Wende-Wahlen Teil II: Griechenland und Frankreich wählen links

von am 17. Juni 2012 in Allgemein

Nick Malkoutzis von der griechischen Zeitung Ekathimerini hat auf der Basis der letzten veröffentlichten Umfragen am 1. Juni eine interessante Analyse der Veränderungen der Wählerstimmung in Griechenland in den letzten Wochen, das heißt seit der Wahl am 6. Mai, veröffentlicht. Sie ist insbesondere deswegen interessant, weil sie Erhellendes zum Wählerpotenzial der beiden führenden Parteien Nea Dimokratia und Syriza und damit zum Ausgang für die heutige Parlamentswahl in Griechenland zu Tage förderte. (1)

Zunächst einmal stellte er heraus, dass in den letzten Wochen die Zahl der Wähler, die für kleine Parteien ohne realistische Chancen auf den Einzug ins Parlament stimmen wollen, drastisch gesunken ist.

Das heißt, die aussichtsreichsten Parteien können darauf hoffen, heute Stimmen von jenen Griechen, die noch am 6. Mai Splitterparteien wählten, hinzuzugewinnen. Die Frage ist, welche der aktuell im Parlament vertretenen Parteien davon profitieren.

In den letzten veröffentlichten Umfragen Ende Mai kristallisierte sich bereits heraus, dass es nur wenige Gewinner zu geben scheint.

Einmal sind das die beiden Parteien, die sich heute angeblich ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern: die konservative Nea Dimokratia (ND) und das Linksbündnis Syriza. Darüber hinaus gibt es offensichtlich lediglich eine weitere Partei, deren Zustimmungswerte einen klaren positiven Trend aufweisen: die Demokratische Linke (Dimar) mit ihrem Spitzenkandidaten Fotis Kouvelis (63), der bereits in den – allerdings gescheiterten – Koalitionsverhandlungen nach der Wahl am 6. Mai eine zentrale Rolle gespielt und vor allem auch eine klare Koalitionsbereitschaft mit Syriza kommuniziert hatte. (2)

Alle anderen, im Parlament vertretenen Parteien, das heißt, die Unabhängigen Griechen (ANEL), die Kommunisten (K.K.E.) und die neo-faschistische Goldene Morgenröte (Chrysi Aygi) weisen bei den Zustimmungswerten einen negativen Trend auf, während die PASOK auf dem Niveau von um die 13 Prozent Zustimmung stagniert.

Bemerkenswert ist darüber hinaus erstens, dass die Zustimmungswerte der Demokratischen Linken (Dimar) nicht auf Kosten der Zustimmungswerte für Syriza gestiegen sind. (3)

Es kommt zweitens hinzu, dass sowohl Syriza als auch Dimar davon profitieren, dass gemäß der letzten Umfragen in den letzten Monaten die Zahl der Griechen, die eine linksgerichtete Politik befürworten, stark gestiegen ist. Noch Ende April waren es nur 39 Prozent der Befragten. Ende Mai war die Zahl derer, die eine linksgerichtete Politik unterstützen, auf 50 Prozent angestiegen.

Das heißt, Syriza und Dimar können aus einem Reservoir an Wählern Stimmen ziehen, das sich in den letzten Wochen stetig vergrößert hat. (4)

Im Gegensatz dazu hat sich in den letzten Wochen vor dem 1. Juni der Anteil der Wähler, die sich für eine rechtsgerichtete Politik aussprechen, nicht verändert. Er lag Ende Mai bei lediglich 28 Prozent. Das ist der Wählerpool, aus dem der konservative Parteichef der ND, Antonis Samaras Stimmen schöpfen kann.

Es kommt für die ND limitierend hinzu, dass Samaras in den zurückliegenden Wochen bereits alle Register gezogen hatte, um seine bei den Wahlen am 6. Mai erzielten Stimmenvorsprung vor Syriza zu halten und auszubauen. Er hat das ehemalige ND-Mitglied Dora Bakoyannis mit ihrer Partei „Demokratische Allianz“ ins Nea-Dimokratia-Boot geholt und ferner eine Reihe von Abgeordneten von den Unabhängigen Griechen (ANEL) und der orthodoxen Partei LAOS abgeworben.

Doch damit scheinen die Möglichkeiten der ND, Stimmen hinzuzugewinnen, weitestgehend erschöpft zu sein. Die Umfragewerte der ND lagen Ende Mai zwischen 23 bis 27 Prozent und damit nur unwesentlich unterhalb des rechtsgerichteten Wählerpotenzials (28 Prozent). (5)

Vor diesem Hintergrund wäre es eine Überraschung, sollte es Syriza und Dimar heute nicht zumindest gelingen, das in den letzten veröffentlichten Umfragen erreichte Zustimmungsniveau – 31,5 Prozent beziehungsweise 7,5 Prozent – auch bei der heutigen Parlamentswahl zu halten. Umgekehrt wäre es eine Überraschung, sollte die Nea Dimokratia bei den heutigen Wahlen ein Ergebnis oberhalb der Marke von 28 Prozent der Wählerstimmen einfahren können.

Wahlumfragen (Stand 1. Juni):

Quelle: ekathimerini.com (6)

Damit zeichnet sich Folgendes ab:

Die Griechen werden heute aller Voraussicht nach – ebenso wie die Franzosen bei der zweiten Runde der Wahlen zur Nationalversammlung – links wählen, mit Syriza und der Demokratischen Linken (Dimar)als Wahlgewinner.

Das ist dann von der Intention der Griechen her keine Entscheidung gegen den Euro. Es ist indes eindeutig eine Entscheidung gegen das von der Troika (EZB, EU-Kommission und IWF) forcierte Krisenkonzept und – wie auch in Frankreich – gegen den bisherigen, einseitig aufs Sparen fokussierten Krisenkurs, der in hohem Maße als der von Deutschland favorisierte Kurs angesehen wird.

Eine Abkehr vom bisherigen europäischen Krisenkurs ist, das lässt sich vielleicht auch jetzt schon, das heißt vor Bekanntgabe des Wahlergebnisses, sagen, sehr wahrscheinlich geworden. Es wäre ein längst fälliger Schritt.

Unglücklicherweise ist die Wahrscheinlichkeit, dass in Europa nun alles besser und richtig gemacht wird, damit noch nicht gestiegen. Denn das Repertoire der Krisenbekämpfung ist nach wie vor äußerst bescheiden. Geld verteilen und Lasten verteilen, das ist es, was bisher versucht wurde. Es sieht aktuell nicht danach aus, als hätte sich daran zwischenzeitlich etwas geändert.

So oder so brechen für die Regierung in Berlin nun endgültig harte Zeiten an – nicht nur europapolitisch. Denn die ohnehin in vielen Fragen zerstrittene Koalition könnte sich mit dem Scheitern der Abstimmung über das Betreuungsgeld im Bundestag am Freitag nun doch eine gefährliche Sollbruchstelle für die Zeit nach der parlamentarischen Sommerpause eingehandelt haben. Nachdem die Oppositionsparteien nun aber schon einmal dafür gesorgt haben, dass es eine solche gibt, dürfte klar sein, dass sie diese auch testen werden.

Wahl-Update:

Wahlauszählung des griechischen Innenministeriums

Quelle: Griechisches Innenministerium (7)

Fazit: Die Wählerstimmung hat sich offensichtlich nochmals gedreht – zugunsten der ND. Die ND hat zusammen mit der PASOK eine Mehrheit im Parlament (162 von 300 Sitzen). Doch Evangelos Venizelos, der Parteichef der PASOK hatte auch am Wahlabend nochmals gesagt, dass er einer Regierungskoalition ohne Syriza-Beteiligung nicht zustimmen würde. Damit sieht es für die ND erneut nach einer sehr schwierigen Regierungsbildung aus. Sollte es Antonis Samaras (ND) auch dieses Mal nicht gelingen, innerhalb der vorgesehenen Frist von drei Tagen eine Regierungskoalition zu formen, muss er den Auftrag an die zweitstärkste Partei weiterreichen, an Syriza. Deren Chef Alexis Tsipras hat jedoch schon heute Abend verlauten lassen, dass er den Auftrag zur Regierungsbildung nicht annehmen wird. Damit wäre die drittstärkste Partei, die PASOK wieder am Zug. Doch eine Regierungsbildung ist für die PASOK dieses Mal noch schwieriger als nach dem 6. Mai, sofern sie weiter auf einer Syriza-Beteiligung besteht.

Es sieht damit nicht nach einer raschen Lösung in Athen aus. Auch der PASOK ist der Mut verloren gegangen, uneingeschränkt zum Sanierungskonzept der Troika (EZB, EU-Kommission und IWF) zu stehen. Wenn Evangelos Venizelos es sich in der Nacht nicht doch noch anders überlegt und in eine Regierungskoalition mit der ND einwilligt, dann wird dieser Wahlausgang an den Märkten kaum Freude auslösen. Die Hängepartie geht weiter.

In Frankreich haben Präsident François Hollandes Sozialisten und ihre Bündnispartner nach der heutigen zweiten Runde der Parlamentswahlen in der Nationalversammlung mit rund 320 Mandaten die absolute Mehrheit, die bei 289 Sitzen liegt, errungen. Mehr als hundert Stimmen beträgt nun der Vorsprung vor der rechts-konservativen Opposition. (8)

von Stefan L. Eichner
Kontakt: eichner@web.de

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47 KommentareKommentieren

  • hunsrückbauer - 17. Juni 2012

    und?
    wer hält rotgrün für eine wirkliche alternative?
    das Parteienbündnis aus Spendenvergessern, Systemkonformisten, urheberrechtsverletzern würde lediglich durch ein Bündnis von linken und grünen Volksverrätern ersetzt werden, deren Kompetenzen sich ausschließlich im bewußten Versäumen von Gewährleistungsfristen (HRE, SPD) und Müllkosten (Dosenpfand, Grün) auszeichnen.

    Das soll eine Alternative sein?

    Entweder ganz weit links oder ganz weit rechts und das zu je 15 – 20 % das wäre endlich mal eine Richtungswahl.

    • Frank Bell - 17. Juni 2012

      rot-grün ist keine alternative

      Oder haben die Kommentatoren hier, die stets für die Linken sind, vergessen, dass uns Schröder den Hartz IV-Scheiss aufgedrückt hat?

      • Harald E - 18. Juni 2012

        1. Schröder links ??? ääähhh…nööö !

        2. Rot-grün hat Hartz4 nicht alleine verbrochen.
        Die wollte Hartz 2 aber der Bundesrat hatte schwarz-gelbe Mehrheit 😉

        Hartz2 wurde verschärft und als Hartz4 dann auch im Bundesrat durchgewunken.

        ..wobei 2 genauso Scheixx ist wie 4

        Das sagt ihnnen jemand, der ein paar hundert Meter vom Peter H. wohnt und mehr als einmal das Eingeständnis hören durfte, das er nach der 1. Revision schon seinen Namen hätte zurückziehen müssen.

        • Frank Bell - 18. Juni 2012

          Es ist gut, dass dieser Mist mit dem Namen einer Person vernküpft ist, die uns Menschen das Leben schwermachen und uns alle Ersparnisse rauben wollte. Die da oben können gut leben.

  • Solist - 17. Juni 2012

    Mh, also bei uns in BRD ist es ja so, daß ALLE etablierten Parteien (und leider nun sogar die Piraten) gegen das Volk arbeiten und daß in Übereinstimmung. Genauso gleichgeschaltet wie die Medien. Der “frische” Franzose namens Hollande… erinnert mich nicht nur an Käse, das ist Er auch. Ebenfalls eine gesteuerte Marionette. Wie ist es nun in Griechenland? Genauso? Wenn nicht, bzw. wenns dann nicht nach “Plan” laufen würde, könnte ja evt. noch Wahlfälschung oder nachträgliche Einflußnahme die politische Marschrichtung verändern.
    LEIDER werden wir ALLE so dermassen ge-arscht, daß man nichts ausschliessen kann. Gar nichts, wie auch die Praxis immer wieder gezeigt hat.
    Ich hoffe sehr, das Griechenland aus dem Euro aussteigen wird (und nicht nur Die, alle EU-Länder), zurück zu nationalen Währungen oder “Tauschmittel, in welcher Form auch immer… Aber nicht DASS was wir haben. Leider bin Pessimist, hoffe das es nicht so läuft, wie ich befürchte.

  • bauagent - 17. Juni 2012

    Nun ist ja der Ausgang im Prinzip bereits bekannt. Wer die 50 Sitze ( Bonus für den Gewinner, Demokratie läßt grüßen ) bekommt, war stets die einzige Wahl.

    Es war im Prinzip vorher bekannt, dass es nicht um eine neue Regierung geht, weil notwendige stabile Mehrheiten derzeit unmöglich sind.

    Spekulativ nehme ich an, dass sogar die ND ” hauchdünn ” 0,2-0,5 % vor Syriza liegen wird, damit Papadimos, der eigentlich auf gepackten Koffern saß, weil seine Freunde ihm in den USA eine lukrative Tätigkeit besorgten, den Laden in ” Notverordnung ” wieder übernimmt.

    So geht das im finanzkommunistischen Umfekd, da hat man auch aus Africa reichlich Erfahrung, wie Auszählungen funktionieren. Selbst in ” hoch entwickelten ” Ländern wie die USA, wurde George Bush in Florida ausgezählt.

  • Eric B. - 17. Juni 2012

    Scheinbar ist die Neo Demokratia doch stärker. Es wird wohl eine Zitterpartie. Doch egal, wer letzlich siegt: die Entscheidung über das Schicksal Griechenlands liegt nicht in Athen, sondern in Berlin, Brüssel, Frankfurt und Washington – also dort, wo die großen Gläubiger sitzen (Eurogruppe, EZB und IWF). Nicht Tsipras zieht die Fäden, sondern Merkel, Juncker, Draghi und Lagarde haben das letzte Wort. Die so genannten Euro-“Retter” könnten sich allerdings morgen schon als tragische Euro-Killer erweisen. http://lostineurope.posterous.com/lehman-20

  • Klaus Gettkant - 17. Juni 2012

    CNN meldet soeben den Sieg der Linken.. (ohne Gewähr)

  • Bernd Rickert - 17. Juni 2012

    Danke für den Artikel! Die Mainstream-Medien sind vergleichweise wirklich nicht mehr lesenswert.

  • ö.ä. - 17. Juni 2012

    “Griechenland-Wahl: Erste Ergebnis-Hochrechnung nach Altersgruppen, 18 bis 34 Jahre: SYRIZA 33%, ND 20%, 35 bis 54 Jahre: SYRIZA 34%, ND 24%; 55 und mehr Jahre: ND 39%, SYRIZA 20%
    vor 18 Min (19:07) – Echtzeitnachricht”

    Auf die Pasok sollen 10-20% der Stimmen entfallen sein, auf die Goldene Morgenröte 7,5%.

    Quelle: Jandaya

    • SLE - 17. Juni 2012

      Hallo ö.a.,

      das entspräche dem, was auch am 6. Mai bezüglich der Stimmverteilung nach Altersgruppen herauskam.

      Die ND war Anfang Mai nur in der Gruppe der über 55-jährigen stark – Syriza in allen anderen.

      Zudem war die ND nur in ländlichen Bezirken führend – die klassischerweise bei Wahlen auch immer die sind, von denen zuerst die Auszählungsergebnisse vorliegen. Aber die Wahl wird in Griechenlands großen Städten entschieden werden – und da war Syriza am 6. Mai überall führend.

      Noch ein Vergleich: Am 6. Mai hatte die ND in den ersten offiziellen Zwischenauszählungen des Innenministeriums 20,52 Prozent und Syriza 15,58 Prozent.

      Im amtlichen Endergebnis kam die ND doch nur auf 18,85, während die Syriza 16,78 Prozent erhielt.

      Es wird also gewiss erst sehr spät am Abend deutlich werden, wer wirklich vorne liegt.

      Grüße
      SLE

      • ö.ä. - 17. Juni 2012

        Hallo SLE,
        vielen Dank für die Erläuterung. D.h. es sieht äußerst günstig für Syriza aus (s. Lothars Kommentar), wenn man den beträchtlichen Stimmenzuwachs im Vergleich zu den ersten Hochrechnungen im Mai betrachtet.

        • SLE - 17. Juni 2012

          So gesehen , ja. Hier der Link zur Seite des griechischen Innenministeriums mit den im 5-Minuten-Takt aktualisierten Auszählungsergebnissen:

          http://ekloges.ypes.gr/v2012b/public/index.html?lang=en#{%22cls%22:%22main%22,%22params%22:{}}

          Meine Beobachtung bisher: ND und PASOK verlieren sukzessive, während Syriza, Dimar, Anel in den Auszählungsschritten immer wein wenig hinzugewinnen.

          Grüße
          SLE

  • lottchen - 17. Juni 2012

    ND knapp vorne meldet ZDF. Die Pasok verlangt anscheinend, dass selbst bei einem ND-Sieg die Syriza beteiligt wird, was die natürlich strikt ablehnt. Das gibt womöglich wieder eine Hängepartie.

  • titoslavija - 17. Juni 2012

    aktuell:
    ND: 30%
    syriza:28,4%

    am ende könnte die syriza vorne ligen, mithilfe der städte.

  • titoslavija - 17. Juni 2012

    enttäuschend, dass die hochkorrupte und menschenfeindliche ND so viele stimmen bekommt.

  • lottchen - 17. Juni 2012

    Sozialisten in Frankreich mit eigener Mehrheit: 291 Sitze und damit 2 mehr als benötigt. Linke Parteien zusammen 312 bis 319 Sitze.

  • bauagent - 17. Juni 2012

    Erstaunlich dass soviele hier glauben, dass die Stimmauszählung mit rechten Dingen zugeht.

    Nochmal.

    0,5 % Viorsprung für die ND sind locker drin. Selbst wenn keiner wählen ging.

  • Klaus Gettkant - 17. Juni 2012

    http://www.skai.gr/player/tvlive/

  • Lothar - 17. Juni 2012

    Vom Guardian Liveticker

    The Greece interior ministry has put New Democracy on 31.1% and Syriza on 25.4% after 15% of the votes counted. A caveat however – results are more likely skewed to the right because rural areas go first. Athens is likely to push this again towards the left.

  • Frank - 17. Juni 2012

    http://ekloges.ypes.gr/v2012b/public/index.html?lang=en#{%22cls%22:%22level%22,%22params%22:{%22level%22:%22epik%22,%22id%22:1}}

    http://ekloges.ypes.gr

    Es führt bisher recht deutlich die Neo Demokratia (nach 40% Stimmenauszählung)

  • Lothar - 17. Juni 2012

    Unglaublich das ND wirklich wieder fast die alte Staerke als Volkspartei (>30%) haben soll.

    • SLE - 17. Juni 2012

      Ja, es ist auch interessant, dass sich Samaras bereits jetzt zum Wahlsieger ausgerufen hat.

      Grüße
      SLE

      • lottchen - 17. Juni 2012

        Wie ist das mit Wahlbeobachtern geregelt in Griechenland?

        • SLE - 17. Juni 2012

          Das weiß ich leider nicht. Was ich bemerkenswert finde, ist, dass der Pasok-Chef Evangelos Venizelos eben eine Regierung ohne Syriza-Beteiligung abgelehnt hat, obwohl es – nach den letzten Hochrechnungen für eine Regierungskoalition von ND und Pasok reichen würde (161 Sitze).

          Grüße
          SLE

          • lottchen - 17. Juni 2012

            Ja, das hat die PASOK vor der Wahl schon gesagt. Ich habe mich auch schon letztes Mal gefragt, warum sie unbedingt die Syriza in der Regierung haben wollten. Es hätte letztes Mal schon ohne die gereicht.

            Es geht, wie es in den Tagesthemen hieß, wohl darum, dass sie Angst haben, dass die Syriza aus der Opposition heraus einen Volksaufstand auf der Straße anzettelt. Dagegen wolle niemand anregieren.

            Also womöglich wieder eine Hängepartie.

  • Roland - 17. Juni 2012

    Lt. Guardian hat Tsipras inzwischen Samaras zum 1. Platz gratuliert.

    Syriza erklärt, KEINE Regierungsbildung anzustreben.
    Damit liefe es auf 2 Möglichkeiten hinaus:
    Sollte Samaras mit einer Regierungsbildung scheitern, gibt es in 6 Wochen Neuwahlen.
    Sollte er eine Regierung hinbekommen, knallt es in 6-12 Monaten.

    Kluge Strategie der Syriza – und cleveres Kerlchen, dieser Tsipras.

  • Bernd Rickert - 17. Juni 2012

    Ein Regierungskoalition der Korruptionsparteien bringt meiner Ansicht Griechenland den Volksaufstand.

    • ergo sum - 17. Juni 2012

      Könnte schon sein — es wäre nur eine Wiederholung der Geschichte. Die Briten haben vorsichtshalber schon Evakuierung von Touristen geprobt.

    • Lothar - 17. Juni 2012

      Ich denke das ist die einzige Alternative.
      ……..

  • bauagent - 17. Juni 2012

    Singular Logic estimate of final result: ND 29.5, SYRIZA 27.1, PASOK 12.3, Ind Greeks, 7.6, GD 7, DLeft 6.2, KKE 4.5.
    Estimated seats: ND 128, SYRIZA 72, PASOK 33, Ind Greeks 20, GD 18, DLeft 17, KKE 12

    http://www.ekathimerini.com/ekathi/page1/elections2012

  • klaus - 17. Juni 2012

    Immer noch gut über 50 Prozent Sozialisten, wenn auch
    nicht organisiert.
    Dazu eine wacklige Regierung, die wer weiß
    wie lange hält.

    Und jetzt für Spanien.

    Wie sieht es aus, wenn man sich dem
    EU-Begehren beugt.

    Gibt es die Banken-Union lite, eine
    Darlehensstreckung oder oder

    ergibt man sich besser nicht?

    Da fällt ein Abstrafen der Griechen,
    wegen Spanien wohl aus.

    Tja, das Ganze nennt man wohl
    Pyrrhus-Sieg für die EU-Führung.

    Gewonnen, aber alles weiter ziemlich
    ungewiss.

    Tja.Vielleicht wäre etwas Milde angebrachter,
    als die Peitsche der Austerität.

    Vielleicht denkt man jetzt ja doch mal ein bischen.

  • Mark - 18. Juni 2012

    Na, da können sich Merkel, Schäuble, van Rompuy, Barroso, Herr Schulz, und die Troika (die eine und die andere) aber wirklich freuen. Griechenland wurde vor dem Untergang bewahrt, und Kerneuropa darf fröhlich weiterretten bis zum Untergang. So der Grundtenor der Qualitätspresse einschließlich der Aktuellen Kamera.

    Wie jeder, der HIER auch nur ein wenig mitliest, weiss, ändert das nun vorliegende “Wahlergebnis” (und den Hinweisen von bauagent schließe ich mich an) nichts -aber auch wirklich gar nichts- an der wirtschaftlichen Situation des Landes. Griechenland war nicht wettbewerbsfähig, ist nicht wettbewerbsfähig, und wird ohne eigene Währung auch nicht wieder wettbewerbsfähig werden. Sie werden die von ihnen in Anspruch genommenen Kredite nie und nimmer zurückzahlen können, selbst wenn sie wollten. Die Wirtschaftskraft reicht nicht aus. Und sie werden die “Druckerpresse” in Athen nicht freiwillig zurückgeben! Diese Fakten aber werden von den Systemmedien mit unglaublicher Chuzpe verdrängt. (Über deren Motivation können wir nur mutmaßen.)

    Die Griechen hätten gestern einigermaßen sanft den Bruch des Euros herbeiführen können haben sich aber dagegen entschieden. Verhindert haben sie ihn aber nicht – nur verzögert! Nun richten sich also alle Augen wieder auf Spanien, Italien und Frankreich. Von Deutschland wird die Rettung (also: das Ende der unsinnigen Gemeinschaftswährung) wohl nicht ausgehen, weil unsere Politiker zu schuldbeladen und zu feige sind, ihrem Souverän reinen Wein einzuschenken.

    Was bleibt ist die (zwar frustrierende aber auch) beruhigende Gewissheit, dass sich die Politik bisher noch NIE dauerhaft über die Ökonomie hat hinwegsetzen können. Es mag eine Weile dauern (wie z.B. in der DDR oder der UdSSR), aber irgendwann brechen die ökonomischen Gesetze den von der Politik vermeintlich zementierten Weg. Weder Griechenland noch der Euro oder die EU werden da eine Ausnahme sein. Und so werden wir hier weiter analysieren und diskutieren, bis irgendwann der Euro Geschichte ist.

    • lottchen - 18. Juni 2012

      > Diese Fakten aber werden von den Systemmedien mit unglaublicher Chuzpe verdrängt. (Über deren Motivation können wir nur mutmaßen.)

      Nachdem ich gestern kurz in den Presseclub reingesehen habe, dürfte reine Ignoranz und Ahnungslosigkeit eine beträchtliche Rolle spielen. Unglaublich, wie sich da die “seriöse Presse” teilweise präsentierte.

      Das Wahlergebnis kann gut auch ohne Manipulation zustande gekommen sein. Abgesehen von der einen Umfrage, in der Syriza auf 31 Prozent kam, war ND in den letzten paar offiziellen Umfragen immer mindestens gleichauf oder stärkste Partei. “Angst siegt vor Hoffnung” titelt die Zeit. Es gibt immer noch genügend, die noch genug zu verlieren haben, oder zu haben glauben. Hinzu kommt, dass in Griechenland wohl am Geburtsort gewählt wird und viele sich die Reise dahin einfach nicht mehr leisten konnten.

      • Mark - 18. Juni 2012

        > Das Wahlergebnis kann gut auch ohne Manipulation
        > zustande gekommen sein.

        Ich persönlich glaube auch nicht an massive Manipulationen. Die Griechen wissen ja schließlich, was auf dem Spiel steht.

        Ich sehe zwei Manipulationsmöglichkeiten, die mir plausibel erscheinen.

        1. Manipulierte Wahlurnen, d.h. Urnen mit dem gewünschten Ergebnis ersetzen die tatsächlichen Urnen. Da bekommt man aber schnell Probleme mit der Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen. (Ausnahme: Jemand erstellt das “gewünschte” Ergebnis parallel zur tatsächlichen Stimmabgabe und tauscht dann -nach Schließung der Wahllokale- die Urnen einfach aus.) Insgesamt ein erheblicher logistischer Aufwand, der kaum ohne eine große Anzahl Mitwisser zu bewerkstelligen ist.

        2. Falsche Auszählung, d.h. man holt Stimmzettel für “A” heraus, zählt aber für “B”. Wenn mit mindestens vier Augen ausgezählt wird, müssen zumindest beide Auszähler einer Meinung sein. Auch hier ist man nicht vor einer Überprüfung gewappnet, aber wenn’s unauffällig gemacht wird, durchaus möglich.

        Alles weitere -Addieren, Weitermelden- liesse sich schlecht manipulieren, da immer das Risiko besteht, dass jemand kontrolliert, ob die weitergemeldeten Daten korrekt im Endergebnis verbucht worden sind. Bei dem ungeheuren Interesse an dieser Wahl werden die Ergebnisse mit Argusaugen kontrolliert werden.

        > Es gibt immer noch genügend, die noch genug zu
        > verlieren haben, oder zu haben glauben.

        Und damit sind wir beim Kern angekommen. Das dachte ich mir auch. Die Beamten, die Soldaten, diejenigen, die noch eine Arbeit haben – sie alle werden sich wohl auf die Seite der ND schlagen. Sie mögen denken: “Schlimmer kann’s eh nicht werden”.

        Aber letztlich ändert das Wahlergebnis und die “Erleichterung” nichts an der Situation. Diese ist und bleibt hoffnungslos verfahren, und sie wird sich nur durch ein Ende der Eurozone beenden lassen.

  • Roland - 18. Juni 2012

    Es wird sich in Griechenland jetzt schneller zuspitzen als viele denken.

    Nach Angaben des vorläufigen Finanzmnisters ist schon Mitte bis Ende Juli Ebbe in der Staatskasse.
    Hinzu kommt, dass die Rentenversicherung so klamm ist, dass die Auszahlung der August-Renten nicht garantiert werden kann.
    Und die Krankenversicherung ist eh pleite. Medikamente gibt es praktisch nur noch gegen Cash.

    Sollte die PASOK unter diesen Bedingungen in die Regierung eintreten, ist es ihr endgültiger Selbstmord.

  • Traumschau - 18. Juni 2012

    “Wenn Wahlen etwas ändern würden, dann wären sie verboten!” Wichtig sind folgende Tatsachen:
    1. G. kann mit dem Euro niemals wettbewerbsfähig werden – in tausend Jahren nicht, egal wie viel sie “sparen” oder auch nicht.
    2. Das sich Linke und Konservative trotzdem darin einig sind, im Euro verbleiben zu wollen, hat seinen Grund in den “Geldquellen” des Euro-Systems und dessen Konstruktion. G. wäre angesichts dieser Tatsachen selten dämlich, wenn es den Euro freiwillig verlassen würde – auch wenn es für die Menschen und das Land insgesamt die bessere Wahl wäre.
    Schauen sie mal hier:
    http://www.jjahnke.net/rundbr92.html#2702
    Querschüsse hat ja auch immer wieder diverse Beiträge dazu veröffentlicht. Hier kommt noch mal die geballte Ladung!

  • Lazarus09 - 18. Juni 2012

    Es gibt keine echte Wahl aus der Vorauswahl … wir brauchen keine karrieregeile korrupte Berufspolitiker sondern Volksvertreter egal wo…nur die sind nirgends in Sicht wenn es jemals gab.

    Klappen wir das Demokratie Märchenbuch zu ….

  • Lazarus09 - 18. Juni 2012

    EDIT….nur die sind die nirgends in Sicht wenn es jemals gab.

  • Lazarus09 - 18. Juni 2012

    EDIT ..nicht mein Tag heute ;-)…nur die sind nirgends in Sicht wenn es sie jemals gab.

  • SLGramann - 18. Juni 2012

    Mein Fazit: Die Griechen haben sich aus Angst vor dem Unbekannten für ein “Weiter so” entschieden.
    Menschlich ist das sogar verständlich. Die Angst, die geringen monatlichen Bezüge demnächst in einer neuen Drachme ganz ungewissen Wertes statt in harten Euro zu bekommen, hat die Menschen zur ND getrieben.

    Klar ist aber auch, dass die korrupte und vollkommen unfähige ND niemals in der Lage sein wird, das Schicksal des landes zum Guten zu wenden.

    Die Hängepartie geht weiter. Es wird etwas weniger gespart werden, der Absturz Griechenlands wird sich vielleicht etwas verlangsamen, aber er wird weitergehen.
    Eine Politik der Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit wird perpetuiert. Und über so etwas jubeln unsere Eurokraten.

  • TSTM - 18. Juni 2012

    Da hat doch tatsächlich die Geschäftsleitung eines privatisierten Gefängnisses beschlossen, den Inhaftierten die Schlüssel zu überreichen, damit diese in die Freiheit gelangen können.

    Die Häftlinge allerdings haben von innen abgeschlossen.

    Grosser Applaus der Direktorin und des Vorstands! Zur Belohnung wurde ein Fussball-Freundschaftsspiel Wärter vs. Insassen für den 22.06. angesetzt.

    Von wegen Demokratie sei eine Mär, da ist sie doch; sogar in Vollendung!
    Und letztlich ist Selbstmord ja nicht strafbar, kann ja jeder machen was er will.

  • Roland - 18. Juni 2012

    Der einfältige Satz: “Wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie verboten” – ist nicht nur in Venezuela, Bolivien und anderswo ad absurdum geführt worden, sondern jetzt auch wieder in Griechenland.

    Die sozialdemokratische PASOK hat gegenüber ihrer verheerenden Wahlnierderlage im Mai weitere 8 Sitze verloren und damit seit dem kürzlichen Ende der Papademos-Regierung über 80 % ihrer Sitze. Sie ist erledigt.
    Die politische Situation in Griechenland ist nach der gestrigen Wahl extrem fragil.

    Sollten bis Ende Juli nicht noch Gelder aufgetrieben werden können, um die Renten für August zu bezahlen, dann kracht es.

    • Traumschau - 18. Juni 2012

      Was sollte sich denn ihrer Meinung nach jetzt in G. ändern? Das sehe ich nicht. Die Propagandamaschine hat ganze Arbeit geleistet – mit Angst lässt sich sehr gut Politik machen – TINA lässt grüßen. Das nicht nur wir in D. verarscht werden, sondern auch die Völker in ganz Europa, sollte so langsam jedem einleuchten. Auch der Wahlsieg Hollandes und seiner Partei wird an den Zuständen nichts ändern. Erst wenn Hollande sein Wahlversprechen einlöst und eine Vermögenssteuer von 75% eingeführt, glaube ich an zarte Veränderungen in der Europolitik.

  • hunsrückbauer - 18. Juni 2012

    Wenn der Wahlausgang denn nicht gefälscht ist, so haben sich die GR mit diesem Ergebnis selber in den Allerwertesten getreten um sich weiter von dem Triumvirat EU, EZB, IMF unter Merkels Gauleitung, in den Allerwertesten treten zu lassen.

    So blöd kann doch kein Mensch nicht sein, das ist absurd. Ob an dem Wahlergebnis gedreht wurde?

    • Traumschau - 18. Juni 2012

      Wer weiß das schon? Kann man von hier aus nicht sagen. Vielleicht sickert in den nächsten Tagen mal was brauchbares dazu durch. Ausschließen würde ich gar nichts!