Vom Problem der Überwindung der Rechts-Links-Logik – Teil 2: Freiheitsziel und Marktlogik müssen gedanklich entkoppelt werden

von am 30. September 2013 in Allgemein

Die marktwirtschaftliche Ordnung wird in Bezug auf die Realisierung von Freiheit und wirtschaftlicher Prosperität als überlegene Ordnung angesehen und genau deswegen gewünscht. Das ist so, weil es für diese Überlegenheit empirische Belege gibt. Wir wissen allerdings ebenso, dass die Marktwirtschaft in dieser Hinsicht alles andere als perfekt ist. Auch liberale Ökonomen wie etwa Friedrich A. von Hayek haben das hervorgehoben.

Kennen wir die Marktwirtschaft wirklich?

Was wir nicht wissen, sondern allenfalls vermuten können, auch wenn viele Ökonomen aus naheliegenden Gründen gerne etwas anderes suggerieren, ist, woran es liegt, dass die Marktwirtschaft nicht immer genau das ist, was sie historisch betrachtet durchaus immer wieder einmal war – zum Beispiel im Deutschland Ludwig Erhards in den Nachkriegsjahren.

Seit der Finanzmarkt- und Weltwirtschaftskrise von 2008/2009 ist sie in der Wahrnehmung sehr vieler Menschen sehr weit von dem entfernt, was sie beispielsweise in den 50er Jahren in Deutschland für die Menschen und die Wirtschaft war. Zu sagen, die „Soziale Marktwirtschaft“ seit heute tot, trifft nicht den Punkt, weil die Marktwirtschaft nicht „sozial“ ist, sondern nur so genannt wurde, um sie als etwas zu verkaufen, was mit linken Positionen vereinbar ist und bei den Wählern größere Akzeptanz findet. Die Marktwirtschaft wird heute nicht selten als „Raubtierkapitalismus“ beschrieben. Auch diese Bezeichnung trifft nicht den Punkt. Was wir aber heute in jedem Fall sehen, ist eine andere, nämlich die hässliche Seite der Marktwirtschaft.

Das mag manchem vielleicht zu dick aufgetragen sein. Tatsache ist, dass uns und ganz besonders die Ökonomen seit den Anfängen der Marktwirtschaft eine Frage ganz besonders umtreibt, nämlich:

Unter welchen Bedingungen entfaltet die Marktwirtschaft eigentlich ihre positiven, ordnenden und Wohlfahrt bringenden Wirkungen für die Volkswirtschaft?

Gefangen in unseren Denkgewohnheiten

Doch diese scheinbar unschuldige Formulierung der Frage hat es in sich. Denn damit haben wir uns bereits der Möglichkeit beraubt, die Marktwirtschaft wirklich besser zu verstehen und das Rätsel, das sie uns aufgibt, wirklich zu lösen. Ob es uns nun bewusst ist oder nicht: Es sind unsere Denkgewohnheiten, die uns die Frage in dieser Weise formulieren lassen und die geben den Rahmen für die Lösungssuche und ‑möglichkeiten bereits vor.

Mehr noch hängt damit aber auch direkt das Problem zusammen, die Rechts-Links-Logik zu überwinden. Denn die Frage auf diese Art zu stellen und die Rechts-Links-Logik zu überwinden, hat beides mit unserem Verständnis von der Funktionsweise von Märkten und der Marktwirtschaft zu tun, mit der Marktlogik also, die unser Problemlösungsdenken und –handeln bestimmt, obwohl uns auch das in der Regel noch nicht einmal bewusst ist. Denn unser Verständnis von der Funktionsweise von Märkten ist längst zu einem unhinterfragten Bestandteil unseres Wissens geworden, präziser gesagt zu implizitem Wissen bzw. Erfahrungswissen.

Dass sich dieses Verständnis aus der ökonomischen Theorie ableitet, von ihr geprägt und wieder und wieder auf die Praxis angewendet und zumindest scheinbar regelmäßig bestätigt wurde – man sieht, was man sehen will –, spielt keine Rolle mehr. Wir brauchen die Markttheorie der Ökonomen nicht mehr, um Märkte zu verstehen, so wenig wie wir Stützräder brauchen, wenn wir das Fahrradfahren einmal gelernt haben.

Zurück zu den Wurzeln unseres Marktdenkens

Was ich damit sagen will, dürfte mit diesem bildlichen Vergleich verständlich geworden sein. Bezogen auf die Sache, um die es geht, die Märkte nämlich, ist es allerdings ein höchst unpassender Vergleich.

Warum, wird wiederum klar, wenn Sie sich einmal selbst die Frage beantworten, was für eine Antwort sie auf die oben formulierte Frage erwarten?

Ich bin so frei für Sie zu antworten: Sie erwarten spontan eine Liste mit Bedingungen, vielleicht eine Art Rezept oder vielleicht auch eine „goldene Regel“.

Wenn Sie das aber tun, dann betrachten Sie Märkte im Kern so wie das von mir als Metapher verwendete Fahrrad, aber nicht so, wie Märkte wirklich sind und daran ist die Marktlogik schuld, die Sie gelernt, sich angeeignet oder schlicht erfahren und verinnerlicht haben.

Was ich damit sagen will?

Das Fahrrad verändert sich nie. Es funktioniert und reagiert zuverlässig immer auf dieselbe Art und Weise – gestern, heute, morgen und auch übermorgen. Sie müssen nur darauf achten, dass die Kette gespannt und gut geölt ist und die Reifen immer genügend Luftdruck haben. Wenn Sie eine Liste mit Bedingungen oder ein Rezept als Antwort auf die Frage erwarten, unter welchen Bedingungen die Marktwirtschaft bzw. die Märkte ihre positiven ordnenden und Wohlfahrt bringenden Wirkungen für die Volkswirtschaft entfalten, dann fassen Sie die Marktwirtschaft ohne es überhaupt zu realisieren im Grunde als eine Art Fahrrad auf.

Sie sind noch nicht überzeugt? Wie ist das denn mit solchen Erfolgsrezepten, wenn man es einmal von der anderen Seite her betrachtet, also nicht denktheoretisch, sondern aus der Praxis?

Das Silicon Valley ist Ihnen sicherlich ein Begriff. Es ist die Erfolgsstory einer Technologie-Region schlechthin. Ganze Heerscharen von Wissenschaftlern haben sich auf die Suche nach dem Erfolgsrezept gemacht. Es gibt zahlreiche Varianten solcher Rezepte und immer wieder wurde und wird in anderen Regionen versucht, den Erfolg des Silicon Valley zu kopieren. Es ist nie gelungen.

Anderes Beispiel: Beruflich überaus erfolgreiche und bekannte Menschen geben ihr Wissen und ihre Erfahrung oft gerne als Ratgeber in Buchform weiter. Darin erklären sie dann, was man tun muss, um genauso erfolgreich zu werden. Es klappt praktisch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nie.

Der in die Irre führende Reiz der Marktmechanik

In beiden Beispielen geht es um reale Entwicklungen in einer sich ebenfalls entwickelnden Umwelt. Aber es sind keine mechanistischen Entwicklungen, so wie es die Fortbewegung mit einem Fahrrad oder einem Auto ist, sondern es sind Prozesse, bei denen stets soziale und kulturelle Faktoren eine Rolle spielen und deren Verlauf und Wirkungen gar nicht präzise vorhersehbar sind.

Listen mit Erfolgsbedingungen und Erfolgsrezepte suggerieren nicht nur eine präzise Kenntnis der Prozesse. Sie implizieren vielmehr eine quasi-statische, mechanistische und letztlich vorhersehbare Welt, in der zwar alles in Bewegung, alles dynamisch ist, aber sich im Grunde immer nur exakt derselbe Ablauf wiederholt und zwar mit denselben Ergebnissen. Das hat aber der Realität wenig zu tun.

Fühlen Sie sich jetzt noch mit Ihrem „Fahrrad-Blick“ auf die Märkte wohl?

Ich will nicht unfair sein. Es gibt in den Wirtschaftswissenschaften durchaus eine ökonomische Schule und viele Ökonomen, die das auch so sehen und eine mechanistische Sicht der Märkte und der Marktwirtschaft strikt ablehnen – der oben bereits genannte Friedrich A. von Hayek war einer ihrer wichtigsten Vertreter. Sie negieren jegliche Vorhersehbarkeit und damit auch Beeinflussbarkeit der Prozesse und berufen sich dabei auf die klassische ökonomische Wirtschaftstheorie von Adam Smith. Allerdings unterscheidet sie sich in den für die Marktlogik wesentlichen Punkten letztlich dennoch nur marginal vom mechanistischen Marktverständnis der neoklassischen Wirtschaftstheorie – was in der vergleichenden Betrachtung in Teil 3 noch verdeutlicht werden wird.

Es kann nur eine Marktlogik geben?

Sollten Sie also die Frage so formulieren, wie oben geschehen und als Antwort eine Liste mit Bedingungen oder ein Erfolgsrezept erwartet haben, dann sind Sie – ob sie es nun wussten oder nicht – in Ihrem Denken von der neoklassischen ökonomischen Theorie und deren Marktlogik geprägt.

Wenn Sie sich fragen, wie das geschehen konnte, gehen Sie davon aus, dass es eine Folge des regelmäßigen Lesens des Wirtschaftsteils Ihrer Tageszeitung oder des regelmäßigen Anschauens oder Anhörens der Nachrichten und von Talkshows oder Dokumentationen zu Wirtschafts- und Finanzmarktthemen/–politik gewesen sein könnte, vielleicht auch eine Mischung von allem. Überall wird diese Marktlogik transportiert und kommuniziert. Eine Kennzeichnungspflicht gibt es dabei natürlich nicht.

Berücksichtigen Sie zudem, dass, wie gesagt, die aus der klassischen ökonomischen Theorie von Adam Smith abgeleitete Marktlogik trotz – bei genauerer Betrachtung – vorhandener Unterschiede in wesentlichen Punkten mit der der neoklassischen Theorie übereinstimmt, was Ihnen in Radio, TV und im Wirtschaftsteil Ihrer Zeitung auch niemand so genau erklärt, dann dürfte Ihnen vor dem Hintergrund meiner Ausführungen zur Rechts-Links-Logik in Teil 1 verständlich werden, warum die Marktlogik das Kernproblem bei der Überwindung der Rechts-Links-Logik darstellt.

Rechts gegen Links: Kein Streit um die Marktlogik

Rechts und Links bedienen sich also praktisch derselben Marktlogik. Streit und Differenzen gibt es in beiden politischen Lagern bezüglich der Wirtschaftspolitik lediglich aus einem Grund, nämlich wegen der Unterschiede der ansonsten im Wesentlichen übereinstimmenden Marktlogik der klassischen und der neoklassischen Wirtschaftstheorie. Die einen negieren Vorhersehbarkeit und Steuerbarkeit, die anderen tun es nicht. Das ist alles. Mehr gibt es, abgesehen davon, dass niemand mehr die entsprechenden Theorien bemüht oder thematisiert, dazu nicht zu sagen.

Schauen Sie sich die etablierten “linken” Parteien und Wirtschaftspolitiker an (oder auch die Wirtschaftsjournalisten). SPD und Grüne haben beide einen Wirtschaftsflügel und dessen Vertreter argumentieren bezüglich der Märkte oft ähnlich wie liberale Politiker aus Union und FDP. Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass Wirtschaftspolitiker wie beispielsweise Wolfgang Clement (ehemals SPD) und Friedrich Merz (CDU) für die FDP attraktiv sind und Oswald Metzger (ehemals Bündnis90/Grüne) zur CDU wechselte, um seine wirtschaftspolitische Sicht dann dort zu vertreten.

Das Freiheitsmonopol

Rechts und Links sind Denkschemata, die Freiheit als Ziel nicht nur unterschiedlich fassen, sondern infolgedessen auch darüber streiten, mit welchen Mitteln man dieses Ziel erreicht. Denn es geht heute niemandem mehr darum, die Marktwirtschaft abzuschaffen. Dabei nehmen “rechte” Denker und Parteien jedoch für sich in Anspruch, dass das Ziel der Freiheit nur mit ihrem Konzept für die Realisierung von Freiheit bzw. freier Märkte zu realisieren ist, während die “linken” Denker und Parteien über gar keine eigene und vor allem andere Marktlogik verfügen (siehe dazu auch Teil 1). Damit reduziert sich die politische Auseinandersetzung dann letztlich oft auf „mehr Staat“ (bzw. staatliche Steuerung) versus „mehr Marktwirtschaft“.

Denker und Parteien auf der rechten Seite des politischen Spektrums haben es tatsächlich auch geschafft, bei uns den Eindruck zu erwecken – lange Zeit tatsächlich zu Recht -, ihre liberale Marktlogik sei die einzig existierende, woraus sie ableiten – keineswegs automatisch zu Recht -, das bzw. „ihr“ damit verknüpftes Konzept zur Realisierung von Freiheit sei alternativlos. Es ist ihnen gelungen, das aus der “liberalen” Marktlogik abgeleitete Konzept untrennbar mit der Realisierung des Freiheitsziels zu verknüpfen, das heißt, sie haben praktisch ein Quasi-Monopol auf die Realisierung von wirtschaftlicher Freiheit und Prosperität geschaffen. Das sind die Parteien auf der linken Seite des politischen Spektrums selbst schuld, weil sie dieser Logik nie etwas entgegenzusetzen hatten – sie haben es nicht einmal versucht. Deswegen behaupten liberale Politiker auch immer wieder gerne, wer Markt und Freiheit wolle, müsse für das liberale Konzept zur Realisierung von Freiheit sprich für liberale Wirtschaftspolitik sein.

Der Punkt ist: Rechts-Links-Denken geht genau aus diesen Gründen am eigentlichen Kern des Problems, nämlich der Marktlogik, völlig vorbei!

Der Kern des Problems der Überwindung der Rechts-Links-Logik ist folglich, dass man, um im Begriffsschema zu bleiben, den von rechten Denkern und Politikern und vor allem auch in unseren eigenen Köpfen längst fest zusammengefügten Problemverbund von “Marktlogik” und “Konzept zur Realisierung von Freiheit” in der Marktwirtschaft wieder auflösen muss. Das gilt jedenfalls dann, wenn wir eine Chance haben wollen, aus der lediglich scheinbaren Alternativlosigkeit und der fruchtlosen Konfrontation Rechts versus Links, die Unvereinbarkeit suggeriert, zu entkommen sprich eine Lösung jenseits der liberalen Marklogik zu finden. Das heißt, ein Marktlogik, mit der sich das Freiheitsziel und wirtschaftliche Prosperität im Sinne jener Marktwirtschaft, die allgemein gewollt und akzeptiert ist, im Wandel der Zeit und der Märkte effektiver realisieren lässt. Das heißt eben auch Vermeidung von „Raubtierkapitalismus“.

Vier Fragen lassen sich daraus mit Blick auf die Suche nach einer anderen Marktlogik ableiten:

  1. Welche unterschiedlichen und mithin alternativen Vorstellungen von der Funktions- und Wirkungsweise von Markt- und Wettbewerbsprozessen gibt es überhaupt?
  2. Wie erklären sie Wettbewerbs- und Marktprozesse und was sich im Ergebnis daraus volkswirtschaftlich ergeben kann?
  3. Welche Aufschlüsse und Orientierungen leiten sich daraus für staatliches Handeln ab?
  4. Wie gut können sie die Realität tatsächlich erklären helfen?

Von der Beantwortung der letzten Frage hängt letztlich ab, wie groß die Orientierungsleistung der verschiedenen Erklärungsansätze für eine Politik ist, die auf Freiheit und Prosperität gerichtet ist. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich Ansprüche und Zielrichtung linker und rechter Politik freilich voneinander unterscheiden. Vor allem aber darf dabei nicht vergessen werden, dass es keine vollkommene ökonomische Theorie und folglich auch keine perfekte Marktlogik gibt.

Vier Erklärungsansätze für eine funktionierende, „freie“ Marktwirtschaft

Im Wesentlichen können vier Erklärungsansätze oder besser „Familien“ von Erklärungsansätzen unterschieden werden. Sie werden in Teil 3 der Aufsatzreihe bewusst auf ihre essentiellen Bestandteile reduziert und schematisch miteinander verglichen, um verständlich werden zu lassen, was sie ausmacht und unterscheidet, was ihre Stärken und Schwächen sind. Dieser Teil 2 diente dazu besser zu verdeutlichen, warum die Überwindung der Rechts-Links-Logik notwendig, aber ein Problem ist und es in diesem Zusammenhang besonders auf die Marktlogik ankommt. Der Vergleich in Teil 3 gliedert sich in vier Bereiche, nämlich Marktlogik, Wettbewerbslogik, Wachstumslogik und Handlungsorientierung und ist darauf gerichtet, die im vorletzten Abschnitt („Das Freiheitsmonopol“) formulierten vier Fragen zu beantworten.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

Ergänzende Anmerkung:

Dieser Teil 2 war ursprünglich nicht von mir vorgesehen. Im Zuge der intensiven Diskussion von Teil 1 des Aufsatzes auf querschuesse.de ist mir jedoch klar geworden, dass es sinnvoll sein würde, diese Erklärungen einzufügen, um den Einstieg in die vergleichende Diskussion der verschiedenen Erklärungsansätze für Märkte zu erleichtern. Die Kommentarspalte ist unzweifelhaft eine Stärke von Blogs. Sie ist nicht nur für die Leser interessant, sondern bietet auch dem Verfasser von Aufsätzen die Möglichkeit, seine Texte zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen. Es geht dabei nicht nur um Lesbarkeit, sondern auch darum, nicht an den Lesern, die man doch erreichen möchte, vorbeizuschreiben. Das ist etwas, was bei Aufsätzen zu fachspezifischen Themen, die sich an eine breitere Leserschaft richten, immer eine Herausforderung darstellt. Darum möchte ich mich an dieser Stelle auch einmal ausdrücklich bei den vielen Kommentatoren bedanken, die sich mit meinen Texten (und mit mir) ernsthaft auseinandersetzen. Danke.

 

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28 KommentareKommentieren

  • Basisdemokrat - 30. September 2013

    “…es sind Prozesse, bei denen stets soziale und kulturelle Faktoren eine Rolle spielen und deren Verlauf und Wirkungen gar nicht präzise vorhersehbar sind.”

    Dieser Satz sollte in Granit gemeißelt in jedem WiWi-Auditorium gut sichtbar für alle angebracht sein.

    panta rhei

    Gruß BD

    • Basisdemokrat - 1. Oktober 2013

      Evolutionäre Herausbildung “intelligenter” Überlebensstrategien gibt es in der Tier und Pflanzenwelt zu Hauff.
      Z.B. die “Überlebensstrategie” der Akazie
      http://www.zdf.de/Abenteuer-Forschung/Trickreiche-Pflanzenwelt-5407336.html

      Was sich im Wechselspiel von Mutation und Selektion herausgebildet hat, und im nachhinein so aussieht, als ob ein “Unsichtbarer Schöpfergeist” am Werke war, könnte man in seiner Funktionalität als quasi Vorläufer oder Modell eines “Bio-Marktes” betrachten.

      Damit stellt unser Markt ein Spezialfall der Evolution dar, der sich Seinerseits wieder in viele Teil-Märkte aufsplittert. Es ist der (virtuelle oder reale) Ort, wo Angebot (Futter) und Nachfrage (Hunger) aufeinander stoßen.

      An diesem Punkt angelangt setzt der Historische Prozess ein, von den gentilen Gesellschaften bis heute – und darüber hinaus.

      So wie Leben in großen Teilen auf dem Tod anderer Lebensformen beruht – auch ein Kopfsalat ist eine Lebensform- bildet sich im Prinzip der Innovation dieser Vorgang auf der technologischen und sozialen Ebene erneut ab. Das teilweise Verständnis dieses Vorgangs versetzt uns in die Lage steuernd in diesen Prozess einzugreifen, anstatt auf der Ebene eines Sozialdarwinismus stehen zu bleiben..

      Allerdings, hat sich dieser Prozess in einer Weise verselbstständigt, die jeden verantwortlichen Umgang mit unseren Ressourcen vermissen lässt. Drückt sich die “Schöpferische Zerstörung” in den Hoch-Technologien eher in der Tiefe aus und ziehen radikale Umbrüche nach sich, erleben wir die kleine Schwester, die tägliche Innovation, in ihrer Breitenwirkung. So kommen z.B. in der Biobranche (LEH) Über 1000 Neuprodukte jährlich auf den Markt (Ca. 25% eines Vollsortiments)von denen 90% wieder verschwinden, oder deren Produktzyklus aus einer einzigen Marketingaktion besteht. Dazu kommen unzählige Relaunchen, die in vielen Fällen Verschlimmbesserungen sind. So manches gute Produkt hat kein Change am Markt, während die Mülllawine Chaos hinterlässt.

      Wie sehr Wirtschaftspolitik Industriepolitik ist wurde hier ja schon mehrfach beschrieben.
      Die Verkrustungen am oberen Ende chaotischer, anti ökologischer Verdrängungswettbewerb am anderen Ende, Erosion des Mittelstandes, Stagnation der unteren Lohngruppen mit weittragenden Konsequenzen schreien geradezu nach Regulierung.

      Ob Herdenverhalten an den Börsen, oder Schwarmintelligenz im Blauwalmaul, an einem WWMasterplan werden wir wohl kaum vorbei kommen. Eben auch dazu bedarf es der Notwendigen Werkzeuge.

      Gruß BD

  • Systemfrager - 30. September 2013

    >>>> Adam Smith … unterscheidet sich in den für die Marktlogik wesentlichen Punkten letztlich dennoch nur marginal vom mechanistischen Marktverständnis der neoklassischen Wirtschaftstheorie
    Sagen wir es so:
    Die Marktordnung bei Smith ist aus der Anthropoligei und Moralphilosophie abgeleitet, die Neoklasik – wie Quesnay und die Physiokraten – beruht auf der Maschine (klassische Mechanik des Gleichgewichts der mechanischen Kräfte)
    Bei Smith bestimmen die Preise NICHT Wachstum, Beschäftigung, …, bei den Neoklasikern bestimmen sie ALLES

    • Systemfrager - 30. September 2013

      Bei Smith bestimmen die Preise …
      QUATSCH
      Bei Smith bestimmen die Kosten

  • Roland - 30. September 2013

    Der “archimedische Punkt” aller Wirtschaftswissenschaften lautet:
    Wie hältst Du es mit der Arbeitswert-Theorie von Adam Smith resp. Ricardo.

    Ist diese als richtig angesehen, dann ist die marxsche Weiterentwicklung, die jeden einzelnen Schritt in bestechender Logik weiterführt, als Grundlage unserer ökonomischen Analyse unverzichtbar.
    Bisheriger Fehler vieler sog. “Marxisten” war, den von Marx als essentiell beschriebenen dialektischen Prozess einer Weiterentwicklung seiner Theorie nicht beachtet – und sein Werk als “Religion” behandelt zu haben.
    Marx hatte diese Fehl-Entwicklung übrigens als mögliche Gefahr vorhergesehen..

    • Holly01 - 30. September 2013

      @ Suzann :
      Warum fragen eingentlich so wenig Leute nach dem “wieso”?
      Der Zinseszins ist nicht gerade eine neue Erfindung. Weltweit ist das Wissen um den Zinseszins seit Jahrtausenden präsent.
      Wir haben ein System, bei dem 1% von allem überdurchschnittlich provitieren und 99% über 40 Jahre benötigen, um das zu erkennen.
      War / ist das für die 1% nun überraschend? War es nicht vorhersehbar, daß es 40 Jahre dauern wird, ehe es eine “Erkenntniss” gibt oder ist es überraschend, daß es überhaut eine “Erkenntniss” bei der Masse gibt?
      Eins ist doch klar : die Zinsgewinner sind sich des Vorteils durchaus bewusst.
      Die Zinsgewinner sind aber auch die jenigen, die als einzige Verluste haben werden (nominal).
      Die Masse hat nichts geändert, aber warum haben die Kapitalinhaber nichts getan?
      Die Derivateblase ist doch Wahnsinn oder hat das ganze einen ganz anderen Sinn und Zweck?
      In DE gab es nur 2 intensive Wirtschaftsbereiche nach dem Doppelkrieg. Die Küstenregion und die Kohlegebiete mit dem schwerindustriellen Anhang.
      Heute haben wir ein gutes halbes dutzend an konzentrierten Standorten und die Schwerindustrie ist nur noch ein kleinerer Teil.
      Früher gab es nur ein paar Staaten, mit höherer Industrialisierung und Entwicklungspotential.
      Heute gibt es über ein dutzend von Staaten mit Potential.
      Die westlichen Länder verbrauchen weit überproportional Energie und Rohstoffe. Erwirtschaften diese Staaten auch weit überproportional?
      In DE hat praktisch jeder einen PKW, egal ob Eigentum oder Zugriff auf den PKW. Brauchen wir das?
      Wo ist denn die Gerechtigkeitsdiskussion? Wo ist denn die Frage, warum wir ein Geldsystem haben, das Hunger und ungerechte Güterferteilung fördert, ja erst möglich macht?
      Wo ist denn der Aufstand dagegen, daß GS mit Aluminium Milliarden verdient, weil die den Weltmarkt leer gekauft haben. Mit geschöpftem Geld, natürlich.
      Die Diskussion fing doch nur an, weil wir auf einmal wieder Alu Dosen in unseren Regalen hatten.
      Die Diskussion geht doch nicht um die Gerechtigkeit des Systems, es geht um die Profitverteilung.

      Was hat der Normalbürger zu verlieren?
      60% der Bundesbürger haben garkein nennenswertes Vermögen, weder in Geld noch in Sachwerten. Eine Phantomdiskussion?

      Wir sind lärmfähig, aber nur wenige sind lernfähig.

  • Holly01 - 30. September 2013

    Vielleicht einmal ganz in Ruhe anhören und etwas auf sich selbst schauen und sich selbst befragen :
    Was setze ich aus gegeben voraus und warum tu ich das?

  • M.E. - 30. September 2013

    Hallo SLE,
    in dem lesenswerten Beitrag kommt immer dieses Wort “Marktwirtschaft” vor…

    Von welchem Land ist da die Rede? Ich kenne kein Land, auf die dieser Begriff zutrifft.
    Ich sehe nur Länder, in denen massivst in Marktmechanismen eingegriffen wird durch die unterschiedlichsten Subventionen, von den US-Baumwollfarmern bis hin zu der deutschen Steinkohleförderung (hunderte weiterer Beispiele lassen sich finden).
    Und in denen soziale Kosten und Umweltkosten (zunehmend auch Klimakosten) nicht in die Produkte eingerechnet werden, was auf eine noch größere Subventionierung zu Lasten wirtschaftlich benachteiligter Menschen und zukünftiger Generationen hinausläuft.
    Und in denen die Macht des Stärkeren den Takt angibt, in denen Marktmacht die freie Konkurrenz aushebelt. Annähernde Chancengleicheit im Wettbewerb ist ja eine der Vorraussetzungen, um von “Marktwirtschaft” zu sprechen.
    Und in denen der Staat durch willkürlich politisch erzeugte Nachfrage in die Wirtschaft eingreift (z.B. durch Bestellung von Rüstungsgütern – immerhin weltweit deutlich über 1 Billion Dollar pro Jahr).
    Und in der besonders im Bereich der Finanzwirtschaft in vielen Fällen das Prinzip von Risiko und Haftung außer Kraft gesetzt ist.
    Und ob das, was man berechtigt unter dem Wort “Refeudalisierung” zusammenfasst, marktwirtschaftskompatibel ist, kann ebenfalls bezweifelt werden.

    Nein, ein Land mit Marktwirtschaft ist mir nicht bekannt. Würde man die Marktwirtschaft einführen, wäre unser Lebenstandard garnicht mehr aufrecht zu erhalten. Alleine durch die Einrechnung aller vorraussichtlichen zukünftigen Kosten der fossilen und atomaren Energiegewinnung wären diese Energieformen in der heutigen Verbrauchsmenge unbezahlbar.

    • Holly01 - 30. September 2013

      Hallo M.E. :

      Da ist einfach zu wenig Nähe zur Wirklichkeit.
      Quelle :

      min. 26 bis min. 29

      Werte :
      Schulden 1970 = 64 Mrd.
      Schulden 2009 = 1658 Mrd.
      Differenz = 1594 Mrd.

      Zins und Zinseszins in diesem Zeitraum = 1642 Mrd.

      Anders ausgedrückt :
      Die BRD ist seit etwa 40 Jahren Kostenneutral. Was wir benötigen wird erwirtschaftet.
      Die Schulden von heute beruhen auf einer -N i c h t t i l g u n g- von ehemals 64 Mrd. und dem aufgelaufenen Zins und Zinseszins.
      Wer so wirtschaftet, nämlich Altschulden laufen lassen und weder Zins noch Zinseszins bezahlt, der ist nicht dumm, der ist ein Betrüger.

      Auf dieser Basisi haben Sie mit vielem immer noch Recht, aber das Umfeld und die Kosten/Nuten muss man ganz anders sehen.

      • Thorsten Eckau - 30. September 2013

        Hallo Holly01,

        ich habe zwar das Video nicht geschaut, aber die Rechnung kann nicht stimmen, meine ich.
        Rechnen Sie doch einfach in einem Zinseszinsrechner mal nach: Bei 5% über 40 Jahren komme ich auf 300-400 Mrd., bei 8% auf knappe 900 Mrd.. Um auf die von Ihnen hier behaupteten 1642 Mrd. zu kommen, muss ich schon dauerhaft (also im Durchschnitt über die 40 Jahre) einen Zins von 9-10% ansetzen.
        Das ist sicherlich Quatsch, an welcher Stelle ist unklar, vermutlich aber in der irrigen Rechnung mit einer Basis von 64 Mrd. loszulaufen.

        Zahlen siehe Seite 28 und 29 hier http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Veroeffentlichungen/Monatsberichtsaufsaetze/2010/2010_04_verschuldung_und_zinsbelastung.pdf?__blob=publicationFile

        Dennoch ist eines mal festzustellen: Durch das Rollen der Schulden sind in jedem Fall enorme Mengen an Zinsen aufgelaufen, das ist mal sicher. Und ich würde auch aus dem Bauch heraus unterschreiben, dass mittlerweile ein signifikanter Anteil (wenn nicht der größte) aus Zinsen besteht, auch hier gehen wir konform.

        Nur die Rechnung wie Sie sie oben aufmachen, die kann nicht stimmen.

        • Holly01 - 30. September 2013

          Hallo Herr Eckau,
          jo, so habe ich auch zuerst gerechnet. Aber da ich nicht besondern klug bin, habe ich es dann doch “zu Fuß” gerechnet, also über Zahlenreihen und das ist ganz erstaunlich.
          Bei Ihren 5% ergibt sich :
          1970 : 64Mrd x 1,05 = 67,2Mrd.
          1975 : 81,68Mrd. x 1,05 = 85,76Mrd
          1980 : 104,25Mrd x 1,05 = 109,46Mrd
          1985 : 133,05Mrd x 1,05 = 139,70Mrd
          1990 : 169,81Mrd x 1,05 = 178,30Mrd
          1995 : 216,72Mrd x 1,05 = 227,56Mrd
          2000 : 276,60Mrd x 1,05 = 290,43Mrd
          2005 : 353,02Mrd x 1,05 = 370,68Mrd
          2009 : 429,10Mrd x 1,05 = 450,56Mrd
          Jeweils Endsummen für das jeweilige Jahr, die dazwischenhabe ich wegelassen, sonst schmeist mich Querschuesse endgültig raus.
          Nun habe ich von allen Jahren die Endsumme genommen und jeweils die 64Mrd. Ursprungsschuld rausgenommen, malso immer nur zinseszinszins addiert :
          Srefan möge mir verzeihen, aber ich halte es für ein neues denken absolut für wichtig den Zinseszins und seine Wirkung zu verstehen, also :

          1970 : 64Mrd. Schulden
          1971 : 64,00Mrd Schulden + 3,2Mrd Zinsen = 67,2Mrd 1999 : 2013,52 + 199,43 = 2212,95Mrd
          1972 : 67,2 + 6,56 = 73,76Mrd 2000 : 2212,95 + 212,6 = 2425,55Mrd
          1973 : 73,76 + 10,88 = 84,64Mrd 2001 : 2425,55 + 226,43 = 2651,98Mrd
          1974 : 84,84 + 13,79 = 98,43Mrd 2002 : 2651,98 + 240,96 = 2892,94Mrd
          1975 : 98,43 + 17,68 = 116,11Mrd 2003 : 2892,94 + 256,2 = 3149,14Mrd
          1976 : 116,11 + 21,76 = 137,87Mrd 2004 : 3149,14 + 272,21 = 3421,35Mrd
          1977 : 137,87 + 26,05 = 163,92Mrd 2005 : 3421,35 + 289,02 = 3710,37Mrd
          1978 : 163,92 + 30,56 = 194,48Mrd 2006 : 3710,37 + 306,68 = 4017,05Mrd
          1979 : 194,48 + 35,29 = 229,77Mrd 2007 : 4017,05 + 325,21 = 4342,26Mrd
          1980 : 229,77 + 40,25 = 270,02Mrd 2008 : 4342,26 + 344,67 = 4686,93Mrd
          1981 : 270,02 + 45,46 = 315,48Mrd 2009 : 4686,93 + 365,1 = 5052,03Mrd

          Bei 5% seit 1970 hätte die Schuld Zahlungen von 5052,03Mrd verursacht.
          Man muss die addition der Zahlenwerte berücksichtigen, die absoluten Zahlen der Jahresendsumme erbringen keinen Überblick.

          Was ein Zinsanstieg bei den jetzigen 2000Mrd bewirken würde, kann nun hoffendlich jeder selbst ausmalen.
          1982 : 315,48 + 50,93 = 366,41Mrd
          1983 : 366,41 + 56,68 = 423,09Mrd
          1984 : 423,09 + 62,72 = 485,81Mrd
          1985 : 485,81 + 69,05 = 554,86Mrd
          1986 : 554,86 + 75,7 = 630,56Mrd
          1987 : 630,56 + 82,69 = 713,25Mrd
          1988 : 713,25 + 90,02 = 803,27Mrd
          1989 : 803,27 + 97,72 = 900,99Mrd
          1990 : 900,99 + 105,81 = 1006,80Mrd
          1991 : 1006,80 + 114,3 = 1121,1Mrd
          1992 : 1121,1 + 123,22 = 1244,32Mrd
          1993 : 1244,32 + 132,58 = 1376,9Mrd
          1994 : 1376,9 + 142,4 = 1519,3Mrd
          1995 : 1519,3 + 155,72 = 1675,02Mrd
          1996 : 1675,02 + 163,56 = 1838,58Mrd
          1997 : 1838,58 + 174,94 = 2013,52Mrd

          • Holly01 - 30. September 2013

            Etwas geschreddert. der Text “Bei 5% seit 1970 hätte die Schuld Zahlungen von 5052,03Mrd verursacht.
            Man muss die addition der Zahlenwerte berücksichtigen, die absoluten Zahlen der Jahresendsumme erbringen keinen Überblick.
            Was ein Zinsanstieg bei den jetzigen 2000Mrd bewirken würde, kann nun hoffendlich jeder selbst ausmalen.”
            steht mitten drin und die Jahre 1972/2000 ff hat er zusammengezogen. Schade, ansich aber für den Inhalt föllig egal.
            Die Schuld von 64Mrd in 1970 kann absolt einen Zinseszinseffekt auslösen, der zusammengezogen locker den heutigen Gesamtschulden der BRD entspricht.

  • Freiberufler - 30. September 2013

    “Denn es geht heute niemandem mehr darum, die Marktwirtschaft abzuschaffen.”

    Wenn ich den Markt durch eine Preisumlage so manipuliere, dass ein Offshore-Windpark ohne Netzanschluss wettbewerbsfähig ist, kann man das schwerlich als Marktwirtschaft bezeichnen.
    Oder wenn ich eine griechische Staatsanleihe als notenbankfähige Sicherheit definiere.
    Oder wenn Heiner Flassbeck ein Inflationsziel definiert, nach dem Motto “Nächstes Weihnachten muss die Butter 2 Euro kosten!”, und dieses durch gezielte Verteuerung des Faktors Arbeit erreichen will.

    Nein, Politiker sind wie Notenbänker: Sie wollen den Markt nicht abschaffen, sie wollen seine Rahmenbedingungen kontrollieren, so dass er politisch gewünschte Ergebnisse produziert.

  • Rolmag - 30. September 2013

    “Das Fahrrad verändert sich nie. Es funktioniert und reagiert zuverlässig immer auf dieselbe Art und Weise – gestern, heute, morgen und auch übermorgen. Sie müssen nur darauf achten, dass die Kette gespannt und gut geölt ist und die Reifen immer genügend Luftdruck haben. Wenn Sie eine Liste mit Bedingungen oder ein Rezept als Antwort auf die Frage erwarten, unter welchen Bedingungen die Marktwirtschaft bzw. die Märkte ihre positiven ordnenden und Wohlfahrt bringenden Wirkungen für die Volkswirtschaft entfalten, dann fassen Sie die Marktwirtschaft ohne es überhaupt zu realisieren im Grunde als eine Art Fahrrad auf.”

    Wer das tut hat nicht nur den Begriff “Markt(!)wirtschaft ” nicht verstanden, schlimmer noch, die Person verwechselt sie mit der Planwirtschaft und wohin die ein Land bei weltweiter Konkurrenz führt, hat sie hinlänglich bewiesen, ins Grab, bei halblebendigem Leibe.
    Die ideale Marktwirttschaft kann schon deshalb nicht klar definiert sein, weil sich das Kaufverhalten der Menschen, also Märkte auf unvorhersehbare Weise zu ändern pflegt.

    Das ist ein großer Vorteil für die Kunden, denn es zwingt die Anbieter zu Kreativität, zu Anpassungen.

    Der Tod der Marktwirtschaft ist ein Übermaß an politischer Einmischung, also wie derzeit in Deutschland. Und dass die merkeln was sie anrichten, kann man leicht am unerträglichen Maß an Propaganda erkennen. Als Eingeborener hätte ich es nie für möglich gehalten, dass in der BRD die Politiker wie in der DDR eine verbale Menschentreibjagd auf Gut- und Sehgutverdienende veranstalten. Der Grund dafür ist neben der dringend umzuverteilenden Knete übrigens, dass die Masse die Schuld für ihre Verarmung nicht den Polittätern zuweist. Einfach zu durchschauen.

    Weil diese blöden Politikern nicht raffen, was sie reich gemacht hat, Tipp: die Stützeempfänger waren es nicht und die Sozialstudierten ebenfalls nicht!

    • BigRed - 30. September 2013

      Weil diese blöden Politikern nicht raffen, was sie reich gemacht hat, Tipp: die Stützeempfänger waren es nicht und die Sozialstudierten ebenfalls nicht!

      Richtig, reich werden Politiker durch die Kungelei mit dem Kapital. Das Kapital wiederum wird reich, wenn es durchsetzen kann, dass Produktivitätszuwächse nicht bei Lohnabhängigen ankommen, sondern als Profit bei ihnen.

      Dafür wiederum ist es hilfreich, Arbeitsplatzschutz ab- und Lohndruck durch Niedriglohnstellen aufzubauen, den Steuersatz für Firmen zu senken, Infrastruktur und soziale Dienste zu privatisieren und zu deregulieren, was das Zeug hält. Die mangelnde Binnennachfrage ist dann übrigens mit Schuld an den “Stützeempfängern”, auf die Du herabschaust.

      Sehen wir uns die letzten 30 Jahre an, sehen wir, dass die Politik reichlich Vorleistung erbracht hat, insofern sei doch bitte nicht so böse auf die armen Politiker, die machen schon, was Du willst.

  • M.E. - 30. September 2013

    Aha!
    Wenn beabsichtigt wird, den Spitzensteuersatz auf 49% und damit auf ein Niveau unterhalb des Steuerniveaus der Kohl-Ära (!) zu erhöhen, dann ist das also eine verbale Menschentreibjagd.

  • BigRed - 30. September 2013

    Hmm, verwirrender Post. Zumindest am Anfang:

    Die marktwirtschaftliche Ordnung wird in Bezug auf die Realisierung von Freiheit und wirtschaftlicher Prosperität als überlegene Ordnung angesehen und genau deswegen gewünscht. Das ist so, weil es für diese Überlegenheit empirische Belege gibt.

    Bei der wirtschaftlichen Prosperität kann man ja noch streiten, aber die empirischen Belege für den Zusammenhang von Marktwirtschaft und Freiheit würde ich gern erst mal sehen.

    Bisschen überraschend fand ich auch:

    Denn es geht heute niemandem mehr darum, die Marktwirtschaft abzuschaffen.

    denn da kenn ich doch einige Linke, insofern fand ich das in nem Artikel über die Überwindung der Rechts-Links-Logik unerwartet. Als ich dann allerdings las, dass mit “links” SPD und Grüne beschrieben wurde, wurde alles klarer.

    Denn das heisst, dass “links” im Beitragssinne z.B. nichts mit Marx (oder nachfolgenden Denkern) zu tun hat, was dann schon eine besondere Definition ist – bzw. nicht so besonders, sondern der der Leitmedien und der Rechten entspricht, was ich aber auf QS nicht erwartet hätte.

    Das passt dann schon zum allgemeinen Argument – dass “links” und “rechts” beide der neoklassischen oder neoliberalen Marktlogik verfallen sind.
    Allerdings wird das Pferd von hinten aufgezäumt – es ist mitnichten so, dass Linke und Rechte inzwischen alle der Marktlogik anhängen. Vielmehr ist es so, dass es unter denen, die der Aufrechterhaltung des Kapitalismus (und damit der Marktlogik) anhängen, also ökonomisch “Rechten”, linkere und rechtere gibt (siehe auch: http://anticap.wordpress.com/2012/05/18/do-you-believe-in-markets/).

    • BigRed - 30. September 2013

      Also müssen wir erstens überkommen, dass “links” und “rechts” nur im Rahmen kapitalistischer Rahmenbedingungen diskutiert werden

      Und zweitens, dass “Märkte” mit kapitalistischen, profit- und wachstumsorientierten gleichgesetzt. Wie Open Source Software, Remixing und, eingeschränkter, wissenschaftliche Forschung zeigen, gibt es durchaus Märkte, in denen andere Werte verhandelt und erstrebt werden.

      Was wir nicht überkommen müssen, ist die Unterscheidung von rechts und links in ökonomischen Fragen.
      Ganz im Gegenteil, die muss geschärft werden, was mE durch nichts besser belegt wird, als dadurch, dass die MSM den neoliberalen Einheitsbrei, der den grössten Teil des Bundestags einnimmt, in “rechts” und “links” zu unterscheiden sucht.

      • SLE - 1. Oktober 2013

        Hallo BigRed,

        es ist zutreffend, dass wir “Märkte” nicht mehr als Maschinen sehen dürfen, die unablässig wachsen. Mir ist nur nicht ganz klar, was Sie damit sagen wollen, dass wir “links” und “rechts” nicht nur im Rahmen kapitalistischer Rahmenbedingungen diskutieren dürfen.

        Was die Unterscheidung in ökonomischen Fragen betrifft, so sehe ich das anders und möchte zur Verdeutlichung auf das hinweisen, was ich bereits in Teil 1 des Aufsatzes herausgestellt habe, nämlich das rechte und linke Parteien sich beide derselben rein angebotstheoretisch begründeten Marktlogik bedienen.

        In dieser Marktlogik spielt die Nachfrageseite praktisch keine Rolle und Märkte so zu sehen und zur erklären, ist (m.E. sogar höchst) unrealistisch und führt, wie wir heute sehen können, zu ökonomischen, politischen und gesellschaftlichen Problemen. Diese angebotstheoretische Sicht auf Märkte und Marktwirtschaft wird in der Links-Rechts-Konfrontation nicht adressiert, was zwar aufgrund der vertretenen Klientel speziell für linke Parteien ein grundsätzliches und innerhalb einer so begründeten Marktlogik unüberwindliches Problem ist. Letztlich ist es aber auch ein Problem für die politischen Parteien auf der rechten Seite, weil diese Marktsicht natürlich gravierend fehlerhaft ist.

        Die Konfrontation von Links und Rechts in dieser fundamentalen ökonomischen Frage ist also so oder so eine Pseudo-Unterscheidung und muss natürlich überwunden werden. Sie geht bisher nicht nur völlig am Kernproblem vorbei, sondern sie blockiert den Weg zu einer besseren, realistischeren Marktlogik bzw. letztlich zu einer zumindest besseren, auf Märkte und Marktwirtschaft gerichteten, Politik.

        Was wir überkommen sollten, ist die angebotstheoretisch begründete Marktlogik, die gegenwärtig als Grundlage für Parteien auf der rechten und linken Seite des politischen Spektrums dient.

        Was wir nicht überkommen sollten, sondern was im Gegenteil in der auf Märkte und Marktwirtschaft gerichteten politischen Auseinandersetzung wieder viel stärker in den Vordergrund rücken muss, um von der orientierungslosen und ineffektiven Politik des Experimentierens wieder wegzukommen, die gegenwärtig praktiziert wird, ist die Marktlogik und zwar als Grundlage, auf der die politische Auseinandersetzung geführt wird.

        Was wir nicht überkommen sollten (und auch nicht überwinden können), sind die unterschiedlichen Bewertungen von Zielen und Ansprüchen in Politik und Gesellschaft mit Blick auf Märkte und die Marktwirtschaft. Denn erstens sind Märkte eben nicht prinzipiell selbstregulierend und insofern ist die Politik im wieder vor das Problem gestellt, Bewertungen vorzunehmen, wenn sie handeln will oder sogar muss (nämlich wenn der Wettbewerb auf Märkten nicht mehr für eine dynamische Machtbalance auf Märkten führt, so wie es heute vielfach der Fall ist). Zweitens können wir auch nicht einfach alle Lebensbereiche ökonomisieren, was wir jedoch in der Tat heute versuchen.

        Viele Grüße
        SLE

        • BigRed - 2. Oktober 2013

          Es tut mir leid, dass das jetzt brüsk rüberkommen wird, aber

          Rechts und Links bedienen sich also praktisch derselben Marktlogik.

          ist schlichtweg falsch.

          nämlich das rechte und linke Parteien sich beide derselben rein angebotstheoretisch begründeten Marktlogik bedienen.

          ist ein bisschen richtiger, aber immer noch im Wesentlichen falsch.

          Schauen Sie sich die etablierten “linken” Parteien und Wirtschaftspolitiker an (oder auch die Wirtschaftsjournalisten). SPD und Grüne haben beide einen Wirtschaftsflügel und dessen Vertreter argumentieren bezüglich der Märkte oft ähnlich wie liberale Politiker aus Union und FDP.

          hingegen illustriert mein Problem (und auch das Ihre) – die SPD und die Grünen sind nicht links, deswegen passen die Hochkommata sehr gut. Die sind einen Hauch linker als FDP/CDU und ein bisschen sozialliberaler als die CDU, aber das war’s.

          Telepolis hatte einen Beitrag zum Wahlausgang und zitierten dazu aus dem Ahlenberger Programm der CDU:

          Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden. Nach dem furchtbaren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch als Folge einer verbrecherischen Machtpolitik kann nur eine Neuordnung von Grund aus erfolgen. Inhalt und Ziel dieser sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung kann nicht mehr das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein. Durch eine gemeinschaftliche Ordnung soll das deutsche Volk eine Wirtschafts- und Sozialverfassung erhalten, die dem Recht und der Würde des Menschen entspricht, dem geistigen und materiellen Aufbau unseres Volkes dient und den inneren und äußeren Frieden sichert.

          Trotz dieser Wortmeldungen war die CDU doch damals keine linke Partei!

          Das Problem ist nicht, dass die Linken Wirtschaft nur noch von der Angebotsseite aus denken – das Problem ist, dass Parteien und Individuen, die kapitalistische Marktwirtschaft als gegeben hinnehmen und nur von der Angebotsseite aus denken, noch als links bezeichnet werden.

          Erinnern Sie sich an Frau Lötzsch und die Überwindung des Kapitalismus? An die Wand geklatscht worden ist sie, von ausserhalb ihrer Partei, aber das ist eine genuin linke Position.
          Lesen Sie ab und an mal was Herr Troost schreibt? Ich stimme nicht allem zu, aber das ist jemand, der sehr wohl von der Nachfrageseite aus denkt – siehe auch die (immer noch zu niedrige) Mindestlohnvorstellungen seiner Partei.
          Schauen Sie ab und an mal auf Herrn Flassbecks Seite vorbei? Ich wär überrascht, wenn Herr Lafontaine inzwischen komplett anders denkt.

          Ich stimme allem zu, was Sie bzgl. der falschen wirtschaftlichen Denkweise schreiben. Ich stimme zu, dass es unsinnig ist, eine Unterscheidung zwischen 3 der 4 Parteien zu machen, die aktuell im Bundestag sitzen und ich behaupte, dass es keine “Konfrontation” mehr gibt, sondern dass das Scheingefechte auf Nebenschauplätzen sind.

          Aber diese Verengung von “links” auf die bisschen weniger Rechten im Bundestag (oder im amerikanischen Kongress oder im britischen Unterhaus oder im französischen Parlament) ist nicht nur nicht hilfreich, sondern schädlich, weil sie erlaubt, tatsächlich linke Parteien und Gruppierungen als “die sind ja auch net anders” oder als radikale Spinner abzutun.

          • BigRed - 2. Oktober 2013

            Sorry für den ersten nicht-geschlossenen Blockquote.

          • SLE - 2. Oktober 2013

            Hallo BigRed,

            kein Problem, das wirkt auf mich nicht brüsk. Sie stellen Ihren Standpunkt dar und das vor dem Hintergrund Ihres Verständnisses dessen, was ich schrieb. Das ist völlig in Ordnung.

            Ich gehe ja im neuen Aufsatz (Teil 3.1) auch detailliert darauf ein, aber was für ein Markt- und Wettbewerbsverständnis haben denn aus Ihrer Sicht beispielsweise Oskar Ladontaine, Heiner Flasseckoder Frau Wagenknecht? Ich kenne im Wesentlichen die vier darglegten und die sind – mit einer Ausnahme – alle angebotstheoretisch begründet. Sollte es da noch ein anderes, nicht rein angebotstheoretisches geben, dann würde ich mich sehr dafür interessieren.

            Das die Konfrontation auf Nebenschauplätzen stattfindet, sehr ich im Übrigen absolut genau so. Und halte ich für ein ganz gewichtiges Problem, weswegen ich darauf auch in Teil 3.1 eingegangen bin.

            Viele Grüße
            SLE

  • JL - 30. September 2013

    Sehr geehrter Stefan L. Eichner
    Zu meinen persönlichen Überlegungen zwei Beispiele vorab.

    Beispiel 1:

    Wenn man die überwiegende ökonomische Gilde befragt was Handel denn so ist kramt man meistens das Beispiel mit den zwei Bauern heraus, der eine mit den Äpfeln und der andere mit den Birnen. Und wenn die beiden ihre Körbe getauscht haben ist das dann eben Handel.
    So einfach diese Antwort auch ist so falsch ist sie auch. Ökonomisch betrachtet hat keiner von beiden einen Mehrwert- Äpfel und Birnen machen gleich satt. Wenn die zwei Buben also die getauschten Körbe „Leerfuttern“ ist es ökonomisch nicht erklärbar, warum die zwei Bauern diese Körbe überhaupt getauscht haben.

    Beispiel 2:

    Ein Mann sitzt- warum auch immer- fast mittellos mitten in der Wildnis vor einem glasklaren Bergsee und hat großen, sehr großen Hunger. Ein Hase hupft auf einer Wiese vorbei. Was wird dieser Mann wohl wollen? Genau; wie auch immer wird er Versuchen dem Langohr ans Fell zu gehen- er hat ja Hunger. Ökonomisch betrachtet ist dieser Mann ein totaler „Vollpfosten“. Anstatt sich um die Vermarktung des glasklaren Bergwassers zu kümmern, bastelt der an einer Falle für Niederwild.

    In Beispiel 2 würde jeder instinktiv dasselbe tun wollen wie der Mann auch, wenn man in dessen Lage wäre.

    Warum ist das so und warum ist es ökonomisch nicht erklärbar.

    Hier hilft die Philosophie. Diese wird zwar immer unheimlich kompliziert dargestellt, nur sie ist nicht.
    Zwei Grundthemen zur weiteren Betrachtung müssen aber unbedingt vorab erklärt werden.

    1. Der Wille an sich.
    Der Wille an sich ist Ergebnis der Erkenntnis der gegenwärtigen Lage (Hunger) und die Bereitschaft (Risikoabwägung, „Gegner“ Hase) auf Grund bisheriger Erkenntnis (Hase ist schnell) unter Nutzung der realen Gegebenheiten (Hase, Wiese) die gegenwärtige Lage zu ändern (Hase, Falle, kein Hunger). Wenn nun jemand denken wird „Das ist ganzschön Egoistisch gegenüber den Hasen“ hat man den Satz verstanden. Nicht nur Räuber und Piraten denken in demselben Muster wie vorab dargestellt.

    2. Der Wert an sich.
    Der eine hat Urlaub in den Bergen gemacht und der andere schwärmt von der traumhaften Unterwasserwelt. Man wird also möglichst das Tun was persönlich wertvoll erscheint.
    Ergo resultiert der Wert eines Dinges aus der persönlichen Wertschätzung. Ist diese nicht vorhanden (oder auch nicht mehr vorhanden) hat dieses „Ding“ auch keinen Wert. Wenn man also unbedingt etwas tun WILL, dann tut man es aus egoistischen Gründen (Siehe Punkt 1). Im Beispiel 2 hat sich also die Gewichtung (Wert) nach Risikobetrachtung (Hunger versus Bergseevermarktung) zuungunsten des Hasen entschieden.

    Wenn man diese zwei Punkte betrachtet, wird nun auch klar warum in Beispiel 1 die zwei Bauern Äpfel mit Birnen getauscht haben ohne einen erkennbaren Mehrwert zu erlangen. Es ist Egoismus, der eine kann keine Äpfel und der andere keine Birnen mehr sehen, wegwerfen will man das Zeug aber auch nicht- deshalb der Tausch.

    Der regionale Markt ist also das Ergebnis des Tauschens. Was man dabei Tauscht ist unwesentlich, wesentlich ist, daß das Tauschergebnis den anerkannten Wert beider jeweiliger Handelsparteien entspricht. Ist das Ergebnis also zufriedenstellend fühlt sich keiner „übers Ohr gehauen“, die Parteien sind sich also einig. Der Nachteil hier wiederum ist, es wird kein Mehrwert gebildet auf dessen Grundlage man neues Tun könnte. Hier fehlt schlicht die Möglichkeit irgendeine Art von Vermögen vorab aufzubauen um neues zu versuchen- die Vorfinanzierung fehlt. (Tauschwirtschaft)

    Interessant wird es aber, wenn sich der Markt „verschiebt“ und Überregional agiert. Der Markt an sich verschiebt sich dabei aber nicht nur, er teilt sich mehrfach- und zwar in Interessengruppen. Warum? Der neuerdings überregional agierende, bisherige Tauschpartner braucht die bisherige Gemeinde nicht mehr ausschließlich oder nur noch marginal, da er einen höheren Tauschwert irgendwo anders erhält (Mehrwert/ Egoismus). Somit kann er heimische Regeln und Forderungen festsetzen zu welchem Kurs auch immer und über was auch immer verhandelt wird, wenn die Möglichkeit einer Alternative gegeben ist (z. B. Werksverlagerungen/ Egoismus).

    Ein Beispiel hierzu ist aber auch die „krumme Gurkenverordnung“ der EU. Scheinbar Sinnfrei wurde diese Verordnung erlassen. Damals lachte man sich Tot über diesen Schwachsinn um bis heute nicht zu erkennen, daß es ausschließlich um die weitere Industrialisierung der Landwirtschaft ging, durch Ausschaltung der klein- und mittelständigen Konkurrenz. Auch das ist Egoismus.

    Und genau dies polarisiert/ politisiert letztendlich, dem Markt schutzlos ausgesetzt zu sein.

    Die Hoffnung auf Interessenvertretungen hierzu bleibt aber Gegenwärtig enttäuschend. Vermutlich haben sich die Gewerkschaften zwischenzeitlich aufgelöst ohne es selbst gemerkt zu haben. Und Parteien zu huldigen, weil diese alle vier oder fünf Jahre beim Wähler nachfragen was man denn so will oder denkt ist eine schöne Geste- der Ohnmacht. Für alle beteiligten.

    Der Bürger hat also nicht zu antworten wenn jemand eine Frage stellt, sondern umgekehrt, jemand hat zu antworten wenn der Bürger eine Frage stellt und direkt bewertet das Ergebnis dessen umgesetzt werden muß.

    Das ist sehr wohl auch Egoismus, aber die einzige Waffe gegen Egoismus, da man hier Vor- und Nachteile abwägt. Diese Sichtweise ist sicher vergleichbar mit dem Hasen- aber wenn es sattmacht?

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

    • SLE - 1. Oktober 2013

      Hallo JL,

      Egoismen sind nicht problematisch und können letztlich auch nicht für Fehlentwicklungen auf Märkten verantwortlich gemacht werden. In sozialen Beziehungen geht es immer darum, wer sich durchsetzen kann – auch auf Märkten ist das so. Insofern sind bezüglich des Ausgangs entsprechender Prozesse bzw. Wettbewerbsprozesse entweder die Spielregeln das Problem oder die Strukturen auf dem Markt sprich das Kräfteverhältnis zwischen den Marktteilnehmern. Das betrifft die Konkurrenten ebenso wie die sich auf den beiden Marktseiten gegenüberstehenden Anbieter und Nachfrager (Arbeitgeber und Arbeitnehmer).

      Wenn Märkte selbstregulierend wären und die Regeln richtig gewählt, dann gäbe es kein Problem. Sind Märkte nicht prinzipiell selbstregulierend, gibt es Probleme und zwar immer wieder auftretende. In Ihrem Beispiel mit der EU-Grukenverordnung etwa stimmt beides nicht: Spielregeln und Marktstrukturen. Und es sind die bereits verschobenen Kräfteverhältnisse auf dem “Gurkenmarkt”, die – über Lobbyismus – zu falschen Spielregeln führen. Eine gruppengesteuerte Marktwirtschaft ist immer noch eine Marktwirtschaft. Nur spielt der Wettbewerb keine ausreichend regulierende Rolle mehr.

      Viele Grüße
      SLE

  • Systemfrager - 1. Oktober 2013

    Japans Industrie im Stimmungshoch
    “Der schwächere Yen beflügelt Japans Exportwirtschaft: Die Stimmung in der Großindustrie ist so gut wie seit Jahren nicht mehr. Die Wirtschaftspolitik von Ministerpräsident Abe scheint erste Früchte zu tragen.”
    http://www.n-tv.de/wirtschaft/Japans-Industrie-im-Stimmungshoch-article11467806.html

    Was geschieht, wenn man Steuern (“Kosten”) erhöht?
    Das wird auch Priese steigen lassen, die endogen Nachfrage schaffen (den realen Nachfragemangel beseitigen)
    Es wird der Wirtschaft nur gut tun:
    Die allgemeine Gleichung des Sparens und das Preisniveau der Produktionsgüter
    http://www.forum-systemfrage.de/Aufbau/ca/32g/ca32g.php?df_name=caDF30&tbch=ca&schp=rnachfrE&ordner=32g
    Das Preisniveau – Inflation und Deflation – aus empirischer Sicht
    http://www.forum-systemfrage.de/Aufbau/ca/32o/ca32o.php?df_name=caDF30&tbch=ca&schp=rnachfrE&ordner=32o

    • Freiberufler - 1. Oktober 2013

      Ach, wieder mal ein Stimmungshoch?

      Vor 9 Monaten riefen “Experten” das 2. deutsche Wirtschaftswunder aus. D-Land sollte boomen wie nie zuvor.
      Ich habe die Artikel extra aufgehoben.
      Leider entwickelte sich die Wirtschaft – wieder eimal – “unerwartet”, “überraschend”, “enttäuschend”…

  • JL - 1. Oktober 2013

    Sehr geehrter Stefan L. Eichner

    Bleiben wir mal beim „Gegurke“ (kleiner Scherz).

    Gurken (außer chinesische Schlangengurken) werden nur krumm, wenn die Pflanzen größeren Temperaturunterschieden ausgesetzt werden (z. B. 35 Grad am Tag und 10 Grad in der Nacht). Ergo wird dem Unternehmer eine Auflage erteilt- eine Heizung. Hat er keine Heizung fällt er als Marktteilnehmer aus. Dieses „Rumgegurke“ bei der Verordnung ist also die Voraussetzung von Veränderungen der „Spielregeln“ und damit Beginn der Beeinflussung des Marktes von denen, die eine Heizung bereits haben und das Ergebnis dessen. Projektierte man diese Verordnung ins Jahr 1946 für Europa, würde wäre es nicht erklärbar. Erklärbar wird es dann, wenn ein Markt, welcher nicht weiter wachsen kann wachstumsfähig bleibt- für einige.

    Nun ja, Nächstenliebe ist das dann aber auch nicht. 🙂

    Mit freundlichen Grüßen
    JL