Vom Problem der Überwindung der Rechts-Links-Logik – Teil 3.2: Vier Erklärungsansätze für Märkte im Vergleich – Wachstumslogik und Handlungsorientierung

von am 4. Oktober 2013 in Allgemein

In Teil 3.1 der Aufsatzreihe wurden vier verschiedene Erklärungsansätze für wettbewerbliche Märkte vorgestellt und in Bezug auf die ihnen zugrundeliegende Markt‑ und Wettbewerbslogik vergleichend analysiert und diskutiert. In diesem Teil werden die Wachstumslogik und die Orientierungsleistung dieser Erklärungsansätze für die Wirtschafts- und Finanzmarktpolitik diskutiert und der Bogen geschlagen zum Problem der Überwindung der Rechts-Links-Logik.

Die Wachstumslogik hinter der Marktlogik

Was also kommt theoretisch im günstigsten Fall volkswirtschaftlich und insbesondere hinsichtlich des bisher stets stark fokussierten Wirtschaftswachstums heraus, wenn es nach diesen vier Erklärungen von Märkten und der wettbewerblichen Marktwirtschaft geht?

Wie in der Abbildung zur Wachstumslogik zu sehen und zu lesen ist, kommt Unterschiedliches dabei heraus, im Falle des Ansatzes „Vollkommene Konkurrenz“ jedoch kein Wirtschaftswachstum. Es ist eine wachstums- und entwicklungslose Vorstellung von einer Kreislauwirtschaft, in der begrenzte Ressourcen effizient eingesetzt werden.

SLE_03_Wachstumslogik hinter der Marktlogik

Beim „Freien Wettbewerb“ ist die wirtschaftliche Entwicklung unvorhersehbar, aber es wird unterstellt, dass es – zwar nicht zu jeder Zeit, aber langfristig – grundsätzlich zu Wohlfahrtssteigerungen (und mithin Wachstum) kommt, wenn die definierten Voraussetzungen für „freie“ Märkte erfüllt werden.

Ausgehend von der Markt- und Wettbewerbslogik des Ansatzes „Funktionsfähiger Wettbewerb“ wird bei Erfüllung der definierten Marktbedingungen nahegelegt, dass stetiges Wirtschaftswachstum erreichbar ist und sich innerhalb eines Wachstumskorridors bewegt.

Aus dem Ansatz „Evolutorischer Wettbewerb“ lässt sich kein unmittelbares Wachstumsversprechen ableiten. Nicht das Wachstum steht hier im Fokus, sondern Entwicklung. Zudem wird der Wettbewerb anders als bei den beiden zuvor angesprochenen Erklärungsansätzen nicht als prinzipiell selbstregulierend aufgefasst. Infolgedessen sind positives und negatives Wachstum bei Wettbewerb gleichermaßen möglich, abhängig von der konkreten Entwicklung der Märkte und des Wettbewerbs.

Abschließend bleibt die Frage zu beantworten, welche Handlungsmöglichkeiten sich aus den Erklärungsansätzen ableiten lassen und vor allem, welche Handlungsorientierungen sie bieten.

Handlungsmöglichkeiten und Handlungsorientierungen

Was kann der Staat bzw. was können die Parteien und Politiker in einer Marktwirtschaft gemäß dieser vier unterschiedlichen Erklärungen für funktionierende und prosperierende Märkte generell tun – oder eben für die rechte respektive linke Klientel? Welche Handlungsmöglichkeiten leiten sich daraus ab und wie ist die Orientierungsleistung der Erklärungsansätze zu beurteilen?

Bei Betrachtung der Abbildung zur Handlungsorientierung fällt zunächst auf, dass sich allein aus der Markt‑ und Wettbewerbslogik „Freier Wettbewerb“ für die Politik die Empfehlung ableitet, nicht in das Marktgeschehen einzugreifen. Alle andern bieten auch Rechtfertigungen für Interventionen, allerdings höchst unterschiedlich begründete.

Handlungsorientierung des “Freien Wettbewerbs”

Weil die Mark- und Wettbewerbslogik des Erklärungsansatzes „Freier Wettbewerb“ auf der klassischen Theorie von Adam Smith aufsetzt, gemäß der die „unsichtbare Hand“ die Märkte ordnet und steuert, ist dabei die Hypothese ausschlaggebend, dass die Politik prinzipiell nicht über ausreichendes Wissen verfügt, um steuernd bzw. in der Absicht, bestimmte gesamtwirtschaftliche Ziele zu verwirklichen, eingreifen zu können. Jeder Eingriff stellt deswegen aus dieser Perspektive letztlich eine Wettbewerbsverzerrung dar, die im Endeffekt nichts besser macht, sondern zu Wohlfahrtsverlusten führt und mehr noch immer neue „korrigierende“ Interventionen nach sich zieht.

Damit reduziert sich wirtschafts- und finanzmarktpolitisches Handeln aus dieser Marktsicht letztlich auf Rahmensetzung, das heißt auf die Vorgabe von Verhaltensregeln für die Marktteilnehmer (Ordnungspolitik). Freie bzw. genauer gesagt von staatlicher Einflussnahme „freie“ Märkte sind nach dieser Auffassung gegeben, wenn die gesetzten Verhaltensregeln bestimmten Kriterien genügen: Sie sollten unterschiedslos auf jeden Marktteilnehmer anwendbar sein; Regeln sollten ferner grundsätzlich keine Handlungsmöglichkeiten vorgeben, sondern lediglich bestimmte Verhaltensweisen ausschließen, das heißt, sie sollten als Verbote formuliert sein (z.B. Verbot wettbewerbsbeschränkenden Verhaltens); drittens sollten Handlungsmöglichkeiten nur für solche Umstände und Fälle ausgeschlossen werden, die für die Marktteilnehmer auch tatsächlich vorhersehbar sind.

SLE_04_Handlungsorientierung der Marktlogik

Erfüllen ordnungspolitische Regeln diese Kriterien, gelten Märkte und Marktteilnehmer als „frei“. Es ist also ein ganz spezifischer Freiheitsbegriff, der dieser liberalen Logik zugrunde liegt, weil er als Ursache von Freiheitsbeschränkungen auf Märkten allein den Staat bzw. die Politik ansieht, nicht aber die Marktteilnehmer selbst. Das ist insofern konsequent, weil Märkte als selbstregulierend aufgefasst werden, was aber letztlich eine unbewiesene Hypothese ist.

Problematisch ist das aber dann, wenn Märkte tatsächlich nicht prinzipiell selbstregulierend sind. In diesem Fall ist es möglich, dass es im Zuge der natürlichen Entwicklung von Märkten – so wie es etwa die Markt- und Wettbewerbslogik des Erklärungsansatzes „Evolutorischer Wettbewerb“ beschreibt – zu Einschränkungen der Freiheit von Marktteilnehmern kommt, nämlich infolge des Unternehmenskonzentrationsprozesses bzw. der Oligopolisierung. Das gilt selbst dann, wenn alle aufgestellten Regeln den für (von staatlicher Beeinflussung) „freie“ Märkte definierten Kriterien genügen und diese auch von den Marktteilnehmern eingehalten werden.

Im Ergebnis würde das bedeuten, dass die Vorgabe von Regeln und die strikte Einhaltung des Nicht-Interventionsgebotes für die Sicherstellung von freien Märkten im Sinne von Freiheit aller Marktteilnehmer unter Umständen nicht ausreicht und sie des Weiteren ungeeignet ist, Freiheitsbeschränkungen die aus der Oligopolisierung von Märkten resultieren, aufzulösen. Denn staatliche Eingriffe in die Märkte und das heißt auch in die Marktstrukturen sollen ja gemäß des Erklärungsansatzes „Freier Wettbewerb“ gerade unterbleiben.

Dieses Konzept sieht zudem keine Ergebnis- oder Freiheitskontrolle vor. Das heißt, weder die Freiheit der Marktakteure noch die Ergebnisse von Marktprozessen bzw. insgesamt ihre wohlfahrtssteigernden Wirkungen werden in irgendeiner Weise überprüft, gemessen und bewertet. Es gibt demzufolge auch keine Möglichkeit zu überprüfen, ob und inwieweit die Marktteilnehmer tatsächlich in ihren Entscheidungen und Handlungen auf Märkten frei sind. Das ist abgesehen von den bereits angesprochenen möglichen freiheitsbeschränkenden Wirkungen der natürlichen Marktentwicklung auch aus einem weiteren Grund nicht unproblematisch. Denn die Marktteilnehmer werden nicht nur immer nach Möglichkeiten suchen, ihre Konkurrenten zu übertrumpfen, sondern – was bei diesem Ansatz ein wenig unter den Teppich gekehrt wird – ebenso immer auch nach Wegen, Regeln zu umgehen und den Wettbewerb auszuschalten.

Es gibt bei strikter Orientierung am Erklärungsansatz „Freier Wettbewerb“ folglich keine Möglichkeit zur politischen Erfolgskontrolle oder genau zu überprüfen, ob und inwieweit Märkte infolge dieser Politik wirklich effektiv funktionieren. Es wird einfach unterstellt, dass sie es tun, was nichts anderes heißt, als dass die Politik gehalten ist, sich auf die „unsichtbare Hand“ bzw. die Selbstregulierungskräfte des Marktes zu verlassen.

Aus der Markt- und Wettbewerbslogik der drei anderen Erklärungsansätze heraus können jedoch Interventionen der Politik gerechtfertigt werden. Allerdings fällt, wie oben bereits angesprochen, die Begründung dafür sehr unterschiedlich aus.

Handlungsorientierung der “Vollkommenen Konkurrenz”

Beim Erklärungsansatz „Vollkommene Konkurrenz“ und ihren Varianten geht es allein darum, die entsprechenden Bedingungen herzustellen, bei denen effektiver Wettbewerb herrscht oder anders ausgedrückt das entsprechend definierte Markt- und Wettbewerbsideal erreicht ist.

Es wurde oben (in Teil 3.1) bereits herausgestellt, dass die „Vollkommene Konkurrenz“ genau genommen lediglich ein Modell der neoklassischen Theorie ist und die für das Markt- und Wettbewerbsideal formulierten Bedingungen in der Praxis größtenteils nicht realisierbar sind. Das gilt aber nicht für einzelne Varianten, wie etwa die „vollständige Konkurrenz“ von Walter Eucken, bei der „polypolistische Märkte“, also viele Anbieter und Nachfrager, die einzige Bedingung darstellen. Allerdings bleibt auch dann zumindest im Grundsatz das Problem bestehen, dass dieser Ansatz nicht auf eine wachsende oder sich entwickelnde Wirtschaft abstellt, sondern auf eine Kreislaufwirtschaft, bei der es um die Beantwortung der Frage geht, wie die begrenzten und deswegen knappen Ressourcen einer Volkswirtschaft am effizientesten verwendet werden.

Insofern kommt dieser Ansatz als Orientierung für die heutige Wirtschafts- und Finanzmarktpolitik schon deswegen eigentlich nicht infrage, ganz abgesehen von anderen, oben aufgezeigten grundlegenden Schwächen der neoklassischen sowie der neoklassisch geprägten Markt- und Wettbewerbslogik.

Handlungsorientierung des “Funktionsfähigen Wettbewerbs”

Neoklassisch geprägt ist die Markt- und Wettbewerbslogik „Funktionsfähiger Wettbewerb“. Ihr liegt folglich eine mechanistische Marktsicht zugrunde und deswegen definiert auch sie ein allgemeingültiges Markt- und Wettbewerbsideal.

Dieser Erklärungsansatz bietet eine Begründung und Orientierungen für eine korrigierende oder auch – mit Blick auf die Wachstumsresultate – optimierende Feinsteuerung des Wettbewerbs. Das schließt ordnungspolitische Maßnahmen (Regeln) und Regulierung ebenso ein wie Interventionen, etwa im Rahmen der Industriepolitik. Dabei steht jedoch, sofern sich die Wirtschafts- und Finanzmarktpolitik streng an diese Logik hält, immer die Realisierung des Markt- und Wettbewerbsideal im Fokus.

Was das konkret bedeutet, lässt sich am Beispiel Industriepolitik verdeutlichen. Denn sofern diese an der Markt- und Wettbewerbslogik des Ansatzes „Funktionsfähiger Wettbewerb“ ausgerichtet wird, was in der Regel geschieht (klassische Form der Industriepolitik), wird sie oligopolistische Märkte als ideal für Wachstum betrachten und mittels einer interventionistischen Förderpolitik (Subventionen) Oligopolisten fördern. Genau dafür ist Industriepolitik auch bekannt, denn sie zielt auf die Förderung von „nationalen Champions“ ab, das heißt auf große Oligopolisten.

Der zentrale Schwachpunkt bei diesem Erklärungsansatz mit seiner mechanistischen Sicht der Märkte ist, dass dabei die Entwicklung von Märkten komplett ausgeblendet wird. Pointiert ausgedrückt heißt das z.B., es wird davon ausgegangen, dass die Förderung (und mithin auch Erhaltung) „nationaler Champions“ im Rahmen der Wettbewerbs- und Industriepolitik und der Wirtschafts- und Finanzmarkpolitik immer gut ist für die Funktionsfähigkeit von Märkten und in Bezug auf die Wachstumsresultate.

Eine sich daran orientierende Wirtschafts- und Finanzmarktpolitik läuft aus diesem Grund im Bestreben, das Markt- und Wettbewerbsideal zu erfüllen und vor allem auch dauerhaft zu erhalten, letztlich immer Gefahr, die Entwicklung von Märkten nicht nur zu bremsen, sondern gegebenenfalls zu konterkarieren. Insofern wäre es folglich nicht überraschend, wenn die Orientierung an dieser Marktlogik mithin kontraproduktiv für das Funktionieren der Märkte und für das Wirtschaftswachstum wäre. Mehr noch könnte im Extremfall das Gegenteil von dem erreicht werden, was gemäß dieses Erklärungsansatzes eigentlich erreicht werden sollte, sofern sich die Politik an dessen Markt- und Wettbewerbslogik orientiert. Das heißt, die Politik könnte kontraproduktiv für Wachstum und Beschäftigung sein.

Im Übrigen ist zu ergänzen, dass alle drei bisher in diesem Abschnitt besprochenen Erklärungsansätze („freier Wettbewerb“, vollkommene Konkurrenz“ und „funktionsfähiger Wettbewerb“) im Kern markliberale, angebotstheoretisch begründete Erklärungen von Märkten und Wettbewerb sind. Das heißt, dass sie bis zu einem gewissen Grad miteinander Kompatibel sind und sich beispielsweise aus allen dreien eine Begründung für Austeritätspolitik ableiten lässt, wie sie in den von Schuldenproblemen geplagten Krisenstaaten der Europäischen Union angewendet wird. Die Frage, die sich freilich vor dem Hintergrund der hier durchgeführten vergleichenden Analyse stellt, ist, inwieweit diese Politik tatsächlich das erbringen kann, was sie der Theorie nach bzw. gemäß der drei genannten Erklärungsansätze eigentlich erbringen sollte.

Handlungsorientierung des “Evolutorischen Wettbewerbs”

Eine Begründungsmöglichkeit für Interventionen leitet sich auch aus dem Erklärungsansatz „Evolutorischer Wettbewerb“ ab. Allerdings unterscheidet sie sich gravierend von jener des „Funktionsfähigen Wettbewerbs“, weil ihm kein mechanistisches, sondern ein evolutorisches Markt- und Wettbewerbsverständnis zugrunde liegt. Entsprechend wird auch kein Marktideal definiert, sondern eine Erklärung dafür geboten, warum und wie sich Märkte und Wettbewerb wandeln und entwickeln.

Es ist zudem auch keine angebotstheoretische Erklärung. Die Entwicklung wird vielmehr aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage erklärt, wobei nicht nur Rationalverhalten berücksichtigt wird. Gemäß dieser Markt- und Wettbewerbslogik sind vielmehr unterschiedliche Motivationen und Verhaltensweisen auf der Angebots- und der Nachfrageseite sowie die ökonomische Tragweite von getätigten Innovationen entscheidend dafür, dass und wie sich Märkte entwickeln.

Ein wesentlicher Unterschied zu den zuvor besprochenen drei Erklärungsansätzen ist zudem, dass der Wettbewerb nicht als prinzipiell selbstregulierend aufgefasst wird, sondern unterschiedliche Formen annehmen kann, die unterschiedliche Wirkungen und Folgen auf Märkten haben. Genau daraus leitet sich hier auch gegebenenfalls ein Interventionserfordernis ab, nämlich wenn der Wettbewerb die dynamische Kräftebalance auf Märkten nicht mehr von alleine zu wahren vermag (Stichwort „Raubtierkapitalismus“) und nicht mehr oder nur noch bedingt entwicklungstragend ist (Verkrustung von Märkten).

Der Unterschied zum Erklärungsansatz „Funktionsfähiger Wettbewerb“ in Bezug auf die Orientierungsleistung für die Politik lässt sich wiederum am Beispiel Industriepolitik verdeutlichen.

Während – wie oben ausgeführt – die Markt- und Wettbewerbslogik des „Funktionsfähigen Wettbewerbszu jeder historischen Zeit die Unterstützung von Oligopolisten („National Champions“) nahelegt, ist die Beantwortung der Frage, ob und was unterstützt wird, gemäß der Logik des „Evolutorischen Wettbewerbs“ von der Marktsituation und der vorherrschenden Wettbewerbsform abhängig. Was sich daraus jeweils als Handlungsorientierung ableitet, hängt von den konkreten Verhältnissen auf den Märkten ab.

Heute sind beispielsweise viele globale Märkte oligopolisiert und werden oft von nur wenigen, sehr großen Unternehmen dominiert (enges Oligopol). Sie haben zudem das Stadium der Reife überschritten (das ist eine der im Ansatz „evolutorischer Wettbewerb“ unterschiedenen Marktsituationen), stagnieren also mithin bereits seit einiger Zeit oder anders ausgedrückt ist das Wachstum gering. Der Wettbewerb ist reiner Kostenwettbewerb. Qualität und Funktionalität von Produkten und Leistungen sind – auch aufgrund der geringen Unterschiede zwischen den konkurrierenden Angeboten – bei dieser Form des Wettbewerbs nicht wettbewerbsentscheidend.

Damit entspricht die heutige Situation im Wesentlichen dem Markt‑ und Wettbewerbsideal, das der Erklärungsansatz „Funktionsfähiger Wettbewerb“ definiert. Die Ergebnisse kontrastieren jedoch – im negativen Sinne – stark mit denen, die sich dabei eigentlich ergeben sollten – speziell auch in Bezug auf Wachstum.

In dieser Situation ergibt sich aus dem Erklärungsansatz „Evolutorischer Wettbewerb“ eine ganz andere Handlungsorientierung. So leitet sich daraus für die Industriepolitik ab, nicht große Oligopolisten und keinesfalls den Kostenwettbewerb zu fördern, sondern im Gegenteil ein geeignetes Umfeld und geeignete Bedingungen zu schaffen für dynamisch-innovative kleine und mittelgroße Unternehmen und damit für eine andere Wettbewerbsform, die die Entwicklung auf Märkten wieder stärker belebt.

Doch der Erklärungsansatz „Evolutorischer Wettbewerb“ hat nicht nur Stärken, sondern er weist ebenfalls Schwachpunkte auf. Es ist dabei nicht klar, ob für die typisierende Beschreibung der verschiedenen Marktsituationen wirklich alle relevanten Kriterien herangezogen und richtig gewichtet werden. Allerdings ist das bei den mechanistischen Erklärungsansätzen „Vollkommene Konkurrenz“ und „Funktionsfähiger Wettbewerb“ nicht anders. Denn das dabei jeweils definierte Marktideal ist nichts anderes als eine idealtypisch definierte Marktsituation.

Schließlich besteht ein weiter Schwachpunkt des Ansatzes „Evolutorischer Wettbewerb“ darin, dass jener Punkt nicht exakt bestimmt werden kann, an dem Wettbewerb und Märkte zu kippen und damit aus dem Ruder zu laufen beginnen (Stichworte: Ungleichgewichte, Wachstumsschwäche, Krisenanfälligkeit, „Raubtierkapitalismus“). Das ist insofern logisch, weil diesem Ansatz keine mechanistische, sondern eine evolutorische Marktsicht zugrunde liegt. Nichtsdestotrotz stellt es eine Einschränkung der Orientierungsleistung für die Wirtschafts- und Finanzmarktpolitik dar.

Eine vollkommene Marktlogik gibt es also nicht. Ihre Stärken und Schwächen müssen immer berücksichtigt und bei der Bewertung ihrer Orientierungsleistung für die Politik abgewogen werden. Doch die heutige politische Realität stellt sich in dieser Hinsicht ganz anders dar.

Fazit

Die Wirtschafts- und Finanzmarktpolitik und ganz besonders auch die Krisenpolitik, die wir heute in Europa, aber auch in den USA und Japan sehen, wirkt nicht nur wie ein chaotische Mixtur von teils widersprüchlichen Maßnahmen. Sie ist es auch.

Anders ausgedrückt ist die Marktlogik, die ihr zugrunde liegt, eine wüste Kombination aus allen drei oben besprochenen liberalen, angebotstheoretischen Marktlogiken, zum Teil zusätzlich angereichert mit einem kräftigen Schuss Keynesianismus.

Dass eine konzeptions- und orientierungslose Politik des Experimentierens in wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht schwere Schäden anrichten kann, das ist aus der Geschichte der ersten Weltwirtschaftskrise bekannt. Doch was heute gemacht wird, ist nichts anderes als eine Politik des Experimentierens. Wir sollten diese Politik im eigenen Interesse so rasch wie möglich beenden und wieder auf eine geeignete Grundlage stellen.

Das wird nicht einfach sein. Denn um es noch einmal ganz klar zu sagen: keiner der hier angesprochenen Erklärungsansätze ist vollkommen. Das kann aber kein legitimer Grund dafür sein, sich nicht mit allen vorhandenen Erklärungsansätzen auseinanderzusetzen und sie daraufhin abzuklopfen, welche geeigneten Orientierungen sie der Wirtschafts- und Finanzmarktpolitik geben oder anders ausgedrückt, auf welche Marktlogik sie sich stützen kann oder sollte.

Es spricht aber in jedem Fall vieles dafür, dass eine rein angebotstheoretische Marktlogik in der gegenwärtigen Situation – beginnend mit der Finanzmarktkrise – keine geeignete Grundlage für die Wirtschafts- und Finanzmarktpolitik darstellt. So lange jedoch die Diskussionsgrundlage eine rein angebotstheoretisch begründete Marktlogik bleibt, führt die Rechts-Links-Konfrontation lediglich in eine Sackgasse, aber nicht zu einer besseren Wirtschafts- und Finanzmarktpolitik.

Ferner ist es zumindest fraglich, ob Wirtschafts- und Finanzmarktpolitik auf Dauer überhaupt erfolgreich sein kann, wenn sie eine mechanistische, angebotstheoretisch begründete Marktlogik bemüht, die die Entwicklung von Märkten und der Marktwirtschaft – auch in räumlicher, regionaler Hinsicht – komplett ausblendet.

In jedem Fall aber geht die Rechts-Links-Logik in diesen, die Marktwirtschaft und die Finanzmärkte betreffenden Fragen, am Kern des Problems vorbei. Ein Paradebeispiel dafür ist die Forderung eines gesetzlichen Mindestlohns (siehe dazu auch hier).

Zwar ist völlig richtig, dass wir heute viel zu viele prekäre Beschäftigungsverhältnisse haben. Das ist eindeutig eine Fehlentwicklung. Allerdings ist es auch nur eine Facette eines viel grundsätzlicheren Problems, nämlich der weit geöffneten Schere zwischen Arm und Reich. Wer jedoch gesetzliche Mindestlöhne als einzige und effektivste Lösung betrachtet, der akzeptiert damit genau genommen, dass die angebotstheoretische Marktlogik alternativlos ist und setzt sich im Grunde lediglich dafür ein, den Markt dort außer Kraft zu setzen, wo er nicht akzeptable Ergebnisse erbringt oder die Marktergebnisse im Nachhinein zu korrigieren.

Wer so vorgehen will, hat folglich der angebotstheoretischen Marktlogik nicht nur nichts entgegenzusetzen. Vielmehr kapituliert er vor der Herausforderung oder negiert sogar die Möglichkeit, eine angebots‑ und nachfragetheoretische Marktlogik zu finden oder zu entwickeln, auf deren Grundlage das Problem der prekären Beschäftigung in unserer Marktwirtschaft, das eine Folge der einseitigen und fehlerhaften angebotstheoretischen, liberalen Marktlogik ist, an seinem Ursprung behoben werden könnte.

Denn ausufernde prekäre Beschäftigung kann angesichts der vielen anderen gravierenden wirtschaftlichen Probleme (massive Ungleichgewichte, Wachstumsschwäche, „Too big to fail“ u.a.) durchaus auch als deutlicher Hinweis darauf interpretiert werden, dass die Märkte nicht effektiv funktionieren und wir uns diese Probleme mit einer Wirtschafts- und Finanzmarktpolitik selber geschaffen haben, weil die Politik auf einer Marktlogik aufbaut, die gravierende Schwächen aufweist und deswegen nicht hält, was sie verspricht.

In diesem Aufsatz wurden diese Schwächen in einer vergleichenden Analyse aufgezeigt.  Es wurde dargelegt, welche Alternativen es hinsichtlich der Marklogik gibt und dass eine angebots- und nachfragetheoretisch begründete Erklärung der Märkte keineswegs unmöglich ist.

Unabhängig von der Marktlogik wird es jedoch immer genügend Spielraum für rechte und linke politische Positionen geben. Das gilt schon allein deswegen, weil es dabei nicht nur um Wirtschafts- und Finanzmarktpolitik geht und wir nicht blindlings alle Lebensbereiche ökonomisieren können, ohne unser Gemeinwesen und den sozialen Zusammenhalt unserer und auch der europäischen Gesellschaft zu zerstören. Mit Blick auf die Wirtschaft und die Finanzmärkte und die Bewältigung der damit verbundenen Probleme und Herausforderungen ist es jedoch notwendig, die Rechts-Links-Logik zu überwinden. Denn die damit verbundene Konfrontation verbaut uns wirksam jeden Weg hin zu einer anderen, besseren Marktlogik und zur Bewältigung der wirtschafts- und finanzmarkpolitischen Herausforderungen, vor die wir gestellt sind.

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

 

Ergänzende Anmerkung:

Der schematische Vergleich (Teil 1, Teil 2, Teil 3.1) korrespondiert mit früheren Aufsätzen und Aufsatzreihen. Sie sind für das tiefergehende Verständnis des Vergleichs hilfreich und für jene Leser interessant, die ein weitergehendes Interesse an den Zusammenhängen und Implikationen der Marktlogik haben.

Zur Wettbewerbslogik:

Zur Wachstumslogik:

Zum Zusammenhang von Unternehmenskonzentration und Einkommens- und Vermögenskonzentration:

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70 KommentareKommentieren

  • Roland - 4. Oktober 2013

    Der sog. “Evolutionäre Wettbewerb” ist die gleiche Sackgasse wie der Kapitalismus selbst.
    Ist der Wettbewerb die Dominante, ist letztlich keine Solidarität möglich.

    Aktuelles Beispiel Lampedusa:
    Flüchtlingsströme nach Europa werden in jeder Wettbewerbs-Gesellschaft zur “industriellen Reservearmee” (Marx) und damit als Lohndrücker eingesetzt. Das führt automatisch zur Verdrängungs-Konkurrenz und in der Folge zum erstarken rechter Parteien.

    Eine solidarische Gesellschaft sieht anders aus. Sie muss in Kern-Europa aufgebaut werden und so nach Afrika wirken: Entwicklungs-Hilfe statt Bombenteppiche.

  • Systemfrager - 4. Oktober 2013

    Bis jetzt ist noch nicht alles gesagt.
    Nehme ich an

  • JL - 4. Oktober 2013

    Sehr geehrte Stefan L. Eichner

    Danke für Ihren Aufsatz, ich habe mich wohl bei meiner Fragestellung in 3.1 gründlich geirrt. Die Fragestellung meinerseits an sich war schon falsch!

    Was Sie mit „Evolutorischen Wettbewerb“ beschreiben ist eigentlich vollkommen neu, aber entspricht dem was ich denke und für sachlich Richtig erachte.

    Die Frage also währe „nur“ die Realisierbarkeit dessen.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

    • SLE - 5. Oktober 2013

      Hallo JL,

      ja, die Frage war hat sich erübrigt. Teil 3.1 war nur die halbe Geschichte. Ich bin deswegen auch davon ausgegangen, dass sich einige Fragen und Kommentare zum Teil 3.1. selbst beantworten würden, wenn auch Teil 3.2 vorliegt.

      Viele Grüße
      SLE

  • Basisdemokrat - 5. Oktober 2013

    “Es gibt bei strikter Orientierung am Erklärungsansatz „Freier Wettbewerb“ folglich keine Möglichkeit zur politischen Erfolgskontrolle oder genau zu überprüfen, ob und inwieweit Märkte infolge dieser Politik wirklich effektiv funktionieren. Es wird einfach unterstellt, dass sie es tun, was nichts anderes heißt, als dass die Politik gehalten ist, sich auf die „unsichtbare Hand“ bzw. die Selbstregulierungskräfte des Marktes zu verlassen.”

    Ein kleiner Lichtblick am Horizont – Goldgräberstimmung bei “Ökonometrienomen” ?
    FAZ vom 3.10.2013:
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/gastbeitrag-von-wirtschaftsforschern-wie-oekonomen-politiker-beim-wort-nehmen-koennen-12592778.html

    Gruß BD

    • Systemfrager - 5. Oktober 2013

      Ich weiß, was die WiWi uns sagen kann, seit Jahrzehnten habe ich wie ein Süchtiger alle Lehren, Doktrinen, Paradigmen, Modelle, Ansätze … g4elesen, studiert … mein Eindruck: die WiWi ist die rückständigste und realitätsfremdeste aller Sozialwisenschaften
      Sie verarscht alle mit ihrem aus der klassischen Mechanik geklautem Modell des Gleichgewichts der (mechanischen) Kräfte

    • Systemfrager - 5. Oktober 2013

      Beilage:

      Man kann nicht zu oft hervorheben, dass das neoliberale Modell des allgemeinen Gleichgewichts, das immer noch das Referenzmodell der heute herrschenden neoliberalen Theorie ist, eine Nachahmung des partikel-mechanischen Modells der Physik ist. Dieses Modell war eine der größten Erfindungen des menschlichen Geistes aller Zeiten. Man kann sich kaum vorstellen, wie ohne dieses Modell die modernen Wissenschaften hätten entstehen sollen. Mit ihm hat sich zum ersten Mal in der Geschichte gezeigt, dass das logische und mathematische Denken im praktischen Sinne nützlich ist. Die klassische Physik wurde schließlich zum Vorbild für alle Wissenschaften, auch für die Geisteswissenschaften, aber nicht nur für sie, sondern auch für die Philosophie, von der man eigentlich mehr Vorsicht und Weitsicht hätte erwarten können. Wie viele große Philosophen vom Anfang der Moderne war auch Kant ein Mechanist, der voreilig Raum und Zeit, wie sie in der klassischen Physik verstanden wurden, zu den absoluten Formen der Erkenntnis erklärte. „Seit der Zeit der Aufklärung und insbesondere seit Kant dachte man sich die Physik als das Paradigma der Erkenntnis, an dem sich die übrige Kultur zu messen hatte. … Der Drang nach einer vereinheitlichten Wissenschaft … ist weniger ein Drang, das Viele auf das Eine zurückzuführen, als die Überzeugung, die Wissenschaft des siebzehnten Jahrhunderts habe entdeckt, daß sich alles und jedes mit Bezug auf die Atome und den leeren Raum erklären läßt, und es sei eine moralische Pflicht der Philosophie, diese Einsicht zu bewahren.“ Die Idee, dass am Erfolg und der Popularität des Modells der klassischen Mechanik auch die Wirtschaftswissenschaft parasitieren kann, ist Walras eingefallen, doch seltsamerweise zu einer Zeit, als das Modell in der Physik selbst schon umstritten wurde.

      Es ist interessant zu bemerken, dass die Schwächen und Beschränkungen des partikel-mechanischen Modells schon viel früher, bevor man es am Anfang des 20. Jahrhundert ablöste, zum Vorschein kamen. Die ihm zugrunde liegende Philosophie, durch Massenpartikel oder Einzelpunkte, in die sich alle Körper zerlegen lassen, das ganze Universum kausal bis in jedes Detail erklären zu können, hat sogar die Physik, die sich noch als klassisch verstand, in eine Sackgasse geführt. Die partikel-mechanische Denkweise ist zum Beispiel nicht einmal auf die Mechanik der kontinuierlichen Medien (Flüssigkeiten, Gase, Elektrizität, Magnetismus, …) anwendbar. „Weil die Sätze der Mechanik nicht auf die leuchtende, tönende, warme, elektrische Körperwelt anwendbar sind, so geben sie uns auch keine durchgebildeten mechanischen Begriffe von Schall, Wärme, Licht, Elektrizität“. Ein einleuchtendes Beispiel sind die Gasgesetze, die den Zusammenhang zwischen Temperatur, Druck und Gasvolumen bestimmen. Die einzelnen Moleküle des Gases haben weder Temperatur noch Druck. Sie wirbeln nach Zufall, haben kinetische Energie und Impuls und sind den Gesetzen der klassischen Mechanik unterworfen, die aber von den Gasgesetzen völlig unterschiedlich sind. Man muss es sich nur einmal vorstellen: Mit der partikel-mechanischen Denkweise lassen sich keine Erkenntnisse über Schall, Wärme und Licht gewinnen, von mikro- und makrokosmischen Phänomenen ganz zu schweigen, und das, obwohl es sich um Phänomene handelt, die eindeutig der Physik zugeordnet sind. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hat man sich von diesem Modell dann endgültig verabschiedet. Heute sind sich die Naturwissenschaftler darin einig, dass „es keine einzige Wissenschaft gibt, die exakt mit dem strengen Newtonschen Modell übereinstimmt“.

      Wie seltsam es auch klingen mag, das Modell aus der Zeit der Postkutsche und der Dampflok geistert heute nur noch in den Köpfen der Ökonomen und in ihren Theorien herum. Obwohl diese Ökonomen mit ihren abstrakten Techniken den Laien zutiefst beeindrucken und den Mathematiker wie auch den Ingenieur zum Staunen bringen können, war die Erklärung der Marktwirtschaft im Rahmen dieses Modells nie ein Fortschritt, weder in Bezug auf die naive Pars-pro-toto-Methode à la Say und schon gar nicht in Bezug auf die klassische moralphilosophische Lehre der Frühliberalen. Es wäre gar nicht übertrieben zu sagen, in diesem Modell würden nur die Spitzfindigkeiten von Say und anderen marktradikalen Ökonomen in die mathematische Sprache der klassischen Mechanik übersetzt. Aus den betriebswirtschaftlichen Trivialitäten ist eine imposante mathematische „Große Erzählung“ entstanden, aus der sich nur tautologische Aussagen und syllogistische Schlussfolgerungen ableiten lassen, die mit der Realität nichts zu tun haben und deren Variablen rein subjektive Größen sind. Dabei rühmt sich diese ökonomische Theorie auch noch, von allen Sozialwissenschaften die größte Annäherung an die Naturwissenschaft erzielt zu haben. Norbert Wiener, der Begründer der neuen Wissenschaft Kybernetik hat mit diesem sinnlosen mathematischen Treiben in der Wirtschaftswissenschaft schonungslos abgerechnet: „Der Erfolg der mathematischen Physik weckte beim Sozialwissenschaftler eine gewisse Eifersucht … und war in der Sozialwissenschaft Mode geworden. Gerade wie die primitiven Völker die westlichen Gepflogenheiten denationalisierter Kleidung und des Parlamentarismus übernehmen aus einem unklaren Gefühl heraus, daß diese magischen Riten und Bekleidungen sie auf die Höhe moderner Kultur und Technik erheben werden, so haben die Volkswirtschaftler die Gewohnheit entwickelt, ihre ziemlich unpräzisen Ideen in die Sprache der Infinitesimalrechnung zu hüllen. Hierbei weisen sie kaum mehr Unterscheidungsvermögen auf als die Eingeborenen des Kongo bei der Ausübung ihrer neuen Riten. Die von den Volkswirtschaftlern angewandte Mathematik und die mathematische Physik, die sie als Modell benutzen, sind die Mathematik und die mathematische Physik von 1850. Es ist weder nützlich noch ehrlich, den Anschein zu erwecken, daß solche, im wesentlichen vage Größen exakte Werte seien, und jeder Anspruch, präzise Formeln auf diese dürftig definierten Größen anzuwenden, ist ein Betrug und eine Zeitverschwendung.“ Sombart, ein bekannter deutscher Nationalökonom, Soziologe und Historiker hat das noch kerniger zum Ausdruck gebracht: „Manche Vertreter des „Nutzprinzips“ haben Ernst mit ihrer Auffassung gemacht, indem sie die Folgerung gezogen haben, daß die Nationalökonomie zu einer allgemeinen „Genußlehre“ auszubauen sei. Der erste, der diesen Gedanken gefaßt hat, ist wohl der geniale Idiot Hermann Gossen gewesen, dessen Werk über „Die Gesetze des menschlichen Verkehrs“ die Veranlassung zu allem möglichen Unfug geworden ist.“

      Der Ökonom mit dem Hammer

    • SLE - 5. Oktober 2013

      Hallo Basisdemokrat,

      nicht wirklich, füchte ich. Evaluationsforschung und -studien gibt es schon lange. Das ist deren Geschäft. Einzelmaßnahmen zu bewerten ist ein schöne Sache. Schwierig wird es, wenn es um Politikkonzeptionen geht und die zu bewerten bzw. schlüssig zu gestalten ist m.E. gerade heute besonders wichtig. Sachverständigenrat und Wirtschaftsforschunginstitute haben die Finanzmarktkrise nicht kommen sehen und waren anschließend ratlos. Claudia Buch wiederum hat sich vor einigen Monaten erst – kurz bevor sie in den Sachverständigenrat berufen wurde – für einen noch konsequenteren Sparkurs in Griechenland ausgesprochen. Wenn man auf der Basis einer liberalen Marktlogik argumentiert ist das schlüssig, aber trägt sie damit zur Lösung der Probleme Griechenlands bei? Würden Sie ihr gerne die Evaluation der Krisenpolitik für Griechenland anvertrauen?

      Viele Grüße
      SLE

      • Basisdemokrat - 5. Oktober 2013

        “Schwierig wird es, wenn es um Politikkonzeptionen geht und die zu bewerten bzw. schlüssig zu gestalten ist m.E. gerade heute besonders wichtig.”

        Welche Möglichkeiten der wissenschaftlichen Einflussnahme auf die Akteure in Politik und Gesellschaft bestehen den überhaupt? Wie ich dem Wissenschaftsfreiheitgesetz ( irgendwie erinnert mich das an das Wachstumsbeschleunigungsgesetz, ich könnte gleichzeitig lachen und heulen!) entnehmen kann sollen vor allem folgende Institutionen gefördert werden:

        § 2 Geltungsbereich
        Dieses Gesetz gilt für folgende Wissenschaftseinrichtungen:
        1. Deutsche Forschungsgemeinschaft e. V.,
        2. Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e. V.,
        3. Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e. V.,
        4. Mitgliedseinrichtungen der Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e. V.,
        5. Mitgliedseinrichtungen der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e. V.,
        6. Deutsche Akademie der Technikwissenschaften e. V.,
        7. Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina e. V.,
        8. Max Weber Stiftung – Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland,
        9. Wissenschaftskolleg zu Berlin e. V.,
        10. Alexander von Humboldt-Stiftung,
        11. Deutscher Akademischer Austauschdienst e. V.
        http://www.bmbf.de/pubRD/130213_FAQs_WissFG_korr.pdf

        Auszug:
        “Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer in Richtung Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Institute pflegen intensive Kooperationen mit den Hochschulen – u.a. in Form der WissenschaftsCampi – , mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem maßstabsetzenden transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam.

        Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 17.000 Personen, darunter 7.900 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei 1,5 Milliarden Euro.”
        http://www.leibniz-gemeinschaft.de/ueber-uns/

        Mit einer “Wissenschaftlichen Arbeit” wird man zumindest angreifbar. Wichtig scheint mir zu sein, dass von Außen oder Innen Querschüsse 😉 kommen, die den oft elaborierten Code durchbrechen und so den Wissenstransfer der Allgemeinheit zugänglich machen.

        “Eliten sind die, deren Soziologie keiner zu schreiben wagt”
        Von Jürgen Krysmanski zitiert (ca Minute 10:30)

        “Würden Sie ihr (Claudia Buch)gerne die Evaluation der Krisenpolitik für Griechenland anvertrauen?”
        Dann schon eher Heiner Flassbeck!

        Gruß BD

  • Holly01 - 5. Oktober 2013

    Hallo SLE,

    Du wagst hier ein interessantes, wie auch umfangreiches Experiment. Eine Wirtschaft und die Frage wie sollte sie sein.
    Unabhängig von meinem Mangel an Fachwissen, habe ich noch ein Problem. Regeln sind am Ende immer Willkürlich und je genauer man sie einhält, desto willkürlicher und unsinniger werden sie.

    Beispiel 1 :
    Das Urteil des Salomon. Zwei Mütter ein Kind. Ein Klassiker. Leider völlig falsch interpretiert.
    Die Stelle an der Salomon das Kind töten lassen will läuft nämlich so:
    Die geschockte Mutter ist blockiert durch die Angst um ihr Kind. Die Lügnerin sieht den Kindeswunsch unerfüllt. Sie gesteht, sie sei nicht die Mutter.
    Salomon gibt ihr als Belohnung das Kind.

    Mögliche Erkenntniss : Man sollte nie ausser Acht lassen, daß es “richtig” und “falsch” nicht gibt. Diese Begriffe sind Näherungen, im Idealfall jedenfalls.
    Ansonsten ist der Ausdruck : “Das ist richtig” kein Ausdruck für eine Wertung, es bedeutet nur “dem stimme ich zu”.
    “Richtig” kann man nur im Zusammenhang und in der Entwicklung zum Zustand betrachten.
    “Richtig” ist wie “gut” und “schlecht” stark geprägt, weil man sich selbst und den eigenen Standpunkt maximal einbringt.
    Ob etwas wirklich “richtig” oder falsch” ist, das ist immer ergebnissoffen, denn es kommt darauf an (wobei “darauf” sehr individuell sein kann).

    Beispiel 2 :
    Ein Beispiel für Moral und Recht und von mir mit Bedacht gewählt, der Bezug zur aktuellen Diskussion ist für mich eher egal:
    Ein Mädchen kann rein formalrechtlich mit 14 zustimmen Geschlechtsverkehr zu haben. Das ist Gesetz.
    Hintergrund : Junge Menschen entdekcne Sexualität und probieren miteinander herum und versuchen zu erkennen, was sie mögen und bevorzugen.
    Ein naiver, oft unbeholfener Vorgang, der nicht beim betrachten bleiben muss.
    Die Alternative wäre eine Strafrechtliche. Vergewaltigung oder Körperverletzung, Nötigung oder Ausnutzung von Grenzsituationen.
    Das ist logisch und fundiert.
    Ein Erwachsener kann Recht nun so interpretieren, daß jedes Mädchen ab 14 zu “Abschuss” frei gegeben ist. Man muss nur erreichen, daß “sie” zustimmt oder formal betrachtet, nicht ablehnt.
    Das ist dann zwar auch logisch und formalrechtlich kaum angreifbar, aber gesellschaftlich ist es ein “no go” und das finde ich auch gut so.

    Mögliche Erkenntniss : Eine Regel egal wie sinnvoll sie sein mag, paß -niemals- und -nirgends- auf alle möglichen Fälle.
    Regeln sind Näherungen. Je genauer man sie definiert und desto mehr man die Manövriermöglichkeiten herauspreßt, desto weniger tauglich sind sie. Recht wird, auf die formale Spitze getrieben, praktisch immer Unrecht.

    Unsere Vorfahren wussten um beide Beispiele (inhaltlich) und hatten dafür eine Moral und eine Ethik, der sie sich unterworfen haben.
    Auch diese Rechtssysteme sind auf die Spitze getrieben unrechts Systeme.

    Wohin möchte ich mit dem Beitrag?
    Nun, wenn man “Wirtschaft” definiert, sollte man sich im Klaren sein, daß etwas was hier funktioniert und nötig ist, dort zerstört und überflüssig sein kann.
    Regeln sind ja schön, aber definiert man eine, so muss man das Umfeld mit definieren.
    Und da ist das Problem.
    Formal gibt es kaum Fehler.
    Formal ist das alles jeweils auf den jeweiligen Punkt beschränkt logisch und nachvollziehbar.
    Aber pauschaliert ist es absoluter Unsinn.
    Ein Markt der nach einem Krieg mit neuem Geld startet und einen sehr hohen Konsumbedarf hat, benötigt “Wachstumsbeschleuniger”.
    Ein Markt der gesättigt ist und mit Zinseszinseffekten kämpft, benötigt Wachtsumsbremsen.
    Wer kann bestimmen was dei Markt -heute- benötigt?
    Alle? Eine Kaokophonie der Einzelinteressen? Eine Lenkung des inzwischen zentralisierten Geldes und der damit verbundenen Medienmacht?
    Keiner? Eine dröhnendes Schweigen und ein dahintreiben ohne Perspektive?

    Sehen Sie beides hat seinen Charm. Aber “richtig” wäre beides nicht.
    Da ist die instutionalisierte Stimme der Masse und Menge gefragt. Der Schutz der Einzelinteressen, bei maximaler Ausrichtung am Wunsch der Menge.
    Die Politik müßte das entscheiden, denn nur sie hat ein Mandat.
    Leider ist die Politik abhängig und korrupt.
    Das führt zur Interessenserfüllung der wenigen reichen, zumindest so lange, bis die Politik sich selbst erhalten will, weil sie von der Masse bedroht wird.
    Das werden die wenigen geopfert.
    Revolution nennt man so etwas im allgemeinen, aber es ist nichts als der Mangel an Einsicht und Verständniss für “Recht”.

    Wenn Sie die Welt lenken wollen, müssen Sie das Recht umsetzen. Unsere Welt beruht auf Recht und es gibt kein Recht ohne Pflicht.
    Somit habe ich mit (Sozial-) ökonomischen Betrachtungen erhebliche Problem, Entschuldigung.

    • Systemfrager - 5. Oktober 2013

      @Holly
      Insoweit sind wir uns einig (gehe ich davon aus)
      Ob X gut oder schlecht ist, müssen wir zuerst wissen (defineiren), was X ist und was wir unter “gut” bzw. “schelcht” verstehen
      Um zu wissen ob die Regel gut oder schlecht sind, müssen wir also bla bla …

      WAS SIND REGELN?
      Hier nur sozusagen eine Einführung:
      Soziopolitische Erklärung der zwei Lenkungsarten: Regelung und Steuerung
      http://www.forum-systemfrage.de/Aufbau/ba/31m/ba31m.php?df_name=baDF30&tbch=ba&schp=fruelib&ordner=31m

      • Basisdemokrat - 5. Oktober 2013

        Sehr interessanter Link, auch wenn der 2.Teil etwas schwierig zu verstehen war.
        Danke!
        Gruß BD

        • Systemfrager - 5. Oktober 2013

          ja,
          das war Anthony Giddens

    • SLE - 5. Oktober 2013

      Hallo Holly01,

      um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Ich habe nicht erklärt, wie die ökonomische Welt sein soll und das auch nicht vorgehabt sondern dargelegt, wie man sie zu erklären versucht.

      So wie Sie komme auch ich zu dem Schluss, dass jede Maßnahme je nach Situation hilfreich oder im Extrem schädlich sein kann. Das gilt aber natürlich für Regeln (Ordnungspolitik) genauso wie für jede Art von Intervention. Die liberale bzw. liberal-neoklassische Marktlogik macht i.d.Z. das Entscheidungsproblem viel kleiner als es ist, weil sie von Selbstregulierung ausgeht.

      Das Problem, vor dem wir stehen, ist im Grunde die Frage, ob wir die Märkte sich selbst überlassen können, das heißt nicht zu intervenieren oder über ein weitgehendes Regelwerk zu beeinflussen, weil viel zu wenig darüber wissen, um es gut zu machen. Das ist die klassische liberale Sicht (“Freier Wettbewerb”). Oder ob wird sie nicht sich selbst überlassen können.

      Wenn wir letzteres Bejahen, dann kommt es darauf an, die Märkte so gut wie möglich zu verstehen und möglichst gut erklären zu können, wie sie eigentlich genau funktionieren. Mit den Aufsätzen habe ich gezeigt, dass das gar nicht so einfach ist und vor allem, dass es unterschiedliche Erklärungen gibt, die alle Stärken und Schwächen haben.

      Daneben stellt sich dann aber auch die Frage, wer entscheiden soll und wie sowie auf welcher Grundlage entschieden wird. Wer soll´s machen?

      Wie machen wir es bei Fußballspielen? Können wir die Spieler sich selbst überlassen? Wenn nicht, wer wird Schiedsrichter? Kein Schiedsrichter ist perfekt. Er kann Fehlurteile fällen und das muss man, so denke ich, auch der Politik in Bezug auf ihr wirtschafts- und finanzmarktpolitisches Handeln zugestehen. Das entbindet sie m.E. aber nicht von der Pflicht, Entscheidungen auf eine nach bestem Wissen ausgewählte schlüssige Grundlage zu stellen, damit das Risiko von Fehlurteilen so gering wie möglich ist.

      Viele Grüße
      SLE

  • Holly01 - 6. Oktober 2013

    Hallo SLE,

    ja, das ist die eigendliche Frage:
    Wer macht die Regeln und überwacht ihre Einhaltung?
    Die Antwort zeigt unsere Verfassung.
    Die Crux ist hier :
    “Das entbindet sie m.E. aber nicht von der Pflicht, Entscheidungen auf eine nach bestem Wissen ausgewählte schlüssige Grundlage zu stellen, damit das Risiko von Fehlurteilen so gering wie möglich ist.”

    Da die Politik korupt ist und die Wissenschaft ebenfalls korumpiert ist, bleibt vom besten Wissen
    und Gewissen wenig übrig.
    Dazu kommt, die Regeln werden per EU-Vertrag jetzt in Brüssel gemacht. Nicht das das schlechter wäre, die hören ja genau so wenig auf uns, wie unsere eigenen Politker, aber die Einflußmöglichkeiten siind noch einmal reduziert.
    Die Banken haben und machen das Geld.
    Der Staat ist verblödet und korumpiert.
    Die Gesetze macht eine EU Zentralregierung.

    Ich denke wir können uns zurück lehnen und auf Autopilot schalten, das läuft …….

  • Systemfrager - 6. Oktober 2013

    @Holly
    >>> Dazu kommt, die Regeln werden per EU-Vertrag jetzt in Brüssel gemacht. Nicht das das schlechter wäre, die hören ja genau so wenig auf uns, wie unsere eigenen Politker, aber die Einflußmöglichkeiten siind noch einmal reduziert.
    JA
    da sind wir, das ist DAS Problem
    Die Demokratie (als ein System) sollte eine geregelte Ordnung sein, die westliceh Demokratie ist abr nur eine brutale gesteuerte Ordnung, eine hierarchische Ordnung wie alle in den letzten Jahrtausenden
    Kann die Demokratie als eine geregelte Ordnung aufgebaut werden?
    Wer kann das genau wissen?
    Muss man versuchen.
    Zu verlieren hat man sowieso nichts.

    • Holly01 - 6. Oktober 2013

      – abkoppeln
      – dezentralisieren
      – Netzwerke schaffen
      – reden, miteinader
      – zuhören
      – schauen wo der geringste Schaden ist
      – sich und die eigenen Mittel so gut es geht lokal sichern
      – abwarten und die Nerven behalten

      • Systemfrager - 6. Oktober 2013

        @Holly
        da bin ich sehr skeptisch
        Das riecht nach der direkten Demokratie
        Du wirst es mir jetzt nicht glauben:
        Eine direkte Demokratie, die Lichtjahre vor der in Schweiz war, gab es in Ex-Jugosalwien
        SIE FUNTKIONIERT NICHT
        Ja, Rousseau hatte Recht: Die direkte Demokrtie ist nur für eine vorhistroische Gesellschaft gut geeignet. Sonst ist sie ein Unsinn. Ich will nicht auf “vier Beinen” (Voltaire) gehen, nur um diese Demokratie zu haben.

        • Holly01 - 6. Oktober 2013

          Wir snd schon ziemlich OT.
          Aber sei es drum. Zur Sache :
          Die Gesellschaft ist um das Wirtschaftsleben herum aufgebaut. Das Potential einer Gesellschaft ergibt sich aus dem Wirtschaften und den Interaktionen.
          Menschen sind sehr unterschiedlich.
          Verhalten von Menschen ist sehr individuell.
          Wirtschaftsleben ist -nie- homogen.
          Regionen sind verschieden.
          Regionale Möglichkeiten sind sehr unterschiedlich.
          Der regionale Willen Möglichkeiten zu nutzen ist sehr unterschiedlich.
          Das alles ist gut und richtig (siehe oben zu den Aussagen “gut” und “richtig”).
          “Direkte Demokratie” ist ein festgelegter Begriff.
          Was ich suche ist ein Weg, der führt zu Eigenverantwortung und bewusstem Handeln.
          Wissensdefizite beheben und Entscheidungsfähigkeit herstellen, das ist mir wichtig.
          Individualität ist keine Krankheit, es ist Potential.
          Ein “klein-klein” ist aber auch nicht erstrebenswert.
          Nur die Bündelung schafft Potential. Sie können lokal direkte Demokratie betreiben, so lange die übergeordneten Funktionen ausreichend erhalten bleiben.
          Im Ruhrgebiet gibt es die A44, ein Paradebeispiel für lokale Interessen, die übergeordnete Interessen unmöglich machen.
          Vernunft ist nie eine Einbahnstrasse. Die Durchsetzung von Oben nach Unten muss man akzeptieren und man kann es auch, wenn “Oben” damit vernünftig umgeht.
          Ex-Jugoslawien hat mit D-Mark gewirtschaftet. Das war quasi von Deutschland geprägter Wirtschaftsraum. Da ging aber einiges schief. Jugoslawien ist ein Beispiel für die Zerstörung eines Vielvölkerstaates von aussen, ermöglicht durch lokale “Größen” die ihrer persönlichen Vorteile bewusst, falsch spielen.
          Das habe ich lange der CSU unterstellt. Zum Teil ist das auch so, aber die Abgrenzung ist schwer.

          Die Reihenfolge ist unwichtig, aber die Frage die SLE stellt ist elementar:
          Was erwartemn wir von Wirschaft und wie wollen wir das erreichen?
          Wer stellt die Regeln auf und ändert diese nach Bedarf?
          Wer stellt den Bedarf fest?

          Eines darf man jedenfalls nie tun : Gewinn zu machen ist -kein- Verbrechen. Vermögen zu haben ist -kein- Verbrechen (zumindest wenn es halbwegs ehrlich erworben wurde).
          Wirtschaften muss Vorteile erbringen, für die jenigen die wirtschaften, Das ist die elementare Basis jeder Inovation und jeder Versorgung.
          Die Gesellschaft die sich um die Wirtschaft bildet und selbst reglementiert sollte so frei wie möglich sein, aber auch so zweckmäßig wie nötig.

          Keine Freiheit ohne Pflicht. Keine Pflicht ohne Verantwortung. Keine Verantwortung ohne Haftung.
          Also keine Freiheit ohne Haftung.

          • Systemfrager - 6. Oktober 2013

            >>> Wir sind schon ziemlich OT.
            ja, sieht so aus

        • Holly01 - 7. Oktober 2013

          @ Systemfrager :

          Ich musste etwas suchen, aber ich habe schon etwas dazu gesehen :

          Der Herr Popp ist inzwischen ja fast eine persona non grata, aber ich sehe den schon seit einigen Jahren online und lage bevor er seine Seite online stehen hatte.
          Also es geht um Inhalte, nicht um Personen.

          • Systemfrager - 7. Oktober 2013

            Holly

            Olson, M. – Macht und Wohlstand, Mohr, Tübing, 2002

            17 – Jeder typische einzelne Dieb in einer Gesellschaft von angenommen einer Million Menschen erleidet nur ein Millionstel des gesellschaftlichen Verlustes, der dadurch entsteht, dass sein Verbrechen den Ertrag der Gesellschaft geringer werden läßt, als er sein könnte. Er allein trägt aber normalerweise den ganzen Verlust einer nicht genutzten Gelegenheit zum Diebstahl. …

            21 – Der Vorteil dieses Monopols auf Verbrechen ist nicht in erster Linie, dass er sich nehmen kann, was andere sonst gestohlen hätten; wichtiger ist, dass das Monopol ihm ein umfassendes Interesse an dem Gebiet gibt, ähnlich dem Interesse der Mafiafamilie, das im vorhergehenden Abschnitt behandelt wurde. Er hat sogar ein größeres Interesse als die Mafiafamilie, da der Anführer der Banditen, der sich eines anarchischen Gebietes bemächtigt hat, keinem Wettbewerb durch Steuereintreiber einer Regierung ausgesetzt ist: Er ist der einzige, der in dem fraglichen Gebiet in der Lage ist zu besteuern oder zu stehlen.

            Dieses Monopol auf Diebstahl ändert die Anreize in dramatischer Weise. Wir haben gesehen, dass der einzelne Kriminelle in einer dicht bevölkerten Gesellschaft nur ein geringes oder winziges Interesse an der Gesellschaft hat, so dass er durchaus rational den Schaden ignoriert, den er ihr zufügt, was offenkundig auch auf eine durchziehende Bande von Banditen zutrifft. Diese sozial schädlichen Anreize lassen Anarchien schlecht funktionieren. Das umfassende Interesse eines stationären Banditenführers, dem es dauerhaft gelingt, nicht nur andere Kriminelle abzuwehren, sondern auch auswärtige Steuereinnehmer, gibt ihm einen Anreiz, sich ganz anders zu verhalten.

            22 – Durch Senkung des Steuerdiebstahlsatzes erhöht der stationäre Bandit seine Einnahmen bis zu dem Punkt, bei dem die Mehreinnahmen (aus der Besteuerung eines größeren Produktionsertrags) gerade von den Verlusten (durch den geringeren Anteil am Produktionsertrag) auf gewogen werden. Er hat den erlösmaximalen Satz des Steuerdiebstahls erreicht.

            Ein Wohltäter für die von ihm Beraubten
            Der zweite Art, in der die umfassenden Interessen des stationären Banditen seine Anreize ändern, besteht darin, dass sie ihm einen Anreiz geben, öffentliche Güter bereitzustellen, die seinem Gebiet und denjenigen zugute kommen, die er mit seiner Steuer bestiehlt. Paradoxerweise stellt er diese öffentlichen Güter mit Hilfe von Geld zur Verfügung, über das er volle Kontrolle hat und das er ganz für sich selbst ausgeben könnte.

            Der Ursprung der Autokratie
            24 – Zunächst eine kurze Zusammenfassung. Wenn der Anführer der Banditen stark genug ist, sich die Herrschaft über ein Territorium zu sichern und dort den Diebstahl zu monopolisieren, hat er ein umfassendes Interesse an seinem Gebiet. Dieses umfassende Interesse veranlaßt ihn, die Diebstahlsrate zu begrenzen und zu regeln und einen Teil der von ihm kontrollierten Ressourcen für öffentliche Güter zu verwenden, die seinen Opfern genau
            25 – so zugute kommen wie ihm selbst. Da die Opfer des stationären Banditen für ihn eine Quelle von Steuereinnahmen sind, verbietet er die Ermordung und Verstümmelung seiner Untertanen. Weil Diebstahl durch seine Untertanen und das dadurch hervorgerufen Verhalten der Diebstahlsabwehr das Gesamteinkommen vermindert, erlaubt der Bandit niemandem zu stehlen, außer sich selbst. Er fördert seine Interessen, indem er einen Teil der von ihm kontrollierten Ressourcen für die Abschreckung von Verbrechen durch seine Untertanen und für andere öffentliche Güter einsetzt. Ein Banditenführer mit ausreichender Stärke, ein Territorium zu kontrollieren und gegen andere zu behaupten, hat einen Anreiz sich niederzulassen, eine Krone zu tragen und ein Autokrat zu werden, der öffentliche Güter bereitstellt.

            In großen Gruppen von Menschen sind Regierungen in der Regel durch das Eigeninteresse derer entstanden, die die größte Fähigkeit hatten, Gewalt zu organisieren. Diese gewalttätigen Unternehmer haben sich selbst natürlich nicht Banditen genannt, sondern sie gaben im Gegenteil sich und ihren Nachkommen erhabene Titel. Sie haben sogar manchmal den Anspruch erhoben, von Gottes Gnaden zu regieren. Da Geschichte durch die Sieger geschrieben wird, werden die Ursprünge der herrschenden Dynastien natürlich üblicherweise mit grandiosen Motiven statt mit Eigeninteresse erklärt. Autokraten aller Art beanspruchen in der Regel, dass ihre Untertanen wünschen, von ihnen regiert zu werden, und stützen dadurch die durchweg falsche Annahme, dass ihre Regierung das Ergebnis einer freien Wahl war.

            Der historische Nachweis
            Aus der Geschichte wissen wir, dass umfassende Interessen eigennütziger Autokraten mit ökonomischem Wachstum und sogar mit zivilisatorischem Fortschritt verbunden sein können. Autokratie ist seit langem üblich, spätestens seit im Altertum durch König Sargons Eroberungen die mesopotamische Dynastie von Akkad gegründet wurde, kurze Zeit nach dem Beginn der seßhaften Landwirtschaft. Der größte Teil der Menschheit ist während der historisch belegten Zeit von Autokraten beherrscht und durch Steuerdiebstahl ausgebeutet worden. Es ist sehr schwierig, Beispiele für wohlwollende Despoten zu finden. Das Modell des stationären Banditen entspricht den Tatsachen weit besser als die Hypothese des altruistischen Autokraten.

        • Russe - 7. Oktober 2013

          >>Die direkte Demokrtie ist nur für eine vorhistroische Gesellschaft gut geeignet.

          Eine Art der “direkten Demokratie” (dürften halt nur die Familienväter entscheiden und das war auch gut so) gab es auch bei uns bis fast ins 17. Jahrhundert. Ob sowas heute noch nach Jahrhunderten von Genozid und Verblödung bei uns funktionieren wird weiß ich nicht. Im Westen aber sowieso nicht. 🙂 Wie auch immer, aber vorhistorisch ist zu weit hergeholt.

      • der weise aus dem morgenland - 12. Oktober 2013

        und das Wichtigste: Psychotherapie

        denn: Die Geschichte ist eine Geschichte des Geisteskrankheit

  • Holly01 - 6. Oktober 2013

    Ansich hat SLE die Antwort auf die Grundfrage : Bedürfnisse und Ausprägung einer Wirtschaft schon gegeben:
    Auflösung der Verkrustung.
    Definitionen hinterfragen und möglichst auflösen.
    Richtungen des Denkens und Forschung brechen und zusammenführen.
    Eine Loslösung von den jetzigen Basis und der jetzigen Einflussnahme.
    Ein Durchbrechen der Schemata.

    Das nennt man einen Neuanfang. Das ist quasi die Basis jeder Forschung und Lehre:
    Erkenntiss einen Fehler zu haben und auf Start zu gehen, um neu aufzubauen.
    Leider kaum durchzusetzen, denn einge leben sehr fettig von ihren erworbenen Positionen.

  • zykliker - 6. Oktober 2013

    Liebe künftige Politiker-Generationen,

    als diese Zeilen geschrieben wurden, wart Ihr noch nicht geboren. Die Welt stand wieder einmal kurz davor, in Flammen aufzugehen, weil diese “menschenähnlich aussehenden Lebewesen” schon wieder nicht in der Lage waren – zum wievielten Mal eigentlich, man hat aufgehört zu zählen – ihr materielles Wirtschaften so zu organisieren, dass keiner es nötig hat, einen anderen wegen eines Schlucks Wasser und einer Schale Hirsebrei, oder wegen eines durchgefochtenen Gesetzes zur humanitären Kontrolle von Arbeitsverhältnissen zu erschlagen.

    Nach der “Ersten Großen Aufklärung” im 18.Jahrhundert wähnten sich viele im Zeitalter der Vernunft angekommen, die Welt wurde säkularisiert, d.h. Aberglaube und religiös-kultisches Brimborium wurde durch streng logisch-sachliche Welt-Beobachtung ersetzt; und man war auch im Bereich der Naturwissenschaften auf einem guten Weg, die Welt so zu verstehen, wie sie wirklich ist. Dies hatte einen großartigen technischen Aufschwung zur Folge: als Beispiel sei die Medizin genannt, die fast allen ein langes und gesundes Leben hätte ermöglichen können. Auch in der Produktion von Gütern konnte die fortgeschrittene Technik eine vorher ungeahnte Produktivität ermöglichen: Das Schlaraffenland schien keine Utopie mehr zu sein.

    Allein bei der Verteilung der Güter hatte die “Erste Große Aufklärung” nicht stattgefunden, die Vordenker hatten sich für dieses Thema nicht interessiert, oder allenfalls im Kontext ihrer Zeit den Feudalherren ins Gewissen geredet, endlich Gewerbefreiheit zuzulassen, weil dies den Wohlstand aller mehren könnte (A.Smith). Psychologie und Soziologie waren auch noch nicht erfunden, was Wunder, dass eben auch die “Kunde vom Wirtschaften” im Spekulativen bis Okkulten hängen blieb; die Ähnlichkeiten mit den überwunden geglaubten Religionen blieben erschreckend groß. Es fehlte auch nicht an Propheten, die zu den Großen der Philosophie zu zählen sind, deren Rezepte zur Verbesserung der Welt aber beim Versuch der konkreten Realisierung erbärmlich scheiterten.

    Immer wieder bildeten sich Feudalstrukturen heraus, in denen extreme Ungleichheiten in der Verteilung der Materiellen Güter mit religionsähnlichen Axiomen als notwendig und in der Universellen Weltordnung einzig richtig begründet wurden. Die materiell Reichsten waren der menschlichen Natur gemäß gleichzeitig die politisch Mächtigsten, sie hielten sich Exekutve, Legislative, und – nicht ganz unwichtig – auch die Gerichtsbarkeit als gut bezahlte abhängige Lakaien zur Durchsetzung ihrer Interessen. Die Hohepriester dieser Zeit nannte man “Wirtschaftswissenschaftler,” – die Hofnarren nannten sie “Mietmäuler” – diese konnten mit gelehrt wirkenden Litaneien das Volk so lange beeindrucken, bis es erkannte, dass religiöser Kult genauso wenig sättigen kann wie das Geweihte Symbol des Leibes Christi. Einen dieser Schriftgelehrten nannte man den “Backenbärtigen,” der sinngemäß zu einer hart arbeitenden Pflegekraft sagte, sie verdiene mit ihrer Arbeit kein Geld, sondern solle sich von seinem Respekt nähren.

    Auch die Rezepte dieser “Schamanen” muteten teilweise an wie die Verordnungen eines Barockarztes: “Aderlass, und verschont mich mit eurem unwissenschaftlichen Geschwätz vom Blutkreislauf,” Austerität dem noch so ausgemergelten Leib.

    In diese unhaltbaren, vorrevolutionären Zustände hinein regte sich, ebenfalls der menschlichen Natur gemäß, eine neue Welle des “anders auf die Welt schauen.” Einer ihrer Vorreiter würde sich in seiner Bescheidenheit dagegen verwahren, dies als die “Zweite Große Aufklärung” zu bezeichnen, aber das Verdienst dieser verwegenen Gruppe war, vorerst noch im Schutz der Dunkelheit ihrer “Katakombe,” alte Denkverbote abzulegen, und zu versuchen, die Welt des Wirtschaftens einfach neu so zu sehen, wie sie wirklich ist. Dazu gehörte zunächst einmal, Denkmodelle hinsichtlich der realen Welt zu entwickeln und für alle möglichen, auch nicht vorhersehbaren Entwicklungen offen zu halten.

    Der künftige Politiker sollte in seiner volkswirtschaftlichen Ausbildung auch nicht-religiöse, nüchtern sachliche Denkmodelle kennen lernen, die nicht primär feudalen Interessen, sondern der sachlichen Erkenntnis an sich verpflichtet sein sollen. Also ein geistiger Werkzeugkasten, ein Controlling-Papst hat das “copyright” auf den Begriff “Denkzeugkasten,” mehr zunächst nicht. Alles weitere, gerade auch die politischen Mittel, mit denen die dem “Denkzeugkasten” entnommenen “Diagnosen” situativ zu “Politische Therapien” führen können, war zunächst noch gar nicht Gegenstand der Forschung. Aber es war natürlich absehbar, dass es darum heftige Diskussionen geben würde.

    Liebe künftige Politiker-Generationen, nutzt das Potential zwischen Euren Ohren!

    • Basisdemokrat - 6. Oktober 2013

      Und für das gemeine Volk:

      Sollten aber manche Politiker strahlende Augen haben, dann achtet darauf, ob es nicht die Sonne ist, die durch ihren holen Kopf scheint!

  • Holly01 - 7. Oktober 2013

    Als Anregung ein Eindruck von dem, was ich für gut halten würde:

    Die Geldebene sollte geteilt werden.
    Jeder sollte 2 Geldarten haben. Das eine Geld (von mir aus mit dem Namen Euro) ist ein globales Geld. Es ist an die EZB gebunden. Sie ist weltweit vorhanden.
    Dieses Geld ist die Ware, die von den global Playern benutzt wird.
    Der Normalbürger hat mit diesem Geld wenig zu tun. Es wird vielleicht im Urlaub genutzt, eventuell um Geldanlagen im Ausland zu realisieren.
    Dieses internationale Geld unterliegt dem internationalen Recht (oft EU-Recht, aber eben nicht nur).

    Die 2. Geldart ist völlig anderer Art. Dieses Geld sollte eine so kleine Region bedienen, wie nur möglich. Dieses Geld ist zinsarm. Es ist nicht langfristig. Dieses Geld gilt für 6 Jahre und im 7. Jahr wird es getauscht. Das Tauschverhältniss ist fix (z.B. 9 neu gegen 10 alt).
    Die Geldmenge ist fix. Die regionalen Verantwortlichen (ja das sind Politiker, denn die haben nun einmal das Mandat) können eine Ausweitung nur nach einem Volksentscheid veranlassen.
    Das Gemeinwesen darf sich mit der Einführung des regionalen Geldes nur noch sehr eingeschränkt verschulden, hat aber die Einnahmen der Geldemission.
    Privatkredite werden sehr eingeschränkt. Die Zinsen für Privatkredite sind fix.
    Privatkredite sind immer ao ausgelegt, daß sie zum Geldwechsel bezahlt sein müssen.
    Häuser können finanziert werden. Aber nur im globalen Geld und mit Annuitäten, die endgetilgt sind.
    Es gibt 2 Arten von Banken: solche für lokales Geld und solche für globales Geld.
    Eine Bank kann beides betreiben, aber die Geschäftsbereiche sind strikt zu trennen.
    Lokales Geld kann nicht in anderes lokales Geld getauscht werden.
    Lokales Geld kann nicht in globales Geld getauscht werden.
    Globales Geld kann nicht lokal zum Erwerb von Gütern eingesetzt werden.

    Einzige Ausnahme sind die Bargeldbestände. Man kann also Scheingeld und Hartgeld tauschen.
    Dieses Bargeld beinhaltet den zwingen Anspruch zum Tausch gegen die jeweilige Geldart, bei der jeweiligen Ausgabestelle.

    Just my 5 Cent.

  • Systemfrager - 7. Oktober 2013

    @Holly
    jetzt reichts es mir:
    Popp: Die Regierungsvertreter sollen umsonst arbeiten.
    Schon Marx wusste (Pariser Komune), dass sie normal bezahlt werden solen, wie die Arbeiter.
    DUMM DÜMMER POPP

    • Holly01 - 7. Oktober 2013

      Naja, wenn man diskutieren will, muss man sich mit der Herkunft des “Istzustandes” beschäftigen.
      Man will ja bereits gemachte Fehler erkennen, vermeiden und an der Stelle neu ansetzen, wo es anfing schief zu gehen.
      Popp erklärt die Herkunft von Demokratie und den Ursprung von Komunalpolitik. Das macht er sehr zweckdienlich und (für mich) ausreichend fundiert.
      Leider schaut man viel zu leicht auf die Personen, zuhöhren ist oft viel zweckmässiger.

      • Systemfrager - 7. Oktober 2013

        >>> Popp erklärt die Herkunft von Demokratie und den Ursprung von Komunalpolitik. D
        Am Anfang hat er mich sogar begeistert

  • JL - 7. Oktober 2013

    Hallo zusammen,

    hier mal ein Link zum Entspannen:

    http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=296194

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

    • Holly01 - 7. Oktober 2013

      • JL - 8. Oktober 2013

        Hallo Holly01,

        Danke, dem Text nach hat er sich wohl erst Gedanken gemacht bevor er diesen vortrug.

        Mit freundlichen Grüßen

        JL

  • Rupert Rauch - 7. Oktober 2013

    Wow, was für eine Fleißarbeit.

    Die Definition von “Evolutorischer Wettbewerb” kommt meiner eigenen Auffassung auch am nächsten und zeigt gleich auch das Problem auf: man kann nicht sicher sein, dass da was wächst.

    Von daher würde ich gleich am Anfang den Fokus komplett vom Wachstum wegnehmen, der volkswirtschaftliche Wachstumsbegriff (im Prinzip nichts weiter als das Aufblähen des BIP) fördert nämlich nur Missverständnisse, auch weil er nichts über Qualität aussagt. “Wachstum” ist eine rein quantitative Größe. Die richtigen Verteilmechanismen vorausgesetzt, ist nämlich ein Wohlstandszuwachs auch mit Negativwachstum vorstellbar. Es müsste nur Produktivität und Qualität steigen und die Gewinne gleich verteilt werden.

    Wie gesagt: eine Fehlfixierung. Wirklich wichtig ist nicht Wachstum, sondern Existenzsicherung für alle, OHNE dass man sich (wie etwa bei Planwirtschaften) die Möglichkeit dynamischen Wachstums und vor allem qualitativer Verbesserungen verbaut. Auch das Problem des “growding out” (ein typisch neoklassisches Anti-Staats-Argument) sollte Beachtung finden.

    Ich hatte auf Basis dieser Überlegung mal ein grobes Konzept entwickelt, welches tatsächlich auch bei Null-Wachstum funktionieren sollte, auch strukturschwache Regionen beleben können sollte, und welches auch dann funktioniert, wenn man die großen Vermögensbesitzer nicht steuerlich abschöpfen kann:
    http://langweilerblog.wordpress.com/2012/06/19/utopia4-vollbeschaftigung-zweiter-anlauf/

    Vielleicht mag es jemand lesen, ich habe versucht es übersichtlich und kurz zu gestalten. Meinungen dazu würden mich interessieren.

  • Duke van Hudde - 7. Oktober 2013

    OK versuche ich mich auch mit einen Komentar.

    Wichtig ist zu beshcreiben was wir den überhaupt hatten und bei einer Staatsquote von 45 % offiziel die wohl eher 60 % entsprechen kann man von einen freien Markt nicht sprechen.

    Das heisst die Östreichische Schule ist sicher nicht gescheitert da es sie nicht gab.
    Zu Neoklasik muss man sich nur die Annahmen anshcauen die da gemacht werden.(Vollständige Konkurenz Vollständige Information Homoökonomicus usw.)
    Da werden solche unrealistischen Annahmen gemacht das dann die Mathematik die man sich ausgedacht hat passt.Die ganze Mathematik ist dann zwar richtig aber überhaupt nicht brauchbar.
    Der Funktinosfähiger Wetbewerb ist dann wieder so eine Sache wer das beurteilen soll.Das kann jeder Mensch wieder anders ansehen.
    Der evolutorische Wetbewerb ist eigentlich sogar ok wenn man hier nicht einen Fehler macht.
    Der Staat kann genau das nicht.Vershciedene Unternehmer können so etws im Zusammenspiel von Erfolg und Misserfolg.Ein Staat hat nicht ds wissen um das verauszusagen was auf einen Markt passieren wird.

    Geshceitert sind vor allen Banken und die EZB und beide sind gerade auf Märkten aktiv wo der wetbewerb stark eingeschränkt wird.
    Bei der EZB ist es so das wir hier sogar das Monpol noch wieter ausgedehnt haben.Früher gab es wenigstens in jedne Land eine Währugn die auf dne MArkt gehandelt wurde(Auch mit starken Einschränkungen) heute gibt es nur eine und das die EZB zum Staat des Euros einen zu hohen Zinssatz für Deutshcland hatte und einen zu niedrig für die Südschiene bestreitet wohl niemand.Nur ds heisst auch es konte keinen richtigen geben.Das ganze dann zu dne Leistungsbilanzunterschieden führen musste war klar.(Deutshcland und China sind die beidne Länder die ihre Währung zwangsweise nicht aufwerten obwohl ds von deR Leistugnsbilanz passieren müsste.

    Es müsste hier also wieder viel mehr Wetbewerb geben.

    Die Banken wurden durch den Staat umsonst versichert für dne Kriesenfall und das musste zu höheren Risiko führen.

    Gerade der mangeldene Wetbewerb und das flashce Eingreifne des Staates sidn für mich die Ursache der Probleme und daher müsste man hierfür eine Lösung finden.

    Die heissen muss das Geldmonopol mit einer Monopolwährung abschaffen und hier einen Markt erlauben und vor allen nicht die Banken gegenüber Kriesen umsonst verishcern das ist eine riesige Subvention mit fateln Auswirkungen.

    • Holly01 - 8. Oktober 2013

      Hallo Duke,

      das Scheitern der EZB und damit auch der Banken, die dahinter angegliedert sind, führe ich auf einen ganz einfachen Grund zurück :

      Recht ist ein Rahmenwerk. Das Recht paßt man je nach Bedarf den Erfordernissen an.
      Recht darf aber nicht so weit verändert werden, dass es eine Karikatur seiner selbst wird.
      Genau das ist aber passiert und es passiert immer noch.
      Das Recht wird gebeugt und das Rahmen verliert seine Funktion.
      So zählt nur noch, wer am dreistesten und am wildesten agiert. Je größer das Werkzeug desto größer grober das Ergebniss.
      Wer (wie die EZB) Politik mit der Abrissbirne im eigenen Rechtsrahmen betreibt, der arbeitet an keinem Kunstwerk aus Marmor.
      Wir haben 100 Artikel mit denen das GG geprägt ist.
      Ich empfehle -jedem- gelegendlich diese 100 Artikel zu lesen. Alleine das reicht um den Unsinn zu demaskieren.

    • Russe - 8. Oktober 2013

      das Geldmonopol mit einer Monopolwährung abschaffen und hier einen Markt erlauben
      __

      Absolut richtig, nur eher werdet ihr alle ´”abgeschafft” als das Geldmonopol.

      • Russe - 8. Oktober 2013

        Ah ja vergessen, das Geldmonopol ist in einem “freiem Markt” entstanden wie immer durch Beschiss, Mord und viele andere lustige Sachen.

  • Holly01 - 8. Oktober 2013

    Es hat sehr gute Gründe, warum Ökonomie, Philosophie, Rechtslehre und Staatslehre keine Inhalte des Schulwesens sind.
    Man muss nicht klug sein, um zu erkennen, dass wir nicht weniger als alles falsch machen.

  • Frankenfurter - 8. Oktober 2013

    Verständnisfrage:
    Wieso ist ” in der Abbildung zur Wachstumslogik zu sehen und zu lesen, dass im “im Falle des Ansatzes „Vollkommene Konkurrenz“ jedoch kein Wirtschaftswachstum.[stattfindet].Es ist eine wachstums- und entwicklungslose Vorstellung von einer Kreislau [f] wirtschaft, in der begrenzte Ressourcen effizient eingesetzt werden.” ?

    • SLE - 8. Oktober 2013

      Hallo Frankenfurter,

      weil genau das dieses neoklassische Modell ausmacht. Es war nicht darauf ausgelegt, Wachstum zu erklären, sondern – wie im Text erklärt – den effizienten Einsatz der begrenzten, endlichen Resoourcen. Dieses theoretische Modell ist lange vor der neoklassischen Wachstumstheorie entstanden. Innovation kommt darin nicht vor.

      Die Wachstumstheorie entstand erst in den 1950er Jahren. Die Markt- und Wettbewerbslogik “funktionsfähiger Wettbewerb”, die auf der neoklassischen Theorie sowie im Kern auch auf dem Modell der “vollkommenen Konkurrenz” aufbaut und bei der es um Innovation und Wachstum geht, entstand erst danach!

      Mit dem Aufkommen der Wachstumstheorie verschwanden zugleich sukzessive (in den 1960er Jahren) praktisch all jene theoretischen Ansätze, die nicht “Wachstum”, sondern “Entwicklung” in den Mittelpunkt stellten und zu erklären versuchten. Der Ansatz “evolutorischer Wettbewerb” ist somit ein Ausreißer, weil er sich (wieder) auf theoretische Ansätze zur Erklärung von Entwicklung stützt.

      Und bitte nicht vergessen:

      Es handelt sich um Erklärungsansätze und nicht um Beschreibungen der Realität. Der Wert resultiert daraus, dass man (im Vergleich) durchspielen kann, wie gut und schlüssig sich damit die wirtschaftliche Realität erklären lässt bzw. was sich bei einer darauf jeweils exakt abgestimmten Politik theoretisch eigentlich ergeben sollte. Daran anküpfend kann man einmal erkennen, an welcher markt- und Wettbewerbslogik sich praktische Politik orientiert und zweitens, ob einen Soll-Ist-Vergleich durchführen. Letzteres heißt überprüfen zu können (zumindest ansatzweise), ob in der Realität tatsächlich das erreicht wird oder werden kann, was sich gemäß der jeweiligen Markt- und Wettbewerbslogik ergeben sollte.

      Ohne ins Detail zu gehen, kann man sagen, dass sich die Politik in den letzten Dekaden in allen Industriestaaten an einer angebotstheoretisch begründeten Marktlogik orientierte und die heutige Realität aber so überhaupt nicht mehr mit dem in Einklang zu bringen ist, was wir gemäß dieser Logik heute eigentlich haben sollten. Das hängt zum teil auch daran, dass sich die Politik keineswegs immer genau an diese Logik gehalten hat. Die Grundpositionen dieser Marktlogik wurden indes immer befolgt und deswegen fällt der Soll-Ist-Vergleich und das Urteil über die angebotstheoretisch begründete markt- und Wettbewerbslogik heute ziemlich schlecht aus.

      Viele Grüße
      SLE

      • Russe - 8. Oktober 2013

        Es handelt sich um Erklärungsansätze und nicht um Beschreibungen der Realität.
        __

        Verstehe ich nicht. Entweder lassen sich aus einem Modell die realitätsnähe Vorhersagen ableiten oder ist die Theorie für Allerwertesten.

        • SLE - 8. Oktober 2013

          Nein, nein, das ist schon richtig. Keiner der Ansätze ist fehlerfrei. Und bevor man die Modelle an der Realität testen kann, muss man sie ja auch genau kennen und unterscheiden können. Das sind zwei getrennte Schritte. Zuerst erarbeiten Sie eine Theorie oder ein Modell, dann testen Sie es.

          Wenn Sie sagen, entweder aus einem Modell lassen sich realitätsnahe Vorhersagen ableiten oder sie ist unbrauchbar, dann haut das aus zwei Gründen nicht hin. Erstens ist wie gesagt keiner der Erklärungsansätze fehlerfrei. Zweitens ist die Frage der Anwendbarkeit auch eine der konkreten wirtschaftlichen bzw. historischen Situation. Beispielsweise kommen Sie mit dem Ansatz “Freier Wettbewerb” in der wirtschaftlichen Situation im Nachkriegs-Deutschland wunderbar zurecht, aber nicht heute. Und mit dem “Funktionsfähigen Wettbewerb” werden sie der wirtschaftlichen Realität der 1960er und 1970er Jahre sehr gut gerecht, aber heute eben nicht. Mit dem Ansatz “evolutorischer Wettbewerb” kommen sie in beiden exemplarisch genannten Situationen weiter, weil dieser Entwicklung erklärt – was die beiden anderen nicht tun.

          Es ist also eine Frage des Anwendungsspektrums. Das Problem heute resultiert daraus, das alle angesprochenen angebotstheoretischen Ansätze nicht anwendbar sind bzw. keine Lösung bringen.

          Grüße
          SLE

          • Holly01 - 8. Oktober 2013

            Hallo SLE,

            ist das EEG nicht ein gutes Beispiel?
            Die Versorger wurden schon wegen den Investitionssummen immer größer.
            Mit dem EEG sollten ansich die Marktanteile der Versorger langsam zu gunsten vieler kleiner Anbieter gesenkt werden.
            Kaum ist das Modell erfolgreich, will die Politik das eine tun (Wechsel zu dezentraler Versorgung durch viele Anbieter) und das andere nicht lassen (Versorger, die ein Oligopol bilden).
            Ergebniss : Kostenmaximierung zu Lasten der Endkunden. Klientpolitik zum Schutz der “energieintensiven Betrieb” und tatsächlich Erhaltungspolitik für das Oligopol.

            • SLE - 8. Oktober 2013

              Ja, das ist so ein Beispiel.

              Grüße
              SLE

          • Systemfrager - 8. Oktober 2013

            >>> Beispielsweise kommen Sie mit dem Ansatz “Freier Wettbewerb” in der wirtschaftlichen Situation im Nachkriegs-Deutschland wunderbar zurecht,
            Aber natürlich.
            Da haben die Amis dafür gesorgt, dass die Angebot-Überschusss nach USA gehen. DE soll das Schaufester für den Osten sein.
            Das hat also mit der Nachfrage zu tun, und alles andere was bis heute geschah, kann man auch mit der Nachfrage erklären

  • Frankenfurter - 8. Oktober 2013

    Hallo SLE, ich muss zugeben, dass mich Ihre Kritik der Markttheorien etwas ratlos macht. Zumal Sie selbst schreiben “.. ist die Marktlogik eine wüste Kombination aus allen drei oben besprochenen liberalen, angebotstheoretischen Marktlogiken, zum Teil zusätzlich angereichert mit einem kräftigen Schuss Keynesianismus.”
    Sie meinen nicht, dass man, bildlich gesprochen, die Kirche wieder ins Dorf holen könnte, wenn es der Wirtschaftspolitk gelänge mit etwas mehr als einen “Schuss Keynesianismus” gegenzusteuern? Etwa, indem man die Unternehmen zwingt sich wieder zu verschulden wie in den 50er Jahren oder volkswirtschaftlich funktionslose Gewinne einfach wegbesteuert?

    • SLE - 8. Oktober 2013

      Nein, das glaube ich nicht. Keynesianische Konjunkturpolitik kann wirtschafts- und marktstrukturelle Probleme nicht lösen helfen.

      Karl Schiller war in den späten 1960er Jahren mit seiner Konjunkturpolitik erfolgreich. Aber das war nicht der einzige Grund. Er vollzog den Wechsel in der Marktlogik – weg vom “Freien Wettbewerb” unter Ludwig Erhardt, hin zum “Funktionsfähigen Wettbewerb, der die Förderung von Oligopolen und der Entstehung große Unternehmen in den Mittelpunkt rückt. Zusammen war das eine erfolgreiche Mischung, weil die Wirtschaft quer durch alle Sektoren damit den Einstieg in die Phase der Reifung besser bewerkstelligen konnte. Das war eigentlich kein strukturelles Problem, weil es nur die “Handbremse” des natürlichen Marktentwicklungsprozesses zu lösen galt. Und genau das hat Schiller gemacht.

      Heute stehen wir indes vor einem grundlegend anderen Problem, nämlich der Verkrustung allzu vieler Märkte (im engen Oligopol), die ihre Reifephase, sprich ihren Zenit längst überschritten haben und deswegen stagnieren. Mit Konjunkturankurbelung lässt sich dieses Problem nicht beheben.

      Viele Grüße
      SLE

  • Frankenfurter - 8. Oktober 2013

    Nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik auf Konjunktur fördernde und antizyklische Aufgaben zu reduzieren trifft den Kern mMn nicht. Sie schreiben, dass Lohnuntergrenzen den Markt außer Kraft. setzen. Was wäre denn Ihre Marktlösung gegen Elends-Löhne ? Ich vermisse bei Ihren Ausführungen die praktikablen Ansätze zur Überwindung von den Fehlentwicklungen unserer Zeit.

    • Systemfrager - 8. Oktober 2013

      >>> Nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik auf Konjunktur fördernde und antizyklische Aufgaben zu reduzieren trifft den Kern mMn nicht.
      Eben
      Nun ist es so. Die Angebotspolitik mit dem akadamischen Gequatsche von “Rigiditäten” und “Verkrüstungen” (die haben keine Anunung was das ist, aber klingt irgedwie klug) ist am Ende. Dann sagen sie, ja natürlich ist die Nachfrage wichtig, aber eine nachfrageorientierte Politik, das würde NIEEEEEEEEE funktionieren. Einfach gesagt: Dummes Zeug

      • Frankenfurter - 8. Oktober 2013

        Die neoliberale Gehirnwäsche hat die Köpfe dermaßen okkupiert, dass die betriebswirtschaftliche Perspektive identisch mit einer volkswirtschaftlichen Perspektive geworden ist. Wir sind beherrscht von lauter braven Hausfrauen, die sich wie die Grünen Politikerinnen Kerstin Andreae so äußert:

        “Nun kommt Kanzlerin Merkel und sagt: Wohlstand auf Pump geht nicht mehr. Das muss allen klar sein. – Sorry, aber uns ist das klar. Wohlstand auf Pump geht wirklich nicht mehr. … Obwohl Ihnen pro Jahr 25 Milliarden Euro in den Schoß fallen, liegt die Nettoneuverschuldung im nächsten Jahr bei 6 Milliarden Euro. Mit Haushaltskonsolidierung hat das gar nichts zu tun. Das ist nichts anderes als eine Finanzierung auf Pump. …”

        Unfassbar. Und diese Frau, die von Tuten und Blasen Null Ahnung hat wird hohe Wirtschaftskompetenz bescheinigt.

      • SLE - 8. Oktober 2013

        Nur zur Erinnerung:

        ich habe von einer angebots- und nachfragetheoretisch begründeten Markt- und Wettbewerbslogik gesprochen. Man braucht beides. Was man in der Politik tut, ist von der Situation bzw. der Problemstellung abhängig. Darum habe ich die Beispiele vom Nachkriegs-Deutschland und dem Deutschland der 1960er/70er Jahre gebracht.

        Grüße
        SLE

        • Frankenfurter - 8. Oktober 2013

          Ja, natürlich braucht es beides: die betriebswirtschaftliche Perspektive UND die volkswirtschaftliche Perspektive. Aber wenn der Motor des Ganzen – der Profit – zum Großteil dazu dient, einseitig privates Vermögen anzuhäufen, statt, wie es die Kooperative Mondragon vormacht, ins eigene Geschäft (eine eigene Uni gehört dazu) wieder reinvestiert zu werden, dann vergessen wir mal für eine Zeit lang das ideologische Geschwafel von der “Wettbewerbsfähigkeit” an der sich alle orientieren müssen.

    • SLE - 8. Oktober 2013

      “Sie schreiben, dass Lohnuntergrenzen den Markt außer Kraft. setzen.”

      Hallo Frankenfurter,

      genau das habe ich nicht geschrieben.

      Stattdessen habe ich geschrieben – wenn Sie nochmals genau nachlesen – , wer gesetzliche Mindestlöhne als einzige und effektivste Lösung des Problems ansieht, kapituliert vor der Aufgabe, Märkte nicht nur angebosttheoretisch (und damit fehlerhaft), sondern angebots- und nachfragetheoretisch und damit treffend zu erklären. Denn das bietet eine Grundlage dafür zu sorgen, dass die Märkte tatsächlich wieder richtig funktionieren, was nichts anderes heißt, als dass sie es jetzt – entgegen der Auffassung vieler Ökonomen – nicht tun.

      Daran ist “rechte”, aber gerade auch “linke” Politik selbst schuld, die sich beide an einer fehlerhaften Marktlogik orientierten und es noch immer tun. Sie bekommt nämlich in der wirtschaftlichen Realität aufgrund dieser Fehlerhaftigkeit nicht das, was sie gemäß der angebotstheoretisch begründeten Markt- und Wettbewerbslogik eigentlich hätte bekommen sollen. Was sie sich stattdessen damit unter anderem eingehandelt hat, ist das Problem ausufernder prekärer Beschäftigung, was aber nicht gesehen wird!

      Wenn man das effektiv beseitigen will, wird man die auf die Märkte gerichtete Politik korrigieren müssen. Wer gesetzliche Mindestlöhne im oben angesprochenen Sinne fordert, erklärt dies für unmöglich. Das wäre ein neuer, schwerer Fehler, zumal prekäre beschäftigung nur eine Facette eines viel größeren Problemkomplexes ist, der aus demselben Grund entstand, nämlich die enorm weit geöffnete Schere zwischen Arm und Reich.

      Das heißt nicht, dass “Mindestlöhne” unwirksam sind. Sie setzen nur nicht am eigentlichen Problem an und es wird damit im Grunde der Markt in einem Teilbereich außer Kraft gesetzt, weil man nicht in der Lage ist – pointiert ausgedrückt – den “Raubtier” im Kapitalismus wieder zu bändigen. Bauen wir also einen Zaun drum herum und streiten uns darüber, wie hoch der sein soll!? Das ist es doch, worum es bei der Mindestlohndebatte genau genommen geht.

      Grüße
      SLE

  • Frankenfurter - 8. Oktober 2013

    Gerne SLE: geben Sie mir die erste Latte für den Zaun 🙂 Wie wärs mit dem Vorschlag aus Gewerkschaftskreisen der Schweiz. Der höchste Lohn soll nicht mehr als das 12-fachen des niedrigsten Lohns betragen. In der baskischen Kooperative Mondragon (100.000 Mitarbeiter) verdienen die Manager nur das 4fache von den Pförtnern….

  • Holly01 - 8. Oktober 2013

    @ Russe am 7.10.
    zu “>>Die direkte Demokrtie ist nur für eine vorhistroische Gesellschaft gut geeignet.

    Eine Art der “direkten Demokratie” ……”

    Das HrRdN war so aufgebaut. Das zieht sich bis Napoleon und war weder erfolglos noch wehrlos.
    Das Polen vor dem 2. Weltkrieg war so aufgebaut. Das waren regionale Einheiten, die eine Versammlung hatten, in der man sich einmal pro Jahr abgestimmt hat.
    Auch das war sehr effektiv und weder erfolglos noch wehrlos. Man hatte nur die “falschen Nachbarn”.
    Die Schweiz betreibt ein solches System. Ich halte dieses weder für erfolglos noch für wehrlos.

    Über Ausprägung und Innovationsfähigkeit kann man gerne diskutieren, aber eines ist doch wohl klar :
    die meisten Menschen sind mit einem System, bei dem man alle 2 oder 3 Jahre ein Kreuz macht völlig zufrieden.
    Die Systempräger (egal ob Mandat oder Geburtsrecht) sind immer und überall sehr überschaubar und die sind immer wirtschaftlich abhängig.

    Wenn Sie also eine Wirstchaft gestalten wollen, dann warten Sie sehr lange, wenn Sie auf die Masse setzen.
    Der Mob auf der Strasse ist nicht kreativ, es sei denn etwas zu beseitigen, das eint bedingt.
    Gestalten und Aufbauen, das tun wenige und hoffentlich kluge Leute.
    Die breite Basis aus sehr vielen Gemeinden, Ländern, Staaten ermöglicht zudem ein controlling und ballancing. Man ist immer in Konkurrenz und man ist immer vergleichbar.

    Die direkte Demokratie schreibe ich so einfach nicht ab.

    • Systemfrager - 8. Oktober 2013

      Holly: Die direkte Demokratie schreibe ich so einfach nicht ab.
      Ich auch nicht
      Ich weiß im Detail, warum die mit Abstand entwickelteste direkte Demokratie aller Zeiten, die Ex-JU, gescheitert ist, …
      Seit vielen Jahren versuche ich eine Lösung zu finden ….
      ich glaube die Regelung (geregelte Ordnung, gergegelte politische Ordnung) ist der Schlüssel …
      aber schon (mannomann!!!!) schon wieder OT

  • Systemfrager - 8. Oktober 2013

    Tja,
    was lernenn die WiWi-Studenten
    EINE GROßARTIGE BESCHREIBUNG:
    http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/benedikt-herles-im-interview-ueber-sein-buch-die-kaputte-elite-a-926451.html

    • Frankenfurter - 8. Oktober 2013

      Nieten in Nadelstreifen…..

  • JL - 8. Oktober 2013

    Hallo zusammen

    Ich möchte hier mal ein Ereignis von 1995 in Erinnerung rufen: Brent Spar.

    Damals sollte die altersschwache Ölplattform im Nordatlantik versenkt werden, aus Kostengründen wohl die einfachste Lösung.
    Nach Bekanntwerden dieser Pläne formierte sich erheblicher Widerstand in der Bevölkerung von Dänemark, den Niederlanden und Deutschland, welche auch zu Boykottaufrufen führten. Im Ergebnis dessen mußte die Politik notgedrungen „Stellung beziehen“ und dieses Vorhaben ebenfalls Verurteilen.
    Ergebnis: Die Brent Spar wurde nicht versenkt sondern teilweise verschrottet oder umgenutzt.

    Dieses Beispiel soll nicht Richtungsweisend für die weitere Diskussion sein, zeigt aber sehr deutlich auf, welche Veränderungen oder Unterlassungen möglich sind, wenn- sogar Länderübergreifend!- die Bürger an sich dies einfordern.

    Und wer von Ihnen glaubt denn ernsthaft, daß die Deutschen ihre DM aufgegeben hätten, wenn man sie befragen hätte müssen?

    Und wer wäre Pleite gegangen, wenn man die Europäer fragen hätte müssen ob Griechenland einen „Rettungsschirm“ (tolles Wort) bekommen soll oder nicht und die überwiegende Mehrheit mit dem Kopf geschüttelt hätte?

    Die Griechen?

    Oder doch eher Banken- wo und wer auch immer?

    Der Politik muß mittels Bürgerentscheide die Richtung vorgegeben werden und nicht umgekehrt.

    Wenn nicht, greift leider dann das alte Sprichwort:
    Verläßt du dich auf den anderen bist du verlassen.

    Ähnlichkeiten mit der Gegenwart währen rein zufällig- dasselbe.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • Rupert Rauch - 8. Oktober 2013

    @Systemfrager:

    “Ich weiß im Detail, warum die mit Abstand entwickelteste direkte Demokratie aller Zeiten, die Ex-JU, gescheitert ist, …”

    WORAN? Und inwiefern hatten die eine direkte Demokratie, ich dachte das nannte sich Arbeiterselbstverwaltung oder so? Und inwiefern war die “am entwickeltsten”? An was machst du das fest? Und inwiefern kann sie das sein, wenn sie offenbar gescheitert ist?

    Ich habe großen Respekt vor deiner Bildung und deinen Ansichten, daher wurmt mich deine Pauschalablehnung direkter Demokratie.

    Was siehst du denn als Alternative zum Status Quo?

    • Systemfrager - 9. Oktober 2013

      So viele Fragen auf einmal … geht nicht ….
      In Ex-Yu hate man eine Selbstverwaltung in den Betrieben und eine komunale Selbstverwaltung … vieles gleich wie in der Schweiz …. nur noch viel mehr Möglichkeiten mehrheitlich zu bestimmen
      Es war kein Mehrparteien-System, auch nicht Eine-Partei-System, es gilt dass sich jeder für alle politische Funktionen bewerben kann und die Wähler sollten entschieden …. (Sozusagen nicht Parteiendemokratie, sondern Personendemokratie)
      Die Theorie sieht gut aus, die Praxis ist eine andere
      ….
      Zu meienen Überlegungen und Lösungen kann ich jetzt nichts sagen, wäre zu lang

    • Systemfrager - 9. Oktober 2013

      @Rupert
      fast vergessen, ich habe darüber auch hier geschrieben

      Der Ursprung des Privateigentums und seine Erklärungen bzw. Konzeptionen
      Smith’ Kritik des fremdverwalteten Eigentums am Beispiel der Aktiengesellschaften
      http://www.forum-systemfrage.de/Aufbau/ba/33w/ba33w.php?df_name=baDF30&tbch=ba&schp=fruelib&ordner=33w

    • Systemfrager - 9. Oktober 2013

      @SLE
      da fällt mir ein:
      In diesem Beitrag geht es im Grunde (auch wenn indirekt) auch um Links-Rechts
      nun sind wir wieder beim Thema
      🙂

    • Russe - 9. Oktober 2013

      >>WORAN?

      An NATO?

  • der weise aus dem morgenland - 12. Oktober 2013

    Bevor die Gesellschaftsmitglieder als politisch-demokratische Subjekte zu handeln, ja bevor sie überhaupt zu denken beginne, sind sie schon immer als “Arbeitskräfte” und Subjekte der Konkurrenz auf anonymen Märkten vorausgesetzt; außerhalb dieser axiomatischen Bestimmung würde auch ihr politischer und jurustischer Status als gegenstandslos verfallen (!).
    Was für eine wunderbarre Benthamsche Falle, aus der es kein Entrinnen gibt, solange die gesellschaftlichen Axiome nicht gebrochen werden, die per Defintiotion kein Gegenstand des demokratischen iskurses sein können.
    Der perfide Charakter des demokratischen Prozedere ist nicht zuletzt so schwer zu durchschauen, weil die Menschen ihren Status als “Arbeitskräfte” eines verselbständigten, selbstzweckhaften Systemzusammenhangs ja längst schon verinnerlicht (!) haben, und sich eine andere, vernünftigere Form von Geslleschaftlichkeit gar nicht mehr vorstellen können.

    • der weise aus dem morgenland - 12. Oktober 2013

      Befestigt wird der aximatische Status noch dadurch, daß der objektivierte Systemprozeß keineswegs als eindimensionaler und linearer Ablauf daherkommt, der nur noch beobachtet und exekutiert werden kann.
      Ganz imm Gegenteil setzt das System aus sich heraus und in seinen eigenen Kategorien permanent Alternativen, differente Möglichkeiten und Verlaufsformen, die dann demoratisch-politisch bearbeitet werden können.Aber diese alternativen Pfade dürfen nur innerhalb des hermetisch geschlossenen kapitalistischen Rahmens verlaufen.
      Demokratisch verhandelt werden so von vornherein nur programmierte Scheinalternativen, wie sie die blinden gesellschafts-physikalischen “Naturprozesse” hervorgebracht haben.
      Demokratische Entscheidungen verlaufen so prinzipiell nach dem Muster eines “Multiplechoice” Verfahrens; es kann nur eine Möglichkeit aus dem vorgegebenen, begrenzten Katalog gewissermassen “angekreuzt” werden:
      Immer wieder handelt es sich dabei um die Wahl zwischen Pest und Cholera.
      Eine Alternative, die jenseits des vorgegebenen Spektrums von Möglichkeiten läge, ein Verwerfen der ganzen Konstellation also, die damit auch das Verfahren selbst in Frage stellen müsste, ist strukturell ausgeschlossen (!).

      • Basisdemokrat - 12. Oktober 2013

        Oder kürzer ausgedrückt –
        wir haben sowieso keine Wahl:

        Gruß BD

        • der weise aus dem morgenland - 13. Oktober 2013

          🙂

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