Was Erdogan der EU vor Augen führt und die Wahl in den Niederlanden

von am 15. März 2017 in Allgemein

Hätte man so etwas für möglich gehalten? Die Europäische Union lässt sich von einem Staatschef, der seit Jahren erkennbar nichts anderes im Sinn hat als sein Land autokratisch zu regieren und dennoch die EU-Mitgliedschaft einfordert, nach allen Regeln der Kunst vorführen.

Seit Tagen dürfen wir staunend und schockiert verfolgen, wie eben dieser Staatschef namens Recep Tayyip Erdogan mit einer Kaltschnäuzigkeit und einer Flut von wüsten Beleidigungen für sich und seine Regierung beansprucht, in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union, denen er unter anderem Nazi-Methoden und Staatsterrorismus vorwirft, Wahlkampf für eine Verfassungsänderung in der Türkei machen zu dürfen, die aus der Türkei ein Sultanat machen wird. Nur damit das nicht ganz in Vergessenheit gerät: Die Türkei ist NATO-Mitglied und befindet sich nach wie vor in einem EU-Beitrittsverfahren; sie erhält, abgesehen von den Milliarden für den Flüchtlingsdeal, von der EU auch Milliardenhilfen, um die Voraussetzungen für die Aufnahme zu schaffen.

Noch grotesker könnte es eigentlich kaum sein.

Wen wundert es also, dass in einer Umfrage über 90 Prozent der befragten Deutschen türkische Wahlkampfauftritte in Deutschland ablehnen (1), während sich die Bundesregierung ebenso wie die EU windet, um nichts dagegen unternehmen zu müssen? Das wiederum ist irgendwie auch symptomatisch für die EU und die Krise derselben.

Wenn diese Episode also irgendetwas ganz klar zeigt, dann dass niemand – außer mithin eben die EU-Bürger selbst – die Europäische Union ernst zu nehmen oder ihre Maßnahmen zu fürchten braucht, nicht einmal die rein verbalen. (2) Das erinnert an das Werfen mit Wattebäuschen oder antiautoritäre Erziehung. Sie ist nicht nur uneinig, sondern orientierungslos und von den Herausforderungen, denen sie sich stellen muss, überfordert. Das hat die Flüchtlingskrise gezeigt und nun hat es ihr der türkische Präsident in aller Deutlichkeit vor Augen geführt – ihr und dem gesamten Rest der Welt. Bravo!

Kennzeichen eines selbstverursachten Niedergangs der EU

Wie marode und heruntergewirtschaftet diese EU inzwischen ist, zeigt unter anderem auch die Tatsache, dass die politische Elite, die aus der EU das gemacht hat, was sie heute ist, überhaupt kein Rezept hat, um der zunehmenden Unzufriedenheit in der Bevölkerung mit ihrer Politik und mit der schlechten politischen Performance zu begegnen. Stattdessen wird an die Wähler appelliert doch bitte so vernünftig zu sein, nicht massenhaft irgendwelche „Populisten“ zu wählen, die angeblich den Untergang der Demokratie und – natürlich – der EU bedeuten würden. Dass sie selbst die Voraussetzungen für diesen drohenden Untergang geschaffen haben und ihn vorantreiben, sagen sie nicht.

Im besten Fall gehen die Politiker etablierter Parteien dann noch auf die Straße, um gegen die „Rechtspopulisten“ – oder auch „Linkspopulisten – zu demonstrieren.

Herzlichen Glückwunsch zu diesem politischen Offenbarungseid, der sich so erschreckend gut in das Bild einfügt, dass die EU nun im Zusammenhang mit dem außer Rand und Band geratenen türkischen Präsidenten abgibt. Und es gibt ja auch noch andere außer Rand und Band geratene Autokraten bzw. Diktatoren.

Ein weiteres Beispiel des selbstfabrizierten Niedergangs der Europäischen Union sind die Vorschläge für die Zukunft derselben, die die Europäische Kommission in einem Weißbuch vorstellte. (3) Besonderer Beliebtheit scheint sich unter den um sich selbst kreisenden Verantwortlichen für Europa der Vorschlag eines Europas der verschiedenen Geschwindigkeiten zu erfreuen. Das bedeutet, dass Mitgliedstaaten, die dies können und wollen, bei spezifischen europäischen Integrationsschritten oder politischen Maßnahmen „voran gehen“ dürften. Der Rest, so könnte man es auch ausdrücken, wird dann zurück- oder genauer gesagt sich selbst überlassen. Kritische Stimmen könnten dies aber durchaus ebenso gut als Eingeständnis der EU-Granden auffassen, die zahlreichen tiefgreifenden Probleme der EU – von der perpetuierten Schuldenkrise Griechenlands bis zu dem inzwischen an Absurdität grenzenden Festhalten am EU-Türkei-Flüchtlingsdeal – nicht lösen zu können.

Die EU – orientierungslos, hilflos, planlos

Die EU, so scheint es, kann den Entwicklungen vielfach nur noch zusehen. Schlimmer noch lässt sie aufgrund der Tag für Tag demonstrierten Orientierungslosigkeit, Uneinigkeit, Ideenlosigkeit und vor allem Schwäche erkennen, dass jeder beinahe alles mit ihr machen kann und kein Zugeständnis absurd genug ist, um es nicht von ihr zu fordern.

Das führt Recep Tayyip Erdogan gerade vor und nicht nur die vor den Brexit-Verhandlungen stehende britische Premierministerin Theresa May wird das freuen, sondern natürlich auch Donald Trump, der zudem absolute Verhandlungsprofis in sein Regierungsteam geholt hat. Egal, was die US-Regierung mit Europa verhandeln will, sie kann sich darauf freuen, dass es möglicherweise ein echter Spaziergang werden wird.

Die Wahl in den Niederlanden ändert für die EU absolut nichts

Heute nun blicken in der EU alle auf die Parlamentswahlen in den Niederladen. Die Mitglieder von Regierungen und den (noch) führenden politischen Parteien hoffen wie bisher immer, dass die Wähler „vernünftig“ sein werden und nicht dem Rechtspopulisten Geert Wilders einen echten Wahlerfolg bescheren.

Doch machte das für die EU wirklich noch einen Unterschied? Wohl kaum. Es wird nicht lediglich weiterhin tatenlos zugeschaut und hingenommen, was immer da kommen mag. Vielmehr wird nicht zuletzt gerade deswegen von politisch verantwortlicher Seite weiter aktiv an der Demontage der Europäischen Union gearbeitet.

Das Fazit all dessen ist, dass in und für die Europäische Union die falschen, weil ungeeigneten Kräfte am Werk sind. Und dies zu korrigieren, ist die einzige Chance die EU vor dem Auseinanderbrechen zu bewahren. Und dabei spielt es nur noch eine untergeordnete Rolle, ob dieser selbst aktiv verursachte Niedergang von außereuropäischen Regierungen, die die europäische Schwäche zu nutzen verstehen, oder von „Populisten“ beschleunigt wird, die ihr jeweiliges Land aus der EU herauszunehmen gedenken.

Die wirtschaftliche und politische Bilanz der einst als „Euro-Retter“ bezeichneten politisch für Europa Verantwortlichen ist unterirdisch. Jetzt gebannt auf die Wahl in den Niederlanden zu schauen und so zu tun, als hinge davon für Europas Zukunft wer weiß viel ab, ist nichts weiter als eine Rechtfertigung dafür, auf die himmelhohen Probleme der EU zu starren wie das sprichwörtliche Kaninchen auf die Schlange anstatt endlich etwas zu tun.

Selbsterkenntnis wäre der erste Schritt zur Lösung der Probleme der EU

Dazu müsste man natürlich überhaupt erst einmal wissen, was. Allerdings scheinen die politischen Entscheider der Realität zum Trotz nach wie vor davon überzeugt zu sein, selbst am besten zu wissen welchen Möglichkeiten es gibt. Einmal über den Tellerrand zu schauen, sich für Analysen, Ideen und Vorschläge, die es in der EU außerhalb des politischen Getriebes, in dem sie sich bewegen, gewiss zuhauf gibt und sich für Diskussionen darüber zu öffnen, das wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung. Und in dieser Hinsicht könnten sie durchaus einmal etwas bei dem Amerikanern, ja, sogar bei Donald Trump abschauen. Denn der hat sich nicht nur fähige, erfahrene Leute ins Regierungsteam geholt, sondern es sind sehr viele Querdenker darunter.

In allem, was die EU und ihre Zukunft betrifft, gibt es jedoch scheinbar überhaupt keine Querdenker oder wenn, dann kommt ihre Stimme nicht zum Tragen. Der Kurs der EU ist auf lähmende und selbstzerstörerische Weise ideologisch oder von ideologischem Streit determiniert. Die Institutionen der Europäischen Union, allen voran die Europäische Kommission, aber auch das Europäische Parlament haben so betrachtet genau genommen schon vor Jahren aufgehört im Sinne eines zukunftsfähigen Europas zu funktionieren. Der Europäische Rat der Staats- und Regierungschefs ist der Hauptgrund dafür, dass in Europa nichts mehr voran geht.

Fazit

Die heutige Parlamentswahl in den Niederlanden ändert daran definitiv nichts – egal, wie sie ausgeht. Geben sie ihr als nicht die Bedeutung, die ihr von den Politikern und in den Medien beigemessen wird. Wenn es um den Zustand und die Zukunft der EU geht, dann lässt sich aus dem Verhalten Recep Tayyip Erdogans gegenüber derselben und einzelnen Mitgliedstaaten sehr viel mehr ablesen.

Doch noch einmal sei betont: Das Verhalten des türkischen Präsidenten und seiner Minister ist nichts weiter als ein Symptom der tiefen Probleme und Krise der EU und nicht deren Ursache. Ihm wirksam zu begegnen ist wichtig, um sich nicht restlos der Lächerlichkeit preiszugeben. Aber eine entscheidende Lösung für die EU ist das nicht und das sollte bei Wahlen nicht übersehen werden. Leider scheinen Wähler nur die Wahl zwischen den bisher verantwortlichen Gestaltern der EU und jenen zu haben, die sie nicht wollen. Das ist keine echte Alternative.

Die EU muss sich auf den Prüfstand stellen. Der Fall „Erdogan“ stellt eine neue Eskalationsstufe der Krise der EU dar und könnte dies bewirken – vielleicht. Und vor allem muss die bereit sein, sich einer Generalüberholung zu unterziehen. Das schließt an vorderster Front die europäischen Institutionen und personelle Fragen mit ein. Einstweilen sind die Weichen allerdings gestellt und die Richtung, in die sich die EU bewegt klar: abwärts.

Die Frage, die auch nach der Wahl in den Niederlanden unbeantwortet bleiben wird, ist: Welche Köpfe – auf europäischer und nationalstaatlicher Ebene – und welche Parteien können und wollen eine solche Überprüfung und Generalüberholung der EU in die Wege leiten und bewerkstelligen?

Das Problem: Der EU läuft die Zeit davon.

In diesem Problem sind die Europäische Union und Großbritannien ironischerweise wiederum vereint: Beide drohen auseinanderzubrechen! (4) (5)

von Stefan L. Eichner
Kontakt: info.sle@web.de

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56 KommentareKommentieren

  • M.E. - 15. März 2017

    Erdogan bettelt geradezu:
    “Liebe Europäer, bitte tragt die Milliarden von Tourismus-Euro nicht zu uns in die Türkei, sondern in andere Länder.”
    Na, das machen wir doch gerne, lieber Recep Tayyip.
    Und schwäche ruhig weiter Deine Verwaltung mit Säuberungswellen, schicke weiter Deine von Dir selbst geschwächten Truppen in sauteure Kriegsabenteuer nach Syrien und in die Osttürkei, schmeiße weiter das nicht vorhandene Geld für Mammutprojekte wie den Istanbuler Giga-Flughafen raus, kurbele die Kapitalflucht aus der Türkei an und sorge für einen fortgesetzten Rückgang von Auslandsinvestitionen in der Türkei.
    Mal sehen, ob Dir auch in 3 Jahren noch 50% Deiner Bevölkerung so frenetisch zujubeln.

    Eigentlich kann sich die EU ganz entspannt zurücklehnen und in Ruhe dabei zuschauen, wie Erdogan sein Land wirtschaftlich zur Sau macht. Lasst ihn toben, den kleinen Derwisch.

    • Systemfrager - 15. März 2017

      Du sprichst mir aus der Seele. Ich bin auch so wütend, verärgert … immer noch kann ich es nicht fassen. Was für Trottel und Idioten mussten die Putschisten sein, die wir mit unseren edlen und uneigennützigen Absichten ausgebildet und geschickt haben den Sultan und Diktator zu beseitigen. Jetzt wird das türkische Volk eine lange Zeit leiden.

      Warum ist der westliche Putsch in Türkei nicht so wundervoll gelaufen wie in Ukraine? Dort haben unsere Jungs die ganze Arbeit gemacht. Jetzt sind die Ukrainer ein glückliches Volk. Endlich haben sie Demokratie (man darf die Russen und Gewerkschaftler verbrennen), freie Parteienbildung (für Faschisten … jedoch nicht für die Linken, Kommunisten und russisch sympathisierten Parteien), Redefreiheit (wenn man natürlich gegen die Russen hetzt), es gibt kein babylonisches Sprachchaos mehr (Russisch verboten), die Investitionen aus Ausland strömen ins Land (dh, alles wird an Ausländern zum Schleuderpreis weggegeben), ein Wirtschaftswunder steht vor der Tür (naja, vorübergehend ist die Wirtschaft in dem freien Fall), usw. usw. Wo man nur blinkt, überall nur unfassbares Optimismus und Hoffnung. Von einem solchen Segen konnten die Ukrainer vor kurzer Zeit nicht einmal träumen. Und wir Westler konnten unter Beweis stellen, wie wir mit allen auf der Welt nur gut meinen, wie großartig unsere Menschenrechte und Werte sind.

      • M.E. - 15. März 2017

        Ach, sorry,
        ich hatte das Thema verfehlt. Hier geht´s also um die Ukraine.
        Und ich Dummerchen hatte beim flüchtigen Lesen schon gedacht, die Türkei wäre das Thema.

    • Klaus - 16. März 2017

      🙂 Teile die Einschätzung zur Türkei.

  • Olaf23 - 15. März 2017

    Öhm, ist Erdogan irgendwie durch illegale Machtergreifung oder sowas ans Ruder gekommen oder wurde er gewählt? Ich verfolge das nicht in allen Details, aber meines Wissens nach wurde er sauber gewählt.
    Und wo ist dann bitte sehr das Problem, wenn seine Partei Wahlkampf bei den deutschen Türken veranstaltet? Solange die Themen auf die Türkei begrenzt bleiben, sehe ich nicht wo da der Schaden sein sollte. Und selbst wenn: Ist Demokratie nur dann gut, wenn sie von den Richtigen betrieben wird?
    Schon mal was von Selbstbestimmungsrecht der Völker gehört? Wenn die Türken sich eine Diktatur wählen, dann ist das deren Ding. Punkt!
    Und diese ganze Eskalationsscheisse mit Auftrittsverboten, Einreiseverboten und der damit verbunden verbalten Aufrüstung hat noch die was gutes hervorgebracht. Aber sowas scheint ja momentan auf allen Seiten im Trend zu sein. Hat schon mal vor 100 Jahren ein ganz prächtiges Ergebnis hervorgebracht…

    • M.E. - 15. März 2017

      Völlig richtig, Olaf.
      Erdogan hat etwas mehr als 50% der Bevölkerung hinter sich, teils auf geradezu ekstatische Weise.
      Mehr noch: in den ersten Jahren seiner Regierungszeit hat er für das Land viel Positives bewirkt. Er hat die gefährlich starke Rolle der Armee-Generalität gebrochen (was nach den Putschen der Vergangenheit bitter nötig war), hat die Wirtschaft in Gang gebracht, die durch korrupte kemalistische Elite nicht richtig von der Stelle kam, hat einen Verständigungsprozess mit den Kurden eingeleitet, sozialpolitisch viele Dinge richtig gemacht usw.
      Dass er dabei auch einen milden islamistischen Kurs einschlug, ist demgegenüber relativ egal. Schließlich entsprach ja sein Islamisierungskurs dem subjektiven Bedürfnis insbesondere der ländlichen Bevölkerung. Bis auf den Fakt, dass er damals mit der mit der undurchsichtigen Gülen-Bewegung paktierte und diese nach Kräften unterstützte.
      Etwa ab 2009 begann dann seine Persönlichkeit und Politik sich zu verändern. Er beschleunigte seinen Islamisierungskurs, ging zunehmend repressiv gegen politische Oppositionelle vor (übrigens auch innerhalb der AKP), ließ die zunächst friedlichen Proteste 2013 brutal bekämpfen, duldete die Versorgung des sich gründenden islamischen Staates mit personellen und versorgungstechnischen Transfers über das türkische Territorium (man konnte angesichts dessen schon von aktiver Unterstützung sprechen), verstieg sich immer mehr in Machtphantasien (was z.B. in seinem gigantomanischen Präsidentenpalast zum Ausdruck kam), beendete die schon recht erfolgreich fortgeschrittene Aussöhnung mit den Kurden und führt seitdem einen brutalen Krieg gegen 14% der türkischen Bevölkerung.
      Auch die nichtkurdische türkische Bevölkerung spaltet er immer weiter, nach dem Motto “Teile und herrsche”. Absolut kontraproduktiv im Sinne des türkischen Staates und der Nation.
      Und mit seinem jetzigen Kurs wird er die wirtschaftlichen und sozialen Erfolge seiner Anfangszeit wohl wieder zunichte machen. Außenpolitisch fährt er einen irrationalen Schlingerkurs. Erst verscherzt er es sich mit den Russen, danach versucht er das Zerwürfnis wieder halbwegs erfolgreich zu kitten.
      In Syrien nahm er Partei gegen Assad (bis heute ist er also auf der Gegenpartei der Russen), gegen die Kurden, die gegen Assad kämpfen, jetzt auch verschärft gegen den islamischen Staat. Und auf dieser multigegnerischen Basis treibt er nun seine Armee in ein militärisches Abenteuer in Syrien.
      Und nun verdirbt er es sich mit den Europäern, die immerhin 44% des türkischen Außenhandels abwickeln (Russland 2%!) und einen noch höheren Anteil des für die Türkei extrem wichtigen Tourismus-Geschäfts.
      Außerdem war die türkische Konjunktur zuletzt hauptsächlich durch den Bau-Boom getragen, der irgendwann zu Ende sein wird. Vermutlich schon bald.

      Erdogan wird wohl auch einen großen Teil seiner Anhängerschaft verlieren, wenn er durch seine Impulsivität und teilweise Irrationalität seine anfänglichen Erfolge wieder zunichte macht.
      Auch gewählte Regierungen können also enormen Schaden anrichten. Was man sehr anschaulich an den Konsequenzen der Wahl in Deutschland von 5.3.1933 erkennen kann. Dagegen ist natürlich Erdogan geradezu eine Sektion der Heilsarmee.
      Übrigens gibt es keine internationale oder rechtliche Verpflichtung europäischer Staaten, Wahlkampf anderer Länder auf ihren Territorien zuzulassen. Es ist eine wohlmeinende Geste, wenn dies zugelassen wird.
      Ich bin übrigens auch der Meinung, dass sowohl Erdogan und Demirtas als Vertreter großer türkischer Parteien in Deutschland Wahlkampf machen dürfen. Als gute Geste gegenüber den fast 3 Millionen türkischstämmigen Mitbürgern.
      Zu dumm, dass der eine von beiden im Gefängnis sitzt. Ohne ordentliches Gerichtsverfahren.

      • Olaf23 - 15. März 2017

        Das ist durchaus alles sehr interessant, aber das kannst du eigentlich alles weglassen, weil es tatsächlich eine Angelegenheit des türkischen Volkes ist und ergänzend muss man anerkennen, dass dieser Zustand auf demokratischem Wege zu Stande kam.
        Und auch wenn man die ganze Politik Erdogans scheisse findet, was ja durchaus nachvollziehbar ist, so halte ich eine Eskalation der Konfrontation für idiotisch. Dadurch gewinnt man niemals irgend etwas.
        Und das Argument erweitere ich auch gerne auf die Frage danach, ob man hier Wahlkampf der Türken zulassen sollte. Wenn das ganze friedlich abläuft, wo ist denn da das Problem für Deutschland? Die entscheiden ja nicht im geringsten darüber, dass in Deutschland irgendwas geändert werden soll, sondern in der Türkei. Wohingegen man durch Verbote die Stimmung nur noch mehr anheizt und faktisch nichts gewinnt, außer weitere Ressentiments….

        • Gundermann - 15. März 2017

          Warum sollten wir nachgeben? Um des lieben Friedens willen? Nein, türkischer Wahlkampf hat auf deutschem Boden nichts zu suchen. Kein Appeasement!

          • Olaf23 - 15. März 2017

            Kein Appeasement klingt erstmal gut, weil ist halt gegen Nazi und drittes Reich, aber das habe ich tatsächlich auch gar nicht gemeint. Alles was Erdogan auf internationaler Ebene tut geht uns alle an und da sollten wir auch entsprechend reagieren. Was die internen Angelegenheiten der Türkei anbelangt haben wir uns aber rauszuhalten. Das sieht das Völkerrecht tatsächlich auch genauso vor und angesichts der vielen vollkommen gescheiterten Regimechanges der USA ist es auch aufgrund der dadurch gewonnenen Erkenntnisse der beste Ansatz.

    • SLE - 15. März 2017

      Na ja, es geht in dem Aufsatz nicht allein um Erdogan und die Wahlkampfauftritte, sondern ganz besonders auch um das Bild, das die EU dabei und ganz allgemein abgibt. Außerdem gibt es auch – worauf ebenso M.E. hinweist, ein erst wenige Tage altes Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das besagt, es gibt kein Recht auf ausländische Wahlkampfauftritte (AZ. 2 BvR 483/17) und ob sie zugelassen werden oder nicht liegt im Ermessen der Bundesregierung.

      Herr Erdogan spaltet, wie ebenfallls M.E. bereits feststellte, sein Volk. Er führt Krieg gegen die Kurden, er verfolgt die Opposition und lässt seine politischen Gegner, Staatsbedienstete und Journalisten einsperren. Das alles ist hochexplosiv.

      Und Sie, Olaf23, meinen also, wir sollten uns diese explosive Stimmung importieren und von Erdogans Ministern in Deutschland weiter anheizen lassen? Soweit ich es in den Berichten der Presse gelesen habe, wurde die Bundesregierung u.a. auch auf solchen Wahlkampfauftritten in Deutschland beschimpft.

      Außerdem muss man anerkennen, dass die Bundesregierung diese Frage erstens selbst politisch entscheiden muss und es nicht auf die Kommunen abwälzen kann. Zweitens muss man natürlich den Gesamtkontext sehen, in dem sie steht. Und dazu gehört, dass Provokationen, verbale Entgleisungen und Drohungen im Verhältnis – ich sage es einmal vereinfachend – EU-Erdogan seit langem geschehen. Die EU hat immer nachgegeben und beschwichtigt. Ich sehe nicht, dass dies zu irgendeiner Veränderung auf türkischer Seite geführt hätte und im Rückblick auf die 30er Jahre gibt es eben auch das historische Beispiel dafür, dass Beschwichtigungspolitik zu nichts führt und vor allem Probleme nicht löst.

      Die Frage lässt sich aus meiner Sicht aber nicht objektiv entscheiden. Das Problem auf europäischer Seite sehe ich aber auch eher darin, dass gar nicht entschieden, sondern nur laviert wird. Und das wiederum ist symptomatisch für die EU und eine zentrale Ursache, warum sie in einer solch tiefen Krise steckt.

      Viele Grüße
      SLE

      • Gundermann - 15. März 2017

        So ist es. Die Appeasement-Politik der 30er Jahre hatte Deutschland seinerzeit Zeit gegeben, um sich auf den Krieg vorzubereiten. Einen zu allem Entschlossenen bringt man nicht durch Zugeständnisse von seinen Zielen ab, sondern nur durch energisches Handeln. Das haben die Allierten damals letztendlich auch erkannt und entsprechend gehandelt. Hätten sie es früher getan, wäre das Elend vielleicht geringer gewesen.
        Und was die Wahlkampfauftritte türkischer Politiker angeht: Die dürfen sie halten soviel sie wollen – in der Türkei! Die Holländer haben richtig gehandelt.

        • WDB - 16. März 2017

          Ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen und sagen, dass ähnlich wie die Apeasement-Politk gegenüber Hitler die Apeasementpolitik gegenüberErdogan einem Plan folgt.

          Zur Apeasementpolitik gegenüber Hitler:
          http://www.geolitico.de/2015/05/01/das-geld-das-hitler-ermoeglichte/
          http://www.geolitico.de/2017/03/07/hitler-als-spielzeug-der-briten/
          http://www.perseus.ch/wp-content/uploads/2012/02/Das-anglophile-Netzwerk.pdf
          https://lbz.rlp.de/fileadmin/lbz/Inhaltsverzeichnis/HT016022909.pdf

        • Georg Trappe - 16. März 2017

          https://www.amazon.de/Conjuring-Hitler-Britain-America-Third/dp/074532181X

          Die im Buch dargelegte Sichtweise muss man nicht unbedingt teilen, aber sie ist meiner Meinung nach ein interessanter Perspektivwechsel, der einem helfen kann, nicht nur vergangene Entwicklungen sondern auch aktuelle Entwicklungen kritisch, skeptisch hinterfragend in einem etwas anderen Licht zu sehen.

          Die Tuerkei hat acht Nachbarn. Mindestens drei davon (Iran, Irak, Syrien) sind Dank genialer US Politik/Interventionen in der Region als instabil zu bezeichnen. Soetwas kann einen Staatsmann schonmal an die Grenzen seiner Faehigkeiten bringen. Denn die Tuerkei sitzt buchstaeblich zwischen allen Stuehlen. Warum Erdogan sich und seinem Land in so einer Situation noch mehr Schwierigkeiten macht und den Ball nicht flach haelt, ist schwer einzuschaetzen. Ich vermute er kaempft mit aehnlichen Orientierungspoblemen, wie sie im Artikel fuer die EU und ihre Politiker aufgezeigt wurden.

          • Georg Trappe - 16. März 2017

            Vorbeugend und um Missverstaendnissen aus dem Weg zu gehen:
            Mackinder und seine Heartland Theorie sind keine Geschichtsverdrehungen oder Phantasien:
            https://de.wikipedia.org/wiki/Heartland-Theorie

            Vielmehr stellt derartiges Denken eine Tradition dar, die auch heute noch sehr aktiv gepflegt wird. Siehe z.B. Stratfor, Friedman. Welchen Einfluss solche Leute mit ihren Theorien und Analysen tatsaechlich haben bzw. hatten, ist nur schwer abzuschaetzen.
            Ich tendiere dazu, dass es wohl eher unterschaetzt wird.

          • SLE - 16. März 2017

            Hallo Herr Trappe,

            Herr Erdogan hat offensichtlich schon einen Plan, den er zielstrebig zu verwirklicenr trachtet und dazu gehört auch seine militärische Intervention in Syrien und im Irak. Auf die Schnelle habe ich dazu zwei Berichte gefunden, die das näher erläutern:

            http://www.spiegel.de/politik/ausland/tuerkei-recep-tayyip-erdogan-traeumt-vom-osmanischen-reich-a-1118342.html
            http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/tuerkei/erdogan-erhebt-anspruch-auf-irakisches-mossul-14504651.html

            Viele Grüße
            SLE

            • Georg Trappe - 17. März 2017

              Hallo Herr Dr. Eichner,

              ich zitiere mal aus dem SPON Artikel:
              “Das militärische Vorgehen der Türkei belegt, dass die Regierung in Ankara gewillt ist, ihre Interessen auch mit Gewalt durchzusetzen. Das Land hatte nach dem sogenannten Arabischen Frühling die Chance gewittert, zur Regionalmacht aufzusteigen und den Nahen und Mittleren Osten nach eigenen Interessen zu formen: mit starker sunnitischer Dominanz und Regierungen in allen Ländern, die Erdogan wohlgesonnen sind.

              Doch dieser Plan ging nicht auf. Vielmehr ist die Türkei mit allen Nachbarstaaten zerstritten, in Syrien dauert der Krieg seit Jahren an, der Irak ist faktisch zerfallen, in Ägypten wurde Mohammed Mursi weggeputscht – und die Türkei hat fast überall nichts zu melden. Immerhin im Nordirak hat sie sich mit der kurdischen Autonomieregierung arrangiert.”

              Das hoert sich fuer mich nach Unfaehigkeit einen Plan erfolgreich umzusetzen an.

              “Erdogan und seine Regierung suchen die Schuld für diese Lage nicht bei sich, sondern im Ausland. Fremde Mächte wollten demnach den Aufstieg der Türkei zur Regionalmacht verhindern, neideten ihr den wirtschaftlichen Schwung der vergangenen Jahre und wollten das Land am liebsten spalten. Der Putschversuch, so die landläufige Überzeugung, sei ein Teil dieses ausländischen Komplotts gegen die Türkei, da die Gülen-Bewegung, die nach Ansicht der Regierung dahinterstecke, vom Westen unterstützt werde. Der Coup, schreibt die regierungstreue Zeitung “Yeni Safak”, sei der “größte Versuch einer westlichen Besatzung seit den Kreuzzügen”.”

              Und wie das meistens so ist in dieser Liga, gibt es die eigene Unfaehigkeit nicht, sondern immer nur aeusssere und innere Feinde, die dem eigenen Genie ein Bein gestellt haben.

              “Erdogan und seine Regierung suchen die Schuld für diese Lage nicht bei sich, sondern im Ausland. Fremde Mächte wollten demnach den Aufstieg der Türkei zur Regionalmacht verhindern, neideten ihr den wirtschaftlichen Schwung der vergangenen Jahre und wollten das Land am liebsten spalten. Der Putschversuch, so die landläufige Überzeugung, sei ein Teil dieses ausländischen Komplotts gegen die Türkei, da die Gülen-Bewegung, die nach Ansicht der Regierung dahinterstecke, vom Westen unterstützt werde. Der Coup, schreibt die regierungstreue Zeitung “Yeni Safak”, sei der “größte Versuch einer westlichen Besatzung seit den Kreuzzügen”.”

              Erdogan ist aus meiner Sicht ein Mann, der mit der Situation in der er und sein Land ist, nicht mehr fertig wird und aus Angst davor von seinen Finanziers fallen gelassen zu werden, inzwischen wild um sich schlaegt. Die amerikanische Vorstellung die Tuerkei als Frontstaat einer US dominierten NATO und US hoerigen EU zu etablieren, funktioniert nicht, weil man z.B. in Deutschland die Tuerkei nicht in der EU haben will. Man muesste sie dann ja auch finanzieren.

              Viele Gruesse

              Georg Trappe

              • SLE - 17. März 2017

                Hallo Herr Trappe,

                um die Ausführungen in Ihrem letzten Absatz aufzugreifen funktioniert die amerikanische Vorstellung bezüglich der Türkei als NATO-Mitglied auch deswegen nicht, weil Russland und China sie bezüglich Syrien und Irak längst auf ihre Seite gezogen haben, sofern diese Asia-Times-Analyse zutreffend ist:

                http://www.atimes.com/article/iran-wrecked-economy-fund-war-syria/

                Im Übrigen haben Sie bezüglich der Politik des Erdogan-Regimes sicher recht. Paranoia ist in autokratischen Regimes nicht selten eine zentrale Determinante der Politik. Historische Beispiele gibt es dafür viele.

                Viele Grüße
                SLE

                • Georg Trappe - 18. März 2017

                  Vielen Dank fuer den Hinweis auf den interessanten Artikel der Asia Times.
                  Um den besser einordnen zu koennen, muss man wissen wer der Herausgeber ist:
                  https://en.wikipedia.org/wiki/Adam_Ciralsky
                  Und wer der Author ist:
                  https://en.wikipedia.org/wiki/David_P._Goldman

                  Es ist die Analyse eines Amerikaners der an anderer Stelle u.a. schrieb:

                  “We stumbled by national consensus into a strategic morass, from which there is no apparent exit, in the naïve belief that under every burka was a prospective American ready to emerge like a butterfly from a chrysalis.

                  But if large parts of the Muslim world reject what seemed to be an historic opportunity to create democratic governments and instead dissolve into a chaotic regime of permanent warfare, we might conclude that there really is something different about America—that our democracy is the product of a unique set of precedents, the melding of the idea of covenant brought here by radical Protestants, the traditions of Anglo-Saxon democracy, and the far-reaching wisdom of our founders. To present-day Americans, that is an unnerving thought. We do not wish upon ourselves that sort of responsibility. We eschew our debts to deep traditions. We want to reinvent ourselves at will, to shop for new identities, to play at the cultural cutting-edge.

                  What these events might teach us, rather, is that America really is exceptional and that there is no contradiction in cultivating our democracy at home while acting elsewhere in tough-minded pursuit of our security interests.”

                  http://www.tabletmag.com/jewish-news-and-politics/132459/dumb-and-dumber


                  Ich fasse das mal so zusammen:

                  Ups, wir waren naiv und haben einen Schlamasel angerichtet, aus dem es keinen schoenen Ausweg gibt. Nachher ist man immer schlauer, aber wir sind die Groessten!

                  Das Dumme ist, das passiert den Amerikanern seit Vietnam laufend.
                  Und sie lernen nichts daraus
                  U.a. mit der naiven Vorstellung, man koenne die Tuerkei im RuckZuck Verfahren in die EU integrieren, waehrend diese gerade die Folgen von massenhaft absorbierten triple A US Schrottpapieren verdaut. Das es erhebliche Widerstaende dagegen gibt, sich so auch noch die Finanzierung der Tuerkei und ihrer Rolle als Frontstaat per Eurobonds aufs Auge druecken zu lassen, versteht man inden USA nicht. Denn das sollten die Europaer aus amerikanischer Sicht schon aus Eigeninteresse tun, um sich gegen die Folgen des Desasters im Irak, Iran Syrien… abzuschirmen.

                  Allerdings zeigt der Artikel sehr schoen auf, in welchem Spannungsfeld von nicht ganz widerspruchsfreien Interessen die Tuerkei und Erdogan da agieren und warum Erdogan meiner Meinung nach vollkommen ueberfordert ist. Denn wie soll man sich da entscheiden. Welche Rolle will man spielen?
                  Ungeliebte Peripherie eines ins Wanken geratenen US Imperiums / einer zerfallenden EU oder Peripherie einer moeglichen, sich erst etablierenden und mit vielen Unsicherheiten behafteten russisch/chinesischen Allianz. Oder vielleicht dann doch lieber ein osmanisches Reich in alten Grenzen?

                  Viele Gruesse

                  Georg Trappe

                  • SLE - 18. März 2017

                    Hallo Herr Trappe,

                    vielen Dank für die Hinweise auf die Vita der Genannten und Ihre weitergehenden Überlegungen, die m.E. zum Verstehen der angesprochenen Thematik sehr beitragen.

                    Vor allem zwei wichtige Schlussfolgerungen aus den gesichteten Texten zeigen Sie m.E. auf – einmal direkt, zum anderen indirekt.

                    Erdogan, so verdeutlichen Sie, bewegt sich in einem geopolitischen Spannungsfeld mit so gut wie nichts in der Hand was ihn davor bewahren könnte, in diesem Spannungsfeld aufgerieben zu werden. In diesem Zusammenhang ist eine Meldung, die ich heute am Morgen im Radio hörte, ein weiterer relevanter Hinweis genau darauf. Ein deutscher Geheimdienst hat mitgeteilt, es gebe nach seiner Auffassung nichts, was die von Erdogan verfochtene These, sein politische Widersacher Gülen sei für den misslungenen Putschversuch in der Türkei verantwortlich, rechtfertige. Der türkische Geheimdienst habe ihn zwar davon zu überzeugen versucht, es aber nicht geschafft. Und das “Schachmatt” der Meldung war die Aussage dieses deutschen Dienstes, dass der Putschversuch nach seiner Einschätzung für Erdogan nur ein Vorwand für die Säuberungen gewesen sei.

                    Das ist nichts anderes als ein schwerer Schuss gegen Erdogan, der ihm drastisch vor Augen führt, dass er in Deutschland und möglicherweise eben auch darüber hinaus so gut wie keinen Rückhalt mehr hat.

                    Ihre zweite Schlussfolgerung impliziert eine wichtige Konsequenz in Bezug auf das, was vom neuen US-Präsidenten Donald Trump auf dem geopolitischen Parkett zu erwarten ist. Zwar hat er als Nationalen Sicherheitsberater mit Lieutenant General H. R. McMaster einen intelligenten und umsichtigen Mann geholt, der genau das, was sie als übliches Vorgehen der USA in Konflikten beschrieben haben, nicht will, nämlich, um es mit den Worten Trumps in Bezug auf den IS zusagen “to bomb Islamic State into oblivion”. (siehe dazu: http://www.reuters.com/article/us-usa-trump-mcmaster-idUSKBN1602Q5)

                    Aber es ist mehr als fraglich, ob sich McMaster als einsamer Rufer in der Wüste damit durchsetzen kann. Wenn man den Charakter Trumps, seine strikt nationalistische Tunnelsicht, sein “America first” und seine liberale unternehmerische, auf Gewinnerwirtschaftung abzielende Herangehensweise an absolut alles berücksichtigt, steht nach meiner Einschätzung im Gegenteil zu befürchten, dass er wie eine weltpolitische Dampfwalze über alles hinwegstampft und erst hinterher bemerkt, welchen Schaden er damit angerichtet hat. Fraglich ist gleichwohl, ob ihn das überhaupt interessiert. Jedenfalls deutet bereits jetzt vieles darauf hin, dass er in Nordkorea militärisch zuschlagen will.

                    Viele Grüße
                    SLE

                    • Georg Trappe - 19. März 2017

                      Hallo Herr Dr. Eichner,

                      Erdogan waere nicht der Erste, der sich zunaechst durch die USA ermutigt sieht, dann sein Blatt ueberreizt, um schlussendlich eiskalt fallen gelassen zu werden. Ich erinnere da nur an die Vorgaenge im Sommer 2008 beim tuerkischen Nachbarn Georgien. Der Hasadeur Saakaschwili hatte nur wenige Tage vor Ausbruch des Krieges Besuch von der damaligen US Aussenministerin Rice:
                      https://www.theguardian.com/world/2008/aug/15/georgia.russia
                      https://de.wikipedia.org/wiki/Kaukasuskrieg_2008
                      Was dann geschah ist Geschichte und wir koennen alle froh sein, dass sie fuer uns so glimpflich abgelaufen ist.

                      Zu den Entwicklungen in Bezug auf Nordkorea kann man sich nur die groessten Sorgen machen. Denn es sieht so aus, als wuerden die USA versuchen dem dortigen Regime endgueltig die letzte Luft abzuschnueren. Zumindest passieren merkwuerdige Dinge in den Lanedern, die noch diplomatische Beziehungen zum nordkoreanischen Regime unterhalten und damit diesem zumindest einen minimalen Zugang zu Dingen eroeffnen, die eben nur auf dem Weltmarkt erhaeltlich sind.

                      http://thediplomat.com/2017/03/whats-next-in-cambodia-north-korea-relations/
                      http://www.aljazeera.com/news/2017/03/anger-cambodia-50-year-debt-repaid-170313052712914.html

                      https://en.wikipedia.org/wiki/Malaysia%E2%80%93North_Korea_relations

                      Wobei man davon ausgehen kann, ich moechte den Hinweis auf die Quelle nicht hier platzieren, dass da noch mehr als “refined oil, natural rubber and palm oil” via Malaysia Richtung Nord Korea gehandelt wurde. Denn auch das dortige Regime moechte ja nicht wie in der Steinzeit leben.
                      Und damit steht natuerlich auch die Frage im Raum, ob King Jong-nam wirklich im Auftrag seines Halb-Bruders ermordet wurde oder ob da nicht ein Anlass geschaffen wurde, der Malaysa zwingt die Beziehungen zu Nord Korea abzubrechen.

                      Und was es bedeutet wenn man vom (internationalen) Zahlungsverkehr abgeschnitten wird, kann sich jeder vorstellen, der schonmal vor dem einzigen Geldautomaten weit und breit stand, der dann netterweise den Dienst verweigerte.

                      http://www.reuters.com/article/us-northkorea-banks-idUSKBN16N2SZ

                      Da wird meinem Eindruck nach das naechste Regime in die Verzweiflung getrieben, um es dann endgueltig stuerzen zu koennen bzw. um den grossen Knall auszuloesen, den man unbedingt braucht, um die Wahrheit ueber die tieferen Ursachen der Probleme, in denen man bis ueber beide Ohren steckt, unter Truemmern begraben zu koennen.

                      Die USA haben sich in ein Eck gepinselt aus dem es im gegebenen Setup kein Entrinnen gibt. Ein triple A Rating fuer Staatsanleihen eines Staates, der realwirtschaftlich so degeneriert ist, dass er nur noch durch eskalierende Leistungsbilanzdefizite, also durch eskalierende Kredite seiner Handels”partner” ueber Wasser gehalten werden kann ist nicht dauerhaft aufrecht zu erhalten.
                      Das pfeifen inzwischen die sogar die amerikanischen Spatzen von den Daechern:
                      http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/us-zinsen-die-fed-erhoeht-den-us-leitzins-und-macht-trump-das-leben-schwer-1.3420484
                      “Bryan Riley, Handelsexperte des Forschungsinstituts Heritage Foundation, schlug diese Woche schon scherzhaft vor, den Verkauf von US-Bonds an Ausländer künftig als Export zu titulieren. “Die Handelsbilanz wäre dann schnell ausgeglichen”, so der Ökonom.”

                      Der mit Abstand groesste Waehrungsmanipulator weltweit sind die USA. Der US$ und US Staatsanleihen sowie die meisten US Aktien sind vollkommen ueberbewertet.
                      Das weiss man in den USA auch seit einiger Zeit:

                      https://drive.google.com/file/d/0B02aBb5dN0EwRHRIekRCd1k3MFE/view?usp=sharing

                      “In contrast, a sharp plunge of the dollar is likely to occur if investors do not form
                      rational expectations about the dollar’s future path. If the dollar then depreciates at
                      a rate faster than foreign investors now expect, a dollar crisis becomes likely. The
                      rate of depreciation of the dollar that is rational to expect is the rate which is
                      consistent with avoiding the accumulation of an unsustainable level of U.S. external
                      debt.”

                      Man weiss nur nicht, wie man aus der Nummer heraus kommt, ohne den amerikanischen Traum bzw. “The American Way Of Living”, den man sich ja auf gar keinen Fall nehmen lassen will, und seine Grundlagen in Frage zu stellen.

                      Man will nicht wahrhaben, das das zentrale Fuehrungs- und Lenkungsinstrument, man koennte auch sagen Herrschafts- und Machtinstrument, nicht dauerhaft funktioniert. Man will nicht wahrhaben, dass dieses Instrument (der systematischen Ausbeutung der Vielen zu Gunsten Weniger), das ungeahnten Wohlstand (zunehmend nur fuer die oberen Etagen der Pyramide) hervorbringt, nicht dauerhaft tragfaehig ist. Bubble up for ever funktioniert nicht, aufgrund von Konzentrationsprozessen, die unweigerlich das Wachstum begleiten und in eine Erstarrung fuehren, die letztendlich den Untergang bedeutet. Aber da sind wir uns ja schon seit langem einig.

                      Einen hoffentlich schoenen Fruehlings Sonntag wuenscht

                      Georg Trappe

                    • SLE - 19. März 2017

                      Hallo Herr Trappe,

                      vielen Dank für die Hinweise. Zu Nordkorea ist zu bedenken, dass China unter gar keinen Umständen zulassen kann, dass die USA dort (militärisch) intervenieren und das Regime kollabiert, denn dann stehen die USA direkt an der Grenze Chinas. Was den Mord Kim Jong-nams´ anbelangt, so wäre durchaus denkbar, dass er, der unter dem Schutz Chinas in China lebte, als Ersatzmann für Kim Jong-un gehalten und deswegen – ebenso wie sein von Kim Jong-un hingerichteter Onkel Jang Song Thaek. Jang hatte ausgezeichnete Beziehungen zu Hu Jinta und den gemäßigten Modernisierern in China. Kim Jong-un hingegen stand so wie sein Vater auf der Seite der Shanghai-Gang (Jiang Zemin, Zhou Yongkang). Für mich sieht es ehr stark danach aus, dass Norkorea eine Rolle im innerparteilichen Machtkampf in China spielt. Die genauen Zusammenhänge sind unklar. Doch Probleme oder auch ein Kollaps Norkoreas würden für Chinas Staatschef Xi Jinping innerparteilich eine schwere, ihn belastende Hypothek darstellen.

                      Im Übrigen gibt es einen UN-Bericht, demzufolge Nordkorea keineswegs so abgeschnitten von den Waren-, Waffen- und Kapitalstörmen ist wie es scheint.

                      http://www.reuters.com/article/us-northkorea-malaysia-arms-insight-idUSKBN1650YE
                      http://www.reuters.com/article/us-northkorea-sanctions-un-idUSKBN164043?il=0

                      Viele Grüße
                      SLE

                    • Georg Trappe - 19. März 2017

                      Meine Antwort muss noch freigeschaltet werden, wahrscheinlich wegen zahlreicher Links zu weiterfuehrenden Artikeln:

                      Hier noch der Link zum Rice Besuch vor! dem Kriegsausbruch in Georgien:
                      https://2001-2009.state.gov/secretary/rm/2008/07/106912.htm

                    • Georg Trappe - 20. März 2017

                      Hallo Herr Dr. Eichner,

                      China wird Nord Korea nicht aufgeben und der Gedanke, das China eine Alternative zu Kim Jong-un aufbauen wollte, ist hoch interessant. Wer da moeglicherweise welche Strippen in China zieht, ist fuer mich vollkommen undurchsichtig. Daher vielen Dank fuer Ihre Hinweise.

                      Malaysia war bisher fuer Nord Korea sehr wichtig. Dieses Schlupfloch durch einen Mord am Halb Bruder zu gefaehrden und die Tat so dilletantisch an einem Flughafen Checkin ausfuehren zu lassen, das seine Leute bei der Tat auf Kameras zu erkennen sind, erscheint mir eine Geschichte zu sein, die mehr als ein Fragezeichen verdient. Insbesondere dann, wenn das Ganze von einer Reihe weiterer “Merkwuerdigkeiten” nicht nur in Sued Ost Asien begleitet ist.

                      http://www.japantimes.co.jp/news/2017/03/19/asia-pacific/toxic-mystery-behind-kim-jong-nams-assassination/

                      http://www.japantimes.co.jp/news/2017/03/19/national/amid-north-korea-threat-tillerson-hints-circumstances-evolve-japanese-nuclear-arsenal/

                      “The possibility of a nuclear-armed Japan has again been raised by the Trump administration, after U.S. Secretary of State Tillerson appeared to say in an interview ahead of his visit to Beijing that, with “all options on the table” regarding the North Korean threat, “circumstances could evolve” in terms of Tokyo acquiring atomic weapons.”

                      http://www.nst.com.my/news/2017/03/222210/germany-owes-nato-vast-sums-trump

                      “US President Donald Trump on Saturday accused Germany of owing “vast sums of money” to NATO, and said Berlin should pay Washington more for defense, a day after meeting Chancellor Angela Merkel.”

                      Auch so kann man ein eskalierendes Leistungsbilanzdefizit reduzieren. Mafiamethoden, Schutzgelderpressung.

                      http://community.zeit.de/user/georgt/beitrag/2011/03/20/nie-wieder-krieg-und-nukleare-teilhabe

                      Viele Gruesse

                      Georg Trappe

                    • SLE - 20. März 2017

                      Hallo Herr Trappe,

                      das ist nun eher eine Unterhaltung zwischen uns beiden und abseits des eigentlichen Themas, aber ich denke auch, dass sowohl die Reaktion von Malysia als auch die von China auf die Ermordung von Kim Jong-nam außergewöhnlich heftig gewesen und nicht ohne Weiters aus dem abgeletet werden kann, was über Kims´ Halbbruder bekannt war. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass er politisch interessiert und vor allem ambitioniert gewesen sein könnte. Gleichwohl war er auf der Seite seines hingerichteten und absolut politisch ambitionierten Onkels Jang.

                      Es hat schon den Anschein, dass es im politischen und militärischen Gefüge in dieser Region rumort und Nordkorea ein zentraler Aspekt des Ganzen ist. Für die USA wäre es in Bezug auf seine China-Politik, die von Beijing immer wieder als eine Containment-Politik kritisert wurde, und hinsichtlich der Stellung in der ganzen Region gewiss höchst interessant, wenn Nordkorea fiele. Denn dann stünden sie direkt vor der Tür Chinas und das will China verhindern. Nordkorea ist ein wichtiger startegischer Puffer. Das ist ein wichtiger Grund, warum eine militärische Intervention der USA sehr gefährlich wäre. Ein weiterer sind Einschätzungen von US- und südkoreanischen Geheimdiensten bezüglich des norkoreanischen Raketenarsenals. Das ist offenbar gefärhrlich groß und so sind laut entsprechenden Berichten Gegenschläge nicht auszuschließen.

                      http://www.atimes.com/article/chinas-road-to-peace-on-korean-peninsula/

                      Die Regierung in Beijing hat also vollkommen recht, wenn sie die USA vor einer militärischen Frotalzusammenstoß mit Nordkorea warnt, der Chaos in Norkorea und ein Desaster für China bedeuten würde.

                      Viele Grüße
                      SLE

                    • Georg Trappe - 20. März 2017

                      Hallo Herr Dr. Eichner,

                      ich finde Ihren Gedanken, dass Kim Jong-un soetwas wie der chinesische Erdogan ist, der gestuetzt wird, aber sein Blatt ueberreizt und damit zwischen die Stuehle geraet sehr interessant.
                      Es ist nicht unueblich in dieser Liga zwei oder mehr Eisen im Feuer zu halten, um ein Gegengewicht zu haben und den Gestuetzten unter Kontrolle zu halten. Kim Jong-nam waere dann soetwas wie ein Guelen gewesen. Ich gehe dem noch etwas nach.

                      Auf jeden Fall vielen Dank fuer die anregende Diskussion und die wie immer interessanten Hinweise.

                      Viele Gruesse

                      Georg Trappe

                    • Georg Trappe - 21. März 2017

                      Hier noch ein paar Hineise, die auf Bewegung im Machtgefuege in Asien schlessen laesst:

                      http://www.bangkokpost.com/news/general/1218273/prawit-welcomes-submarine-purchase-investigation

                      “Gen Prawit, also the defence minister, said the procurement of a Chinese Yuan Class S26T submarine was being done according to procedure and the budget earmarked for the scheme was vetted by the National Legislative Assembly (NLA).”

                      Vor drei Jahren:

                      http://www.defenseindustrydaily.com/thailands-new-second-hand-submarines-06817/

                      “The Thais remained interested, but international competition has emerged for the German boats, and the deal finally unraveled entirely.”

                      http://www.chinausfocus.com/foreign-policy/chinas-participation-in-cobra-gold-2014-a-golden-opportunity-for-the-united-states/

                      “Cobra Gold is not the only U.S.-led exercise that the Chinese will join for the first time this year. When news broke last year of China accepting the United States’ invitation to the 2014 iteration of the Rim of the Pacific (RIMPAC) exercise, scheduled to take place this summer, then-Secretary of Defense Leon Panetta expressed how China’s inclusion in RIMPAC would serve to further the U.S.’ goal of fostering a “healthy, stable, reliable, continuous and transparent” military-to-military relationship with the Chinese. ”

                      http://www.japantimes.co.jp/opinion/2017/02/10/commentary/world-commentary/cobra-gold-set-shift-order-southeast-asia/

                      “The U.S. hopes that Harris’ presence at Cobra Gold will help heal the rift with Thailand. The U.S. has been paying special attention to the warming of the Sino-Thai relationship and was starting to fear that it could affect the traditional ties it has with Bangkok. Already, Thailand and China have solidified their military ties on top of their friendly economic relations.”

                      Und auch in Japan widmet man dieser Entwicklung volle Aufmerksamkeit, weil das japanische Engagement in Thailand via Toyota, Isuzu, Honda, Panasonic etc. ganz erheblich ist.

                    • SLE - 21. März 2017

                      Hallo Herr Trappe;

                      vielen Dank für die Hinweise. Es gibt aus meiner Sicht nur noch einen Aspekt, den ich ergänzen möchte. Obama und Xi haben sich sehr für eine Verbesserung der Beziehungen eingesetzt. Das stimmt. Allerdings waren die Beziehungen und den Militärs beider Staaten zum Schluss eher auf Eiszeitniveau abgesackt.

                      Was Xi außenpolitisch und in der Öffentlichkeit präsentiert und glauben macht, dass ist eine Sache. Wie es wirklich aussieht, eine ganz andere. Die Konservativen in der Kommunistischen Partei Chinas haben immer eine starke Aversion gegenüber den USA und jeglicher Zusammenarbeit beider Länder gehabt. Das wid sich nach meiner Einschätzung auch nie ändern. Es ist schwer einzuschätzen, inwieweit es Xi angesichts des heftigen innerparteilichen Machtkampfes nicht zuletzt mit Hilfe seiner Anti-Korruptionskampagne wirklich gelungen ist, den Einfluss der Konservativen und ihre Dominanz in Chinas Militär und im Staatssicherheitsapparat, dre praktisch genauso groß ist, einzuschränken.

                      Was die Staatsmedien darüber berichten, ist nicht belastbar und beschönigt sehr wahrscheinlich das Bild zugunsten Xis. Wie es wirklich aussieht, wird man vielleicht eher im Herbst dieses Jahres abschätzen können, wenn auf dem Parteikongress der größte Teil des Ständigen Aussschusses und viele im Politbüro ausgetauscht werden.

                      Viele Grüße
                      SLE

      • Olaf23 - 15. März 2017

        Super Herr SLE, machen wir es halt förmlich. Ist für mich ein bisschen blöde, weil mein Account dummerweise nur den Vornahmen enthält und der ist auch noch echt. Fühle mich da ein wenig blossgestellt, weil ich da niemals Einfluss drauf hatte, aber was solls…

        Ich habe an keiner Stelle die rechtliche Lage angesprochen. Es ist mir ehrlich gesagt auch ziemlich egal ob die Türkei hier Wahlkampf machen darf oder nicht und wie irgend welche Gerichte das einschätzen. Ich dachte eigentlich auch, dass ich das so formuliert hatte.
        Ja, Erdogan spaltet. Da habe ich keinen Zweifel dran. Aber was ist denn bitte sehr darauf die Antwort? Sich auf sein Spiel einzulassen und durch eine Eskalation weiter zu spalten? Nichts anderes passiert hier gerade. Und es hat null Wert, denn kein Mensch wird dadurch irgendwie von irgendwas überzeugt.
        Sie haben daher vollkommen meine Argumentation missgedeutet, denn es geht mir in keinster Weise darum Partei zu ergreifen oder irgendwen moralisch über irgendwen anderen zu erheben, sondern darum, was das tatsächliche Verhalten bringt.
        Und ich stelle fest: Es bringt unter der Zielsetzung etwas zu verbessern null, wenn man eskaliert. Erdogan ist da, er ist demokratisch gewählt und er will das Land in eine Diktatur verwandeln. Das wird er wohl tatsächlich auch tun, aber wo meinen “wir” denn bitte noch irgendwas beeinflussen zu können, wenn wir nur auf Konfrontation gehen? Ja, auch unter Hitler konnte man wohl kaum noch was bewegen, aber direkt alle Verbindungen abzubrechen und den Gegner zum Teufel zu erklären hat ganz sicher nicht dazu beigetragen noch irgend was beeinflussen zu können. Man kann sich dann natürlich auf die Schulter klopfen, dass man die Moral auf seiner Seite hat, aber man nimmt sich damit den allerletzten Weg überhaupt noch irgendwas ändern zu können. Tut mir Leid, wenn ich das zu billig finde, denn dieses Ding mit der Moral halte ich tatsächlich auf internationaler Ebene für eine völlig verlogenen Scheiss. Und die gesamte “Realpolitik” auf internationale Ebene bestätigt mich tatsächich darin. Moral ist ein Scheinargument, um nationale Interessen in ein schönes Licht zu stellen. Das kaufe ich echt keinen ab, null!

        • SLE - 15. März 2017

          Das “Sie” benutze ich hier immer. Das ist für mich nichts weiter als ein Akt der Höflichkeit und daher selbstverständlich.

          Den moralischen Zeigefinger habe ich hier, soweit ich es erkennen kann, gar nicht erhoben und ich stimme mit Ihnen überein, dass er sehr oft nur ein Scheinargument ist bzw. kaschieren soll, das überzeugende Argumente fehlen.

          Sie haben allerdings sowohl in meinem Aufsatz als auch bei meiner Antwort auf Ihren und M.E.s´ Kommentar übersehen, dass es mir nicht in erster Linie darum geht, was infolge der Reaktion auf europäischer Ebene in der Türkei geschieht. Hier ist es zunächst ja auch so, dass Erdogan und seine AKP in Wahlen die notwendige Zustimmung erhalten haben und folglich von einer Mehrheit gewünscht oder toleriert wird, was Herr Erdogan macht.

          Vielmehr habe ich betont in den Blick genommen, inwieweit sich die EU damit selbst schadet, wenn sie das alles mit sich machen lässt.

          Wenn Sie der Auffassung sind, dass dieser biegsame, weiche Kurs unter dem Strich besser ist als ein härteres Vorgehen zu wählen, bei dem es selbstverständlich viele Abstufungen gibt, dann nehme ich das als ihre Meinung und die akzeptiere ich auch. Ich sehe es anders und habe dargelegt, warum.

          Viele Grüße
          SLE.

          • Olaf23 - 15. März 2017

            “biegsame, weiche Kurs” klingt arg nach Willfaehrigkeit.
            Ich denke generell: Man muss immer im Gespräch bleiben, auch dann wenn der andere eine komplett anderes Weltbild vertritt.
            Ich denke nicht, dass die EU generell ihre Beitrittsverhandlungen weiterführen muss. Es gibt wahrlich genug Gründe zu sagen, dass die Türkei nicht beitreten sollte. Andererseits halte ich die EU in ihrer jetzigen Form tatsächlich auch für einen riesen Scheisshaufen, der null den Menschen dient, sondern dem totalen Lobbyismus der Konzerne verfallen ist und aus der Perspektive kann ich nur sagen: Glückwunsch Türkei, wenn du dir das nicht antust!
            Ist halt dummerweise alles nicht simpel schwarz/weiss.

  • Olaf23 - 15. März 2017

    Ups, sorry für die vielen Fehler gerade zum Ende hin. Manchmal wäre eine Edit-Funktion hier echt wünschenswert.

  • Bubblegum - 15. März 2017

    @ alle

    wenn nur ansatzweise das stimmt, was RT meldet (https://deutsch.rt.com/europa/47675-merkels-geheime-fluechtlingsquoten-ohne-bruessel-eu/), dann verletzt dieses Subjekt aus Templin nicht nur ihren Amtseid.
    Dann muss auch festgestellt werden, dass sie im Auftrag einer fremden Macht unterwegs ist.
    Ziel: Zerstörung des christlich-abendländischen Kerns Deutschlands respektive Europas.
    Und dann steht Hoch-und Landesverrat im Raum.
    Zitat:
    “Ohne das EU-Parlament oder die Parlamente ihrer Länder zu konsultieren, handelten die drei Staatsoberhäupter aus, dass Deutschland und die Niederlande alljährlich hunderttausende Flüchtlinge aufzunehmen haben.”

    Besorgte Grüße
    Bubblegum

    • Olaf23 - 15. März 2017

      Hä? Was ist denn das für eine krumme Nummer? Der Artikel verweist auf einen SPON Artikel, der die Quelle soweit zurückverfolgt, dass man davon ausgehen kann, dass das irgendeine rechte Revolvergeschichte ist und der Spitnik Artikel widerspricht dem Ergebnis dieser Recherche auch nicht, spinnt dann aber die Geschichte fleissig weiter.
      Und das erzeugt bei dir Glaubwürdigkeit bzgl. der Geschichte?

    • Gundermann - 15. März 2017

      Sehe ich wie Olaf23, völliger Quark.

    • Klaus - 15. März 2017

      @Bubblegum:
      Eine sehr abenteuerliche Analyse. 🙂

      • Olaf23 - 15. März 2017

        Die habe ich ja bereits geliefert! 😛 jaja, ok… einfach mal bei SPON nachlesen. Das ist ja durchaus auch bei mir keine sehr gern genommene Quelle, aber deren Rechereche war da wohl echt mal ok und dann bewerte halt den Artikel von Sputnik noch mal neu. Die sagen da tatsächlich nicht, dass SPON falsch liegt, spinnen die Story aber fleissig weiter. Das ist -höflich formuliert- schon arg schräg.

      • Olaf23 - 15. März 2017

        Ups, sorry, habe das @ falsch gelesen und es als Gundermann gedeutet. Damit ergibt mein Posting dazu wenig Sinn. Sorry, Schlampigkeit von mir! :/

  • Isaac - 15. März 2017

    Ging es nicht um den kaum mehr zu unterbietenden schlechten Zustand des “Friedensnobelpreis”- projektlein EU ? Auflösen, abschaffen .zu reparieren gibt es da gar nichts mehr. Schon gar nicht mit der Angie und ihren Lakaien Junker, Holland, Tusk etc.

  • M.E. - 15. März 2017

    Die Türkei macht ernst: niederländische Kühe aus der Türkei ausgewiesen.

    http://www.n-tv.de/politik/Niederlande-Tuerkei-Streit-erreicht-Kuehe-article19748179.html

    Tja, mit solch schmerzhaften Strafmaßnahmen hatten die Niederländer wohl nicht gerechnet.
    Das Leben ist manchmal einfallsreicher, als jeder Satiriker.

    • Olaf23 - 15. März 2017

      ROTFL, das ist Satire, die kannst du dir gar nicht ausdenken. Göttlich! 😀

    • Gundermann - 16. März 2017

      Keine Sorge, für die Kühe gibt es ein Happy End: http://www.der-postillon.com/2017/03/erdo-rutti.html 😉
      (Es fällt wirklich immer schwerer, Satire, Fake News und echte Nachrichten zu unterscheiden. :-> )

  • Marja - 16. März 2017

    Die EU ist vor allem eine Wirtschaftsgemeinschaft und keine politische Gemeinschaft. Ich halte diese Diskussion für überzogen.

    Die Türkei ist wirtschaftlich ohne ständige Kapitalimporte tot. Ihr Außenhandel und ihr Tourismusgeschäft wird ganz wesentlich mit der EU geführt.

    Die Türkei beherbergt einige Millionen Flüchtlinge und grenzt an die größte humanitäre Katastrophe des 21. Jahrhunderts. Ich weiß nicht, warum Erdogan nun auf islami(sti)sch macht, aber die innenpolitische Lage dürfte auch nicht ganz einfach sein.

    Außenpolitisch ist der Putsch m. E. durch die CIA initiiert. Dann kommt die Bewaffnung und das militärische Training der Kurden hinzu, die die Türkei subjektiv auch bedrohlich erleben dürfte. Die Türkei ist ein Vielvölkerstaat ohne enge Staatsbindung vieler Gruppen, so dass mir studierte Türken schon vor Jahren berichteten, dass die Türkei unter erheblichen zentrifugalen Kräften leidet und eine autoritäre Zentralmacht “erforderlich” sei. Dass Erdogan nicht gerade für diplomatischen Ausgleich steht, ist offensichtlich. Seine Großmannssucht spiegelt einerseits den Wunsch großer Teile der türkischen Bevölkerung nach Führung und Sicherheit, andererseits verhindert sie konstruktive Konfliktlösungen.

    Aus Sicht der EU kann ich keinen Vorteil erkennen, nun die Türkei zu destabilisieren. Was ist die Alternative? Zumal Olaf zutreffend feststellt, dass er in der Türkei (noch?) getragen wird.

    Der Putsch gegen Erdogan hat den Zerfall der Wirtschaft noch verschärft. Erdogan wirkt völlig autodestruktiv. Er wird die Türkei wirtschaftlich über den Rand des Abgrunds führen. Vielleicht hofft er darauf, dass er aufgrund seiner strategischen Position gerettet wird. Ich sehe nur nicht wer das tun will und kann.

    Letztlich werden die innenpolitische Lage in der Türkei, die wirtschaftliche Destabilisierung und die zahlreichen Flüchtlinge die Flüchtlingsproblematik für die EU verschärfen. Das passt zur hier schon öfter vermuteten Vermutung, die Destabilisierung in Syrien und in Nordafrika (und nun in der Türkei) seien geplant, um die EU zu destabilisieren.

    Der Vergleich der Türkei mit der Lage in Deutschland 1930 halte ich auch nicht zutreffend. Die Diktatur in der Türkei ist vor allem nach innen gegen den inneren Bruch gerichtet. Erdogan wird weder die Griechen, die Syrer oder die Russen überfallen wollen und können.

    Mir stellt sich die Frage, wie man in Anbetracht der Brandherde im Süden und im Osten der EU tatsächlich sinnvoll mit der zu erwartenden Flüchtlingsentwicklung umgehen will. Auch der römische Limes hat nicht gegen den Wanderungsdruck aus dem kalten Norden standgehalten. Grenzen alleine werden nur mit massiven Einsatz von Menschen und Geld zu halten sein, wobei die südöstlichen Länder der EU selbst mit erheblichen inneren Problemen zu kämpfen haben.

    Ich sehe die Zurückhaltung der EU auch darin begründet, dass es wohl keine “gute Lösung” gibt. Eine abwartende Haltung ist sicherlich sinnvoller, als destruktiver Aktionismus.

  • Georg Trappe - 16. März 2017

    Zu Erdogan und der Tuerkei:

    2009: http://www.handelsblatt.com/politik/international/europa-reise-obama-verbeugt-sich-vor-der-tuerkei/3150684.html

    Zitat M.E.: “Erdogan hat etwas mehr als 50% der Bevölkerung hinter sich, teils auf geradezu ekstatische Weise.
    Mehr noch: in den ersten Jahren seiner Regierungszeit hat er für das Land viel Positives bewirkt. Er hat die gefährlich starke Rolle der Armee-Generalität gebrochen (was nach den Putschen der Vergangenheit bitter nötig war), hat die Wirtschaft in Gang gebracht, die durch korrupte kemalistische Elite nicht richtig von der Stelle kam, hat einen Verständigungsprozess mit den Kurden eingeleitet, sozialpolitisch viele Dinge richtig gemacht usw.”

    “Etwa ab 2009 begann dann seine Persönlichkeit und Politik sich zu verändern. Er beschleunigte seinen Islamisierungskurs, ging zunehmend repressiv gegen politische Oppositionelle vor (übrigens auch innerhalb der AKP), ließ die zunächst friedlichen Proteste 2013 brutal bekämpfen, duldete die Versorgung des sich gründenden islamischen Staates mit personellen und versorgungstechnischen Transfers über das türkische Territorium (man konnte angesichts dessen schon von aktiver Unterstützung sprechen), verstieg sich immer mehr in Machtphantasien (was z.B. in seinem gigantomanischen Präsidentenpalast zum Ausdruck kam), beendete die schon recht erfolgreich fortgeschrittene Aussöhnung mit den Kurden und führt seitdem einen brutalen Krieg gegen 14% der türkischen Bevölkerung.
    Auch die nichtkurdische türkische Bevölkerung spaltet er immer weiter, nach dem Motto “Teile und herrsche”. Absolut kontraproduktiv im Sinne des türkischen Staates und der Nation.”

    Gut beobachtet! Habe ich auch so in Erinnerung bzw. sehe ich auch so.

    Zitat Marja:
    “Die Türkei ist wirtschaftlich ohne ständige Kapitalimporte tot. Ihr Außenhandel und ihr Tourismusgeschäft wird ganz wesentlich mit der EU geführt.”

    Sehe ich auch so und ich kann mich noch an Zeiten erinnern, da wurde hier auf Querschuesse der zu einem erheblichen Teil von aussen finanzierte wirtschaftliche Aufstieg der Tuerkei (unter Erdogan) mit dem Niedergang in Griechenland verglichen (denen man die Kapitalimporte brutalst entzog).

    Aus amerikanischer Sicht ist die Tuerkei ein Frontstaat wie es zu Zeiten des kalten Krieges u.a. Deutschland, Japan und Sued Korea waren und in juengster Zeit. auch wieder werden. Nur scheint das “Erfolgsrezept”, das in Deutschland, Japan, Sued Korea fuer die USA jahrzehntelang wunderbar funktioniert hat, nicht nur dort an seine Grenzen zu stossen, sondern auch in anderen Laendern, wie z.B. der Tuerkei, nicht immer so zu funktionieren, wie man sich das vielleicht wuenscht. Da steigt der “Erfolg” schon mal der einen oder anderen politischen Gallionsfigur zu Kopf bzw. die nicht immer widerspruchsfreien Vorstellungen der strippenzieher hinter den politischen gallionsfiguren ueberfordern ganz einfach die politischen Faehigkeiten dieser Figuren.

    Es mag abwegig erscheinenen Erdogan und seine autokratischen Tendenzen mit Adenauer bzw. der Dauerregierung durch CDU/CSU zu vergleichen oder die Rolle der Liberlademokratischen Partei und der von ihr gestellten Premierminister in Japan vergleichend heran zu ziehen.
    Aber mir scheint das doch einen Gedanken wert zu sein, insbesondere dann, wenn man eine wesentliche Funktion der Politik in der Legitimationsbeschaffung fuer Interessen sieht, die nicht unbedingt mit den Interessen von Mehrheiten zusammenfallen.
    Aber vielleicht hat Erdogan auch nur begriffen, dass das Geschaeftsmodell seiner Strippenzieher/Finanziers seit 2007/08 auf etwas wackligen Beinen steht.
    Inzwischen pfeifen das ja mehr oder weniger verschluesselt die Spatzen von den Daechern:
    “Bryan Riley, Handelsexperte des Forschungsinstituts Heritage Foundation, schlug diese Woche schon scherzhaft vor, den Verkauf von US-Bonds an Ausländer künftig als Export zu titulieren. “Die Handelsbilanz wäre dann schnell ausgeglichen”, so der Ökonom.”
    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/us-zinsen-die-fed-erhoeht-den-us-leitzins-und-macht-trump-das-leben-schwer-1.3420484

    Und damit sind wir dann auch schon beim Zustand des Projekts Europa und der EU. Da ist wohl was durch den massenhaften Einkauf von triple A rated US Exportschlagern gegen die Wand gefahren worden. Von wem und ob absichtlich oder in Folge eines Betriebsunfalls wurde hier ja schon reichlich diskutiert. In jedem Fall scheint das Nettoergebnis, nach eingehender Beratung der Politik durch die Verantwortlichen auf Geburtstagsfeiern im Kanzleramt, zu sein, dass sich immer mehr Menschen fragen, ob eine EU etwas ist, was ihren Interessen dient oder nicht. Auf jeden Fall haben die fuer die Legitimationsbeschaffung zustaendigen Politiker es seit 2007/08 deutlich schwerer, Mehrheiten fuer ihre Politik zusammen zu bekommen, die immer offensichtlicher den Interessen einer Minderheit dient.
    Denn wenn das Medianeinkommen ueber Jahrzehnte stagniert waehrend das Durchschnittseinkommen waechst, wird es schwer mit Parolen wie “Wohlstand fuer Alle” durch zu kommen. Da hilft dann auch wirtschaftliche BILDung durch Wohlstandshuether und kluegste Professoren Deutschlands nur noch bedingt.
    Irgendwann begreift es der Duemmste, dass das “vernuenftige” “Guertel enger schnallen” bestenfalls nur die naechste noch groessere Superyacht fuer Bankster vom Stapel laufen laesst.
    Und dann reichen mehr oder weniger geschickt getarnte Luegen aka Wahlversprechen nicht mehr zur Legtimationsbeschaffung in einer Fassadendemokratie. Da muss dann auch schon mal ein europaeischer Parlamentspraesident aus Wuerselen, der wie George Soros fuer Eurobonds eintritt, wie ein Phoenix aus der Asche gepuscht werden.

    Fuer den zur Wahl aufgeforderten “Souveraen” sieht das dann so aus:

    https://drive.google.com/file/d/0B02aBb5dN0EweHpXSE5YRnFyQWM/view?usp=sharing

    Wen wundert es da, dass sich immer mehr abwenden bzw. auf alternative Kanaele umschalten, wo dann, Kohl sei Dank, u.a. soetwas geboten wird (in HD Qualitaet ;-).

    http://www.rtl.de/cms/sendungen/ich-bin-ein-star.html

  • Holly01 - 16. März 2017

    Hallo,
    Danke für diese interessante Diskussion.
    lg Holly

  • JL - 16. März 2017

    Die EU und die Türkei Erdogans schwimmen doch bildlich gesprochen im selben Fluß stromabwärts und kämpfen um ihr politisches Überleben.

    Die EU besteht (noch) aus 28 Staaten und hat fünf Beitrittskandidaten (Albanien, Mazedonien, Montenegro, Serbien und eben auch die Türkei). Jeder dieser Staaten hat eigene Interessen, politisch wie wirtschaftlich. Für Frankreich ist die Einflußnahme auf seine Ex- Kolonien nun mal wichtiger als zum Beispiel ein Problem das die Bulgaren haben. Die Polen orientieren sich politisch an die Amerikaner, in Prag und Budapest will man näher an Russland rücken und in Deutschland ist man orientierungslos, da nun mal die „Friedenstaube“ Obama abhandengekommen ist und kein Neocon nachrücken durfte.

    Hier braucht man sich nicht wundern, wenn alles im Stillstand versinkt, jeder seinen Laden selbst managet- soweit er das noch darf- und die EU zunehmend auch von außenpolitischen Interessen beeinflußt wird. Es gibt nicht einen EU- Staat, der die Außenpolitik der Europäischen Union loben könnte selbst wenn dieser es wollte- schlicht es gibt keine gemeinsame Außenpolitik der EU. Darüber rätseln braucht man auch nicht, man hat ja noch nicht mal mehr gemeinsame Regeln- also Grundlagen- an die man sich halten müßte. Wie versprochen so zerbrochen, daß ist der Grundsatz der EU. Der Trend zum Zurück zu den eigenen nationalen Wurzeln darf da wirklich nicht verwundern.

    Wie M.E. bereits andeutete schwenkte die Türkei unter Erdogan ab 2009 zunehmend vom bisher gelobten europäischen Kurs ab. Das hatte zwei wesentliche Gründe: Zum einen zog die Möhre (EU- Beitritt) nach einem halben Jahrhundert nicht mehr, zum anderen gab es mögliche neue Gestaltungsmöglichkeiten im Nahen Osten wo die türkische Regierung deutlich an Macht und Einfluß gewinnen wollte, nachdem die Amerikaner dauerhaftes Chaos geschaffen hatten.

    Pech für Erdogan war, daß die Amerikaner „seine“ Kurden in ein geeintes Kurdistan manövrieren wollten und er als Verlierer dagestanden hätte. Pech für Erdogan war auch, daß er den IS oder ISIS unterstützte was wiederum den Amis im Irak mißfiel und andererseits den Russen in Syrien. Damit dürfte Erdogan klar sein das er keinerlei politische „Freunde“ mehr hat und die Machtträume im Nahen Osten ausgeträumt sind. Die Türkei ist eben kein Machtfaktor mehr in der Region und wirtschaftlich trübt sich die Lage zunehmend ein, da braucht man eben kernige Worte um auch die zunehmend arbeitslosen Türken bei der Stange zu halten. Schließlich sind die anderen an allem schuld.

    Wenn beide, die EU wie die Türkei, nichts außer Mißerfolge vorzuweisen haben braucht man also Propaganda. Da kam die Politshow in den Niederlanden wohl zur rechten Zeit am rechten Ort. Jetzt sind die beiden Verlierer (EU/ Türkei)- zumindest vorerst- jeweils die größten Gewinner und der Rest streitet sich über dieses Spiel.

    Mit Mißerfolgen ist das aber so eine Sache an sich. Die „Helden“, welche den Stillstand und den politisch wie wirtschaftlichen Abgesang zu verantworten haben, werden sich sicher nicht selbst reformieren, hier wie dort. Stattdessen versucht man- fast schon im Gleichgang- eine mögliche Opposition und kritische Stimmen/ Mahner weitgehend zu unterdrücken. Dabei spielt es im Sinne einer echten Reformfähigkeit keine Rolle ob man einerseits weggesperrt oder andererseits in der rechte/ linke Ecke „kaltgestellt“ wird. Man versucht also beidseitig bestehende Strukturen zu erhalten statt diese zu ändern. Ergo wird es erst Veränderungen geben, wenn die bestehenden Machtstrukturen wegbrechen. Für die EU wäre dies die zunehmende Ignoranz gegenüber diesen Institutionen durch nationale Alleingänge. Für die Türkei ist zunehmender politisch-wirtschaftlicher und militärischer Druck von außen zu erwarten, der sich letztlich auch innenpolitisch aufbauen wird.

    Übrigens: Wahlauftritte türkischer Politiker im Ausland sind nach der türkischen Verfassung verboten. Macht aber nichts, auch in der EU wird dieser „Papierkram“ in verschiedenen Ländern zunehmend ignoriert oder zurechtgebogen/ uminterpretiert.

    Selbst da geht man Hand in Hand.

    Mit freundlichen Grüßen

    JL

  • bubblegum - 16. März 2017

    @Olaf23
    “Hä? Was ist denn das für eine krumme Nummer?”

    @ Gundermann
    “Sehe ich wie Olaf23, völliger Quark”

    @Klaus

    “Eine sehr abenteuerliche Analyse.”

    Hierzu nur folgende Anmerkungen:

    Ursprungsquelle dieser Behauptung ist das Buch des Journalisten Robin Alexander „Die Getriebenen“.
    Über den Journalisten ist mir nichts Negatives bekannt.
    Ein Dementi des Bundeskanzleramtes liegt bis heute nicht vor.

    Zu ekelhaften Rolle der Vereinigten Terror-und Folterstaaten von Nordamerika
    zitiere ich hier mal Rudolf Steiner, der vor 100 Jahren das Nachfolgende gesagt hat, das an Aktualität absolut nichts eingebüßt hat:

    “Denn Amerikas Bestreben geht darauf hinaus, alles zu mechanisieren, alles in das Gebiet des reinen Naturalismus hineinzutreiben, Europas Kultur nach und nach vom Erdboden auszulöschen. Es kann nicht anders.”
    Rudolf Steiner, Vortrag vom 16. November 1917 in St. Gallen, in: Individuelle Geistwesen und ihr Wirken in der Seele des Menschen, 3. Auflage, Dornach 1980 (GA 178), S. 70 f. Schachfigur des Westens

    Dass zwei Tage bevor in Deutschland die Grenzen geöffnet wurden, Merkel fast 2 Stunden lang mit Obama telefonierte, ist ja inzwischen allgemein bekannt.
    Viele Grüße
    Bubblegum

  • Holly01 - 18. März 2017

    So, ich denke, ein “alternativer” Beitrag kann nun niemanden mehr verärgern oder den Thread abwürgen:

    Es ist allgemein bekannt, dass die Amis Jelzin und Schroeder über die Madison Ave. Propagandamaschine ins Amt gebracht haben.
    Die Russen bekamen dann aus dem (bereits von den USA komplett unterwanderten) russischen Geheimdienst Putin und sind ganz knapp an der kompletten Auflösung vorbeigeschrammt.
    Die Deutschen bekammen Angie, die erst den Bembel aus dem Amt gekegelt hat und danach das Schroederlein, der beim Irakkrieg wohl einfach nicht zuvorkommend genug war.

    Ich fasse zusammen: Zusammen mit den Autokratenregierungen in Spanien, Italien, Portugal und den gemachten Staatsspitzen europaweit, erkenne ich bei den USA keinerlei Kontrollverlust.
    Ich sehe nur eine “bad cop – good cop” Konstellation.
    Die Amis maschieren auf. In Osteuropa, in Südosteuropa, selbst in der deutschen Etappe, werden massiv sie Kräfte verstärkt, neue Waffe hingestellt und die Startlöcher gegraben.
    Im asiatischen Raum, im Nahen Osten und am Pol werden die Basen immer näher herangeführt an den “Feind”.

    Ist es denkbar, dass die Türkei da aussen vor ist?
    Ist es denkbar, dass der Militärputsch mehr war als eine PR Aktion?
    Sind diese Schlammschlachten der MM um diese “Flüchtlingskrise” mehr als nur Ablenkungen?
    Ist dieser betreute Terror mehr als ein Mittel zum Zweck?
    Hat die Totalüberwachung in der Türkei versagt?

    Es scheint Reibereien innerhalb der hegemonialen Militär-/Geheimdienstelite zu geben. Jedenfalls wird uns das von den MM nahe gelegt.
    Diese leaks sind jedenfalls Brandbeschleuniger in der öffentlichen Wahrnehmung. Mag sein die sind unerwünscht, es beschleunigt aber eben ungemein die Entwicklung.

    Kurzer Blick zu den harten Fakten:
    Die NATO ist in der Türkei fest installiert und das scheint nicht zur Disposition zu stehen.
    Die Waffenlieferungen (man spricht sogar von ganzen Fabriken) laufen weiter.
    Man droht mir minimalen Geldbeschränkungen, dei Milliarden laufen dagegen ungehindert weiter.
    Dieser EU Hickhack ist sowieso Asch, niemand wollte die Türkei ernsthaft in der EU haben, weiss der Teufel ob die Türken das selbst ernsthaft wollten.

    Ich denke in Bezug auf die Türkei, Erdogan ist ein US-Mann, sonst wäre der schon weg. Gelegenheiten zum kill gab und gibt es mehr als genug.
    Während alle auf die Präsidialdemokratie schimpfen die er aufbaut, hat Frankreich das längst und baut die EU alle Bürgerrechte ab.
    Erdogan schmeisst alle raus, die ihm und der AKP an Bein pinkeln. Ja das ist ungewöhnlich. Der “bad cop” schmeisst die “good cops” raus.
    Würde die Merkel wohl auch machen, aber der Kohl hat ja schon alle Verwaltungen und Wirtschaftsunternehmen “gereinigt”. Es gibt in Schland längst keine Opposition mehr.
    Das ist Friedhofsruhe. Wir haben sie, Erdogan möchte sie.
    Was da im Militär wirklich passiert, was der mit den Russen wirklich macht, das ist nicht erkennbar. Unsere Medien sind keine Informationsträger und die Deutschtürken wurden so weit isoliert, das man da auch nichts mehr hört, was brauchbar wäre.
    Klar ist nur, dass diese Doppelpropaganda aus der Türkei und aus Deutschland nicht kompatibel ist und das man dei Türken zwingen will, sich für eine “Wahrheitsblase” zu entscheiden.

    Wenn ich das ganze Theater mal wegschiebe und auf die reinen Kriegsvorbereitungen schaue:
    Das Umfeld des Schlachtfelds Europa ist bereitet. Alle staatlichen Faktoren in der Nachbarschaft sind weg oder massiv geschwächt.
    Das Militär hat die Hoheit über die Politik übernommen NATO > EU.
    Die Haushalte laufen auf Militarisierung raus.
    Die Gesellschaften sind hübsch radikalisiert.
    Den Menschen wird seit Jahren jedes Lebensglück abgesaugt und die Perspektivlosigkeit gepredigt gepaar mit dem überall hörbaren “es muss etwas passieren, es steht alles auf crash”.
    Die Leute sind moralisch entwurzelt, Geschichtlich desorientiert, familiär zerlegt und gesellschaftlich komplett orientierungslos.

    Zeit für Krieg …
    …. und in dem Zusammenhang sehe ich dann auch die Eurozerlegung, das EU-Ende, den Brexit, Trump, diese US-Marionette im Kanzleramt und diesen “Gegenkandidaten” dem ich den Druck auf den “Knopf” genauso zutrau wie der derzeitigen “ewigen” Kanzerin.
    Läuft für den Hegemon …… der Rest ist nur Theater für das “dumme” Volk, welches jeden Überblick verloren hat, was man vielleicht noch glauben kann oder soll.
    lg Holly

    • Holly01 - 18. März 2017

      Wenn sich erst alle einige sind, dass wir eine Lösung brauchen, wird diese Lösung eine “Endlösung” sein, der (wie immer letzte) große Befreiungsschlag, ein Krieg.
      Wir haben sowieso zu viele Menschen und die 1% werden die Bedrohung ihrer “Geburtsrechte” nach nur 70 Jahren nicht noch einmal riskieren.
      Nein dieses mal wird man das ganze anders absichern.
      Scheiss auf Demokratie.
      Scheiss auf “Rechte” und Recht.
      Multinationale Rechteinhaber, die den Menschen alle Ressourcen verwalten und vorrechnen, keine Steuern zahlen, unangreifbar sind und keine Verantwortung haben, nur Verträge, das ist die Zukunft.
      Einkaufen? Ja klar, aber nur mit einem Handy das dich komplett überwacht, mit einer App die “dein” Geld komplett verwaltet und einen “Job” der dich nicht ernährt, damit du garnicht erst überlegst, ob sich das lohnt.
      Und wer das Hamsterrad nicht kräftig genug dreht, der wird einfach keinen Vertrag bekommen.
      Aus die Maus.
      Ihr seit nicht die Besitzer der Handys, ihr seit die Ware …..
      lg Holly

      • Holly01 - 18. März 2017

        Wir sind nicht in der Gegenaufklärung, wir sind in der Entmenschlichung……

    • Holly01 - 19. März 2017

      Na, nun ist es wenigstens offiziell.
      Erdogan hat seinem Trauzeugen Rütte bei der Wahl mit ein wenig Propagandavoodo geholfen.
      Alles nur show.
      Die sitzen so tief im Sattel, dass die das auch ganz offen darüber reden können.
      Apropos, Kambodscha hat die USA an die Kriegsschäden erinnert. Dazu die USA:
      Ah, gut das Ihr das ansprecht. Wir bekommen noch 500Mio. für die verbrauchte Munition, die wir für diese Rettungsaktion gegen den Kommunisten verbraucht haben.
      Und Kambodscha steht da in einer langen Reihe.
      Die NATO soll mal eben alle Kriegskosten übernehmen. Die “Verbündeten” aka Vasallen schulden den USA natürlich alle Zahlungen zwischen den abgesprochenen (kicher) 2% und den tatsächlichen Verteidigungsleistungen.
      Zusätzlich zu den Kriegskosten natürlich.

      Die USA haben gar keine Schulden. Das ist nur das Ergebniss der US-Grosszügigkeit. Das sind Aussenstände die den USA gehören und die noch nicht gefordert wurden.

      Tja … Zahltag …..

      • Holly01 - 19. März 2017

        Es ist das Hegemonialsystem .. Dummkopf ….

        • Holly01 - 19. März 2017

          Ich weiss gar nicht, ob wir uns neben den ganzen commands und Ramstein und Leipzig noch 4000 zusätzliche US-Soldaten in der Heide leisten können …
          Aber können wir wählen?
          Nein, können wir natürlich nicht …
          lg Holly

          • Holly01 - 19. März 2017

            Welche Spinner haben 2014 die neue “Verantwortung” für Deutschland definiert haben, auf der Münchner Unsicherheitskonferenz?
            Die Namen sollte man sich merken.
            Die Kommen noch ganz groß raus.

            Ich schätze die Uschi wird doch noch Kanzlerin.
            Steini Präsi, Uschi Kanzlerin, da kann Deutschland ja nichts mehr passieren.

            Demokratie? Ja aber im altgriechischen Sinn. Also als Republik mit etwas populistischem Anstrich.
            Republik heisst aber nun einmal – Elitenherrschaft – und das bedeutet, Hegemonialsystem ..
            Ihr schaut in die falsche Richtung, da spielt die Musik:

            80-20 ist eine Ressourcen Reaktion. 80% müssen abgehangen werden, damit die 20% keinen Mangel erleiden müssen.
            Ob die 80% überleben oder verrecken ist sowieso egal.
            lg Holly

  • Ursel - 19. März 2017

    Hallo Holly01,
    zum verlinkten YouTube Video:
    ich schätze Prof. Lesch sehr. In Astronomischen Themen ist er zweifelsfrei kompetent und es gibt wohl Keinen der die komplizierten Sachverhalte so gut erklären kann wie er.
    Aber Herr Lesch ist weder ein Klimaforscher noch ein Landwirtschaftsexperte. Er moderiert diese Themen nur. Die Äußerung am Anfang des Videos, dass er vor “Konvertierten” gewisse Sachen nicht mehr erzählen muss erstaunt mich, offenbar handelt es sich um eine religiöse Weltanschauung :-\
    Dann spricht er von Flächenversiegelung durch die Landwirtschaft. Bisher dachte ich immer die Flächen würden durch Straßenbau, Städtebau oder Industrieansiedlung versiegelt. Aber ich kann mich ja täuschen…
    Offenbar, so scheint es beim weitersehen wäre ihm eine Landwirtschaft wie vor 100-200 Jahren lieber. Also inclusive der dadurch immer wieder vorkommenden Hungersnöte. Das verhunzen dieses Planeten ist seiner Ansicht nach der modernen Landwirtschaft geschuldet. Man kann die Hand, die einen füttert, sehr wohl beißen!
    Zum Klimawandel beschwört er sehr apokalyptische Szenarien herauf, die möglicherweise auch eintreten werden. Wir Menschen können jedoch erkannte Probleme ganz gut meistern. Interessant in diesem Zusammenhang ein Interview mit dem Klimaforscher Hans von Storch:

    http://swrmediathek.de/player.htm?show=6296f5d0-e91e-11e6-82fb-005056a10824
    (cooler Typ :-))

    Das Sachbuch “Kulturgeschichte des Klimas” von Wolfgang Behringer stellt eine gut zu lesende und sauber recherchierte Lektüre zum Thema Klima dar.

    Zur Lage der Landwirtschaft in Deutschland :

    http://blog.klausalfs.de/4233/deutschland-vor-dem-agrarende/

    Liebe Grüße
    Ursel

    • Holly01 - 20. März 2017

      Ich dachte halt, ich verlinke etwas verträgliches.

      Die Flucht der deutschen Mittelschicht, die immer noch meint, man habe den Bekanntenkreis, die Familie und eine Wohnungstür, da kann man hoffen, es ginge alles an einem vorbei.
      Da wollte ich nicht wirklich stören ….
      lg Holly

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