doch, die vielleicht 2000 Verrückten in irgendwelchen Regierungen, die im Namen ihrer Gesellschaften Kriege entfachen dürfen – von den eigenen Gesetzen legitimiert?

            Gruß Fidel

            • Querschuss - 29. September 2013

              Hallo Fidel,
              es hätte mich auch gewundert wenn du eine verwertbare Antwort auf meine Frage gehabt hättest: Wer in einem Markt, ohne den Staat, macht die Regeln und setzt diese durch und wie wird ein schwächerer Marktteilnehmer sich gegenüber einem stärkeren durchsetzen, der sich nicht an Regeln hält?

              Du diskutierst unlogisch, wenn “wir” es nicht nicht mal schaffen eine bessere Politik (insbesondere Wirtschafts- und Finanzpolitik die objektive Fehlentwicklungen abstellt) demokratisch zu erzwingen, wie könnte es uns dann überhaupt gelingen den Staat gleich ganz abzuschaffen und deine postulierte Freiheit zu genießen.

              Wenn die Bürger es nicht schaffen vielleicht “2000 Verrückte” demokratisch in die Schranken zu weisen, werden 7 Mrd. Menschen es ohne Staat auch nicht schaffen friedlich und kooperativ zu wirtschaften und zu leben, denn Verrückte die nach persönlichen Vorteil, gar Macht streben wird es immer geben. Auch ohne den Staat gibt es weit mehr als nur 2000 Verrückte, diese werden dann vielleicht die Warlords der Freiheit bzw. erfolgreiche Private werden sich mittels paramilitärischen Strukturen ihre Sicherheit, Vorteile und Pfründe sichern, aber dies hatten wir beide bereits Anfang September diskutiert.

              Unsere Schleife bringt keinen Erkenntniszuwachs, die Positionen sind ausgetauscht, die Leser können sich ein Bild machen. Ich klinke mich künftig aus.

              Gruß Steffen

        • JL - 29. September 2013

          hallo fidel

          du bleibst Trollig.

          JL

      • Vogel - 29. September 2013

        Tach Steffen,

        zu Deinem letzten Kommentar/Antwort: “Das WIR entscheidet” schon vergessen? *Ironie_off* ‘Nem Ochsen bringst Du Flötenspielen nich bei, genausowenig vielen Ochsen!

        Es iss schon bewundernswert, welch dicke Bretter Du und Deinesgleichen bohren. Vielen Dank! Post von SLE = Klasse, Kommentariat von Euch beiden dto.

  • Stefan Wehmeier - 28. September 2013

    “Steht der in Gütergemeinschaft lebende Kommunist am äußersten rechten Flügel, am Ausgangstor der gesellschaftlichen Entwicklung, bedeutet darum die kommunistische Forderung den letzten reaktionären Schritt, so muss die Natürliche Wirtschaftsordnung als Programm der Aktion, des Fortschritts des äußersten linken Flügelmannes angesehen werden. Alles, was dazwischen liegt, sind nur Entwicklungsstationen.”

    Silvio Gesell

    Seit der französischen Revolution bedeutete:

    “politisch links” = fortschrittlich liberal
    und
    “politisch rechts” = konservativ antiliberal.

    Dann erschien ein maximal antiliberaler Reaktionär namens Karl Marx und verbreitete die Ersatzreligion:

    “politisch links” = sozial antikapitalistisch
    und
    “politisch rechts” = liberal kapitalistisch.

    Seitdem ist die allgemeine Verwirrung total und kann nur noch durch die komplette Abschaffung der politischen Seifenoper bereinigt werden:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/07/der-zins-mythos-und-wahrheit.html

    • JL - 28. September 2013

      Hallo Stefan Wehmeier

      Um die Leute vollendet zu verwirren ist Links eigentlich rechts und Rechts eigentlich Links. Die Annahme aber den Disput darüber zu verbieten um Marktprobleme zu lösen ist wohl eher ein Wunschtraum.
      Aber was ist eigentlich der Markt?

      Ist der Markt das Ergebnis von Angebot und Nachfrage?

      Nun, ich bin kein Ökonom, der Markt an sich ist wohl aber eher das Ergebnis allen Tuns- so meine laienhafte Einschätzung. Dies wäre demnach Geld, Angebot, Nachfrage, Reglementierung und Wille. Ökonomen können sicher alles in Zahlen gießen, nur eines nicht- den Wille.

      Dabei ist es egal wer welche Theorien angeboten hat und wer welche auch tatsächlich umsetzte. Tatsache ist, dass nicht eine dieser Theorien jemals ernsthaft getestet worden ist- man wollte (will) es einfach nicht.

      Und genau deshalb hat SLE auch meinen höchsten Respekt verdient. Nicht alte Suppen aufzuwärmen, sondern neues Denken zu wagen ist für sich schon eine Glanzleistung.

      Mit freundliche Grüßen

      JL

  • fidel - 29. September 2013

    @ Querschuss

    Du hast nicht im Ernst geglaubt, dass man eine kurze schlüssige Antwort auf Marktkontrolle ohne staatliche Macht geben kann. Dem Verbraucher sprichst Du dieses Verständnis ab, sonst würde der Staat ja funktionieren….

    Verbraucher auf Kontrolle von Staat und Markt zu sensibilisieren ist für dich ausgeschlossen. Dabei muss der Mensch muss beides können, oder er geht pleite bzw. unter.

    Das scheint übrigens der einzige Punkt zu sein, der dir geblieben ist. Ansonsten bleibst Du Gegenargumente komplett schuldig.

    Rechts-links Denken ist von gestern. Das Gegenteil von beidem ist FREI.

    und tschüss
    fidel

    • SLE - 29. September 2013

      Hallo fidel,

      ich denke, Sie unterliegen da einem Missverständnis: FREI ist nicht das Gegenteil von Rechts-Links-Denken oder jedenfalls gar geht es nicht darum. Das sind, so wie Sie es ansprechen, zwei verschiedene Problemebenen.

      Rechts und Links sind – und darum geht es hier – Denkschemata, die Freiheit als Ziel nicht nur unterschiedlich definieren, sondern ebenso, wie man dieses Ziel erreicht. Dabei nehmen “rechte” Denker und Parteien für sich in Anspruch, dass das Ziel der Freiheit und ihr Konzept für die Realisierung von Freiheit bzw. freier Märkte dasselbe ist, während die “linken” Denker und Parteien über gar keine eigene und vor allem andere Marktlogik verfügen. Die Rechten haben es geschafft den Eindruck zu erwecken – lange Zeit zu Recht -, ihre Marktlogik sei die einzige existierende und mögliche und das damit verknüpfte Konzept zur Realisierung von Freiheit alternativlos. Damit ist es ihnen gelungen, das Konzept zur Realisierung von Freiheit, das aus dieser Marktlogik resultiert, untrennbar mit dem Freiheitsziel zu verschweißen. Deswegen heißt es auch “liberale” Marktlogik und deswegen behaupten liberale Politiker immer wieder, dass wer Markt und Freiheit wolle, müsse für das liberale Konzept zur Realisierung von Freiheit sprich für liberale Wirtschaftspolitik sein.

      Schauen Sie sich doch einmal die etablierten “linken” Parteien und Wirtschaftspolitiker an. SPD und Grüne haben beide einen Wirtschaftsflügel und dessen Vertreter argumentieren bezüglich der Märkte im kern immer wieder genau so, wie es liberale Politiker tun. Da gibt es oft kaum Unterschiede. Deswegen ist ein Wolfgang Clement (Ex-SPD) oder ein Friedrich Merz (CDU) auch genauso gut in der FDP aufgehoben und ein Oswald Metzger (Ex-Grüner) genauso gut in der CDU.

      Der Punkt ist: Rechts-Links-Denken geht am Kern des Problems völlig vorbei!

      Der Kern des Problems der Überwindung der Rechts-Links-Logik ist, dass man den von den rechten Denkern und Politikern und vor allem auch in unseren eigenen Köpfen längst fest zusammengeschweißten Problemverbund von “Marktlogik” und “Konzept zur Realisierung von Freiheit” in der Marktwirtschaft wieder auseinanderbrechen muss, weil wir sonst gar Chance haben, eine Lösung jenseits der liberalen Marklogik zu finden, mit der sich das Freiheitsziel im Wandel der Zeit und der Märkte besser und effektiver realisieren lässt.

      Die in Ihrem “und tschüss” kommunizierte Selbstgewissheit ist völlig unangebracht und außerdem schlechter Stil, den ich – angesichts Ihrer vorangegangenen Beiträge zur Diskussion – so auch nicht von Ihnen erwartet hätte.

      Viele Grüße
      SLE

    • Querschuss - 30. September 2013

      @ fidel,
      wer keine staatliche Macht möchte, muss auch die Frage beantworten wer Regeln und Marktkontrolle übernehmen soll. Der Verbraucher ist weder fähig noch in der Lage die Funktion zu ersetzen. Bereits als Wähler vergibt er seine Stimme an Parteien die eine wirkliche Marktkontrolle scheuen und private Monopole und Kartelle schützen und stützen. Der Wähler entscheidet sich weder für rechts-links, noch für FREI, sondern für den Status Quo, soweit der Fakt Stand 22.09.2013. Wenn “wir” es nicht schaffen Parteien und den Staat soweit zu bringen, das Finanzmärkte, Monopole und Kartelle in die Schranken gewiesen werden, wird es ohne den Staat erst recht nichts, da private Monopole, dann auch noch über das Monopol auf Gewalt verfügen werden. ….Wer sonst – der Verbraucher 🙂

      Die Macht des Verbrauchers sich wirklichen Monopolen und Kartellen gegenüber zu behaupten sehe ich nicht, der Verbraucher ist ihr Opfer, das Kennzeichen von Monopolen ist ja, dass die Konkurrenz ausgeschaltet wurde, ist.

      Gruß Steffen